4.10.22

Bericht aus Bulgarien (239) - "Bacillus Bugaricus"

Infizierter Schafjoghurt mit Blaubeeren

In den Schluchten des Balkans befällt regelmäßig der Bacillus Bulgaricus die Milch von der Kuh, der Ziege und auch die vom Schaf, macht aus ihr den berühmten bulgarischen Joghurt. Den besten mit dem Bacillus Bulgaricus infizierten Schafjoghurt in unserer Region im Nordwesten gibt es im "Komplex Stalin" bei mir um die Ecke. Der Bacillus Bulgaricus macht die Milch besonders sauer, aber nicht nur das. Auch Menschen können sich mit dem Bacillus Bulgaricus anstecken. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Wer sich einmal den Bulgaricus Bulgaricus eingefangen hat, der wird ihn sein Leben lang nicht mehr los. Als Betroffener kann ich vor dem Bacillus Bulgaricus nur warnen. Der Bacillus Bulgaricus macht den Menschen nicht nur spontan, sondern sprunghaft, regelrecht unberechenbar und oft auch unkontrollierbar.   -   Das Schlimmste, was einem heute passieren kann.

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3.10.22

Bericht aus Bulgarien (238) - "Nach der Wahl"

Der Rebellen-Wasserfall

Nachdem ich meine Stimme abgegeben hatte, es gab diesmal keine Wahlautomaten bei uns im Dorf, hat mich Jerry, der gestern Geburtstag hatte, mit seinem Lada "Niva" russischer Bauart vom Wahllokal abgeholt und wir sind in die Natur gefahren. Stundenlang sind wir durch den Wald gelaufen, ohne dass wir auch nur einer Menschenseele begegnet wären. Am Ende kamen wir zu den Heiducken-Wasserfällen, was ich jetzt einfach mal mit Rebellen-Wasserfällen übersetze, auch wenn wir uns gar nicht wie Rebellen gefühlt haben, sondern eher wie die letzten Überlebenden oder so ähnlich. Weil wir Hunger hatten, und auch um doch noch unter Leute zu kommen, sind wir danach noch zum Genossen Stalin gefahren. Bevor Jerry für jeden von uns eine Forelle bestellt hat, für die der Genosse Stalin bekannt ist, hat sich Jerry bei Frau Stalinowa, das ist die Tochter vom alten Stalin, dafür entschuldigt, dass wir an einem Sonntag in ihrem Komplex, der früher einfach nur Grill hieß - "Grill Stalin", aufgeschlagen waren, aber wir hatten einfach Hunger gehabt, wir zwei Überlebenden. Frau Stalinowa versteht auch Englisch, denn sie ist sehr serviceorientiert. Sie hat ihre Ausbildung bei den kalifornischen Genossen genossen. Dass sie mir irgendwann mal geraten hatte, nicht am Wochenende zu kommen, hatte den Hintergrund, dass man ihr am Wochenende die Forellen praktisch vom Kopf frisst. Das war zum Glück gestern nicht der Fall, obwohl der "Komplex Stalin", wie der Grill jetzt heißt, sehr gut besucht war. Eine bestimmte Besucherzahl macht manche Küche noch besser, als sie eh schon ist. So weit meine gestrige Beobachtung als kleiner Gourmet. Zum Schluss gab's Stalins berühmten Schafjoghurt mit von als Heiducken verkleideten Kommunisten gepflückten Blaubeeren vom Rebellen-Wasserfall, über den ich morgen berichte.

