16.10.2019

MORGEN 19UHR: HIER SPRICHT TAXIBERLIN #38



Itzo mit "Bravo"

Zufälle gibt es, die gibt es gar nicht. Seit Wochen plane ich, in meiner morgigen Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin" die neue Scheibe "Nicht richtiger Rap" vom vielleicht besten bulgarischen Rapper Itzo Hazarta vorzustellen, und soeben erfahre ich, dass Itzo am Samstag im Lido spielt. Wer noch nicht weiß, was er am Samstag machen soll, der hört morgen einfach meine Sendung, und dann weiß er es - oder eben nicht. Manch einem ist auch einfach nicht zu helfen, und viele sind auch schizophren, insbesondere in einer so großen Stadt wie Berlin. In Bulgarien gibt es die Steigerung von schizophren - oligophren, aber das nur nebenbei. Dass es in großen Städten mehr Schizophrene gibt, ist wissenschaftlich bewiesen. Wie sich dieser Umstand auf TaxiBerlin ausgewirkt hat, und was es da für Nebenwirkungen gab und bis heute gibt, nachdem ich zwei Monate im "Land der Freaks" in den Schluchten des Balkans unterwegs war, erfährst du in meiner morgigen Sendung, wo ich, wie gesagt, auch das neue Album "Nicht richtiger Rap" von Itzo vorstellen werde.

Video Itzo
Text TaxiBerlin

15.10.2019

ZWEI QUADRATMETER UMSONST


Grünberger Ecke Boxhagener Straße
früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

60 Quadratmeter kosten bei den Berliner Verkehrsbetrieben im Monat 60,67 Euro - ohne Küche und Bad, dafür aber warm. So steht es auf den Werbe-Plakaten der BVG wie oben an einer Bus-Haltestelle. Das klingt nicht schlecht, es geht aber noch billiger. Die BVG scheint ihre eigenen Preise nicht zu kennen, oder warum gibt es keine Werbung für's Sparangebot? Zwei Quadratmeter gibt es bei der BVG nämlich völlig umsonst, zumindest noch. Auf zwei Quadratmetern, so groß ist ihre Matratze (Foto oben), lebt seit Jahren eine junge Frau mitten im Friedrichshainer Partykiez, ebenfalls ohne Küche und Bad, dafür aber kalt! - Schlafen soll man bekanntlich nicht warm.

Foto&Text TaxiBerlin

14.10.2019

POTEMKINSCHE BAUSTELLEN


Vom "Bei Rot hier halten" bis zum Rot sehen
ist es manchmal nur ein kurzer Weg

Früher gab es Potemkinsche Dörfer, also Attrappen von Dörfern, um den Feind zu täuschen. In Berlin gibt es Baustellen, die sehen aus wie Baustellen, sind aber nur Baustellen-Attrappen, auf denen nie gearbeitet wird. Unsere Besucher haben mit den Potemkinschen Baustellen-Attrappen keine Probleme, ganz im Gegenteil, sie kommen regelrecht wegen ihnen nach Berlin. Gerne setzen sie sich in Straßen-Cafés, vor denen sich direkt eine Baustelle befindet, um dort ihren Latte zu schlürfen. Die Berliner Baustellen sind für sie genauso eine Attraktion wie der Fernsehturm, die East-Side und das KaDeWe. Für den Berlin Besucher werden die Potemkinschen Baustellen also nicht aufgestellt. Der Feind, der mit den Potemkinschen Baustellen getäuscht und verwirrt werden soll, kann nur der Berliner selbst sein.

Foto&Text TaxiBerlin

13.10.2019

TAXIBERLIN ALS "BILLIGER PROPHET"


