23.02.2019

LIVE AUS PARIS - 15. GELBWESTENPROTEST




Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, so etwas in der Art meinte Roosevelt, als er sagte: "Zwingt mich dazu. Wenn ihr es schafft, mich dazu zu zwingen, dann bin ich mit dem größten Vergnügen dabei." Das Problem scheint mir eher darin zu bestehen, dass der Präsident nicht Roosevelt sondern Macron heißt - zumindest im Moment noch.

Text TaxiBerlin

DER MINISTER HAT EIER, DIE TAXIFAHRER SIND SCHREIHÄLSE, ES GEHT UM LIBERALISIERUNG


Seit mein Uber-Fahrer mich verlassen hat, liebe ich meinen Taxifahrer

Der Minister hat Eier, die Taxifahrer sind Schreihälse, es geht um Liberalisierung - so das Narrativ in den offiziellen Medien über die Demonstration von ca. 1.000 Taxifahrern am Donnerstag. Was war passiert? Der Verkehrsminister kam die zehn Meter aus seinem Ministerium mit fünf Leibwächtern rübergelaufen und stellte sich den Taxifahrern - Respekt. Die Taxifahrer buhten ihn erst aus, hörten ihm dann zu und riefen zwischendurch und zum Schluss lautstark Uber raus! und Taxi, Taxi! Die Medien verwendeten dazu Fotos von besonders wild aussehende Taxifahrern - geschenkt. Aber auch sonst das alte Lied. Es ginge gar nicht um Verdrängung des Taxis, sondern um Liberalisierung - wer dran glaubt. Die Personenbeförderung soll ganz und gar verbessert werden. Warum er da nicht bei den vielen Straßenbaustellen und den desolaten öffentlichen Verkehrsmitteln anfängt, sondern lieber noch mehr Fahrzeuge auf die jetzt schon Uber-vollen Straßen werfen will, bleibt des Ministers Geheimnis. Schön auch der Hinweis auf die angeblich vielen Schwarze Schafe im Taxigewerbe (wo wir seit Jahren praktisch "gläsern" sind, aber das passte natürlich nicht ins Bild vom halbwilden Taxifahrer), wenn der große Pauperisierer aus Amerika nur ein einziges Großes Schwarzes Schaf ist. Darum geht es aber, um die Anhäufung von sehr viel Geld und immer mehr Macht in den Händen sehr weniger, und nicht die Personenbeförderung. Die "Liberalisierung", die bevorsteht, heißt Umverteilung, und zwar von Oben nach Unten - ein Neuer New Deal. Diese Befreiung von enormen Kapital und extremer Macht (so viel Macht, um in anderen Ländern Gesetze zu ändern) in den Händen sehr weniger, geschieht aber nicht von alleine, das wusste schon Präsident Roosevelt, der Erfinder des New Deal in den USA, der den Arbeitern und Taxifahrern damals zurief: "Zwingt mich dazu. Wenn ihr es schafft, mich dazu zu zwingen, dann bin ich mit dem größten Vergnügen dabei." Mit anderen Worten: Geht auf die Straße und demonstriert, organisiert, protestiert, streikt und so weiter. Ist der Druck aus der Bevölkerung groß genug, kann ich Gesetze machen, die ihr wollt. Das meinte Roosevelt - ein Mann, der wirklich Eier hatte. Nun kommt es drauf an, dass auch wir Eier haben. Hast du welche?

Foto&Text TaxiBerlin

20.02.2019

DIE KRISE ALS CHANCE





Hier ein paar Plakatentwürfe für die morgige Demo zwischen 10 und 12 Uhr gegen Uber vorm Verkehrsministerium an der Invalidenstraße nahe dem Hauptbahnhof. Persönlich habe ich nur wenig Hoffnung, dass man Uber noch verhindern kann, dafür haben die einfach zu viel Geld. Hinzu kommt: Das Thema interessiert sowieso nur Taxifahrer. Die breite Masse wird erst dann aufwachen, wenn irgendein anderes Uber an ihre Tür klopft. Dass das kommen wird, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, und zwar ziemlich bald. Aus Erfahrung kann ich jetzt schon mal sagen: Nimm es locker und vor allem mit Humor! Und denke immer daran: Jede Krise ist immer auch eine Chance.

Fotos&Text Taxi&Berlin

19.02.2019

ORTSKUNDIGE UBER-FAHRER UMFAHREN BESSER AM DONNERSTAG DEN HAUPTBAHNHOF


Uber? Nein Danke!

Ortskundige Uber-Fahrer, wenn es sie denn geben sollte, umfahren am Donnerstag den Hauptbahnhof besser großräumig. Möglicherweise nicht nur am Donnerstag und auch nicht nur den Hauptbahnhof, wo an diesem Tag eine große Demonstration gegen die Pläne der Politik stattfindet, den unfairen Wettbewerb durch Uber&Co zu legalisieren, die nicht die letzte sein wird, sondern besser ab Donnerstag auch alle weiteren Tage und am Besten ganz Berlin. Uber-Fahrer, die etwas auf sich halten, sollten die frei werdende Zeit zum Lernen der Ortskunde nutzen, um in Zukunft als wirklich professionelle Fahrer ihren Service in einem hiesigen Taxi anbieten zu können. Gerne helfe ich den zukünftigen Kollegen bei der Suche nach einer geeigneten Taxischule.

