18.06.2019

GRÄBEN VERTIEFEND SICH SORGEN MACHEN



Worüber man sich sogar große Sorgen machen darf

Die Gräben sollen tiefer werden in unserem Land. Das fordert der, dessen Fussballverein Eintracht heißt. Begründung: Man habe genug Verständnis für besorgte Bürger gezeigt. Sorgen machen darf man sich aktuell um Angela Merkel. Beim Lied der Deutschen, besser bekannt als Nationalhymne, fing sie heute plötzlich an zu zittern. Angeblich hatte sie nicht genug getrunken. Vielleicht ist es auch einfach nicht ihr Song. Man weiß es nicht. Doch zurück zu den Gräben: Als Taxifahrer bin ich gegen jegliche Gräben, denn sie bereiten mir große Sorgen. Mit einem Zittern, allerdings nur in der Stimme, fordere ich hiermit dazu auf, die unzähligen Gräben in unserer Stadt rasch zu aufzuschütten, um den permanenten Ausnahmezustand auf unseren Straßen und Plätzen zu beenden.

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Text TaxiBerlin

15.06.2019

TRINKGELD EINFORDERN - SO WIRD'S GEMACHT


Trinkgeld ist eine Zusatzgabe, auf die man keinen Anspruch hat. Normalerweise ist mir Trinkgeld auch egal. Gestern war das anders, und das kam so: Früher war in meinem Taxi das Telefonieren verboten. Nun fahre ich seit einiger Zeit aber Luxus, und die Aufkleber, die auf das Telefonierverbot hinwiesen, sind allesamt in dem Taxi geblieben, das ich vorher fuhr. Zu hause habe ich auch keine Aufkleber mehr, ich muss erst wieder welche bestellen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich das auch wirklich machen werde. Im Moment finde ich es gerade wieder spannend zu hören, was Leute sich am Telefon so alles zu erzählen haben.

So auch gestern, als mir am Flughafen Tegel ein Franzose einstieg, der zum Potsdamer Platz wollte. Französisch finde ich eine total irre Sprache. Irre deswegen, weil französisch für meine Ohren absolut künstlich klingt, oder auch artificially wie der Angelsachse sagen würde bzw. artificiellement, so nennt es der Franzose. Der Franzose bei mir im Taxi führte, eben weil bei mir im Taxi die Verbotsschilder fehlen, gleich mehrere Telefongespräche - auf französisch, versteht sich, und ich musste sie mir nicht nur anhören, sondern auch jedes Mal meinen geliebten Mozart leise stellen.

Mozart kommt normalerweise extrem gut an bei Fahrgästen, denn er hilft ihnen beim runterkommen, was nach einer Flugreise besonders wichtig ist. Und es stimmt wirklich, nicht nur Kühe geben bei der Musik von Mozart mehr Milch, sondern Fahrgäste auch mehr Trinkgeld. Letzteres habe ich in jahrelangen Studien herausgefunden, von denen mein Fahrgast aus Frankreich allerdings nichts zu wissen schien. Denn am Ziel angekommen, wollte er mit Karte bei Null Trinkgeld bezahlen. Das ist übrigens ein beliebter Trick: Mit Karte bezahlen, sich dabei ein bisschen dumm stellen und so das Trinkgeld sparen. Leider weiß ich, wie das in den USA mit dem Trinkgeld läuft.

Bei Kartenzahlung in Taxis, so weit es sie noch gibt, und auch im Restaurant fragt dort das Gerät regelmäßig, wie viel Tip man geben möchte. Und genau das habe ich mit meinen Franzosen auch gemacht. Damit hat der Franzose in meinem Taxi natürlich nicht gerechnet, dass ich ihn direkt anspreche, wie viel Trinkgeld er geben möchte. Seine Antwort war dementsprechend kleinlaut. Sie begann mit In Frankreich ... weiter kam er nicht, denn ich erlaubte mir ihn darauf hinweisen, dass wir ja gar nicht in Frankreich sind. Danach fraß er mir aus der Hand, wie man so schön sagt. Da wollte er wissen, ob fünf Euro Trinkgeld OK sind, oder ob er besser zehn geben soll.

