30.11.2019

EUER KAPITALISMUS KOTZT MICH AN


Zeit zum Kotzen

Der größte anzunehmende Unfall oder auch GAU im Taxi war einst, wenn der Fahrgast, der bekanntlich König ist, einem in den Wagen kotzt. Da ich als Taxifahrer aber der Kaiser bin in meinem Taxi, der seinen Fahrgästen sogar das Telefonieren verbieten darf, kann es auch hier noch schlimmer kommen. Die Rede ist vom SUPER-GAU, und zwar dann, wenn ich als Taxifahrer kotzen muss. Das kommt seit einiger Zeit immer häufiger vor; und neuerdings zeigt mir sogar das Taxamater an, wann ich kotzen soll (Foto). Kotzen ist gar nicht so schwer, es will allerdings gelernt sein. Das wichtigste beim Kotzen ist, dass man nicht einfach so kotzt, denn das kann jeder. Man muss lernen zielgerichtet zu kotzen, was einem bei all der Ablenkung zugegeben nicht gerade leicht gemacht wird. Hinzu kommt die organisierte Verantwortungslosigkeit. Das ist leider auch wahr. Trotzdem, und das sage ich aus eigener Erfahrung, kann man das Kotzen lernen. Wie man sich an alles gewöhnt, so kann man auch alles lernen. Versuch es einfach mal, wenn du das nächste Mal kotzen musst, aber bitte nicht im Taxi. Aber wenn du gerade drin sitzt, dann frag am besten den Taxifahrer, wie es funktioniert, das zielgerichtete Kotzen. Danach, also wenn du es kannst, geht es nicht nur leichter, sondern man fühlt sich danach auch gleich viel besser. - Garantiert!

Foto&Text TaxiBerlin

29.11.2019

AUF DIE RICHTIGE HALTUNG KOMMT ES AN


Nicht nur bei den Öffis!

Heute soll ein jeder Haltung zeigen und so auch TaxiBerlin. Ich bin schließlich auch nur ein Mensch, der irgendwo dazugehören möchte. Bei der Haltung kommt es darauf an, dass es die richtige ist, wie die von der jungen Frau auf dem U-Bahnhof Schlesisches Tor. Aber auch im Taxi ist die richtige Haltung wichtig, und zwar wegen dem Rücken. Deswegen hätte ich nichts dagegen, wenn ab und an ein paar junge Frauen vorbeikämen, und wir gemeinsam in meinem Taxi die richtige Haltung üben würden. Oder ich schaue erstmal nur zu. Auch das kann ich mir vorstellen. Jedenfalls stehe ich jetzt wieder öfters an der Taxihalte Schlesisches Tor. Man weiß ja nie, wer oder was kommt.

Foto&Text TaxiBerlin

28.11.2019

MEIN LEBEN AUF DER STRAßE


Die Straße - mein zu hause

Um von der Straße wegzukommen, ist Taxifahren defintiv der verkehrte Job. Das ist so und wird wohl auch immer so bleiben. Ich persönlich finde das gar nicht schlimm. Ganz im Gegenteil! Nachdem ich einige Universitäten (und nicht nur die Mensa!) von innen gesehen habe, kann ich sagen: Meine Universität ist die Straße. Bis vor kurzem konnte ich noch neben meinem Taxi auf genau dieser nächtigen, aber das geht nicht mehr. Wie alle Jahre wieder ist die Zeit gekommen, wo ich immer öfter gar nicht mehr aus dem Taxi rauskomme. Auch das ist nicht schlimm. Man muss sich nur begrenzen können. Mit der Bibliothek ist es erstmal vorbei. In meinem Taxi gibt es ab sofort nur noch ein Buch, und zwar das, das ich gerade lese. Meine Klassik-CDs habe ich auf die Straße gelegt, genauer auf den Bürgersteig, wo sie wahrscheinlich jetzt noch liegen. Das Notizbuch habe ich behalten und auch den Kugelschreiber. Den brauche ich auch für die vielen Quittungen. Heute fährt kaum noch jemand Taxi, ohne sich eine Quittung ausstellen zu lassen. Alles muss dokumentiert werden. Der Mensch von heute ist ein Quittungsmensch. Ohne Quittung macht er absolut gar nichts mehr. Deswegen ist mein Taxi auch voll von leeren Quittungen. Früher haben sie mich genervt, die vielen Quittungen. Heute bin ich dankbar, dass es Quittungen gibt. Da ich auch meinen Schlafsack auf der Straße lassen musste, decke ich mich im Taxi mit Quittungen zu. Man glaubt gar nicht, wie warm Quittungen halten.

