16.10.2019

MORGEN 19UHR: HIER SPRICHT TAXIBERLIN #38



Itzo mit "Bravo"

Zufälle gibt es, die gibt es gar nicht. Seit Wochen plane ich, in meiner morgigen Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin" die neue Scheibe "Nicht richtiger Rap" vom vielleicht besten bulgarischen Rapper Itzo Hazarta vorzustellen, und soeben erfahre ich, dass Itzo am Samstag im Lido spielt. Wer noch nicht weiß, was er am Samstag machen soll, der hört morgen einfach meine Sendung, und dann weiß er es - oder eben nicht. Manch einem ist auch einfach nicht zu helfen, und viele sind auch schizophren, insbesondere in einer so großen Stadt wie Berlin. In Bulgarien gibt es die Steigerung von schizophren - oligophren, aber das nur nebenbei. Dass es in großen Städten mehr Schizophrene gibt, ist wissenschaftlich bewiesen. Wie sich dieser Umstand auf TaxiBerlin ausgewirkt hat, und was es da für Nebenwirkungen gab und bis heute gibt, nachdem ich zwei Monate im "Land der Freaks" in den Schluchten des Balkans unterwegs war, erfährst du in meiner morgigen Sendung, wo ich, wie gesagt, auch das neue Album "Nicht richtiger Rap" von Itzo vorstellen werde.

Video Itzo
Text TaxiBerlin

15.10.2019

ZWEI QUADRATMETER UMSONST


Grünberger Ecke Boxhagener Straße
früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

60 Quadratmeter kosten bei den Berliner Verkehrsbetrieben im Monat 60,67 Euro - ohne Küche und Bad, dafür aber warm. So steht es auf den Werbe-Plakaten der BVG wie oben an einer Bus-Haltestelle. Das klingt nicht schlecht, es geht aber noch billiger. Die BVG scheint ihre eigenen Preise nicht zu kennen, oder warum gibt es keine Werbung für's Sparangebot? Zwei Quadratmeter gibt es bei der BVG nämlich völlig umsonst, zumindest noch. Auf zwei Quadratmetern, so groß ist ihre Matratze (Foto oben), lebt seit Jahren eine junge Frau mitten im Friedrichshainer Partykiez, ebenfalls ohne Küche und Bad, dafür aber kalt! - Schlafen soll man bekanntlich nicht warm.

Foto&Text TaxiBerlin

14.10.2019

POTEMKINSCHE BAUSTELLEN


Vom "Bei Rot hier halten" bis zum Rot sehen
ist es manchmal nur ein kurzer Weg

Früher gab es Potemkinsche Dörfer, also Attrappen von Dörfern, um den Feind zu täuschen. In Berlin gibt es Baustellen, die sehen aus wie Baustellen, sind aber nur Baustellen-Attrappen, auf denen nie gearbeitet wird. Unsere Besucher haben mit den Potemkinschen Baustellen-Attrappen keine Probleme, ganz im Gegenteil, sie kommen regelrecht wegen ihnen nach Berlin. Gerne setzen sie sich in Straßen-Cafés, vor denen sich direkt eine Baustelle befindet, um dort ihren Latte zu schlürfen. Die Berliner Baustellen sind für sie genauso eine Attraktion wie der Fernsehturm, die East-Side und das KaDeWe. Für den Berlin Besucher werden die Potemkinschen Baustellen also nicht aufgestellt. Der Feind, der mit den Potemkinschen Baustellen getäuscht und verwirrt werden soll, kann nur der Berliner selbst sein.

Foto&Text TaxiBerlin

13.10.2019

TAXIBERLIN ALS "BILLIGER PROPHET"


