17.08.2019

DAS LETZTE FOTO


So sieht es aus

Ein Baum, ein Esel, drei Müllsäcke, keine Menschen! - so könnte es aussehen, das letzte Foto. Jetzt nicht von mir, sondern überhaupt.

Foto&Text TaxiBerlin

16.08.2019

TAXIBERLIN RETTET DIE WELT (FORTSETZUNG)


Und wie!

Zwei Müllsäcke sind rasch gefüllt am Rande unseres schönen Kontinents, insbesondere in der noch schöneren Natur, wo sich der meiste Müll befindet. Wegen dem bin hier und segele nicht um die halbe Welt, wie unser aller Greta, die scheinbar Unvermeidbare. Am Rande Europas kennt sie übrigens keiner, was aber nicht daran liegt, dass man hier keine Mädchen mit Zöpfen mögen würde. Dass keiner Greta kennt, liegt ganz einfach daran, dass man sie noch nie tanzen gesehen hat. Und das ist doch gerade das wichtigste in einer Krise, dass man auch dann noch tanzt (wegen mir auch auf dem Müll), wenn einem alles um die Ohren fliegt. Zumindest sieht man das hier so.

Foto&Text TaxiBerlin

WIE TAXIBERLIN DIE WELT RETTET


Alles klar?

Während Greta um die Welt segelt, um die Welt zu retten, ziehe ich mit zwei Esel los und sammle Müll ein. Müll ist so mit das einzige, was es am Rande Europas reichlich gibt. Nicht nur für die hiesige Bevölkerung, die, wenn sie nicht auswandert, einen gewissen Hang zur Selbstzerstörung hat. Woran das genau liegt, das habe auch ich noch nicht herausgefunden. Das Müll sammeln hilft auf jeden Fall ungemein dabei, die Gedanken zu sortieren. Und wenn jemand Klarheit in eigener Sache sucht, so kann er gerne vorbei kommen. Müll gibt es wie gesagt genug. Nur mit den Eseln wird es langsam eng.

Foto&Text TaxiBerlin

13.08.2019

TAXIBERLIN ALS TIERARZT IM EINSATZ


Zwei für die Arche

Nachdem ich viele Jahre als rollender Therapeut auf den Straßen und Plätzen unterwegs war, muss ich mir nunmehr eingestehen, dass mein Einsatz ganz umsonst war. Der Mensch, allen voran das Party-Volk, ist ein verlorener Fall, und das mit dem Klima ist nur vorgeschoben. Was man noch tun kann und auch sollte, ist ein paar Tiere retten. Meine Empfehlung: Mach es wie Noah und nimm von jedem ein Paar!

Foto&Text TaxiBerlin

09.08.2019

WIE HERR STALIN UND ICH DAS KLIMA RETTEN


"Komplex Stalin" mit Mauer und eigener Stromerzeugung

Vor einiger Zeit hat mein Nachbar seinen Gulag von "Grill Stalin" in "Komplex Stalin" umbenannt. Mir empfahl Herr Stalin "Meinen kleinen Gulag" besser "Gulag-Ressort" zu nennen. Das habe ich getan, und seitdem kann ich mich vor Anfragen nicht retten. Die halbe Welt will plötzlich in mein "Gulag-Ressort" einziehen, was wohl auch daran liegt, dass mein Nachbar aktuell eine Mauer um seinen Komplex hat bauen lassen. Mit anderen Worten: Herr Stalin kann sich seine Gäste aussuchen, die bei ihm einziehen. Aber es wird noch besser! Seine Gäste produzieren in dem eigens zu diesem Zweck vom Herrn Stalin entworfenem "Human Hamsterrad" nicht nur genug Strom für seinen Komplex. Herr Stalin hat soviel Strom, dass er die ganze Region damit versorgen kann, die zugegeben ziemlich ausgestorben ist. Im Prinzip gibt es dort neben dem Herrn Stalin mit seinem Komplex nur noch mich und mein Ressort. Aber das ist jetzt nicht das Thema. Meinem Nachbarn Herrn Stalin geht es um Größeres, und so auch mir. Denn ich bin gerade dabei, mir auch so ein "Human Hamsterrad" für meine Gäste zuzulegen. Das Klima zu retten kann richtig Spaß machen.

01.08.2019

AUTOFIKTION BEIM AUTODOKTOR


Im klimatisierten Warteraum vom Autodoktor

Der Autoarzt im fernen Bulgarien kennt mich schon, ich bin sozusagen ein Stammkunde. Um genau zu sein nicht ich, sondern das Auto. Mit dem Taxi ist so weit alles OK, nur hatte ich in Berlin vergessen den Ölwechsel machen zu lassen. Das wird gerade nachgeholt, während ich im klimatisierten Warteraum mit Internet von meinem Autoarzt darüber bei einer Tasse Kaffee und einem Glas Soda berichten kann.

Foto&Text TaxiBerlin

29.07.2019

VOM "FORENSIKER DER GESELLSCHAFT"


Meine Reise in "Meinen kleinen Gulag", den ich neulich in "Gulag-Ressort" umbenannt habe, begann alles andere als vielversprechend. In ganz Bayern war, warum auch immer, keine einzige Weißwurst aufzutreiben, nicht einmal eine vergammelte. Nicht nur mit Berlin, nein, auch mit Bayern geht es bergab! Am Abend dann das Highlight in Österreich, wo sonst?! Der Österreicher hat seinen Staatspreis für Europäische Literatur, an dem immerhin 25.000 Ocken dranhängen, vergeben. Aber nicht an irgendjemand, sondern an den "Forensiker der Gesellschaft". So nannte Kulturminister Alexander Schallenberg am Samstag den französischen Autor Michel Houellebecq. Der frisch gebackene "Forensiker der Gesellschaft" zitierte in seiner Dankesrede den österreichischen Autor Thomas Bernhard, der in einem Text seinen Freund Paul, den Neffen des österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein sagen lässt: "Einen Preis anzunehmen ist schon eine Perversität, einen Staatspreis anzunehmen aber die größte."

Es stimmt wirklich: Von Österreich lernen, heißt siegen lernen!

Text TaxiBerlin

27.07.2019

ALSO SPRACH DER KOLLEGE NIETZSCHE


Kollege Nietzsche auf den Punkt Buchrücken gebracht

Kollege Nietzsche, der heute wahrscheinlich Flaschensammler wäre, ist seinerzeit auch Taxi gefahren, was die wenigsten wissen. Es war die Zeit der Pferdedroschken, Kollege Nietzsche hatte es mit Pferden - das ist bekannt. Völlig unbekannt ist, dass er sogar zwei Bücher übers Taxifahren geschrieben hat. Das eine heißt "Der Mensch mit sich alleine", das Alleinsein gehört neben dem Warten zu unseren Kernkompetenzen, das andere ist "Der Mensch im Verkehr", wo wir Taxifahrer die meiste Zeit verbringen. Zumindest war es bisher so, das ändert sich gerade. Vor allem Nachts greifen immer mehr Party People zum Feind aller ehrlichen Taxifahrer aus Amerika. Mir war das Party Volk schon zuvor ein Dorn im Auge, weil es für unnötige Unruhe sorgt, vor der bereits die Heilige Schrift in ihren Psalmen warnte:

Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es bekommt. (39/6)

Doch zurück zu Kollege Nietzsche, zu dessen Zeit es noch kein Party Volk gab, weswegen er sich über die (US)-Amerikaner beklagte, deren Unruhe uns in die nächste Barbarei treiben wird. Hier "Die moderne Unruhe" aus "Menschliches, Allzumenschliches", in dem sich Kollege Nietzsche auch zu den nicht mehr vorhandenen Jahreszeiten äußert, was Party People etwas Barock erscheinen mag, aber Party People lesen hier nicht, einfach weil sie gar nicht die Ruhe dafür haben:

Nach dem Westen zu wird die moderne Bewegtheit immer größer, so dass den Amerikanern die Bewohner Europas insgesamt sich als ruheliebende und genießende Wesen darstellen, während diese doch selbst wie Bienen und Wespen durcheinanderfliegen. Diese Bewegtheit wird so groß, dass die höhere Kultur ihre Früchte nicht mehr zeitigen kann; es ist, als ob die Jahreszeiten zu rasch aufeinanderfolgen. Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus.                            ("Die moderne Unruhe")

Foto&Text TaxiBerlin

26.07.2019

VON ÖSTERREICH LERNEN HEIßT SIEGEN LERNEN


Berliner Taxi irgendwo in Österreich

Obwohl TaxiBerlin auf seinem Weg in die Schluchten des Balkans noch nicht mal bis Österreich gekommen ist, wurde in unserem schönen Nachbarland Uber, der Feind aller ehrlichen Taxifahrer, verboten, vermutlich aus vorauseilendem Gehorsam. TaxiBerlin ist ein großer Fan von Österreich, wo nicht nur das Essen besser ist als in Berlin, der Hauptstadt des schlechten Essens und der schlechten Straßen. Nein, in Österreich erscheinen auch anspruchsvolle Bücher, für die sich hierzulande kein Verlag findet. Als Herausgeber zweier Bücher weiß ich, wovon ich rede. Dass wir nun in Sachen fairer Wettbewerb (also mit nachvollziehbaren und nicht gewürfelte Abrechnungen, wie bei Uber, deren Fahrzeuge ohne Wegstreckenzähler von Profis ohne Plan gesteuert werden) von Österreich lernen können, mag den ein oder anderen jetzt vielleicht verwundern. Für mich ist es spätestens seit meinen Erfahrungen als Herausgeber keine Überraschung mehr.

Foto&Text TaxiBerlin

19.07.2019

TAXIBERLIN ALS GLOBAL PLAYER


* ab September wieder

Gestern hat mich jemand einen Global Player genannt. Es war aber kein Fahrgast, sondern jemand, mit dem ich ein Hobby teile, genau genommen eine Sucht, und zwar die Büchersucht. (Die Büchersucht ist eine relativ neue Sucht, und ich bin Patient Nummer Eins - ich hatte das hier erwähnt.) Mein Leidensgenosse und ich treffen uns nun schon einige Zeit an den üblichen Tatorten. Offensichtlich haben wir denselben Suchtrhythmus. Gestern kamen wir bei einer vom älteren Genossen spendierten Tasse Kaffee ins Gespräch, an dessen Ende er mich einen Global Player nannte. Global Player ist natürlich total übertrieben, zumindest was das Taxifahren angeht. Taxifahren tue ich nur in Berlin. Aber Taxifahren tue ich nicht nur, damit mir beim Arbeiten möglichst wenige Leute auf die Eier gehen können, sondern vor allem, damit ich auch mal nicht Taxifahren muss. Und diese Zeit beginnt, wie alle Jahre wieder, heute. Global Player stimmt insoweit, als dass ich später am Tag noch ins Land, wo die Zitronen blühn reisen werde, wenn auch nur übers verlängerte Wochenende. Ende nächster Woche geht es dann ins Land der Freaks am Rande unseren schönen Kontinents. Was das Land der Freaks angeht, da erreichte mich gestern zu später Stunde noch eine Nachricht aus dem Norden unseres Landes, und zwar von jemandem, der sich das gerne mal ansehen würde. Da ist der Kollege aus dem Norden nicht der einzige. Es gibt so einige, die gerne mal in Meinen kleinen Gulag, den ich neulich in Gulag-Ressort umbenannt habe, einziehen möchten. Aber auch für mein Gulag-Ressort gelten strenge Auswahlkriterien, da kann nicht jeder einziehen. Unabhängig davon kann ich sagen, dass ich selbst nur dorthin reise, wo ich Leute persönlich kenne. Reisen als Konsum, wie all die, die uns Tag für Tag in Berlin heimsuchen, lehne ich nicht nur ab, nein, ich würde es sogar verbieten, wenn ich was zu sagen hätte, alleine schon des Klimas wegen. Ich schreibe das alles, damit auch der einzige Leser meines Blogs weiß, warum ich mich in nächster Zeit rar mache auf meiner Seite. Da ich bis Mitte oder gar Ende September nicht in Berlin sein werde, gibt es am 25.Juli und am 22.August im Radio auch "nur" Wiederholungen älterer Sendungen von Hier spricht TaxiBerlin, die es allesamt hier zum Nachhören gibt.

PS: Mehr Taxi * - nicht vom Baumarkt sondern von TaxiBerlin - gibt es ab September wieder. Einer muss schließlich das Licht ausmachen.

Foto&Text TaxiBerlin

18.07.2019

WOLLT IHR DEN TOTALEN KOMMERZ ?


An der Taxihalte am Checkpoint Charly

Politiker sollen heute keine gute Politik mehr machen und zwar für eine Mehrheit, sie sollen liefern - meist für eine Minderheit. Im Stau steht man nicht einfach nur, sondern er kostet auch noch, zum Glück meistens nur ein paar Minuten. Denn Zeit ist einfach nur Zeit. Man kann sie nutzen, beispielsweise um ein Buch zu lesen, oder eben nicht. Zeit ist aber kein Geld und war es noch nie. Zeit ist Geld ist nur ein dummer Spruch. Berlin - alles ist möglich war einmal richtig. Das ist lange her. Mit einem guten Spruch ist es spätestens dann vorbei, wenn man ihn als Magnet für den Kühlschrank kaufen kann.

Foto&Text TaxiBerlin

17.07.2019

GREIFSWALDER ECKE HASTUNICHJESEHN


Gestern Abend

Die folgende Geschichte ist eine wahre Begebenheit. Sie trug sich gestern Abend um 22:30 Uhr im Prenzlauer Berg zu. Meine Fahrgäste wollten in eine schmale Seitenstraße zwischen Prenzlauer Allee und Greifswalder Straße. Der Wagen der Polizei mit Blaulicht stand in der Mitte der Straße, so dass niemand vorbeikam. Hinter dem Polizeiauto kurz vor der Greifswalder stand ein Wagen ohne Licht. Mein Fahrziel befand sich knapp 100 Meter oberhalb des Polizeieinsatzes. Nachdem meine Fahrgäste ausgestiegen waren, aber bevor ich wenden konnte, kam die Polizistin rasch die 100 Meter zu mir hochgelaufen, und es entspann sich folgender Dialog:

Polizistin: Guten Abend! Sagen Sie, was ist das für einen Wagen, den Sie fahren? Ist das auch ein Toyota Hybrid?

TaxiBerlin: Warum?

Polizistin: Weil ein Kollege von Ihnen nicht weiß, wie er in seinem Wagen das Licht eingeschaltet kriegt.

TaxiBerlin: Ein Kollege?

Polizistin: Ja, nein, ein Uber-Fahrer. Ach, Sie sind gar kein Uber?!?

TaxiBerlin: Nein, aber ich weiß, dass Uber-Fahrer laut Eigenwerbung allesamt Profis sind, und als solcher sollte er wissen, wo der Lichtschalter ist. Ansonsten müssen sie ihm die Lizenz entziehen!

Polizistin: Sie haben Recht, und ich verstehe Sie da sehr gut ...

TaxiBerlin: Na, dann müssen Sie's ja nur noch machen!

Danach wendete ich, und die Polizistin (auch so ein Profi!) ging zurück zu ihrem Einsatzort. Vielleicht steht sie dort jetzt noch.

Foto&Text TaxiBerlin

16.07.2019

ACHTUNG, SIE WERDEN VERFOLGT !