Foto&Text TaxiBerlin

TAXIFAHREN IST EINE KUNST


Klimpern auch

Taxifahren ist eine Kunst, zumindest betreibe ich sie als solche. Das Wichtigste bei jeglicher Kunst, das wird dir jeder Künstler bestätigen, ist nicht das Geld sondern die Zeit, die man hat. Zeit habe ich ohne Ende in meinem Taxi, und in letzter Zeit sogar noch mehr, wofür ich Uber sehr dankbar bin. Mit dem Telefonieren im Taxi ist es übrigens ganz ähnlich. Was bin ich dankbar, dass es diese Smartphones gibt, auf denen man rumklimpern kann, ohne dabei den Mund aufmachen zu müssen. Angeblich soll das Rumklimpern später zu ganz schlimmen Schäden bei den Fingern und/oder den Gelenken führen. Einen steifen Nacken haben die meisten heute schon. Aber ich kann mich nicht um alles kümmern, schließlich bin ich Künstler. Ich denke mir Fahrgäste aus. Beispielsweise da oben, das ist eine Rothaarige, die mit den Augen klimpert. Man kann wirklich mit den Augen klimpern. Gut, nicht jede. Mit den Augen klimpern ist eben auch eine Kunst.

Foto&Text TaxiBerlin

18.02.2019

DIE FAHRTEN WERDEN KÜRZER


Du hast die Wahl: Kurzstrecke, Pause oder FuckUber

Die Fahrten werden kürzer im Taxi ist Die Einschläge kommen näher des Alters und ist von mir, also von mir beobachtet, und das ganz aktuell. Das dürfte daran liegen, dass kurze Strecken beim Feind aller ehrlichen Taxifahrer teurer sind als mit dem Taxi, längere Fahrten wiederum preiswerter, zumindest noch. Auch bei der Personen-Beförderung funktioniert Rosinenpickerei, und zwar über den Preis. Uber ist nichts anderes als die Neuauflage von Geiz ist geil, was alle erst ganz toll und bald darauf ganz schlimm fanden. Es ist wieder da!

Einen Lichtblick gibt es immerhin, und zwar auch ganz aktuell. Den Lichtblick setzt die Polizei, wer hätte das gedacht?!? Die Polizei ist gerade verstärkt auf Fahrrädern in der Stadt unterwegs, was nicht nur am Wetter liegen dürfte, sondern vor allem daran, dass man mit dem Auto kaum noch voran kommt auf unseren Straßen. Dann ist es sinnvoll, noch ein paar Mietwagen auf die Straße zu werfen, dazu kommen die Berlkönig Mercedes Busse der BVG (Berliner Verkehrs Gesellschaft), die bisher ausschließlich auf der Schiene beförderte.

Nachdem die Polizei in Berlin ganze Straßenzüge an arabische Clans abgegeben hat, bleibt etwas Zeit, andere mittels Fahrradkurieren zu überwachen. Wer vor nicht allzu langer Zeit sich über die Macht der Clans beklagt hätte, wäre sofort ein Rassist gewesen, heute darf man damit ein ganzes Titelblatt gestalten. Doch zurück zu den Polizisten auf Fahrrädern, die sich auch um Busspuren kümmern. Auf einer solchen hielt ich, um Fahrgäste aussteigen zu lassen. Auch wegen dem vielen Verkehr hatte ich das Halteverbotsschild übersehen.

Der Ordnungshüter auf dem Fahrrad beließ es bei einer Ermahnung, nachdem er sich meine Papiere hat zeigen lassen. Bevor er weiter fuhr, informierte er mich noch darüber, dass der Uber, den er vor mir kontrolliert hatte, zahlen musste. Ob das jetzt daran lag, dass der Uber, im Gegensatz zum Taxi, nicht mal die Busspur benutzen darf, oder ob bei den Behörden sich das Klima gegenüber Uber ändert, ist schwer zu sagen. Mehr als wegsehen geht eben nicht, und irgendwann geht selbst das nicht mehr. Vielleicht liegt's aber auch am Fahrrad.

Wenn man Fahrrad fährt, sieht man einfach mehr, als wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Noch mehr sieht man nur noch als Fußgänger. Und das sage ich auch meinen Fahrgästen: "Mein Gott, lauf doch die hundert Meter zum Münchner Hofbräu Haus!" Dann hat sich das zwar auch mit den kurzen Strecken erledigt, den Almosen sozusagen, die Uber gnädigerweise für uns übrig lässt. Aber wer will schon ständig von Almosen leben?!? Möglicherweise ist auch gerade die Politik in Form von Polizisten auf Rädern dabei, das zu begreifen.

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17.02.2019

VOM SOHO-HAUS NACH STUTTGART


Festhalten! Bildungsauftrag!

