31.05.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #35 ZUM NACHHÖREN




Wer die gestrige Sendung verpasst hat, der kann sie hier nachhören. Mein Studiogast war der Maler und Autor Raymond Unger, der auch schon Taxi gefahren ist. Auch deswegen haben wir uns am Anfang, sozusagen zum warm werden, übers Taxifahren unterhalten. Danach ging es weiter mit "Kunst und Künstlersein". Das Kunstverständnis meines Gastes ist ein "selbstkonfrontatives" im Sinne von Joseph Beuys, falls den heutzutage überhaupt noch jemand kennt.

Ein "selbstkonfrontativer" Künstler sei niemals Egoist, da ist sich Raymond sicher. Das mag für Beuys zutreffen, der übrigens für die Grünen ins Parlament wollte, woraus aber nichts wurde. Man hat ihn bei den Grünen einfach nicht gewählt, wohl weil er bereits damals umverteilen wollte, und zwar von Oben nach Unten. Ein Lehrstück für alle grünen Wähler heute. Was den Künstler angeht, so kannte ich bisher ausschließlich den egoistischen - bis zur gestrigen Sendung!

Ob man Taxifahren auch als Kunst betreiben kann, wie ich es jeden Tag immer wieder auf's Neue versuche, das konnte mir mein Gast auch nicht sagen. Ich tue diesbezüglich jedenfalls mein bestes, will sagen: Ich fahre höchst "selbstkonfrontativ" Taxi und versuche auch immer weniger Egoist zu sein. Empathie hilft dabei ungemein.

Das nächste Thema waren die "Kriegskinder und Kriegsenkel". Raymond ist "bekennender" Kriegsenkel - und ich seit gestern auch. Dass sich die Kriegsenkel im "Traumaschatten" ihrer Eltern, den Kriegskindern, befinden, darüber besteht mittlerweile kein Zweifel mehr. Warum diese allgemein anerkannte Erkenntnis ausgerechnet seit der "Willkommenskultur" umgedreht, also von den Füßen auf den Kopf gestellt wurde, darüber kann man nur Vermutungen anstellen.

Ach so, das wichtigste hätte ich fast vergessen. Seit seinem letzten Buch "Die Wiedergutmacher" wird Raymond gerne in die rechte Ecke gestellt. Das führt dazu, dass er von Öffentlich/Rechtlich nicht mehr eingeladen und von Spiegel&Süddeutsche nicht mehr befragt wird. Ein Grund mehr für mich, ihn in meine Sendung einzuladen. Denn meine Lebenserfahrung sagt mir, dass wenn jemand Etiketten und Schubladen braucht, dies mehr über ihn selbst aussagt als über den, dem er ein Etikett aufklebt und/oder in eine Schublade steckt.

Podcast HearThis
Text TaxiBerlin

29.05.2019

MORGEN: HIER SPRICHT TAXIBERLIN # 35


Das Goldene Kalb - Kunst oder keine Kunst?

Am morgigen Himmelfahrtstag gibt es die neueste Ausgabe von "Hier spricht TaxiBerlin". Wenn die Statistik von Pi-Radio stimmt, dann ist es die fünfunddreißigste, die wie gehabt um 19 Uhr beginnt und live aus dem kleinen Kellerstudio in der Lottumstraße im Prenzlauer Berg gesendet wird. Aber nicht nur das! Einmal mehr habe ich keine Kosten und vor allem keine Mühen gescheut und DEN Studiogast der Stunde eingeladen. DER Studiogast der Stunde deswegen, weil alle über ihn sprechen. Er ist Künstler, Therapeut, Autor und Taxifahrer, wenngleich ein gewesener. Mit dem Taxifahren ist es wie mit dem Radfahren: einmal gelernt verlernt man es nicht wieder. So werden wir mit dem Thema Taxifahren beginnen, es dann aber sogleich wieder zur Seite legen, denn wir haben wichtigeres zu besprechen.

Als Künstler gehört mein Studiogast nicht zu denen, die erst eine Marktanalyse machen müssen, bevor sie überhaupt einen Finger für die Kunst krümmen. "Selbstkonfrontative Kunst" ist sein Kunstverständnis, nach dem sich der Künstler auf seine ganz persönliche "Heldenreise" begibt, um überhaupt Künstler sein zu können. Mein Studiogast ist aber nicht nur Künstler, sondern darüber hinaus auch bekennender "Kriegsenkel". Die "Kriegsenkel" stehen immer noch etwas im Schatten der "Kriegskinder", wobei man dazu sagen muss, dass die "Kriegskinder" noch viel länger nicht nur im Schatten, sondern in einer ziemlich dunklen Ecke standen.