Großer Pruder & Schwesta (GPS) sieht dich

Gestern war die Stadt wie ausgestorben. Keine Ahnung, wo die wieder alle waren. Vor allem gab es keine Besucher, weder auf der Straße, noch im Taxi. Es war so schlimm, dass ich mich schon fragte, ob die vielleicht alle beherzigt haben, was ich ihnen hier empfohlen hatte. Wahrscheinlich war es auch einfach nur zu kalt, so dass alle lieber zu hause geblieben sind, also in ihren Hotels und/oder dem Berliner Wohnungsmarkt entzogenen airbnb-Unterkünften meine ich. Selbst Mieträder und auch E-Roller, mit denen die Infantilisierung der Gesellschaft nun auch den Straßenverkehr erreicht hat, gab es genug verwaiste am Wegesrand. Ein Grund übrigens, warum die keiner klaut oder zumindest umschubst, ist, dass sie alle "GPS Verfolgt" sind. Der Anbieter dieses Unfugs weiß also immer, wo die sind, außer wenn sie, so wie gestern, im Hotel oder in ihren dem Berliner vorenthaltenen airbnb-Unterkünften sind. Dann weiß es nur der Mobilfunkanbieter.

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15.07.2019

BE WHO YOU ARE AND NOT WHERE IT MATTERS


Flughafen Tegel (TXL) / Ortsteil Tegel
früher Reinickendorf / heute Reinickendorf

Die Menschen sind heute so verdreht, man muss praktisch alles, was sie sagen oder auch schreiben, vom Kopf auf die Füße stellen. Ein Beispiel: Alle regen sich auf, dass wir keinen Flughafen bauen und vor allem keinen Flughafen eröffnen können. Dabei sind Flugreisen neben Kreuzfahrten das reinste Gift für das Klima, und das Klima wollen doch alle retten, oder? Ich freue mich jeden Tag auf's Neue und empfinde es als großes Glück, dass es den Flughafen Tegel noch gibt, denn seine Provinzialität schützt uns vor noch schlimmeren, und zwar der totalen Heimsuchung von noch mehr Menschen, die immer dort sein müssen, wo es matters, es sich also lohnt. Sei, wo es sich lohnt, ist von Leuten wie Trump, die immer dort sind, wo sie ein Geschäft (t)wittern. Die Frage muss dementsprechend sein: Für wen lohnt es sich? Für einen Businessman wie Trump? Oder für den Berliner? Wohl kaum für letzteren, denn der hat die Schnauze voll von Leuten, die immer nur dort sein wollen, wo andere ihnen sagen, dass sie sein müssen, damit diese anderen ihr Business mit ihnen machen können. Richtig muss es lauten: Sei, wer du bist! (Und nicht: Sei, wo es sich lohnt!) Noch richtiger: Werde, wer du bist! Denn wer weiß schon, wer er selber ist? Oder, um es mit Georg Büchner zu sagen: "Jeder Mensch ist ein Abgrund; es schwindelt einem, wenn man hinabsieht."

Foto&Text TaxiBerlin

14.07.2019

UND WAS IST MIT SEX ?


Wilhelm Reich 

Zu meinen Dienstleistungen gehört neben meinem Bauchladen und der Beförderung von A nach B auch die mobile Lebensberatung. Diese wird seit einiger Zeit immer öfter in Anspruch genommen. Der Bedarf an Lebensberatung ist in den letzten Jahren enorm gestiegen, was vor allem daran liegt, dass die Menschen die einfachsten Dinge in ihrem Leben nicht mehr geregelt bekommen. Das ist zumindest meine Beobachtung. Gestern Abend zum Beispiel erzählte mir eine junge Frau bei mir im Taxi, wie sehr ihr Partner und sie sich ein Kind wünschen würden. Und zwar so sehr, dass sie als nächstes eine Kinderwunschklinik aufsuchen werden. Als ich meine Fahrgästin daraufhin nach ihrem Sexualleben fragte, stellte sich heraus, dass ihr Partner und sie ein solches nicht haben. Dass es so ganz ohne Sex schwer sei mit dem Kinder kriegen, davon hätte auch sie schon gehört. Trotzdem war Sex für sie keine Option. Denn dabei würde ihr Partner in sie eindringen, und das sei schließlich Körperverletzung.

Foto&Text TaxiBerlin

12.07.2019

TOURIST GO HOME AND WE ARE FREE NOW


Take your Smartphone and your Latte und just go

Genauso wie bei der Planung gibt es beim Umgang mit Touristen vier Stufen. Das habe ich gestern im Radio gehört, also wird es wohl stimmen. Immerhin deckt es sich mit meinen Beobachtungen. Ist man als Einwohner am Anfang noch glücklich und stolz auf seine Besucher, beginnt man bei steigenden Zahlen diese irgendwann als Kunden zu behandeln. Danach reagiert man zunehmend verärgert auf die Menschenmassen, die einen ungefragt und auch ohne irgendein Interesse (ausser vielleicht an der nächsten Party, dem nächsten Döner oder dem nächsten Latte) heimsuchen, während sie dabei permanent auf ihrem Smartphone herumspielen müssen. (Warum sie überhaupt kommen und nicht besser zu hause bleiben, wo sie in Ruhe, gewohnter Umgebung und vor allem unter Aufsicht sprich sozialer Kontrolle sind, ist mir bis heute das größte Rätsel.) Zum Schluss schlägt die Verärgerung in offene Feindseligkeit um, also genau das, was gerade in Berlin passiert, auch weil Touristen, im Gegensatz zu Terroristen, keine (Null!) Sympathisanten haben.

Foto&Text TaxiBerlin

11.07.2019

ALSO SPRACH TAXIBERLIN ÜBER A, B UND C


Was A über B sagt, sagt mehr über A aus als über B. Das ist bekannt. Was ist nun, wenn A mit B einen Deal hat, und A diesen Deal mit B einseitig aufkündigt? Dann regt sich A auf, dass auch B sich nicht mehr an den Deal hält. Das erleben wir gerade, aber nicht nur das. Hinzu kommt nun C. C fordert B dazu auf, sich doch bitte sehr an den Deal mit A zu halten, aus dem A bereits vor Jahresfrist einseitig ausgestiegen war. Was ist nun von C zu halten? Dazu überträgt man nur As Aussagen über B auf Cs Forderung an B und kommt zu: Was C von B fordert, sagt mehr über C aus als über B. Also sprach TaxiBerlin

09.07.2019

AUFNAHMEPRÜFUNG FÜR BERLIN


Glinkastraße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Schon lange bin ich dafür, dass Berlinbesucher aber auch Zugezogene einen Aufnahmetest bestehen müssen, bevor sie nach Berlin kommen dürfen. So sollten sie beispielsweise obiges Verkehrsschild lesen können, natürlich nur in ihrem eigenen Interesse. Zugegeben, auch für uns Berliner hätte es einen gewissen Vorteil. Der obligatorische Stau vor Verkehrsschildern wie oben würde sich in Wohlgefallen auflösen. Gut, man könnte auch einfach eine Baustelle beenden, bevor man die nächste aufmacht, aber das ist ein anderes Thema.

Foto&Text TaxiBerlin

08.07.2019

"AND NO RELIGION, TOO" - JOHN LENNON


Ackerstraße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Manch einer und auch manch eine hat heute Schwierigkeiten mit dem Zitieren, weswegen immer mehr dazu übergehen, Hausarbeiten gleich komplett abzuschreiben. Familienministerin Giffey, die gerade Vorsitzende einer sich selbst auflösenden Partei (es ist also nicht die evangelische Kirche) werden will, soll wiederum "amerikanisch" zitiert haben, also ganz ohne Quellenangabe. Beides, sowohl das komplette abschreiben, als auch das "amerikanische" zitieren, ist aber problematisch. Besser man (und auch frau) bleibt beim Original. John Lennon stellt sich in seinem Song "Imagine" vor, wie die Menschen ihr Leben in Frieden leben können ("Living life in peace"). Er träumt dort davon, dass es keine Länder mehr gibt ("Imagine there's no countries"). Von Nationen singt er in seinem Lied nicht, auch nicht von Grenzen. Dafür von Religionen, und dass es sie auch nicht mehr gibt ("And no religion, too"). Die evangelische Kirche geht da mit gutem Beispiel voran, und nun folgt ihr die gute alte SPD.

