31.03.2019

I DON'T BELIEVE THE HYPE


Wie das Land, so seine Kalender

Gestern fiel mir in meinem Taxi, in dem ich nicht nur immer mehr Zeit zum Nachdenken, sondern auch zum Erinnern habe, plötzlich ein, dass ich auch schon mal die Welt retten wollte. Ich muss damals 11 oder 12 gewesen sein. Greta ist, so gesehen, mit ihren 16 Jahren spät dran. Du merkst schon: I don't believe the hype, der gerade um Greta gemacht wird. Für mich ist die Hysterie um die Pubertierende aus Schweden vor allem ein Symptom. Ein Symptom für eine immer infantiler werdende Gesellschaft, in der die Lebenserfahrung älterer Menschen immer weniger gebraucht zu werden scheint. Von Bertolt Brecht stammt beispielsweise die Feststellung: Unglücklich das Land, das Helden nötig hat. Aktuell gibt es allerdings noch eine Steigerung: Unglücklicher nur das Land, das Kinder als Helden nötig hat.

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30.03.2019

MODERNE ZEITEN


Am Hauptbahnhof

"Wir halten die Rückkehrpflicht ein." - Gesagt hat dies ein Uber-Fahrer, und der muss es wissen, für alle Uber-Fahrer. Gedruckt hat es die Berliner Zeitung. Überprüft hat es niemand. Heute reicht es aus, von etwas überzeugt zu sein, und überhaupt gilt: "Zu überprüfen sind rechtliche Vergehen ohnehin schwer." Auch dieser Satz, der sich wie eine Feststellung anhört, in Wahrheit aber eine Meinung ist, stand in der Berliner. Wie die Rückkehrpflicht eingehalten wird, kann man aktuell am Hauptbahnhof beobachten. Genauer gesagt am Friedrich-List-Ufer Höhe Washingtonplatz. Dort stehen kehren Uber-Fahrzeuge gemeinsam zum Betriebssitz zurück, obwohl das erste aus Berlin (B), das zweite aus dem Havelland (HVL) und das dritte sogar aus Königs Wusterhausen (KW) kommt. Wir leben wahrlich in modernen Zeiten.

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29.03.2019

DER GROßE PAUPERISIERER




In meiner nächsten Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin" am kommenden Donnerstag wird es einmal mehr um den Großen Pauperisierer Uber aus Amerika gehen. Uber, das muss der Wahrheit wegen angemerkt werden, ist zwar nur ein Pauperisierer unter vielen, die anderen heißen Amazon, Zalando, Lieferando und so weiter, dafür aber ein besonders großer. Was alle Paupersierer gemein haben, ist ihre Lohndrückerei. Wobei man schon nicht mehr von Lohn reden kann. Es ist eher ein Schmerzensgeld. Eine Teilnahme am normalen sozialen Leben ist damit jedenfalls nicht möglich. Es bewahrt einem eigentlich nur vorm Flaschensammeln (das Dosen- und Flaschenpfand wurde ja seinerzeit als flankierende Maßnahme zu Hartz Vier eingeführt - der ein oder andere erinnert sich), was im Gegensatz zum Laufrad von Uber und Co immerhin selbstbestimmt ist. Das weiß man aber erst, wenn man selbst auf der Suche nach leeren Pfandflaschen in eine Mülltonne reingeschaut hat. Doch zurück zu Uber, den Großen Pauperisierer aus Amerika, der auch schon in Österreich einmarschiert ist, das beim Großen Diktator von Charlie Chaplin Osterlitsch heißt. Auch in Sofia und Istanbul war Uber einmarschiert, allerdings nur für kurze Zeit, dann hat man den Großen Pauperisierer aus Amerika rausgekickt. Auch das ist möglich. Uber ist keine Naturkatastrophe, gegen die man nichts tun kann. Und auch ich werde meinen Beitrag gegen den Großen Pauperisierer aus Amerika leisten, damit die Welt nicht dasselbe Ende nimmt wie in Charlie Chaplins Großen Diktator (Video), und du kannst dabei sein: Am 4.4. ab 19Uhr auf Pi-Radio, in Berlin unter 88.4 MHz, in Potsdam sind es bereits 90.7 MHz, oder auch als Live-Stream im Internet.

Video CharlieChaplin
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27.03.2019

MIT DEM TAXI NACH BALKANIEN


WA wie Waltraud

Bisher habe ich immer nur Positives über meinen Chef geschrieben, und auch jetzt kann ich nichts Negatives über ihn sagen. Ganz im Gegenteil. Allerdings sehe ich ihn auch nur ein- maximal zweimal im Monat. Dann reden wir über alles Mögliche, nur nie über's Taxifahren. Das war neulich anders, da sprachen wir über Balkanien. Zwei ältere Damen, denen ich so viel Verrücktes über den Balkan erzählt hatte bei mir im Taxi, haben nun Interesse an einer Taxi-Fahrt dorthin signalisiert. Dazu passt, dass mein Chef, der sofort begeistert war von der Idee, ein Taxi von ihm könnte mit zwei älteren Damen durch die Schluchten des Balkans gleiten, mir sogar sein eigenes Taxi Namens Waltraud anvertraut hat für die Reise. Und überhaupt: Jeder muss halt sehen, wo er bleibt heutzutage. Manch einer spezialisiert sich auf Behinderte, ich auf Fahrten nach Balkanien. Uber, der Feind aller ehrlichen Taxifahrer, traut sich dort nämlich nicht hin, und das aus gutem Grund. Aus Sofia und aus Istanbul wurde der Lohndrücker aus Amerika bereits rausgekickt. Apropos: Bei mir gilt auch auf dieser Fahrt ausserhalb des Pflichtfahrgebietes, wozu das Stadtgebiet von Berlin und der Flughafen Schönefeld gehören, die Tarifpflicht, obwohl die Tarifpflicht nur schwer zu kontrollieren ist. Normalerweise müsste bei der jeder Fahrt einer von der Behörde mit im Taxi sitzen, um zu Uber-prüfen, ob ich auch das Taxameter einschalte. Wage aber nicht zu behaupten, dass die Tarifpflicht genauso schwer zu kontrollieren sei wie die Rückkehrpflicht der Uber-Fahrzeuge. Du würdest in Teufels Küche kommen. Auch deswegen gilt bei meiner Fernfahrt sicherheitshalber von vornherein die Tarifpflicht, und du kannst dabei sein, kannst Uber-prüfen, ob ich das Taxameter auch wirklich eingeschaltet habe und was am Ende auf der Uhr steht. Du musst nur immer wieder hier vorbeischauen, ich werden über die Taxifahrt nach Balkanien mit zwei älteren Damen berichten. Die Start ist für Anfang April, um genau zu sein ist es der 11. April, geplant.

