31.12.2019

DAS ENDE


So sieht es aus

Jedes Ende, und somit auch das Jahresende, ist immer auch ein Neubeginn, wozu man sich oft viel (meist zu viel) vornimmt und so einiges wünscht, was manchmal sogar in Erfüllung geht. Auch ich wünsche meinen Lesern etwas für das Neue Jahr, ausgehend vom Schicksal Gregor Samsas, aber nicht dem Gregor Samsa aus "Die Verwandlung" von Franz Kafka, sondern dem Gregor Samsa in der weiter gesponnenen "Selbstverfickung" von Oskar Roehler:

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, stellte er fest, dass er nicht mehr linksliberal war. Und das war in dieser Gesellschaft schlimmer, als sich in ein ungeheures Ungeziefer verwandelt zu haben.

Mein Wunsch nun ist folgender: Sollte dir demnächst dasselbe passieren wie Oskar Roehlers Gregor Samsa, dann sei unbesorgt, denn Linksliberal hat heutzutage und hierzulande mit Links, wie wir es von früher kannten, nichts mehr zu tun. Linksliberal heute meint immer Neoliberal, und dagegen darfst auch du etwas haben.

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DER CLAAS RELOTIUS PREIS 2019


Spät, aber nicht zu spät

Fast wäre diese Bewerbung für den wichtigsten Journalistenpreis an mir vorbei gegangen. Das liegt daran, dass ich mich mal wieder Tage- und auch Nächtelang mit meinem Taxi auf den Berliner Straßen und Plätzen herumgetrieben habe, wo außer leeren Flaschen nichts zu holen war. Deswegen muss auch ich alte Nazisau Umweltsau wohl oder übel auf Kotelett aus'm Discounter zurückgreifen, aber das nur nebenbei. Jedenfalls ist kurz vor Jahresende ganz aktuell noch eine Bewerbung für den Claas Relotius Preis 2019 reingekommen, und zwar von Danny Hollek. Danny Holleks Karriere ist gerade dabei steil nach oben zu gehen. Das dumme ist, dass sich sein Arbeitgeber, der WDR, von ihm als freien Mitarbeiter distanziert hat. Das macht aber gar nichts, denn Danny Hollek hat sich auch schon von sich selber distanziert. Trotzdem haben sich seine Chancen auf den Claas Relotius Preis 2019 dadurch nicht verschlechtert - ganz im Gegenteil. Denn Danny Hollek erhält jede Menge Zuspruch von Kolleginnen und Kollegen von Öffentlich/Rechtlich, und auch ich unterstütze seine Bewerbung. Ich denke, er wäre ein würdiger Preisträger, obwohl ich persönlich finde, dass sich Umweltsau irgendwie nach Neunziger anhört. Heute heißt das, so weit ich informiert bin, Umweltschädling.

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29.12.2019

STAATLICH ORGANISIERTE KRIMINALITÄT NOCHMAL


Die neue schöne Uber-Zeit begann 2017. Über Nacht brauchten Miet- und Krankenwagenfahrer keine Ortskundeprüfung mehr ablegen. Der Grund für diese Gesetzesänderung ist bis heute unklar. Gab es einen Beförderungsnotstand? Nicht, dass ich wüsste! Was es auf jeden Fall gab, war eine Niveauabsenkung. Brauchte man bisher als Taxifahrer keine Sprachkenntnisse, so braucht man seitdem darüber hinaus als Miet- und Krankenwagenfahrer auch keine Ortskenntnisse mehr. Schon damals gab es einen angeblichen Fachkräftemangel im Land. Um diesen zu beseitigen, bildet man aber keine Leute aus, sondern senkt einfach das Niveau. Es werden keine Fachkräfte gebraucht, sondern billige Arbeitskräfte für eine Firma aus Amerika, die in der Lage ist, hierzulande, also im Ausland, Gesetze ändern zu lassen. Einen Beförderungsnotstand gab und gibt es nicht. Was es gibt, ist ein Kontrolldefizit oder besser: einen Kontrollverlust. Es wird etwas erlaubt, was nicht kontrolliert werden kann oder besser: darf. Der Staat als Pate. Deswegen Staatlich Organisierte Kriminalität.