Da mir Trinkgeld wie gesagt ziemlich egal ist, gab ich mich mit drei Euro zufrieden. Man soll seine erzieherischen Maßnahmen auch nicht übertreiben. Und Kleinvieh macht auch in Sachen Trinkgeld Mist.

Text TaxiBerlin

14.06.2019

DER TREND GEHT ZU KEINEM BUCH


Jetzt neu im Angebot!

Es ist noch gar nicht so lange her, da stiegen mir zu vorgerückter Stunde insbesondere Männer mit einem Buch unterm Arm ins Taxi. Auf Nachfrage erklärten sie mir unisono, dass sie auf dem Weg in eine Bar seien, wo ein Buch unterm Arm extrem gut ankommt, und zwar bei Frauen. Von Männern, die mit dem Buch beeindruckt werden sollten, war in keinem Fall die Rede. Das möchte ich ausdrücklich betont haben, auch auf die Gefahr hin, dass sich jetzt der ein oder auch der andere diskriminiert fühlt. Die Wahrheit kann manchmal diskriminierend sein, wofür die Wahrheit aber nichts kann. Und überhaupt, sie Sache mit dem Buch unterm Arm hat sich auch schon wieder erledigt. Denn der allerneueste Trend geht nicht etwa zum Zweitbuch, wie manch einer dachte, sondern zu keinem Buch. Das habe ich aus obigem Buch mit dem schönen Titel "Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat" erfahren, das ab sofort in meinem kleinen Taxi-Bauchladen käuflich erworben werden kann.

Foto&Text TaxiBerlin

13.06.2019

EIN ABEND MIT VAN MORRISON


"Van The Man"

Der Rote Teppich klebt seit einiger Zeit regelrecht an meinen Sohlen, und ich werde vom Glück verfolgt. So auch gestern Abend. Da war ich zum ersten Mal in der Mercedes-Benz-Arena, in die ich nie wollte, aber man soll bekanntlich niemals nie sagen. Mein alter Freund Van von der Insel, mein Taxilehrer hätte ihn damals, als ich bei ihm für den Taxi-Schein lernte, deswegen wohl einen "Insel-Affen" genannt, hatte mich eingeladen mit ihm den Abend zu verbringen. Die meiste Zeit waren wir dann aber doch getrennt: Er auf der Bühne und ich in seiner Suite. Ein Kollege, der sich mit "Van The Man" etwas auskennt, hatte mich gewarnt. Wenn Van schlechte Laune hat, und die hat er fast immer, sei er nicht auszuhalten. Deswegen wollte er nicht ins Konzert gehen, das sei ihm "zu unsicher". Was der Kollege aber nicht wusste, war, dass das Konzert umso besser ist, je schlechter die Laune von Van. So war es auch gestern, und umso mehr schätzte ich die räumliche Trennung von Van: Ich in seiner Suite und er auf der Bühne. In die Mercedes-Benz-Arena kriegen mich trotzdem keine tausend Roten Teppiche mehr. Selten so ein seelenloses Ambiente erlebt, wo man noch Sekunden vor Konzertbeginn von großflächiger Werbung mittels Leuchtreklame genervt wird. Hätte nur noch gefehlt, dass man die Reklame auch noch während des Konzertes anlässt. Da hätte ich "Van The Mans" Laune erleben wollen! Vielleicht wäre das Konzert dann sogar noch besser geworden - wer weiß?!?