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2.10.22

Bericht aus Bulgarien (237) - "Zu optimistisch"

Unser Brunnen mit Mineralwasser im Dorfzentrum

Erste Hochrechnungen haben ergeben, dass die Wahlbeteiligung bei der heutigen Parlamentswahl in den Schluchten des Balkans bei noch nicht einmal 35 Prozent gelegen haben soll. Dann wäre ich mit meinen 36,8 Prozent von heute Nachmittag also noch zu optimistisch gewesen. Meine andere Prognose dürfte aber stimmen, und zwar dass es keine neue Regierung geben wird in Bulgarien. Komischerweise nähert sich die Wahlbeteiligung immer mehr der Impfquote in Bulgarien an. Die liegt bei 30 Prozent. Vielleicht leben auch nur noch 35 Prozent der Bulgaren. Den Rest hat möglicherweise Corona dahingerafft - es hat nur noch niemand bemerkt.

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Bericht aus Bulgarien (236) - "Wasser statt Wahlen"

Taxi mit Brunnen und Bürgermeisteramt

Die Wahllokale schließen in Bulgarien um 20 Uhr, also 19 Uhr deutscher Zeit. Das Wahllokal ist in unserem Dorf im Bürgermeisteramt. Das ist der Plattenbau rechts im Bild. In der ersten Etage, wo draußen die bulgarische Fahne hängt, ist das Büro von meinem Bürgermeister. Da ist heute das Wahllokal, wo man seine Stimme abgeben kann. Wahlautomaten gab es heute nicht in unserem Dorf. Es wurde wie früher mit Stimmzettel gewählt. Ein Chaos wie bei der letzten Wahl in Berlin gab es nicht. Es fand aber auch kein Marathon statt. Es gab nur den üblichen Run auf unseren Brunnen mit Mineralwasser. Täglich halten dort Menschen an und füllen sich Flaschen ab. Manche Autos sind voll mit Plastikflaschen, die abgefüllt werden werden wollen. Da der Andrang am Brunnen größer war als der im Wahllokal, sind meine persönlichen Prognosen 36,8 Prozent Wahlbeteiligung und keine Regierung nach der Wahl. Diese wurden von unserem Dorforakel Sarah bestätigt, und zwar durch dreimaliges Bellen. Sarah ist die Hündin, die den Brunnen bewacht, und die, wenn es das Geschehen am Brunnen zulässt, sich auch ihr Wasser von dort holt.

Unser Dorforakel Sarah am Brunnen

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Bericht aus Bulgarien (325) - "Wir sind im Krieg mit Russland"


Jetzt ist es nicht nur raus, sondern auch sicher, denn unser Gesundheitsminister hat es gesagt: "Wir sind im Krieg mit Putin." - Auch du! Du brauchst dich nicht mehr für Waffenlieferungen in die Ukraine einzusetzen. Du kaufst dir besser selbst eine Knarre. Die kannst du auch auf deinem E-Roller benutzen. Lass dich durch die Fotos nicht irritieren. In Bulgarien kann man sich einen E-Roller nur nicht leisten.


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Bericht aus Bulgarien (324) - "Das redundante Ich"

Ne glasuvam - (Ich) wähle nicht (früher)