Foto&Text TaxiBerlin

07.07.2019

BETTER GO TO HELL THEN TO COME TO BERLIN


It stinks everywhere

Don't come to Berlin! Our streets are very bad and also our public transport. Usually people repair their house before they invite other people to come. This is what normally human beings do. But not in Berlin. Our major (his name is Müller) is more stupid then Trump. His Motto is: Berliners are my last priority! At our streets one road work follows the next road work. The true is that there is no working road anymore. The same is with our public transport. The some buses they work are dirty and overcrowded. And many people they came before you to Berlin are now homeless and sleep under bridges. Maybe you don't know: We have a lot bridges in Berlin. But it became really very difficult to find a place under a bridge in Berlin. So you better stay safe at home. One thing is totally sure: Nobody needs you here! Go to another zoo. New York is the city that never sleeps. But Berlin is the city that never works. You better go to hell then to come to Berlin.

Foto&Text TaxiBerlin

06.07.2019

FOTOGRAFIEREN IST DIEBSTAHL


Brunnen Ecke Bernauer

Man kann es nicht oft genug wiederholen, dass das Fotografieren Diebstahl ist, wie auch obiges Foto beweist, und mich Sicherheit auch ein Grund, warum uns die vielen Menschen, die uns mit jedem Tag mehr und mehr heimsuchen, eher ärmer denn reicher machen. Der einzige Lichtblick: Immerhin, sie macht kein Selfie, denn Selfies machen nicht nur ärmer, sondern sind darüber hinaus auch asozial.

Foto&Text TaxiBerlin

05.07.2019

TAXI VERLOREN


Schwarzes Brett am Flughafen Tegel (TXL)

In Berlin ist es immer mehr wie auf dem Balkan: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Nicht nur Katzen, Hunde und Vögel entlaufen, entfliegen oder werden gar entführt, sondern bereits ganze Taxi gehen in unserer Stadt verloren. So stand es gestern am Schwarzen Brett am großen Parkplatz nur für Taxen am Flughafen Tegel. Genauso wie auf dem Balkan kannst du dich auch in unserer Stadt an der Taxi-Suche beteiligen, selbst wenn du kein lieber Kollege und auch keine liebe Kollegin bist. Ein Berliner Taxi ist hellelfenbeinfarbig und hat ein Schild auf dem Dach, auf dem Taxi drauf steht. Möglicherweise ist das verloren gegangene Taxi auch schon auf dem Balkan unterwegs oder fährt einfach nur für einen anderen Anbieter hier in Berlin.

Foto&Text TaxiBerlin

04.07.2019

YOU CAN'T HURRY TAXI


Die größte Sauerei beim Taxifahren ist, dass ich immer da hin fahren muss, wo der Fahrgast hin will und nicht da hin, wo ich als Taxifahrer mit vielen Jahren Erfahrung auf den Strassen und Plätzen in unserer Stadt denke, dass er hin gehört. Ginge es nach mir, würde ich jedenfalls viel öfter nach Steglitz fahren und nicht nach Prenzlauer Berg, so viel ist sicher. Fast genauso schlimm ist, dass Taxifahren kein Job ist, wo man sich beeilen kann, um schneller fertig zu sein. Das funktioniert beim Taxifahren nicht oder so gut wie nie. Beim Taxifahren braucht man vor allem Geduld und Ausdauer. Deswegen ist das Warten neben dem allein sein eine unserer Kernkompetenzen. Das wusste auch schon Kollege Nietzsche. Friedrich Nietzsche, das wissen viele nicht, ist seinerzeit auch Taxi gefahren. (Heute wäre er vermutlich Flaschensammler.) Zu Friedrichs Zeiten gab es noch keine Automobile, da waren Pferdedroschken angesagt. Kollege Nietzsche hatte es mit Pferden, das ist bekannt. Auf so einer Pferdedroschke hatte man schon damals viel Zeit. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Friedrich Nietzsche hat diese Zeit genutzt und zwei Bücher übers Taxifahren geschrieben, die heute Standardwerke sind und in keinem Bücherregal eines Taxifahrers fehlen dürfen. Ich habe sie sogar immer bei mir im Taxi dabei und biete sie auch in meinem kleinen Bauchladen zum Verkauf an. Das eine Buch heißt "Der Mensch im Verkehr" und das andere "Der Mensch mit sich alleine". Was in ihnen fehlt, das hat der Kollege Nietzsche vergessen oder einfach (noch) nicht daran gedacht (Kollege Nietzsche war nicht so lange im Geschäft wie meiner einer), dass man das Taxigeschäft nicht beschleunigen kann, was auf englisch heißt: "You can't hurry Taxi".

Text TaxiBerlin

03.07.2019

DIE SCHICKSALSWAHL


Uns wurde eine Schicksalswahl versprochen, und das ist die EU-Wahl gestern auch geworden. Gewinnen wird aller Wahrscheinlichkeit nach eine Frau, die gar nicht zur Wahl stand, und somit auch nicht gewählt werden konnte. Deswegen kann man korrekterweise auch nicht von einer Wahl reden, sondern von einer Ernennung. (Der richtige Begriff für einen solchen Vorgang ist Farce. So hätte man es genannt, wäre dasselbe in Russland oder China passiert.) Demokratie heißt, so sagt man, dass die Macht vom Souverän, dem Volke ausgeht. Geht sie von dummen Konsumenten aus, sieht die Welt schon wieder anders aus.

Text TaxiBerlin

01.07.2019

MORGEN 15 BIS 17 UHR WASHINGTONPLATZ


Uber: Schlimmer als die
Verarmung ist nur die
Verarschung

Was Greta fürs Klima, das ist Andreas fürs Taxi. Natürlich gibt es auch Unterschiede. Andreas hat keine PR-Agentur im Rücken, er macht alles ganz alleine. Andreas macht seine Mahnwache für sich selbst, aber vor allem möchte Andreas niemanden in Panik versetzen, was Gretas erklärtes Ziel ist, sondern aufklären. Aufklären darüber, dass Uber, der Feind aller ehrlichen Taxifahrer und Große Pauperisierer aus Amerika illegal ist. Illegal deshalb, weil Ubers Geschäftsmodell permanenter Rechtsbruch ist. Würde sich Uber an hiesige Gesetze halten, wie es bis gestern noch normal war hierzulande, hätte es sich mit Uber spätestens morgen erledigt. So viel ist, im Gegensatz zu Greta und dem Klima, sicher. Die nächste von Kollege Andreas organisierte Mahnwache findet morgen von 15 bis 17 Uhr auf dem Washingtonplatz in Moabit, heute Neue Mitte, in 10557 Berlin statt. Kollege Andreas hat seine Mahnwache korrekt deutsch angemeldet, und zwar bis zu fünf Personen. Bei der letzten Mahnwache vor dem Hotel De Rome vergangenen Dienstag waren wir immerhin zu viert: Zwei Demonstranten und zwei Polizisten. Also auch was die Quote angeht, so denke ich, eine runde Sache, auch wenn die Frauenquote noch verbesserungswürdig ist. Der Washingtonplatz ist übrigens ein Vorplatz vom Hauptbahnhof, um genau zu sein der südliche, für alle die, die noch etwas anfangen können mit Himmelsrichtungen.