In letzter Zeit sitzen mir immer mehr Österreicher im Taxi. Keine Ahnung, ob die Anzahl der Berlin-Besucher aus dem Nachbar-Reich zugenommen hat (wäre auch mal eine Studie wert), oder ob es mir nur auffällt, weil sich meine frühere Abneigung (mitunter war es wohl schon Hass) gegen Österreich seit einiger Zeit immer mehr in Zuneigung (ich will nicht gleich von Liebe reden) verwandelt hat. Hauptsächlich liegt das an Thomas Bernhardt, den vielleicht bekanntesten Autor aus Österreich (auch wenn er nicht den Nobelpreis gewonnen hat, was einfach daran lag, dass er zu früh verstorben ist), den auch eine Hass/Liebe zu seiner Heimat verband. Dann bin ich in Österreich fündig geworden (um genau zu sein in Klagenfurt), was den Verlag anging, bei dem die beiden Bücher des bulgarischen klassischen Autoren Aleko Konstantinow erschienen sind, die ich vor einiger Zeit herausgegeben habe. Nicht zu vergessen das leckere Essen (insbesondere im Ländlichen, beispielsweise am Neusiedler See südlich von Wien) und die extrem gute Kaffee-Kultur (ähnlich gut wie in Italien), die man hierzulande und insbesondere in Berlin völlig vergeblich sucht. Deswegen ist es erst einmal unverständlich, dass jetzt immer mehr Österreicher nach Berlin kommen und ein Grund mehr, das mal ordentlich zu untersuchen. Gestern nun ging die Fahrt mit meinen Fahrgästen aus Österreich vom Hard-Rock-Café am KuDamm Ecke Meineke zum KaDeWe (Kaufhaus des Westens) am Tauentzien. Wer sich in Berlin etwas auskennt, der weiß, dass das keine allzulange Fahrt ist. Ich musste also Gas geben, um herauszufinden, was die Beweggründe meiner Fahrgäste für's nach Berlin kommen sind. So entschloss ich mich kurz von meiner Zuneigung zu ihrer Heimat zu sprechen, ganz genauso wie gerade von mir beschrieben. Das Eis wollte ich endgültig brechen, indem ich eine Vorhersage wagte - als Taxifahrer ist man auch immer Hellseher, meist geht es dabei aber nur ums Fahrziel. Ich sagte vorher (und sage es immer noch), dass nicht nur der alte sondern auch der neue Kanzler in Österreich Kurz heißen wird. Daraufhin wurde ich von meinen Fahrgästen als "Billiger Prophet" bezeichnet - das muss man sich mal vorstellen: Vorm KaDeWe stehend mit 6,70 Euro auf der Uhr werde ich (ausgerechnet ich, der größte Österreich-Fan in Berlin) von irgendwelchen dahergelaufenen Ösis ein "Billiger Prophet" genannt. Ich weiß bis jetzt nicht, wie ich da drüber weg kommen soll.

Text TaxiBerlin

12.10.2019

BEWERBUNG BEIM VERKEHRSMINISTER SCHEUER




Sehr geehrter Herr Minister Scheuer,

soeben erfuhr ich aus dem ZDF-Magazin "Frontal21" (also von Öffentlich/Rechtlich, die mit dem Bildungsauftrag), dass Sie Verträge abschließen, wo Ihre Vertragspartner nach nur sechs (6) Monaten Arbeit 12 (12) Jahre Gehalt beziehen, und ich muss Ihnen sagen, dass ich von dieser Möglichkeit total begeistert bin. In der Hoffnung, dass ich noch nicht zu spät komme (wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben), bewerbe ich mich hiermit um eine solche Tätigkeit für Ihr Ministerium, wo auch ich nach sechs (6) Monaten Arbeit zwölf (12) Jahre Gehalt beziehe. Seit mehr als zwanzig (20) Jahren bin ich nun schon Berliner Taxifahrer, ich habe eine ordentliche Ortskundeprüfung für Taxifahrer abgeschlossen und komme demzufolge auch ganz ohne Navigationssystem, wie es sich für einen Profi gehört, in der Stadt klar. Ich hoffe nun, die mir verbleibende Zeit bis zum Renteneintritt mit Ihrer Hilfe überbrücken zu können. Ich würde mich freuen, wenn Ihnen mein Angebot gefällt, ich bald von Ihnen höre und zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werde, oder Sie mich gar direkt einstellen. Ich kann sofort anfangen für Sie zu arbeiten und gerne auch für Ihren Nachfolger im Amt. Meine bisherige Tätigkeit als Taxifahrer wird ja jetzt auch Dank Ihrer tätigen Mitarbeit, allerdings ohne Einhaltung der Rückkehrpflicht für Mietwagen - also illegal, von "professionellen Fahrern" ohne Ortskenntnisse ausgeführt.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr TaxiBerlin
Film Frontal21
Bewerbung TaxiBerlin

10.10.2019

MULTIPLE CHOICE IM STRASSENVERKEHR


Am Frankfurter Tor
früher Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Multiple Choice, wo Halbverblödeten die richtige Antwort vorher verraten wird, gibt es nun auch auf unseren Strassen - zumindest in Berlin. Auf der Frankfurter Alle stadtauswärts kann sich jetzt jeder selbst seine Höchstgeschwindigkeit aussuchen, denn - wie üblich bei Multiple Choice - so sind auch hier Mehrfachnennungen möglich.

Foto&Text TaxiBerlin

09.10.2019

WO DENN NUN? UND WANN?