Hatte ich neulich noch die Fahrgäste des Soho-Hauses zu meinen ganz persönlichen Ingenieuren von Audi und Siemens erklärt, die ich nicht mehr befördern würde, saß mir gestern nun doch wieder einer im Taxi, was aber nicht an mir sondern an der Beförderungspflicht liegt. Der Herr Ingenieur wollte nach Stuttgart, wo er herkommt, aber erst einmal nur nach Tegel (TXL) zum Flughafen. So weit, so normal.

Normal ist heutzutage auch, dass er sogleich mein Taxi in sein rollendes Büro verwandeln und das telefonieren anfangen wollte, was aber bei mir nicht geht. Es geht deswegen nicht, weil man nicht absichtlich weghören kann, ich mir also alles Gesagte mit anhören muss, was mich ablenkt, und was auch nicht im Interesse des Fahrgasts sein kann. Denn es ist nicht so, was viele denken, dass zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus, weil da ja noch das Gehirn dazwischen liegt, bei mir ist das zumindest so, aber ich sollte da vielleicht nicht automatisch von mir auf andere schließen.

Alles Gesagte macht etwas mit einem, genauso wie jedes Bild, das wir sehen, etwas mit uns macht. Hinzu kommt, dass wir nur ein halbes Gespräch mit anhören müssen, wo man erstmal denken könnte, dass man darüber doch froh sein solle, denn dann bekomme man ja nur den halben Unsinn mit. Hier ist es nun aber so, dass das Gehirn jegliches Unvollständige zu komplettieren sucht, auch das so ein Automatismus, gegen den man nichts tun kann.

Sieht man sich nun die meisten Gespräche etwas genauer an, und ist man darüber hinaus (so wie ich) auch etwas böse, kann man durchaus sagen, dass man dazu genötigt (Nötigung, Nötigung, Nötigung!!!) wird, sich (genauer: sein Gehirn) darüber Gedanken machen zu müssen, was der am anderen Ende der Leitung wohl auf den Nonsens (genauer: Nothing about Nothing) nun noch erwidern könnte.

Das alles sagte ich meinem Fahrgast aus dem Soho-Haus, aber eigentlich aus Stuttgart, der sich das auch alles anhörte. Damit habe ich nicht nur meinen Bildungsauftrag erfüllt, den ich als Lenker eines öffentlichen Verkehrsmittels mit Beförderungspflicht Namens Taxi inne habe (Öffentlich/Rechtlich hat da ja eine große Lücke hinterlassen), sondern ich habe auch dialektisch gedacht.

Der Mensch ist nicht von Natur aus Böse, noch nicht mal der Schwabe. Ganz im Gegenteil: Der Mensch ist formbar, und er kann sich auch weiterentwickeln, so wie mein Fahrgast. Der hat zum Schluss sogar einen Ratgeber aus meinem kleinen Bauchladen gekauft, in dem es darum geht, einfach mal seinen inneren Balkaner zu feiern.

Denn ich bin der Meinung, dass jeder von uns seinen eigenen, inneren Balkan in sich trägt, dieser aber nur allzu oft unter der Maske der Wohlanständigkeit verborgen bleibt. Es ist aber wichtig, alle Fassetten seiner Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen, egal ob man nun aus dem Soho-Haus oder aus Stuttgart kommt.

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16.02.2019

NACHRICHT AN ALLE TAXI-HINTERHER-LÄUFER


Werbung / Potsdamer Platz
früher Tiergarten / heute Neue Mitte

Es stimmt wirklich! Ich kann es nicht oft genug wiederholen: Das Taxi ist ein öffentliches Verkehrsmittel mit Beförderungspflicht, und als solches haben wir auch den Bildungsauftrag. Öffentlich/Rechtlich, wozu auch der rbb (Rundfunk Berlin Brandenburg) gehört, hat da ja eine große Lücke hinterlassen, die gefüllt werden muss, damit kein Vakuum entsteht. Da das mit dem Bildungsauftrag noch nicht bei jedem Taxifahrer angekommen, nehme ich ihn bei mir im Taxi umso ernster. Meine Fahrgäste können ein Lied davon singen, denn die müssen regelmäßig aus dem Straßenverzeichnis vorlesen, dass sich per Gesetz in jedem Taxi befinden muss. Das Telefonbuch wurde schon mehrfach vorgelesen, ein Straßenverzeichnis noch nie. Auch hier betätige ich mich einmal mehr als Trendsetter. Denn es kommt im Leben nicht darauf an, jedem Trend hinterher zu laufen. Genauso wenig wie niemand einem Taxi hinterher läuft, nur weil er dabei mehr spart, als wenn er den Öffentlichen hinterher laufen würde. Obwohl es auch da schon Ausnahmen geben soll. Diese Information an alle potentiellen Taxi-Hinterher-Läufer gehört zum Bildungsauftrag.

