30.06.2019

HALTUNG UND ZIVILCOURAGE


Aber richtig!

Es ist wieder eine Zeit, in der man Haltung und Zivilcourage zeigen soll. Wieder deswegen, weil wir das schon mal hatten hierzulande. Mehrfach sogar, und nie hat es ein gutes Ende genommen. Bei der Haltung kommt es darauf an, dass es die richtige ist, also die, die alle haben. Das ist wohlpfeil, wenn noch jemand weiß, was wohlpfeil bedeutet. Früher hatte jedes Ding sein Für und Wider, oder auch Pro und Contra, für die, die noch selbständig zu denken wagen. Was die richtige Haltung angeht, also die, die alle haben, da meinte Kollege Nietzsche bereits vor vielen Jahren: "Es ist ein schlechter Geschmack, mit Vielen übereinstimmen zu wollen." Einen schlechten Geschmack möchte keiner haben, alle möchten selbständig denken und nach Möglichkeit für irgendwas kämpfen. Hört sich gut, entpuppt sich in der Praxis aber als das Einfache, das so schwer zu machen ist, denn schnell gehört man zu den Verschwörungstheoretikern mit Alu-Hut.

Da hilft auch keine Zivilcourage. Denn Zivilcourage heute meint, dass sich die Politik immer mehr zurück zieht, und der Bürger sich um seinen Dreck bitte sehr selber kümmern soll. Mietwagen müssen sich nicht mehr an die Rückkehrpflicht halten, Ausreisepflichtige müssen nicht mehr ausreisen und Steuerpflichtige müssen keine Steuern mehr bezahlen. In Berlin, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, werden, bevor man etwa die Straßen repariert und/oder die Öffentlichen Verkehrsmittel zumindest so weit in Stand setzt, dass ein normaler Service angeboten werden kann, einfach neue Verkehrsteilnehmer mit E-Rollern auf die Straße und Gehwege geworfen. Aber Vorsicht, Eigeninitiative gegen das Nichtstun der Politik ist mit Zivilcourage nicht gemeint. Zivilcourage heute meint wieder nur, gegen die zu sein, die nicht die richtige Haltung haben, was wiederum ein Grund ist, warum so viele die richtige Haltung haben. - Ein Teufelskreis.

Foto&Text TaxiBerlin

29.06.2019

TAXIBERLIN ALS STRASSENDOKTOR



 Ein anderer Kanzler, der gezittert hat 

Ich bin Strassendoktor (das stimmt wirklich) und arbeite gerade an meiner Habilitation. Als Berliner Strassendoktor muss man nicht nur alle Straßen in Berlin im Kopf haben (als Professor kommen noch die Hausnummern hinzu), sondern auch mit den Symptomen von Human Beings, wie Menschen auf englisch heißen, Bescheid wissen. Und da kenne ich mich nun besonders mit Frauen aus. Auch wenn ältere Frauen nicht explizit mein Fachgebiet sind, so bin ich doch skeptisch, ob das Zittern unserer Mutti mit dem Klimawandel zusammenhängt, wie von einer anderen Frau behauptet wird. Diese andere Frau ist nicht nur jünger, also eher meine Zielgruppe, sondern auch Chefin der sich gerade im Höhenflug befindenden Grünen Partei. Ihr Name ist Annalena Baerbock, und sie hat sich auch schon für ihre Diagnose von Muttis Zitteranfällen entschuldigt. In der Höhe ist die Luft oft etwas dünn, das könnte ein Grund für die Fehldiagnose der Grünen-Chefin sein. Wahrscheinlicher ist, dass Annalena Baerbock einfach infantil ist, so wie auch ihre Politik. Was die Kanzlerin angeht, da ist mit Sicherheit nicht die Hitze der Grund für ihr Zittern. Meine Diagnose sowohl als Strassendoktor, der seit vielen Jahren auf den Berliner Strassen und Plätzen unterwegs ist, als auch als Human Being mit gesundem Menschenverstand, ist Parkinson. Angela Merkel hat Parkinson oder genauer Morbus Parkinson. Morbus Parkinson beginnt zwischen dem 50. und dem 79. Lebensjahr, wobei die Krankheit in den meisten Fällen zwischen dem 58. und dem 62. Lebensjahr ausbricht. Angela Merkel ist heute 64 Jahre alt, und wahrscheinlich hat sie die Krankheit nicht erst seit gestern. Dass Kanzler Parkinson kriegen, ist nichts besonderes. Kanzler und auch Kanzlerinnen sind schließlich auch nur Menschen oder eben Human Beings, wie der Engländer sagt. Ein anderer, bekannterer Kanzler hierzulande viele Jahre vor Angela Merkel hatte auch Parkinson. Das war im letzten Jahrhundert, und wer es nicht glaubt, in obigem Video, es gab damals schon Kameras, ist das Zittern gut zu sehen. Kurz darauf beging er, sein Name war Adolf Hitler, Selbstmord. Da war er gerade 56 Jahre alt, und Morbus Parkinson tritt bekanntlich zwischen dem 50. und dem 79. Lebensjahr auf. Dass bisher niemand auf die Idee gekommen ist, dass Angela Merkel nicht nur drei Gläser Wasser braucht, damit es ihr besser geht, sondern dass sie an Morbus Parkinson erkrankt ist, zeigt, wie weit die Infantilisierung hierzulande fortgeschritten ist.

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Text TaxiBerlin

28.06.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #36 ZUM NACHHÖREN




Die letzte Sendung vor der Sommerpause, hier gibt es sie zum Nachhören. Vergessen habe ich in der Sendung zu verraten, was man alles machen kann und wohl auch sollte, wenn einem Berlin, so wie mir, immer mehr auf die Nerven. Das möchte ich jetzt nachholen.

Dass es davon genügend gibt, denen Berlin immer mehr auf die Nerven geht, das bestätigte mir gestern nach meiner Sendung Susanne. Sie stieg mir auf der Danziger Straße ein und wollte nach Friedrichshain, wo sie vor sieben Jahren hingezogen war, weil damals alle ihre Freunde im Friedrichshain wohnten. Jetzt ist Susanne die einzige, die noch hier im Friedrichshainer Kiez lebt.

Wer hierbleiben muss, wie beispielsweise Susanne, die es sich nicht leisten kann noch einmal umzuziehen, alleine weil sie eine neue, andere Wohnung, wenn sie überhaupt eine finden würde, gar nicht bezahlen könnte, dem empfehle ich den Baustellenstürmer. Baustellenstürmer zu sein ist ganz einfach. Du wirfst einfach die Absperrungen der Baustelle in die Baugrube, schüttest oben etwas Sand auf, und fährst zum Schluss mit deinem Auto oder Fahrrad drüber, oder trampelst ihn nur mit den Füßen fest.