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28.12.2019

SCHWARZTAXIS FRÜHER UND HEUTE oder STAATLICH ORGANISIERTE KRIMINALITÄT


Zwischen den Schwarztaxis in der DDR und Uber heute gibt es viele Parallelen, aber auch einige Unterschiede. Schwarztaxis traten in der DDR etwa ab Mitte der Achtziger Jahre auf, allerdings nur in größeren Städten, genauso wie Uber heute nur in einigen Großstädten agiert. Die Schwarztaxis in der DDR waren Privatautos von Privatpersonen gelenkt, die sich nach Feierabend etwas dazu verdienen wollten. Der Fahrpreis war verhandelbar. Im Normalfall fragte man als Fahrgast am Ende der Fahrt, was der Fahrer dafür, dass er ihn mitgenommen hat, nun bekäme. Die Antwort des Fahrers war dann meist, dass der Fahrgast doch geben solle, was er denke. Im dümmsten Fall hat er nichts gegeben. Bei Uber ist der Fahrpreis in gewisser Weise auch Verhandlungssache, allerdings nicht so wie in einem Schwarztaxi in der DDR. Angeblich wird, im Gegensatz zum Schwarztaxi der DDR, alles bargeldlos beglichen. Seit meiner letzten Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin", in der ich einen ehemaligen Uber-Fahrer im Interview hatte, wissen wir aus erster Hand, dass die Fahrer bei Uber versuchen an Bargeld oder genauer Schwarzgeld heranzukommen, weil sie von den vier Euro die Stunde, die sie mit Uber-Fahrten verdienen, nicht überleben können. Von Leben war nicht die Rede. Auf keinen Fall wird ein Fahrgast bei Uber, wie es beim Schwarztaxi in der DDR häufiger vorkam, ohne etwas für den Fahrer im Wagen hinterlassen zu haben, aussteigen. Fahrer von Schwarztaxis in der DDR wussten, dass sie illegal sind. Das wissen Uber-Fahrer heute nicht mehr, oder wollen es nicht wissen, obwohl auch sie, ganz genauso wie die Schwarztaxis in der DDR, sich zum Beispiel an keinen Taxistand stellen dürfen. Dank einer permanenten Gehirnwäsche glauben Uber-Fahrer heute wirklich, dass sie die "lokalen Profis" sind, auch wenn sie keinen Plan haben. Den "Brüdern und Schwestern" von Uber dürfte aber nicht entgehen, dass man sie verarscht (ähnlich den Fahrern von Schwarztaxis in der DDR, wenn die Fahrgäste einfach ohne etwas gegeben zu haben ausgestiegen sind), nur eben ganz anders, und dass das Geschäftsmodell von Uber, so weit man von einem solchen sprechen kann, nur bei permanentem Rechtsbruch funktioniert. Uber ist Staatlich Organisierte Kriminalität. Das waren Schwarztaxis in der DDR nicht. Schwarztaxis in der DDR waren zwar toleriert, aber sie waren nicht staatlich legitimiert. Dafür läuteten sie bzw. ihr Auftreten das Ende der DDR ein. Bis zur Wende waren es dann noch ca. fünf Jahre. Heute mit Uber dürfte es schneller gehen.

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27.12.2019

KLEINER HUND MIT HUND


ist junge Frau

In Berlin, das bestätigen mir immer wieder Fahrgäste von auswärts, ist es mitunter schwer, ein Taxi zu finden, das auch Hunde befördert. Das liegt, das ist kein Geheimnis, an den vielen TaxiKollegen mit muslimischem Glauben. Der Hintergrund ist, dass der Hund im Islam als unrein gilt. Das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Fahrgäste, die keinen Taxifahrer mit muslimischen Glauben wünschen, immer einen Hund angeben, den sie gar nicht haben. Unter diesem Hintergrund erschien gestern Abend obiger Auftrag für mich auf dem Display. Offensichtlich will ein kleiner Hund Taxi fahren. So weit - so gut. Dass aber ein kleiner Hund MIT HUND Taxi fahren möchte, das war noch nie da. Alleine, um herauszufinden, was sich dahinter verbirgt, bin ich hingefahren. Mein Fahrgast war eine junge Frau, die keinen Hund dabei hatte, und die auch nichts gegen Fahrer mit muslimischem Glauben hat. Einen Hund hat sie allerdings schon, aber der war zu hause. Sie hatte einfach nur vergessen das Häkchen, das in ihrer App bei Hund steht, zu entfernen, bevor sie das Taxi bestellte. MIT HUND ist ein Zusatz von der gleichnamigen TaxiZentrale von TaxiBerlin, der automatisch auf dem Display erscheint, wenn ein Fahrgast mit Hund Taxi fahren möchte.

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26.12.2019

ZEIT FÜR DIE MAMA


und für einen Gutschein

Meine Fahrgäste, ich hatte hier darüber geschrieben, zahlen neuerdings mit Kunst und nicht mit Kohle, weil man Kohle nicht anlegen kann - im Gegensatz zu Kunst. Gestern nun, pünktlich zur Weihnachtszeit, beglich ein Fahrgast seine Fahrt mit dem Jesuskind, wie es eine Brust seiner Mutter Maria, die selbstverständlich mit auf dem Bild ist, in der Hand hält. Die Brust, das wissen viele nicht, ist eine paarig angelegte Drüse, in dem Fall für Milch, die auf lateinisch Mama heißt und der ganzen Person ihren Namen gibt. Bilder vom kleinen Jesus mit der Milchdrüse von Mama in der Hand sind sehr selten. Da die Fahrt nicht weit war, und ich nicht rausgeben konnte, habe ich dem Fahrgast einen Gutschein ausgestellt. Das geht auch.

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25.12.2019

WAS MACHT DER ESEL IM TAXI ?


Mit Esel-Kunst kommst du am weitesten

Noch vor dem Essen (und auch vorm Trinken) sind die Geschenke das wichtigste an Weihnachten, denn auf den ganzen Small Talk und das ewige WIR HABEN UNS JETZT ALLE GANZ DOLL LIEB kann ein jeder sehr gerne verzichten. Mit dem Essen ist es so, das ist man morgen schon wieder los. Nicht so mit den Geschenken. Wenn man Pech hat, verfolgen die einen bis ins neue Jahr. Deswegen ist es wichtig, dass man die richtigen Geschenke bekommt. Manche lassen sich Hoch-Prozentiges schenken, andere Schlüpfer oder Socken, und wieder andere Kreuzfahrten. Das ist alles ganz schön, aber mal wieder zu kurz gedacht. Heutzutage lässt man sich Sachen schenken, die man anlegen kann - also auf keinen Fall Kohle. Besser sind Edelmetalle, Gold zum Beispiel, oder eben Kunst. Bei Kunst empfehle ich die vom Esel, denn der Esel ist das Kommende. Deswegen sind die Chinesen schon hinter ihm her, wenngleich nicht als Kunstwerk sondern wegen der Potenz. Mit der ist bei mir (noch) alles in Ordnung, weswegen ich mich ganz auf die Kunst konzentrieren kann. Jetzt zu Weihnachten ist mein Taxi voll mit Kunst, denn bei mir bezahlen die Kunden mit Kunst. Und da, wie gesagt, die Esel-Kunst im Kommen ist, sind die Fahrten dann auch am weitesten. Wenn du verstehst, was ich meine.