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25.03.2019

AUSBÜRGERN GESTERN UND HEUTE




Es soll wieder ausgebürgert werden hierzulande. Das letzte Mal, dass ausgebürgert wurde, ist 43 Jahre her, und es war der Anfang vom Ende eines gesamten Staates. Danach dauerte es "nur" noch 13 Jahre, dass alles den Berg runter ging, dass ein ganzes Land ausgebürgert wurde. Die Rede ist von der Biermann Ausbürgerung 1976, und das Land, das es nicht mehr gibt, heißt DDR. Heute sollen Islamisten ausgebürgert werden, die fern der Heimat für einen islamischen Staat kämpfen. Beide Ausbürgerungen, also die damalige von Biermann und die heutige von Islamisten von hier, haben auf den ersten Blick nur wenig miteinander zu tun, und dennoch gibt es einige Parallelen. So wie damals Biermann, so sind auch die Islamisten heute mit den Verhältnissen bei sich zu hause unzufrieden. Allerdings: Sie leben mitten unter uns und haben sich hier radikalisiert. Wie es dazu kommen konnte, diese Frage wird aber nicht gestellt. Auch nicht, wo und wer sie radikalisiert hat. In unserer krankhaft individualistischen Welt wird immer so getan, als wären wir alle völlig isolierte Wesen, ohne Familie, ohne Freunde und auch ohne soziales Umfeld. Daran glaube ich nicht. Ich glaube auch nicht daran, dass der Crash unseres Landes und unserer Lebensweise noch 13 Jahre auf sich warten lässt. Aber nicht nur ich sehe das so, sondern auch viele meiner Fahrgäste. Auch wenn die wegen der feindlichen Uber-nahme aus Amerika immer weniger werden in meinem Taxi, so gibt es sie doch noch. Die Gespräche, die ich mit ihnen führe in den letzten Tagen und Wochen, nachdem ich zuvor viel Zeit alleine mit Nachdenken in meinem Taxi verbracht habe, haben in letzter Zeit immer dieselben Themen. Es beginnt immer mit einer gewissen Entfremdung, dass das, was in den Zeitungen steht oder in Talk-Shows heutzutage diskutiert wird hierzulande, mit dem eigenen Leben so rein gar nichts mehr zu tun hat. Das, einmal wahrgenommen, führt zu ganz unterschiedlichen Vorsorgemaßnahmen. Ein Fahrgast beispielsweise hat sich ein Stück Land gekauft, um sich selber mit seinen eigenen Lebensmitteln zu versorgen. Ein Ehepaar hat einen Brunnen graben lassen, um unabhängig von der Wasserversorgung ihr eigenes Wasser zu haben. Ein anderes Paar hat sein Geld in Edelmetallen angelegt, weil Edelmetalle ihrer Meinung nach immer gehen und in Zukunft noch gefragter sein werden als heute schon. Auch ich habe eine Exit-Strategie, ganz genauso wie meine Fahrgäste. Da ich kein Geld habe, ist diese zwangsläufig eher immatrieller Natur. Ich halte es mit obigem Lied von Wolf Biermann, dass er 1976 im Westen gespielt hat, bevor er ausgebürgert wurde. In Biermanns "Ermutigung" haben es mir vor allem die Zeilen folgende Zeilen angetan: Du, lass dich nicht verhärten in dieser harten Zeit. Die allzu hart sind, brechen, die allzu spitz sind, stechen und brechen ab sogleich. (Aktuelles Beispiel: Sahra Wagenknecht, deren Körper schon vor dem großen Streit die Waffen gestreckt hat.) Was nun die Islamisten angeht, die, indem sie andernorts für einen islamischen Staat gekämpft haben, immer auch gegen uns hier gekämpft haben, da habe auch ich keine Lösung. Für völlig falsch halte ich es allerdings, einfach so zu tun, als hätten sie und ihre Radikalisierung nichts mit uns zu tun. Ich denke, es kann auch hier nur helfen, sich Zeit zu nehmen, genauso wie ich in meinem Taxi, und anzufangen die richtigen Fragen zu stellen.

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23.03.2019

WIE GHANDI UBER LAHMLEGEN WÜRDE


Radikale politische Ideen - so sehen sie aus

Geht man in den USA in eine Bibliothek, so findet man in dem Regal für radikale politische Ideen Bücher über Ghandi und Jesus. Auch hier sind uns die Amerikaner mal wieder weit voraus und wissen einfach mehr als wir Europäer. Neuerdings steht in genanntem Regal auch ein Buch, das sich mit der Frage beschäftigt, wie Ghandi wohl mit bestimmten neuzeitlichen Phänomenen wie Facebook und Google umgehen würde. Ghandi, wer ihn nicht kennt, ist Inder und bis heute für seinen friedlichen Widerstand weltweit bekannt. Uns soll an dieser Stelle nur interessieren, wie dieser friedliche Widerstand gegen Uber aussehen könnte. Ghandi würde heute, so sagt es das Buch in dem Regal für radikale politische Ideen, gegen Uber einen Flash-Mob organisieren, so wie er seinerzeit Demonstrationen gegen verschiedenste Ärgernisse des indischen Alltags organisiert hat. Dieser Flashmob könnte, geht es nach den Autoren des Buches, so aussehen, dass eine sehr große Anzahl von Menschen mit ihren Smartphones permanent ein Uber bestellen und es im letzten Moment dann wieder stornieren, um bald darauf ein neues zu bestellen. Es sei mehr als unwahrscheinlich, dass man von Uber deswegen geblockt wird, weil Uber ja nur das Beste will, und das sei nun mal den Kunden seine Kohle und nicht das Befinden des Fahrers. Dass die Uber-Fahrer recht bald sehr frustriert sein dürften wegen der vielen Stornos, das sei Uber egal, da sind sich die Autoren sicher. Da muss schon einiges passieren, bevor Uber einen potentiellen Kunden rauskickt. Ob das wirklich stimmt, das weiß ich natürlich nicht, die Idee kommt schließlich aus Amerika. Ich selber kann es auch nicht überprüfen, weil ich kein Smartphone habe. Wer es nicht glaubt, dass ich kein Smartphone habe, liest wohl keine Zeitung mehr, denn es stand neulich noch in der Berliner. Ghandi, also der mit den radikalen Ideen, auf den auch die Idee mit dem Flashmob zurück geht, das sei noch erwähnt, saß insgesamt acht Jahre im Gefängnis, bevor er später einem Attentat zum Opfer fiel. Aber das ist lange her ...

