19.01.2020

"I AM ANTI BERLIN" (EIN GASTBEITRAG)


Fasanenstraße, früher Charlottenburg und Wilmersdorf
heute Charlottenburg-Wilmersdorf

Heute gibt es einen Gast-Beitrag von Kollegin Sonja, die mir vorletzte Nacht mittels Smart-Phone obiges Foto zukommen ließ. Da ich selbst kein Smart-Phone besitze, bat ich die Kollegin Sonja, mir das Bild als Anhang an eine e-mail zukommen zu lassen. Das Foto war nun in meiner Mail-Box, mit einem kurzen Text dazu. Taxi-Kollegin Sonja fährt das "Tiffany-Taxi" mit der Konzession-Nummer 699. Sonja, die bereits 1989 den Taxischein für damals West-Berlin machte, war letztens ein kurzweiliger Gast in unserer Sendung "Hier spricht TaxiBerlin", die du hier nachhören kannst.

Ich sah dieses (Uber-)Fahrrad mit der interessanten Aufschrift vor dem schicken Savoy Hotel und stieg aus, um ein Foto zu machen. So etwas mache ich manchmal, wenn ich etwas interessantes sehe. Ein Passant meinte, er habe auch bereits ein Foto davon gemacht, dann fragte er  "Interessiert sie das als Taxifahrerin?“ Ich antwortete „Nein, das interessiert mich als Berlinerin.“ Was soll man auch sonst antworten? Vielleicht „Interessiert sie das als Tourist?“

Vielen Dank, liebe Sonja, für das tolle Foto und den schönen Text!

Foto&Text KolleginSonja

17.01.2020

WAS TAXI VERSUS UBER MIT HASE UND IGEL UND TON, STEINE, SCHERBEN ZU TUN HAT




Die scheinbar unendliche Geschichte mit Uber erinnert mich immer mehr an das Märchen "Hase und Igel". Im Märchen gewinnt der Igel immer das Wettrennen mit dem Hasen, ganz einfach weil er betrügt. Aktuell ist Uber eigentlich verboten, aber Uber fährt trotzdem. Das erinnert mich wiederum an den Balkan. Auf dem Balkan fährt das Auto auch obwohl kein Geld für Benzin da ist, aber das nur nebenbei. Zurück zu dem Märchen "Hase und Igel". Der neueste Trick vom Igel, also von Uber, um die Rückkehrpflicht für Mietwagen zu umgehen, ist der, dass die Fahrer einfach die Uber-App für fünf Minuten aus- und danach wieder einschalten. Das gilt dann als "return to garage", auch wenn sie sich gar nicht in die Richtung ihres Betriebssitzes bewegt haben. Alles bleibt also wie gehabt, nur zwei Knopfdrücke mehr für den armen Uber-Fahrer. Ich bin nicht sicher, der wievielte Anlauf das aktuelle Urteil gegen Uber Seitens des Taxis das jetzt war. Was ich weiß, ist, dass im Märchen "Hase und Igel" der Hase beim 74. Rennen erschöpft zusammenbricht und stirbt. Der Tod ist uns, geht es nach dem Märchen, also gewiss. Gut, ich bin nach knapp 25 Jahren "on the road" nicht mehr der jüngste, aber will ich deswegen gleich sterben? - So meine Überlegungen, bei denen mir am Ende eine Band meiner Jugend einfiel, und zwar Ton, Steine, Scherben. Obiges Video, freundlicherweise vom WDR, also von Öffentlich/Rechtlich, zur Verfügung gestellt, gibt einen Tip, was zu tun ist, bevor es zum finalen 74. Rennen, in dem Fall zwischen Taxi und Uber, kommt: "Macht kaputt was euch kaputt macht." Danke Rio Reiser und Danke auch dem von uns finanzierten Westdeutschen Rundfunk (WDR)!