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14.02.2019

WAS FÜR MICH DIE INGENIEURE VON AUDI UND SIEMENS SIND


Unser Sendestudio

Ich hatte es hier angekündigt und dann auch in meiner letzten Sendung "Hier spricht TaxiBerlin #31" darüber gesprochen. Es geht um die Frage, was für den Berliner Taxifahrer die Ingenieure von Audi und Siemens sind, die er am liebsten nicht mehr befördern würde, wenn er denn könnte. Ich kann da natürlich nur von mir sprechen, und da sind es ganz klar die Fahrgäste vom oder auch zum Soho-Haus an der Torstraße Ecke Prenzlauer Alle. Das Soho-Haus ist ein Club für Reiche, wo man eine Menge Geld an Beiträgen bezahlen muss. Und das ist wohl auch der Grund, warum Fahrgäste vom oder zum Soho-Haus im Taxi eher knauserig sind. Das ist aber nicht das schlimmste, zumindest nicht für mich. Und Trinkgeld ist sowieso etwas, worauf man keinen Anspruch hat, selbst wenn man den besten Service der Welt angeboten hat. Mich stört viel mehr die Anspruchshaltung von den Leuten, die der von den Ingenieuren von Audi und Siemens entspricht, dann aber nur um die Ecke fahren, beispielsweise ins einhundert Meter Luftlinie entfernte Münchner Hofbräu-Haus.

PS: Dass meine Ingenieure von Audi und Siemens nicht mit Uber fahren, liegt daran, dass Uber bei solch kurzen Strecken definitiv teurer ist, wie mich Fahrgäste aus dem Soho-Haus wissen ließen.

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12.02.2019

PERSÖNLICHER KONTAKT UNERWÜNSCHT


Termine gibt's ...

Ich bin jemand, der den persönlichen Kontakt pflegt. Deswegen bin ich neulich ins Bürgeramt, auch weil ich einen Termin brauchte. Den hat man mir nur ausnahmsweise gegeben, auf Nachfrage sozusagen. Betteln wäre zu viel gesagt. Morgen ist es nun so weit, da ist der Termin auch schon ran. So schnell sind vier Wochen vorbei. Allerdings nicht 13:30 Uhr, und auch nicht 13:45 oder 13:50 Uhr. Nein, pünktlich um 13:48 bin ich morgen dran. Normalerweise bezahle ich alles bar, aber bar bezahlen geht auf dem Bürgeramt nicht. Deswegen war ich heute rasch noch ein paar Münzen bei meiner Bank einzahlen. Das ist nicht umsonst. Für Münzen nehmen die neuerdings 9,99%. Auch ganz ohne persönlichen Kontakt, wie ich es mag. Das nenn ich bürgernah.

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DIE ZAUBERKÜNSTLER


File:Hieronymus Bosch 051.jpg
"Der Zauberkünstler" von Hieronymus Bosch

Ich weiß, auf obigem Bild von Hieronymus Bosch gibt es nur einen Zauberkünstler, und der ist rechts im Bild. Trotzdem habe ich als Titel die Mehrzahl, also "Die Zauberkünstler" gewählt, weil es im Moment nur so wimmelt von Zauberkünstlern. Allerdings, und das ist der Unterschied zu früher, glauben die Zauberkünstler heute ihren eigenen Tricks nicht mehr. Beispielsweise die SPD, die plötzlich wieder links sein möchte. Oder die CDU, die nun doch Fehler gemacht haben will. Von der kleinen Greta gar nicht zu reden. Wer etwas gegen Greta hat, kann nur ein Unmensch sein, und wer will das schon. Deswegen schnell zurück zum Zauberer von Hieronymus Bosch.

Ein schönes Bild, auch wenn es gar nicht so sehr um den Zauberer, sondern um den Herrn ganz links im Bild geht. Der trägt eine Brille, ist also ein Intellektueller, und schaut nach oben. Offensichtlich kennt er, im Gegensatz zu den linken Intellektuellen heute, die Kunststücke des Zauberers bereits. So kann er den Herrn vor ihm in aller Ruhe um den Inhalt seines Geldbeutel bringen. (Das Bild von Hieronymus Bosch ist auch als "Der Beutelschneider" bekannt.) Die Linken heute sind, im Gegensatz zu dem Beutelschneider mit Brille links im Bild, da noch einen Schritt hinterher. Die Linke heutzutage glaubt wirklich Zauberkünstlern, die ihren eigenen Tricks misstrauen.

Es gibt heute aber auch Zauberkünstler, die noch an ihre eigenen Tricks glauben. Die Grünen beispielsweise, die können gar nichts tun, an das sie nicht glauben würden. Dementsprechend sind sie auch am einfachsten zu handeln. Nur manchmal frage ich mich, was besser ist: Menschen, die man kaufen kann, wie zum Beispiel auf dem Balkan? Oder Menschen, die Dinge ganz umsonst tun, weil sie nichts wissen, nichts wissen wollen, weswegen sie alles glauben müssen, und so zu Überzeugungstätern ihres eigenen Glaubens werden? Übrigens: Das hatten wir schon mal! Und ehrlich gesagt will mir kein rechter Grund einfallen, warum letztere die besseren Menschen sein sollten.