Werbung am Flughafen Tegel (TXL)
früher und auch heute Reinickendorf

Früher war vielleicht nicht alles besser, aber manches doch einfacher. Beispielsweise mit dem Essen. Entweder es gab was zu essen - oder eben nicht. Und auch mit dem Treffen. Man hat einen Ort und eine Zeit ausgemacht - und dann hat man sich einfach getroffen. Keine blöden Absagen zwei Minuten vorher und auch keine dummen Anrufe wie beim Hase und beim Igel: "Wo bist du? - Ich bin schon da!" Nicht nur was das Treffen angeht (auch was das Essen angeht, aber darum geht es jetzt nicht), ist für mich als Taxifahrer irgendwie die Zeit stehen geblieben. Ich meine, für mich persönlich ist das nicht schlimm. Ich bin nun mal ein Mensch (genauer ein Mann) von früher und dazu stehe ich. Jedenfalls ist es für mich auch heute immer noch ganz ganz wichtig, um genau zu sein ist es sogar das allerallerwichtigste: Wo ist der Fahrgast und Wann?! Keine Ahnung, ob das jetzt noch jemand versteht. Wenn ich mir obige Werbung ansehe, habe ich zumindest meine Zweifel.

Foto&Text TaxiBerlin

07.10.2019

DER WUT-TAXIFAHRER


Sein Manifest

Es gibt ihn, den Wut-Taxifahrer, er ist aber nur eine Unter-Kategorie des Wut-Bürgers. Was den oft und gerne belächelten Wut-Bürger angeht, muss man wissen, dass es vier menschliche Grund-Emotionen gibt. Das sind Glück, Trauer, Angst oder auch Sorge und Wut bzw. Zorn; wobei die Wut bzw. der Zorn oft sekundäre Emotionen sind. Sekundär deswegen, weil hinter der Wut in der Regel Angst steckt. Doch zurück zu unserem Wut-Taxifahrer, der seiner Angst in einem kurzen Manifest (siehe Foto oben) ganz aktuell am Schwarze Brett direkt neben der Piloten-Bude, wie der kleine nicht unbedingt feine Imbiss nur für Taxifahrer am Flughafen Tegel (TXL) von Insidern liebevoll genannt wird, Ausdruck verliehen hat. Die Analyse des Kollegen in Sachen MyTaxi/FreeNow ist sicherlich richtig. Es geht jetzt auch nur um die Frage, ob der Kollege seine Wut in dieser Weise ausdrücken darf. Eine nicht ganz so leicht zu beantwortende Frage, insbesondere wenn man berücksichtigt, dass die Wut und auch der Zorn zwar zu den menschliche Grund-Emotionen gehören, sie aber oft nur sekundär sind, weil hinter ihnen meist einfach nur Angst steckt.

Foto&Text TaxiBerlin

06.10.2019

"EIMER LIEBT DICH ♡"


An der Taxihalte am Helsingforser Platz
früher Friedrichshain / heute Friedrichain-Kreuzberg

"Eimer liebt dich" (wie oben mit Herzchen!) ist jetzt kein Schreibfehler von mir, sondern ein aktueller Slogan der Berliner Stadtreinigung (BSR) auf Mülleimern in unserer schönen Stadt. Das weiß ich, weil ich gestern am Helsingforser Platz im Friedrichshain mit meinem Taxi fast eine Stunde vor genau einem solchen Mülleimer stand. In der knappen Stunde kamen fünf (5) Flaschensammler mit ihrem Wagen, besser Wägelchen, zu diesem Mülleimer, eine (1) Frau und vier (4) Männer, um in ihm nach leeren Flaschen zu suchen. Der Eimer hatte allerdings, nicht wie versprochen, keinen von ihnen lieb, nicht mal den ersten. Denn der Mülleimer war, zumindest was das Flaschenpfand anging, "schwach wie Flasche leer." Keine Sorge, ich beklage mich jetzt nicht darüber, dass Flaschensammler und auch Flaschensammlerinnen keine Lobby haben - ist schließlich Sonntag. Trotzdem erlaube ich mir festzustellen, dass es neben der nicht vorhandenen Lobby noch eine weitere, wichtige Parallele zwischen Flaschensammlern und Taxifahrern gibt. Auch uns steigen seit einiger Zeit immer weniger leere Flaschen ins Taxi, und unsere Suche nach ihnen gestaltet sich auch von Tag zu Tag schwieriger. Aber heute ist Sonntag und damit Flohmarkttag. Mal sehen, was auf'm Flohmarkt so für leere Flaschen rumhängen bzw. angeboten werden. Bin gespannt!

