28.09.2020

Aufräumen mit TaxiBerlin


Man muss das Leben tanzen

Die letzten Wochen und Monate habe ich mich, ich hatte es bereits erwähnt, mit aufräumen beschäftigt. Ich hätte im Leben nie gedacht, dass ich noch mal so viel aufräumen würde. Das Aufräumen hat sich bei mir zu einer regelrechten Sucht entwickelt, der Fachbegriff ist Zwangsneurose, gegen die kein Kraut gewachsen ist. Früher hat der Alkohol bei mir das Aufräumen wenn zwar nicht völlig eindämmen, so zumindest etwas zurückhalten können. Aber nachdem ich schon vor Jahren dem Alkohol meine Absage erteilt habe, sind nun alle Dämme gebrochen. Deswegen kann ich nur jeden warnen, der noch von irgendetwas abhängig ist, und sei es nur vom Internet oder Smartphone: Bleibe bei deiner Droge, denn die kennst du! Du weißt nie, was dich ohne sie erwartet. Ich habe wie gesagt den Sprung ins Ungewisse gewagt und bin beim Aufräumen gelandet. Es gibt sicherlich Schlimmeres, wie das im Leben immer so ist. Ich könnte mir aber auch was Schöneres vorstellen. Die Zwangsneurose äußert sich bei mir so, dass ich ständig Sachen von A nach B räumen muss. Wenn ich Zeit finde, sortiere ich Sachen zum wegschmeißen raus, aber meist habe ich dafür keine Zeit. Denn noch bevor die Dinge bei B angekommen sind, sind sie dort schon wieder verkehrt, und ich muss sie nach C räumen. Auch hier versuche ich Sachen auszusortieren, aber auch das gelingt mir meist nicht. Und dieser Mangel an Zeit, das habe ich jetzt herausgefunden, ist das eigentliche Problem. Denn die Sachen müssen jetzt schon wieder von C nach D geräumt werden, und von dort dann gleich wieder nach E, von da nach F und so weiter und so fort. Das Aufräumen ist aber nicht nur Sucht, sondern auch Symptom, welches mich darauf hinweisen will, dass ich einerseits zu viele Sachen habe, vor allem aber darauf, dass man Zeit braucht, sich von Dingen zu trennen. Zum Glück gehen beim Aufräumen auch immer wieder Sachen kaputt, über die ich dann nicht weiter nachdenken muss. Nicht umsonst sagt der Volksmund: „Dreimal umgezogen ist wie einmal abgebrannt.“ Wenn das nicht wäre, dann wäre ich komplett am Arsch, aber so bin ich es nicht ganz. Was den Mangel an Zeit angeht, da denke ich, dass er gewollt ist. Wer genau für ihn verantwortlich ist, das weiß ich nicht. Das kann praktisch keiner wissen, weil der Mangel an Zeit genauso wie die allgemeine Verantwortungslosigkeit von langer Hand organisiert ist. Wem diese lange Hand gehört, das wird man erst in der Zukunft wissen, oder auch nicht. Es wäre nicht das erste Mal, dass am Ende jemand büßen muss, der gar lange Hand hat. Was das Aufräumen angeht, so habe ich mittlerweile eine gewisse Routine entwickelt. Wusste ich früher nie, wo sich irgendwelche Sachen befinden, so weiß ich heute über jedes Ding, das ich besitze, bescheid, selbst wenn es gerade auf dem Weg von X nach Y ist. Ich sehe sozusagen durch. Und das ist unglaublich befreiend, aber