Video WDR
Text TaxiBerlin

15.01.2020

INFUENCAPROPHYLAXE


Dit is Berlin: Graffitis interessanta als Influenca

Nicht, dass ich mir von der Fashion Week, die gerade mal wieder in Berlin stattfindett, was das Taxi-Geschäft angeht, irgendetwas versprochen hätte. Das nicht. Aber, so meine Überlegung, der ein oder andere Modefuzzi braucht vielleicht doch ein Taxi, sozusagen als Zubrot zum eigentlichen Mahl. Damit, also mit dem Zubrot, verhielt es sich, zumindest an den vergangenen beiden Tagen, wie mit dem Hauptgericht: es ging gegen Null. Einmal mehr genug Zeit die Leute zu beobachten. Und da fielen mir die Influencer, besser Influenca, ins Auge. Um genau zu sein, verursachten sie mir körperliche Schmerzen. Influenca sind nämlich sehr aufgeregte junge Menschen, die sich so übertrieben modisch kleiden, dass man gar nicht hinschauen mag, um keinen Lachanfall zu bekommen. Influenca haben immer mehrere Tüten bei sich, in denen genauso schlimme Klamotten drin sind, wie die, die sie gerade tragen, die sie umsonst bekommen haben, und die sie jetzt bewerben sollen, damit andere, die ähnlich bescheuert sind, sie dann kaufen. Influenca treten immer in Gruppen auf, wo der Wahnsinn bekanntlich die Regel ist, während er beim Einzelnen eher die Ausnahme darstellt. Influenca sind praktisch gar keine Menschen mehr. Influenca sind Roboter, die sich selbst über ihr Smartphone, das sie ständig vor ihr Gesicht halten, steuern. Das Smartphone ist ihre Fernbedienung. Mit der bestellen sie auch ihr Taxi, genauer ein Uber, wobei Influenca den Unterschied zwischen Taxi und Uber nicht kennen, er würde Influenca auch überfordern. Influenca fahren, das ist keine Überraschung, Uber, selbst wenn sie darauf warten müssen, obwohl ein Taxi abfahrbereit vor ihrer Nase bereit steht. Ich finde das gut, dass Influenca mit Uber fahren. Sollen die sich mit diesem Volk (fast hätte ich Pack geschrieben) beschäftigen. Uber ist, wenn du so willst, eine Influencaprophylaxe. Ich bin zwar schon gegen Influenca geimpft, aber doppelt hält bekanntlich besser.

Foto&Text TaxiBerlin

11.01.2020

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #41 ZUM NACHHÖREN




Die Leute von heute hören Radio nicht mehr live, sondern nach. Der Mensch von morgen wird wahrscheinlich schon gar nicht mehr richtig leben, sondern immer nur auf den Moment warten, an dem er sein Leben nachleben kann. Bevor es so weit ist, kannst du unsere letzte Sendung nachhören. Denn wer nicht hören will, muss nachhören.

Audio HearThis
Text TaxiBerlin

08.01.2020

MORGEN 19UHR: HIER SPRICHT TAXIBERLIN #41


Das Graffito zur Frauenquote
Lottumstraße / früher Prenzlauer Berg / heute Pankow

Morgen ist es nun so weit, da sind wir wieder auf Sendung. In der 41. Ausgabe von "Hier spricht TaxiBerlin" tut TaxiBerlin erneut etwas für die Frauenquote im Taxi und auch im Studio. Dort zu Gast wird Taxi-Kollegin Sonja von Hasdunichjesehn sein, die seit neulich eine neue Stammhöherin unserer Sendung ist. Möglicherweise ist Kollegin Sonja darüber hinaus auch die Mutter aller Berliner Taxifahrerinnen, denn sie ist bereits 1989, also vor dem Mauerfall, in damals West-Berlin Taxi gefahren. Von 1992 bis 2018 ist die Kollegin kein Taxi gefahren, weswegen sie vor 1 1/2 den Taxischein komplett neu machen musste. Seitdem ist Kollegin Sonja wieder mit ihrem "Tiffany Taxi", das die Konzessionsnummer 699 hat, auf den Berliner Straßen und Plätzen unterwegs. Was sich dort während ihrer Abwesenheit verändert hat, das wird sie uns morgen ab 19 Uhr in unserer Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" auf Pi-Radio 88.4 verraten. Wage nicht es zu verpassen!

Foto&Text TaxiBerlin

31.12.2019

DAS ENDE


So sieht es aus

Jedes Ende, und somit auch das Jahresende, ist immer auch ein Neubeginn, wozu man sich oft viel (meist zu viel) vornimmt und so einiges wünscht, was manchmal sogar in Erfüllung geht. Auch ich wünsche meinen Lesern etwas für das Neue Jahr, ausgehend vom Schicksal Gregor Samsas, aber nicht dem Gregor Samsa aus "Die Verwandlung" von Franz Kafka, sondern dem Gregor Samsa in der weiter gesponnenen "Selbstverfickung" von Oskar Roehler:

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, stellte er fest, dass er nicht mehr linksliberal war. Und das war in dieser Gesellschaft schlimmer, als sich in ein ungeheures Ungeziefer verwandelt zu haben.