Bild HieronymusBosch
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11.02.2019

MIT DEM TAXI NACH DAVOS




Ach nee, die waren ja alle mit ihrem Privat-Jet dort. Der Historiker Rutger Bregman war der einzige, der mit dem Taxi aus Holland kam. Zum allerersten Mal, wie er sagt, was gleichzeitig sein letztes Mal war. Denn er erlaubte sich, die, die mit ihren Privat-Jets gekommen waren, aufzufordern, endlich aufzuhören über Almosen zu sprechen und lieber mal Steuern zu bezahlen. Das kam gar nicht gut an, und selbst auf dem Podium fragte man sich: Was erlauben Bregman?

Video YouTube
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10.02.2019

YOU ARE (NOT) WELCOME


Auf dem Zentralen-Omnibusbahnhof (ZOB)

Nicht nur im Taxi, aber auch dort, passiert es in letzter Zeit immer öfter, dass die Dinge vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Im Unterschied zu früher erledigen das heutzutage die Fahrgäste meist selber. Das ist, so denke ich, eine sehr positive Entwicklung, die damit zu tun hat, dass immer mehr Menschen vielleicht nicht wissen, aber immerhin doch spüren, dass sie irgendwie im falschen Leben sind, dass ihre Gefühle immer weniger zu dem passen, was aus ihrem Mund herauskommt. Man merkt das beispielsweise daran, dass der Körper, oder wegen mir auch die nonverbale Kommunikation, etwas ganz anderes ausdrückt, als das verbalisiert Gesagte. Ich will ein Beispiel machen, damit es klarer wird: Offiziell wird der Berlin-Besucher mit dem Slogan "Welcome To Berlin" am Zentralen-Omnibusbahnhof (ZOB) am Messedamm Ecke Masurenallee begrüßt. Im selben Moment ist der Bahnhof aber eine riesengroße Baustelle, deren zentraler Bereich gesperrt ist, und wo die Busse irgendwo am anderen Ende kurz vorm Kaiserdamm bereitstehen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber "You Are Welcome" sieht bei mir anders aus.

Kurz zusammengefasst: Noch wichtiger als das Gesagte ("You Are Welcome") ist meist das Nicht-Gesagte ("You Are Not Welcome").

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08.02.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #31 ZUM NACHHÖREN




Zwei Dinge fallen in letzter Zeit nicht nur mir immer öfter auf, sondern auch meinen Fahrgästen. Das ist zum Einen, dass Taxifahrer immer freundlicher werden, beispielsweise auch in Berlin. Was genau der Grund dafür ist, wäre auch noch mal ein eigenes Thema. Wer es herausfinden möchte, oder wer es ganz und gar nicht glaubt, sollte sich vielleicht zur Abwechslung selbst mal wieder in ein Taxi setzen.

Die andere Sache, die ebenfalls nicht nur mir in letzter Zeit immer öfter auffällt, ist die, dass immer mehr Menschen immer öfter gut über Österreich sprechen, und da insbesondere über Wien. Auch mein gestriger Sudio-Gast Axel weilte erst kürzlich eine ganze Woche in Wien. Leider konnte er uns in der Sendung nichts darüber berichten (das hatte er bereits davor getan), denn in der gestrigen Ausgabe von "Hier spricht TaxiBerlin" ging es um Kantinen und Imbisse in Berlin.

Was Axel, der nicht nur den Spezialatlas für Taxischein-Aspiranten herausgibt, sondern darüber hinaus auch Redakteur bei den Taxi-Times, einem Insider-Magazin für Taxifahrer, ist, da in jahrelanger auch Nachtarbeit über Kantinen und auch über Imbisse in Berlin, dem Thema meiner gestrigen Sendung, herausgefunden hat, das kannst du nun ab sofort auf obiger Internetseite aus Österreich nachhören.

Ich habe keine Ahnung, wie ich zu der Ehre komme, dass meine Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" ausgerechnet in Österreich hochgeladen wird, und das schon seit einiger Zeit. Was ich auf jeden Fall weiß, ist, dass die beiden Bücher des Klassischen Bulgarischen Autors Aleko Konstantinow der in Klagenfurt ansässige Wieser-Verlag für mich herausgegeben hat, und dass ich mich, sobald es meine Zeit erlaubt, nach Österreich und auf die Spuren von Thomas Bernhard begeben werde, der dort mehrere Bauernhöfe, sogenannte Vierkant-Höfe, besaß, von denen man mindestens einen besichtigen kann.

Nicht nur in Wien, der lebenswertesten europäischen Hauptstadt, gibt es gutes Essen, wie mein gestriger Studiogast zu berichten wusste, sondern insbesondere auf dem Land soll man in Österreich extrem gutes Essen vorgesetzt bekommen. Das bestätigen mir immer wieder österreichische Fahrgäste. Und auch wenn diese meinen Service und insbesondere meine Performance in meinem Taxi oftmals sehr gut finden, kann natürlich auch ich immer noch besser werden, womit ich auch dem eingangs erwähnten aktuellen Trend folge, den ich möglicherweise sogar selbst ins Leben gerufen habe. Jedenfalls arbeite ich permanent daran - auch in meiner Radio-Sendung.