auch nicht ganz ungefährlich. Ich sehe beispielsweise, dass ich nie mehr Taxifahren werde. Und da ich auf keinen Fall für Uber arbeite, Mann hat schließlich auch noch Ehre, geht gerade ein wichtiges Kapitel meines Lebens zu Ende, was mich sehr traurig macht, denn Taxi war mein Leben und Taxifahren mein Lebenselixier. Es beginnt etwas Neues bei mir, und vermutlich auch bei vielen anderen, von dem ich noch nicht weiß, was es genau ist, was mich unsicher macht und frustriert, und manchmal macht es mich regelrecht aggressiv. Was das Taxifahren angeht, da habe ich realisiert, dass ich mit dem Taxi nicht nur Personen von A nach B befördert habe, gelegentlich ging es dann auch weiter nach C oder auch D, aber das war die Ausnahme, sondern dass ich mit meinem Taxi immer auch auf der Suche war. Jemand meinte mal übers Taxifahren, dass es kein Ziel hätte, was in gewisser Weise stimmt. Aber bekanntlich ist der Weg das Ziel. Der Weg, das waren für mich die Straßen und Plätze Berlins, aber auch die Schluchten des Balkans. Das Ziel war die Suche. Diese Suche ist beendet. Wonach ich genau gesucht habe, verrate ich bei Gelegenheit mal. Soviel kann ich sagen: Ich habe das, was ich gesucht habe, gefunden. Aber weder auf den Straßen und Plätzen Berlins, noch in den Schluchten des Balkans, sondern in mir selbst. Das ist die beste Voraussetzung, um etwas Neues zu beginnen. Aber der Weg der Erkenntnis ist ein steiniger und voller Dornen, der mit Tränen und Schmerzen verbunden ist. Oft musste ich an den Song von Johnny Cash über einen Mann denken, der nicht weinen konnte, und dann weinte er „for years and for years“, und das, obwohl ich sonst mit Johnny Cash nichts anfangen kann. Wer mich kennt, der weiß, dass ich es eher mit Bob Dylan halte, und der meint, dass man besser anfangen solle zu schwimmen, will man nicht „sink like a stone“ (wie ein Stein untergehen). Was für Bob das Schwimmen ist, das war für Freund Nietzsche das Tanzen. Kollege Nietzsche war ein großer Tänzer, und er empfahl, das Leben zu tanzen.
Jemand hat mir mal empfohlen, meine Radiosendung „Hier spricht TaxiBerlin“ mit nur einem Zitat zu beenden und nicht mit mehreren, und dieser Rat ist im Prinzip richtig. Dass ich in diesem Beitrag Jonny Cash, Bob Dylan und Friedrich Nietzsche zitiere, damit will ich mich nicht wichtig machen, sondern es soll zeigen, dass sowohl Jonny Cash, als auch Bob Dylan und sogar Friedrich Nietzsche Gedanken hatten, die wichtig waren und immer noch sind, die miteinander in Verbindung stehen. Alles hängt miteinander zusammen. Aufräumen kann helfen, diese Zusammenhänge zu erkennen. So war es zumindest bei mir. Was nun meine Radiosendung „Hier spricht TaxiBerlin“ angeht, so werde ich sie, da ich kein Taxi mehr fahre, abgeben. Wer sie übernehmen möchte und noch Taxi fährt, der kann sich gerne bei mir melden. Ruf mich aber bitte nicht an, sondern schreibe mir eine e-mail. Danke!