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12.06.2019

VON WEIBERN UND VON MÄNNERN, VOM PAPST UND VOM MINISTER, UND DASS ES KRIEG GEBEN WIRD - ENTSCHULDIGUNG FÜR DIE STÖRUNG



Die Weiber werden immer männlicher und die Männer immer weibischer. Das meinte neulich mein Fahrgast. Er sagte ganz bewusst nicht weiblicher, sondern weibischer. Das ist ein Unterschied! Beides geht wohl, zumindest zeigt mir mein Schreibprogramm keinen Fehler an. Gegen die Gendertheorie, nach der das Geschlecht ein soziales Konstrukt sein soll, hat sich aktuell auch der Papst ausgesprochen, weswegen er jetzt auch in die Schusslinie geraten ist. Um in die Schusslinie zu geraten, dazu bedarf es heute wenig. Das bekam gerade auch unser Aussenminister zu spüren. Nach seiner Reise in den Iran warf der Spiegel, ausgerechnet der Spiegel, dem Minister vor, zu wenig getan und zu spät reagiert zu haben. Aber was soll der Mann, vorausgesetzt er ist überhaupt einer, auch tun, wenn der Amerikaner einseitig einen Vertrag aufkündigt, nur um einen Krieg anzuzetteln. Da war sich übrigens mein Fahrgast sicher, also der mit den Männern und den Weibern, dass es Krieg geben wird. Der Amerikaner kann einfach nicht ohne. Oder sollte man besser der Kapitalismus sagen? Das würde erklären, warum unser Aussenminister so regiert reagiert hat, wie er halt reagiert hat. In der Schusslinie ist auch nicht wirklich der Aussenminister, sondern der Iran, genauer: das Öl im Iran. Dass es auch anders geht, hat ein früherer Aussenminister bewiesen, der zum Amerikaner sagte, dass er nicht überzeugt sei vom Krieg führen. Kriege hat auch er dann aber trotzdem noch jede Menge geführt, der grüne gute Mann. Allesamt übrigens illegale - aber das nur nebenbei. Warum unser Aussenminister heute nicht dasselbe zum Amerikaner sagte, könnte daran liegen, dass er niemanden kopieren möchte. Quatsch, meinte mein Fahrgast, der ist einfach nur weibisch.

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11.06.2019

AUF BERLIN SCHEIßEN


Hier kann man es

Berlin war einmal MEINE Stadt. Seit einiger Zeit geht mir Berlin nicht nur auf die Nerven, sondern auch am Arsch vorbei. Heute ist Berlin nur noch mein Büro. Ich selbst befinde mich im Absprung. Wo die Reise hingehen wird und vor allem, wie es dazu kam, dass ich mittlerweile auf Berlin scheiße, das erfährst du in der nächsten Ausgabe von "Hier spricht TaxiBerlin". Die ist am 27. Juni um 19 Uhr auf Pi-Radio. In Berlin ist Pi-Radio unter 88,4 MHz zu empfangen, in Potsdam unter 90,7 MHz und weltweit im Internet als Live-Stream unter piradio.de. Ich kündige die Sendung jetzt schon an, damit sowohl ihr als auch ich genug Zeit haben, uns darauf vorzubereiten. Ich, um meine Argumente gegen Berlin zu bündeln, und ihr, um all das zu sammeln, was immer noch für Berlin spricht. Denn ihr könnt mich anrufen, und wir können am Telefon, nein, nicht streiten, und auch nicht einander zu überzeugen versuchen, sondern einfach nur zuhören. In meiner Sendung halte ich es wie in meinem Taxi. Dort darf man zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen, sogar die Wahrheit. Was das Telefonieren angeht, da mache ich mal eine Ausnahme, denn die Sendung soll eine Art Runder Tisch werden, an dem sich jeder per Telefon beteiligen kann. Die Nummer vom Studio gebe ich in der Sendung bekannt. Vergiss nicht einzuschalten!