In letzter Zeit sitzen mir immer mehr Österreicher im Taxi. Keine Ahnung, ob die Anzahl der Berlin-Besucher aus dem Nachbar-Reich zugenommen hat (wäre auch mal eine Studie wert), oder ob es mir nur auffällt, weil sich meine frühere Abneigung (mitunter war es wohl schon Hass) gegen Österreich seit einiger Zeit immer mehr in Zuneigung (ich will nicht gleich von Liebe reden) verwandelt hat. Hauptsächlich liegt das an Thomas Bernhardt, den vielleicht bekanntesten Autor aus Österreich (auch wenn er nicht den Nobelpreis gewonnen hat, was einfach daran lag, dass er zu früh verstorben ist), den auch eine Hass/Liebe zu seiner Heimat verband. Dann bin ich in Österreich fündig geworden (um genau zu sein in Klagenfurt), was den Verlag anging, bei dem die beiden Bücher des bulgarischen klassischen Autoren Aleko Konstantinow erschienen sind, die ich vor einiger Zeit herausgegeben habe. Nicht zu vergessen das leckere Essen (insbesondere im Ländlichen, beispielsweise am Neusiedler See südlich von Wien) und die extrem gute Kaffee-Kultur (ähnlich gut wie in Italien), die man hierzulande und insbesondere in Berlin völlig vergeblich sucht. Deswegen ist es erst einmal unverständlich, dass jetzt immer mehr Österreicher nach Berlin kommen und ein Grund mehr, das mal ordentlich zu untersuchen. Gestern nun ging die Fahrt mit meinen Fahrgästen aus Österreich vom Hard-Rock-Café am KuDamm Ecke Meineke zum KaDeWe (Kaufhaus des Westens) am Tauentzien. Wer sich in Berlin etwas auskennt, der weiß, dass das keine allzulange Fahrt ist. Ich musste also Gas geben, um herauszufinden, was die Beweggründe meiner Fahrgäste für's nach Berlin kommen sind. So entschloss ich mich kurz von meiner Zuneigung zu ihrer Heimat zu sprechen, ganz genauso wie gerade von mir beschrieben. Das Eis wollte ich endgültig brechen, indem ich eine Vorhersage wagte - als Taxifahrer ist man auch immer Hellseher, meist geht es dabei aber nur ums Fahrziel. Ich sagte vorher (und sage es immer noch), dass nicht nur der alte sondern auch der neue Kanzler in Österreich Kurz heißen wird. Daraufhin wurde ich von meinen Fahrgästen als "Billiger Prophet" bezeichnet - das muss man sich mal vorstellen: Vorm KaDeWe stehend mit 6,70 Euro auf der Uhr werde ich (ausgerechnet ich, der größte Österreich-Fan in Berlin) von irgendwelchen dahergelaufenen Ösis ein "Billiger Prophet" genannt. Ich weiß bis jetzt nicht, wie ich da drüber weg kommen soll.

Text TaxiBerlin

12.10.2019

BEWERBUNG BEIM VERKEHRSMINISTER SCHEUER




Sehr geehrter Herr Minister Scheuer,

soeben erfuhr ich aus dem ZDF-Magazin "Frontal21" (also von Öffentlich/Rechtlich, die mit dem Bildungsauftrag), dass Sie Verträge abschließen, wo Ihre Vertragspartner nach nur sechs (6) Monaten Arbeit 12 (12) Jahre Gehalt beziehen, und ich muss Ihnen sagen, dass ich von dieser Möglichkeit total begeistert bin. In der Hoffnung, dass ich noch nicht zu spät komme (wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben), bewerbe ich mich hiermit um eine solche Tätigkeit für Ihr Ministerium, wo auch ich nach sechs (6) Monaten Arbeit zwölf (12) Jahre Gehalt beziehe. Seit mehr als zwanzig (20) Jahren bin ich nun schon Berliner Taxifahrer, ich habe eine ordentliche Ortskundeprüfung für Taxifahrer abgeschlossen und komme demzufolge auch ganz ohne Navigationssystem, wie es sich für einen Profi gehört, in der Stadt klar. Ich hoffe nun, die mir verbleibende Zeit bis zum Renteneintritt mit Ihrer Hilfe überbrücken zu können. Ich würde mich freuen, wenn Ihnen mein Angebot gefällt, ich bald von Ihnen höre und zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werde, oder Sie mich gar direkt einstellen. Ich kann sofort anfangen für Sie zu arbeiten und gerne auch für Ihren Nachfolger im Amt. Meine bisherige Tätigkeit als Taxifahrer wird ja jetzt auch Dank Ihrer tätigen Mitarbeit, allerdings ohne Einhaltung der Rückkehrpflicht für Mietwagen - also illegal, von "professionellen Fahrern" ohne Ortskenntnisse ausgeführt.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr TaxiBerlin
Film Frontal21
Bewerbung TaxiBerlin

10.10.2019

MULTIPLE CHOICE IM STRASSENVERKEHR


Am Frankfurter Tor
früher Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Multiple Choice, wo Halbverblödeten die richtige Antwort vorher verraten wird, gibt es nun auch auf unseren Strassen - zumindest in Berlin. Auf der Frankfurter Alle stadtauswärts kann sich jetzt jeder selbst seine Höchstgeschwindigkeit aussuchen, denn - wie üblich bei Multiple Choice - so sind auch hier Mehrfachnennungen möglich.

Foto&Text TaxiBerlin

09.10.2019

WO DENN NUN? UND WANN?