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22.03.2019

7 : 1


60 Punkt 90 ist wie 7 bis 8 oder auch 7 zu 1

Sie stiegen am Swissotel ein, wo ich auch schon wieder eine Stunde stand, und es sollte mal wieder nur eine kurze Fahrt werden. Das herauszufinden, brauchte allerdings einige Zeit, denn die drei ausgewachsenen Männer und die dazugehörige Frau sprachen ausschließlich Portugiesisch. Zur Übersetzung diente ein Smartphone, das ihr reingesprochenes Portugiesisch für mich ins geschriebene und auch gesprochene Deutsch übersetzte. Nachdem das Fahrziel geklärt war, ging es noch darum, was die Fahrt kosten würde. Die von mir in ihr Smartphone gesprochenen 7 (Pause) 8 Euro, kamen als 78 Euro an. Nachdem geklärt war, dass es nicht 78 sondern nur 7 bis 8 Euro kosten würde, konnte es dann auch schon los gehen. Immerhin blieb während der Fahrt noch die Zeit, dem Smartphone ein 7 : 1 auf Deutsch für mich zu entlocken, schriftlich und auch akustisch. Die drei ausgewachsenen Männer und die dazugehörige Frau kamen offensichtlich aus Brasilien, und meine vorgegebe 7 (bis 8) hatten sie an das Endspiel der Fussball-WM vor einigen Jahren in ihrem Heimatland erinnert, das bekanntlich 7 : 1 endete, allerdings nicht für Brasilien sondern für Deutschland. Dann waren wir auch schon am Fahrziel, und mir, dem das Fussballspiel von seinem Therapeuten verboten worden ist, blieb nur noch Zeit für ein knappes SO SORRY!

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21.03.2019

MOBILE LEBENSBERATUNG NOCHMAL


Berliner Treppenhaus

Ich stehe nicht nur rum mit meinem Taxi, so ist es auch nicht. Hin und wieder fahre ich auch. Meist sind es Kurzstrecken, um genau zu sein kurze Fahrten, denn vom Halteplatz gibt es keine Kurzstrecke. Kurze Fahrten scheinen bei Uber generell teurer zu sein als im Taxi. Koffer tragen scheint auch nicht zum Uber-Service zu gehören, aber Taxifahren ist eben mehr als nur die Beförderung von A nach B. So kommt man auch mal wieder in fremde Treppenhäuser, in die man früher, also vor 25 Jahren, einfach so rein konnte, weil sie meist nicht verschlossen waren in Berlin. Heute sind viele Treppenhäuser reinste Sicherheitsbereiche, manche haben sogar Kameras an der Klingel. So auch in dem Haus von dem Diplom-Psychologen für "Alle Kassen und Privat" mit dem schönen Zusatzaufkleber "Sei verrückt. Sei mutig" an der Tür. Keine Ahnung, ob das jetzt ernst gemeint ist, denn mein Fahrgast, dem ich die Koffer in den vierten Stock trug, war nicht der Psychologe. Ich denke aber, man sollte erstmal alles ernst und jeden beim Worten nehmen. Diese "als ob" Typen und ihr "wahr nicht so gemeint" sind mir unerträglich, und das schon lange. Auch deswegen der Hinweis, dass man bei mir im Taxi zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen darf - sogar die Wahrheit. Das kommt extrem gut an bei meinen Fahrgästen, und die ersten haben auch schon von meinem Angebot der Mobilen Lebensberatung Gebrauch gemacht. Das soll auch mit den Psychologen zusammen hängen, die chronisch überbelastet sind und manchmal gar keine mutigen Menschen wollen, sondern nur Leute, die funktionieren.

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20.03.2019

ELITESOLDATEN GEGEN GELBWESTEN


Auch die Frage ist die alte

Einmal mehr stehe ich mit meinem Taxi irgendwo rum, diesmal am Bahnhof Friedrichstraße, dort gibt es immer Programm. Diesmal bietet dies das Radio, aus dem ich erfahre, dass der Präsident von Kasachstan einfach mal so zurücktritt, während der noch amtierende im Nachbarland diesen Samstag einfach mal Elitesoldaten gegen Gelbwesten einsetzen will, obwohl die Mehrheit der Franzosen die Gelbwesten weiterhin unterstützt. Die Welt steht Kopf. Nur - : "Soldaten sind Mörder", daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn man bereits aus Randalierern Mörder machen wollte.

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KEIN UBER IN ISTANBUL UND IN SOFIA




In Istanbul gibt es kein Uber, wer hätte das gedacht? Dass es kein Uber mehr in Istanbul gibt, liegt daran, dass man Uber über Nacht rausgekickt hat. Das geht! Darüber erfährt man in obiger aktuellen und absolut sehenswerten Doku über Kolleginnen in Istanbul von Öffentlich/Rechtlich, genau - die mit dem Bildungsauftrag, allerdings nichts. In der bulgarischen Hauptstadt Sofia ist die Situation "by the way" ganz genauso. Es gab Uber für kurze Zeit, und dann wurde es verboten. Ganz einfach! Und dass, obwohl beide Länder, also Bulgarien und allen voran die Türkei, korrupt ohne Ende sein sollen.

Doku BayrischerRundfunk
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19.03.2019

VERPASST: "KONTROVERSE DISKUSSIONEN"




Stehe gerade mal wieder rum mit meinem Taxi und erfahre, dass das Thema Migration seit dem Sommer 2015 kontrovers diskutiert wurde hierzulande. Wann genau das gewesen sein soll, wird allerdings nicht verraten. Ich beginne nachzudenken. Dazu komme ich insbesondere in letzter Zeit immer öfter, aber auch schon im Jahre 2015. Seit dem Sommer 2015 sind dreieinhalb Jahre vergangen, aber ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass das Thema Migration ernsthaft diskutiert worden wäre. Meine Erinnerung ist, dass alle die, die das Thema ernsthaft diskutieren wollten, reflexartig beschimpft, geschnitten, gemobbt und in eine bestimmte Ecke gedrängt wurden. Perfektes Empörungsmanagement, dessen hysterisches Credo "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns" lautet. Das hatten wir schon mal, und es hat schon damals kein gutes Ende genommen. Vielleicht irre ich mich auch, das will ich nicht ausschließen, und habe die kontroverse Diskussion einfach nur verpasst. Was ich weiß, ist, dass der Berliner Künstler und Therapeut Raymond Unger ganz aktuell einen Beitrag zur Debatte geleistet hat. Aber dann kennst du den bestimmt schon.

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18.03.2019

BETREUTES WÄHLEN


Denken ist Lenken

Ich fahre kein Ski sondern Taxi, und ich habe auch keinen Urlaub sondern stehe mangels Kundschaft mal wieder irgendwo rum und denke nach. Nachdenken wird weitgehend unterschätzt, dabei macht nachdenken jede Menge Spaß, und den will bekanntlich jeder. Nur etwas tun für den Spaß, das will keiner. Gut, heute übernehme ich das noch mal mit dem Nachdenken, aber morgen musst du auch mal selber denken. Gerade habe ich daran gedacht, dass eine Ampel bei den nächsten Wahlen das Problem, das wir mit Wahlen haben (immer mehr Menschen verwählen sich), ganz einfach lösen könnte. Ich weiß, bei Lebensmitteln lässt die Ampel auf sich warten, aber Wahlen sind auch wichtiger als Lebensmittel, deswegen kommt sie da auch früher. Die Wahl-Ampel wird diskret in der Wahlkabine angebracht; der Russe beeinflusst unsere Wahlen auch ganz diskret, also warum sollten wir nicht mit gleichen Waffen zurückschlagen. Die Ampel in der Wahl-Kabine schaltet ganz normal, wie Ampeln das zu tun pflegen, von grünem Licht, auf dem alle Parteien stehen, die gewählt werden dürfen auf gelb, wo drauf steht, was gerade noch gewählt werden darf. Zum Schluss schaltet die Ampel auf rot. Rot macht aggressiv. Rot ist der Russe und alle die, die nicht gewählt werden dürfen.