Audio HearThis
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07.02.2019

WAS FÜR DEN BERLINER TAXIFAHRER DIE INGENIEURE VON AUDI UND SIEMENS SIND


Burger sind es nicht, aber man würde gerne welche aus ihnen machen

Sicherlich hast auch du von Michael Schmiedl gehört, der vor drei Wochen bekannt gab, nicht länger für Ingenieure von Audi und Siemens zu arbeiten. Der Fliesenleger aus Riedenburg bei Ingolstadt hat viel Zustimmung dafür bekommen, offensichtlich haben die meisten Menschen ihre ganz persönlichen Ingenieure von Audi und Siemens, für die sie nicht mehr arbeiten würden. Für mich gibt es ganz klar die Ingenieure von Audi und Siemens, die ich am Liebsten nicht bei mir im Taxi haben würde, gäbe es da nicht die Beförderungspflicht. Natürlich willst du wissen, wer genau diese Ingenieure von Audi und Siemens für einen Berliner Taxifahrer sein könnten. Um zu erfahren, welcher Personenkreis nun genau die Ingenieure von Audi und Siemens für einen Berliner Taxifahrer sind, musst du heute Abend nur das Radio einschalten. Ab 19 Uhr werde ich in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" auf Pi-Radio, in Berlin ist das 88.4 MHz, in Potsdam bereits 90.4 MHz oder weltweit im Internet unter piradio.de, unter anderem diese Frage beantworten, wer für einen Berliner Taxifahrer die Ingenieure von Audi und Siemens sind.

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06.02.2019

MIT DEM TAXI ZUR RAUCHERINSEL


Spezial-Stadtplan für Raucher, herausgegeben von der Charité (Ausschnitt)

Unter den Junkies nehmen die Raucher und auch die Raucherinnen eine Sonderstellung insoweit ein, dass sie nicht nur gesellschaftlich akzeptiert sind, was OK wäre, wenn sie einen nicht regelmäßig vollqualmen würden, so wie andere einen permanent mit ihrem Smartphone vollquatschen. Nein, für die Raucher und Raucherinnen gibt es neuerdings darüber hinaus auch eigene Hot-Spots, zu denen man sie dann sogar mit dem Taxi hinfahren darf, schließlich haben wir als öffentliches Verkehrsmittel die Beförderungspflicht. Heute traf es mich, deswegen berichte ich darüber, der eine Raucherin mit Yoga-Matte unterm Arm zum Raucherpilz (3) bringen durfte. Zum Glück war die Fahrt nicht lang, so dass es mir nicht allzu schwer fiel, mir das laute Lachen (auch lol oder so) für danach zu verkneifen.

PS: Mit Uber wäre die Fahrt doppelt so teuer - deswegen Taxi!

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05.02.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN ÜBER KANTINEN UND VERBESSERT DIE HEILIGE SCHRIFT VIELLEICHT DABEI - VERPASSE ES NICHT!


Der Kauperts
Das Altes Testament der Straßen- und Wegelehre

Diesen Donnerstag ist es nun endlich so weit, da sind wir wieder auf Sendung. "Hier spricht TaxiBerlin", eine Sendung für Alle und Keinen, auch bekannt als die Freie Stimme der Mobilen Welt, eine Sendung übers Taxifahren und seine Nebenwirkungen, diesmal zum Thema Kantinen, wozu ich mir den kompetentesten Taxifahrer eingeladen habe, den es zu diesem Thema gibt. Er, Name wird nicht verraten, kennt sich aber nicht nur mit Kantinen aus, sondern auch mit dem Alten Testament der Straßen- und Wegelehre, dem Kauperts. Wenn es klappt, wird mein Studiogast nicht nur über Kantinen reden, also über Demokratisches Essen, wie Layne es nennt, die wieder an den Reglern sitzen wird, sondern auch den Kauperts korrigieren. Das ist nichts völlig Neues, das gab es schon mal, dass jemand die Heilige Schrift verbessert hat, und zwar Kollege Nietzsche: "Lukas 18, 14 verbessert. - Wer sich erniedrigt, will erhöht werden." Alles übrigens im Rahmen des Bildungsauftrags, den wir Taxifahrer als Lenker eines öffentlichen Verkehrsmittels mit Beförderungspflicht seit einiger Zeit inne haben - Öffentlich/Rechtlich hat da ja eine große Lücke hinterlassen. Du kannst live dabei sein und uns sogar im Studio anrufen. Du musst dir nur den Wecker oder wegen mir auch dein Smartphone stellen auf Donnerstag 19 Uhr, dann musst du nur noch das Radio einschalten und 88.4 einstellen, wenn du in Berlin wohnst, in Potsdam ist es bereits die 90.7 oder du gehst ins Internet, noch besser, dort kannst du uns unter piradio.de sogar weltweit hören.