Foto&Text TaxiBerlin

05.10.2019

STELL DIR VOR, ES IST KRIEG, UND KEINER BEKOMMT ES MIT


N-How Hotel, Stralauer Allee
früher Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Neuerdings gibt es Taxi-Zonen in der Stadt. Zonen sind für den Berliner nichts Neues, mit Zonen kennen wir uns aus in Berlin. In der Maaßenstraße in Schöneberg und in der Kreuzberger Bergmannstraße gibt es, damit man sich gefahrlos betrinken begegnen kann, Begegnungs-Zonen. Nach dem Krieg gab es Besatzungs-Zonen, weswegen manch einer auch aus der Zone kam und manchmal immer noch kommt. Die Taxi-Zone soll dem Schutz des Taxi dienen, genauso wie die Begegnungs-Zonen dem Schutz der Begegnungswilligen (früher traf man sich auch ohne Begegnungs-Zone, aber das ist lange her) und nach dem Krieg die Besatzungs-Zonen dem Schutz der Berliner Bevölkerung. Der Unterschied zu früher ist, dass heute gar kein Krieg stattgefunden hat. Oder vielleicht haben wir ihn auch einfach nur verpasst. Möglicherweise geht es auch nur darum, die alten, bekannten Taxihalteplatzschilder aus dem Stadtbild zu verdrängen und damit auch das Taxi aus den Köpfen der Menschen, wie in Amerika bereits geschehen. In den USA ist das Wort Taxi heute schon praktisch komplett aus der Alltagssprache verschwunden.

Foto&Text TaxiBerlin

04.10.2019

MEHR AUTOS TROTZ SHARING


Ich erinnere mich noch genau an das Gespräch, diesmal nicht im Taxi, sondern unter Freunden, besser Bekannten. Einer von ihnen war gerade frisch von seiner Firma gebrieft, besser gebrainwashed, wurden, dass Sharing ganz toll sein soll, auch weil die Leute heutzutage kein eigenes Auto mehr haben wollten. Der Freund, besser Bekannter, stand mit seiner Meinung ziemlich alleine da, aber er musste sie wohl vertreten, weil er für diese Firma arbeitete und wahrscheinlich immer noch arbeitet. Heute wissen wir, was einer, der bis drei zählen kann, schon damals wusste, und zwar dass das totaler Quatsch war und ist. Es steht ganz offiziell in der Zeitung, dass es mehr Autos trotz Sharing gibt. Das wichtigste allerdings, wo der falsche Prophet abgeblieben ist, der nicht nur unsere Straßen verstopft hat und immer noch verstopft, sondern damit auch noch viel Geld verdient hat und immer noch verdient, das steht mal wieder nicht in der Zeitung. (Genauso wie nicht in der Zeitung steht, wessen Drogen da eigentlich im Görlitzer Park vertickt werden, für deren Verkauf vom eigens eingestellten Park-Ranger Verkaufsstellen auf den Gehwegen markiert wurden.) Und nun frage ich mich, ob es sich mit dem Klima vielleicht genauso verhält, also ob es beim durch Gretas clevere PR-Agentur gestarteten Klima-Brainwashing und bei der sich anschließenden Klima-Hysterie eigentlich nur ums abkassieren geht.

Text TaxiBerlin

03.10.2019

DAS WORT ZUM TAG DER DEUTSCHEN EINHEIT


Das Bild zum Tag

Keine Frage, Ost und West haben sich seit der Wiedervereinigung angenähert, aber es besteht auch noch jede Menge Klärungsbedarf.

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02.10.2019

WE CAN DO EVERYTHING BUT NOTHING RIGHT


At The One And Only Berlin Airport - Tegel (TXL)

WE CAN DO EVERYTHING BUT NOTHING RIGHT is one of our mottos in Berlin (another one is: WHATEVER IT IS, I'M AGAINST IT). We can not build an airport, we can not repair our streets, we can not organize a normal public transport and we do not have good weather too. But even though our sky is always grey because the sun is not shining on Berlin, a sunflower (it's not a fake, it's a real sunflower!) is growing at the taxi parking at airport Tegel (TXL). So if you ever plan to come to Berlin, do not come because of the weather and also not because of our airport, not because of our streets and not because of the public transport. Come, if you really and necessarily want to come to Berlin, just because of the sunflower at the big taxi parking at Tegel airport.

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01.10.2019

"I USED TO CARE BUT THINGS HAVE CHANGED"


He gives a shit

My third shift after two months time out from cab driving was on sunday. Sunday is also my flea market day and I was really excited to go there after two months abstinence. So I did last sunday what I usually did in the past. I went to the flea market at Boxhagener Platz in my neighborhood in Friedrichshain before my shift. It was raining and so it was pretty quiet at the flea market and I didn't expect to find anything. Finally I found a real treasure: a donkey who gives a shit (foto). By the way: the diameter of the medal is 35 centimeter! And I put the donkey like a New York City Taxi Medallion on my cab. Because I used to care about my city but Things Have Changed ...