Baustellen zu stürmen, ich spreche da aus Erfahrung, schließlich habe ich das Baustellenstürmen erfunden, ich bin, wenn du so willst, der erste Baustellenstürmer, ist nicht nur einfach, sondern auch sehr effektiv. Denn da auf den meisten Baustellen nie gearbeitet wird, fällt es auch kaum jemandem auf, dass die Absperrungen weg sind, und man jetzt wieder ganz normal die Straße befahren kann, außer natürlich den Betroffenen, also den Opfern der völlig verfehlten Baustellenpolitik in unserer Stadt.

Du kannst natürlich auch auswandern. 2015 haben 997.552 Menschen unser schönes Land verlassen, im Jahr drauf waren es bereits 1.365.178 und im vorletzten Jahr auch immerhin 1.134.641.
Für 2018 gibt es, warum auch immer, keine offiziellen Zahlen von Auswanderern aus "Dem Land, in dem wir gut und gerne leben".

Auch ich gehöre, wenn ich nicht gerade Baustellen in Berlin stürme, zu den Auswanderern, zumindest in meinem Kopf. Dort bin ich oft auf "Meinem kleinen Gulag" in den Schluchten des Balkans, den ich letztes Jahr in "Gulag-Ressort" unbenannt habe.

"Meinen kleinen Gulag" in "Gulag-Ressort" umzubenennen, auf die Idee hat mich mein Nachbar, der Genosse Stalin, gebracht. Der Genosse Stalin betrieb viele Jahre seinen gleichnamigen "Grill Stalin" gleich nebenan, dessen Spezialität die von Stalin selbst gezüchteten Forellen waren und immer noch sind. Nur den Namen, den hat Stalin vor einiger Zeit geändert. Sein "Grill Stalin" heißt heute "Komplex Stalin" mit Pool und allem drum und dran.

Einen Pool habe ich nicht, dafür eine Sommerdusche, was auch viel besser ist. Denn es ist viel viel schwerer einfach mal so in das schwarz angestrichene Fass meiner Sommerdusche, das dazu noch auf einem Podest steht, reinzupullern als in einen Pool. Damit das auch so bleibt, können nur ausgesuchte Personen in "Meinen kleinen Gulag", der heute "Gulag-Ressort" heißt, einziehen.

Du fragst dich jetzt natürlich, ob auch du zu diesem ausgesuchten Personenkreis gehörst. Wenn du auch mal einen Moment ohne Smartphone und Internet auskommst, stehen deine Chancen nicht schlecht. Eigenversorgung und kreatives Arbeiten an der frischen Luft sollten dir nicht völlig fremd sein. Auch mit Tieren solltest du umgehen können. Nicht unbedingt mit Forellen, das macht der Kollege Stalin bereits, besser mit Eseln und Ziegen.

Ob du wirklich für den Gulag taugst, oder du doch besser in deiner Komfort-Zone bleibst, das stellt sich letztendlich vor Ort, also in den Schluchten des Balkans, heraus. Und es sind sowieso nur noch einige wenige Rest-Gutscheine für "Meinen kleinen Gulag", der heute "Gulag-Ressort" heißt, erhältlich. Bei Interesse solltest du dich unbedingt beeilen. Aussagekräftige Bewerbungen bitte an taxi.berlin(ät)gmx.de

RadioPodcast HaerthisAt
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27.06.2019

ZAHN UM ZAHN UND SCHMERZ GEGEN SCHMERZ


Schröpfen, aber die Richtigen!

Berlin, meine Stadt, bereitet mir mit jedem Tag mehr körperliche Schmerzen. Das ist keine Übertreibung. Genauso wenig wie Berlin für mich nicht einfach nur eine Stadt ist. Berlin ist viel mehr für mich. (Oder sollte ich sagen WAR viel mehr für mich?) Berlin ist für mich wie Mutter und Vater, zugegeben mehr Mutter als Vater. Ist das denn möglich, fragst du dich jetzt vielleicht. Ja, das ist möglich! Aber es ist nicht nur möglich, sondern es sollte auch so sein. Eine Stadt ohne Liebe, und das ist Berlin dabei zu werden, nimmt niemals ein gutes Ende. Genau das muss mein Körper, der sich immer mehr verkrampft, wohl spüren, vor allem der Rücken. Schröpfen ist da das Mittel der Wahl. Also die Gewalt, die man Berlin antut, tue ich jetzt mir selbst an. Das hilft! Allerdings nur begrenzte Zeit. Hilfreicher ist es da, die Gewalt gegen die zu richten, die Berlin Gewalt antun. Besser diese zu schröpfen. Und du kannst dabei sein. Heute ab 19 Uhr auf Pi-Radio. Pi-Radio, ein kleiner unabhängiger Sender, ist in Berlin unter 88.4, in Potsdam unter 90.7 und weltweit unter piradio.de zu empfangen. Wage nicht, es zu verpassen, dann musst du es hier nachhören!

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26.06.2019

ÜBER VERSLUMMUNG UND ENDZEITSZENARIEN


Die Verslummung Berlins ist das Thema meiner morgigen Sendung auf Pi-Radio. Ich werde sowohl von meinen langjährigen Beobachtungen vom Fahrersitz aus berichten, als auch über meine ganz privaten Gefühle sprechen, allen voran wie sich meine Liebe zu Berlin immer mehr in Hass verwandelt, und wer dafür verantwortlich ist, denn nichts geschieht zufällig. Ich werde Orte der Verslummung unserer Stadt nennen, bis hin zu Hot Spots, an denen sich Endzeitszenarien abspielen. Wie in jeder meiner Sendungen komme ich auch morgen dem Bildungsauftrag nach, den seit einiger Zeit wir Taxifahrer von Öffentlich/Rechtlich übernommen haben. Neu hinzugekommen ist, dass ich die aktuell beste Toilette Berlins prämiere. Abschließend werde ich unseren Bürgermeister dazu auffordern, den Terror gegen seine Bürger zu beenden. Ich denke, das ist nicht zu viel verlangt. Das sollte ein Bürgermeister können, wenn er sonst nichts kann.