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27.11.2019

TAXIBERLIN ÜBER E-ROLLER


Taxi war gestern

Mir ist aufgefallen, dass ich noch gar nichts über die E-Roller geschrieben habe, die uns seit dem Sommer in großer Stückzahl in Berlin heimsuchen. Das liegt daran, weil die E-Roller nur eine weitere Schmeißfliege neben Bloody Tourist, Party People und vielen anderen sind, um die man am besten einen großen Bogen macht, da sie vor allem dadurch auffallen, dass sie einem immer und überall nur im Weg rumstehen und manchmal sogar den Parkplatz wegnehmen (siehe Foto). Beim E-Roller kommt hinzu, dass er richtig gefährlich werden kann. Neulich zum Beispiel stieg mir ein junger Mann mit Krücken ein, der nur mal kurz vor die Tür wollte und dabei von einem E-Roller angefahren wurde. Da die Fahrerin eine hübsche Dänin war, auf die der junge Mann nicht böse sein konnte (und wohl auch nicht wollte), muss er postoperativ ohne Schmerzensgeld klarkommen. So kann es gehen. Etwas Positives kann und will ich über die E-Roller aber dann doch noch sagen. Sie haben alle Licht (im Gegensatz zu vielen Fahrrädern) und ihre Geschwindigkeit lässt sich auch viel besser einschätzen (erneut im Gegensatz zu vielen Fahrrädern).

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25.11.2019

TAXI = KOKS-TAXI. NATÜRLICH MIT KOKS.


Werbung in Berlin

Worum geht es in dieser Werbung? Weißt du es? Ich habe es auch schon wieder vergessen. Das Foto habe ich bereits vor einer Woche gemacht. Es ist auch egal, was da beworben wird. Was im Kopf bleibt, ist die Verbindung von Koks und Taxi. Wenn du in Zukunft Taxi hörst oder auch nur an Taxi denkst, wirst du sogleich das Koks-Taxi im Kopf haben. Also Taxi = Koks-Taxi. Selbstverständlich mit Koks.

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24.11.2019

DER GELDAUTOMAT ALS NEUER BLOCKWART


Ohne Geld abzuheben kommt keiner vorbei

Ein neuer Feind ist ausgemacht, was gut ist, denn wenn der Feind bekannt ist, hat der Tag Struktur. Mir gibt das Taxifahren Struktur, aber das nur nebenbei. Der neueste Feind heißt Sparer, weil er spart. Warum er überhaupt noch spart, versteht kein Mensch, denn Zinsen gibt es auf Gespartes schon lange nicht mehr. Trotzdem spart der gemeine Sparer immer noch. Bevor man rohe Gewalt anwendet, versucht man ihn mit Negativ-Zinsen "sanft" zum Geld ausgeben zu bewegen. Damit der gemeine Sparer auch immer und überall an sein Gespartes herankommt, werden jetzt immer mehr Geldautomaten direkt an Toreinfahrten zu den in Berlin üblichen Mietskasernen aufgestellt. So kommt der gemeine Sparer immer gleich dort vorbei, wo sein Geld ist. Er muss also nicht mehr zur Bank gehen. In seinen Hinterhof kommt er zwar nicht mehr rein, das ist sozusagen der Preis oder besser die Strafe. Wenn's dem gemeinen Sparer dreckig geht in seinem Hinterhof, dann soll er dort doch gleich verrecken und Platz schaffen für die, die mehr Geld ausgeben. Der Notarztwagen kommt jedenfalls nicht mehr auf den Hof, das Taxi auch nicht, denn an der Einfahrt steh der Geldautomat (Foto), der ihn nicht vorbei lässt. Der Geldautomat ist der Blockwart von heute, der darüber wacht, dass der gemeine Sparer genug Geld ausgibt. Denn Geld ausgeben ist wichtig - nicht das Klima retten! Wenn beim Geld ausgeben nebenbei das Klima, oder was man dafür hält, gerettet wird, dann ist das OK. Aber das Klima retten und sich dabei beim Geld ausgeben einschränken, wie der gemeine Sparer es tut, das geht nicht! Deswegen wird uns auch permanent erzählt, dass es möglich wäre, einfach so weiter zu konsumieren und trotzdem das Klima zu retten. Klima und Konsum sollen versöhnt werden, fangen schließlich beide mit K an. Was uns nicht erzählt wird, ist, dass Erspartes auch immer Investitionen sind. Dazu müsste man das Ersparte allerdings aktiv investieren, was bekannte Ökonomen, allen voran John Maynard Keynes, in Krisenzeiten, und in einer solchen befinden wir uns, dem Staat anempfehlen. Da der Markt aber alles richten soll, das Mantra der Neoliberalen, investiert der Staat nicht mehr. Wie soll er auch, wenn er selbst pleite ist, und pleite soll jetzt auch der gemeine Sparer gehen, dann kann man ihn auch noch besser kontrollieren. Deswegen stellt man Geldautomaten als neuen Blockwart auf. Wenn das nicht ausreicht, wird der gemeine Sparer demnächst enteignet werden - vorheriger Internet-Pranger inklusive -, vorausgesetzt es findet sich kein neuer Feind, der durch's globale Dorf getrieben werden kann.