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17.03.2019

RANDALIERER SIND MÖRDER


Pause - Zu Risiken und Gefahren fragen Sie ihren Taxifahrer

Stehe mal wieder mit meinem Taxi irgendwo rum und überlege. So viel rumstehen ist gar nicht gut, man kommt da auf ganz komische Gedanken. Im Radio wird verkündet, dass in Paris randaliert wurde, der Präsident deswegen seinen Skiurlaub abbrechen musste und sein Innenminister die Randalierer Mörder nennt. Tote gibt es keine. Dass Soldaten, die Menschen töten, Mörder sind, davon hatte ich schon gehört. Dass Randalierer, die niemanden ermordet haben, Mörder sein sollen, noch nie. Aber man lernt eben nie aus, insbesondere im Taxi nicht. Ich frage mich, ob demnächst bereits Demonstranten Mörder sein werden oder das Wählen ganz und gar verboten wird. Denn Wähler sind auch nicht mehr das, was sie früher einmal waren. Immer öfter verwählen sie sich. Natürlich nur, weil sie von aussen beeinflusst werden. Nein, jetzt nicht von den mordenden Franzosen, aber fast, und zwar vom bösen Russen. Da Wahlen bekanntlich verboten wären, wenn sie was ändern würden, kann jeder sich selbst seinen Reim drauf machen, was es bedeutet, wenn plötzlich Gründe gesucht werden, warum Wahlen doch nicht mehr so gut sein sollen, nur weil die Wähler angeblich von aussen gesteuert sein könnten.

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16.03.2019

READER ANALYTICS


Der Goldesel - so sieht er aus!
(macht aus Stroh Gold und hat Geld wie Heu)

In meinem Taxi habe ich viel Zeit zum Lesen und in letzter Zeit, Dank Uber, immer mehr. Ich bin Uber wirklich dankbar dafür, das ist jetzt kein Quatsch. Am meisten danke ich aber dem Taxi, das mir so viel Zeit zum Lesen lässt, denn das tat es schon vor Uber. Da man bei Uber angeblich mehr verdienen soll, muss man als Uber-Fahrer logischerweise auch mehr fahren - anders geht es nicht. Uber mag vieles sein, aber ein Gold-Esel, der Gold scheißt, das ist selbst Uber nicht. Genau dieser Umstand, also dass ich mehr fahren soll, ist der Hauptgrund, der für mich gegen Uber spricht. Hinzu kommt, dass die angeblichen Profis von Uber, allesamt nur angelernte Hilfskräfte, die zu blöd sind, die Ortskundeprüfung für Berlin zu bestehen, einfach kein Umgang für mich sind. Mein Umgang sind Bücher, und zwar richtige und keine elektronischen. Wusstest du, dass E-Books immer öfter getrackt und Bücher auch schon umgeschrieben werden, also dem Leseverhalten des Lesers angepasst werden? Als nächstes wird das in Echt-Zeit passieren, also während du noch liest, wird dein Buch bereits umgeschrieben werden. Ich weiß nicht, wie es dir damit geht, aber mich erinnert das irgendwie an Orwell. In 1984 wurde, so weit ich mich erinnere, permanent die Geschichte umgeschrieben. Da haben wir heute richtig Glück, da wird das Buch nur umgeschrieben, damit es sich besser verkauft, reines Marketing also - sonst nichts!

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15.03.2019

ÜBERFORDERUNG


Ich bin gerade überfordert. Waren Kinder gestern noch ganz schlecht für die Umwelt, sind sie heute schon wieder total gut. Belasteten Kinder gestern die Umwelt noch durch ihren CO2 Ausstoß, retten sie heute schon das Klima. Beklagte man gestern noch den angeblichen Fachkräftemangel, lässt man heute die Fachkräfte von morgen ganz offiziell die Schule schwänzen. Ist das Kindertheater, böse Zungen reden bereits von Kindesmissbrauch, nur eine Nebelkerze? (Dann wäre ein Fackelumzug die bessere Wahl!) oder bereits eine weitere Etappe der allgemeinen Infantilisierung? Ein Ziel scheint zumindest erreicht: Von den Gelben Westen, die seit wie vielen Samstagen ? - also an einem normalerweise Arbeits- und auch Schulfreien Tag !, zu zehntausenden auf die Straßen Frankreichs gehen, spricht keiner mehr. Fällt mir gerade ein: Der "Sonntag für Spinner" ist noch frei.

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ITB RÜCKBLICK


Am Sonntag endete die diesjährige ITB, aber eigentlich schon am Freitag. Die ITB ist die weltgrößte Tourismusbörse, laut Wikipedia "die Leitmesse der weltweiten Tourismusbranche", und das seit 1966. Die ITB ist traditionell ein Highlight für Berliner Taxifahrer, und so war es auch in diesem Jahr - trotz Uber. Uber-Fahrer sind extrem lichtscheue Wesen, die mehrheitlich erst im Dunkeln aus ihren Löchern gekrochen kommen. Dann sitzen die Tourismus-Lobbyisten bereits an der Hotel-Bar und stoßen auf ihre Geschäftsabschlüsse an. Die ITB im März ist immer auch die Zeit, in der Berliner Hotels doppelte oder gar dreifache Preise für ihre Zimmer nehmen. Hotels folgen, was ihre Preise angeht, genauso wie Uber einem Algorithmus, obwohl sie im Gegensatz zu Uber immobil sind. Und obwohl die ITB-Typen aus der Reisebranche kommen, müssen sie zur ITB in Berlin überteuerte Hotelpreise bezahlen. Im Taxi wirkte sich das dieses Jahr erstmals so aus, dass kaum einer von ihnen Trinkgeld gab. Und das ist für mich, der nie ein Fan von organisierten Reisen oder vorher gebuchten Hotels war, ein Alarmsignal, aber nicht des Geldes wegen. Geld ist nur Geld, und Trinkgeld sowieso nur Trinkgeld, also gar kein richtiges Geld. Aber wenn Leute, die in der Vergangenheit Trinkgeld gegeben haben, plötzlich kein Trinkgeld mehr geben, dann ist was faul in der Branche - und nicht nur dort! Was wie immer war, war die Tatsache, dass die meisten ITB-Typen bereits am Freitag die Stadt verließen, obwohl die ITB erst am Sonntag endete. Samstag und Sonntag geht traditionell der Berliner Pöbel auf die ITB, aber nicht etwa weil er verreisen will, sondern um mit den übrig gebliebenen Hochglanzbroschüren seine Wohnung neu zu tapezieren. Diese Flaschensammler unter den Reisenden waren auch in diesem Jahr nicht interessant für den ITB-Typen. Time ist bekanntlich Money! - Aber stimmt das wirklich?