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25.06.2019

VON LITHIUM UND KOBALT



28 min / 09.09.2018

Heute mal nichts zum Thema Taxis und Taxen, sondern etwas über Lithium und Kobalt, den beiden Rohstoffen, die in Zukunft unsere Mobilität sichern sollen. Ohne Lithium und Kobalt läuft es nicht mit der Elektromobilität, denn Lithium und Kobalt werden für die Akkus benötigt. Die beiden Rohstoffe lagern mal wieder, wie sollte es anders sein, nicht in unserem Vorgarten, sondern am anderen Ende der Welt. Also genau dort, wo hiesige Aktivisten am liebsten die Welt retten, gleichzeitig aber gerne auch mal ein Auge zudrücken, wenn es um ihr eigenes Wohlbefinden geht. Das ist alles nicht neu und auch keine Überraschung. Überraschend ist eigentlich nur, dass solche Berichte (noch) von Öffentlich/Rechtlich gemacht werden, auch wenn sie nicht zur Primetime gesendet werden. Aber das musst du verstehen, der Rubel muss schließlich rollen, und da stören solche Reportagen nur. Fällt mir gerade noch ein: Es gab einmal eine Zeit, da haben sich die Grünen mit genau solchen Themen beschäftigt.

Video ÖffentlichRechtlich
Text TaxiBerlin

24.06.2019

MORGEN 15 UHR MAHNWACHE BEHRENSTR. 37


Am morgigen Dienstag findet ab 15 Uhr eine Mahnwache vor dem Hotel de Rome in der Behrenstraße 37 in Mitte statt, ich habe bereits an dieser Stelle darüber geschrieben. Ins Leben gerufen hat die Mahnwache Kollege Andreas, der mir am Freitag am Flughafen Tegel mit seiner Ein-Mann-Demo ins Auge fiel. Ein-Mann-Demo deswegen, weil Kollege Andreas an erster Stelle für sich selber demonstriert. Er will sich später nicht vorwerfen müssen, er hätte nichts gegen den großen Pauperisierer aus Amerika getan. Das ist ungefähr so, als würden die, die jetzt immer Freitags für den Erhalt des Klimas demonstrieren, einfach mal weniger fliegen. Deswegen ist der Kollege Andreas ganz nach meinem Geschmack, und ich werde ihm morgen bei seiner Mahnwache Gesellschaft leisten. Du kannst auch gerne vorbei kommen, Kollege Andreas hat die Demo korrekt deutsch angemeldet, und zwar ganz optimistisch mit bis zu fünf (5) Personen.

Text TaxiBerlin

"... ALLE ANDERE SCHEIßE IST KUNSTGEWERBE!"




Mein Freund, der Filmemacher Andreas Wilcke ("Stadt als Beute"), hat mich gebeten, auf die vorerst letzte Vorführung seines neuesten Films über die Volksbühne am Dienstag um 21:45 Uhr im Freiluftkino Kreuzberg, das ist in der Hasenheide, hinzuweisen. Ich mache das sehr gerne, nicht nur bei mir im Taxi, sondern auch hier auf meiner Seite. Als ich vor vielen Jahren nach Berlin kam, war Frank Castorfs Volksbühne gerade Theater des Jahres in Deutschland geworden. Da hatte Jürgen Kuttner, der gleich mal erklärt, was Kunst ist, nämlich "wenn man etwas macht, und man muss es machen, man kann nicht anders, man muss das so machen, und alle andere Scheiße ist eben Kunstgewerbe!", schon das deutsche Talk-Radio in unserer Stadt erfunden, das Berlin-Besucher damals auf Musik-Kassetten gebannt bis ins Schwabenland schmuggelten. (Übrigens der eigentliche Grund für die Schwaben-Schwemme in Berlin, aber das nur nebenbei.) Chris Dercon, der Nachfolger von Frank Castorf an der Volksbühne, der bereits schon wieder hingeschmissen hat, kommt im Film auch zu Wort und führt uns vor, wie man mit vielen Worten nichts sagt.

Trailer AndreasWilcke
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23.06.2019

VON MARIA, SABINE UND DEM HAHNENSCHREI


Maria steigt mir am Frankfurter Tor ein. Sie war auf einer Messe, wo man mit nicht Karte bezahlen kann, was mir aber egal ist, denn ich interessiere mich nur für Maria und nicht für Kartenzahlung. Maria ist nicht alleine. Sie sitzt hinter mir, eingerahmt von zwei jungen Männern, vorne neben mir sitzt ein älterer Herr, also insgesamt drei Typen. Es ist nicht einfach, mit Maria ins Gespräch zu kommen. Ich riskiere alles und sage über mich selbst, dass ich nicht nur ein nettes Gesicht habe. Das ganze auf englisch: Not just a pretty face!

Die drei Typen können englisch, bekommen also mit, dass ich mit Maria flirte, und sie mit mir. Der ältere Herr ist ihr Vater. Ich bin verloren. Irgendwie, frag nicht wie, erfahre ich dann doch, dass sich Marias Hotelzimmer im Fake Vier Jahreszeiten Hotel in der Gitschiner gleich neben der Moschee im fünften Stock befindet. Wir, also Maria und ich, verabreden uns für Mitternacht. Ich soll in den fünften Stock kommen und vor ihrer Tür dreimal den Hahnenschrei machen.

Zurück zum Schlesischen Tor. Dort halte ich vor der türkischen Bäckerei Salut, wo Alkohol trinken verboten ist, um den Hahnenschrei zu üben, als sich nebenan die Dealer aus Nordafrika versammeln. Da mir der Hahnenschrei nicht gelingen will, fange ich an die Dealer zu zählen. Vielleicht hilft das. Weil ich mich immer wieder verzähle, spreche ich eine Frau an und bitte sie, mir beim Zählen zu helfen, was sie prompt tut, und wofür ich ihr einen Tee spendiere.

Die Frau ist Tourismusmanagerin und heißt Sabine. Ich biete Sabine sogleich meine Hilfe an, damit sämtliche Touristen unsere Stadt geordnet verlassen können. Um genau zu sein, ist von einem Shuttle Service zum Flughafen die Rede. Sabine ist total begeistert von meiner Idee. Wir wollen sogleich ans Werk gehen. Spontan gelingt mir der Hahnenschrei. Jetzt muss ich los. Die Touristen müssen warten.