Foto&Text TaxiBerlin

30.06.2019

HALTUNG UND ZIVILCOURAGE


Aber richtig!

Es ist wieder eine Zeit, in der man Haltung und Zivilcourage zeigen soll. Wieder deswegen, weil wir das schon mal hatten hierzulande. Mehrfach sogar, und nie hat es ein gutes Ende genommen. Bei der Haltung kommt es darauf an, dass es die richtige ist, also die, die alle haben. Das ist wohlpfeil, wenn noch jemand weiß, was wohlpfeil bedeutet. Früher hatte jedes Ding sein Für und Wider, oder auch Pro und Contra, für die, die noch selbständig zu denken wagen. Was die richtige Haltung angeht, also die, die alle haben, da meinte Kollege Nietzsche bereits vor vielen Jahren: "Es ist ein schlechter Geschmack, mit Vielen übereinstimmen zu wollen." Einen schlechten Geschmack möchte keiner haben, alle möchten selbständig denken und nach Möglichkeit für irgendwas kämpfen. Hört sich gut, entpuppt sich in der Praxis aber als das Einfache, das so schwer zu machen ist, denn schnell gehört man zu den Verschwörungstheoretikern mit Alu-Hut.

Da hilft auch keine Zivilcourage. Denn Zivilcourage heute meint, dass sich die Politik immer mehr zurück zieht, und der Bürger sich um seinen Dreck bitte sehr selber kümmern soll. Mietwagen müssen sich nicht mehr an die Rückkehrpflicht halten, Ausreisepflichtige müssen nicht mehr ausreisen und Steuerpflichtige müssen keine Steuern mehr bezahlen. In Berlin, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, werden, bevor man etwa die Straßen repariert und/oder die Öffentlichen Verkehrsmittel zumindest so weit in Stand setzt, dass ein normaler Service angeboten werden kann, einfach neue Verkehrsteilnehmer mit E-Rollern auf die Straße und Gehwege geworfen. Aber Vorsicht, Eigeninitiative gegen das Nichtstun der Politik ist mit Zivilcourage nicht gemeint. Zivilcourage heute meint wieder nur, gegen die zu sein, die nicht die richtige Haltung haben, was wiederum ein Grund ist, warum so viele die richtige Haltung haben. - Ein Teufelskreis.

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29.06.2019

TAXIBERLIN ALS STRASSENDOKTOR



 Ein anderer Kanzler, der gezittert hat 

Ich bin Strassendoktor (das stimmt wirklich) und arbeite gerade an meiner Habilitation. Als Berliner Strassendoktor muss man nicht nur alle Straßen in Berlin im Kopf haben (als Professor kommen noch die Hausnummern hinzu), sondern auch mit den Symptomen von Human Beings, wie Menschen auf englisch heißen, Bescheid wissen. Und da kenne ich mich nun besonders mit Frauen aus. Auch wenn ältere Frauen nicht explizit mein Fachgebiet sind, so bin ich doch skeptisch, ob das Zittern unserer Mutti mit dem Klimawandel zusammenhängt, wie von einer anderen Frau behauptet wird. Diese andere Frau ist nicht nur jünger, also eher meine Zielgruppe, sondern auch Chefin der sich gerade im Höhenflug befindenden Grünen Partei. Ihr Name ist Annalena Baerbock, und sie hat sich auch schon für ihre Diagnose von Muttis Zitteranfällen entschuldigt. In der Höhe ist die Luft oft etwas dünn, das könnte ein Grund für die Fehldiagnose der Grünen-Chefin sein. Wahrscheinlicher ist, dass Annalena Baerbock einfach infantil ist, so wie auch ihre Politik. Was die Kanzlerin angeht, da ist mit Sicherheit nicht die Hitze der Grund für ihr Zittern. Meine Diagnose sowohl als Strassendoktor, der seit vielen Jahren auf den Berliner Strassen und Plätzen unterwegs ist, als auch als Human Being mit gesundem Menschenverstand, ist Parkinson. Angela Merkel hat Parkinson oder genauer Morbus Parkinson. Morbus Parkinson beginnt zwischen dem 50. und dem 79. Lebensjahr, wobei die Krankheit in den meisten Fällen zwischen dem 58. und dem 62. Lebensjahr ausbricht. Angela Merkel ist heute 64 Jahre alt, und wahrscheinlich hat sie die Krankheit nicht erst seit gestern. Dass Kanzler Parkinson kriegen, ist nichts besonderes. Kanzler und auch Kanzlerinnen sind schließlich auch nur Menschen oder eben Human Beings, wie der Engländer sagt. Ein anderer, bekannterer Kanzler hierzulande viele Jahre vor Angela Merkel hatte auch Parkinson. Das war im letzten Jahrhundert, und wer es nicht glaubt, in obigem Video, es gab damals schon Kameras, ist das Zittern gut zu sehen. Kurz darauf beging er, sein Name war Adolf Hitler, Selbstmord. Da war er gerade 56 Jahre alt, und Morbus Parkinson tritt bekanntlich zwischen dem 50. und dem 79. Lebensjahr auf. Dass bisher niemand auf die Idee gekommen ist, dass Angela Merkel nicht nur drei Gläser Wasser braucht, damit es ihr besser geht, sondern dass sie an Morbus Parkinson erkrankt ist, zeigt, wie weit die Infantilisierung hierzulande fortgeschritten ist.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

28.06.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #36 ZUM NACHHÖREN




Die letzte Sendung vor der Sommerpause, hier gibt es sie zum Nachhören. Vergessen habe ich in der Sendung zu verraten, was man alles machen kann und wohl auch sollte, wenn einem Berlin, so wie mir, immer mehr auf die Nerven. Das möchte ich jetzt nachholen.

Dass es davon genügend gibt, denen Berlin immer mehr auf die Nerven geht, das bestätigte mir gestern nach meiner Sendung Susanne. Sie stieg mir auf der Danziger Straße ein und wollte nach Friedrichshain, wo sie vor sieben Jahren hingezogen war, weil damals alle ihre Freunde im Friedrichshain wohnten. Jetzt ist Susanne die einzige, die noch hier im Friedrichshainer Kiez lebt.

Wer hierbleiben muss, wie beispielsweise Susanne, die es sich nicht leisten kann noch einmal umzuziehen, alleine weil sie eine neue, andere Wohnung, wenn sie überhaupt eine finden würde, gar nicht bezahlen könnte, dem empfehle ich den Baustellenstürmer. Baustellenstürmer zu sein ist ganz einfach. Du wirfst einfach die Absperrungen der Baustelle in die Baugrube, schüttest oben etwas Sand auf, und fährst zum Schluss mit deinem Auto oder Fahrrad drüber, oder trampelst ihn nur mit den Füßen fest.

Baustellen zu stürmen, ich spreche da aus Erfahrung, schließlich habe ich das Baustellenstürmen erfunden, ich bin, wenn du so willst, der erste Baustellenstürmer, ist nicht nur einfach, sondern auch sehr effektiv. Denn da auf den meisten Baustellen nie gearbeitet wird, fällt es auch kaum jemandem auf, dass die Absperrungen weg sind, und man jetzt wieder ganz normal die Straße befahren kann, außer natürlich den Betroffenen, also den Opfern der völlig verfehlten Baustellenpolitik in unserer Stadt.

Du kannst natürlich auch auswandern. 2015 haben 997.552 Menschen unser schönes Land verlassen, im Jahr drauf waren es bereits 1.365.178 und im vorletzten Jahr auch immerhin 1.134.641.
Für 2018 gibt es, warum auch immer, keine offiziellen Zahlen von Auswanderern aus "Dem Land, in dem wir gut und gerne leben".