Mein Wunsch nun ist folgender: Sollte dir demnächst dasselbe passieren wie Oskar Roehlers Gregor Samsa, dann sei unbesorgt, denn Linksliberal hat heutzutage und hierzulande mit Links, wie wir es von früher kannten, nichts mehr zu tun. Linksliberal heute meint immer Neoliberal, und dagegen darfst auch du etwas haben.

Foto&Text TaxiBerlin

DER CLAAS RELOTIUS PREIS 2019


Spät, aber nicht zu spät

Fast wäre diese Bewerbung für den wichtigsten Journalistenpreis an mir vorbei gegangen. Das liegt daran, dass ich mich mal wieder Tage- und auch Nächtelang mit meinem Taxi auf den Berliner Straßen und Plätzen herumgetrieben habe, wo außer leeren Flaschen nichts zu holen war. Deswegen muss auch ich alte Nazisau Umweltsau wohl oder übel auf Kotelett aus'm Discounter zurückgreifen, aber das nur nebenbei. Jedenfalls ist kurz vor Jahresende ganz aktuell noch eine Bewerbung für den Claas Relotius Preis 2019 reingekommen, und zwar von Danny Hollek. Danny Holleks Karriere ist gerade dabei steil nach oben zu gehen. Das dumme ist, dass sich sein Arbeitgeber, der WDR, von ihm als freien Mitarbeiter distanziert hat. Das macht aber gar nichts, denn Danny Hollek hat sich auch schon von sich selber distanziert. Trotzdem haben sich seine Chancen auf den Claas Relotius Preis 2019 dadurch nicht verschlechtert - ganz im Gegenteil. Denn Danny Hollek erhält jede Menge Zuspruch von Kolleginnen und Kollegen von Öffentlich/Rechtlich, und auch ich unterstütze seine Bewerbung. Ich denke, er wäre ein würdiger Preisträger, obwohl ich persönlich finde, dass sich Umweltsau irgendwie nach Neunziger anhört. Heute heißt das, so weit ich informiert bin, Umweltschädling.

Foto&Text TaxiBerlin

29.12.2019

STAATLICH ORGANISIERTE KRIMINALITÄT NOCHMAL


Die neue schöne Uber-Zeit begann 2017. Über Nacht brauchten Miet- und Krankenwagenfahrer keine Ortskundeprüfung mehr ablegen. Der Grund für diese Gesetzesänderung ist bis heute unklar. Gab es einen Beförderungsnotstand? Nicht, dass ich wüsste! Was es auf jeden Fall gab, war eine Niveauabsenkung. Brauchte man bisher als Taxifahrer keine Sprachkenntnisse, so braucht man seitdem darüber hinaus als Miet- und Krankenwagenfahrer auch keine Ortskenntnisse mehr. Schon damals gab es einen angeblichen Fachkräftemangel im Land. Um diesen zu beseitigen, bildet man aber keine Leute aus, sondern senkt einfach das Niveau. Es werden keine Fachkräfte gebraucht, sondern billige Arbeitskräfte für eine Firma aus Amerika, die in der Lage ist, hierzulande, also im Ausland, Gesetze ändern zu lassen. Einen Beförderungsnotstand gab und gibt es nicht. Was es gibt, ist ein Kontrolldefizit oder besser: einen Kontrollverlust. Es wird etwas erlaubt, was nicht kontrolliert werden kann oder besser: darf. Der Staat als Pate. Deswegen Staatlich Organisierte Kriminalität.