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24.12.2019

MEIN KAMPF GEGEN RECHTS


E-Roller Fahrer mit drei E-Rollern aber ohne Plan

Pünktlich zum Fest der Liebe und der Verständigung möchte auch TaxiBerlin seinen bescheidenen Beitrag beim Kampf gegen Rechts leisten und Haltung zeigen, wie man heute wieder sagt. Bei der Haltung, das weiß TaxiBerlin noch von früher, kommt es vor allem darauf an, dass es die richtige ist. Obwohl, manchmal frage ich mich, ob es sich mit der Haltung nicht ganz genauso verhält, wie mit dem Journalismus, von dem Orwell meinte: "Journalismus heißt, etwas zu drucken, von dem jemand will, dass es nicht gedruckt wird. Alles andere ist Public Relations." Denn so kommt mir auch das Haltung zeigen vor, oder zumindest das, was heute (einmal mehr) darunter verstanden wird. Doch zurück zum Kampf gegen Rechts, und hier zu meinem bescheidenen Beitrag. Der besteht darin, dass ich neuerdings nur noch links abbiege, was den Fahrgast selbstverständlich immer erst einmal verwirrt. Bis ich es ihm erkläre. Dann versteht er es.

Fahrgäste sind oft ein bisschen blöd, aber wenn man ihnen die Welt richtig erklärt, mit der richtigen Haltung - versteht sich, dann sind sie schon nicht mehr ganz so blöd. Das muss man aber erstmal üben, also mit der richtigen Haltung die Welt erklären, während man links abbiegt, obwohl der Fahrgast nach rechts wollte. Denn links abbiegen birgt viel mehr Gefahren in sich als rechts abzubiegen. Beim rechts abbiegen muss man nur auf die Fußgänger und die Radfahrer aufpassen, die oft auch ziemlich blöd sind, was aber ein anderes Kapitel ist. Beim links abbiegen muss man zusätzlich noch auf den Gegenverkehr achten und dann erst auf Fußgänger und Radfahrer.

Danach kommt das schwierigste: die Wende, beim Amerikaner auch als U-Turn bekannt. Die Wende oder auch der U-Turn ist notwendig, um wieder in die richtige Richtung zu gelangen. Vielleicht das wichtigste und zugleich das schwierigste im Leben: die richtige Richtung beibehalten. Seine Richtung zu verlieren geht schneller als man denkt. Dann muss man anhalten und steigt am besten immer erstmal aus, um ein bisschen Abstand zu bekommen. Meist bringt einen das aber nicht wirklich weiter, vor allem wenn man selbst vor Ort nur eine "Base" hat oder ganz und gar nur auf der Durchreise ist. Oft hilft dann nur noch "Locals" also Eingeborene nach dem Weg zu fragen. Vergesst GoogleMaps, redet mit- und nicht übereinander.

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22.12.2019

ORWELLSCHES NEU- VERSUS GENDERSPRECH


Wo ist die Grenze?

Neben dem Owellschen Neusprech gibt es auch das Gendersprech. Zwischen dem Orwellschen Neusprech und dem Gendersprech gibt es viele Überschneidungen und auch einige Grauzonen. Eine Grenze ist also zwischen dem Orwellschen Neusprech und dem Gendersprech nicht in jedem Fall klar zu ziehen, zumindest im mündlichen. Zum Glück gibt es neben der mündlichen Rede noch die Schriftsprache, obwohl auch die gesprochene Sprache in Veränderung begriffen ist. Und da kann es einem passieren, dass man plötzlich gar nicht mehr mitreden kann, einfach so. Aber vielleicht ist das auch das Endziel der allgegenwärtigen menschengemachten Sprachverwirrung.

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21.12.2019

"SVETLANA" NOCHMAL


Wie auf dem Balkan: eigentlich verboten, aber fährt trotzdem

Heutzutage ist es so, dass höchstrichterlich festgestellt werden kann, dass das, was du tust, Unrecht ist, und du trotzdem weitermachen darfst. So aktuell geschehen mit Uber. Und das ist auch gut so. Sonst hätte das Theaterstück "Svetlana" gestern im Club der polnischen Versager gar nicht starten können. Denn der Hauptdarsteller reiste mit einem Uber-Fahrzeug an, das er selbst steuerte, und das während der Vorstellung mit eingeschalteter Warnblinkanlage vorm Club auf ihn wartete. In den Club kam er überhaupt nur, weil ihm sein letzter Fahrgast dort hinein abgehauen war. Der schuldete ihm noch 20 Euro für die Fahrt. Und weißt du, wie lange ein Uber-Fahrer für 20 Euro arbeiten muss? Das weißt du natürlich nicht. Aber lass dir deswegen keine grauen Haare wachsen. Der Fahrer ist nur Pole. Und überhaupt: die meisten Zuschauer gestern im Club der polnischen Versager, die der Fahrer der 20 Euro wegen allesamt gleich mal in Sippenhaft nahm und mit einem Beil bedrohte, hatten selber die Uber-App auf ihrem Smartphone. Was tut man nicht alles, um fünf Euro zu sparen. Der Eintritt für "Svetlana", das heute um 20 Uhr ein zweites Mal im Club der polnischen Versager aufgeführt wird, ist frei wählbar. Ab sechs Euro geht es los bis zehn Euro. Du musst also nur einen Euro auf die fünf bei deiner Uber-Fahrt gesparten drauflegen, und auch du kannst Teil eines Stücks sein, von denen es in Zukunft mehr geben wird, allerdings im richtigen Leben. "Svetlana" ist, wenn du so willst, eine Vorbereitung darauf. Du tust gut daran, es nicht zu verpassen.