Text TaxiBerlin

22.06.2019

TUESDAYS AGAINST UBER


Dienstag 25.Juni, 15 Uhr, Behrenstraße 37

TuesdaysAgainstUBER ist kein Ableger von FridaysForFUTURE, sondern dessen logische Fortentwicklung. Dessen logische Fortentwicklung deswegen, weil UBER, der Feind aller ehrlichen Taxifahrer und Zerstörer eines funktionierendes Gewerbes (Stichwort: "Ein Arschloch namens Taxis!"), niemand wirklich braucht (außer vielleicht die Geldgeber, weder ich noch du gehören dazu), und auch genug Kohle hat, um das Klima zu retten. Man muss sich aber auch beeilen, dass von der ganzen Kohle noch was übrig ist, denn das Unternehmen macht jedes Jahr Verluste in Millionenhöhe. Deswegen komm auch du zur nächsten TuesdaysForFUTURE um 15 Uhr zum Hotel De Rome in die Behrenstraße 37. Du kannst also vorher ganz normal zur Schule oder auch arbeiten gehen und musst dir auch sonst keine Gedanken machen, die Demonstration ist ordentlich deutsch angemeldet.

Foto&Text TaxiBerlin

21.06.2019

OFFENER BRIEF AN FRIEDRICH K.


Neulich saß mir Friedrich K. im Taxi, der früher öfters im Fernsehen zu sehen war, seit einiger Zeit aber nur noch im Radio zu hören ist. Normalerweise lasse ich Prominente links liegen, aber bei Friedrich K. machte ich eine Ausnahme. Denn mich interessierte, warum er kein Fernsehen mehr macht, und das, obwohl ich selbst gar keinen Fernseher mehr habe - irre, oder!?! Aber es wird noch besser. Ich kam gar nicht dazu, ihn zu fragen, warum er nicht mehr im Fernsehen präsent ist. (Später erfuhr ich im Internet, dass er eine eigene Filmproduktionsfirma hat.) Dass ich nicht dazu kam, lag daran, dass wir uns auf der Fahrt von Mitte (oder war es schon Prenzlauer Berg?), wo ich ihn abgeholt hatte, zum Flughafen nach Tegel (TXL) sehr angeregt unterhielten. Wir unterhielten uns so angeregt, dass ich ihm daraufhin einen Brief schrieb, und Friedrich K. mir diesen auch beantwortet hat. Daraufhin habe ich ihm nun zurück geschrieben, und was ich Friedrich K. zurück geschrieben habe, war folgendes:


Sehr geehrter Friedrich K.,

vielen Dank für Ihren Brief, über den ich mich sehr gefreut habe. Gefreut habe ich mich vor allem deswegen, weil Sie damit meine Idee des „Runden Tisches“ aufgreifen.  Offensichtlich haben auch Sie das Bedürfnis sich mitzuteilen, in einen Austausch zu treten. Deswegen möchte ich gerne auf Ihren Brief antworten.

Dass „Neulich habe ich im Taxi gehört ...“ bereits eine stehende Redewendung sein soll hierzulande, das wusste ich nicht. Vielen Dank auch für diese Information. Sollte es in der Tat so sein, so wäre das, so denke ich, eher ein bedenkliches Symptom als etwas, über das man sich freuen sollte, auch nicht als Taxifahrer. Und selbst wenn es so ist, so scheint es sich dabei wohl eher um eine „als ob Erfahrung“, also um eine „vermeintliche Realitätserfahrung“ oder gar um ein „allgemeineres Lamento“ zu handeln, wie Sie es nennen, was nicht wirklich ernst genommen wird, wie Ihre Zeilen es auch bestätigen.

Schade, dass Ihnen das Nietzsche-Zitat nicht gefallen hat. Churchill macht mit der von Ihnen zitierten Aussage nichts anderes als das, was Politiker bis heute tun, wenngleich rhetorisch wesentlich brillanter als es heutige Politiker vermögen: er spaltet. Denn Churchill sagt nichts anderes, als dass er bzw. das, was er vertritt, zwar nicht perfekt sei, alle anderen bzw. alles andere aber noch viel schlimmer sind und gar nicht gehen.

Sie schreiben, dass eine Taxifahrt wie ein Lotteriespiel sei. Dem stimme ich zu und füge hinzu, dass es zumindest in Berlin einem Jackpot gleicht, wieder auf denselben Fahrer zu stoßen. Dieser Umstand und die besondere, intime Situation im Taxi führen regelmäßig dazu, dass die Menschen gegenüber dem Taxifahrer meist ehrlicher sind, als sie es gegenüber Kollegen oder Freunden sein wollen bzw. können. Und da höre ich in den letzten Jahren immer öfter, dass Menschen sich mehr und mehr überlegen, wo sie was sagen, und zwar unabhängig davon, ob sie aus dem Westen oder dem Osten kommen.

Und das verwundert mich, denn es wird uns doch immer erzählt, dass wir heute alles sagen dürften. Aber gut, auch in der DDR durfte man alles sagen, man musste nur wissen wo und wann. War einem das egal, stand es einem auch in der DDR frei seine Meinung überall zu äußern, wenn man bereit war die Konsequenzen zu tragen. Das ist heute nicht anders. Heute darf man zwar alles sagen, nur nicht, dass man die AfD gewählt hat.

Sie schreiben, die DDR-Bürger hätten sich mit großer Mehrheit für die CDU entschieden. Gefühlt mag das stimmen, aber schauen wir uns die Zahlen einmal etwas genauer an. Bei der letzten Volkskammerwahl im März 1990 lag die CDU in der DDR bei 40,8%, bei der Bundestagswahl im Dezember desselben Jahres wurde sie in Ostdeutschland mit 41,8% gewählt. In der alten Bundesrepublik erhielt die Union bei derselben Wahl 44,3% der Stimmen, übrigens unverändert zum Wahlergebnis von 1987, da waren es auch 44,3%.

Die Einheit Deutschlands war die Staatsdoktrin der alten Bundesrepublik, also dem Land, in dem Sie geboren und groß geworden sind. In der DDR geborene waren automatisch Bürger der Bundesrepublik Deutschland. (In gewisser Weise galt das auch für die DDR, ich erinnere nur an den Text der Nationalhymne: „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt, lass uns dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland.“) Dass Ihnen eine Vereinigung mit Holland plausibler gewesen ist, sagt nichts über die DDR aus, sondern in erster Linie etwas über Ihre Geschichtsvergessenheit.

Sie schreiben, dass Sie keine Verwandtschaft im Osten hatten und Ihnen deshalb das Land fremd und wenig sympathisch war. Das finde ich sehr schade. Im Osten wussten viele Menschen sehr gut über den Westen Bescheid, obwohl dies umgedreht sicherlich immer einfacher war. Meine Frau zum Beispiel, sie kommt aus Kalifornien, ist mit 17 Jahren in die Sowjetunion Gorbatschows gereist, ohne jegliche Verwandtschaft dort, sondern einfach aus Interesse, aber vor allem, weil sie dem, was man ihr über das „Reich des Bösen“ erzählte, keinen Glauben schenken wollte. Und sie sollte Recht behalten, denn sie fand Leute, die  extrem gebildet waren, insbesondere was Geschichte anging.