Redundant bedeutet, dass etwas doppelt oder mehrfach vorhanden ist. Der Begriff leitet sich von dem lateinischen Wort redundare ab (re = „zurück“ und unda = „Welle“) und steht im übertragenen Sinne für „überreichlich“, „wiederholt“ oder „überzählig“. In der bulgarischen Sprache betrifft die Redundanz regelmäßig das Personalpronomen, das man demzufolge einfach weglässt, um sich nicht zu wiederholen, obwohl man sich eigentlich gar nicht wiederholt, denn welche Person gemeint ist, ergibt sich nur aus dem Verb. Folgendes, aktuelles Beispiel soll dies veranschaulichen: Ne glasuvam (не гласувам) heißt genau genommen nur "wähle nicht", meint aber "ich wähle nicht" - das "ich" wird einfach weggelassen. Weitere Beispiele wären: du wählst nicht =  не гласуваш (ne glasuvash) und: wir wählen nicht = не гласуваме (ne glasuvame). Dass im Bulgarischen redundant sein soll und praktisch auch ist (im Deutschen ist es das nicht, ich kann nicht sagen "wähle nicht" anstelle von "ich wähle nicht"), wer wählen geht, ist merkwürdig und schreit förmlich nach einer Erklärung, die über das rein sprachliche hinausgeht. Eine Möglichkeit ist, dass die einzelne Person, um die es geht, einfach nicht wichtig ist, oder mit anderen Worten: die Person ist nichts wert. Angesichts des Lebens hier, von dem nicht wenige Bulgaren meinen, es sei keine fünf Stotinki (2,5 Cent) wert, erscheint dies sogar logisch. Man sollte allerdings nicht den Fehler machen, der im Westen gerne gemacht wird, zu denken, dass das, was nichts wert ist, automatisch dumm ist. Das ist auch nicht besonders intelligent, sondern einfach nur materialistisch gedacht. Meine Erfahrung hier in Bulgarien jedenfalls ist, dass es möglicherweise einfach nur "dumm gestellt"* ist, um eine schlimme Zeit zu überbrücken, so wie die Bulgaren die Zeit unter türkischer Herrschaft überlebt haben, indem sie aus Ja Nein und aus Nein Ja gemacht haben. Ob das stimmt, und ob es bei der heute stattfindenden vierten Wahl in eineinhalb Jahren erneut zutrifft, indem nochmals weniger als bei der letzten Wahl wählen gehen, da waren es bereits nur 40 Prozent gewesen, wird man sehen. Ich rechne fest mit einer Wahlbeteiligung unter 40 Prozent und denke deswegen, dass es an der Zeit ist, die Kompetenz und auch die Legitimation der sich zur Wahl stellenden ernsthaft in Frage zu stellen, aber vor allem zu fragen: Cui bono? - Wem zum Nutzen?

* Bei "dumm stellen" muss ich an folgendes Sprichwort denken: "Der aus dem Osten ist schlau und stellt sich dumm, bei dem aus dem Westen ist es anders rum."

Ne glasuvam - (Ich) wähle nicht (heute)

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1.10.22

Bericht aus Bulgarien (323) - "Politisch Inkorrekt im Staatlichen Bulgarischen Nationalradio"


Es ist wirklich so: Man kann in Bulgarien alles sagen - sogar im Staatlichen Bulgarischen Nationalradio "Christo Botew". Hier ein Interview von dreien, was David Engels vor der abendlichen Veranstaltung im Konferenzsaal Nr. 1 im Zentrum von Sofia gegeben hat. Das Interview geführt hat Petir Volgin in seiner regelmäßigen Sendung "Politisch Inkorrekt", übersetzt hat es Martin Petrushev, der auch die Bücher von David Engels ins Bulgarische übertragen hat. Da wir in besonderen Zeiten leben, in der Selbstverständliches nicht mehr selbstverständlich ist, erlaube ich mir folgendes hinzufügen: Es geht nicht darum, in allem mit David Engels übereinzustimmen. Wer dies meint zu müssen, hat Demokratie nicht verstanden. Es geht darum, dass er dies sagen darf, nicht nur im Staatlichen Bulgarischen Nationalradio, sondern beispielsweise auch bei Öffentlich/Rechtlich in Deutschland, was mir derzeit allerdings mehr als unwahrscheinlich erscheint.

Video RationalerWiderstand
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Bericht aus Bulgarien (322) - "Freedom of Speech in Großbritannien und Bulgarien vs. Neue Impfkampagne in Deutschland"