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20.12.2019

"SVETLANA"


Schau nach und lass es raus

Mit den vier Euro die Stunde als Uber-Fahrer konnte er nicht überleben. (Wer kann das schon?) Er brauchte Fahrgäste, die Cash bezahlen. So kam Przemyszlaw Wosciesczek auf Svetlana - erst in Person und dann als gleichnamiges Theaterstück.

Svetlana ist eine Edelprostituierte und zahlt in Bar. Przemyszlaw Wosciesczek, oder auch einfach nur "Przemek", ist der polnische Theatermann, der mir in meiner letzten Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin" über seine drei Monate als Uber-Fahrer in unserer Stadt Rede und Antwort stand.

Uber, im Stück Über, ist das Endziel, auf das der Kapitalismus hinausläuft, so "Przemek". Der Kapitalismus, genauer der Neoliberalismus, hierzulande als Linksliberalismus bekannt, ist dabei die Demokratie zu verschlingen. Und wenn das Mahl vorbei ist, rülpst er den Faschismus hervor, da ist sich "Przemek" sicher.

Endlich wird mal wieder gekotzt auf der Bühne, da hat Frank Castorf eine große Lücke hinterlassen. Du kannst dabei sein beim Kotzen. Heute und morgen um jeweils 20 Uhr wird das Theaterspektakel "Svetlana" von Przemyszlaw Wosciesczek im Club der Polnischen Versager in der Ackerstraße 168 uraufgeführt.

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19.12.2019

"ICH FINDE, DASS ANDY SCHEUER EINE SEHR GUTE ARBEIT MACHT." - ANGELA MERKEL




Spätestens nach dieser Aussage über Verkehrsminister Andreas Scheuer von der AfD CSU müsste auch dem letzten klar geworden sein, dass Angela Merkel nicht alle Latten am Zaun hat. Nein, nicht nur Donald Trump hat einen Sockenschuss, sondern auch unsere Bundeskanzlerin. Auch etwas anderes ist ganz genauso. Auch Angela Merkel wird trotz Grummeln in der GroKo, die eigentlich nur eine Notlösung sein sollte, zumindest war das früher so, weiter regieren - ganz genauso wie Donald Trump trotz Amtsenthebungsverfahren.

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18.12.2019

ORWELLSCHES NEUSPRECH - HEUTE: FACHKRÄFTEMANGEL



Bulgarien: Das weltweit am schnellsten schrumpfende Land

Die Wirtschaft beklagt sich gerade mal wieder über den Mangel an Fachkräften. Nicht in Bulgarien, sondern hier. Auf Bulgarien komme ich, weil der Sohn meines Taxikollegen Ivo aus Bulgarien neuerdings in Deutschland arbeitet. Der Sohn von Ivo, er heißt Georgi, ist Mitte 30, verheiratet und hat zwei Kinder. Ein Kind geht schon zur Schule, das andere wird demnächst eingeschult. Gelernt hat der Sohn von Ivo irgendwann einmal Koch, die letzten knapp 20 Jahre hat er als Busfahrer in der bulgarischen Hauptstadt Sofia gearbeitet. Seit letztem Jahr verlegt er irgendwo in Westdeutschland irgendwelche Kabel für 1.000 Euro im Monat. Ich habe keine Ahnung, ob für diesen Job hierzulande keine Fachkräfte zu kriegen sind und ob es dafür überhaupt einer Fachkraft bedarf. Was ich mir dafür sehr gut vorstellen kann, ist, dass der aktuelle Ruf nach Fachkräften in Wahrheit nur ein Ruf nach billigen Arbeitskräften ist. Wie es derweil beim Kollegen Ivo in Bulgarien aussieht, des derzeit weltweit am schnellsten schrumpfenden Landes, erfährst du in obigem Video.

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17.12.2019

UND WARUM? (EINE SERIE)


Im Taxi sitzend erfahre ich gerade aus dem Radio, dass sich die Zahl der Flugreisenden in den nächsten 20 Jahren mehr als verdoppeln wird, was aber nicht bedeutet, dass dann auch jeder fliegen kann. Das nicht. Es bedeutet lediglich, dass die, die bisher schon fliegen, dann noch mehr fliegen werden. Warum sie dies tun und vor allem, wozu es gut sein soll, ausser für den Kommerz, bleibt im Unklaren.

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14.12.2019

FREIHEIT FÜR GRETA THUNBERG


Immer wenn ich mich über die vielen Baustellen in unserer Stadt beklage, und da insbesondere über die, an denen man nie jemanden arbeiten sieht, also praktisch alle, bekomme ich von einem Freund die Antwort, dass schon Buddha gesagt hat, dass Leben Veränderung sei. Wenn sich Greta über den Klimawandel beklagt, habe ich diese Antwort von diesem Freund noch nie gehört, und dabei ist Greta im kühlen Schweden selbst gar nicht von dieser Veränderung betroffen, im Gegensatz zu mir. Ich werde jeden Tag auf's Neue von den sich sekündlich vermehrenden Baustellen bei meiner Arbeit behindert. Von Arbeit im eigentlichen Sinne, also von der Personenbeförderung von A nach B, kann keine Rede mehr sein. Es ist eine einzige Quälerei von einer Baustelle zur nächsten, an denen nie jemand arbeitet.