Text TaxiBerlin

28.12.2019

SCHWARZTAXIS FRÜHER UND HEUTE oder STAATLICH ORGANISIERTE KRIMINALITÄT


Zwischen den Schwarztaxis in der DDR und Uber heute gibt es viele Parallelen, aber auch einige Unterschiede. Schwarztaxis traten in der DDR etwa ab Mitte der Achtziger Jahre auf, allerdings nur in größeren Städten, genauso wie Uber heute nur in einigen Großstädten agiert. Die Schwarztaxis in der DDR waren Privatautos von Privatpersonen gelenkt, die sich nach Feierabend etwas dazu verdienen wollten. Der Fahrpreis war verhandelbar. Im Normalfall fragte man als Fahrgast am Ende der Fahrt, was der Fahrer dafür, dass er ihn mitgenommen hat, nun bekäme. Die Antwort des Fahrers war dann meist, dass der Fahrgast doch geben solle, was er denke. Im dümmsten Fall hat er nichts gegeben. Bei Uber ist der Fahrpreis in gewisser Weise auch Verhandlungssache, allerdings nicht so wie in einem Schwarztaxi in der DDR. Angeblich wird, im Gegensatz zum Schwarztaxi der DDR, alles bargeldlos beglichen. Seit meiner letzten Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin", in der ich einen ehemaligen Uber-Fahrer im Interview hatte, wissen wir aus erster Hand, dass die Fahrer bei Uber versuchen an Bargeld oder genauer Schwarzgeld heranzukommen, weil sie von den vier Euro die Stunde, die sie mit Uber-Fahrten verdienen, nicht überleben können. Von Leben war nicht die Rede. Auf keinen Fall wird ein Fahrgast bei Uber, wie es beim Schwarztaxi in der DDR häufiger vorkam, ohne etwas für den Fahrer im Wagen hinterlassen zu haben, aussteigen. Fahrer von Schwarztaxis in der DDR wussten, dass sie illegal sind. Das wissen Uber-Fahrer heute nicht mehr, oder wollen es nicht wissen, obwohl auch sie, ganz genauso wie die Schwarztaxis in der DDR, sich zum Beispiel an keinen Taxistand stellen dürfen. Dank einer permanenten Gehirnwäsche glauben Uber-Fahrer heute wirklich, dass sie die "lokalen Profis" sind, auch wenn sie keinen Plan haben. Den "Brüdern und Schwestern" von Uber dürfte aber nicht entgehen, dass man sie verarscht (ähnlich den Fahrern von Schwarztaxis in der DDR, wenn die Fahrgäste einfach ohne etwas gegeben zu haben ausgestiegen sind), nur eben ganz anders, und dass das Geschäftsmodell von Uber, so weit man von einem solchen sprechen kann, nur bei permanentem Rechtsbruch funktioniert. Uber ist Staatlich Organisierte Kriminalität. Das waren Schwarztaxis in der DDR nicht. Schwarztaxis in der DDR waren zwar toleriert, aber sie waren nicht staatlich legitimiert. Dafür läuteten sie bzw. ihr Auftreten das Ende der DDR ein. Bis zur Wende waren es dann noch ca. fünf Jahre. Heute mit Uber dürfte es schneller gehen.

Text TaxiBerlin

27.12.2019

KLEINER HUND MIT HUND


ist junge Frau

In Berlin, das bestätigen mir immer wieder Fahrgäste von auswärts, ist es mitunter schwer, ein Taxi zu finden, das auch Hunde befördert. Das liegt, das ist kein Geheimnis, an den vielen TaxiKollegen mit muslimischem Glauben. Der Hintergrund ist, dass der Hund im Islam als unrein gilt. Das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Fahrgäste, die keinen Taxifahrer mit muslimischen Glauben wünschen, immer einen Hund angeben, den sie gar nicht haben. Unter diesem Hintergrund erschien gestern Abend obiger Auftrag für mich auf dem Display. Offensichtlich will ein kleiner Hund Taxi fahren. So weit - so gut. Dass aber ein kleiner Hund MIT HUND Taxi fahren möchte, das war noch nie da. Alleine, um herauszufinden, was sich dahinter verbirgt, bin ich hingefahren. Mein Fahrgast war eine junge Frau, die keinen Hund dabei hatte, und die auch nichts gegen Fahrer mit muslimischem Glauben hat. Einen Hund hat sie allerdings schon, aber der war zu hause. Sie hatte einfach nur vergessen das Häkchen, das in ihrer App bei Hund steht, zu entfernen, bevor sie das Taxi bestellte. MIT HUND ist ein Zusatz von der gleichnamigen TaxiZentrale von TaxiBerlin, der automatisch auf dem Display erscheint, wenn ein Fahrgast mit Hund Taxi fahren möchte.