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04.02.2019

WELCOME WAR GESTERN


Zentraler Omnibus Bahnhof / Masurenallee Ecke Messedamm
früher Charlottenburg / heute Charlottenburg-Wilmersdorf

Leute, kommt nicht nach Berlin, geht nicht über Los, nehmt nicht noch die Hauptstadt mit! Für euch ist es doch eh egal wo ihr seid, ob Berlin, Budapest oder Bukarest, ihr starrt doch sowieso überall nur auf euer verficktes Smartphone. Warum macht ihr das nicht bei euch zu hause, dann muss kein Flugzeug die Luft verpesten, kein Auto unsere Straßen verstopfen und ihr geht auch sonst niemanden auf die Nerven, außer vielleicht eurer Familie zu hause. Aber die kennt euch und eure Macken bereits, die kann damit umgehen. Wir wissen das nicht und wollen es auch nicht wissen. Bleibt einfach da, wo ihr seid, damit ihr hier nicht direkt nach eurer Ankunft in den extra für euch überdimensionierten Mülltonnen der Berliner Stadtreinigung landet.

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03.02.2019

ÄRGERE DICH NICHT - SCHALT EINFACH AB


Auch wenn ich bei mir im Taxi mangels Fahrgästen jetzt immer mehr Zeit zum Radio hören habe, höre ich viele Sender gar nicht mehr, und dazu gehört auch Radio Eins. Mit einer Ausnahme, und das ist "Die Blaue Stunde" mit meinem Freund Serdar, der auch schon mal Taxifahrer war, oder zumindest so getan hat, als wäre er einer. Serdars Sendung höre ich aus Mitleid (Mitleid wird weitgehend unterschätzt, aber das nur nebenbei), aber auch weil man von Serdars Sendung viel lernen kann, und zwar wie man's besser nicht macht. Ich bin so ein Typ, der möchte immer was dazu lernen, um immer noch besser zu werden. Das ist auch meine eigentliche Motivation beim Taxifahren. Ich weiß, viele Menschen möchten immer dazu lernen genauso wie sie offen sein wollen, und vielleicht gehörst auch du zu ihnen. Leider ist es dann im richtigen Leben oft so, dass das Gegenteil der Fall ist, und dass die Leute nicht mal richtig zuhören können. Solcher Natur waren auch die Anrufer in Serdars letzter Sendung mit dem schönen Thema "Politische Korrektheit" am vergangen Sonntag zwischen 16 und 18 Uhr. Eine weitere Gemeinsamkeit der Anrufer aber nicht nur untereinander, sondern auch mit Serdar war, dass alle schon wussten, was Gut und Richtig ist, und die anderen es nur noch zu lernen brauchten, am Besten von ihnen selbst. (Im Prinzip das, worunter die meisten Gesprächsangebote der Art "Lass uns da mal drüber reden" oder auch nur "Wie müssen reden" heutzutage leiden.) Eine Anruferin in Serdars Sendung schlug ganz und gar vor, "reflektierter mit seinen Gedanken umzugehen" (keine Ahnung, wie man das macht), womit sie meinte, böse Gedanken (die jeder Mensch hat) bei anderen zu verurteilen, aber bei sich nicht wahrhaben zu wollen. (Also "Der Splitter im Auge des anderen und das Brett vor dem eigenen", allerdings nicht als biblisches Gleichnis sondern einfach nur als Rechthaberei.) Ich warte noch auf den Ratgeber "Der politisch korrekte Umgang mit seinen Gedanken", zumindest habe ich das Serdar geschrieben. Der Höhepunkt in der Sendung war aber nicht die Anruferin, sondern Serdars Hinweis auf eine andere Sendung von ihm, zu der er jemanden aus dem Dschungelcamp eingeladen hat, über das er kurz zuvor (völlig zu Recht) auf das Übelste abgelästert hatte. Nur, warum lädt er dann jemand aus dem Dschungelcamp in seine Sendung ein, wenn es doch so schlimm ist? Gibt es keine interessanteren Gäste als Leute aus dem Dschungelcamp? Auch das habe ich Serdar in meiner Kurzkritik gefragt, der ja vielleicht auch mit jeder Sendung besser werden möchte. Wie gesagt, ich höre seine Sendung um selber besser zu werden, aber auch, weil es wirklich sehr schwer ist, von alten Gewohnheiten zu lassen, zu denen auch Radio Eins hören gehört. Auch ich habe, wie du vielleicht auch, lange über Radio Eins geschimpft, obwohl man es doch einfach nur abschalten braucht. Und das ist glaube ich das, wovor die meisten Menschen Angst haben im Leben, weswegen sie alles immer am Liebste so lassen würden, wie es ist. Die Rede ist von Veränderungen (sowohl im Kleinen zum Beispiel beim Radio hören aber auch im Großen) die vor uns stehen.