Trotz der täglichen Quälerei habe ich neulich bei mir im Taxi aus dem Radio erfahren, dass Greta erst am 3. Januar 16 Jahre alt wird. Im Moment ist sie also noch 15. Das wichtigere an dieser Nachricht ist aber, dass Greta im Sternzeichen des Steinbocks geboren ist. Damit, das wissen wir spätestens seit dem Jesus-Kind, hat sie durchaus das Potential eine neue Religion zu stiften. Was nun sechzehnjährige Mädchen angeht, bin ich extrem vorsichtig. Eine Sechzehnjährige, der ein oder andere erinnert sich, hat vor nicht allzu langer Zeit sogar schon mal einen Krieg ausgelöst, weil sie Dinge in einem Krankenhaus wahrgenommen haben will, in dem sie nicht nur niemals war, sondern die sich auch nie zugetragen haben. Die ganze Geschichte, hinter der damals eine PR-Agentur stand, ist auch als Brutkastenlüge bekannt.

Doch zurück zu Greta, die gerade den Kinderfriedenspreis bekam, mit der Betonung auf Kinder. Ich weiß nicht wie es heute ist, aber wir haben uns damals mit 15, 16 Jahren in vielen Sachen ausprobiert, beispielsweise im Protest gegen unsere Eltern, sicherlich auch mit Alkohol, insbesondere aber beim anderen Geschlecht. Was machen nun Gretas Eltern? Sie verweigern ihrer Tochter diese wichtigen Erfahrungen, sie lassen sie lieber von einer PR-Agentur verheizen. Dabei sind weder das Proletariat, wie Marx meinte, noch die Frauen, wie weibliche Feministinnen und selbst männliche Feministen glauben, sondern Kinder die am meisten Unterdrückten, und das schon immer. Deshalb meine Forderung: Freiheit für Greta Thunberg!

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12.12.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #40 ZUM NACHHÖREN




Mein heutiger Studiogast Przemyzlaw Woscieszek, "Przemek" genannt, berichtet über seine dreimonatigen Erfahrungen als Uber-Fahrer in Berlin, die er gerade in seinem Theaterstück "Svetlana" verarbeitet, und das am 20. und 21. Dezember jeweils um 20 Uhr im Club der Polnischen Versager in der Ackerstraße 168 Premiere hat. Karten gibt es an der Abendkasse. Leszek Nadolski, 1. Vorsitzender der Berliner TaxiInnung, war so freundlich für uns ins Deutsche zu übersetzen.

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VERKLEIDETE LOBBYISTEN


Es gibt nichts, was es nicht gibt.
(Weisheit der Straße)

Von meinem heutigen Studiogast, dem polnischen Theaterregisseur Przemyszlaw Woscieszek, habe ich, das soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, aus der BZ erfahren. Nun ist es so, dass die BZ zum Springer-Konzern gehört, und auch Springer mit Uber Geld verdien will. Warum sollte Springer dort sonst sein Geld anlegen? Ein Journalist, der von Springer bezahlt wird und über Uber schreibt, hat, was man klassischerweise einen Interessenkonflikt nennt. Über diesen Interessenkonflikt findet sich leider nichts in dem Artikel der BZ, wie man es von gutem Journalismus erwarten darf. Es gibt da also eine Lücke, weswegen manch einer auch von Lückenpresse spricht.

Drei Beispiele

1. In dem Artikel kommt der Pressesprecher von Uber-Deutschland wie folgt zu Wort: "Wir sind günstiger, weil unsere Autos mehr als 50 Prozent der Zeit auf der Straße mit Kunden unterwegs sind, im Taxi nur zu 25 bis 30 Prozent." Die Gegenfrage des Journalisten, die leider in den Artikel fehlt, hätte lauten müssen: "Wie kann es sein, dass ihre Fahrzeuge mehr als 50 Prozent ausgelastet sein sollen, wenn diese doch die Rückkehrpflicht haben, sie sich also nach jedem Auftrag zum Betriebssitz zurückbegeben müssen, wie es der Gesetzgeber vorsieht, und erst von dort aus den nächsten Auftrag ausführen dürfen?"

2. In dem Artikel wird behauptet: "Uber ist in jedem Fall billiger." - Was zu beweisen wäre! Selbst bei der Berliner Zeitung vom 20.Januar war man da schon weiter. Dort steht "Uber ist in der Regel billiger." "Uber ist in jedem Fall billiger" ist, so denke ich, an erster Stelle eine schöne Schleichwerbung bzw. ein gelungenes Product Placement.

3. Was völlig fehlt in dem Artikel, ist, wie die Mietwagenfirmen abrechnen. Es dürfte sich dabei wohl "in jedem Fall" um eine Abrechnungsform handeln, die in der Taxibranche als "gewürfelte Abrechnung" bezeichnet wird. Würde man die Mietwagenfirmen, die für Uber fahren, genauso gläsern machen wie es das Taxigewerbe bereits heute ist, könnten die Läden allesamt dicht machen.

Ich erwähne das auch, weil es Journalisten gibt, die ihren Beruf bereits an den Nagel gehängt haben und lieber Taxi fahren. Beispielsweise Miroljubova Benatova in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Miroljubova Benatova war 26 Jahre lang eine angesehene und bekannte Reporterin in Bulgarien. Ich habe von ihr, die seit einem knappen Jahr Taxi fährt, in diesem Sommer erfahren, etwa zur selben Zeit als der Artikel über meinen heutigen Studiogast in der BZ erschien. Miroljubova Benatova äußert sich in diesem Beitrag über ihre Entscheidung lieber Taxi zu fahren folgendermaßen:

„Weiter unten geht nicht“, würden manche sagen. Nein, Taxifahrer zu sein hat nichts mit unten sein zu tun. Manchmal erkenne ich das gesellschaftliche schlechte Gewissen in Form eines üppigen Trinkgelds. Ich sage dann, dass das keine Indulgenz für das Schweigen der Bürger ist. Und gebe heraus.

Ich war eine Journalistin mit gutem Festgehalt. Nicht unter der Hand. Jetzt verdiene ich ein Praktikantengehalt und es befriedigt mich, wenn die Leute nachdenklich, inspiriert, aufgeheitert aufbrechen. Und zufrieden, dass sie pünktlich angekommen sind, oder sogar schneller als erwartet. Das ist meine Arbeit.