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14.03.2019

BUS STREIK IN BERLIN


Wo laufen sie denn ... ?

Erfahre gerade aus dem Radio, dass es aktuell in Berlin einen Bus-Streik gibt. Den Hörern wird empfohlen, zum Flughafen Tegel ein Taxi zu nehmen. Dazu muss man wissen, dass man zum Flughafen Tegel nur mit dem Bus oder mit dem Auto, also auch mit einem Uber, kommt. Insoweit ist der Hinweis aufs Taxi schon eine Meldung wert. Aber es wird noch besser: Info-Radio rät allen Flugreisenden mit wenig Gepäck, vom U-Bahnhof Jakob-Kaiser-Platz aus zu Fuß zum Flughafen Tegel zu laufen, man brauche dafür nur eine halbe Stunde. Übrigens ein Rat, den ich auch immer wieder meinen Fahrgästen gebe: Lauf mal ein Stück, dann siehst du mehr, und danach geht es dir schon viel besser! Hat sich das Radio vielleicht bei mir bedient?

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IM TAXI MIT GRETA (TEIL 3)


Mit der ersten Wahl ist es wie mit der ersten Fahrt
- der Sponsor übernimmt die Kosten (aber nur bis 10€!)

Jetzt hat sich das Justizministerium bei mir gemeldet, ohne dass ich ihm geschrieben habe. Einfach so. Wobei, Einfach so stimmt nicht ganz. Das Justizministerium wusste, dass ich überlege es wegen Greta zu kontaktieren. Es hatte sozusagen einen Wink bekommen, und zwar vom Familienministerium. Das Familien- und das Justizministerium arbeiten eng zusammen. Keine Ahnung, ob das jetzt eine gute oder eine schlechte Nachricht ist, immerhin kam es mir bekannt vor. Jedenfalls ließ mich das Justizministerium wissen, dass man gegen Greta nicht vorgehen werde wegen Schulschwänzen. Einerseits, weil das neulich von ganz oben als gut befunden wurde. Und andererseits, weil man die Schulschwänzer noch braucht, und zwar als Stimmvieh.

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13.03.2019

IM TAXI MIT GRETA (TEIL 2)


Meine neue Idee fürs Taxi anstelle der Personenbeförderung
(PR-Agentur: TaxiBerlin)

Ich habe mich jetzt doch mal ans Familienministerium gewandt wegen Greta. Zeit habe ich genug, also warum nicht mal was Vernünftiges tun, als ständig leere Flaschen durch die Gegend zu kutschieren. Die automatisierte Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Es haben auch noch andere das Familienministerium wegen Greta kontaktiert. Das Familienministerium sei nicht zuständig, schreibt es, weil Gretas Familie nicht von hier ist. Es verweist auf das Justizministerium und/oder an das Kriegsministerium, was offiziell Verteidigungsministerium heißt. Das Familienministerium begründet seinen Verweis ans Kriegsministerium, das offiziell nicht Kriegs- sondern Verteidigungsministerium heißt, damit, dass es schon einmal einen ähnlichen Fall gab. Es ist noch gar nicht so lange her, da hat nämlich eine Sechzehnjährige ganz und gar einen Krieg ausgelöst. Hinter ihr stand damals die amerikanische PR-Agentur Hill & Knowlton. Welche PR-Agentur hinter Greta steht, weiß evtl. das Kriegsministerium, das offiziell Verteidigungsministerium heißt.

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12.03.2019

IM TAXI MIT GRETA


Schule ohne Schüler

Gestern saß mir Greta im Taxi. Ihr wisst schon, die mit den Zöpfen. Sogleich wurde meine staatsbürgerliche Pflicht geweckt. Jetzt nicht die Schulpflicht. Die ist ja aufgehoben für die Greta. Sondern die Meldepflicht. Und zwar die von Zöpfen. Sicherlich hast auch du schon davon gehört, dass Kinder mit Zöpfen aus rechten Elternhäusern kommen, weswegen man Kinder mit Zöpfe melden muss. Aber ich wollte Greta, also mein Fahrgast mit den Zöpfen, eine Chance gaben. Ich bin kein Typ, der andere so ohne weiteres denunziert. Deswegen fragte ich, ob Greta zu Hause Haus- und Handarbeiten machen muss, so wie ich es in der Broschüre von unserer Familienministerin gelesen habe. Erst verstand Greta mich nicht, sie spricht schließlich kein Deutsch, weswegen ich es auf Englisch versuchte. Dazu muss man wissen, dass mein Englisch alles andere als perfekt ist. Ich habe aber verstanden, dass Greta kaum noch zu Hause ist, sondern nur noch auf Reisen zusammen mit ihren PR-Beratern, kurz mal die Welt retten. Da komme sie weder zu Haus- noch zu Handarbeiten, was sie sehr schade findet, weil sie die eigentlich sehr mag. Jetzt bin ich ehrlich gesagt unentschlossen, ob ich die Zöpfe beim Familienministerium anschwärzen soll, zumal sie nicht mal von hier ist, die kleine Greta. Vor allem bin ich mir nicht sicher, ob ich sie wegen ihrem rechten Elternhaus oder wegen ihrer Schulschwänzerei anzeigen soll.

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11.03.2019

DAS TAXITRAUERSPIEL DER HIESIGEN MEDIEN


Es ist schon ein Trauerspiel, das die hiesigen Medien da veranstalten, wenn man sich als Nicht-Insider jetzt schon beim Russen informieren muss, wie es um das Taxigewerbe hierzulande bestellt ist. Weshalb das Interview mit Hermann Waldner nicht im Tagesspiegel oder in der Berliner Zeitung erscheint, bleibt deren Geheimnis. Warum kein Kutscher mehr den Tagesspiegel oder die Berliner Zeitung liest, ist dagegen klar: Kaum einer hat bei den beiden Zeitungen bis heute verstanden, worum es beim Thema Taxi vs. Uber wirklich geht.

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GESTERN WAR ES NUN SO WEIT ...