Foto&Text TaxiBerlin

19.11.2019

DAS UNS PERMANENT HEIMSUCHENDE EWIG PARTY MACHENDE HIRNLOSE ARSCHLOCH


Auf dem Kurfürstendamm Ecke Meinekestraße

Ich musste nicht lange überlegen, an wen mich das Berlin permanent heimsuchende und ewig Party machende hirnlose Arschloch erinnert. Es ist das Bild unten von dem mexikanischen Maler Siqueiros mit dem Titel "Unser gegenwärtiges Antlitz". Das findet man heutzutage nicht unbedingt an jeder Strassenecke. Dort gibt es nur das ewig Party machende Arschloch, das man sogar kaufen und mit sich rumtragen kann. Ob als T-Shirt oder in Form eines "Jute"-Beutels habe ich gerade vergessen. Ist aber auch egal, Hauptsache der Rubel rollt.

"Unser gegenwärtiges Antlitz"

Fotos&Text TaxiBerlin

18.11.2019

ÜBER GOTT GELD, TEUFEL KLIMA UND DEN ERZENGEL GRETA


Gott ist heute keine Person mehr, sondern ein Ding, um genau zu sein ein Unding, nämlich Geld. Die heilige Dreifaltigkeit muss heute dementsprechend auch eine andere sein, und zwar Gott (Geld), Ablenkung und (durch) Konsum. Fehlt nur noch der Teufel. Der Teufel heißt heute Klima und sein Erzengel Greta. Was früher schon nicht bei Gott funktioniert hat, soll heute nun beim Teufel klappen, und zwar der Ablasshandel. Wer keine "Kohle" hat, muss aber trotzdem nichts befürchten, denn: "Klimaschutz darf nicht dazu führen, dass die Wohnung im Winter kalt bleibt." - so ein uns Regierender.

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17.11.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN VOM WACHTURM




Du kannst zwar dein Leben nicht nachleben, aber immerhin unsere letzte Sendung nachhören. Die war am Donnerstag, und wir sendeten live von einem Wachturm (dem letzten seiner Art - so wie wir) am Potsdamer Platz. Ich berichte darüber, wie die Willkommenskultur vor 30 Jahren aussah, und was ich mit dem ersten Schuss (der erste ist immer umsonst) bei Karstadt gekauft habe. Natürlich komme ich auch wieder dem Bildungsauftrag nach, den neuerdings das Taxi als öffentliches Verkehrsmittel mit Beförderungspflicht inne hat. Layne, mein Partnerin und Kollegin aus New York, erzählt, wie die Kunde vom Mauerfall bis zu ihr ins fernen Amerika gedrungen ist. Danke noch einmal an Jero, der die Technik nicht nur zum Wachturm geschleppt, sondern diese in luftiger Höhe auch beherrscht hat.

Podcast HearThis
Text TaxiBerlin

16.11.2019

WETTEN, DU MAGST NICHT ?