In eine solche dunkle Ecke versucht man nun aktuell auch meinen Studiogast zu stellen, der zum Glück auch Therapeut ist. Eine alte therapeutische Weisheit sagt: Was A über B sagt, sagt mehr über A als über B. Im Falle von meinem morgigen Studiogast, sein Name ist Raymond Unger, bedeutet das, wer anderen Etiketten aufklebt oder sie gar in Schubladen steckt, braucht offensichtlich Etiketten und Schubladen, um im Leben klar zu kommen. Ich halte es damit in meiner Sendung genauso wie bei mir im Taxi, in dem man zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen darf - sogar die Wahrheit.

Foto&Text TaxiBerlin

28.05.2019

DIE BEDEUTUNG DER RAUTE


Neulich auf der Vernissage

Kunst heutzutage kann Alles und Nichts bedeuten. (In der Regel bedeutet Kunst heute rein gar Nichts mehr.) Mit der Raute ist es genauso, zumindest dachte ich das bisher. Neulich nun wurde ich aufgeklärt beziehungsweise eines besseren belehrt. Das geschah auf einer Vernissage, zu der mich ein Fahrgast eingeladen hatte. Ich werde in letzter Zeit immer öfter zu Kunst und Kultur eingeladen. An manchen Tagen treibe ich mich mehr in Ateliers und Studios als in meinem Taxi herum. Das liegt vor allem daran, dass die Künstler heutzutage immer unsicherer werden, ob ihre Kunst überhaupt noch verstanden wird. Die meiste Kunst versteht heute niemand mehr, nicht einmal der Künstler selbst. Das ist leider auch wahr. Mit der Raute ist das anders, obwohl sie nicht von jedem verstanden wird.

Foto&Text TaxiBerlin

25.05.2019

TAXIBERLIN FÄHRT LUXUS NOCHMAL


Seitdem ich den Lexus fahre, höre ich kein Radio mehr sondern nur noch meine Klassik-CDs, was vor allem daran liegt, dass ich sie in dem Taxi, das ich zuvor gefahren bin, nicht hören konnte, weil dort der CD-Player kaputt war, und mein Chef ihn nicht reparieren wollte, weil das zu teuer ist, denn heutzutage muss man da immer gleich die gesamte Konsole erneuern. Heute wird ja nichts mehr repariert, sondern nur noch ausgetauscht. Es kommt der Tag, am dem das gesamte Auto ausgetauscht wird, weil eine einzige Schraube fehlt.

Aber ich wollte über das Radio schreiben, das ich nicht mehr höre. Ich vermisse es nicht. Ganz im Gegenteil: Klassik beruhigt ungemein die Nerven. Und die Zeiten sind so nervös geworden, dass das auch bitter nötig ist. Das liegt daran, dass das Meinungs- und insbesondere das Empörungsmanagement so perfekt funktioniert heutzutage. Und überhaupt, was da so im Radio berichtet wird, hat mit meiner Lebenswirklichkeit rein gar nichts mehr zu tun. Meinen Fahrgästen geht es ganz genauso. Erst einmal genießen auch sie die klassische Musik, die auch ihre Nerven beruhigt. Darüber hinaus haben Radio, Fernsehen und Zeitungen auch mit ihrem Leben nichts mehr zu tun.

Im Prinzip reicht heute ein Hundertjähriger Kalender, ach was sage ich, ein Tausendjähriger tut's auch. 
Text TaxiBerlin

23.05.2019

DER RUSSE WAR'S! - ODER DOCH NICHT?