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29.09.2019

BERLIN - THE CITY THAT NEVER WORKS


This weekend is the Marathon in town. Yesterday roller blades, today runners. Two days of totally chaos and disaster on the road. Yesterday I asked a police lady who closed one street in Mitte, how I can drive because many streets were closed and I really didn't know how to get from Mitte to West-Berlin. The police lady didn't know too. She is not from here, she said. "But you are from Berlin (because the police car was with a Berlin license plate), isn't it?", I asked her. "Yes!", she answered, "I'm from here but from another neighborhood." (In my american family this phrase is a running gag: "I don't know, I'm just working here!") But it gets even better: "The best would be to stop cab driving for a couple of hours", so the police lady. OK, why not?! I'm already sick of cab driving in this Failed City Of Berlin - The City That Never Works. But what can I do with the clients they were waiting while my conversation with the police lady in my taxi?

Text TaxiBerlin

26.09.2019

ANWOHNERPARKAUSWEISORGANISIERUNG


Ab Dienstag Vergangenheit

Gestern, ich ritt gerade vom Balkan kommend in Bayern ein, erfuhr ich aus dem Radio, dass es in unserem schönen Land so etwas wie Clan-Kriminalität geben soll. Das muss man sich mal vorstellen! Das gab es doch früher nicht. Aber es wird noch besser. Es soll sie geben, obwohl man den Begriff Clan-Kriminalität noch gar nicht richtig definiert hat. Also wenn du mich fragst: Ein unerhörter Vorgang! Ich frage mich sogleich, ob ich anfällig für Clan-Kriminalität bin und komme zu keinem rechten Schluss. Was mir aber einfällt, ist, das mein Bewohnerparkausweis während meines Balkanaufenthaltes abgelaufen ist. Sogleich rufe ich, wie gesagt noch von Bayern aus, das Bürgertelefon 115 in Berlin an. Ich habe Glück, nach nur einer Stunde habe ich jemanden in der Leitung. Freie Termine gäbe es erst im November wieder, erfahre ich von der netten Frau vom Bürgertelefon. Ob sie Verständnis dafür hat, dass das die Bürger verärgert? Ja, hat sie. Und auch dafür, dass sich manch einer radikalisieren würde. (Clan-Kriminalität bringe ich nicht ins Spiel. Die ist, wie gesagt, auch noch nicht definiert.) Die Frau rät mir, heute früh um acht mein Glück beim Bürgeramt direkt zu versuchen. Ich muss also gar nicht ins Bett, sondern kann gleich zum Bürgeramt fahren. Viertel vor acht bin ich der dritte Bürger in der Schlange. Um acht, als das Amt offiziell seine Pforten öffnete, sind weitere zwanzig hinzu gekommen. "Bitte helfen sie mir!", flehe ich die Beamtin am Empfang an, die (noch) freie Termine vergibt. Ich will nicht zu nassforsch auftreten, aber auch nicht zu hilflos erscheinen. Ich scheine den Mittelweg gefunden zu haben, denn daraufhin sie: "Nö, wieso?" In dem Moment druckt der kleine Drucker bereits obigen Termin für selbigen Tag, also gestern, um 8:24 Uhr für mich aus. Dann eine Etage höher in den Warteraum. Der Wartefahrplan oder wie das Ding heißt bimmelt permanent. Man muss höllisch aufpassen, dass man seinen Termin nicht verpasst. Trotzdem bekomme ich es irgendwie hin, mir einen Flyer von FreeNow, dem neuen FakeTaxi, vom Ständer zu nehmen. Dann bin ich auch schon dran, also erstmal nur meine Wartenummer, und zwar am Wartefahrplan. Leider wird kein Behördenplan mitgeliefert, und so dauerte es einige Zeit, bis ich das richtige Zimmer noch mal eine Etage höher finde. Hier wäre ein Behörden-Navi hilfreich gewesen. Die Frau auch hier sehr nett. Mit den Flyern, das sei nicht in Ordnung, bestätigt sie mir. Man sei schließlich nicht das Job-Center. Auch die Bewohnerparkausweise geht das Bürgeramt eigentlich nichts an. Sie sei Pass- und Meldewesen. Bewohnerparkausweise sei Sache des Ordnungsamtes, aber die haben noch weniger Leute. Angeblich hat der Bürgermeister einhundert Leute bei den Bürgerämtern zusätzlich eingestellt. Wo die allerdings abgeblieben seien, das weiß auch sie nicht. Hier im Bürgeramt gäbe es seither drei Mitarbeiter weniger. Gestern wurde sie von einem Bürger mit dem Messer bedroht. (Auch hier unklar, ob das schon Clan-Kriminalität ist.) Ab 1.Oktober, also ab nächsten Dienstag, läuft das hier im Bürgeramt anders, erfahre ich. Da gibt es früh's keine zusätzlichen Termine mehr. Wer da ohne Termin kommt, so wie ich heute, also gestern, dem wird dann nicht mehr geholfen. Der geht besser gleich dahin, wo der Pfeffer wächst. Dann müsse man aber mehr Sicherheitspersonal einstellen, um den zu erwartenden aggressiven Bürgern Herr zu werden. (Vermutlich eher Wut-Bürger und keine Clan-Kriminalität.) Zum Schluss noch ein Tip von der Frau vom Amt in eigener Sache: Die Plakette so anbringen, am Besten mit einem breiten Klebestreifen, damit man sie beim Verkauf des Autos abmachen kann, sonst kriegt man keine Plakette für's neue Auto. Das erscheint mir dann doch zu kompliziert. Ich mache vorsorglich gleich einen Termin für September 2021. Man weiß nicht, was kommt, und was der Termin mal Wert ist. Möglicherweise brauche ich dann aber einen eigenen Clan um ins Termingeschäft einzusteigen, wer weiß ...