Vidin - Lom - Sofia

Ich komme gerade aus der nächst größeren Vraca, wo ich für meinen nächsten Artikel Menschen zu den morgigen Wahlen interviewt habe. Am Bahnhof traf ich eine junge Anwältin, die in London arbeitet. Nachdem ich sie befragt hatte, wollte sie von mir wissen, ob ich irgendwann nach Deutschland zurückkehren werde. Sie war neugierig, weil es in Großbritannien genauso ist wie in Bulgarien, was die Redefreiheit und das Impfen angeht. Auch im Vereinigten Königreich könne man alles sagen und es gäbe keinen Druck auf Ungeimpfte und auch keine Diskriminierungen wie in Deutschland und Österreich. Die junge Juristin wusste, dass es in den beiden deutschsprachigen Ländern anders ist, weswegen viele Bulgaren bereits von dort in ihre Heimat zurückgekehrt sind oder gerade dabei sind zurückkehren. - Gerade lese ich im ehemaligen Nachrichtenmagazin aus Hamburg, dass in Deutschland eine nächste größere Impfkampagne vorbereitet wird. Ab 1. Oktober ist grundsätzlich eine Auffrischimpfung – also eine dritte Spritze – nötig, um als »vollständig geimpft« zu gelten. Der Corona-Zirkus geht also wie erwartet weiter in der Heimat, allerdings nur für Geimpfte. Als nicht Geimpfter geht er an mir vorbei, weil ich nicht "vollständig geimpft" sein kann. Das gebietet die Logik. Geimpft bin ich aber trotzdem, und zwar gegen Angst- und Panikmache. Ich verbringe viel Zeit an der frischen Luft, was auch dem Denken guttut. Das kann ich auch nur jedem empfehlen, beispielsweise indem er auf die Straße geht, auf der ich mein halbes Leben zuhause war.  -  So meine Antwort auf die Frage der Anwältin.

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Bericht aus Bulgarien (321) - "Neulich im Goethe-Institut in Sofia"

Konstantinow neben Markow

Als ich am Mittwoch in Sofia war, war ich auch im Goethe-Institut, um Bücher zurückzubringen, die ich mir aus der dortigen Bibliothek ausgeliehen hatte. Das Goethe-Institut befindet sich in der Budapester Straße 1 im Zentrum der bulgarischen Hauptstadt in einer alten Villa, die Bibliothek ist dagegen ganz modern. Alleine dieses Kontrastes wegen lohnt sich der Besuch, aber natürlich auch der Bücher wegen. Für mich war es eine besondere Ehre zu sehen, dass das von mir herausgegebene "Nach Chicago und zurück" von Aleko Konstantinow neben den beiden Romanen von Georgi Markow, "Die Frauen von Warschau" und "Das Porträt meines Doppelgängers", steht. Das zweite von mir herausgegebene Buch, "Bai Ganju, der Rosenölhändler", war offensichtlich ausgeliehen. Sowohl die Bücher von Aleko Konstantinow, als auch die von Georgi Markow hat der Wieser-Verlag in Klagenfurt herausgebracht. Es gibt aber noch eine andere Verbindung zwischen den beiden Autoren. Beide sind einem Attentat zum Opfer gefallen. Georgi Markow auf der Waterloo-Bridge in London. Das Attentat auf ihn ist auch als "Regenschirm-Attentat" bekannt. Konstantinow saß in einer offenen Kutsche, als er unweit der Stadt Peschtera in Bulgarien erschossen wurde. Beide Autoren hatten also auch Feinde. Sie sind darüber hinaus, sowohl was ihre Persönlichkeit, als auch was ihr Werk angeht, Ausnahmepersönlichkeiten. Im Ausland sind sie leider kaum bekannt. Entsprechend schwer war es, einen Verlag für Aleko Konstantinow zu finden. Herausgegeben wird nur, was sich lohnt, womit man Geld verdienen kann. Bevor ich nach mehr als einem Jahr intensiver Suche endlich im österreichischen Klagenfurt einen Verlag für die beiden Bücher Konstantinows fand, hatten zuvor 50 von mir kontaktierte Verlage in Deutschland deren Veröffentlichung abgelehnt. Die Entscheidung der Verlage war rein betriebswirtschaftlich. Sie hatte mit dem Autor und den Büchern selbst, ihrem Inhalt und Wert, rein gar nichts zu tun. Wie auch, denn die Verlage in Deutschland kannten weder Konstantinow, noch sein Werk.