Heute beginnt meine Arbeitswoche, welche bis Sonntag geht, wenn gewählt wird. Ehrlich gesagt ist mir nicht klar, worüber abgestimmt werden soll. Geht es mal wieder um die maximal erlaubte Krümmung der europäischen Gurke? Oder will man sich nun endlich mal an wirklich wichtige Dinge heranwagen, wie beispielsweise einen einheitlichen Steuersatz, damit in Zukunft nicht alle großen Firmen zum Schein - Neu-Deutsch: Fake! - in Irland gemeldet sind, wo sie praktisch keine Steuern zahlen müssen. Irgendjemand scheint mir richtig Angst zu haben, dass die Leute sich am Sonntag verwählen könnten. Wer genau das ist, das weiß auch ich nicht. Was sicher ist, dass dieser jemand erreicht hat, dass ein Video veröffentlicht wird, das bereits zwei Jahre alt ist. Die Angst muss wirklich sehr groß sein. Und keiner weiß, wer dahinter steckt. In dem Video treten Russen auf, so dass der Verdacht nahe liegt, dass der Russe mal wieder eine Wahl beeinflussen will. Nicht Neues also, aber warte mal, das in dem Video, das sind doch gar keine echten Russen, oder? Der Russe ist es also nicht, der da mal wieder Wahlen beeinflussen will. Aber wer dann? Bis Sonntag ist noch etwas Zeit, genau dies herauszufinden.

Text TaxiBerlin

22.05.2019

DUMME FRAGEN - ES GIBT SIE


Neulich wurde ich von einem Kollegen auf eine Sendung bei Radio Eins hingewiesen, die mir entgangen wäre, weil ich seit einiger Zeit kein Radio Eins mehr höre. Es war "Die Blaue Stunde" vom 12.05., in der der Kollege Sven Maaß zu Gast bei Serdar Somuncu war. Sven Maaß fährt schon ziemlich lange Taxi in Berlin, um genau zu sein sind es 27 Jahre, in denen er auf den Berliner Straßen und auch Plätzen unterwegs ist, also zwei Jahre länger als ich. So gesehen war die Wahl von Sven Maaß nicht die schlechteste. In der Sendung ging es, wie sollte es anders sein, auch um das Thema Uber. Hier hätte ich mir nun einen kompetenteren Gesprächspartner als Sven Maaß gewünscht. Warum Serdar, der sonst immer nur die kompetentesten Gäste in seine Sendungen einlädt, ausgerechnet beim Thema Taxi vs. Uber von dieser Routine abweicht, bleibt sein Geheimnis.

Es gibt keine dummen Fragen, so sagt man, und in der Regel stimmt das auch. Wie überall gibt es aber auch hier Ausnahmen von der Regel. Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Eine solche Ausnahme war, so denke ich, die Fragen von Serdar an den Kollegen Maaß, warum er nicht für Uber fahren würde, und ob es dafür, jetzt kommt das beste, dass er nicht für Uber fährt, "ideologische Gründe" gäbe.

Ich frage mich nun, was es für "ideologische Gründe" gibt, dass nicht wenigstens Öffentlich/Rechtlich, in dem Fall Radio Eins, das Thema Taxi vs. Uber ausgewogen darzustellen in der Lage ist. Immerhin bin ich in meiner Entscheidung bestätigt worden, dass es offensichtlich richtig war und ist, kein Radio Eins mehr zu hören. Der Kollege, der mich auf die Sendung aufmerksam machte, hört übrigens auch kein Radio Eins mehr. Darüber hinaus, und das fand ich wiederum witzig, nannte er Serdar Karl Eduard von Somuncu. Dass er die Sendung kannte, obwohl auch er kein Radio Eins mehr hört, lag daran, dass ihn jemand anders darauf aufmerksam gemacht hatte - immerhin.

Text TaxiBerlin

21.05.2019

VOM VERDICHTEN UND VERDAMPFEN


Die Straßen sind voll (wenn sie nicht gesperrt sind), genauso die Öffentlichen (wenn sie denn fahren), die Bürgersteige auch (voll mit Robotern in Menschengestalt), und ebenso die Wohnungen in Berlin. Der Fachbegriff dafür ist "Verdichten". Wir werden verdichtet, und das ausnahmslos. Nur, was kommt danach, nach dem "Verdichten"? Diese Frage beschäftigt mich schon seit einiger Zeit. Wo mag das "Verdichten" wohl hinführen? Was macht dieses "Verdichten" mit uns? Und was kommt wohl als nächstes? Immer mehr komme ich zu dem Schluss, dass nach dem "Verdichten" das "Verdampfen" kommt. Der Fachbegriff fürs "Verdampfen" ist übrigens "Vaporisieren". Aber wie dem auch sei, die Frage der Zukunft wird lauten: Wirst du noch verdichtet oder wurdest du bereits vaporisiert sprich verdampft?