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25.09.2019

CONDOR UND DAS KLIMA RETTEN


Das Lied zum Text: "Mensch von früher" von Niels Heinrich

Jetzt wäre die Möglichkeit gewesen, endlich mal das Klima zu retten, oder zumindest damit anzufangen. Wenn da nicht unsere Urlauber auf Malle wären. Die müssen natürlich "nach hause" geholt werden. Apropos "nach hause": Viele haben heute kein "zu hause" mehr, sondern eine "base". "Base" ist englisch, bedeutet "Basis" und kommt vom Militär. Dass Menschen heute noch ein "zu hause" haben ist ein ziemlicher Anachronismus, und dass sie dann noch zum Preis der Klimazerstörung "nach hause" geholt werden müssen eigentlich Mittelalter. Selbst ich, ein "Mensch von früher", bin da schon weiter! Berlin, wo ich gerade angekommen bin, ist nicht mehr mein "zu hause", zwar noch nicht "my base", aber doch schon "mein Büro".

Video YouTube
Text TaxiBerlin

24.09.2019

ERSTE UND LETZTE GRUESSE


Erstes Bild aus dem Gulag

Letzte Grüße aus "Meinem kleinen Gulag", der jetzt "Gulag-Ressort" heißt, und erste Grüße aus der Neuen Welt, wollte ich jetzt schon schreiben. Nein, "nur" aus Österreich, das ich gerade durchreise und wo am Sonntag gewählt wird, aber das nur nebenbei. Ich bin, das gebe ich gerne zu, ein großer Fan von dem Land Reich südlich von Deutschland, und das nicht nur des guten Essens wegen. Auch trifft man hier jede Menge ganz normale Leute, die man in Berlin völlig vergeblich sucht und auf dem Balkan sowieso. Der Balkan ist, das ist bekannt, "Land of the Freaks". Bevor ich es vergesse: Wer gerade die Schnauze voll hat vom Pauschal-Tourismus, der kann und sollte bereits jetzt bei mir und meinem "Gulag-Ressort" in den Schluchten des Balkans buchen, das ist auch besser für das Klima. Apropos Klima: Greta hat sich, so habe ich gehört, aktuell in New York darüber beklagt, dass man ihr ihre Kindheit geklaut hat. Warum sie deswegen nach New York reisen musste, ist mir nicht ganz klar geworden. Die geklaute Kindheit hätte sie besser in Schweden bei ihren Eltern einklagen sollen oder eben beim Therapeuten, wie alle anderen das auch machen. Zurück zu "Meinem kleinen Gulag", der jetzt "Gulag-Ressort" heißt. Dort wird jetzt auch gemalt. Künstler und die, die es sein wollen, sind also auch willkommen. Und nächstes Jahr gibt es eine Ausstellung mit dem Titel "Bilder aus dem Gulag" - versprochen!

Foto&Text TaxiBerlin

23.09.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #37 ZUM NACHHÖREN




Wer die letzte Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin" (es soll bereits die 37. gewesen sein) am letzten Donnerstag verpasst hat, kann sie jetzt nachhören. Taxi-Kollege und Taxi-Times Redakteur Axel Rühle hat mich zum zweiten Mal vertreten (vielen Dank dafür!), da ich mit meinem Taxi immer noch in den Schluchten des Balkans unterwegs bin. Deswegen konnte ich selbst die Sendung bisher auch noch nicht nachhören (in den Schluchten des Balkans am Rande unseres schönen Kontinents lässt die Verbindung ins www oft sehr zu wünschen übrig). Andere (um genau zu sein über 2.000) haben dies aber bereits getan.