Bei mir im Taxi gilt, dass man dort nicht telefonieren, dafür aber alles sagen darf - sogar die Wahrheit. Bei 99,9 Prozent der Fahrgäste kommt das extrem gut an. Es kommt sogar vor, dass Fahrgäste mein Angebot verbessern wollen. Die junge Frau beispielsweise, die mir gestern Abend am Hotel Adlon einstieg, meinte, ich könne mein Telefonierverbot noch besser verpacken. Sie hat recht. Ich könnte, wenn ich wollte, es durchaus besser verpacken. Als Taxifahrer muss man da aber höllisch aufpassen, und zwar deswegen, weil man was das Fahrziel angeht, bereits völlig willenlos ist. Die vielleicht größte Ungerechtigkeit beim Taxifahren: Immer bestimmt der Fahrgast das Fahrziel. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen heute nicht mehr mit Begrenzungen sprich Verboten umgehen können. Man merkt das schon an der beliebten Fragestellung, die mit "Magst du" beginnt, und in dem Fall mit "hier bitte nicht telefonieren?" enden würde. Solche Fragen bedeuten immer, dass der Gefragte das von ihm gewünschte alles andere als mag, meistens hasst er es regelrecht. Dann lieber eine klare Ansage. Auch damit die Leute nicht vergessen, dass es so etwas klare Ansagen sprich Verbote gibt. Und überhaupt, du darfst nicht immer alles tun, was du gerne tun möchtest - nirgendwo.

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15.11.2019

ISLAMISTISCHE KÄMPFER WILLKOMMEN


Wer A sagt, muss auch B sagen, bedeutet aktuell, dass, wenn wir die Opfer des Islamischen Staates willkommen heißen, wir jetzt auch die islamistischen Kämpfer willkommen heißen müssen, insbesondere dann, wenn es sich ums Landsleute handelt, auch wenn es nur dem Pass nach ist. Weihnachten ist zum willkommen heißen, so denke ich, ein guter Zeitpunkt. Der Heiland selbst wurde da schließlich auch im Ausland geboren sprich willkommen geheißen. Darüber hinaus hat der Heiland anempfohlen, dass, wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, du ihm auch die rechte hinhalten sollst. So weit, so klar. Unklar bleibt, wieso Menschen aus unserem schönen Land, in dem wir gut und gerne leben, in den Krieg gezogen sind. Kann es sein, dass da etwas grundsätzliches nicht in Ordnung oder ganz und gar unsere Art zu Leben schon Geschichte ist, wir es bloß noch nicht bemerkt haben?

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13.11.2019

ALL DAY LONG FROM THE WATCHTOWER




Auch wenn wir nicht den ganzen Tag sondern "nur" von 18 bis 1 Uhr live von einem Wachturm senden, heißt Pi-Radio am morgigen Donnerstag "Wachturm FM". Ich bin ab 19 Uhr auf Sendung und werde dabei über erste Besuche im Berliner Westen berichten, wo ich mir von der kostenfreien Einstiegsdroge in die kapitalistische Warenwelt namens Begrüßungsgeld eine Platte gekauft habe, auf der es den Titel "Material World" gibt. Wie die Platte heißt und von wem sie ist, sage ich in meiner morgigen Sendung "Hier spricht TaxiBerlin #39". Den Refrain von dem Song möchte ich aber jetzt und hier schon verraten, und der geht so: "Nennt es Aufstiegsmöglichkeiten, aber ihr seid flußabwärts verkauft worden, nur eine andere Art Sklaverei."

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11.11.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN VOM WACHTURM




Diesen Donnerstag um 19 Uhr gibt es Sendung Nr. 39 von "Hier spricht TaxiBerlin" auf Pi-Radio, 88.4 MHz in Berlin, 90.7 MHz in Potsdam und weltweit als Live-Stream im Internet. Diesmal senden wir nicht aus dem Kellerstudio im Prenzlauer Berg, sondern vom Wachturm. Aber nicht irgendein Wachturm, sondern dem Wachturm der ehemaligen DDR-Grenztruppen in der Erna-Berger-Straße nahe Potsdamer Platz. Ich freue mich schon sehr auf die Sendung und bin auch schon etwas aufgeregt. Wann sendet man mal von einem Wachturm, und noch dazu live!?! Gestern war es 30 Jahre her, dass ich das erste Mal in West-Berlin war, weswegen ich gestern auch noch einmal genau die Strecke vom S-Bahnhof Baumschulenweg, die Sonnenallee hoch bis zum Hermannplatz gelaufen bin. Darüber werde ich am Donnerstag sprechen und auch darüber, wie sich insbesondere Berlin aber auch die Bundesrepublik allgemein entwickelt hat. Beides kann man mit einem Satz zusammenfassen: "Euer Kapitalismus kotzt mich an!"