Text TaxiBerlin

20.05.2019

SCHÖNER WOHNEN IN SPANDAU


Der große Schweiger von Spandau

Neulich war ich in Spandau, allerdings nicht mit dem Taxi, sondern privat. Taxifahrten nach Spandau gibt es nicht mehr, allenfalls innerhalb Spandaus. Und so bin ich mit den Öffentlichen hingefahren. Die Öffentlichen sind in letzter Zeit einer Verslummung anheim gefallen. Wer es noch nicht mitbekommen hat, dem empfehle ich unbedingt eine Fahrt mit den Öffentlichen. So gesehen war die Fahrt mit den Öffentlichen ein guter Einstieg für Spandau. Dort wird seit einiger Zeit mit Eiern und auch mit Kot geworfen. Gut, nicht überall. Die Falkenhagener Straße ist diesbezüglich zweifellos ein Hot-Spot. Aber möglicherweise auch nur der Anfang. Ganz sicher ist es aber nicht, denn Tyson-Ali schweigt sich aus. Für mich der Höhepunkt in dem Film. Einen Tyson-Ali gibt es bei mir im Kiez (noch) nicht. Dafür tragen sie hier schon mal ganz ähnliche Bärte wie Abdulkadir Osman, wie Tyson-Ali mit bürgerlichem Namen heißt. Ich bin gespannt, was als Nächstes passiert in dieser Stadt. Die Sache bleibt spannend.

Text TaxiBerlin

19.05.2019

TAXIBERLIN FÄHRT LUXUS


Heute bin ich mit einem teuren Lexus-Taxi unterwegs. Wie teuer genau der Luxus ist, kann ich nicht sagen. Es interessiert mich einfach nicht. Ein Auto muss vor allem Eines: Fahren! Und das tut der Lexus, den ich gestern schon mal Probe fahren durfte. Ein wenig viel technischen SchnickSchnack hat so ein Lexus. So geht der Fahrersitz bei jedem Ausschalten des Motors in seine Grundposition zurück. Automatisch - versteht sich! Außerdem muss man beim Parken den Steuerknüppel manuell in die Parkposition schieben, wo man beim Prius nur einen Knopf drücken muss. Immerhin geht der CD-Player. Alle anderen Veränderungen sind für mich so schlimm, dass ich, ginge es nach mir, auf den Luxus scheißen würde. Aber ich bin nun einmal so lange dabei, was soll ich machen? Ich bin auf meiner Karriereleiter so weit nach Oben gestiegen bin, dass für mich die Luft langsam eng wird. Was kommt wohl als nächstes? Vielleicht, hm, ein Maybach?

Text TaxiBerlin

18.05.2019

VON DER KIMADEMO ZUM BILLIGFLIEGER


Gestern hatte ich drei von diesen jungen Klimaaktivisten an Bord. Los ging die Fahrt in der Invaliden (Nomen ist Omen) zum Flieger nach Tegel und dann weiter in die Sonne. Mallorca glaube ich, war das Reiseziel. Demonstrieren strengt eben auch an, insbesondere für's Klima. Denn das Klima ist eine ernste Sache. Davon muss man sich auch erholen dürfen. Was das Dürfen angeht, so meinte Kollege Nietzsche seinerzeit, dass es ein Fehler sei, dass ein jeder lesen lernen darf, weil das auf die Dauer nicht nur das Schreiben, sondern auch das Denken verdirbt. Ich erlaube mir hinzuzufügen, dass es auch ein Fehler ist, dass ein jeder reisen darf, weil das Reisen, wie es heutzutage betrieben wird, leider zum selben Ergebnis führt.

Text TaxiBerlin

17.05.2019

NAZI DARF MAN IHN (NOCH) NICHT NENNEN


Er mäandere am rechten Rand, war eine Beschreibung im Radio, die mich neulich im Taxi aufhorchen ließ. Aufhorchen deswegen, weil ich mir sogleich versuchte vorzustellen, wie jemand am rechten Rand mäandert. Dabei fiel mir besonders schwer, mir das mäandern vorzustellen. Was den rechten Rand angeht, da fragte ich mich, warum man ihn, der da mäandern soll, nicht einfach Nazi nennt. Das ist ja seit einiger Zeit so üblich geworden, sozusagen ein Reflex. Ganz ähnlich dem Pawlowschen Reflex, wo dem Hund bereits der Speichel läuft, obwohl nur eine Glocke geläutet wurde, aber ihm noch kein Essen serviert wird. Dass man ihn nicht einfach Nazi nennt, muss daran lieben, dass die Person, die am rechten Rand mäandern soll, Jude ist. Obwohl, theoretisch ist auch das möglich. Ein Jude, der am rechten Rand mäandert. Wahrscheinlich kommt das als Nächstes: Der jüdische Nazi oder der Nazi-Jude, der am rechten Rand mäandert.