Friedrichshain ist auch nicht mehr das, was es mal war

Eines meiner Argumente, warum man und auch frau in meinem Taxi nicht telefonieren darf, ist, dass ja auch niemand auf die Idee kommen würde, sich in einem Flugzeug direkt hinter den Piloten zu setzen und dort zu telefonieren, wenn dies denn möglich wäre. Das Argument hebe ich mir immer für die schweren Fälle auf. Meist füge ich dann noch hinzu, dass ich mir nicht sicher bin, ob es heute nicht doch Idioten gibt, die das fertig bringen. Zu dem Idioten respektive der Idiotin kam ich allerdings nicht mehr, da fiel mir mein Fahrgast schon ins Wort, dass sie das selbstverständlich tue und zwar immer. Sie sei Sterwardess, und ihr Pilot trage auch keine Kopfhörer, mit denen er sich vor ihrem Gequatsche schützen könnte. - Der Job des Piloten heutzutage ist eben auch nicht mehr das, was er mal war.

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10.03.2019

WAHRHEITSFINDUNG - BESITZSTANDSWAHRUNG


Wo Wohnungen aber keine Wahrheiten
an den Mann und auch an die Frau gebracht werden

Die Hoffnung stirbt zuletzt, die Wahrheit aber zuerst. Das sage ich meinen Fahrgästen, die sich immer noch wundern, dass sie keine Wahrheiten mehr finden können, weder im Fernsehen, noch in den Zeitungen und auch nicht im Netz. Es geht dort doch gar nicht darum, irgendeine Wahrheit zu zeigen, sondern nur um Besitzstandswahrung.

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09.03.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #32 ZUM NACHHÖREN




Ich fange mal so an: Dass unsere Sendung #32 am Vorabend des Frauentags mit dem Thema "Keine Mutter ist perfekt" notwendig war, beweist folgende Mitteilung von heute: Eine Lehrerin hat ein Manifest gegen das Kinderkriegen geschrieben, und zwar mit der Begründung, dass Kinder schlecht für die Umwelt seien. Eine Überraschung ist das nicht, zumindest nicht für mich. Lehrer und insbesondere Lehrerin ist eben kein Beruf wie jeder andere, sondern eine Diagnose. Ich bin mir nicht sicher, ob der Frau geholfen werden kann. Trotzdem soll nicht unerwähnt bleiben, dass ich in meinem Taxi auch eine mobile Lebensberatung anbiete. Für den Anfang empfehle ich "Keine Mutter ist perfekt" vom Therapeuten meines Vertrauens Hans-Joachim Maaz aus Halle an der Saale. Hans-Joachim Maaz saß mir nicht nur im Taxi vor einiger Zeit, sondern ist mir in meiner Sendung telefonisch zugeschaltet und beantwortet Fragen zu seinem neuen Buch "Keine Mutter ist perfekt", das er zusammen mit einer Frau geschrieben hat. Darüber hinaus gibt es zum allerersten Mal Live-Musik bei uns im Studio. "The Joker And The Clown", ein Deutsch/Amerikanischen Duo, hat sich zusammengefunden, weil ich die Idee habe, einen "Anti-Uber-Song" zu schreiben. Das Lied soll eine Mischung aus "Maggie's Farm" von Bob Dylan und "Bayern" von den Toten Hosen sein. Wenn du eine Idee hast für einen "Anti-Uber-Song" oder du ganz und gar mit machen willst, dann schreib eine mail an: taxi.berlin(ät)gmx.de

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08.03.2019

DIE FRAUENQUOTE IM TAXI UND ANDERSWO


Frühstück bei Tiffanny, der Quote wegen

Seitdem bekannt geworden ist, dass der Internationale Frauentag ab sofort neuer offizieller Feiertag in Berlin wird, habe ich mich obsessiv mit der Frauenquote beschäftigt. Das führte auch schon mal dazu, dass ich Fahrgäste ablehnen musste, weil sie die Frauenquote nicht erfüllt haben. Meinem Chef habe ich bisher nichts davon erzählt, und so soll es auch bleiben. Dass der Internationale Frauentag Feiertag ist, ist für mich nicht neu. Ganz genau ist es eine Wiederholung oder auch "Die ewige Wiederkehr des Immergleichen", wie Kollege es nennen würde. Es ist auch noch gar nicht so lange her, dass ich die Frauenquote auch für die Berliner Stadtreinigung (BSR) und im Taxi gefordert habe. Gestern nun habe ich erfahren, dass sich, was die Frauenquote angeht, zumindest bei der BSR einiges getan hat. Waren es im November 2018 immerhin schon 15 Frauen, die Orange trugen, so sind es aktuell bereits 34, die sich gestern im Recyclinghof in der Wilmersdorfer Forckenbeckstraße trafen, um den heutigen neuen Feiertag, an dem sie selbstverständlich frei haben, vorzufeiern. Ich denke, das ist ein schöner Erfolg, diese mehr als hundertprozentige Steigerung der Frauenquote von 15 auf 34 Frauen in nur vier Monaten. Dasselbe wünsche ich mir zum heutigen Frauentag auch im Taxi. Dann würde wahrscheinlich nicht nur ich die ein oder andere Schicht mehr mit meinem Taxi auf den Berliner Straßen und Plätzen unterwegs sein, und möglicherweise würde dann der große Parkplatz am Flughafen Tegel nur für Taxen weniger zum Beten und mehr zur Kontaktaufnahme mit dem anderen Geschlecht, sozusagen als Kontaktbörse, genutzt wird. Abschließend möchte ich feststellen, dass es die Frauenquote nur gibt, weil es auch den Mann gibt. Oder mit anderen Worten: Ohne Mann keine Frauenquote! Der heutige Frauentag ist, so denke ich, auch eine gute Gelegenheit, dem Mann dafür vielleicht nicht gleich zu danken, das wäre wahrscheinlich etwas viel verlangt, aber immerhin wohlwollend zu gedenken.

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07.03.2019

"DIESE TAXIFAHRT WERDE ICH NIE VERGESSEN!"


Gutes kann so nah sein: Mein kleiner Bauchladen

Gestern bekam ich das schönste Kompliment, was man nicht nur als Taxifahrer bekommen kann. Es kam von einem Mann. Obwohl, jetzt wo ich darüber schreibe, bin ich mir gar nicht so sicher. Jedenfalls kam die Person aus der Werbung. Als solche Person aus der Werbung haben ihr die Hinweisschilder bei mir im Taxi ausgesprochen gut gefallen. Genau genommen sind es gar keine Hinweis-, sondern Verbotsschilder. Auf ihnen steht: "In diesem Taxi dürfen Sie zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen - sogar die Wahrheit." Das sei radikal, aber auch witzig und darüber hinaus noch nett. Wie dem auch sei, sie lenken die Aufmerksamkeit direkt auf mich, und darum geht es beim Taxifahren: Um den Taxifahrer! Der Fahrgast wird nicht abgelenkt durch inhaltslose Telekommunikation, sondern kann sich ganz auf das konzentrieren, was ich sage und umgedreht. Ich habe mich in meinem Taxi zu einem Extrem-Zuhörer entwickelt. Ich höre Sachen, die der Sprecher, im Taxi der Fahrgast, gar nicht gesagt haben will. Aber vor allem weiß ich, welcher Bücher der Fahrgast braucht. Mein gestriger Fahrgast, also die Person aus der Werbung, hat eins über mich bekommen, denn er/sie wollte mehr über mich erfahren. Gestern war ihm/ihr das zwar noch nicht bewusst, aber spätestens wenn er/sie das Buch gelesen hat, wird es ihm/ihr klar sein. Möglicherweise hilft es, wenn er/sie meine heutige Radio-Sendung hört, obwohl ich mir da nicht so sicher bin. Denn Merkur ist rückläufig (oder "fährt zurück", wie der Taxifahrer sagt), was dazu führt, dass die Kommunikation irgendwie gestört ist. Mal hören!