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10.06.2019

"ICH BIN TOTAL ABGEFUCKT"


Sie war extra aus Bremen angereist, ich sah sie noch im Taxi vom Kollegen vorfahren, um wenige Minuten später von mir und meinem Taxi zurück zum Bahnhof gebracht zu werden. Ihr "Bockschein" sei abgelaufen, habe man ihr gesagt, sie müsse am Dienstag zum Arzt. Hierbleiben konnte sie nicht, denn "Nur Bares ist Wahres", und genau das hatte sie nicht, denn ohne "Bockschein" konnte sie nicht arbeiten im Artemis. "Ich bin total abgefuckt" waren die genauen Worte des jungen Mädels aus Bremen. Geld für die Taxifahrt war vorhanden und auch noch fünf Euro fürs Trinkgeld obendrauf. Fazit: Ist der Fahrgast abgefuckt, ist der Taxifahrer nicht automatisch angepisst.

Text TaxiBerlin

09.06.2019

ICH EMPFEHLE DEN FLUGHAFEN


Umso früher desto besser

Zu Pfingsten passt mal wieder kein Blatt zwischen all den Besuchern, die uns Jahr für Jahr mehr und mehr gnadenlos heimsuchen, um uns dann hier nur im Wege rumzustehen, indem sie die meiste Zeit völlig blöde auf ihr Smartphone starren, was sie mindestens genauso gut zu hause, also in vertrauter Umgebung tun könnten, wenn nicht besser. Gnadenlos deswegen, weil wir Berliner nie gefragt worden sind, ob wir der Ballermann an der Spree, ein Disney-Land für "Erwachsene", sein wollen. Dieser Volksentscheid steht noch aus:

"Liebe Berliner und Berlinerinnen, sind Sie damit einverstanden, dass wir aus Ihrer Stadt einen einzigen Riesen-Zoo machen? Ja oder Nein!"

Kann mir kaum vorstellen, dass sich da ein Mehrheit für Ja findet. Derzeit ist ein solcher Volksentscheid noch Zukunftsmusik. Ich gehe schon mal mit gutem Beispiel voran und setze damit einmal mehr einen neuen Trend. Denn im Leben kommt es nicht darauf an, einem Trend hinterher zu laufen, sondern einen Trend zu setzen! Auf die Frage, was ich ihnen empfehlen kann, sage ich meinen Fahrgästen den Flughafen. Ob du es glaubst oder nicht: Es kommt extrem gut an!

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08.06.2019

NACHTRAG ZUR TAXIDEMO AM DONNERSTAG


Am Senatorinnen Fenster

Die Zeitungen schrieben von ein paar hundert wütenden Taxifahrern, die vor der Tür von Verkehrssenatorin Günther demonstriert hätten. Damit war sogleich der Ton gesetzt, denn wer will schon wütend sein heutzutage. In einer Zeit, in der der Wutbürger als Feindbild gleich nach dem besorgten Bürger kommt. Senatorin Günther, die selbst nicht anwesend war, gab später Versäumnisse bei der Kontrolle von Uber&Co zu. Was sie in Zukunft besser machen will, sagte sie nicht. Also wird wohl alles beim Alten bleiben. Die Demo wurde von einem Zwischenfall überschattet. Eine Person, die die Taxi-Prüfung nicht bestanden hatte und heute vermutlich für Uber fährt, schlug auf seinen Prüfer ein. Fazit: Selbst dran Schuld - also der Prüfer jetzt.

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06.06.2019

HEUTE HIGH NOON AM KÖLLNISCHEN PARK


High Noon ist beim Amerikaner um zwölf Uhr Mittags, also gleich. Da beginnt die nächste Taxi-Demo unter dem zu Amerika passenden Motto "Stoppt den Uber-Wild-West", diesmal am Köllnischen Park 3, direkt vor der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Ob die zuständige Senatorin anwesend ist so kurz vor Pfingsten und bei dem schönen Wetter, darf bezweifelt werden. (Möglicherweise rettet sie gerade zusammen mit Greta das Klima.) Immerhin hat sie sich nicht selbst zur Demo eingeladen, wie das Verkehrsminister Scheuer letztens getan hat. Scheuer muss sich offensichtlich so sicher sein, wie die offiziellen Medien über ihn berichten, nämlich als Held, der sich herablässt zu den dummen Taxifahrern zu sprechen, die es nur noch nicht begriffen haben (genauso wie die Medien heute halt selbst so arbeiten), dass er sich letztens selbst zu unserer Demo eingeladen hat. Das ist bei Verkehrssenatorin Günther nicht zu erwarten - immerhin.