Text TaxiBerlin

19.09.2019

HEUTE SPRICHT TAXIKOLLEGE AXEL RÜHLE


Balkan-Taxi im Halteverbot

Da ich mit meinem Balkan-Taxi noch im Halteverbot festhänge, wird Axel Rühle, Taxi-Kollege und Redakteur bei den Taxi-Times, mich heute bei meiner Sendung #37 von "Hier spricht TaxiBerlin" vertreten. Los geht es um 19 Uhr auf Pi-Radio, was in Berlin unter 88.4 MHz, in Potsdam unter 90.7 MHz und auch weltweit im Internet unter www.piradio.de als Live-Stream zu empfangen ist. Don't miss it!

Foto&Text TaxiBerlin

18.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER - HEUTE: ROLL BACK FEMINISM


Auf einer Öffentlichen Toilette auf dem Balkan

Dass ich immer wieder das Thema Toilette aufgreife, heißt nicht, dass ich von Toiletten besessen bin. Vielmehr ist es so, dass ich aus nahezu allem eine Obsession machen kann. Bei der Toilette kommt hinzu, dass die wenigsten Taxis eine Toilette an Bord haben, und das Thema somit auf der täglichen Agenda eines jeden Taxifahrers steht. Was man über den Balkan im Zusammenhang mit dem Thema Toilette mit Sicherheit sagen kann, ist, dass man nicht wegen den Toiletten auf den Balkan fährt, genauso wie man nicht wegen dem Wetter nach Berlin kommt - zumindest war das bisher so. Auf den Berliner Toiletten hielten vor Jahren Aufkleber Einzug, die den Mann dazu aufforderten im Sitzen und nicht im Stehen zu pinkeln, wie es die Natur für den Mann vorgesehen hat. Auch ich habe mich irgendwann diesem Diktat gebeugt, bis meine Partnerin, sie kommt aus Amerika, mich eines Tages fragte, es ist jetzt auch schon wieder einige Jahre her, was ich da machen würde. Seitdem pinkele ich wieder im Stehen, und das ausnahmslos. Auf dem Balkan sucht man Aufkleber, die den Mann zum im Sitzen pinkeln auffordern, vergeblich. Dafür sind nun aktuell Aufkleber aufgetaucht, die den Frauen verbieten, irgendetwas Viereckiges in der Toilette zu entsorgen. Dass es sich um eine Frau handelt, ist am Rock zu erkennen, der ausschließlich von Frauen getragen wird. Auf dem Balkan ist Männern das Tragen eines Rocks verboten. Was die viereckigen Sachen sein sollen, die Frau nicht in der Toilette entsorgen soll, kann Mann nur vermuten. Keine Ahnung, wie es heute ist, ob es diese Dinger überhaupt noch gibt, und ob die Frau von heute diese noch benötigt. Es gab mal eine Zeit, da haben viereckige Vorlagen regelmäßig zu Verstopfungen geführt, und die sind auf jeden Fall schlimmer als im Stehen zu pinkeln.

Foto&Text TaxiBerlin

14.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER - HEUTE: FAKE MASSAGE


In LILA

Auf dem Balkan, aber nicht nur da, ist das, was versprochen wird, oft nicht das, was man auch bekommt. Ein Grund übrigens, warum man hier grundsätzlich nie Garantie gibt. Wer Garantie haben will, der soll nach Frankreich gehen. GARANZIJA - FRANZIJA! So sagt man auf dem Balkan. Die hier angebotene BALKAN MASSAGE ist eher im ROTLICHT MILIEU anzusiedeln, auch wenn sie in LILA daherkommt. Eine echte BALKAN MASSAGE kann selbst TOTE zum LEBEN erwecken und hat mit RELAX herzlich wenig zu tun - ich spreche da aus Erfahrung!

Foto&Text TaxiBerlin

11.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER - HEUTE: DER DEUTSCHE DÖNER


Nicht billig - aber besser

Der Deutsche Döner, wer kennt ihn nicht. Der Deutsche hat alles was wichtig ist (Auto, Fahrrad, Computer, ... etc.) erfunden, also warum nicht auch den Döner. Der Deutsche Döner, und zwar die 350 Gramm Ausführung, kostet auf dem Balkan 5.00 Löwen. Ein Balkanischer Löwe sind eine Deutsche Mark, der ein oder andere kennt sie noch, und das ausnahmsweise mal ganz genau. Oder mit anderen Worten: 1.00 Euro sind 1.95 Balkanische Löwen und auch 1.95 Deutsche Mark. Ein Umrechnungskurs, den man und auch frau sich merken muss. 5.00 Balkanische Löwen oder eben Deutsche Mark sind ziemlich viel für einen Döner, insbesondere auf dem Balkan. Dafür ist der Deutsche Döner des Balkans besser als die meisten Döner vielleicht nicht in ganz Deutschland, aber mit Sicherheit in Berlin. Das liegt an erster Stelle daran, dass das Fleisch noch richtiges Fleisch und nicht dieses durchgedrehte Undefinierbare ist, wie in der deutschen Hauptstadt leider nur allzu üblich; aber auch an den Soßen, die nicht süß sind; und last but not least an der Tüte, in der der Deutsche Döner auf dem Balkan gereicht wird, welche ihn zu 100 Prozent kleckersicher macht. Und das auf dem Balkan, wo man sonst irgendeine Garantie vergeblich sucht. Also wenn das nichts ist, dann weiß ich auch nicht.