Foto&Text TaxiBerlin

19.09.2020

Der Corona Ausschuss




Bevor es mit "Dem nächsten großen Ding nach Corona" losgehen kann, muss es nur noch den Corona Ausschuss geben, das ist klar. Hierzulande muss schließlich alles seine Ordnung haben. Zumindest war das früher so. Ob das heute noch so ist, das weißt du zu hause besser als ich in den Schluchten des Balkans, von wo aus die Lage in der Heimat hoffnungslos erscheint. Wie immer dem auch ist. So wie oben, oder so ähnlich, könnte ein solcher Corona Ausschuss aussehen.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

18.09.2020

Das nächste große Ding nach Corona




Während die meisten noch auf der Suche nach Corona sind, machen sich ersten bereits Gedanken darüber, was nach Corona kommt. Beispielsweise Hans-Joachim Maaz, der Therapeut meines Vertrauens, der mir nicht nur schon mal in meinem Berliner Taxi saß, sondern der auch mir schon zu mehreren Interviews zur Verfügung stand.

Interview KenFM
Text TaxiBerlin

17.09.2020

Heute um 19 Uhr: Hier spricht TaxiBerlin #48


Nachdem mich Kollege Axel, der auch Redakteur des bekannten Magazins "Taxi-Times" ist, in meiner letzten Sendung vertreten hat, wird mich heute Kollegin Sonja vertreten, die auch schon mal Gast im Studio war und neulich als Stadtheldin gefeiert, weil sie trotz Corona mit ihrem "Tiffany-Taxi" auf den Berliner Straßen und Plätzen unterwegs ist. Dort kannst du es dir ab 19 Uhr bequem machen, denn dann ist Kollegin Sonja for the first time ever mit einer eigenen Sendung on air. Ich bin schon sehr gespannt, und du solltest es auch sein. Einen Dank an dieser Stelle an den Radio-Verrückten Stroko, den ich bisher noch nicht persönlich kennenlernen durfte, der aber sowohl die Sendung von als, als auch jetzt die Sendung von Sonja vorproduziert hat. Und einen Gruß an alle meine Hörer aus den Schluchten des Balkans, wo ich mich immer noch rumtreibe, und weswegen ich die Sendung nicht selbst machen kann bzw. konnte.

Text TaxiBerlin

13.09.2020

"Peace, Tranquility and Good Will"




Like all prophets I'm more famous abroad than in my hometown Berlin. This is for all of my fans in America where I have the most believers. Don't worry about me in the hell canyons of the Balkan. After "the times they are aren't changing" in the sixties, now I say: "I used to care but things have changed". I wish you all "peace, tranquility and good will!"


Video BobDylan
Text TaxiBerlin

09.09.2020

„People Are Crazy And Times Are Strange“



Im Taxi mit Bob Dylan

Der Titel ist nicht von mir, sondern von Bob Dylan. Ganz genau ist es eine Zeile aus seinem Song „Things Have Changed“, den er für den Film „WonderBoys“ mit Michael Douglas geschrieben und für den er sogar einen Oscar bekommen hat. „People Are Crazy And Times Are Strange“ ist jetzt keine neue Erkenntnis, und der Song ist auch nicht neu, sondern 20 Jahre alt. „People Are Crazy And Times Are Strange“ ist aber etwas, was ich seither in meinem Taxi beobachten musste, wenn ich mit ihm auf den Straßen und Plätzen Berlins unterwegs war. Warum ich jetzt auf „People Are Crazy And Times Are Strange“ zurückkomme, liegt daran, dass „People Are Crazy And Times Are Strange“ in jüngster Zeit eine neue Eskalationsstufe erreicht hat. Genau genommen ist es so, dass viele Dinge eingetreten sind, von denen ich gehofft habe, sie nie wieder erleben zu müssen. Und das ist es, was mich so beunruhigt und mir so große Sorge macht. Angefangen vom ewigen „Haltung zeigen“ (Natürlich die „richtige“! – Aber wer weiß schon, was die „richtige“ Haltung ist? Du vielleicht?), übers „Nazi sein“ (Wer Nazi ist, bestimmt der mit der „richtigen“ Haltung.), bis hin zum Aushalten einer „anderen Meinung“ – Wir hatten das alles schon (mindestens) einmal! Manche scheinen gar nicht mehr zu wissen, dass es zu allem und jedem immer (mindestens) zwei Meinungen gibt. (Dazu müsste man allerdings bis drei zählen können, und dann würde man sich auch nicht mit „ein paar tausend“ abspeisen lassen, wenn es um die Anzahl von Demonstranten geht, die offensichtlich eine andere Meinung haben. Wie viel genau sind denn nun „ein paar tausend“ – 20.000? 50.000? oder doch 100.000? Was denkst du?) Geschichte wiederholt sich, wenngleich unter anderen Vorzeichen. Dass viele das heute nicht mehr wissen, liegt daran, dass ihnen der Unterschied zwischen „das Selbe“ und „das Gleiche“ nicht klar ist. Geschichte wiederholt sich nicht 1:1, was „das Selbe“ wäre. Dass sie das nicht kann, hängt mit der Zeit zusammen, die vergeht. Im Sinne von „das Gleiche“ wiederholt sich Geschichte aber sehr wohl, sie hat dies immer getan, und zwar als „Wiederkehr des immer Gleichen“, wie Nietzsche meinte. Deswegen lesen Menschen heute noch die Bibel, Shakespeare und auch Nietzsche. Gut, nicht jeder liest sie – wahrscheinlich wieder nur „ein paar tausend“. Nur, wer weder Hamlet, Jesus noch Zarathustra kennt, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Er ist nur einer mehr von den „Viel zu Vielen“ (Nietzsche) aus dem Song „Things Have Changed“ von Bob Dylan, wo sie „People Are Crazy“ heißen.