Doch bleiben wir in unserem Land. Sie schreiben, dass Ihr „bescheidenes Heimatland“ untergangen sei. Immerhin hat es noch denselben Namen, was ich von meiner Heimat nicht sagen kann. Andererseits war es aber damals so, dass man nicht nur „Menschen geschenkt bekam“ (Menschenverachtung pur!), sondern gleich noch ein ganzes Land dazu. Und wenn Sie mit der Vereinigung nicht einverstanden waren, so hätten Sie sich „politisch organisieren und damit Wirkung erzielen“ können, wie Sie es beschreiben.

Sie schreiben: „Der Westen musste stets recht sozial daherkommen, denn ihm saß das Arbeiterparadies Osten im Nacken.“ – da gehe ich zu 100% mit. Für die Entwicklung seither in unserem Land sind wir allerdings gemeinsam verantwortlich. Beispielsweise auch dafür, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter aufgeht, auch wenn es uns „im Durchschnitt“ noch nie so gut ging wie heute. Trotzdem haben viele Menschen hierzulande ganz reale Ängste vor dem sozialen Abstieg, alleine der Rente wegen, die alles andere als sicher ist, wie uns immer erzählt wurde. Wer heute noch oben ist, will dies nach Möglichkeit auch bleiben. Niemand möchte Flaschensammler, Liferando- oder Uber-Fahrer sein, oder sich gar den Wecker stellen müssen, um die zehn Minuten nicht zu verpassen, in denen man beispielsweise Fragen im Internet beantworten kann, um wenigstens ein paar Cent zu generieren. Und wer dies tut, ist sowieso selbst dran schuld.

In meinem Taxi habe ich viel Zeit zum Nachdenken und auch zum Lesen, und das immer mehr. Steven Hill, der im April vergangenen Jahres auch Gast in meiner Radiosendung war, diagnostiziert in seinem Buch „Die Start-up-Illusion: Wie die Internet-Ökonomie unseren Sozialstaat ruiniert“ heute eine Rückentwicklung zum Feudalismus. Das spüren die Menschen und lässt sie vorsichtig werden, und leider auch die Medien hierzulande. Was bei den meisten berichtet wird, hat mit meiner Lebenswirklichkeit, und nicht nur mit meiner, rein gar nichts mehr zu tun. Denn dort geht es oft nicht mehr um irgendeine Wahrheitsfindung, sondern in den meisten Fällen nur um Besitzstandswahrung.

Sollten sie mir nicht glauben, empfehle ich Ihnen einfach mal raus zu gehen, das muss nicht im Taxi sein, und mit ganz einfachen Menschen auf der Straße und ausnahmsweise mal nicht mit „Angehörigen höherer Schichten“ zu sprechen. Die Atomisierung unserer Gesellschaft hin zu „80 Millionen Einzelstaaten“, die weder Sie noch ich wünschen, ist seit Jahren in vollem Gange. Mit dem Begriff „Gemeinwesen“ wissen die meisten heute nichts mehr anzufangen. Wer kann, zahlt keine Steuern und/oder rafft, was er kriegen kann. Und immer mehr Menschen, die mir Tag für Tag im Taxi sitzen, bereiten sich auf einen Crash vor. Der eine gräbt einen Brunnen, um seine eigene Wasserversorgung zu haben, ein anderer legt sein Geld in Edelmetallen an, weil Edelmetalle immer gehen würden, und noch ein anderer baut sein eigenes Gemüse an und hält seine eigenen Hühner, um nur drei Beispiele zu nennen. Allen gemeinsam ist, dass sie alle das Gefühl haben, dass das irgendwas mit dem Kapitalismus zu tun haben könnte, und so auch ich.

Freundlichst Ihr

TaxiBerlin

19.06.2019

"TAXES, TAXES, TAXES ... ALL THE REST IS BULLSHIT"




OK, der holländische Historiker Rutger Bregman spricht hier nicht über Taxis und auch nicht über Taxen, sondern über Steuern (0:40). Vielleicht ist das auch der Grund, warum wir seither mit Greta gequält werden und nicht mit Rutger. Ich meine, wenn die, die so gerne über ihre mildtätigen Gaben und philanthropischen Spenden reden, einfach mal das Klima retten würden, wenn sie schon keine Steuern zahlen, dann wäre doch allen geholfen: Greta, die beim selben Gipfel wie Rutger auftrat, bräuchte niemanden mehr in Panik versetzen (ihr erklärtes Ziel!), Schüler könnten wieder zur Schule gehen, und auch unsere Angela würde nicht zittern müssen, dass ihr irgendjemand den Friedensnobelpreis streitig macht.

Video TheGuardian
Text TaxiBerlin

18.06.2019

GRÄBEN VERTIEFEND SICH SORGEN MACHEN



Worüber man sich sogar große Sorgen machen darf

Die Gräben sollen tiefer werden in unserem Land. Das fordert der, dessen Fussballverein Eintracht heißt. Begründung: Man habe genug Verständnis für besorgte Bürger gezeigt. Sorgen machen darf man sich aktuell um Angela Merkel. Beim Lied der Deutschen, besser bekannt als Nationalhymne, fing sie heute plötzlich an zu zittern. Angeblich hatte sie nicht genug getrunken. Vielleicht ist es auch einfach nicht ihr Song. Man weiß es nicht. Doch zurück zu den Gräben: Als Taxifahrer bin ich gegen jegliche Gräben, denn sie bereiten mir große Sorgen. Mit einem Zittern, allerdings nur in der Stimme, fordere ich hiermit dazu auf, die unzähligen Gräben in unserer Stadt rasch zu aufzuschütten, um den permanenten Ausnahmezustand auf unseren Straßen und Plätzen zu beenden.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

15.06.2019

TRINKGELD EINFORDERN - SO WIRD'S GEMACHT


Trinkgeld ist eine Zusatzgabe, auf die man keinen Anspruch hat. Normalerweise ist mir Trinkgeld auch egal. Gestern war das anders, und das kam so: Früher war in meinem Taxi das Telefonieren verboten. Nun fahre ich seit einiger Zeit aber Luxus, und die Aufkleber, die auf das Telefonierverbot hinwiesen, sind allesamt in dem Taxi geblieben, das ich vorher fuhr. Zu hause habe ich auch keine Aufkleber mehr, ich muss erst wieder welche bestellen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich das auch wirklich machen werde. Im Moment finde ich es gerade wieder spannend zu hören, was Leute sich am Telefon so alles zu erzählen haben.