Mein Slogan für heute: Uber - Schlimmer als die Verarmung ist nur die Verarschung!

Text TaxiBerlin

05.06.2019

"UBER-FAHRER NICHT WILLKOMMEN!", DENN "DIESES GESCHÄFT IST VORBEI. ES EXISTIERT NICHT MEHR."


Hierzulande ist man eher schlechte Nachrichten aus Ankara und London gewohnt. Das muss nicht sein, denn es gibt auch Positives aus beiden Metropolen zu berichten. Es ist letztendlich wie mit den Menschen. Niemand ist ausschließlich nur schlecht. In London beispielsweise gibt es eine kleine Kantine mit dem schönen Namen "Cabmen's Shelter", was auf deutsch so viel heißt wie des "Taxifahrers Zuflucht", wo Uber-Fahrer nicht willkommen sind. Das "Cabmen's Shelter" ist aber nicht einfach nur eine Kantine, sondern auch eine kleine Berühmtheit. Das liegt einerseits an der attraktiven Kate Simmonds, die des "Taxifahrers Zuflucht" betreibt, und deren Vater seit 55 Jahren in London Taxi fährt, und andererseits daran, dass Uber-Fahrer dort nicht willkommen sind. Sieben Jahre stand Kate auf der Warteliste, bevor sie ihr "Cabmen's Shelter" vor fünfeinhalb Jahren eröffnen konnte. Nicht ganz so lange hat es gedauert, aber immerhin auch vier Jahre von 2014 bis 2018, bis Uber in der Türkei verboten wurde. Begründet wurde das Verbot folgendermaßen: Wir haben unser eigenes Taxi-System. Und: Wir entscheiden selbst!

Text TaxiBerlin

03.06.2019

EXIT STRATEGIE NUMMER EINS


Das Ende ist nah

Mangels Kundschaft habe ich immer mehr Zeit in meinem Taxi, die ich vorzugsweise zum Nachdenken nutze. Das Nachdenken wird, das ist zumindest meine Beobachtung, weitgehend unterschätzt heutzutage. Man muss beim Nachdenken aber auch vorsichtig sein, wie ich ganz aktuell feststellen musste. Da habe ich mal wieder darüber nachgedacht, was es für Alternativen zum Taxifahren gibt. Das Taxifahren ist, im Gegensatz zu vielen anderen Dingen hierzulande, nicht alternativlos. Die Frage ist viel mehr, ob die Alternative zum, oder auch Exit-Strategie vom Taxifahren, wirklich nachhaltig ist. Die Nachhaltigkeit ist leider etwas in Vergessenheit geraten. Es ist noch gar nicht so lange her, da musste alles und jedes nachhaltig sein. Von Nachhaltigkeit spricht heute keiner mehr, und im Zusammenhang mit Uber, dem Feind aller ehrlichen Taxifahrer, schon gar keiner. Beim Nachdenken kam ich nun auf eine Idee, bei der ich mich frage, ob es sich um eine klimaverträgliche Exit-Strategie handelt. Übrigens, fällt mir gerade ein: Mit dem Klima, wovon heute alle sprechen, verhält es sich möglicherweise ganz ähnlich wie mit der Nachhaltigkeit, wovon gestern noch alle sprachen, aber das wissen wir erst morgen. Heute hatte ich nun die Idee ins Filmgeschäft einzusteigen. Das muss nicht zwingend auf Ibiza sein. Ibiza ist diesbezüglich "verbrannte Erde", wie der Fachmann vom Film sagt. Ich dachte mehr an Osteuropa, ist auch billiger als Ibiza. Und ist der Film erstmal im Kasten, muss man nur noch warten. Warten ist neben dem Alleinsein eine Kernkompetenz eines jeden echten Taxifahrers. Bei diesen Filmen kann das allerdings schon mal zwei Jahre dauern, bis jemand sie braucht. Das ist ein klein wenig mehr Zeit als die übliche Wartezeit im Taxi, weswegen ich für die Zwischenzeit eine weitere Exit-Strategie brauche. Ich muss, ob ich will oder nicht, am Thema Alternative zum Taxifahren dranbleiben.