Foto&Text TaxiBerlin

05.03.2019

DONNERSTAG 19UHR: HIER SPRICHT TAXIBERLIN



Ein anderes Studio, ein anderes Thema, der selbe Gast

Am Donnerstag ist es so weit, da sind wir wieder auf Sendung, es soll bereits unsere zweiunddreißigste sein. Da der Donnerstag der Vorabend vom Internationalen Frauentag ist, der ab sofort offizieller Feiertag in Berlin ist, geht es diesmal um das Thema Frau, aber auch ums Mutter sein, was im Normalfall zum Frau sein dazu gehört. Einmal mehr erfülle ich die Frauenquote, indem ich ein Paar, also ein Mann und eine Frau, ins Studio eingeladen habe. Neben der Quotenerfüllung werden die beiden, die sich "The Joker And The Clown" nennen, für Live-Musik sorgen, ein absolutes Novum in meiner Sendung. Es wird zugleich auch der erste Auftritt der beiden, er Gitarre - sie Gesang, vor Publikum überhaupt sein. Seinen zweiten Auftritt in meiner Sendung wird Hans-Joachim Maaz, der Therapeut meines Vertrauens, haben. Genau genommen ist es bereits sein dritter, allerdings hat von seinem ersten keiner von euch etwas mitbekommen, denn da saß er mir "nur" im Taxi. Sein erster Auftritt in meiner Sendung war auch am Telefon, ich habe ihn seinerzeit zu seinem Buch "Das falsche Leben" befragt. Diesmal geht es, passend zum Frauentag, um sein neues Buch "Keine Mutter ist perfekt" - ich bin gespannt. Das ganze wie gehabt auf Pi-Radio, das ist in Berlin unter 88,4 MHz zu empfangen, in Potsdam sind es bereits 90,7 MHz, und auch weltweit sind wir unter piradio.de als Live-Stream zu hören.

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04.03.2019

IM STEHENPINKLER TAXIBERLIN


Das Thema im Stehen pinkeln wollte ich schon lange mal aufgreifen, weil ich selbst seit langem wieder im Stehen pinkle. Dass ich ausgerechnet jetzt darüber schreibe, liegt ganz einfach daran, dass ich den Eindruck habe, dass es von allgemeinem Interesse ist. Auch ich habe, ich gebe es ehrlich zu, einige Zeit im Sitzen gepinkelt. Es kam mir aber, das ist auch die Wahrheit, immer komisch, irgendwie unecht vor. So, als ob das gar nicht ich bin, der da pinkelt, sondern irgendjemand anders. Und dabei gibt es für unsereinen immer noch genug Möglichkeiten, wie früher im Stehen zu pinkeln. Beispielsweise am Flughafen Tegel. Dort gibt es neben der Pilotenbude, wie der kleine Imbiss nur für Taxifahrer von Insidern liebevoll genannt wird, eine Container-Toilette, wo sich in der Männer-Abteilung sogar eine Piss-Rinne aus reinem Edel-Stahl mit automatischer Wasserreinigung befindet. Im Sitzen, das muss einmal in aller Klarheit gesagt werden, pinkelt der Mann immer nur zu hause. Und da war es bei mir so, dass mich irgendwann mal eine Frau fragte, was ich da machen würde. Ausgerechnet eine Frau - das musst du dir mal vorstellen! Aber es wird noch besser: Diese Frau kam aus Amerika. Das ist jetzt kein Quatsch! Eine Frau aus Amerika fragte mich, warum ich im Sitzen pinkeln würde. Und weil ich ihr die Frage nicht beantworten konnte, wurde dieser Moment zu einem Wendepunkt in meinem Leben. Denn von diesem Moment fing ich wieder an im Stehen zu pinkeln. Nicht alle Amerikanerinnen sind prüde. Amerikaner und insbesondere Amerikanerinnen sind weniger schlimm als ihr Ruf. Das ist die Wahrheit. Ich kann jedem deutschen Mann eine Amerikanerin wirklich nur wärmstens empfehlen. Früher habe ich ihm eine vom Balkan empfohlen, die ihm, dem größten Langweiler vor dem Herrn, mal so richtig Feuer unter seinem schlaffen Arsch macht. Aber was das kleine Geschäft angeht, da empfehle ich eine Amerikanerin.

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03.03.2019

TAXI-BERLIN ALS WIFE-BEATER



 Der Wife Meeter - auch eine Lösung?

