19.09.2019

HEUTE SPRICHT TAXIKOLLEGE AXEL RÜHLE


Balkan-Taxi im Halteverbot

Da ich mit meinem Balkan-Taxi noch im Halteverbot festhänge, wird Axel Rühle, Taxi-Kollege und Redakteur bei den Taxi-Times, mich heute bei meiner Sendung #37 von "Hier spricht TaxiBerlin" vertreten. Los geht es um 19 Uhr auf Pi-Radio, was in Berlin unter 88.4 MHz, in Potsdam unter 90.7 MHz und auch weltweit im Internet unter www.piradio.de als Live-Stream zu empfangen ist. Don't miss it!

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18.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER - HEUTE: ROLL BACK FEMINISM


Auf einer Öffentlichen Toilette auf dem Balkan

Dass ich immer wieder das Thema Toilette aufgreife, heißt nicht, dass ich von Toiletten besessen bin. Vielmehr ist es so, dass ich aus nahezu allem eine Obsession machen kann. Bei der Toilette kommt hinzu, dass die wenigsten Taxis eine Toilette an Bord haben, und das Thema somit auf der täglichen Agenda eines jeden Taxifahrers steht. Was man über den Balkan im Zusammenhang mit dem Thema Toilette mit Sicherheit sagen kann, ist, dass man nicht wegen den Toiletten auf den Balkan fährt, genauso wie man nicht wegen dem Wetter nach Berlin kommt - zumindest war das bisher so. Auf den Berliner Toiletten hielten vor Jahren Aufkleber Einzug, die den Mann dazu aufforderten im Sitzen und nicht im Stehen zu pinkeln, wie es die Natur für den Mann vorgesehen hat. Auch ich habe mich irgendwann diesem Diktat gebeugt, bis meine Partnerin, sie kommt aus Amerika, mich eines Tages fragte, es ist jetzt auch schon wieder einige Jahre her, was ich da machen würde. Seitdem pinkele ich wieder im Stehen, und das ausnahmslos. Auf dem Balkan sucht man Aufkleber, die den Mann zum im Sitzen pinkeln auffordern, vergeblich. Dafür sind nun aktuell Aufkleber aufgetaucht, die den Frauen verbieten, irgendetwas Viereckiges in der Toilette zu entsorgen. Dass es sich um eine Frau handelt, ist am Rock zu erkennen, der ausschließlich von Frauen getragen wird. Auf dem Balkan ist Männern das Tragen eines Rocks verboten. Was die viereckigen Sachen sein sollen, die Frau nicht in der Toilette entsorgen soll, kann Mann nur vermuten. Keine Ahnung, wie es heute ist, ob es diese Dinger überhaupt noch gibt, und ob die Frau von heute diese noch benötigt. Es gab mal eine Zeit, da haben viereckige Vorlagen regelmäßig zu Verstopfungen geführt, und die sind auf jeden Fall schlimmer als im Stehen zu pinkeln.

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14.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER - HEUTE: FAKE MASSAGE


In LILA

Auf dem Balkan, aber nicht nur da, ist das, was versprochen wird, oft nicht das, was man auch bekommt. Ein Grund übrigens, warum man hier grundsätzlich nie Garantie gibt. Wer Garantie haben will, der soll nach Frankreich gehen. GARANZIJA - FRANZIJA! So sagt man auf dem Balkan. Die hier angebotene BALKAN MASSAGE ist eher im ROTLICHT MILIEU anzusiedeln, auch wenn sie in LILA daherkommt. Eine echte BALKAN MASSAGE kann selbst TOTE zum LEBEN erwecken und hat mit RELAX herzlich wenig zu tun - ich spreche da aus Erfahrung!