Und ja, es gibt Arbeit zum Schämen. Doch das ist nicht, den Kofferraum zu öffnen und Leute angenehm von Punkt A nach B zu befördern. Es ist nicht zum Schämen, zuzuhören, höflich zu reden und zu antworten, wenn man dich fragt, warum du dort sitzt. 

Zum Schämen ist, wenn sie dich mit bestellten Reportagen beauftragen. Wenn sie dir die Fragen schreiben und die Antworten diktieren. Zum Schämen ist, für Geld zu töten. Hinter der Maske des Journalismus wirtschaftliche und persönliche Interessen zu bedienen. Ein PR zu sein oder ein Lakai des Staates als Reporter, Produzent und Direktor von Nachrichten, das ist zum Schämen. Dass sie dich an den Eiern packen und du daraufhin Worte streichst, ist der Tod.


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11.12.2019

AM DONNERSTAG 19 UHR SPRICHT TAXIBERLIN LIVE AUS DER LOTTUM AUF PI-RADIO 88.4 ÜBER "PROFESSIONELLE LOKALE" UBER-SKLAVEN


Wirklich?

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Aber auf die neueste Ausgabe von "Hier spricht TaxiBerlin" hast du dich nun lange genug gefreut. Deswegen sind wir morgen ab 19 Uhr endlich wieder auf Sendung. Das Ganze auf Pi-Radio und Live aus der Lottum. Im Radio sind wir hier in Berlin unter 88.4 zu hören, in Potsdam ist es bereits die 90.7, und gerne auch weltweit als Live-Stream im Internet.

Unser Gast im Studio wird Przemyszlaw Woscieszek sein, den wir der Einfachheit halber nur Przemek nennen. Przemek (45) ist ein Theaterregisseur aus Polen, der eine Zeitlang als Uber-Fahrer auf unseren Straßen und Plätzen unterwegs war. Was an ihm genau "professionell" und was "lokal" ist, das wird er uns neben Details aus dem Leben eines Uber-Sklaven in unserer morgigen Sendung verraten.

Obwohl Przemek gerade mit den Proben zu seinem Stück "Svetlana" beschäftigt ist, nimmt er sich die Zeit zu uns ins Studio zu kommen. In "Svetlana" geht es auch um Przemeks Erfahrungen als Uber-Fahrer in Berlin. "Svetlana" hat am 20.12. Premiere im "Club der Polnischen Versager", und es gibt im Moment noch Karten an der Abendkasse.

Da der total "lokale" und auch "professionelle" Uber-Sklave Przemek aus Polen kein Deutsch spricht, mussten wir für unsere Sendung auch noch einen Übersetzer anheuern. Der Übersetzer, der kurzfristig zugesagt hat, worüber wir uns sehr sehr freuen, ist sozusagen der Überraschungsgast in unserer morgigen Sendung. In Fachkreisen ist er auch als "Großer Vorsitzender" bekannt - so viel kann ich verraten.

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09.12.2019

DAS ENDE DES NEOLIBERALEN EXPERIMENTS


Die so genannte Demokratie: die marktkonforme Demokratie

Nachdem die sozialistischen Experimente allesamt gescheitert sind, erleben wir gerade das Scheitern des neoliberalen Experiments, auch als Merkelsche "marktkonforme Demokratie" bekannt, besser wohl "eine durch den Markt deformierte Demokratie". "Der Markt richtet alles", und das "alternativlos", das Mantra des Neoliberalismus, ist das, was früher "die Partei hat immer recht" war. "Es war nicht alles schlecht" wird man eines Tages über das neoliberale Experiment in den Geschichtsbüchern lesen, aber, und das sagte bereits Goethe: "Alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht." Ich erlaube mir aus Erfahrung hinzuzufügen: "Und der letzte macht das Licht aus!"

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07.12.2019

DER NEUESTE SCHEIß


Natürlich im Prenzlauer Berg

Wer in letzter Zeit mal beim Arzt, auf einem Amt oder auch nur auf der Post war, der wird festgestellt haben, dass die DDR und ihre sozialistischen Wartekollektive zurück sind. Einen Unterschied zu früher gibt es allerdings, und zwar folgender: früher teilte man etwas mit den anderen Wartenden in der Schlange, und wenn es nur die Vorfreude auf das war, was einem am Ende erwartete, von dem man oft nicht wusste, was es eigentlich ist. Heute teilen die Wartenden nichts mehr miteinander. Und deswegen ist die Idee, im Ärztehaus einen Friseur einzurichten, nur folgerichtig. Alleine deswegen, weil man meist nur jemandem braucht, mit dem man reden kann. Und da der Arzt dafür heute keine Zeit mehr hat, bleibt dafür nur noch der Friseur oder eben der Taxifahrer. Dass die Idee eines Ärztehauses mit Friseur erstmals ausgerechnet im Prenzlauer Berg realisiert wurde, ist keine Überraschung. So ein Friseur kostet ja auch etwas. Ich zum Beispiel kann ihn mir gar nicht leisten. Das letzte Mal habe ich vor 25 Jahren einen Friseur von innen gesehen. Wer hinter der Idee steckt, in einem Ärztehaus einen Friseur zu eröffnen, dürfte klar sein: eins von den zahlreichen Start-ups, die gemeinsam mit den anderen viel zu Vielen seit geraumer Zeit permanent die Hauptstadt heimsuchen.

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05.12.2019

DIE HAUPTSTADT UND DER SEX


Sexstillleben: "Ruf mich an!"