Text TaxiBerlin

02.02.2019

EILMELDUNG +++ MACRON EINE GELBWESTE


Erfahre gerade, dass auch Macron eine Gelbe Weste trägt, nachdem ihm nicht gelungen ist, sie zu kriminalisieren. Hierzulande ist Gelb das neue Braun, oder wie der Genosse Hager seinerzeit sagte, dass wenn der Nachbar seine Wohnung neu tapeziert, man deswegen seine Wohnung nicht auch tapezieren braucht. Hier hatte Kurt Hager ein weises Wort gesprochen, weswegen er auch als Tapeten-Kutte in die Geschichte einging. Für unseren Nachbarn Frankreich hat Macron "tiefgreifende Konsequenzen" angekündigt. Diese könnten aus den Ideen von Franklin D. Roosevelt und John Maynard Keynes gespeist sein. Ob du es glaubst oder nicht, mit genau diesen beschäftige ich mich seit Wochen bei mir im Taxi. Um genau zu sein mit dem "New Deal" des amerikanischen Präsidenten Roosevelt, der auch meinte, dass in der Politik nichts zufällig geschieht, sondern alles immer genauso geplant ist, parallel dazu lese ich "John Maynard Keynes On Air" - ein aufschlussreiches Buch. Woher ich das alles weiß, willst du wissen? Na von einem unserer Leitmedien, welches mir sagt, was ich heute wieder denken soll. Beispielsweise auch, dass meine Kaufkraft seit der Einführung des Euros 1999 (die allerdings erst am 1.1.2002 war) um 17% zugelegt haben soll. Wahrscheinlich ist hier mal wieder der Durchschnitt gemeint, und mit dem verhält es sich bekanntlich so: Der Dorfteich ist im Durchschnitt nur 50 Cent (Verzeihung, es muss 50 Zentimeter heißen) tief - und trotzdem ist die Kuh ersoffen.

Text TaxiBerlin

LERNE AUCH DU ANDERE MENSCHEN KENNEN UND FAHR MAL WIEDER MIT DEN ÖFFENTLICHEN


Speisen wo andere nur Schlafen - das geht auch zur Kontaktaufnahme

Ich weiß, auch das Taxi ist ein öffentliches Verkehrsmittel. Und trotzdem empfehle ich meinen wenigen Fahrgästen mal wieder mit den besser als "Öffentliche" bekannten Verkehrsmitteln zu fahren, also mit Bus und Bahn, und da am besten mit der U- und S-Bahn. Man lernt dort viele neue Menschen kennen. Das liegt daran, dass man oft lange zusammen auf die nächste Bahn, meist ist es die über- oder überüber- und allzuoft auch überüberübernächste warten muss, weil die nächste, die übernächste und auch die überübernächste in der Regel ausgefallen ist. Auch in der Bahn ist das Kontaktpotential sehr hoch, um genau zu sein ist es dort sogar noch um einiges höher als auf dem Bahnsteig. Als Abschluss und zweifellosen Höhepunkt der Selbsterfahrung "Öffentliche" empfehle ich unbedingt den Besuch des Supermarktes im Keller vom Ostbahnhof. Dort trifft man auf eine ganz neue Welt, und zwar auf die von morgen. Die Welt von morgen ist kein Ponyhof, auch wenn sie so riecht. Wobei, wenn ich's mir recht überlege, ist Ponyhof zu milde. Es ist vielmehr der Eingang zur Hölle, von der man sich wünscht, sie würde wie ein Ponyhof riechen.

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01.02.2019

EINE UNTERHALTUNGSSENDUNG NAMENS WELTSPIEGEL


Ein Kollege wies mich gestern auf den Weltspiegel vom 26. Januar bei der ARD hin. In dem Beitrag, man findet ihn in der Mediathek, geht es um das Thema, dass uns auch in Berlin beschäftigt, und zwar um Taxi vs. Uber. Ich habe lange keinen Weltspiegel mehr gesehen, und so war ich etwas überrascht, dass das einst kritische Magazin heute eine Unterhaltungssendung ist. Immerhin die Fakten stimmen: 12.000 Yellow-Cabs stehen in New York mittlerweile 80.000 Uber-Fahrzeuge gegenüber. Auch die Zahl der Taxifahrer, die sich wegen der unfairen Konkurrenz im letzten Jahr das Leben nahm, war richtig. Es sind acht, ich hatte an dieser Stelle über sie geschrieben (hier auch auf englisch). Das Neueste ist nun, dass die Taxifahrer (und nur sie!) vom Fahrgast einen so genannten Stau-Zuschlag in Höhe von 2,50$ pro Fahrt eintreiben sollen. Zuschlag für einen Stau, den v.a. die 80.000 Uber-Fahrzeuge verursachen. Das erfährt man eher zwischen den Zeilen, was aber schon immer so war. Das Wichtigste steht immer zwischen den Zeilen. Immerhin erfährt man, dass eine Uber-Fahrerin Schauspielerin werden will. Das hat mich in dem Zusammenhang auch brennend interessiert. Was der Weltspiegel nicht verrät, ist, dass Uber keine Krankheit und auch keine Naturkatastrophe ist, gegen die man nichts unternehmen kann. Ob und was man gegen den unfairen Konkurrenten Uber tun kann und auch gegen diejenigen, die Uber in New York zulassen und deswegen "Blut an ihren Händen haben", wie ein Kollege es formuliert, erfährt man leider nicht vom Weltspiegel. Das wäre auch etwas viel verlangt von einer Unterhaltungssendung.

Text TaxiBerlin