Werbung am Flughafen Tegel (TXL)
früher und auch heute Reinickendorf

Früher war vielleicht nicht alles besser, aber manches doch einfacher. Beispielsweise mit dem Essen. Entweder es gab was zu essen - oder eben nicht. Und auch mit dem Treffen. Man hat einen Ort und eine Zeit ausgemacht - und dann hat man sich einfach getroffen. Keine blöden Absagen zwei Minuten vorher und auch keine dummen Anrufe wie beim Hase und beim Igel: "Wo bist du? - Ich bin schon da!" Nicht nur was das Treffen angeht (auch was das Essen angeht, aber darum geht es jetzt nicht), ist für mich als Taxifahrer irgendwie die Zeit stehen geblieben. Ich meine, für mich persönlich ist das nicht schlimm. Ich bin nun mal ein Mensch (genauer ein Mann) von früher und dazu stehe ich. Jedenfalls ist es für mich auch heute immer noch ganz ganz wichtig, um genau zu sein ist es sogar das allerallerwichtigste: Wo ist der Fahrgast und Wann?! Keine Ahnung, ob das jetzt noch jemand versteht. Wenn ich mir obige Werbung ansehe, habe ich zumindest meine Zweifel.

Foto&Text TaxiBerlin

07.10.2019

DER WUT-TAXIFAHRER


Sein Manifest

Es gibt ihn, den Wut-Taxifahrer, er ist aber nur eine Unter-Kategorie des Wut-Bürgers. Was den oft und gerne belächelten Wut-Bürger angeht, muss man wissen, dass es vier menschliche Grund-Emotionen gibt. Das sind Glück, Trauer, Angst oder auch Sorge und Wut bzw. Zorn; wobei die Wut bzw. der Zorn oft sekundäre Emotionen sind. Sekundär deswegen, weil hinter der Wut in der Regel Angst steckt. Doch zurück zu unserem Wut-Taxifahrer, der seiner Angst in einem kurzen Manifest (siehe Foto oben) ganz aktuell am Schwarze Brett direkt neben der Piloten-Bude, wie der kleine nicht unbedingt feine Imbiss nur für Taxifahrer am Flughafen Tegel (TXL) von Insidern liebevoll genannt wird, Ausdruck verliehen hat. Die Analyse des Kollegen in Sachen MyTaxi/FreeNow ist sicherlich richtig. Es geht jetzt auch nur um die Frage, ob der Kollege seine Wut in dieser Weise ausdrücken darf. Eine nicht ganz so leicht zu beantwortende Frage, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass die Wut und auch der Zorn zwar zu den menschliche Grund-Emotionen gehören, sie aber oft nur sekundär sind, weil hinter ihnen meist einfach nur Angst steckt.

Foto&Text TaxiBerlin

06.10.2019

"EIMER LIEBT DICH ♡"


An der Taxihalte am Helsingforser Platz
früher Friedrichshain / heute Friedrichain-Kreuzberg

"Eimer liebt dich" (wie oben mit Herzchen!) ist jetzt kein Schreibfehler von mir, sondern ein aktueller Slogan der Berliner Stadtreinigung (BSR) auf Mülleimern in unserer schönen Stadt. Das weiß ich, weil ich gestern am Helsingforser Platz im Friedrichshain mit meinem Taxi fast eine Stunde vor genau einem solchen Mülleimer stand. In der knappen Stunde kamen fünf (5) Flaschensammler mit ihrem Wagen, besser Wägelchen, zu diesem Mülleimer, eine (1) Frau und vier (4) Männer, um in ihm nach leeren Flaschen zu suchen. Der Eimer hatte allerdings, nicht wie versprochen, keinen von ihnen lieb, nicht mal den ersten. Denn der Mülleimer war, zumindest was das Flaschenpfand anging, "schwach wie Flasche leer." Keine Sorge, ich beklage mich jetzt nicht darüber, dass Flaschensammler und auch Flaschensammlerinnen keine Lobby haben - ist schließlich Sonntag. Trotzdem erlaube ich mir festzustellen, dass es neben der nicht vorhandenen Lobby noch eine weitere, wichtige Parallele zwischen Flaschensammlern und Taxifahrern gibt. Auch uns steigen seit einiger Zeit immer weniger leere Flaschen ins Taxi, und unsere Suche nach ihnen gestaltet sich auch von Tag zu Tag schwieriger. Aber heute ist Sonntag und damit Flohmarkttag. Mal sehen, was auf'm Flohmarkt so für leere Flaschen rumhängen bzw. angeboten werden. Bin gespannt!