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30.9.22

Bericht aus Bulgarien (320) - "Wahlmüdigkeit vs. Kriegsmüdigkeit"

Sitz des bulgarischen Präsidenten

In Bulgarien wird am Sonntag wieder gewählt, es ist bereits die vierte Wahl in eineinhalb Jahren. Experten erwarten eine noch niedrigere Wahlbeteiligung als bei der letzten Wahl im November, und da lag sie bereits bei nur 40 Prozent. Da die letzte Regierung "pro-westlich" war, war das kein Problem für den Westen. Die Wahl musste also nicht rückgängig gemacht werden wie neulich noch in Thüringen. Auch die Legitimation der Regierung, die kaum mehr als 20 Prozent der Stimmen aller zur Wahl Berechtigten erhalten hatte, war nie ein Thema gewesen. Dafür war das verlorene Misstrauensvotum der "pro-westlichen" Regierung ein "Sturz". Immerhin, die vom bulgarischen Präsidenten, der wiederum "pro-russisch" sein soll, daraufhin eingesetzte amtsführende Regierung könnte auch nach der Wahl am Sonntag einfach weiter regieren, selbst wenn sie neulich noch auf einen neuen, langfristigen Vertrag mit Gazprom verzichtet hat, weswegen einige Bulgaren nicht nur frieren werden im Winter, sondern es wahrscheinlich auch nur "Die Wahl vor der Wahl" sein wird, was wiederum daran liegt, dass mit einem Patt als Wahlausgang gerechnet wird. Ein Grund dafür ist die Wahlmüdigkeit der Bulgaren, die zwar nicht schön, aber immer noch besser als die Kriegsmüdigkeit der Deutschen ist. Weitere Gründe stehen in meinem Artikel in der "Epoch Times", der gerade online gestellt wurde, und der morgen auch in der Printausgabe erscheint.

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War On Europe - Are You Ready?


Wer das Schwert erhebt, wird durch das Schwert umkommen, so steht es bei Matthäus. Auch wenn "nur" Schwerter, also Waffen, geliefert werden, scheint es sich ähnlich zu verhalten. Und wer's es noch nicht begriffen hat, den muss man "nudgen", sozusagen reinschubsen in den Krieg. Vorher sollte er noch Verträge über teures Fracking-Gas abschließen, und dann kann es auch schon los gehen mit dem Krieg. Für den Amerikaner scheint er schon begonnen zu haben. Nur der deutsche Michel schläft mal wieder, so wie man es von ihm gewohnt ist, oder ist gerade mit dem Kauf bekannter Bahnsteigkarte beschäftigt. Unsere Freiheit scheint nicht am Hindukusch und auch nicht in der Ukraine bedroht zu sein, sondern vor unserer Haustür, in der Ostsee, und das vom Amerikaner. Wer's nicht glaubt, folge dem Geld. Der Dollar ist neuerdings nicht nur mehr wert als der Euro, sondern sein Höchststand war mit 1,04 Euro am Tag nach den Anschlägen auf Nord Stream 2.

Video NachDenkSeiten
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Bericht aus Bulgarien (319) - "Albanien und Amerika"


Erfahre gerade, dass die USA zusammen mit Albanien eine Resolution in den UN-Sicherheitsrat in New York eingebracht hat, welche die sogenannten Referenden in den russisch kontrollierten ukrainischen Gebieten verurteilt. Dazu der Spiegel, das ehemalige Nachrichtenmagazin aus Hamburg: "Die von den USA und Albanien eingebrachte Resolution hat freilich keinerlei Chancen angenommen zu werden". Die Zusammenarbeit der USA mit dem kleinen Land Albanien gleich bei mir um die Ecke hat eine lange Tradition, die in obigem Film nachgespielt wird, in dem die USA einen Bürgerkrieg in Albanien inszeniert. Der Unterschied zum heutigen Krieg in der Ukraine ist der, dass es dort heute ein echter Krieg ist. Dem Produzenten des Krieges in Albanien, der von Dustin Hoffmann gespielt wird, war nach seiner erfolgreichen Inszenierung kein langes Leben mehr beschieden. Er stirbt noch im Film. Es bleibt abzuwarten, was mit dem Produzent des heutigen Krieges geschieht.