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10.11.2019

BERLINER BEDENKEN


Man Gedenkt gerade viel in Berlin, so dass das Bedenken etwas kurz kommt - vom Denken nicht zu reden. Bedenken hatte man in Berlin ein Denkmal für Ronald Reagan aufzustellen. Deswegen musste die über zwei Meter große Statue des ehemaligen Präsidenten und Kriegstreibers auf dem Dach der Amerikanischen Botschaft direkt am Brandenburger Tor eingeweiht werden. Da dafür extra der amtierende Aussenminister angereist ist, war einmal mehr die halbe Stadt gesperrt. Ein Gutes hat sein Besuch, denn manch einer dachte (kommt von denken), dass der uns mal wieder einen Krieg verkaufen wolle. (Die Iraner wären eigentlich dran gewesen.) Die Amerikaner haben es bekanntlich mit dem Verkaufen. Offensichtlich hat er aber nichts verkauft, sondern nur eingeweiht - zumindest offiziell.

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09.11.2019

THE BIG SCHABOWSKI




Neulich saß mir der Sohn von Günter Schabowski im Taxi. Günter Schabowski war des, der die Mauer zum Einsturz bracht, und nicht David Hasselhoff, wie viele denken. Günter Schabowski, der, wie ich von seinem Sohn erfuhr, bereits in die Ewigen Jagdgründe eingezogen ist, war auch kein Sänger wie David Hasselhoff, sondern ein Sprecher, um genau zu sein ein Versprecher. Mit seinem nöglichweise besten Versprecher hat Günter Schabowski die Mauer einstürzen lassen, weswegen ich ihn THE BIG SCHABOWSKI nenne. Heute ist es auf den Tag genau 30 Jahre her, dass sich Günter Schabowski so doll versprochen hat, dass die Mauer einstürzte. Ein guter Zeitpunkt, um zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. Und da gibt es, wenn ich die Zeichen richtig deute, eine neue Entwicklung. Zum ersten Mal sind die aus dem Osten nicht alle Jammer-Ossis. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung zu der Erkenntnis: Der Ossi ist schlau und stellt sich dumm - beim Wessi ist es andersrum. - Kein Versprecher!

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DIE FOSSILE BRENNSTOFFZELLE


Grill-Experten sind klar im Vorteil

Es ist beschlossene Sache. Die Zukunft ist elektrisch, oder soll es zumindest sein. Koste es, was es wolle. Wer sich kein Elektro-Auto leisten kann, muss sich, will er nicht laufen, was einfallen lassen, beispielsweise die fossile Brennstoffzelle. Jetzt wird auch dem letzten klar, warum die Autos, ob mit oder ohne Mega-Batterie, immer schwerer werden. Grill-Experten, das ist abzusehen, werden beim Betreiben der fossilen Brennstoffzelle klar im Vorteil sein.

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08.11.2019

ICH EMPFEHLE DEN FLUGHAFEN


Einfahrt zum Flughafen Tegel (TXL)

Du liest richtig: HERZLICH WEGKOMMEN - so heißt es neuerdings am Flughafen Tegel. Und nicht: HERZLICH WILLKOMMEN - wie es sich gehört, wenn man liebe Gäste empfängt. In Berlin geht es jetzt nur noch darum, die allzu vielen, die uns viel zu lange schon ungefragt heimsuchen, möglichst rasch loszuwerden. Wir Taxifahrer leisten dazu einen nicht unwichtigen Beitrag. Ich zum Beispiel antworte auf die Frage nach dem angesagtesten Ort in Berlin immer mit Airport. Den Leute gefällt das, wenn jemand das Herz auf dem rechten Fleck hat. Dafür sind wir Berliner auch zu Recht bekannt. Und einer muss unseren lieben Besuchern schließlich sagen, dass die Party vorbei ist.

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07.11.2019

TAXIBERLIN: ARBEITSFÄHIG UND ARBEITSWILLIG


Ich hatte gerade eine Fahrt, auch das kommt hin und wieder vor, als das Radio vermeldete, dass unsere Regierung sowohl arbeitsfähig als auch arbeitswillig sei. Meine Fahrgast, eine Frau in den besten Jahren, und ich mussten sogleich laut losprusten, denn wir hatten beide dieselbe, weitaus bekanntere Formulierung für "arbeitsfähig" im Kopf, die gerne für Arbeitszeugnisse verwendet wird, und zwar "war steht's bemüht", was so viel heißt wie, dass die Person eigentlich keinen Bock zum Arbeiten hatte. Immerhin ist unsere Regierung "arbeitswillig", also es gibt dort offiziell keine Saboteure oder Boykotteure. Eine beachtliche Zwischenbilanz, wie ich finde. Sollte ich mich jemals noch mal um irgendeinen Job bewerben, werde ich mich genauso anpreisen, und zwar als arbeitsfähig und arbeitswillig.