So auch gestern, als mir am Flughafen Tegel ein Franzose einstieg, der zum Potsdamer Platz wollte. Französisch finde ich eine total irre Sprache. Irre deswegen, weil französisch für meine Ohren absolut künstlich klingt, oder auch artificially wie der Angelsachse sagen würde bzw. artificiellement, so nennt es der Franzose. Der Franzose bei mir im Taxi führte, eben weil bei mir im Taxi die Verbotsschilder fehlen, gleich mehrere Telefongespräche - auf französisch, versteht sich, und ich musste sie mir nicht nur anhören, sondern auch jedes Mal meinen geliebten Mozart leise stellen.

Mozart kommt normalerweise extrem gut an bei Fahrgästen, denn er hilft ihnen beim runterkommen, was nach einer Flugreise besonders wichtig ist. Und es stimmt wirklich, nicht nur Kühe geben bei der Musik von Mozart mehr Milch, sondern Fahrgäste auch mehr Trinkgeld. Letzteres habe ich in jahrelangen Studien herausgefunden, von denen mein Fahrgast aus Frankreich allerdings nichts zu wissen schien. Denn am Ziel angekommen, wollte er mit Karte bei Null Trinkgeld bezahlen. Das ist übrigens ein beliebter Trick: Mit Karte bezahlen, sich dabei ein bisschen dumm stellen und so das Trinkgeld sparen. Leider weiß ich, wie das in den USA mit dem Trinkgeld läuft.

Bei Kartenzahlung in Taxis, so weit es sie noch gibt, und auch im Restaurant fragt dort das Gerät regelmäßig, wie viel Tip man geben möchte. Und genau das habe ich mit meinen Franzosen auch gemacht. Damit hat der Franzose in meinem Taxi natürlich nicht gerechnet, dass ich ihn direkt anspreche, wie viel Trinkgeld er geben möchte. Seine Antwort war dementsprechend kleinlaut. Sie begann mit In Frankreich ... weiter kam er nicht, denn ich erlaubte mir ihn darauf hinweisen, dass wir ja gar nicht in Frankreich sind. Danach fraß er mir aus der Hand, wie man so schön sagt. Da wollte er wissen, ob fünf Euro Trinkgeld OK sind, oder ob er besser zehn geben soll.

Da mir Trinkgeld wie gesagt ziemlich egal ist, gab ich mich mit drei Euro zufrieden. Man soll seine erzieherischen Maßnahmen auch nicht übertreiben. Und Kleinvieh macht auch in Sachen Trinkgeld Mist.

Text TaxiBerlin

14.06.2019

DER TREND GEHT ZU KEINEM BUCH


Jetzt neu im Angebot!

Es ist noch gar nicht so lange her, da stiegen mir zu vorgerückter Stunde insbesondere Männer mit einem Buch unterm Arm ins Taxi. Auf Nachfrage erklärten sie mir unisono, dass sie auf dem Weg in eine Bar seien, wo ein Buch unterm Arm extrem gut ankommt, und zwar bei Frauen. Von Männern, die mit dem Buch beeindruckt werden sollten, war in keinem Fall die Rede. Das möchte ich ausdrücklich betont haben, auch auf die Gefahr hin, dass sich jetzt der ein oder auch der andere diskriminiert fühlt. Die Wahrheit kann manchmal diskriminierend sein, wofür die Wahrheit aber nichts kann. Und überhaupt, sie Sache mit dem Buch unterm Arm hat sich auch schon wieder erledigt. Denn der allerneueste Trend geht nicht etwa zum Zweitbuch, wie manch einer dachte, sondern zu keinem Buch. Das habe ich aus obigem Buch mit dem schönen Titel "Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat" erfahren, das ab sofort in meinem kleinen Taxi-Bauchladen käuflich erworben werden kann.

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13.06.2019

EIN ABEND MIT VAN MORRISON


"Van The Man"

Der Rote Teppich klebt seit einiger Zeit regelrecht an meinen Sohlen, und ich werde vom Glück verfolgt. So auch gestern Abend. Da war ich zum ersten Mal in der Mercedes-Benz-Arena, in die ich nie wollte, aber man soll bekanntlich niemals nie sagen. Mein alter Freund Van von der Insel, mein Taxilehrer hätte ihn damals, als ich bei ihm für den Taxi-Schein lernte, deswegen wohl einen "Insel-Affen" genannt, hatte mich eingeladen mit ihm den Abend zu verbringen. Die meiste Zeit waren wir dann aber doch getrennt: Er auf der Bühne und ich in seiner Suite. Ein Kollege, der sich mit "Van The Man" etwas auskennt, hatte mich gewarnt. Wenn Van schlechte Laune hat, und die hat er fast immer, sei er nicht auszuhalten. Deswegen wollte er nicht ins Konzert gehen, das sei ihm "zu unsicher". Was der Kollege aber nicht wusste, war, dass das Konzert umso besser ist, je schlechter die Laune von Van. So war es auch gestern, und umso mehr schätzte ich die räumliche Trennung von Van: Ich in seiner Suite und er auf der Bühne. In die Mercedes-Benz-Arena kriegen mich trotzdem keine tausend Roten Teppiche mehr. Selten so ein seelenloses Ambiente erlebt, wo man noch Sekunden vor Konzertbeginn von großflächiger Werbung mittels Leuchtreklame genervt wird. Hätte nur noch gefehlt, dass man die Reklame auch noch während des Konzertes anlässt. Da hätte ich "Van The Mans" Laune erleben wollen! Vielleicht wäre das Konzert dann sogar noch besser geworden - wer weiß?!?