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11.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER - HEUTE: DER DEUTSCHE DÖNER


Nicht billig - aber besser

Der Deutsche Döner, wer kennt ihn nicht. Der Deutsche hat alles was wichtig ist (Auto, Fahrrad, Computer, ... etc.) erfunden, also warum nicht auch den Döner. Der Deutsche Döner, und zwar die 350 Gramm Ausführung, kostet auf dem Balkan 5.00 Löwen. Ein Balkanischer Löwe sind eine Deutsche Mark, der ein oder andere kennt sie noch, und das ausnahmsweise mal ganz genau. Oder mit anderen Worten: 1.00 Euro sind 1.95 Balkanische Löwen und auch 1.95 Deutsche Mark. Ein Umrechnungskurs, den man und auch frau sich merken muss. 5.00 Balkanische Löwen oder eben Deutsche Mark sind ziemlich viel für einen Döner, insbesondere auf dem Balkan. Dafür ist der Deutsche Döner des Balkans besser als die meisten Döner vielleicht nicht in ganz Deutschland, aber mit Sicherheit in Berlin. Das liegt an erster Stelle daran, dass das Fleisch noch richtiges Fleisch und nicht dieses durchgedrehte Undefinierbare ist, wie in der deutschen Hauptstadt leider nur allzu üblich; aber auch an den Soßen, die nicht süß sind; und last but not least an der Tüte, in der der Deutsche Döner auf dem Balkan gereicht wird, welche ihn zu 100 Prozent kleckersicher macht. Und das auf dem Balkan, wo man sonst irgendeine Garantie vergeblich sucht. Also wenn das nichts ist, dann weiß ich auch nicht.

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09.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER - HEUTE: DINGE, DIE DIE WELT NICHT BRAUCHT


Verzeihung, wir haben geöffnet

Dinge an den Mann und auch an die Frau zu bringen, die weder Mann noch Frau braucht, ist die Kurzdefinition von Kapitalismus. Sich dafür dann aber noch zu entschuldigen, das kann sich eigentlich nur eine Avantgarde leisten. Oder vielleicht noch die, die nichts zu verlieren haben. Keine Ahnung, wozu man sich hier auf dem Balkan zählt. Das ist auch egal, man macht es einfach. Ich stelle mir gerade ähnliche Schilder am Eingang von Berliner Clubs vor. Das wäre ein Spaß!

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08.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER - HEUTE: DIE ZUKUNFT DER ARBEIT


Maschinell hergestellter Besen zum Laub-Sammeln

Der Herbst steht vor der Tür und mit ihm das Laub. Zuhause gibt es dafür den Laubbläser, den SUV unter den Laubsammlern. Auf den Balkan gibt es für's Laub den maschinell hergestellten Besen, die Fortentwicklung des selbstgebastelten Reisigbesens, wer ihn noch kennt. Aber egal ob Reisig- oder maschinell hergestellter Besen, auf dem Balkan ist man uns einmal mehr einen Schritt voraus, auch wenn es um's Klima retten geht. Denn wer das Klima retten will, der kann nicht mehr mit dem SUV, dem motorbetriebenen Laubbläser, der darüber hinaus auch viel zu viel Lärm verursacht, arbeiten. Zum finalen Sammeln des Laubs eignet sich übrigens eine aus einem großen viereckigen Behälter für Oliven selbst hergestellte Sammel-Box mit Griff, an dem man bequem sein Frühstück befestigen kann:

Laub-Sammel-Box mit Griff für's Frühstück

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07.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER - HEUTE: FAKE TAXI


mit Moos-Ansatz

FAKE NEWS finden alle Scheiße, aber gegen FAKE TAXI hat niemand etwas. - Außer auf'm Balkan! Hier werden Uber&Co nicht nur beim richtigen Namen genannt, sondern auch aus dem Verkehr gezogen.

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05.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER


Während man sich zuhause noch den Kopf darüber zerbricht, ob der dumme OSSI, der zum wiederholten Male den Gehorsam verweigert hat, wenn er schon kein Bürger mehr, so doch wenigstens noch ein Mensch ist (Ich persönlich plädiere für Untermensch einschließlich dem Entzug der Menschenrechte!), ist man da auf dem Balkan, dem Pulverfass Europas, wieder einmal einen Schritt weiter. Nicht nur die "Demokratisierung", wie die Wende hier heißt, wird regelmäßig mit Anführungszeichen geschrieben, nein, konsequenter- und logischerweise auch das, was der "Demokratisierung" folgt:

"Demokratie" 18 

 Poliklinik "Demokratie"

 Boulevard "Demokratie" Nr.22

"Demokratie" Straße

"Demokratie" bei Facebook

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04.09.2019

WAHLNACHBEOBACHTUNGEN AUS DER FERNE


von deinem Balkan-Berichterstatter

Fast wäre es an mir vorbei gegangen, dass in der Heimat gewählt wurde. Auf dem Pulverfass Balkan, 2.000 Kilometer weit weg von zu Hause, am Rande unseres schönen Kontinents, weiß niemand etwas von irgendeiner Wahl. Wahrscheinlich wäre das auch so, wenn im eigenen Land gewählt worden wäre - wer weiß?! Auf jeden Fall heißt die WENDE hier nicht WENDE sondern bis heute DEMOKRATISIERUNG, und das IMMER MIT Anführungszeichen, also "Demokratisierung".

Ich habe mir die genauen Zahlen nicht angesehen. Sie sind auch unerheblich. Offensichtlich ist das Wahlergebnis eingetreten, was erwartet wurde, oder zumindest fast. Der OSSI hat sich mal wieder VERWÄHLT, einmal mehr. Das wievielte Mal bereits????? Weiß das jemand??? Was fest zu stehen scheint, ist, das keiner mehr in den Osten fahren will - HYSTERISCH halt! Aber warte mal, wenn es so ist, dann würde man sich so ein Wahlergebnis auch für Berlin ..., oder?

Der Begriff OSSI, das wissen vielen nicht, ist ein Schimpfwort. Das war von Anfang an so, denn mit dem OSSI ist nichts und war auch noch nie etwas Positives verbunden. Demzufolge kann es nur ein Schimpfwort sein. Ausser, ein OSSI sagt zu einem anderen OSSI: Du OSSI! - Das geht. Das ist wie mit dem KANAKEN oder auch mit dem NEGER. Wenn einer das zu dem anderen sagt, dann ist das erlaubt.

(Übrigens: Alle Umschreibungen, beispielsweise DIE OSTDEUTSCHEN oder DER AUS'M OSTEN sind gut gemeinte Versuche, den Begriff OSSI zu vermeiden. Aber gut gemeint ist auch hier nicht gut gemacht, denn letztendlich wissen alle, wer gemeint ist: Der OSSI.)

Im Zusammenhang mit dem OSSI gibt es einen anderen Begriff, der zwar kein Schimpfwort ist, aber permanent falsch verwendet wird, und auch das von Anfang an. Ich meine die WIEDERVEREINIGUNG. Der richtige Begriff ist BEITRITT. Die arme Sau aus dem Osten, der OSSI, legt sich ins gemacht Bett des WESSIs. So das passende Bild dazu.

(Kurzer Einschub: WESSI ist kein Schimpfwort, weil WESSI nicht ausschließlich negativ konnotiert ist, weswegen selbst der OSSI zum WESSI ungestraft WESSI sagen darf, im Gegensatz zum WESSI, der wie gesagt und v.a. politisch korrekt den OSSI nicht OSSI nennen sollte.)

Der BEITRITT des OSSIs zum WESSI, der fälschlicherweise WIEDERVEREINIGUNG genannt wird und vor knapp 30 Jahren nach einer kleinen Revolution im Osten stattfand, war eine DEMÜTIGUNG für den OSSI. Das wird, so denke ich, niemand bestreiten, noch nicht mal ein WESSI. (Und wenn doch, dann soll er sich vorher bei mir melden, damit ich ihn von seiner verkehrten Meinung abbringe.)

Wenn die WIEDERVEREINIGUNG, die eigentlich ein BEITRITT des OSSI zum WESSI aber vor allem eine DEMÜTIGUNG war, dann kann man das wiederholte VERWÄHLEN vom OSSI als REVANCHE betrachten und auch bezeichnen. Und diese ist dem OSSI diesmal wirklich geglückt, denn der WESSI wird HYSTERISCH, und wer HYSTERISCH wird, der hat unrecht, denn heute muss man COOL sein und vor allem bleiben.