Es bleibt spannend.
Text TaxiBerlin

15.05.2019

DAS MYSTERIUM DES BULGARISCHEN DUDELSACKS (GAIDA)


Der Jimi Hendrix des Bulgarischen Dudelsacks

Morgen Donnerstag wird es gelüftet, "Das Mysterium des Bulgarischen Dudelsacks", und du kannst dabei sein. Ab 20:30 Uhr im "Haus der Sinne" in der Ystader Straße 10 im schönen Prenzlauer Berg. Da es mit dem Taxi zu Ende geht, habe auch ich mir eine Nische suchen müssen. Ich bin jetzt der lokale Manager vom "Jimi Hendrix des Bulgarisches Dudelsacks". Als solcher habe ich dem "Derwisch" bzw. "Troubadour", wie sich der beste bulgarische Gaidaspieler (Gaida = Dudelsack) auch nennt, am Sonntag auf dem Flohmarkt ein Paar "neue" Schuhe gekauft. Die wird er aber morgen nicht tragen, denn er spielt barfuß. So viel kann ich schon mal über "Das Mysterium des Bulgarischen Dudelsacks" verraten. Den Rest findest du selber heraus.

Foto&Text TaxiBerlin

13.05.2019

TAXIBERLIN IM BULGARISCHEN FERNSEHEN



Sendung vom 1. Mai 2019

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land, das ist bekannt. In Bulgarien hat man meine Fähigkeiten erkannt, was keine Überraschung ist. Wenn jemand den nächsten Crash überlebt, dann wird dies ein Bulgare sein. Ich schreibe das, weil das aus obiger Sendung raus geschnitten wurde. Ansonsten hat man mich aber machen lassen, was ich wollte, was beim Fernsehen so gut wie nie vorkommt. Zuerst geht es um den von mir beim Wieser-Verlag im österreichischen Klagenfurt herausgegebenen bulgarischen Klassiker "Bai Ganju, der Rosenölhändler", von dem sogleich ein kurzer Filmausschnitt (6:45) eingespielt wird. Danach geht es um das Thema Esel (19:05), und dass der Esel, obwohl er beispielsweise auch in Orwells "Farm der Tiere" das klügste Tier ist, selbst in Bulgarien am Aussterben ist. Dann kommt der beste bulgarische Dudelsackspieler Peter Bonev (23:36) zu Wort, auch bekannt als "Jimi Hendrix des bulgarischen Dudelsacks", der am Donnerstag im "Haus der Sinne" im Prenzlauer Berg sein Berlin Konzert geben, und heute Abend bereits bei Charlottes Blue Moonday Jazz Session in Neukölln eine kleine Kostprobe seines Könnens geben wird. Zum Schluss backt die Gastgeberin Gergana, ein echter Profi, für uns noch eine traditionelle bulgarische Banitza (ab 28:50). Mit von der Party ist meine Partnerin und Kollegin Layne Mosler, besser bekannt als TaxiGourmet, die Gergana beim Backen nicht nur zur Hand geht (ich mache den Tee), sondern auch ganz phantastisch dieses verrückte bulgarisch spricht und last but not least ein ganz geheimes Geheimnis (??:??) verrät, das dann wieder auf englisch.