Text TaxiBerlin

06.11.2019

DER WEG, DIE WAHRHEIT UND DAS LEBEN


Ick gloobe, ick bin jemeint

Wie oft ich alleine von mir völlig Fremden nach dem WEG gefragt werde. Bei jeder Fahrt muss ich ihn auf's Neue wissen, egal wo der Fahrgast hin will, und das möglichst sofort, also: Zacki, zacki! (Die vielleicht größte Ungerechtigkeit beim Taxifahren: Ich muss immer da hin fahren, wo der Fahrgast hin will, obwohl ich oft viel besser weiß, wo der hingehört.) Hinzu kommt, dass man in meinem Taxi zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen darf - sogar die WAHRHEIT. Und trotz alledem bin ich immer noch am LEBEN. (Viele sind bereits tot, obwohl sie uns noch lebendig erscheinen.) Also irgendwie fühle ich mich mit der WEG, die WAHRHEIT und das LEBEN angesprochen.

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05.11.2019

DIE BESITZSTANDSWAHRER


In meinem Taxi, in dem man zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen darf - sogar die Wahrheit, ist der einfache Umstand, dass uns Besitzstandswahrer nicht nur täglich die Welt erklären, sondern dass wir darüber hinaus auch von Besitzstandswahrern regiert werden, ein alter Hut. Jetzt ist diese simple Wahrheit offensichtlich auch bei den Besitzstandswahrern selbst angekommen, und das hört sich dann so an: Wir beschäftigen uns immer nur mit unseren Fragen, statt mit den Fragen der Menschen. Oder auch so: So geht es nicht weiter, dass die Große Koalition im Grunde sich immer nur die Frage stellt: 'Wie können wir im Amt bleiben?', anstatt sich an den Problemen zu messen, die die Menschen beunruhigen. - Hört sich an wie 1989, ist aber 2019, und kommt deswegen in der aktuellen Festivalwoche noch nicht vor, aller Voraussicht nach aber in der Festivalwoche 2059.

Text TaxiBerlin

04.11.2019

BEGINN DER FESTIVALWOCHE IN BERLIN


Es gibt so Wochen, da bleibt einem nichts erspart 

Heute vor 30 Jahren war die große Demonstration auf dem Alexanderplatz, der Ältere erkennt sie auf obigem Foto. Mit diesem Jubiläum wird nun heute in Berlin eine so genannte Festivalwoche eingeleitet. Ich war schon mal auf einem Festival, genau genommen auf mehreren. Das ist mehr als 30 Jahre her und hieß "Festival des politischen Liedes". Dort habe ich Mercedes Sosa, die große Stimme Lateinamerikas, und Mikis Theodorakis, er hat u.a. den Soundtrack zu "Alexis Sorbas" komponiert, singen gehört. Damals waren selbst Festivals noch politisch. Heute ist angeblich nichts mehr politisch, und selbst das Private ist nicht mehr privat. Und die heute beginnende so genannte Festivalwoche ist vermutlich, ich habe es nicht überprüft, für Kontrolle fehlt mir schlicht die Zeit, auch nur eine weitere Eventisierung eines historischen Ereignisses, wobei es vor allem ums Amüsieren und Konsumieren geht. Konsumenten aller Länder, wenn ihr euch schon amüsieren müsst (das Vereinigen kommt da erfahrungsgemäß regelmäßig zu kurz, was mit dem Konsumieren zusammenhängt), warum denn bitte sehr schon wieder in Berlin?!?

Foto&Text TaxiBerlin

BEACHTLICHE BÜCHER UND BILDUNGS BILANZ


am Lenkrad vom mobilsten Gewerbe der Welt
(und wenn er nicht lenkt, dann liest er)

Nach 7 Stunden und 5 Fahrten 75 Euro auf der Uhr, was auf einen Stundenlohn von 3,50 Euro oder so hinauslaufen würde, wenn die Standzeiten nicht automatisch Mindestlohnbedingt auch Pausenzeiten wären; dafür aber 2 Bücher gelesen, weswegen man die Sache auch ganz anders rechnen muss, und zwar so: 24,5 Euro mit 3 Stunden lesen verdient, den Rest der Zeit für Trinkgeld durch Berlin gefahren. Es hätte schlechter laufen können, wie der vom Balkan sagen würde.