Heute etwas in eigener Sache. Obwohl, das stimmt gar nicht. Denn das Taxifahren kommt im Beitrag auch vor. Zumindest ist es so geplant - noch. Die Sache ist die, dass ich seit einiger Zeit regelmäßig ein so genanntes Wife-Beater Unterhemd trage. Wife-Beater deswegen, weil früher solche weißen Feinripp-Unterhemden nur Männer getragen haben, die ihre Frau schlugen. Heute ist das anders. Da schlagen solche Männer auch ihre Männer. Habe ich mir sagen lassen. Ob Frauen auch Feinripp-Unterhemden tragen und wenn ja, wen die dann schlagen, entzieht sich meiner Kenntnis. Dass Männer Frauen geschlagen haben sollen, ist lange her, zumindest bei mir. Ich trage über meine Feinripp Wife-Beater Unterhemden auch immer ein Hemd. Von beiden, also von Feinripp-Unterhemden und auch von Hemden, habe ich mittlerweile eine umfangreiche Kollektion. Ich trage Feinripp-Unterhemden also nicht wegen Freddy Mercury von Queen, der dafür gerade den Oscar bekommen hat, wenn ich es richtig verstanden habe. Dass ich Feinripp Wife-Beater Unterhemden trage, hat aber schon etwas mit Musik zu tun, allerdings mit der von Mozart und nicht mit der von Queen. Bis vor einiger Zeit habe ich viel Mozart gehört bei mir im Taxi. Ich habe Mozarts komplettes Werk auf CD hier bei mir zu hause. Leider kann ich es nicht mehr bei mir im Taxi hören, weil dort der CD-Player kaputt ist. Mein Chef will den CD-Player aber nicht reparieren lassen, weil das zuviel Geld kostet. Im Prinzip muss er, wenn er den CD-Player wechseln will, das halbe Taxi neu machen. So sei das heutzutage mit den Ersatzteilen, sagt mein Chef, und ich glaube ihm das. Mein Chef glaubt sonst mir immer alles, also warum sollte ich nicht auch mal ihm etwas abnehmen. Seit der CD-Player kaputt ist, sieht es allerdings total mau aus mit dem Trinkgeld im Taxi. Das liegt daran, dass früher dort meine Mozart-CDs rauf und runter liefen. Das geht jetzt nicht mehr, weil wie gesagt der CD-Player im Eimer ist und damit auch mein Trinkgeld. Das liegt wiederum daran, dass bei Mozart nicht nur Kühe mehr Milch geben, sondern Fahrgäste auch mehr Trinkgeld. Ersteres haben verschiedene Studien ergeben, letzteres habe ich in jahrelangen Versuchsreihen herausgefunden. Allerdings sind die fetten Jahre der Versuchsreihen seit einiger Zeit vorbei. Ich musste mir was Neues einfallen lassen und habe verschiedenes ausprobiert. Zum Beispiel das Kuscheltaxi, in dem Frauen nicht nur vorne sitzen dürfen, sondern müssen. Das kam eigentlich sehr gut an, muss ich sagen, wirkte sich aber kaum auf's Trinkgeld aus. Dann habe ich mit Düften experimentiert, was aber zu schwierig und auch zu teuer war. Die Geschmäcker bei Düften gehen weit auseinander, und die richtig guten Düfte sind unglaublich teuer. Eines Tages kam ich auf die Idee mit den Hemden, und zwar in meiner Auszeit auf dem Balkan. Auf dem Balkan gibt es jede Menge Second-Hand Geschäfte für Klamotten, wo man mit etwas Glück Markenhemden fast für umsonst bekommt. Sicherlich sind da auch Sachen von dir dabei, die du zurück geschickt hast. Das ist seit einiger Zeit ein richtiger Volkssport vom hiesigen gelangweilten Wohlstandsgesindel. Wie dem auch sei, die Klamotten werden nicht etwa hier noch mal verkauft, das geht aus rechtlichen Gründen nicht, sondern werden für zwei Euro der Zentner auf den Balkan geschickt. Und dort kriegst du dann das Markenhemd, was sie dir noch für 120 verkaufen wollten, für zwei Euro das Stück. Praktisch neu, weil du hast es ja nicht getragen, sondern nur abgeholt und noch nicht mal ausgepackt, sondern gleich wieder zurückgeschickt hast. Das mit den Hemden ist also nicht das Problem, die werfen sie dir förmlich hinterher auf dem Balkan. Das Problem sind die Feinripp Wife-Beater Unterhemden, die man darunter trägt. Die kriegst du nicht so einfach, denn niemand trägt heute mehr Wife-Beater Feinripp Unterhemden. Trägt man sie aber nicht unter dem Hemd, ist man heutzutage wirklich ein Wife-Beater. So ändern sich die Zeiten. - Auch im Taxi. Was früher die Musik von Mozart war, ist heute das Markenhemd, was du nicht wolltest, mit dem Wife-Beater Feinripp Unterhemd drunter. Das kommt, was das Trinkgeld angeht, genauso gut an wie die Musik von Mozart. Und manchmal sogar noch besser.

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01.03.2019

GEIZ IST GEIL - ES IST WIEDER DA




Keiner konnte mir bisher erklären, was das Neue, das Innovative an Uber sein soll. Dass man per Smartphone und App bestellen kann, ist es jedenfalls nicht. Auch nicht, dass man mit Karte bezahlen kann. Schon gar nicht, dass du von A abgeholt und nach B befördert wirst. Das gab es schon immer, genauso wie Menschen zusammengekommen sind, bevor es Facebook gab. Das Neue ist eher, dass die Fahrer keine Ortskunde besitzen, also blind wie ein Schwein im Urwald sind, trotzdem aber als "Profis" angepriesen werden. Was an ihnen genau professionell sein soll, auch das konnte mir noch niemand erklären.

Neu ist das Märchen, dass Uber immer billiger als ein Taxi sei. Was zu beweisen wäre! Sicher ist, dass Uber keine Preisbindung kennt. Aber ist es das, was wir wirklich für uns wollen? Wollen wir wirklich, dass Menschen sich befördern lassen, wenn sie es sich leisten können? Den Preis bestimmt ein Algorithmus. Das ist auch neu. Allerdings konnte ihn mir noch niemand erklären, den Algorithmus. Mich erinnert das an die Derivate, die, es ist noch gar nicht so lange her, als das Neueste und Beste angepriesen wurden. Keiner hat sie verstanden, aber alle sie gekauft, und bald darauf begann die Krise, die bis heute anhält.

Was ebenfalls sicher zu sein scheint, ist, dass Uber eine Art Goldesel ist. Du steckst vorne Stroh hinein und hinten kommt Gold heraus. Oder, um genauer zu sein: Als Uber-Fahrer kannst du Strohdumm sein, du hast auch nicht mehr Fahrten als ein Taxifahrer, zahlst dafür zwar mehr an Uber (knapp 30%) als ein Taxifahrer an seine Zentrale und auch mehr Mehrwertsteuer, weil für dich der normale Satz von 19% gilt und nicht der ermäßigte von 7% wie fürs Taxi, bekommst am Ende aber trotzdem mehr Lohn heraus als ein Taxifahrer. Uber - ein modernes Märchen? Es ist das alte Märchen vom Goldmachen können!

Die Aufklärung ist schon ein paar Jahre her. Vielleicht liegt es daran, dass viele Menschen heute Schwierigkeiten mit dem selbständigen Denken haben. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Manchmal kommen sie ja auch heute noch selbst dahinter. Es dauert halt manchmal nur, wie damals bei Geiz ist geil von Saturn, bis die Leute es bemerkten. Kann sein, dass es dann zu spät ist, dass es das Taxi dann nicht mehr gibt. Ich halte dich auf dem Laufenden. Ich mache das Licht aus.

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"TRAU KEINEM, DER NICHT FICKT!"


Trau keinem, der nicht trinkt! - so lautet der Spruch eigentlich. Aber seitdem er, mein letzter Fahrgast gestern, nicht mehr trinkt, musste er sich einen anderen einfallen lassen. Das war gar nicht so einfach. Da hat er ganz schön lange überlegen müssen. Ist ja jetzt auch schon wieder eine Weile her, dass er nicht mehr trinkt. Das Warten hat sich aber gelohnt, ist er sich sicher. Sein neuer Wahlspruch kommt gut an, auch beim weiblichen Geschlecht. Seit er mit dem Trinken aufgehört hat, klappt es mit dem F..... wieder viel besser. Was will man mehr. Manche haben schon lange nicht mehr, und manch einer noch nie.

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