Video WonderBoys
Text TaxiBerlin

04.09.2020

Gibt es noch Schweden in Schweden?


Der letzte skandinavische Elch 
balkanische Esel

Fern der Heimat auf dem Balkan, wo ein Ja ein Nein ist und wo man Nein meint, man Ja sagt, kann man schon mal durcheinander kommen. Aber du zu hause, dem Ort der richtigen Haltung und an der Quelle aller schönen und wahren Informationen, weißt bestimmt die richtigen Antworten auf meine Fragen. Zum Beispiel auf folgende: Was wird mit dem Test nachgewiesen: Der Virus oder sein Antikörper? Oder auf diese: Ist eine positiv getestete Person automatisch krank oder kann sie auch völlig frei von Symptomen sein? Und dann noch auf diese: Ist eine positiv getestete Person immer automatisch auch ansteckend oder nicht? Zum Schluss möchte ich als besorgter Bürger meine Sorge um die Schweden zum Ausdruck bringen. Skandinavien ist bekanntlich der Gegenspieler des Balkans. Auf der Skandinavischen Halbinsel läuft alles gut und richtig, was auf der Balkanhalbinsel nicht funktioniert, also praktisch alles, allen voran der Sozialstaat. Aber gibt es ihn überhaupt noch? Ich komme deswegen drauf, weil ich mich frage, ob es Skandinavien überhaupt noch gibt. Bitte hilf einem erfahrenen aber alten Taxifahrer, der seinen Lebensabend in den Schluchten des Balkans verbringt, wo der Empfang von Radio und Internet zu wünschen übrig lässt, auf die Sprünge. Gibt es noch Schweden in Schweden, dem Land des Sonderwegs, für den bisher Deutschland bekannt war. Oder hat Corona alle Schweden dahingerafft, wie es uns Öffentlich/Rechtlich und Spiegel&Co neulich noch prophezeit haben. Die letzten Informationen in Sachen Schweden, die noch in der Heimat an mein Ohr drangen, klangen äußerst dramatisch. Ist Skandinavien vielleicht den Weg gegangen, den zuvor der Balkan ging, der praktisch entvölkert ist. Niemand muss sich heute apokalyptische bzw. dystopische Filme illegal aus dem Internet laden oder teuer bei Netflix ansehen. Die letzten Tage sind bereits angebrochen auf unserem schönen Kontinent, und zwar an seinem Rand, wo wie gesagt ein Ja ein Nein ist, und man Nein sagen muss, wenn man Ja meint. Werden vielleicht nun auch schon in Schweden die Tage rückwärts gezählt, was für den Kenner der Materie keine Überraschung wäre, denn Skandinavien liegt schließlich auch sehr am Rand.