PS: Dass Bulgarien nicht gemeinsam mit Amerika die Resolution eingebracht hat, lag daran, dass hier Ja Nein und Nein ja bedeutet. Umso überraschender die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten mit Albanien, denn dort ist es genauso.

Video YouTube
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Bericht aus Bulgarien (318) - "Dollar > Euro"

Lew > Euro (aktuelles Graffito in Sofia)

Der Dollar ist neuerdings mehr Wert als der Euro. Seit seiner Einführung war dies immer umgedreht. Der höchste Stand war bisher am Dienstag, da hat der Dollar 1,04 Euro gekostet. Präsident Biden hat das erreicht, wovon Trump nur sprach: "Make Amerika Great Again!". Trump also nur ein Maulheld, im Gegensatz zu Biden, der bereits vor dem Krieg in der Ukraine zusammen mit "Fuck the EU" Nuland Nord Stream 2 ein Ende setzen wollte. Genau das ist gerade geschehen. - Die letzte, "pro-westliche" bulgarische Regierung unter Kiril Petkow, möglicherweise ist "pro-amerikanische" richtiger, plante den Euro auch in Bulgarien einzuführen. Im Juni wurde ihr im Parlament allerdings das Vertrauen entzogen, und zwar durch ein Misstrauensvotum. Eigentlich ein ganz normaler Vorgang in einer Demokratie, trotzdem war im Westen von einem "Sturz" die Rede. Derzeit hat Bulgarien eine vom Präsidenten Rumen Radev, der von westlichen Medien gerne als "pro-russisch" bezeichnet wird, eingesetzte amtsführende Übergangsregierung, die neulich auf einen neuen, langfristigen Vertrag mit Gazprom verzichtet hat. Am Sonntag sind wieder mal Wahlen im Land, es sind die vierten in eineinhalb Jahren. Wie es dazu kam, wie es dabei zugeht und was bei ihnen herauskommen könnten, darüber habe ich einen Artikel geschrieben, der morgen in der Printausgabe der "Epoch Times" erscheint. Möglicherweise wird der in dem Beitrag von mir erwartete Ausgang der Wahlen auch die geplante Euro-Einführung in Bulgarien weiter hinauszögern, wenn nicht gar verunmöglichen, auch weil der Euro jetzt weniger wert ist als der Dollar, aber natürlich nicht nur.

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29.9.22

Bericht aus Bulgarien (317) - "Gestern in Sofia"