Das Wahlverhalten des OSSI nun ausschließlich als REVANCHE zu interpretieren, greift aber zu kurz. Das ist das einfache aber eben falsche Denken, das leider immer mehr um sich gegriffen hat in den letzten Jahren: OSSI gleich NAZI. Ich weiß, Denken ist nicht für jedermann, und nur allzu oft ist es auch nicht einfach, aber wer hat denn bitte sehr jemals gesagt, dass Denken einfach sei?

Möglicherweise ist es nämlich so, dass der OSSI sich zwar einerseits VERWÄHLT, andererseits trotzdem die richtigen FRAGEN gestellt hat. Ich weiß, das ist ein WIDERSPRUCH, den man früher DIALEKTIK genannt hat, was auch viel besser klingt als WIDERSPRUCH. Dass es die richtigen FRAGEN waren, merkt man daran, dass sie von niemandem beantwortet werden konnten, ausser von den VERKEHRTEN, weswegen VERWÄHLT auch irgendwie richtig ist.

Ich will ein Beispiel machen, damit es klarer wird: Die (alte) Bundesrepublik, also der WESSI, wie ihn der OSSI von früher kannte und weswegen er ihr/ihm BEIGETRETEN (nicht VEREINIGT und schon gar nicht WIEDERVEREINIGT!) ist, hat mit der Bundesrepublik heute, also mit dem WESSI von heute, rein gar nichts mehr zu tun. Das ist leider auch die Wahrheit. Die alte Bundesrepublik, der ein oder andere wird sich erinnern, das war soziale Marktwirtschaft und kein als Globalisierung getarnter neoliberaler Turbo-Kapitalismus.

Dieser WIDERSPRUCH, der möglicherweise auch DIALEKTISCH ist, wäre seinerzeit thematisiert worden. Heutige Journalisten sind nahezu allesamt nur noch Besitzstandswahrer und Nachplapperer. Natürlich nur zu unserem Besten und ausschließlich wegen der Gefahr aus dem Osten, wegen dem bösen OSSI, denn OSSI gleich NAZI.

(Einschub: Deswegen, und das ist der einzige Grund, ist das Reisen so wichtig, gerade auch heute - um sich selbst ein Bild zu machen. Ein ganz aktuelles Beispiel ist ein Projekt in Rumänien, das ich letztes Jahr auf meinem Rückweg vom Balkan besucht habe. Die geradezu hysterische "Berichterstattung" darüber, hat mit dem, was ich dort gesehen und in Gesprächen erfahren habe, rein gar nichts zu tun.)

Auf dem Pulverfass Balkan, auf dem ich gerade sitze, wäre es übrigens, so denke ich zumindest, völlig abwegig, dass der Einheimische nur wegen einer Wahl nicht mehr in einen bestimmten Landesteil reisen würde. Auch auf die Gefahr hin, dort unbequeme Fragen gestellt zu bekommen. Vielmehr erscheint es mir so, dass der Hiesige allgemein gerade das Unbequeme regelrecht lieben würde.

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30.08.2019

PHILOSOPHISCHER STAMMTISCH


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Vor einiger Zeit, wenn ich mich recht erinnere war es Anfang dieses Jahres, erhielt ich eine Einladung zu einem STAMMTISCH. Jetzt nicht irgendein STAMMTISCH, zu dem man sich hin und wieder an einem großen Tisch mit dem Schild HIER SITZEN DIE, DIE IMMER HIER SITZEN in einer verräucherten Kneipe trifft, sondern einem regelmäßig stattfindenden PHILOSOPHISCHEN STAMMTISCH vor Publikum mit Eintritt und Gage. Ich habe selbst schon einmal einen STAMMTISCH ins Leben gerufen. Das war die Zeit, als der STAMMTISCH noch DAS BÖSE AN SICH war. Dass man heute einen STAMMTISCH vor zahlendem Publikum veranstalten will, ist auf jeden Fall ein gutes Zeichen. Ich bin sowieso der Meinung, dass es wieder Zeit für RUNDE TISCHE ist, und ein STAMMTISCH ist da, so denke ich, ein Schritt in die richtige Richtung.