Film BulgarischesTv
Text TaxiBerlin

12.05.2019

"ICH FICK DEINE MUTTER!" ZUM MUTTERTAG


Pünktlich zum Muttertag habe ich mir erlaubt, zwei Söhne, so wie ich mit Migrationshintergrund, einer Mutter, wenngleich einer anderen, anzusprechen. Der erste Sohn fuhr mit seinem blauen BMW auf der Fahrbahnmitte und zwang mich damit rechts ran zu fahren und letztendlich anzuhalten. Warum er dies tat, kann ich nur vermuten. Wahrscheinlich damit endlich mal jemand seinen BMW wahrnimmt. Ich erlaubte mir ihn, der auch abbremsen musste, im vorbei fahren zu fragen, ob er denn nicht wisse, dass sein Wagen so breit nun auch wieder nicht wäre, wenngleich es wie gesagt ein BMW war. Der andere Fall war sogar ein Kollege, wohl eher "Kollege", der an einer roten Ampel zufällig neben mir stand, und der den Moment nutzte, sich eine Zigarette anzuzünden. Ihn, ebenfalls Sohn einer Mutter, aber auch einer anderen, erlaubte ich mir darauf hinzuweisen, dass sein Taxi doch ein Nichtrauchertaxi sei. Beide Söhne einer Mutter verband, dass sie äußerst unfreundlich auf meine freundschaftliche Ansprache reagierten. Selbstkritik war nicht unbedingt ihre Stärke. Auf jeden Fall fanden beide nach nur wenigen Sätzen zu obiger Aussage unbedingt mit Ausrufezeichen am Ende. Das Ausrufezeichen ist möglicherweise sogar das wichtigste an der ganzen Aussage. Denn, warum beide ausgerechnet meine Mutter ficken wollten, die sie doch gar nicht kennen, darauf wusste keiner von ihnen eine Antwort.

Text TaxiBerlin

11.05.2019

"TAXIKILLER" UBER


Zum ersten Mal lese ich den Begriff "Taxikiller", wenngleich mit Anführungsstrichen, so wie man früher die "DDR" geschrieben hat, und zwar hier. Dass Uber plötzlich ein "Taxikiller" sein soll, liegt aber nicht daran, dass Uber Das Ende des Taxis bedeutet. Das ist nicht der Grund. Der Grund für den "Taxikiller" ist, dass Uber bei seinem Börsengang "deutlich abgesackt" ist. Und was sich nicht verkauft, kann bekanntlich nicht gut sein. Deswegen ist Uber plötzlich der "Taxikiller", wenngleich nur in Anführungszeichen. Denn wenn die Aktie morgen steigen wird, ist Uber natürlich wieder das smarte Start-Up und tolle Technologieunternehmen aus dem Silicon Valley.

Text TaxiBerlin

10.05.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #34 ZUM NACHHÖREN




Wer die letzte Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin" verpasst hat, kann sie jetzt nachhören. Kollege Axel Rühle hat mich da vertreten, vielen Dank dafür von dieser Stelle, und das Thema war einmal mehr Uber, Der Große Pauperisierer aus Amerika. Der steht bekanntlich kurz davor an die Börse zu gehen, und im selben Moment streiken aktuell Uber-Fahrer in Los Angeles, San Francisco, Boston, Philadelphia und Washington für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. So müssen Uber-Fahrer in San Francisco beispielsweise in ihrem Wagen übernachten. Andere Fahrer wechseln, nachdem sie 12 Stunden für Uber gefahren sind, zu einem anderen Anbieter - vermehrte Unfälle sind die Folge. Deswegen werden jetzt auch Uber-Nutzer dazu aufgerufen, sich am Streik zu beteiligen und keine Fahrdienste per App zu bestellen. Mehr erfährst du hier.

PodCast AxelRühle
Text TaxiBerlin

09.05.2019

VOM GENERALSTREIK IM TAXI


Es wird mal wieder gestreikt, allerdings nicht im Taxi, und auch nicht hierzulande. Ich habe es nur im Taxi erfahren, dass es seit gestern einen landesweiten Streik, man kann also durchaus von einem Generalstreik sprechen, im öffentlichen Dienst gibt, und zwar in Frankreich. Die Franzosen sind bekanntlich sehr streikfreudig. Dass ich davon von Fahrgästen aus Wilmersdorf, die auf ihrem Rückflug von Mallorca dem Generalstreik der Franzosen nur knapp entgangen waren, erfahren musste, und nicht wie überlicherweise aus dem Radio, das bei mir im Taxi die ganze Zeit läuft, fand ich dann doch etwas verwunderlich. Du glaubst mir nicht? Dann versuche doch selbst mal etwas über den bereits gestern Abend begonnenen Generalstreik im öffentlichen Dienst in Frankreich in Erfahrung zu bringen!