Seitdem wieder Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz ist, stehe ich immer öfter an der Taxihalte am Europacenter. Die Tauentzienstraße ist dort zwar gesperrt, aber für Taxen ist die Zufahrt erlaubt, was viele Kollegen nicht zu wissen scheinen. Zum wiederholten Male stiegen mir nun an der Halte Europacenter Frauen ein, die zum Artemis wollten, weil sie dort arbeiten. Das Artemis, wer es nicht kennt, ist ein Großraumbordell am Ende des Ku'damms. Manche bezeichnen das Artemis auch als Fitness- oder gar als FKK-Club. FKK steht für FreiKörperKultur. Frei im Sinne von entblößt mögen im Artemis die Körper sein, frei im Sinne von umsonst ist im Artemis aber nichts. Die Fahrstrecke der Frauen, die mir am Europacenter einsteigen und zum Artemis wollen, weil sie dort ihren Körper verkaufen, ist immer dieselbe. Einmal den Ku'damm rauf, was durchaus Spaß macht. Der Ku'damm ist zwar immer ganz voll von Autos, denn er ist gerade sehr schön aber total klimaschädlich ausgeleuchtet. Dafür gibt es eine Busspur, die ich mit den Damen an Bord benutzen darf, sie müssen schließlich zur Arbeit. Am Ende vom Ku'damm, bevor es rechts die Halenseestraße runter geht, wo sich das Artemis befindet, muss ich immer links auf die Aral-Tanke, wo die Frauen immer noch mal einkaufen müssen, obwohl sie gerade vom Einkaufen in der Tauentzienstraße kommen. Aber auch dafür habe ich Verständnis. Manche Sachen bekommt man eben nur an der Tanke, genauso wie man manches nur im Taxi erfährt. Die Damen früher haben den Taxifahrer gerne schon mal wie einen dummen männlichen Affen behandelt, insbesondere bei Frauen aus Osteuropa war dies die Regel. Da hat sich viel verändert in den letzten Jahre, was auch beweist, dass früher eben doch nicht alles besser war, und Menschen sich auch weiterentwickeln können, was man damals Dialektik nannte. Ich kam also mit all den Frauen, die mir am Europacenter einstiegen, zum Artemis wollten und allesamt aus Osteuropa stammten, was ihr starker Akzent verriet, immer in ein nettes Gespräch. Doch bevor ich darüber schreibe, möchte ich noch folgendes erwähnen. Ich denke in letzter Zeit immer öfter an Sex, um ganz ehrlich zu sein eigentlich ständig. Es kann sein, dass das mit der Werbung zusammenhängt, die seit einiger Zeit praktisch ohne weibliche Brüste nicht mehr auskommt. Vielleicht spielt auch die Vielweiberei eine Rolle, dass ich ständig an Sex denken muss, denn die Vielweiberei ist das Ding von morgen, wenn du so willst, der neueste Trend, den noch keiner kennt. Bei den Fahrten mit den jungen Frauen, die vom Europacenter zum Artemis wollten, hatte ich nun komischerweise überhaupt keinen Sex im Kopf. Das liegt vor allem daran, dass wir sozusagen Kollegen sind. Die Frauen sind im Prinzip Flaschensammler, so wie ich. Auch ihnen haben es die leeren Flaschen angetan, denn die bringen Geld. Der einzige Unterschied scheint mir zu sein, dass ich die Pflicht zur Beförderung habe und sie nicht. Ansonsten müssen aber auch sie, genauso wie ich, jeden an sich ran lassen. Nun zu dem, was mir die Frauen unisono erzählten. München, und das hat mich dann doch überrascht, sei in Sachen Sex TOT. TOT wurde mehrfach wiederholt und mit sehr sehr starkem osteuropäischen Akzent ausgesprochen. Das musste ich mir förmlich merken. Was mir noch wichtiger erschien, war, dass 98% der Männer im Artemis Ausländer seien. 98% Ausländer und 2% Deutsche! - das musst du dir mal vorstellen! Ich gehe mal davon aus, dass die Zahlen stimmen. Wichtiger ist sowieso, wie man die Statistik interpretiert. Also ich sehe da genau zwei Möglichkeiten: Entweder kann sich der von hier keinen Sex mehr leisten, oder er hat einfach keinen mehr. Egal, was nun stimmt, es läuft beides immer auf das selbe hinaus.

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04.12.2019

VOM TEE TRINKEN ÜBER UNTERWERFUNG UND VIELWEIBEREI ZUR BESCHNEIDUNG


Geht auch beim Fahren

Am Montag habe ich "Unterwerfung" von Michel Houellebecq bei mir im Taxi verkauft. Ich hatte es als Taschenbuch in meinem kleinen Bauchladen. Mein Bauchladen läuft gerade jetzt vor Weihnachten fantastisch, aber das nur nebenbei. Der Dame, die das Buch gekauft hat, habe ich vorher kurz das Buch erklärt, deswegen habe ich es im Kopf. Dort überlegt der Hauptprotagonist, ein gewisser Francois, ob er zum Islam übertreten soll oder nicht. Das wiederum brachte mich darauf, mich einmal selbst etwas genauer anzuschauen. Immerhin habe ich bereits vor einiger Zeit mit dem Alkohol aufgehört, und zwar komplett. Hinzu kommt, dass ich mir immer öfter die Füße wasche. Nahezu täglich nehme ich ein heißes Fußbad. Meine Fußbäder sind allerdings keine rituellen Waschungen, wie sie Kollegen von mir am kleinen Handwaschbecken der kostenpflichtigen Toilette auf dem Parkplatz nur für Taxifahrer am Flughafen Tegel (TXL) vornehmen, sondern sind ausschließlich dem nasskalten Wetter in der Hauptstadt geschuldet. Dass ich öfters auf diesen Ort muss, liegt daran, weil ich angefangen habe prophylaktisch mehr zu trinken, denn als Taxifahrer neigt man mangels Toilette eher zur Austrocknung. Ich trinke aber nicht mehr Kaffee wie viele Kollegen, Kaffee trinke ich nur noch morgens, sondern vor allem Mineralwasser und auch Tee. Den gibt es hier neuerdings auch zum Gehen, man kann aber auch mit ihm Fahren. Wenn ich mir meine Ernährung ansehe, so besteht auch da Handlungsbedarf. Abgepackte Wurst aus dem Fleisch toter Schweine ist nicht gerade das Gelbe vom Ei. Ob ich mir deswegen gleich Halal hole, das kann ich nicht sagen. Mehr beschäftigt mich die Frage, wie auch Francois, dem Hauptprotagonisten von Michel Houellebecqs "Unterwerfung", nach der Vielweiberei, denn die ist und bleibt problematisch. Die Vielweiberei ist sozusagen die Achillesferse der ganzen Geschichte. Und das, wo heute so viel von der Gleichheit der Geschlechter die Rede ist. Offensichtlich geht es da dem anderen Geschlecht ganz anders als mir. Hilft da vielleicht Beschneidung?