Foto&Text TaxiBerlin

02.09.2020

TaxiBerlins BalkanTesla



In der Krise rücken die Menschen nicht nur enger zusammen, sondern haben darüber hinaus auch immer jede Menge verrückte Ideen. Da das enge Zusammenrücken nicht mit dem Mindestabstand vereinbar ist, stellt die aktuelle Krise eine besondere Herausforderung dar, nicht nur für’s Zusammenrücken, sondern auch für verrückte Ideen. Früher hast du einfach eine alte Berliner Kneipe übernommen und aus ihr eine Russendisko gemacht. Das geht heute alleine wegen den Abstandsregeln nicht mehr. Die Idee mit der Russendisko ist übrigens keine neue Idee aus dem Berlin der Neunziger. Die Idee der Russendisko stammt ursprünglich aus Bulgarien. Dort öffneten bereits 1878, nachdem der russische „Zar Befreier“, von dem bis heute ein großes Denkmal in der Hauptstadt Sofia steht, die Türken aus dem kleinen Land am Rande unseres schönen Kontinents gekickt hat, russische Kneipen mit russischer Musik aus einer eigens dafür installierten Orgel ihre Pforten, an denen verkleidete Kosaken im Wladimir-Kaminer-Stil Musik machten. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob der Kaminer wirklich Russe ist und Wladimir und nicht Wladimich heißt, weil der Berliner mir und mich doch immer ..., naja, du weißt schon. Bei meiner aktuellen verrückte Idee geht es aber nicht um Musik, sondern um Mobilität. Die wird wohl demnächst weiter eingeschränkt werden, wie es aussieht, auch weil das viele Reise gar nicht gesund für den Biorhythmus ist und so. Deswegen wird in Zukunft nur noch reisen, bei dem schon alles zu spät und sowieso nichts mehr zu machen ist, also nur die richtig Reichen. Der Rest läuft zu Fuß oder fährt mit dem Fahrrad oder eben mit meinem alternativen BalkanTesla (Foto). Mein BalkanTesla verfügt zwar nur über eine Eselstärke (ES), dafür über zwei Sitzplätze und braucht weder Kraftstoff noch Strom. Einen richtigen Tesla kann ich mir nicht leisten, genauso wie ich mit meinem Taxi keine Fahrgäste in Schönefeld laden kann und aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht am neuen Flughafen Berlin-Brandenburg-International, sollte der denn irgendwann einmal seine Pforten öffnen, auch wenn das Strombetriebene Automobil dort um die Ecke hergestellt wird. Neulich in Amerika bin ich aus Spaß mal einen Tesla Probegefahren, und ich muss sagen: Das Teil ist nicht für mich! Erst einmal hat es gar keinen Motor und macht dementsprechend auch keine Motorgeräusche, und überhaupt ist das Fahrgefühl eher wie beim Auto-Scooter auf’m Rummelplatz und nicht wie in einem richtigen Auto. Für Heranwachsende und junge Erwachsene mag das angehen, aber nicht für mich. Ich bin einfach zu alt für diesen Kinderkram. Und ich kann mir einen Tesla aus Brandenburg wie gesagt auch gar nicht leisten, genauso wie ich mir bald auch kein herkömmliches Automobil mit richtigem Motor, Motorgeräuschen und Abgasen leisten kann. Beides ist nur richtig Reichen vorbehalten. Unsereiner muss sehen, wo er bleibt. Auch hier ist die aktuelle Lage wie auf einem untergehenden Schiff und das Motto lautet: Rette sich, wer kann! Je früher man sich selbst in Sicherheit bringt, umso größer der Vorsprung zu den Vielen, die noch nicht gemerkt haben, dass sie mit der Titanic unterwegs sind. Der Vorsprung ist auch wichtig, weil man mit meinem BalkanTesla nicht unbedingt besonders schnell vorankommt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit meines Zweisitzers mit einer Eselstärke (ES), der keinen Strom und kein Benzin braucht und auch keine Abgase produziert, liegt bei zwei Kilometer die Stunde, die Höchstgeschwindigkeit immerhin bei drei. Ich sage immer: Lieber langsam und angenehm befördert als schnell aber gestresst angekommen. Und überhaupt: Was machen die meisten mit der „eingesparten“ Zeit? Lesen sie ein Buch oder spielen sie nur auf ihrem Smartphone herum? Ich jedenfalls kann das Tempo schon lange nicht mehr vertragen, und ein Smartphone habe ich auch nicht. Mein BalkanTesla mit einer Eselstärke (ES) ist nicht nur besser mit meinem Biorhythmus kompatibel, sondern ich kann in ihm auch prima lesen. Und wegen den Abstandsregeln muss ich mir auch keine Gedanken machen. Mein BalkanTesla gilt als ein gemeinsamer Haushalt.