Zu dem von mir ins Leben gerufenen STAMMTISCH, zu dem ich etwa zwei Jahre lang einmal im Monat in eine Kneipe im Friedrichshain einlud, kamen zum Schluss nur noch Frauen. Der geplante PHILOSOPHISCHE STAMMTISCH heute hat genau das gegenteilige Problem. Es wollen sich partout keine Frauen finden lassen, die daran teilnehmen möchten, so dass der PHILOSOPHISCHE STAMMTISCH, sollte er denn stattfinden, ein Treffen ALTER WEISSER MÄNNER zu werden droht, womit ich kein Problem hätte. Sein ALTER kann man sich nicht aussuchen, ebenso nicht seine HAUTFARBE und auch nicht sein GESCHLECHT. Im Übrigen bin ich gerne MANN, so wie die meisten Frauen, die ich kenne, gerne FRAU sind. Ich fühle mich auch weder in irgendeiner Art und Weise schuldig noch für irgendetwas verantwortlich, nur weil ich WEISS bin. Verantworten, was von REDE UND ANTWORT STEHEN kommt, kann man immer nur das, wofür man selbst, also persönlich, verantwortlich ist, alles andere ist Sippenhaft. Nur mit dem ALTER, da hadere ich zugegeben manchmal etwas.

Dass sich für den geplanten PHILOSOPISCHEN STAMMTISCH partout keine Frauen finden lassen wollen, ist aber nicht das einzige Problem. Das aktuelle und weitaus größere Problem ist, dass fast alle der ALTEN WEISSEN MÄNNER, die ihr Kommen zugesagt hatten, aktuell abgesagt haben. Offizielle Begründung ist entweder Zeitmangel und/oder Überforderung. Möglicherweise stimmt das sogar – auch. Ich kenne die anderen Teilnehmer nicht wirklich, ich habe sie nur einmal zum Vorbereitungstreffen vor etwa drei Monaten getroffen. Was ich von ihnen weiß, ist, dass sie alle mehr oder weniger vom Schreiben leben können, und dies wahrscheinlich auch morgen noch möchten. Ich finde das mehr als verständlich, denn auch ich würde gerne, so wie früher, noch vom Taxifahren leben können. Leider kann ich das schon heute nicht mehr. Der Prozess der PAUPERISIERUNG (Fachbegriff für Verarmung) betrifft nicht nur Taxifahrer, sondern viele Menschen in unserem Land, weswegen ich RUNDE TISCHE, an denen - ganz genauso wie im Taxi - alle Schichten der Bevölkerung Platz nehmen, für das Gebot der Stunde halte.

Seit gut 20 Jahren bin ich nun schon auf den Straßen und Plätzen Berlins unterwegs. Davon waren mehr als die Hälfte Lehrjahre, sowohl fachlich als auch menschlich. Richtig professionell bin ich erst in den letzten sechs, sieben Jahren geworden. Seither versuche ich das Taxifahren immer mehr als Kunst zu betreiben. Dazu gehören nicht nur Orts- sondern auch und vor allem Menschenkenntnisse. Ich habe mich durch das Taxifahren zu einem extrem guten Zuhörer entwickelt, was nicht geplant war, sondern sich einfach so ergeben hat. Ich höre Dinge, von denen der Fahrgast manchmal gar nicht weiß, dass er sie gesagt hat. Dabei lasse ich mich von dem Grundsatz eines alten Freundes leiten: WER ZU FRÜH URTEILT, DER VERLIERT DIE WELT.

Ich maaße mir nicht an, irgendwas zu wissen, abgesehen von ein paar Berliner Straßen und Plätzen. Das wenige, was ich weiß, weiß ich aus Büchern und aus Gesprächen mit Fahrgästen, Freunden und Kollegen. Es stimmt wirklich, selbst aus dem dümmsten Buch als auch von dem größten Idioten kann man noch etwas lernen. Man darf es nur nicht verpassen, genauer: überlesen, übersehen oder überhören. Das passiert öfters als man denkt, ganz einfach deswegen, weil das Buch oder die Person in eine Schublade getan wurde, was bequem ist, keine Frage, aber auch ein klein wenig faul. Das tun insbesondere Menschen, die sich selbst als besonders offen bezeichnen, was sie – wohl nicht ohne Grund – nicht müde werden zu betonen. Ungefähr so, wie andere immer wieder betonen müssen, dass man dies oder jenes wohl noch sagen dürfe, bloß umgedreht.