Text TaxiBerlin

08.05.2019

DIE WICHTIGSTEN FRAGEN IM TAXI


Die wichtigste Frage im Taxi heutzutage ist nicht Wie geht es Ihnen?, auch nicht Wissen Sie, wie Sie fahren müssen?, und schon gar nicht Wieviel Trinkgeld darf ich Ihnen geben? Die wichtigste Frage heute im Taxi ist Kann ich mit Karte bezahlen? Damit verbunden, das nur nebenbei, ist immer öfter ein Trinkgeld, das gegen Null geht, selbst wenn der Kunde die Fahrt, wie von ihm gewünscht, mit seiner Karte bezahlen konnte, oder vielleicht auch genau deswegen. Sozusagen als neuer Trick oder gar Trend, sich um's Trinkgeld zu drücken, weil man angeblich nicht weiß, ob das mit der Karte bezahlte Extra auch beim Fahrer ankommt. Dabei sollte es sich doch rumgesprochen haben, dass der Taxifahrer in der Regel nicht soo blöd ist, wie er gemacht wird. Eine einfache Frage, ungefähr wie folgt, würde vollkommen ausreichen: Kann ich das Trinkgeld auch mit Karte bezahlen?

Text TaxiBerlin

03.05.2019

TAXIBERLIN ALS DUDELSACK MANAGER



Peter bei seiner gestrigen Probe im Atelier von Hans

Da mit dem Taxi kein Geld mehr zu verdienen ist, muss auch ich mich neu orientieren. Eine meiner Nischen sind Fernfahrten, ich hatte gestern an dieser Stelle darüber berichtet. Die andere Nische, die ich gerade ausprobiere, ist den Dudelsack, nein, nicht zu spielen, aber immerhin zu managen versuchen. Genau genommen den besten Dudelsackspieler Bulgariens: Peter Bonev. Peter, der eigentlich Petir heißt, habe ich vor ziemlich genau 25 Jahren kennengelernt und zwar, wie es sich für einen richtigen Taxifahrer gehört, auf der Straße. Gestern hat Peter eine Probe seines Könnens im Atelier von Hans Scheib gegeben. Hans Scheib habe ich auch auf der Straße kennengelernt, um genau sein in meinem Taxi. Wie es dazu kam, das erfährst du am Sonntag um 15 Uhr in der Schmidt-Knobelsdorf-Straße 22 in 13581 Berlin / Spandau. Dort wird dann auch Peter mit seinem Dudelsack auftreten. Die Akustik in Hans seinem Atelier in Spandau ist phänomenal, wie man, wer Ohren hat, auf obigen Clip hören kann. Der Eintritt ist übrigens frei. Was das Managen des Dudelsacks aus Ziegenfell angeht, so muss man sich das wie das Hüten eines Sacks voll Flöhe vorstellen. Auch darüber erfährst du am Sonntag mehr.

Video&Text TaxiBerlin

02.05.2019

EIN JEDER MUSS SEHEN WO ER BLEIBT


Taxameter mit Ehrenkranz

Wir leben in einer Zeit, in der ein jeder sehen muss, wo er bleibt. Der Große Paupersierer aus Amerika pickt sich die Rosinen raus, die er dann gelegentlich auch mal unter Taxitarif anbietet. Berliner Taxen fokussieren sich immer mehr auf Alte und Behinderte als Fahrgäste, wollen sie ihren Laden nicht dicht machen. TaxiBerlin hat sich aktuell auf Fernfahrten spezialisiert. Die will Uber auch nicht machen, weil man da weniger bescheißen kann, wie es für das Geschäftsmodell vom Großen Pauperisierer nötig ist. Außerdem haben die armen Schweine von Uber auch ihre Grenzen, was das Sozialleben angeht, zumindest noch. Außerdem: Wie soll ein Uber-Fahrer auch den Weg nach Istanbul finden, wenn er sich nicht einmal in Berlin auskennt? Gut, bis nach Istanbul bin ich diesmal nicht gefahren, aber immerhin bis nach Sofia. In beiden Städten ist Uber übrigens verboten, das nur nebenbei. Den Fahrpreis von Berlin nach Sofia entnimmst du obigem Foto. Willst du mehr über die Große Taxi-Demo am 11.April in Berlin erfahren, dann schaltest du heute um 19 Uhr das Radio an. Dort wird Kollege Axel Rühle, der mich bei meiner 34. Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin" vertritt, darüber berichten. Mit etwas Glück befinde ich mich da gerade im Landeanflug auf Berlin und kann mir meine eigene Sendung auch mal im Radio anhören. Falls das nicht klappt, auf dem Balkan ticken die Uhren bekanntlich anders, bleibt mir immer noch die Möglichkeit, hier die Sendung nachzuhören.

Foto&Text TaxiBerlin