Foto&Text TaxiBerlin

26.12.2019

ZEIT FÜR DIE MAMA


und für einen Gutschein

Meine Fahrgäste, ich hatte hier darüber geschrieben, zahlen neuerdings mit Kunst und nicht mit Kohle, weil man Kohle nicht anlegen kann - im Gegensatz zu Kunst. Gestern nun, pünktlich zur Weihnachtszeit, beglich ein Fahrgast seine Fahrt mit dem Jesuskind, wie es eine Brust seiner Mutter Maria, die selbstverständlich mit auf dem Bild ist, in der Hand hält. Die Brust, das wissen viele nicht, ist eine paarig angelegte Drüse, in dem Fall für Milch, die auf lateinisch Mama heißt und der ganzen Person ihren Namen gibt. Bilder vom kleinen Jesus mit der Milchdrüse von Mama in der Hand sind sehr selten. Da die Fahrt nicht weit war, und ich nicht rausgeben konnte, habe ich dem Fahrgast einen Gutschein ausgestellt. Das geht auch.

Foto&Text TaxiBerlin

25.12.2019

WAS MACHT DER ESEL IM TAXI ?


Mit Esel-Kunst kommst du am weitesten

Noch vor dem Essen (und auch vorm Trinken) sind die Geschenke das wichtigste an Weihnachten, denn auf den ganzen Small Talk und das ewige WIR HABEN UNS JETZT ALLE GANZ DOLL LIEB kann ein jeder sehr gerne verzichten. Mit dem Essen ist es so, das ist man morgen schon wieder los. Nicht so mit den Geschenken. Wenn man Pech hat, verfolgen die einen bis ins neue Jahr. Deswegen ist es wichtig, dass man die richtigen Geschenke bekommt. Manche lassen sich Hoch-Prozentiges schenken, andere Schlüpfer oder Socken, und wieder andere Kreuzfahrten. Das ist alles ganz schön, aber mal wieder zu kurz gedacht. Heutzutage lässt man sich Sachen schenken, die man anlegen kann - also auf keinen Fall Kohle. Besser sind Edelmetalle, Gold zum Beispiel, oder eben Kunst. Bei Kunst empfehle ich die vom Esel, denn der Esel ist das Kommende. Deswegen sind die Chinesen schon hinter ihm her, wenngleich nicht als Kunstwerk sondern wegen der Potenz. Mit der ist bei mir (noch) alles in Ordnung, weswegen ich mich ganz auf die Kunst konzentrieren kann. Jetzt zu Weihnachten ist mein Taxi voll mit Kunst, denn bei mir bezahlen die Kunden mit Kunst. Und da, wie gesagt, die Esel-Kunst im Kommen ist, sind die Fahrten dann auch am weitesten. Wenn du verstehst, was ich meine.

Foto&Text TaxiBerlin

24.12.2019

MEIN KAMPF GEGEN RECHTS


E-Roller Fahrer mit drei E-Rollern aber ohne Plan

Pünktlich zum Fest der Liebe und der Verständigung möchte auch TaxiBerlin seinen bescheidenen Beitrag beim Kampf gegen Rechts leisten und Haltung zeigen, wie man heute wieder sagt. Bei der Haltung, das weiß TaxiBerlin noch von früher, kommt es vor allem darauf an, dass es die richtige ist. Obwohl, manchmal frage ich mich, ob es sich mit der Haltung nicht ganz genauso verhält, wie mit dem Journalismus, von dem Orwell meinte: "Journalismus heißt, etwas zu drucken, von dem jemand will, dass es nicht gedruckt wird. Alles andere ist Public Relations." Denn so kommt mir auch das Haltung zeigen vor, oder zumindest das, was heute (einmal mehr) darunter verstanden wird. Doch zurück zum Kampf gegen Rechts, und hier zu meinem bescheidenen Beitrag. Der besteht darin, dass ich neuerdings nur noch links abbiege, was den Fahrgast selbstverständlich immer erst einmal verwirrt. Bis ich es ihm erkläre. Dann versteht er es.