Text TaxiBerlin

01.06.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN # 35 NOCH EINMAL ZUM NACHHÖREN




Heutzutage wollen die Leute immer alles nachhören. Das liegt daran, dass man heute eine Sendung nicht einfach mehr im Radio hört, wenn diese dort live ausgestrahlt wird, warum auch immer. (Als nächstes werden die Leute ihr Leben nachleben wollen, aber das ist noch Zukunftsmusik.) Man kann heute ohne Übertreibung von einer Diktatur der Nachhörer sprechen, der auch ich mich beugen muss. Deswegen veröffentliche ich heute noch einmal die letzte Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin", es war bereits die fünfunddreißigste. Mein Studiogast war der Berliner Maler und Autor Raymond Unger, der die Sendung ohne Musik (und auch ohne Werbeunterbrechungen) ins Netz gestellt hat. Eine Sache habe ich in der Sendung vergessen zu erwähnen, was ich an dieser Stelle nachholen möchte und zwar den Dank an die Person, die mich auf die Bücher und Vorträge meines Studiogastes Raymond Unger aufmerksam gemacht. Vielen Dank, meine liebe Alice im fernen Rumänien, meine erste große Teenager-Liebe, aus der leider nichts werden konnte, denn dein Vater war bei der Stasi, und ich hatte zu viel West-Verwandtschaft, darüber hinaus habe ich noch zu viel von Trotzki und Anarchie gesprochen, woran du mich neulich noch einmal erinnert hast. Vielen Dank auch dafür!

PodCast RaymondUnger
Text RumenMilkow aliasTaxiBerlin

31.05.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #35 ZUM NACHHÖREN




Wer die gestrige Sendung verpasst hat, der kann sie hier nachhören. Mein Studiogast war der Maler und Autor Raymond Unger, der auch schon Taxi gefahren ist. Auch deswegen haben wir uns am Anfang, sozusagen zum warm werden, übers Taxifahren unterhalten. Danach ging es weiter mit "Kunst und Künstlersein". Das Kunstverständnis meines Gastes ist ein "selbstkonfrontatives" im Sinne von Joseph Beuys, falls den heutzutage überhaupt noch jemand kennt.

Ein "selbstkonfrontativer" Künstler sei niemals Egoist, da ist sich Raymond sicher. Das mag für Beuys zutreffen, der übrigens für die Grünen ins Parlament wollte, woraus aber nichts wurde. Man hat ihn bei den Grünen einfach nicht gewählt, wohl weil er bereits damals umverteilen wollte, und zwar von Oben nach Unten. Ein Lehrstück für alle grünen Wähler heute. Was den Künstler angeht, so kannte ich bisher ausschließlich den egoistischen - bis zur gestrigen Sendung!

Ob man Taxifahren auch als Kunst betreiben kann, wie ich es jeden Tag immer wieder auf's Neue versuche, das konnte mir mein Gast auch nicht sagen. Ich tue diesbezüglich jedenfalls mein bestes, will sagen: Ich fahre höchst "selbstkonfrontativ" Taxi und versuche auch immer weniger Egoist zu sein. Empathie hilft dabei ungemein.