Foto&Text TaxiBerlin

30.08.2020

TaxiBerlin und die BalkanPolizei



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Gestern war es nun so weit, da wurde ich mit meinem Berliner Automobil in den Schluchten des Balkans von der hiesigen Polizei angehalten. Endlich, muss ich sagen, denn darauf habe ich schon ewig gewartet. Früher, da wurde ich viel öfter angehalten, praktisch täglich. Gut, nicht jeder BalkanPolizist kann das B für Berlin vom B für Varna (das kyrillische V ist im lateinischen ein B) am Schwarzen Meer oder dem B für Bukarest oder Belgrad im Nummernschild unterscheiden. Wer es konnte, war auf jeden Fall im Vorteil, denn er wusste, dass er eine potentielle deutsche Kuh zum Melken vor sich hatte. In meinem Fall wurde nie etwas daraus, denn ich zahle aus Prinzip nicht. Nur einmal habe ich ein Mark bezahlt, da hatte ich doch glatt vergessen mich anzuschnallen. Das muss man sich mal vorstellen: Ich als Profi hinterm Lenkrad schnalle mich nicht an. Ein unglaublicher Vorgang! Die eine Mark war ein Schnäppchen, für das ich sogar eine Quittung ausgestellt bekam, wofür der Polizist über die Straße zu seinem Polizeiauto und zurück zu meinem Auto, ein alter dunkelolivfarbener großer fünfhunderter BMW – aber das nur nebenbei, gehen musste. Auch das ein unglaublicher Vorgang! Seither hat sich viel geändert auf dem Balkan. Auch hier sind, genauso wie in Berlin, die wilden Jahre lange vorbei. Gestern nun, da wurde ich nach Monaten das erste Mal angehalten, und das auch noch von einer Polizistin. Meine Papiere sind natürlich in Ordnung. Und wenn sie nicht in Ordnung sind, so sehen sie zumindest gut und halbwegs echt aus, also irgendwie deutsch. Das muss sein. Obwohl, so wichtig ist das nun auch nicht mehr, weil sich wie gesagt viel geändert hat auf dem Balkan. Deswegen musste die Polizistin auch nichts suchen, um mir einen Euro aus dem Kreuz zu leiern, denn sie wird ja jetzt, im Gegensatz zu früher, bezahlt für ihren Job. Die junge Frau konnte sich also voll und ganz auf mein Lenkradüberzug aus echtem Lammfell (Foto) konzentrieren. Den hatte ich bereits in dem alten dunkelolivfarbenen großen fünfhunderter BMW, fällt mir gerade ein. Der Überzug ist deswegen schon etwas ausgeleiert, so dass ich neulich einen neuen Gummi einziehen musste. Mein Überzug aus echtem Lammfell, für den ich auch schon mal als Zigeuner bezeichnet wurde, ist also nicht mehr das Schmuckstück, das er einst war. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, erregte er die Aufmerksamkeit der jungen Polizistin. Während ich nach meinen Papieren suchte, zeigte sie mit dem Finger auf mein ehemaliges Schmuckstück, um damit und mit einem Lächeln auf ihren schönen Lippen ihren Kollegen darauf aufmerksam zu machen. Dem Kollegen war ihr Lächeln und mein Lammfellüberzug egal. Den Kollegen Polizisten interessierten nur meine Papiere, die wie gesagt in Ordnung sind. Zumindest sehen sie gut und halbwegs echt aus, also irgendwie deutsch, weswegen die Polizistin sie mir wieder mit einem Lächeln auf den Lippen zurückgeben konnte. Es hat sich viel getan, sowohl auf dem Balkan als auch in Berlin. Und auch wenn ein Lammfelllenkradüberzug vielleicht nicht die Welt verändert, so kann er doch ein Lächeln auf Polizistinnenlippen zaubern. Was will man mehr?!? Wie wär’s mit einem „Määäähhhhäääää“ dazu!?!