Fahrgäste sind oft ein bisschen blöd, aber wenn man ihnen die Welt richtig erklärt, mit der richtigen Haltung - versteht sich, dann sind sie schon nicht mehr ganz so blöd. Das muss man aber erstmal üben, also mit der richtigen Haltung die Welt erklären, während man links abbiegt, obwohl der Fahrgast nach rechts wollte. Denn links abbiegen birgt viel mehr Gefahren in sich als rechts abzubiegen. Beim rechts abbiegen muss man nur auf die Fußgänger und die Radfahrer aufpassen, die oft auch ziemlich blöd sind, was aber ein anderes Kapitel ist. Beim links abbiegen muss man zusätzlich noch auf den Gegenverkehr achten und dann erst auf Fußgänger und Radfahrer.

Danach kommt das schwierigste: die Wende, beim Amerikaner auch als U-Turn bekannt. Die Wende oder auch der U-Turn ist notwendig, um wieder in die richtige Richtung zu gelangen. Vielleicht das wichtigste und zugleich das schwierigste im Leben: die richtige Richtung beibehalten. Seine Richtung zu verlieren geht schneller als man denkt. Dann muss man anhalten und steigt am besten immer erstmal aus, um ein bisschen Abstand zu bekommen. Meist bringt einen das aber nicht wirklich weiter, vor allem wenn man selbst vor Ort nur eine "Base" hat oder ganz und gar nur auf der Durchreise ist. Oft hilft dann nur noch "Locals" also Eingeborene nach dem Weg zu fragen. Vergesst GoogleMaps, redet mit- und nicht übereinander.

Foto&Text TaxiBerlin

22.12.2019

ORWELLSCHES NEU- VERSUS GENDERSPRECH


Wo ist die Grenze?

Neben dem Owellschen Neusprech gibt es auch das Gendersprech. Zwischen dem Orwellschen Neusprech und dem Gendersprech gibt es viele Überschneidungen und auch einige Grauzonen. Eine Grenze ist also zwischen dem Orwellschen Neusprech und dem Gendersprech nicht in jedem Fall klar zu ziehen, zumindest im mündlichen. Zum Glück gibt es neben der mündlichen Rede noch die Schriftsprache, obwohl auch die gesprochene Sprache in Veränderung begriffen ist. Und da kann es einem passieren, dass man plötzlich gar nicht mehr mitreden kann, einfach so. Aber vielleicht ist das auch das Endziel der allgegenwärtigen menschengemachten Sprachverwirrung.

Foto&Text TaxiBerlin

21.12.2019

"SVETLANA" NOCHMAL


Wie auf dem Balkan: eigentlich verboten, aber fährt trotzdem

Heutzutage ist es so, dass höchstrichterlich festgestellt werden kann, dass das, was du tust, Unrecht ist, und du trotzdem weitermachen darfst. So aktuell geschehen mit Uber. Und das ist auch gut so. Sonst hätte das Theaterstück "Svetlana" gestern im Club der polnischen Versager gar nicht starten können. Denn der Hauptdarsteller reiste mit einem Uber-Fahrzeug an, das er selbst steuerte, und das während der Vorstellung mit eingeschalteter Warnblinkanlage vorm Club auf ihn wartete. In den Club kam er überhaupt nur, weil ihm sein letzter Fahrgast dort hinein abgehauen war. Der schuldete ihm noch 20 Euro für die Fahrt. Und weißt du, wie lange ein Uber-Fahrer für 20 Euro arbeiten muss? Das weißt du natürlich nicht. Aber lass dir deswegen keine grauen Haare wachsen. Der Fahrer ist nur Pole. Und überhaupt: die meisten Zuschauer gestern im Club der polnischen Versager, die der Fahrer der 20 Euro wegen allesamt gleich mal in Sippenhaft nahm und mit einem Beil bedrohte, hatten selber die Uber-App auf ihrem Smartphone. Was tut man nicht alles, um fünf Euro zu sparen. Der Eintritt für "Svetlana", das heute um 20 Uhr ein zweites Mal im Club der polnischen Versager aufgeführt wird, ist frei wählbar. Ab sechs Euro geht es los bis zehn Euro. Du musst also nur einen Euro auf die fünf bei deiner Uber-Fahrt gesparten drauflegen, und auch du kannst Teil eines Stücks sein, von denen es in Zukunft mehr geben wird, allerdings im richtigen Leben. "Svetlana" ist, wenn du so willst, eine Vorbereitung darauf. Du tust gut daran, es nicht zu verpassen.

Foto&Text TaxiBerlin