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03.11.2019

IM TAXI MIT EINEM AFD-WÄHLER


Der Gutmensch ist wie der Igel:
Er weiß es immer besser (selbst wenn er nichts weiß)

Man darf hierzulande alles sagen, nur nicht, dass man AfD gewählt hat, ist ein wahrer Witz, der immer und überall geht, nicht nur im Taxi. Gestern war es nun so weit, da hat sich ein Fahrgast als AfD-Wähler geoutet. Einfach so, ich hatte ihn nicht gefragt, wie ich überhaupt niemanden nach seinen politischen Präferenzen frage. Politik und Religion sind bei mir im Taxi tabu. Vielleicht lag es an den Hinweisschildern, dass man in meinem Taxi zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen darf - sogar die Wahrheit, was - Afd-Wähler oder nicht - allgemein sehr gut ankommt, dass mein Fahrgast mir erzählte, wen er gewählt hat. Möglicherweise lag es auch daran, dass auch er wusste, dass man Taxifahrer selten ein zweites Mal sieht, auch wenn man sich bekanntermaßen im Leben immer zweimal sieht.

Was man in einem solchen Fall von spontaner Wahrheit auf keinen Fall tun darf, dass habe ich neulich noch von einem Gutmenschen bei mir im Taxi vielleicht nicht gleich gelernt, aber immerhin bestätigt bekommen. Der wusste es natürlich immer besser, und zwar alles. Schuld waren für ihn immer die anderen, die blöd sind und dumm, die es nicht begriffen haben und es auch nie begreifen werden. Was bei dieser Selbsterhöhung ungemein hilft, es ist um genau zu sein unbedingte Voraussetzung, ohne die nichts läuft, ist das Etikettieren und in Schubladen stecken, um sich mit dem Thema an sich gar nicht erst beschäftigen zu müssen. Beim Zuschieben der Schublade braucht man dann nur noch "Das ist doch AfD-Scheiß" zu sagen und fertig ist der Lack. Oder mit anderen Worten: Klappe zu - Affe tot.

So habe ich es nicht gemacht, ich bin aber auch kein Gutmensch. Wer mehr über die Unmöglichkeit ein Gutmensch zu sein erfahren möchte, dem empfehle ich Brechts "Der gute Mensch von Sezuan", aber das nur nebenbei. Ich möchte so viel verraten: Gut zu sein, ist auf die Dauer wahnsinnig anstrengend. Deswegen braucht der Gutmensch wohl auch die vielen Schubladen, für die ich einfach keinen Platz habe. Und so kann ich auch nicht sagen, dass der Afd-Wähler gestern bei mir im Taxi ein Nazi wäre, nur weil er die AfD gewählt hat. Das liegt auch daran, dass der Begriff "Nazi" hierzulande keine Beleidigung mehr ist, wie ich bisher dachte, sondern durch die Meinungsfreiheit gedeckt sei. Jeder kann jeden also ungestraft einen Nazi nennen - und das ist mir einfach zu beliebig, zu undifferenziert. Es ist, um genau zu sein, eine Beleidigung meines Denkapparates.

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02.11.2019

UBER-FAHRER ZUM TODE VERURTEILT


Auf das Kleingedruckte kommt es an!
(Flughafen Tegel / TXL)

Das Wort TAXI wird aktuell immer öfter in einen negativen Kontext gesetzt, beispielsweise durch die häufige Verwendung des Wortes Drogen-TAXI. Auch UBER-Fahrer, insbesondere wenn sie Mist gebaut haben, und das tun sie öfter als man denkt, werden plötzlich zu TAXI-Fahrern gemacht. Dabei war es doch gerade der ehemalige UBER-Chef selbst, der von einem ARSCHLOCH namens TAXI sprach. UBER-Fahrer wollen ganz bewusst keine TAXI-Fahrer sein und können es auch nicht, denn sonst müssten sie genauso wie TAXI-Fahrer eine Ortskundeprüfung ablegen, womit sie aber überfordert sind, weswegen sie nur UBER- und eben keine TAXI-Fahrer sind.

Mancherorts müssen sie nicht einmal ein Führungszeugnis vorlegen, was regelmäßig zu Kriminellen hinterm UBER-Lenkrad führt. Gestern nun wurde ein UBER-Fahrer, der eine dreißigjährige Frau erst vergewaltigt und dann ermordet hat, zum Tode verurteilt. Da die junge Frau Mitarbeiterin der Britischen Botschaft im Libanon war, berichtet aktuell der Guardian darüber. (Die Vergewaltigung und der Mord liegen knapp zwei Jahre zurück.) Bereits im fünften Satz macht der Guardian aus dem vergewaltigenden und mordenden UBER-Fahrer einen TAXI-Fahrer, obwohl er UBER-Fahrer war, der eine kriminelle Vergangenheit hatte, weswegen er gar kein TAXI-Fahrer sein konnte.