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12.06.2019

VON WEIBERN UND VON MÄNNERN, VOM PAPST UND VOM MINISTER, UND DASS ES KRIEG GEBEN WIRD - ENTSCHULDIGUNG FÜR DIE STÖRUNG



Die Weiber werden immer männlicher und die Männer immer weibischer. Das meinte neulich mein Fahrgast. Er sagte ganz bewusst nicht weiblicher, sondern weibischer. Das ist ein Unterschied! Beides geht wohl, zumindest zeigt mir mein Schreibprogramm keinen Fehler an. Gegen die Gendertheorie, nach der das Geschlecht ein soziales Konstrukt sein soll, hat sich aktuell auch der Papst ausgesprochen, weswegen er jetzt auch in die Schusslinie geraten ist. Um in die Schusslinie zu geraten, dazu bedarf es heute wenig. Das bekam gerade auch unser Aussenminister zu spüren. Nach seiner Reise in den Iran warf der Spiegel, ausgerechnet der Spiegel, dem Minister vor, zu wenig getan und zu spät reagiert zu haben. Aber was soll der Mann, vorausgesetzt er ist überhaupt einer, auch tun, wenn der Amerikaner einseitig einen Vertrag aufkündigt, nur um einen Krieg anzuzetteln. Da war sich übrigens mein Fahrgast sicher, also der mit den Männern und den Weibern, dass es Krieg geben wird. Der Amerikaner kann einfach nicht ohne. Oder sollte man besser der Kapitalismus sagen? Das würde erklären, warum unser Aussenminister so regiert reagiert hat, wie er halt reagiert hat. In der Schusslinie ist auch nicht wirklich der Aussenminister, sondern der Iran, genauer: das Öl im Iran. Dass es auch anders geht, hat ein früherer Aussenminister bewiesen, der zum Amerikaner sagte, dass er nicht überzeugt sei vom Krieg führen. Kriege hat auch er dann aber trotzdem noch jede Menge geführt, der grüne gute Mann. Allesamt übrigens illegale - aber das nur nebenbei. Warum unser Aussenminister heute nicht dasselbe zum Amerikaner sagte, könnte daran liegen, dass er niemanden kopieren möchte. Quatsch, meinte mein Fahrgast, der ist einfach nur weibisch.

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11.06.2019

AUF BERLIN SCHEIßEN


Hier kann man es

Berlin war einmal MEINE Stadt. Seit einiger Zeit geht mir Berlin nicht nur auf die Nerven, sondern auch am Arsch vorbei. Heute ist Berlin nur noch mein Büro. Ich selbst befinde mich im Absprung. Wo die Reise hingehen wird und vor allem, wie es dazu kam, dass ich mittlerweile auf Berlin scheiße, das erfährst du in der nächsten Ausgabe von "Hier spricht TaxiBerlin". Die ist am 27. Juni um 19 Uhr auf Pi-Radio. In Berlin ist Pi-Radio unter 88,4 MHz zu empfangen, in Potsdam unter 90,7 MHz und weltweit im Internet als Live-Stream unter piradio.de. Ich kündige die Sendung jetzt schon an, damit sowohl ihr als auch ich genug Zeit haben, uns darauf vorzubereiten. Ich, um meine Argumente gegen Berlin zu bündeln, und ihr, um all das zu sammeln, was immer noch für Berlin spricht. Denn ihr könnt mich anrufen, und wir können am Telefon, nein, nicht streiten, und auch nicht einander zu überzeugen versuchen, sondern einfach nur zuhören. In meiner Sendung halte ich es wie in meinem Taxi. Dort darf man zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen, sogar die Wahrheit. Was das Telefonieren angeht, da mache ich mal eine Ausnahme, denn die Sendung soll eine Art Runder Tisch werden, an dem sich jeder per Telefon beteiligen kann. Die Nummer vom Studio gebe ich in der Sendung bekannt. Vergiss nicht einzuschalten!

Foto&Text TaxiBerlin

10.06.2019

"ICH BIN TOTAL ABGEFUCKT"


Sie war extra aus Bremen angereist, ich sah sie noch im Taxi vom Kollegen vorfahren, um wenige Minuten später von mir und meinem Taxi zurück zum Bahnhof gebracht zu werden. Ihr "Bockschein" sei abgelaufen, habe man ihr gesagt, sie müsse am Dienstag zum Arzt. Hierbleiben konnte sie nicht, denn "Nur Bares ist Wahres", und genau das hatte sie nicht, denn ohne "Bockschein" konnte sie nicht arbeiten im Artemis. "Ich bin total abgefuckt" waren die genauen Worte des jungen Mädels aus Bremen. Geld für die Taxifahrt war vorhanden und auch noch fünf Euro fürs Trinkgeld obendrauf. Fazit: Ist der Fahrgast abgefuckt, ist der Taxifahrer nicht automatisch angepisst.

Text TaxiBerlin

09.06.2019

ICH EMPFEHLE DEN FLUGHAFEN


Umso früher desto besser

Zu Pfingsten passt mal wieder kein Blatt zwischen all den Besuchern, die uns Jahr für Jahr mehr und mehr gnadenlos heimsuchen, um uns dann hier nur im Wege rumzustehen, indem sie die meiste Zeit völlig blöde auf ihr Smartphone starren, was sie mindestens genauso gut zu hause, also in vertrauter Umgebung tun könnten, wenn nicht besser. Gnadenlos deswegen, weil wir Berliner nie gefragt worden sind, ob wir der Ballermann an der Spree, ein Disney-Land für "Erwachsene", sein wollen. Dieser Volksentscheid steht noch aus:

"Liebe Berliner und Berlinerinnen, sind Sie damit einverstanden, dass wir aus Ihrer Stadt einen einzigen Riesen-Zoo machen? Ja oder Nein!"

Kann mir kaum vorstellen, dass sich da ein Mehrheit für Ja findet. Derzeit ist ein solcher Volksentscheid noch Zukunftsmusik. Ich gehe schon mal mit gutem Beispiel voran und setze damit einmal mehr einen neuen Trend. Denn im Leben kommt es nicht darauf an, einem Trend hinterher zu laufen, sondern einen Trend zu setzen! Auf die Frage, was ich ihnen empfehlen kann, sage ich meinen Fahrgästen den Flughafen. Ob du es glaubst oder nicht: Es kommt extrem gut an!

Foto&Text TaxiBerlin

08.06.2019

NACHTRAG ZUR TAXIDEMO AM DONNERSTAG


Am Senatorinnen Fenster

Die Zeitungen schrieben von ein paar hundert wütenden Taxifahrern, die vor der Tür von Verkehrssenatorin Günther demonstriert hätten. Damit war sogleich der Ton gesetzt, denn wer will schon wütend sein heutzutage. In einer Zeit, in der der Wutbürger als Feindbild gleich nach dem besorgten Bürger kommt. Senatorin Günther, die selbst nicht anwesend war, gab später Versäumnisse bei der Kontrolle von Uber&Co zu. Was sie in Zukunft besser machen will, sagte sie nicht. Also wird wohl alles beim Alten bleiben. Die Demo wurde von einem Zwischenfall überschattet. Eine Person, die die Taxi-Prüfung nicht bestanden hatte und heute vermutlich für Uber fährt, schlug auf seinen Prüfer ein. Fazit: Selbst dran Schuld - also der Prüfer jetzt.