Taxifahren ist ein Lotteriespiel: Der Fahrgast weiß nicht, auf welchen Taxifahrer er trifft, und umgekehrt der Taxifahrer nicht, welcher Fahrgast ihm als nächstes einsteigt. Nur eines ist, zumindest in Berlin, gewiss: Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich ein zweites Mal über den Weg läuft, gleicht einem Jackpot. Diese Gewissheit lässt beide, sowohl den Taxifahrer, aber vor allem den Fahrgast, allzu oft ein klein wenig ehrlicher sein, als er es vielleicht gegenüber Kollegen, Freunden und auch Partnern wäre. Man bekommt einiges zu hören als Taxifahrer und wohl auch als Fahrgast, bei dem, im Gegensatz zum Taxifahrer, zugegeben hin und wieder der Alkohol oder anderes nachgeholfen haben die Zunge zu lösen. Nach jedem Fahrgast gibt es eine Pause. Die ist wichtig, um das gehörte zu verdauen oder ggf. auch zu notieren. Diese Pausen zwischen den Fahrten werden seit einiger Zeit immer größer, was nicht gut für den Verdienst ist (von irgendwas muss auch ein Taxifahrer leben), einem aber immerhin noch mehr Zeit als sonst schon zum Lesen und auch zum Nachdenken beschert. Nachdenken wird reichlich unterschätzt heutzutage. Es wird einem aber auch nicht gerade leicht gemacht, das Nachdenken, denn Ablenkung von der allgegenwärtigen Langeweile lauert an jeder Straßenecke.

Der Grundsatz: Ich weiß, dass ich nichts weiß, gilt auch für mich. Immerhin kann ich lesen und zuhören. Hinzu kommt das selbständige Denken, das traue ich mir auch zu. Das ist nicht selbstverständlich in einer Zeit, die sich eher durch BETREUTES DENKEN auszeichnet. Ein im Osten sozialisierter Fahrgast, ein einfacher Arbeiter im Blaumann und von der aktuellen Verarmung Betroffener, brachte es neulich bei mir im Taxi so auf den Punkt: FRÜHER, DA KONNTEST DU WENIGSTENS NOCH UMSCHALTEN! Es ist, so denke ich, nur eine Frage der Zeit, bis die PAUPERISIERUNG auch an deine Tür klopft, bis auch du zu den GLOBALISIERUNGSVERLIERERN gehörst. Die Anzahl der Menschen, die hierzulande nicht mehr von ihrer Hände Arbeit leben können, steigt mit jedem Tag, ebenso die Zahl derjenigen, die Flaschen sammeln müssen, wollen sie ihren Lebensabend nicht in Armut verbringen. Das Nachdenken über die Ursachen der Verarmung ist auch PHILOSOPHIE. Und auch, was PHILOSOPHEN zu allen Zeiten getan haben, die richtigen Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Wem nutzt die GLOBALISIERUNG? Und: Wer soll da gespalten werden und warum? Das sind zumindest die Fragen, die ich mir in meinem Taxi stelle, und die ich gerne auch beim PHILOSOPHISCHEN STAMMTISCH in die RUNDE (nächster Schritt wie gesagt RUNDE TISCHE und ein mögliches Thema SIND WIR NOCH EIN GEMEINWESEN UND WENN JA: WIE WOLLEN WIR IN ZUKUNFT ZUSAMMEN LEBEN?) werfen würde, der wie gesagt Ende September starten sollte, und dem gerade die Teilnehmer abhanden gekommen sind.

Wer jetzt Lust bekommen hat (Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Haarfarbe usw. – egal!), an dem geplanten PHILOSOPHISCHEN STAMMTISCH teilzunehmen, der schreibe eine e-mail und schickt diese an mich. (Adresse steht oben rechts unter KONTAKT)

Text TaxiBerlin

17.08.2019

DAS LETZTE FOTO


So sieht es aus

Ein Baum, ein Esel, drei Müllsäcke, keine Menschen! - so könnte es aussehen, das letzte Foto. Jetzt nicht von mir, sondern überhaupt.