Foto&Text TaxiBerlin

26.08.2020

Mein Bürgermeister



"Wir sehen Resultate für Bulgarien"

Auf dem Balkan halte ich es wie in meinem Taxi in Berlin: Ich rede mit jedem, sogar mit meinem Bürgermeister, selbst wenn der ein Borissow-Mann mit Boiko-Shirt ist. Das Problem mit meinem Bürgermeister ist sowieso ein anderes. Das Problem mit meinem Bürgermeister ist, dass er so gut wie keine Zeit hat. Heute morgen hatte ich Glück. Da habe ich ihn um acht bei seiner ersten Schicht erwischt, wie er gerade meiner Nachbarin ein paar Sachen brachte. Oma Milka, so heißt meine Nachbarin, ist nämlich nicht mehr gut zu Fuß. Und irgendeiner muss sich schließlich um die Alten kümmern, von denen es nicht nur in dem Dorf von meinem Bürgermeister, sein Name ist Emil, sondern im ganzen Land jede Menge gibt. Die meisten von ihnen sind allerdings schon weggestorben, viele von ihnen weit unter der durchschnittlichen Lebenserwartung und ganz ohne Corona. Nach ihnen würde kein Hahn krähen, von denen es auch kaum noch welche gibt auf dem Balkan, gäbe es meinen Bürgermeister nicht. Mein Bürgermeister ist wirklich ein guter Mensch, der Gutes tut, im Gegensatz zum Gutmenschen, der die gute Tat delegiert. Es wäre also alles gut, oder besser: alles könnte gut sein, wenn mein Bürgermeister nicht ein Fan vom noch amtierenden Ministerpräsidenten Boiko Borissow wäre, der trotz Rückendeckung aus Berlin und Brüssel wegen der anhaltenden, täglichen Proteste gegen ihn wohl demnächst zurücktreten muss. Als dieser in seinem Zenit stand, also vor etwa zehn Jahren, habe ich mich schon einmal mit meinem Bürgermeister, der nicht nur meine Nachbarin Baba Milka, sondern auch noch andere Alte in seinem Dorf versorgt, unterhalten. Bereits damals bestätigte mein Bürgermeister, dass Boiko ein Bandit sei, aber eben ein alter Bandit. Der Vorteil bei alten Banditen sei, so mein Bürgermeister weiter, dass sie bereits satt sind und abgeben, im Gegensatz zu jungen Banditen, die noch hungrig sind und alles für sich behalten. Noch ist Bruder Boiko, wie Boiko Borissow von seinen zahlreichen Fans und möglicherweise auch von Angela Merkel genannt wird, im Amt. Und so lange er noch im Amt ist, trägt mein Bürgermeister sein T-Shirt. Ich könnte es mir einfach machen und sagen, dass Menschen, die Boiko-Shirts tragen, nicht die richtige Haltung haben und somit keine guten Menschen sein können, aber das ist mir einfach zu einfach. Es existieren übrigens auch Fotos, die meinen Bürgermeister mit Boiko zeigen. Die versteckt er nicht, und ich bin mir sicher, dass er sie auch morgen, wenn Boiko zurückgetreten ist, nicht verstecken wird. Denn mein Bürgermeister ist keine Als-Ob-Persönlichkeit, die früher Wendehals hießen. Die Welt von heute ist voll von ihnen. Mein Bürgermeister gehört nicht dazu, denn mein Bürgermeister ist voll satisfaktionsfähig. Du weißt nicht, wovon ich rede? Dann warte nur ein Weilchen, bis Angela nicht mehr Bundeskanzlerin ist. Da werden plötzlich sehr viele feststellen, dass unsere Große Führerin gar nicht so groß und schon gar nicht weise war, wofür auch du sie heute möglicherweise noch hältst. Oder wie man auf dem Balkan sagt: Du wirst schon sehen!