Auch deswegen fühlt UBER sich hierzulande wohl dazu befleißigt im Kleingedruckten auf der sonst großflächigen Werbung (Foto) darauf hinzuweisen, dass man die Fahrt nur vermittle, mit ihr selbst aber nichts zu tun habe, trotzdem aber garantiere, dass UBER-Fahrer allesamt Profis seien. Wie ein UBER-Fahrer in den USA lebt, besser überlebt, beschreibt Friedemann Diedrichs, der seit 35 Jahren Journalist ist und gut ein Jahr selbst als UBER-Fahrer gearbeitet hat, in den Neuen Osnabrücker Nachrichten. Seinen Erfahrungsbericht "Von Handgreiflichkeiten und Hungerlohn" kann so zusammengefasst werden: Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.

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01.11.2019

EIN ÖFFENTLICHES VERKEHRSMITTEL MIT BEFÖRDERUNGSPFLICHT UND BILDUNGSAUFTRAG


Trotz möglichen Mehrfachnennungen schwierig

Das Taxi, das wissen viele nicht, ist ein Öffentliches Verkehrsmittel mit Beförderungspflicht, und weil dem so ist, haben wir Taxifahrer neuerdings zumindest hier in Berlin auch den Bildungsauftrag inne. Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt, dessen Existenz zugegeben noch nicht bei jedem Kollegen angekommen ist. Der Bildungsauftrag, der ein oder andere erinnert sich, war einst bei Öffentlich/Rechtlich, sowohl Fernsehen als auch Rundfunk. Spätestens seit der Einführung der Zwangsabgabe für Öffentlich/Rechtlich gibt es dort eine Lücke, um genau zu sein eine Bildungslücke, (böse Zungen sprechen bereits von Vakuum, das) die gefüllt werden muss. Keine Ahnung, wie es diesbezüglich bei den Kollegen aussieht, ich fahre zu selten bei ihnen als Fahrgast mit, aber ich nehme den Bildungsauftrag sehr sehr ernst. Beispielsweise komme ich in meiner Radio-Show "Hier spricht TaxiBerlin" alle vier Wochen auf Pi-Radio dem Bildungsauftrag regelmäßig nach, indem ich aus einem Straßenverzeichnis vorlese.

Meine nächste Sendung, es soll bereits die 39. sein, ist übrigens übernächsten Donnerstag, den 14. November um 19 Uhr, und wegen 30 Jahre Mauerfall werden wir diesmal live von einem ehemaligen Wachturm in der Erna-Berger-Straße am Potsdamer Platz senden.

Das Telefonbuch wurde schon mehrfach vorgelesen, beispielsweise von Marcel Reich-Ranicki, der ein großer Fan vom Telefonbuch war. Das Vorlesen aus einem Straßenverzeichnis ist meine ureigenste Erfindung, und ich gehe darüber hinaus so weit zu behaupten, dass das Straßenverzeichnis noch viel viel interessanter ist als das Telefonbuch. Da dass mit dem Vorlesen aus dem Straßenverzeichnis bei mir im Taxi betriebsbedingt oft nicht klappt, lasse ich meine Fahrgäste seit einiger Zeit Fragebögen beantworten, und da im Moment die "Medienumfrage 2019" vom "ARTE Magazin". Bereits bei der 2. Frage, wofür der öffentliche-rechtliche Rundfunk steht (Foto), kommen nahezu alle meine Fahrgäste sogleich ins stocken. Obwohl Multiple Choice und sogar Mehrfachnennungen möglich sind, fällt es den meisten Fahrgästen schwer, die richtige(n) Antwort(en) aus folgenden vier herauszufinden: 1. Glaubwürdigkeit 2. Inhaltliche Vielfalt 3. Journalistische Kompetenz 4. Politische Neutralität.

Zum Glück darf man in meinem Taxi (zwar nicht telefonieren, dafür aber) alles sagen - sogar die Wahrheit. Und ich muss sagen, das kommt nicht nur extrem gut an, sondern ist auch sehr hilfreich beim Beantworten von Fragebögen und auch Medienumfragen.

PS: Den meisten meiner Fahrgästen ist bereits ein Fehler in der Frage aufgefallen. Die 2. Frage muss richtigerweise lauten: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk steht für? - ohne r am Ende von rechtlicher!

Foto&Text TaxiBerlin