Auch ich gehöre, wenn ich nicht gerade Baustellen in Berlin stürme, zu den Auswanderern, zumindest in meinem Kopf. Dort bin ich oft auf "Meinem kleinen Gulag" in den Schluchten des Balkans, den ich letztes Jahr in "Gulag-Ressort" unbenannt habe.

"Meinen kleinen Gulag" in "Gulag-Ressort" umzubenennen, auf die Idee hat mich mein Nachbar, der Genosse Stalin, gebracht. Der Genosse Stalin betrieb viele Jahre seinen gleichnamigen "Grill Stalin" gleich nebenan, dessen Spezialität die von Stalin selbst gezüchteten Forellen waren und immer noch sind. Nur den Namen, den hat Stalin vor einiger Zeit geändert. Sein "Grill Stalin" heißt heute "Komplex Stalin" mit Pool und allem drum und dran.

Einen Pool habe ich nicht, dafür eine Sommerdusche, was auch viel besser ist. Denn es ist viel viel schwerer einfach mal so in das schwarz angestrichene Fass meiner Sommerdusche, das dazu noch auf einem Podest steht, reinzupullern als in einen Pool. Damit das auch so bleibt, können nur ausgesuchte Personen in "Meinen kleinen Gulag", der heute "Gulag-Ressort" heißt, einziehen.

Du fragst dich jetzt natürlich, ob auch du zu diesem ausgesuchten Personenkreis gehörst. Wenn du auch mal einen Moment ohne Smartphone und Internet auskommst, stehen deine Chancen nicht schlecht. Eigenversorgung und kreatives Arbeiten an der frischen Luft sollten dir nicht völlig fremd sein. Auch mit Tieren solltest du umgehen können. Nicht unbedingt mit Forellen, das macht der Kollege Stalin bereits, besser mit Eseln und Ziegen.

Ob du wirklich für den Gulag taugst, oder du doch besser in deiner Komfort-Zone bleibst, das stellt sich letztendlich vor Ort, also in den Schluchten des Balkans, heraus. Und es sind sowieso nur noch einige wenige Rest-Gutscheine für "Meinen kleinen Gulag", der heute "Gulag-Ressort" heißt, erhältlich. Bei Interesse solltest du dich unbedingt beeilen. Aussagekräftige Bewerbungen bitte an taxi.berlin(ät)gmx.de

RadioPodcast HaerthisAt
Text TaxiBerlin

27.06.2019

ZAHN UM ZAHN UND SCHMERZ GEGEN SCHMERZ


Schröpfen, aber die Richtigen!

Berlin, meine Stadt, bereitet mir mit jedem Tag mehr körperliche Schmerzen. Das ist keine Übertreibung. Genauso wenig wie Berlin für mich nicht einfach nur eine Stadt ist. Berlin ist viel mehr für mich. (Oder sollte ich sagen WAR viel mehr für mich?) Berlin ist für mich wie Mutter und Vater, zugegeben mehr Mutter als Vater. Ist das denn möglich, fragst du dich jetzt vielleicht. Ja, das ist möglich! Aber es ist nicht nur möglich, sondern es sollte auch so sein. Eine Stadt ohne Liebe, und das ist Berlin dabei zu werden, nimmt niemals ein gutes Ende. Genau das muss mein Körper, der sich immer mehr verkrampft, wohl spüren, vor allem der Rücken. Schröpfen ist da das Mittel der Wahl. Also die Gewalt, die man Berlin antut, tue ich jetzt mir selbst an. Das hilft! Allerdings nur begrenzte Zeit. Hilfreicher ist es da, die Gewalt gegen die zu richten, die Berlin Gewalt antun. Besser diese zu schröpfen. Und du kannst dabei sein. Heute ab 19 Uhr auf Pi-Radio. Pi-Radio, ein kleiner unabhängiger Sender, ist in Berlin unter 88.4, in Potsdam unter 90.7 und weltweit unter piradio.de zu empfangen. Wage nicht, es zu verpassen, dann musst du es hier nachhören!

Foto&Text TaxiBerlin

26.06.2019

ÜBER VERSLUMMUNG UND ENDZEITSZENARIEN


Die Verslummung Berlins ist das Thema meiner morgigen Sendung auf Pi-Radio. Ich werde sowohl von meinen langjährigen Beobachtungen vom Fahrersitz aus berichten, als auch über meine ganz privaten Gefühle sprechen, allen voran wie sich meine Liebe zu Berlin immer mehr in Hass verwandelt, und wer dafür verantwortlich ist, denn nichts geschieht zufällig. Ich werde Orte der Verslummung unserer Stadt nennen, bis hin zu Hot Spots, an denen sich Endzeitszenarien abspielen. Wie in jeder meiner Sendungen komme ich auch morgen dem Bildungsauftrag nach, den seit einiger Zeit wir Taxifahrer von Öffentlich/Rechtlich übernommen haben. Neu hinzugekommen ist, dass ich die aktuell beste Toilette Berlins prämiere. Abschließend werde ich unseren Bürgermeister dazu auffordern, den Terror gegen seine Bürger zu beenden. Ich denke, das ist nicht zu viel verlangt. Das sollte ein Bürgermeister können, wenn er sonst nichts kann.

Text TaxiBerlin

25.06.2019

VON LITHIUM UND KOBALT



28 min / 09.09.2018

Heute mal nichts zum Thema Taxis und Taxen, sondern etwas über Lithium und Kobalt, den beiden Rohstoffen, die in Zukunft unsere Mobilität sichern sollen. Ohne Lithium und Kobalt läuft es nicht mit der Elektromobilität, denn Lithium und Kobalt werden für die Akkus benötigt. Die beiden Rohstoffe lagern mal wieder, wie sollte es anders sein, nicht in unserem Vorgarten, sondern am anderen Ende der Welt. Also genau dort, wo hiesige Aktivisten am liebsten die Welt retten, gleichzeitig aber gerne auch mal ein Auge zudrücken, wenn es um ihr eigenes Wohlbefinden geht. Das ist alles nicht neu und auch keine Überraschung. Überraschend ist eigentlich nur, dass solche Berichte (noch) von Öffentlich/Rechtlich gemacht werden, auch wenn sie nicht zur Primetime gesendet werden. Aber das musst du verstehen, der Rubel muss schließlich rollen, und da stören solche Reportagen nur. Fällt mir gerade noch ein: Es gab einmal eine Zeit, da haben sich die Grünen mit genau solchen Themen beschäftigt.

Video ÖffentlichRechtlich
Text TaxiBerlin

24.06.2019

MORGEN 15 UHR MAHNWACHE BEHRENSTR. 37


Am morgigen Dienstag findet ab 15 Uhr eine Mahnwache vor dem Hotel de Rome in der Behrenstraße 37 in Mitte statt, ich habe bereits an dieser Stelle darüber geschrieben. Ins Leben gerufen hat die Mahnwache Kollege Andreas, der mir am Freitag am Flughafen Tegel mit seiner Ein-Mann-Demo ins Auge fiel. Ein-Mann-Demo deswegen, weil Kollege Andreas an erster Stelle für sich selber demonstriert. Er will sich später nicht vorwerfen müssen, er hätte nichts gegen den großen Pauperisierer aus Amerika getan. Das ist ungefähr so, als würden die, die jetzt immer Freitags für den Erhalt des Klimas demonstrieren, einfach mal weniger fliegen. Deswegen ist der Kollege Andreas ganz nach meinem Geschmack, und ich werde ihm morgen bei seiner Mahnwache Gesellschaft leisten. Du kannst auch gerne vorbei kommen, Kollege Andreas hat die Demo korrekt deutsch angemeldet, und zwar ganz optimistisch mit bis zu fünf (5) Personen.

Text TaxiBerlin

"... ALLE ANDERE SCHEIßE IST KUNSTGEWERBE!"