Konferenzsaal Nr. 1 im Herzen Sofias

Die gestrige Veranstaltung mit David Engels in Sofia war mit 50 Menschen, darunter viele junge, die auch deutsch sprachen, gut besucht. Dass sie deutsch sprachen, lag daran, dass sie einige Zeit in Deutschland oder Österreich gelebt haben, manche viele Jahre, bevor sie aktuell nach Bulgarien zurückgekehrt sind. Das Leben in den beiden deutschsprachigen Ländern war ihnen unerträglich geworden, so wie mir mein Leben in Berlin unerträglich geworden ist, weswegen sie in ihre alte Heimat zurückgekehrt sind. Einer von ihnen hatte sogar meinen ersten Artikel "Bulgarien - die große Freiheit" gelesen. Da war er gerade einen Monat zurück gewesen, nachdem er 13 Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet hat. Eine Rückkehr nach Bulgarien war nicht geplant gewesen, aber er hat keinen anderen Ausweg für sich gesehen. Mein Beitrag hätte ihm aus dem Herzen gesprochen, sagte er mir, was ein tolles Kompliment für mich war. So wie er waren auch viele andere der Meinung, Deutschland und Österreich besser zu verstehen, als die meisten Deutschen und die Österreicher selbst, und das ist auch meine Einschätzung. Beide, sowohl der Deutsche als auch der Österreicher, sind so sehr mit ihrer Angst, ihrer Kontrollillusion und der sich daraus ergebenen Depression beschäftigt, dass sie den Blick für das Große und Ganze verloren haben. Vor allem ist es die Angst vor Veränderungen, obwohl sie doch gerade das Wichtigste im Leben sind, und dem Verlassen ihrer Komfortzone, was als nächsten ansteht. So denken nicht nur die meisten Bulgaren und ich, sondern auch der aus Belgien stammende Historiker David Engels, der sich schon 2018 nach Polen in Sicherheit gebracht hat, und um dessen beiden Bücher "Was tun?" und "Renovatio Europae" es ging. Beide sind gerade ins Bulgarische übersetzt worden und verkaufen sich nach Angaben des Verlegers, der gestern ebenfalls anwesend war, ausgesprochen gut. Gestern hatte praktisch jeder Besucher der Veranstaltung eins von beiden unterm Arm, viele auch beide. Anfang Oktober wird "Angstgesellschaft" von Hans-Joachim Maaz auf Bulgarisch erscheinen, ich habe gestern schon das Cover gesehen. Ich bin gespannt, wie dieses Buch ankommt, und ob Hans-Joachim Maaz auch nach Bulgarien kommt und Fragen seiner Leser beantwortet. Ob eine solche Lesung an einem so zentralen Ort wie in Sofia beispielsweise auch in Berlin möglich wäre, war eine von vielen Fragen, die gestern gestellt wurde. Ich glaube, eher nicht. Wenn einer meiner Leser es besser weiß, möge er sich bitte melden. Vielen Dank!

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28.9.22

Bericht aus Bulgarien (316) - "Ein Land, wo Trauben, Grundstücke und Häuser auf der Straße liegen"

Mann muss sie nur auflesen

Als ich noch Taxi gefahren bin in Berlin, lag das Geld auf der Straße und auch die ein oder andere leere Flasche auf zwei Beinen, die ich aufgesammelt habe. In Bulgarien liegt das Geld definitiv nicht auf der Straße, dafür aber Weintrauben. Nicht nur viele Häuser sind verlassen, es soll in Bulgarien 592 Dörfer geben, die ganz verlassen sind oder nur noch einen Einwohner haben, sondern es gibt dort oft auch Wein, dessen Lese jetzt ansteht. Meine Trauben sind vom Nachgrundstück, auf dem das Haus gerade zusammenfällt. Es ist nicht mehr zu retten, dafür aber der Wein, der wie wild wächst und immer noch Trauben trägt, obwohl es viele Jahre her ist, dass sich jemand um ihn gekümmert hat. Ich habe Traubensaft aus des Nachbarn Wein gemacht, was eine Heidenarbeit war, die sich aber gelohnt hat. Die drei Liter Traubenwein schmecken wie aus einer anderen Welt. So etwas kann man nicht kaufen, mit keinem Geld der Welt. Ich trinke ihn aus kleinen Schnapsgläsern, so gehaltvoll ist er. Was das Nachbargrundstück angeht, so kann man offiziell nichts machen, weil die Erben auf der ganzen Welt verstreut sind und es auch keine gültigen Dokumente gibt, um es zu besitzen. Ich weiß das von meinem Bürgermeister, der meint, ich solle es einfach benutzen und mich um den Wein kümmern, für das Haus ist es bereits zu spät, und genau das habe ich als halber Deutscher gemacht.  -  Ich habe getan, was mein Bürgermeister mir gesagt hat.

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