Das nächste Thema waren die "Kriegskinder und Kriegsenkel". Raymond ist "bekennender" Kriegsenkel - und ich seit gestern auch. Dass sich die Kriegsenkel im "Traumaschatten" ihrer Eltern, den Kriegskindern, befinden, darüber besteht mittlerweile kein Zweifel mehr. Warum diese allgemein anerkannte Erkenntnis ausgerechnet seit der "Willkommenskultur" umgedreht, also von den Füßen auf den Kopf gestellt wurde, darüber kann man nur Vermutungen anstellen.

Ach so, das wichtigste hätte ich fast vergessen. Seit seinem letzten Buch "Die Wiedergutmacher" wird Raymond gerne in die rechte Ecke gestellt. Das führt dazu, dass er von Öffentlich/Rechtlich nicht mehr eingeladen und von Spiegel&Süddeutsche nicht mehr befragt wird. Ein Grund mehr für mich, ihn in meine Sendung einzuladen. Denn meine Lebenserfahrung sagt mir, dass wenn jemand Etiketten und Schubladen braucht, dies mehr über ihn selbst aussagt als über den, dem er ein Etikett aufklebt und/oder in eine Schublade steckt.

Podcast HearThis
Text TaxiBerlin

29.05.2019

MORGEN: HIER SPRICHT TAXIBERLIN # 35


Das Goldene Kalb - Kunst oder keine Kunst?

Am morgigen Himmelfahrtstag gibt es die neueste Ausgabe von "Hier spricht TaxiBerlin". Wenn die Statistik von Pi-Radio stimmt, dann ist es die fünfunddreißigste, die wie gehabt um 19 Uhr beginnt und live aus dem kleinen Kellerstudio in der Lottumstraße im Prenzlauer Berg gesendet wird. Aber nicht nur das! Einmal mehr habe ich keine Kosten und vor allem keine Mühen gescheut und DEN Studiogast der Stunde eingeladen. DER Studiogast der Stunde deswegen, weil alle über ihn sprechen. Er ist Künstler, Therapeut, Autor und Taxifahrer, wenngleich ein gewesener. Mit dem Taxifahren ist es wie mit dem Radfahren: einmal gelernt verlernt man es nicht wieder. So werden wir mit dem Thema Taxifahren beginnen, es dann aber sogleich wieder zur Seite legen, denn wir haben wichtigeres zu besprechen.

Als Künstler gehört mein Studiogast nicht zu denen, die erst eine Marktanalyse machen müssen, bevor sie überhaupt einen Finger für die Kunst krümmen. "Selbstkonfrontative Kunst" ist sein Kunstverständnis, nach dem sich der Künstler auf seine ganz persönliche "Heldenreise" begibt, um überhaupt Künstler sein zu können. Mein Studiogast ist aber nicht nur Künstler, sondern darüber hinaus auch bekennender "Kriegsenkel". Die "Kriegsenkel" stehen immer noch etwas im Schatten der "Kriegskinder", wobei man dazu sagen muss, dass die "Kriegskinder" noch viel länger nicht nur im Schatten, sondern in einer ziemlich dunklen Ecke standen.

In eine solche dunkle Ecke versucht man nun aktuell auch meinen Studiogast zu stellen, der zum Glück auch Therapeut ist. Eine alte therapeutische Weisheit sagt: Was A über B sagt, sagt mehr über A als über B. Im Falle von meinem morgigen Studiogast, sein Name ist Raymond Unger, bedeutet das, wer anderen Etiketten aufklebt oder sie gar in Schubladen steckt, braucht offensichtlich Etiketten und Schubladen, um im Leben klar zu kommen. Ich halte es damit in meiner Sendung genauso wie bei mir im Taxi, in dem man zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen darf - sogar die Wahrheit.

Foto&Text TaxiBerlin