Mein Freund, der Filmemacher Andreas Wilcke ("Stadt als Beute"), hat mich gebeten, auf die vorerst letzte Vorführung seines neuesten Films über die Volksbühne am Dienstag um 21:45 Uhr im Freiluftkino Kreuzberg, das ist in der Hasenheide, hinzuweisen. Ich mache das sehr gerne, nicht nur bei mir im Taxi, sondern auch hier auf meiner Seite. Als ich vor vielen Jahren nach Berlin kam, war Frank Castorfs Volksbühne gerade Theater des Jahres in Deutschland geworden. Da hatte Jürgen Kuttner, der gleich mal erklärt, was Kunst ist, nämlich "wenn man etwas macht, und man muss es machen, man kann nicht anders, man muss das so machen, und alle andere Scheiße ist eben Kunstgewerbe!", schon das deutsche Talk-Radio in unserer Stadt erfunden, das Berlin-Besucher damals auf Musik-Kassetten gebannt bis ins Schwabenland schmuggelten. (Übrigens der eigentliche Grund für die Schwaben-Schwemme in Berlin, aber das nur nebenbei.) Chris Dercon, der Nachfolger von Frank Castorf an der Volksbühne, der bereits schon wieder hingeschmissen hat, kommt im Film auch zu Wort und führt uns vor, wie man mit vielen Worten nichts sagt.

Trailer AndreasWilcke
Text TaxiBerlin

23.06.2019

VON MARIA, SABINE UND DEM HAHNENSCHREI


Maria steigt mir am Frankfurter Tor ein. Sie war auf einer Messe, wo man mit nicht Karte bezahlen kann, was mir aber egal ist, denn ich interessiere mich nur für Maria und nicht für Kartenzahlung. Maria ist nicht alleine. Sie sitzt hinter mir, eingerahmt von zwei jungen Männern, vorne neben mir sitzt ein älterer Herr, also insgesamt drei Typen. Es ist nicht einfach, mit Maria ins Gespräch zu kommen. Ich riskiere alles und sage über mich selbst, dass ich nicht nur ein nettes Gesicht habe. Das ganze auf englisch: Not just a pretty face!

Die drei Typen können englisch, bekommen also mit, dass ich mit Maria flirte, und sie mit mir. Der ältere Herr ist ihr Vater. Ich bin verloren. Irgendwie, frag nicht wie, erfahre ich dann doch, dass sich Marias Hotelzimmer im Fake Vier Jahreszeiten Hotel in der Gitschiner gleich neben der Moschee im fünften Stock befindet. Wir, also Maria und ich, verabreden uns für Mitternacht. Ich soll in den fünften Stock kommen und vor ihrer Tür dreimal den Hahnenschrei machen.

Zurück zum Schlesischen Tor. Dort halte ich vor der türkischen Bäckerei Salut, wo Alkohol trinken verboten ist, um den Hahnenschrei zu üben, als sich nebenan die Dealer aus Nordafrika versammeln. Da mir der Hahnenschrei nicht gelingen will, fange ich an die Dealer zu zählen. Vielleicht hilft das. Weil ich mich immer wieder verzähle, spreche ich eine Frau an und bitte sie, mir beim Zählen zu helfen, was sie prompt tut, und wofür ich ihr einen Tee spendiere.

Die Frau ist Tourismusmanagerin und heißt Sabine. Ich biete Sabine sogleich meine Hilfe an, damit sämtliche Touristen unsere Stadt geordnet verlassen können. Um genau zu sein, ist von einem Shuttle Service zum Flughafen die Rede. Sabine ist total begeistert von meiner Idee. Wir wollen sogleich ans Werk gehen. Spontan gelingt mir der Hahnenschrei. Jetzt muss ich los. Die Touristen müssen warten.

Text TaxiBerlin

22.06.2019

TUESDAYS AGAINST UBER


Dienstag 25.Juni, 15 Uhr, Behrenstraße 37

TuesdaysAgainstUBER ist kein Ableger von FridaysForFUTURE, sondern dessen logische Fortentwicklung. Dessen logische Fortentwicklung deswegen, weil UBER, der Feind aller ehrlichen Taxifahrer und Zerstörer eines funktionierendes Gewerbes (Stichwort: "Ein Arschloch namens Taxis!"), niemand wirklich braucht (außer vielleicht die Geldgeber, weder ich noch du gehören dazu), und auch genug Kohle hat, um das Klima zu retten. Man muss sich aber auch beeilen, dass von der ganzen Kohle noch was übrig ist, denn das Unternehmen macht jedes Jahr Verluste in Millionenhöhe. Deswegen komm auch du zur nächsten TuesdaysForFUTURE um 15 Uhr zum Hotel De Rome in die Behrenstraße 37. Du kannst also vorher ganz normal zur Schule oder auch arbeiten gehen und musst dir auch sonst keine Gedanken machen, die Demonstration ist ordentlich deutsch angemeldet.

Foto&Text TaxiBerlin

21.06.2019

OFFENER BRIEF AN FRIEDRICH K.


Neulich saß mir Friedrich K. im Taxi, der früher öfters im Fernsehen zu sehen war, seit einiger Zeit aber nur noch im Radio zu hören ist. Normalerweise lasse ich Prominente links liegen, aber bei Friedrich K. machte ich eine Ausnahme. Denn mich interessierte, warum er kein Fernsehen mehr macht, und das, obwohl ich selbst gar keinen Fernseher mehr habe - irre, oder!?! Aber es wird noch besser. Ich kam gar nicht dazu, ihn zu fragen, warum er nicht mehr im Fernsehen präsent ist. (Später erfuhr ich im Internet, dass er eine eigene Filmproduktionsfirma hat.) Dass ich nicht dazu kam, lag daran, dass wir uns auf der Fahrt von Mitte (oder war es schon Prenzlauer Berg?), wo ich ihn abgeholt hatte, zum Flughafen nach Tegel (TXL) sehr angeregt unterhielten. Wir unterhielten uns so angeregt, dass ich ihm daraufhin einen Brief schrieb, und Friedrich K. mir diesen auch beantwortet hat. Daraufhin habe ich ihm nun zurück geschrieben, und was ich Friedrich K. zurück geschrieben habe, war folgendes:


Sehr geehrter Friedrich K.,

vielen Dank für Ihren Brief, über den ich mich sehr gefreut habe. Gefreut habe ich mich vor allem deswegen, weil Sie damit meine Idee des „Runden Tisches“ aufgreifen.  Offensichtlich haben auch Sie das Bedürfnis sich mitzuteilen, in einen Austausch zu treten. Deswegen möchte ich gerne auf Ihren Brief antworten.

Dass „Neulich habe ich im Taxi gehört ...“ bereits eine stehende Redewendung sein soll hierzulande, das wusste ich nicht. Vielen Dank auch für diese Information. Sollte es in der Tat so sein, so wäre das, so denke ich, eher ein bedenkliches Symptom als etwas, über das man sich freuen sollte, auch nicht als Taxifahrer. Und selbst wenn es so ist, so scheint es sich dabei wohl eher um eine „als ob Erfahrung“, also um eine „vermeintliche Realitätserfahrung“ oder gar um ein „allgemeineres Lamento“ zu handeln, wie Sie es nennen, was nicht wirklich ernst genommen wird, wie Ihre Zeilen es auch bestätigen.

Schade, dass Ihnen das Nietzsche-Zitat nicht gefallen hat. Churchill macht mit der von Ihnen zitierten Aussage nichts anderes als das, was Politiker bis heute tun, wenngleich rhetorisch wesentlich brillanter als es heutige Politiker vermögen: er spaltet. Denn Churchill sagt nichts anderes, als dass er bzw. das, was er vertritt, zwar nicht perfekt sei, alle anderen bzw. alles andere aber noch viel schlimmer sind und gar nicht gehen.