Foto&Text TaxiBerlin

02.12.2019

UND WARUM?


Warum?

"Und warum?" ist die Frage, die ich seit einiger Zeit meinen Fahrgästen stelle. Beispielsweise, warum sie nur EINMAL und nicht ZWEIMAL wohin wollen. Ich meine, heute wird doch immer ROUND TRIP gebucht, nur eben im Taxi nicht, und das verstehe ich nicht. Oder warum sie ausgerechnet in diese Straße, dieses Restaurant oder dieses Hotel wollen. Letzteres interessiert mich, weil ich selbst meistens zu Hause und nicht im Hotel schlafe. Was Restaurants angeht, da wurde mir neulich das "Layla" in der Halleschen Straße empfohlen, was allerdings nicht meine Preisklasse zu sein scheint. Zumindest würde ich "Stilvolles Restaurant für gehobene israelische und mediterrane Küche mit eleganter Bar" aus ihrer Eigenwerbung so interpretieren. Vor allem interessiert mich aber, wo die Leute zu hause sind. Viele Fahrgäste wohnen zwar in Berlin, sind aber hier gar nicht zu hause. Das sind die, die demnächst, also ZU und nicht AN Weihnachten, wieder nach hause fahren. Für andere, und sie werden immer mehr, ist Berlin nur ihre BASE - was für ein schreckliches Wort! Offensichtlich sind sie niemals hier angekommen und werden dies wohl auch nie. Auch da frage ich gerne mal nach: "Und warum?"

Foto&Text TaxiBerlin

01.12.2019

DIE AFTERPARTY


Altes Testament mit Lesezeichen

Gestern wurde ich zu einer Afterparty eingeladen, und das kam so: Es war früher Nachmittag, als ich eine D-Jane vom Club abholte. Es war nicht irgendeine D-Jane, sondern D-Jane Jasmin aus Lichtenberg, wer kennt sie nicht. D-Jane Jasmin ist es gewohnt, den Ton anzugeben, wie es sich für eine richtige D-Jane gehört. Ich war selber mal D-Jay, ich weiß wovon ich rede. Auch wenn ich nicht mehr als D-Jay aktiv bin, so gebe in meinem Taxi immer noch ich den Ton an, und manchmal spiele ich dort sogar den D-Jay. Dass jemand anders den Ton angibt, war D-Jane Jasmin verständlicherweise nicht gewöhnt, was leicht hätte ins Auge gehen können. Zum Glück habe ich als Lenker eines Öffentlichen Verkehrsmittels mit dem Namen Taxi nicht nur eine Beförderungspflicht, sondern auch den Bildungsauftrag. Der Bildungsauftrag war ursprünglich bei Öffentlich/Rechtlich, der ein oder andere erinnert sich, wo er aber spätestens seit Einführung der Zwangsabgabe nicht mehr ist. Öffentlich/Rechtlich hat da eine große Lücke hinterlassen, manch einer spricht auch von Vakuum, das gefüllt werden muss, denn so ein Vakuum ist nicht ganz ungefährlich. Insbesondere ein Machtvakuum, beispielsweise auch im Taxi. Dort verhindere ich schlimmeres immer dadurch, indem ich aus einem Straßenverzeichnis vorlese, und das wollte ich auch gestern. Meine Fahrgast, D-Jane Jasmin aus Lichtenberg, war so fasziniert von der Idee, dass sie mich kurzerhand zu sich nach hause zu einer spontanen Afterparty einlud, wo ich ihr vorlesen sollte. D-Jane Jasmin aus Lichtenberg war aber nicht alleine, was für mich kein Problem gewesen wäre. Gerne hätte ich auch ihrem Freund vorgelesen, während er ihre Hand hält. Wahrscheinlich wäre es genauso gekommen, wenn D-Jane Jasmin nicht vorher zum Geldautomaten in Lichtenberg gemusst hätte. Diesen Moment nutzte ihr Freund, um mir klarzumachen, dass das keine gute Idee mit der Afterparty ist, weil D-Jane Jasmin jetzt müde sei und ins Bett müsse. Dafür hatte ich als mobiler Lebensberater größtes Verständnis. Hinzu kommt, dass ich nicht aus den Brüdern Grimm vorlese, sondern, wie geschrieben, aus einem Straßenverzeichnis, genauer gesagt aus dem Kauperts (oben), dem Alten Testament der Straßen- und Wegelehre. Die Lesung musste also gestern ausfallen, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und nach der Party ist vor der Afterparty - meistens zumindest.

Foto&Text TaxiBerlin