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16.08.2019

TAXIBERLIN RETTET DIE WELT (FORTSETZUNG)


Und wie!

Zwei Müllsäcke sind rasch gefüllt am Rande unseres schönen Kontinents, insbesondere in der noch schöneren Natur, wo sich der meiste Müll befindet. Wegen dem bin hier und segele nicht um die halbe Welt, wie unser aller Greta, die scheinbar Unvermeidbare. Am Rande Europas kennt sie übrigens keiner, was aber nicht daran liegt, dass man hier keine Mädchen mit Zöpfen mögen würde. Dass keiner Greta kennt, liegt ganz einfach daran, dass man sie noch nie tanzen gesehen hat. Und das ist doch gerade das wichtigste in einer Krise, dass man auch dann noch tanzt (wegen mir auch auf dem Müll), wenn einem alles um die Ohren fliegt. Zumindest sieht man das hier so.

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WIE TAXIBERLIN DIE WELT RETTET


Alles klar?

Während Greta um die Welt segelt, um die Welt zu retten, ziehe ich mit zwei Esel los und sammle Müll ein. Müll ist so mit das einzige, was es am Rande Europas reichlich gibt. Nicht nur für die hiesige Bevölkerung, die, wenn sie nicht auswandert, einen gewissen Hang zur Selbstzerstörung hat. Woran das genau liegt, das habe auch ich noch nicht herausgefunden. Das Müll sammeln hilft auf jeden Fall ungemein dabei, die Gedanken zu sortieren. Und wenn jemand Klarheit in eigener Sache sucht, so kann er gerne vorbei kommen. Müll gibt es wie gesagt genug. Nur mit den Eseln wird es langsam eng.

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13.08.2019

TAXIBERLIN ALS TIERARZT IM EINSATZ


Zwei für die Arche

Nachdem ich viele Jahre als rollender Therapeut auf den Straßen und Plätzen unterwegs war, muss ich mir nunmehr eingestehen, dass mein Einsatz ganz umsonst war. Der Mensch, allen voran das Party-Volk, ist ein verlorener Fall, und das mit dem Klima ist nur vorgeschoben. Was man noch tun kann und auch sollte, ist ein paar Tiere retten. Meine Empfehlung: Mach es wie Noah und nimm von jedem ein Paar!

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09.08.2019

WIE HERR STALIN UND ICH DAS KLIMA RETTEN


"Komplex Stalin" mit Mauer und eigener Stromerzeugung

Vor einiger Zeit hat mein Nachbar seinen Gulag von "Grill Stalin" in "Komplex Stalin" umbenannt. Mir empfahl Herr Stalin "Meinen kleinen Gulag" besser "Gulag-Ressort" zu nennen. Das habe ich getan, und seitdem kann ich mich vor Anfragen nicht retten. Die halbe Welt will plötzlich in mein "Gulag-Ressort" einziehen, was wohl auch daran liegt, dass mein Nachbar aktuell eine Mauer um seinen Komplex hat bauen lassen. Mit anderen Worten: Herr Stalin kann sich seine Gäste aussuchen, die bei ihm einziehen. Aber es wird noch besser! Seine Gäste produzieren in dem eigens zu diesem Zweck vom Herrn Stalin entworfenem "Human Hamsterrad" nicht nur genug Strom für seinen Komplex. Herr Stalin hat soviel Strom, dass er die ganze Region damit versorgen kann, die zugegeben ziemlich ausgestorben ist. Im Prinzip gibt es dort neben dem Herrn Stalin mit seinem Komplex nur noch mich und mein Ressort. Aber das ist jetzt nicht das Thema. Meinem Nachbarn Herrn Stalin geht es um Größeres, und so auch mir. Denn ich bin gerade dabei, mir auch so ein "Human Hamsterrad" für meine Gäste zuzulegen. Das Klima zu retten kann richtig Spaß machen.