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23.08.2020

TaxiBerlin hat's erwischt



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Jetzt hat es auch mich erwischt. Allerdings nicht auf der Straße, wie es sich für einen richtigen Taxifahrer gehört hätte. Auch in den Schluchten des Balkans am Rande unseres schönen Kontinents, wo ich mich immer noch rumtreibe, gibt es Straßen, die ebenfalls sehr am Rand sind. Angesteckt muss ich mich woanders haben. Ich vermute beim Esel, das Virus soll bekanntlich vom Tier kommen. Vielleicht habe ich aber auch einfach nur zu viel Radio gehört. Der Balkan ist für sein Talk-Radio berüchtigt, weil wirklich jeder zu Wort kommt. Es kann hier aber nicht nur jeder seine Meinung sagen, sondern diese wird dann auch weder kommentiert, noch muss irgendeine Haltung gezeigt werden. Der Mann im Radio sagt zum Schluss immer nur, dass da noch jemand in der anderen Leitung wartet, der auch seine Meinung sagen will. Das ist sozusagen das Stichwort, dass der Anrufer mit seiner Meinung zum Schluss kommen möchte. Das dauert dann meist immer noch eine Weile, weil auf dem Balkan immer alles irgendwie eine Weile dauert. Hat der erste dann endlich mit seiner Meinung fertig, lässt der Moderator den nächste Anrufer sich kurz vorstellen, und danach kann dieser auch schon mit seiner Meinung loslegen. Die wird dann wiederum ebenfalls nicht kommentiert vom Moderator, geschweige denn, dass von dem Anrufer irgendeine Haltung eingefordert wird oder der Moderator dem Hörer ganz und gar seine aufdrücken würde. Und genau das bin ich gar nicht mehr gewohnt gewesen. Im Gegenteil, mir tat zu Hause vom ewigen Haltung zeigen schon der Rücken weh. Das mit dem Rücken hat sich zum Glück gegeben, aber diese unkommentierten Meinungen ohne die richtige Haltung vom Moderator, das hat mich dann doch etwas unvorbereitet getroffen. Dieses Unvorbereitetsein ist meiner Meinung nach der Grund, dass es mich aktuell erwischt hat auf dem Balkan (Foto). Und das, obwohl schon zu Hause in meinem Taxi ein jeder immer alles sagen durfte – sogar die Wahrheit. Ich war also, im Gegensatz zu vielen anderen daheim, nicht ganz unvorbereitet auf den Balkan. Deswegen kann ich nur jeden in der Heimat vor dem Balkan warnen. Der Balkan ist wirklich ein Pulverfass und ganz gefährlich. Wenn du nicht so enden willst wie ich (nochmal Foto), dann bleibst du besser da, wo du bist. Glaube weiterhin alles, was dir der Mann und natürlich auch die Frau in deinem Radio sagt, denn der Moderator und insbesondere die Moderatorin meinen es nur gut mit dir. Das kannst du mir glauben! Hab keine Zweifel, stelle keine Fragen, mache dir keine falschen Gedanken und auch keine Sorgen, und hab vor allem die richtige Haltung. Ansonsten geht es dir wie mir (noch einmal Foto), und glaube mir: Das willst du nicht!

Foto&Text TaxiBerlin

21.08.2020

Hier spricht TaxiBerlin #47 zum Nachhören




Während ich noch die Straßen in den Schluchten des Balkans unsicher mache, war Taxi-Kollege und Taxi-Times-Redakteur Axel Rühle so freundlich, mich bei meiner gestrigen Radio-Sendung zu vertreten. Schwerpunkt ist das neue Eckpunktepapier unseres noch amtierenden Verkehrsministers, was es bei seiner Umsetzung anrichten würde und wie das Taxigewerbe darauf reagiert. Natürlich kommt auch die so genannte Corona-Krise zur Sprache. Wer die Sendung gestern Abend verpasst hat, kann sie nicht nur oben nachhören, sondern sollte dies auch, denn heute gilt nicht mehr: Wer nicht hören will, muss fühlen!, sondern: Wer nicht hören will, muss nachhören!

PiRadio auf HearThis
Text TaxiBerlin