Sie schreiben, dass eine Taxifahrt wie ein Lotteriespiel sei. Dem stimme ich zu und füge hinzu, dass es zumindest in Berlin einem Jackpot gleicht, wieder auf denselben Fahrer zu stoßen. Dieser Umstand und die besondere, intime Situation im Taxi führen regelmäßig dazu, dass die Menschen gegenüber dem Taxifahrer meist ehrlicher sind, als sie es gegenüber Kollegen oder Freunden sein wollen bzw. können. Und da höre ich in den letzten Jahren immer öfter, dass Menschen sich mehr und mehr überlegen, wo sie was sagen, und zwar unabhängig davon, ob sie aus dem Westen oder dem Osten kommen.

Und das verwundert mich, denn es wird uns doch immer erzählt, dass wir heute alles sagen dürften. Aber gut, auch in der DDR durfte man alles sagen, man musste nur wissen wo und wann. War einem das egal, stand es einem auch in der DDR frei seine Meinung überall zu äußern, wenn man bereit war die Konsequenzen zu tragen. Das ist heute nicht anders. Heute darf man zwar alles sagen, nur nicht, dass man die AfD gewählt hat.

Sie schreiben, die DDR-Bürger hätten sich mit großer Mehrheit für die CDU entschieden. Gefühlt mag das stimmen, aber schauen wir uns die Zahlen einmal etwas genauer an. Bei der letzten Volkskammerwahl im März 1990 lag die CDU in der DDR bei 40,8%, bei der Bundestagswahl im Dezember desselben Jahres wurde sie in Ostdeutschland mit 41,8% gewählt. In der alten Bundesrepublik erhielt die Union bei derselben Wahl 44,3% der Stimmen, übrigens unverändert zum Wahlergebnis von 1987, da waren es auch 44,3%.

Die Einheit Deutschlands war die Staatsdoktrin der alten Bundesrepublik, also dem Land, in dem Sie geboren und groß geworden sind. In der DDR geborene waren automatisch Bürger der Bundesrepublik Deutschland. (In gewisser Weise galt das auch für die DDR, ich erinnere nur an den Text der Nationalhymne: „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt, lass uns dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland.“) Dass Ihnen eine Vereinigung mit Holland plausibler gewesen ist, sagt nichts über die DDR aus, sondern in erster Linie etwas über Ihre Geschichtsvergessenheit.

Sie schreiben, dass Sie keine Verwandtschaft im Osten hatten und Ihnen deshalb das Land fremd und wenig sympathisch war. Das finde ich sehr schade. Im Osten wussten viele Menschen sehr gut über den Westen Bescheid, obwohl dies umgedreht sicherlich immer einfacher war. Meine Frau zum Beispiel, sie kommt aus Kalifornien, ist mit 17 Jahren in die Sowjetunion Gorbatschows gereist, ohne jegliche Verwandtschaft dort, sondern einfach aus Interesse, aber vor allem, weil sie dem, was man ihr über das „Reich des Bösen“ erzählte, keinen Glauben schenken wollte. Und sie sollte Recht behalten, denn sie fand Leute, die  extrem gebildet waren, insbesondere was Geschichte anging.

Doch bleiben wir in unserem Land. Sie schreiben, dass Ihr „bescheidenes Heimatland“ untergangen sei. Immerhin hat es noch denselben Namen, was ich von meiner Heimat nicht sagen kann. Andererseits war es aber damals so, dass man nicht nur „Menschen geschenkt bekam“ (Menschenverachtung pur!), sondern gleich noch ein ganzes Land dazu. Und wenn Sie mit der Vereinigung nicht einverstanden waren, so hätten Sie sich „politisch organisieren und damit Wirkung erzielen“ können, wie Sie es beschreiben.

Sie schreiben: „Der Westen musste stets recht sozial daherkommen, denn ihm saß das Arbeiterparadies Osten im Nacken.“ – da gehe ich zu 100% mit. Für die Entwicklung seither in unserem Land sind wir allerdings gemeinsam verantwortlich. Beispielsweise auch dafür, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter aufgeht, auch wenn es uns „im Durchschnitt“ noch nie so gut ging wie heute. Trotzdem haben viele Menschen hierzulande ganz reale Ängste vor dem sozialen Abstieg, alleine der Rente wegen, die alles andere als sicher ist, wie uns immer erzählt wurde. Wer heute noch oben ist, will dies nach Möglichkeit auch bleiben. Niemand möchte Flaschensammler, Liferando- oder Uber-Fahrer sein, oder sich gar den Wecker stellen müssen, um die zehn Minuten nicht zu verpassen, in denen man beispielsweise Fragen im Internet beantworten kann, um wenigstens ein paar Cent zu generieren. Und wer dies tut, ist sowieso selbst dran schuld.

In meinem Taxi habe ich viel Zeit zum Nachdenken und auch zum Lesen, und das immer mehr. Steven Hill, der im April vergangenen Jahres auch Gast in meiner Radiosendung war, diagnostiziert in seinem Buch „Die Start-up-Illusion: Wie die Internet-Ökonomie unseren Sozialstaat ruiniert“ heute eine Rückentwicklung zum Feudalismus. Das spüren die Menschen und lässt sie vorsichtig werden, und leider auch die Medien hierzulande. Was bei den meisten berichtet wird, hat mit meiner Lebenswirklichkeit, und nicht nur mit meiner, rein gar nichts mehr zu tun. Denn dort geht es oft nicht mehr um irgendeine Wahrheitsfindung, sondern in den meisten Fällen nur um Besitzstandswahrung.

Sollten sie mir nicht glauben, empfehle ich Ihnen einfach mal raus zu gehen, das muss nicht im Taxi sein, und mit ganz einfachen Menschen auf der Straße und ausnahmsweise mal nicht mit „Angehörigen höherer Schichten“ zu sprechen. Die Atomisierung unserer Gesellschaft hin zu „80 Millionen Einzelstaaten“, die weder Sie noch ich wünschen, ist seit Jahren in vollem Gange. Mit dem Begriff „Gemeinwesen“ wissen die meisten heute nichts mehr anzufangen. Wer kann, zahlt keine Steuern und/oder rafft, was er kriegen kann. Und immer mehr Menschen, die mir Tag für Tag im Taxi sitzen, bereiten sich auf einen Crash vor. Der eine gräbt einen Brunnen, um seine eigene Wasserversorgung zu haben, ein anderer legt sein Geld in Edelmetallen an, weil Edelmetalle immer gehen würden, und noch ein anderer baut sein eigenes Gemüse an und hält seine eigenen Hühner, um nur drei Beispiele zu nennen. Allen gemeinsam ist, dass sie alle das Gefühl haben, dass das irgendwas mit dem Kapitalismus zu tun haben könnte, und so auch ich.

Freundlichst Ihr

TaxiBerlin

19.06.2019

"TAXES, TAXES, TAXES ... ALL THE REST IS BULLSHIT"




OK, der holländische Historiker Rutger Bregman spricht hier nicht über Taxis und auch nicht über Taxen, sondern über Steuern (0:40). Vielleicht ist das auch der Grund, warum wir seither mit Greta gequält werden und nicht mit Rutger. Ich meine, wenn die, die so gerne über ihre mildtätigen Gaben und philanthropischen Spenden reden, einfach mal das Klima retten würden, wenn sie schon keine Steuern zahlen, dann wäre doch allen geholfen: Greta, die beim selben Gipfel wie Rutger auftrat, bräuchte niemanden mehr in Panik versetzen (ihr erklärtes Ziel!), Schüler könnten wieder zur Schule gehen, und auch unsere Angela würde nicht zittern müssen, dass ihr irgendjemand den Friedensnobelpreis streitig macht.

Video TheGuardian
Text TaxiBerlin