Foto&Text TaxiBerlin

05.10.2019

STELL DIR VOR, ES IST KRIEG, UND KEINER BEKOMMT ES MIT


N-How Hotel, Stralauer Allee
früher Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Neuerdings gibt es Taxi-Zonen in der Stadt. Zonen sind für den Berliner nichts Neues, mit Zonen kennen wir uns aus in Berlin. In der Maaßenstraße in Schöneberg und in der Kreuzberger Bergmannstraße gibt es, damit man sich gefahrlos betrinken begegnen kann, Begegnungs-Zonen. Nach dem Krieg gab es Besatzungs-Zonen, weswegen manch einer auch aus der Zone kam und manchmal immer noch kommt. Die Taxi-Zone soll dem Schutz des Taxi dienen, genauso wie die Begegnungs-Zonen dem Schutz der Begegnungswilligen (früher traf man sich auch ohne Begegnungs-Zone, aber das ist lange her) und nach dem Krieg die Besatzungs-Zonen dem Schutz der Berliner Bevölkerung. Der Unterschied zu früher ist, dass heute gar kein Krieg stattgefunden hat. Oder vielleicht haben wir ihn auch einfach nur verpasst. Möglicherweise geht es auch nur darum, die alten, bekannten Taxihalteplatzschilder aus dem Stadtbild zu verdrängen und damit auch das Taxi aus den Köpfen der Menschen, wie in Amerika bereits geschehen. In den USA ist das Wort Taxi heute schon praktisch komplett aus der Alltagssprache verschwunden.

Foto&Text TaxiBerlin

04.10.2019

MEHR AUTOS TROTZ SHARING


Ich erinnere mich noch genau an das Gespräch, diesmal nicht im Taxi, sondern unter Freunden, besser Bekannten. Einer von ihnen war gerade frisch von seiner Firma gebrieft, besser gebrainwashed, wurden, dass Sharing ganz toll sein soll, auch weil die Leute heutzutage kein eigenes Auto mehr haben wollten. Der Freund, besser Bekannter, stand mit seiner Meinung ziemlich alleine da, aber er musste sie wohl vertreten, weil er für diese Firma arbeitete und wahrscheinlich immer noch arbeitet. Heute wissen wir, was einer, der bis drei zählen kann, schon damals wusste, und zwar dass das totaler Quatsch war und ist. Es steht ganz offiziell in der Zeitung, dass es mehr Autos trotz Sharing gibt. Das wichtigste allerdings, wo der falsche Prophet abgeblieben ist, der nicht nur unsere Straßen verstopft hat und immer noch verstopft, sondern damit auch noch viel Geld verdient hat und immer noch verdient, das steht mal wieder nicht in der Zeitung. (Genauso wie nicht in der Zeitung steht, wessen Drogen da eigentlich im Görlitzer Park vertickt werden, für deren Verkauf vom eigens eingestellten Park-Ranger Verkaufsstellen auf den Gehwegen markiert wurden.) Und nun frage ich mich, ob es sich mit dem Klima vielleicht genauso verhält, also ob es beim durch Gretas clevere PR-Agentur gestarteten Klima-Brainwashing und bei der sich anschließenden Klima-Hysterie eigentlich nur ums abkassieren geht.

Text TaxiBerlin

03.10.2019

DAS WORT ZUM TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT


Das Bild zum Tag

Keine Frage, Ost und West haben sich seit der Wiedervereinigung angenähert, aber es besteht auch noch jede Menge Klärungsbedarf.

Foto&Text TaxiBerlin

02.10.2019

WE CAN DO EVERYTHING BUT NOTHING RIGHT


At The One And Only Berlin Airport - Tegel (TXL)

WE CAN DO EVERYTHING BUT NOTHING RIGHT is one of our mottos in Berlin (another one is: WHATEVER IT IS, I'M AGAINST IT). We can not build an airport, we can not repair our streets, we can not organize a normal public transport and we do not have good weather too. But even though our sky is always grey because the sun is not shining on Berlin, a sunflower (it's not a fake, it's a real sunflower!) is growing at the taxi parking at airport Tegel (TXL). So if you ever plan to come to Berlin, do not come because of the weather and also not because of our airport, not because of our streets and not because of the public transport. Come, if you really and necessarily want to come to Berlin, just because of the sunflower at the big taxi parking at Tegel airport.

Foto&Text TaxiBerlin

01.10.2019

"I USED TO CARE BUT THINGS HAVE CHANGED"


He gives a shit

My third shift after two months time out from cab driving was on sunday. Sunday is also my flea market day and I was really excited to go there after two months abstinence. So I did last sunday what I usually did in the past. I went to the flea market at Boxhagener Platz in my neighborhood in Friedrichshain before my shift. It was raining and so it was pretty quiet at the flea market and I didn't expect to find anything. Finally I found a real treasure: a donkey who gives a shit (foto). By the way: the diameter of the medal is 35 centimeter! And I put the donkey like a New York City Taxi Medallion on my cab. Because I used to care about my city but Things Have Changed ...

Foto&Text TaxiBerlin