Foto&Text TaxiBerlin

06.06.2019

HEUTE HIGH NOON AM KÖLLNISCHEN PARK


High Noon ist beim Amerikaner um zwölf Uhr Mittags, also gleich. Da beginnt die nächste Taxi-Demo unter dem zu Amerika passenden Motto "Stoppt den Uber-Wild-West", diesmal am Köllnischen Park 3, direkt vor der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Ob die zuständige Senatorin anwesend ist so kurz vor Pfingsten und bei dem schönen Wetter, darf bezweifelt werden. (Möglicherweise rettet sie gerade zusammen mit Greta das Klima.) Immerhin hat sie sich nicht selbst zur Demo eingeladen, wie das Verkehrsminister Scheuer letztens getan hat. Scheuer muss sich offensichtlich so sicher sein, wie die offiziellen Medien über ihn berichten, nämlich als Held, der sich herablässt zu den dummen Taxifahrern zu sprechen, die es nur noch nicht begriffen haben (genauso wie die Medien heute halt selbst so arbeiten), dass er sich letztens selbst zu unserer Demo eingeladen hat. Das ist bei Verkehrssenatorin Günther nicht zu erwarten - immerhin.

Mein Slogan für heute: Uber - Schlimmer als die Verarmung ist nur die Verarschung!

Text TaxiBerlin

05.06.2019

"UBER-FAHRER NICHT WILLKOMMEN!", DENN "DIESES GESCHÄFT IST VORBEI. ES EXISTIERT NICHT MEHR."


Hierzulande ist man eher schlechte Nachrichten aus Ankara und London gewohnt. Das muss nicht sein, denn es gibt auch Positives aus beiden Metropolen zu berichten. Es ist letztendlich wie mit den Menschen. Niemand ist ausschließlich nur schlecht. In London beispielsweise gibt es eine kleine Kantine mit dem schönen Namen "Cabmen's Shelter", was auf deutsch so viel heißt wie des "Taxifahrers Zuflucht", wo Uber-Fahrer nicht willkommen sind. Das "Cabmen's Shelter" ist aber nicht einfach nur eine Kantine, sondern auch eine kleine Berühmtheit. Das liegt einerseits an der attraktiven Kate Simmonds, die des "Taxifahrers Zuflucht" betreibt, und deren Vater seit 55 Jahren in London Taxi fährt, und andererseits daran, dass Uber-Fahrer dort nicht willkommen sind. Sieben Jahre stand Kate auf der Warteliste, bevor sie ihr "Cabmen's Shelter" vor fünfeinhalb Jahren eröffnen konnte. Nicht ganz so lange hat es gedauert, aber immerhin auch vier Jahre von 2014 bis 2018, bis Uber in der Türkei verboten wurde. Begründet wurde das Verbot folgendermaßen: Wir haben unser eigenes Taxi-System. Und: Wir entscheiden selbst!

Text TaxiBerlin

03.06.2019

EXIT STRATEGIE NUMMER EINS


Das Ende ist nah

Mangels Kundschaft habe ich immer mehr Zeit in meinem Taxi, die ich vorzugsweise zum Nachdenken nutze. Das Nachdenken wird, das ist zumindest meine Beobachtung, weitgehend unterschätzt heutzutage. Man muss beim Nachdenken aber auch vorsichtig sein, wie ich ganz aktuell feststellen musste. Da habe ich mal wieder darüber nachgedacht, was es für Alternativen zum Taxifahren gibt. Das Taxifahren ist, im Gegensatz zu vielen anderen Dingen hierzulande, nicht alternativlos. Die Frage ist viel mehr, ob die Alternative zum, oder auch Exit-Strategie vom Taxifahren, wirklich nachhaltig ist. Die Nachhaltigkeit ist leider etwas in Vergessenheit geraten. Es ist noch gar nicht so lange her, da musste alles und jedes nachhaltig sein. Von Nachhaltigkeit spricht heute keiner mehr, und im Zusammenhang mit Uber, dem Feind aller ehrlichen Taxifahrer, schon gar keiner. Beim Nachdenken kam ich nun auf eine Idee, bei der ich mich frage, ob es sich um eine klimaverträgliche Exit-Strategie handelt. Übrigens, fällt mir gerade ein: Mit dem Klima, wovon heute alle sprechen, verhält es sich möglicherweise ganz ähnlich wie mit der Nachhaltigkeit, wovon gestern noch alle sprachen, aber das wissen wir erst morgen. Heute hatte ich nun die Idee ins Filmgeschäft einzusteigen. Das muss nicht zwingend auf Ibiza sein. Ibiza ist diesbezüglich "verbrannte Erde", wie der Fachmann vom Film sagt. Ich dachte mehr an Osteuropa, ist auch billiger als Ibiza. Und ist der Film erstmal im Kasten, muss man nur noch warten. Warten ist neben dem Alleinsein eine Kernkompetenz eines jeden echten Taxifahrers. Bei diesen Filmen kann das allerdings schon mal zwei Jahre dauern, bis jemand sie braucht. Das ist ein klein wenig mehr Zeit als die übliche Wartezeit im Taxi, weswegen ich für die Zwischenzeit eine weitere Exit-Strategie brauche. Ich muss, ob ich will oder nicht, am Thema Alternative zum Taxifahren dranbleiben.

Text TaxiBerlin

01.06.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN # 35 NOCH EINMAL ZUM NACHHÖREN




Heutzutage wollen die Leute immer alles nachhören. Das liegt daran, dass man heute eine Sendung nicht einfach mehr im Radio hört, wenn diese dort live ausgestrahlt wird, warum auch immer. (Als nächstes werden die Leute ihr Leben nachleben wollen, aber das ist noch Zukunftsmusik.) Man kann heute ohne Übertreibung von einer Diktatur der Nachhörer sprechen, der auch ich mich beugen muss. Deswegen veröffentliche ich heute noch einmal die letzte Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin", es war bereits die fünfunddreißigste. Mein Studiogast war der Berliner Maler und Autor Raymond Unger, der die Sendung ohne Musik (und auch ohne Werbeunterbrechungen) ins Netz gestellt hat. Eine Sache habe ich in der Sendung vergessen zu erwähnen, was ich an dieser Stelle nachholen möchte und zwar den Dank an die Person, die mich auf die Bücher und Vorträge meines Studiogastes Raymond Unger aufmerksam gemacht. Vielen Dank, meine liebe Alice im fernen Rumänien, meine erste große Teenager-Liebe, aus der leider nichts werden konnte, denn dein Vater war bei der Stasi, und ich hatte zu viel West-Verwandtschaft, darüber hinaus habe ich noch zu viel von Trotzki und Anarchie gesprochen, woran du mich neulich noch einmal erinnert hast. Vielen Dank auch dafür!

PodCast RaymondUnger
Text RumenMilkow aliasTaxiBerlin