Foto&Text TaxiBerlin

09.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER - HEUTE: DINGE, DIE DIE WELT NICHT BRAUCHT


Verzeihung, wir haben geöffnet

Dinge an den Mann und auch an die Frau zu bringen, die weder Mann noch Frau braucht, ist die Kurzdefinition von Kapitalismus. Sich dafür dann aber noch zu entschuldigen, das kann sich eigentlich nur eine Avantgarde leisten. Oder vielleicht noch die, die nichts zu verlieren haben. Keine Ahnung, wozu man sich hier auf dem Balkan zählt. Das ist auch egal, man macht es einfach. Ich stelle mir gerade ähnliche Schilder am Eingang von Berliner Clubs vor. Das wäre ein Spaß!

Foto&Text TaxiBerlin

08.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER - HEUTE: DIE ZUKUNFT DER ARBEIT


Maschinell hergestellter Besen zum Laub-Sammeln

Der Herbst steht vor der Tür und mit ihm das Laub. Zuhause gibt es dafür den Laubbläser, den SUV unter den Laubsammlern. Auf den Balkan gibt es für's Laub den maschinell hergestellten Besen, die Fortentwicklung des selbstgebastelten Reisigbesens, wer ihn noch kennt. Aber egal ob Reisig- oder maschinell hergestellter Besen, auf dem Balkan ist man uns einmal mehr einen Schritt voraus, auch wenn es um's Klima retten geht. Denn wer das Klima retten will, der kann nicht mehr mit dem SUV, dem motorbetriebenen Laubbläser, der darüber hinaus auch viel zu viel Lärm verursacht, arbeiten. Zum finalen Sammeln des Laubs eignet sich übrigens eine aus einem großen viereckigen Behälter für Oliven selbst hergestellte Sammel-Box mit Griff, an dem man bequem sein Frühstück befestigen kann:

Laub-Sammel-Box mit Griff für's Frühstück

Fotos&Text TaxiBerlin

07.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER - HEUTE: FAKE TAXI


mit Moos-Ansatz

FAKE NEWS finden alle Scheiße, aber gegen FAKE TAXI hat niemand etwas. - Außer auf'm Balkan! Hier werden Uber&Co nicht nur beim richtigen Namen genannt, sondern auch aus dem Verkehr gezogen.

Foto&Text TaxiBerlin

05.09.2019

AUF DEM BALKAN IST MAN DA SCHON WEITER


Während man sich zuhause noch den Kopf darüber zerbricht, ob der dumme OSSI, der zum wiederholten Male den Gehorsam verweigert hat, wenn er schon kein Bürger mehr, so doch wenigstens noch ein Mensch ist (Ich persönlich plädiere für Untermensch einschließlich dem Entzug der Menschenrechte!), ist man da auf dem Balkan, dem Pulverfass Europas, wieder einmal einen Schritt weiter. Nicht nur die "Demokratisierung", wie die Wende hier heißt, wird regelmäßig mit Anführungszeichen geschrieben, nein, konsequenter- und logischerweise auch das, was der "Demokratisierung" folgt:

"Demokratie" 18 

 Poliklinik "Demokratie"

 Boulevard "Demokratie" Nr.22

"Demokratie" Straße

"Demokratie" bei Facebook

Fotos&Text TaxiBerlin

04.09.2019

WAHLNACHBEOBACHTUNGEN AUS DER FERNE


von deinem Balkan-Berichterstatter

Fast wäre es an mir vorbei gegangen, dass in der Heimat gewählt wurde. Auf dem Pulverfass Balkan, 2.000 Kilometer weit weg von zu Hause, am Rande unseres schönen Kontinents, weiß niemand etwas von irgendeiner Wahl. Wahrscheinlich wäre das auch so, wenn im eigenen Land gewählt worden wäre - wer weiß?! Auf jeden Fall heißt die WENDE hier nicht WENDE sondern bis heute DEMOKRATISIERUNG, und das IMMER MIT Anführungszeichen, also "Demokratisierung".

Ich habe mir die genauen Zahlen nicht angesehen. Sie sind auch unerheblich. Offensichtlich ist das Wahlergebnis eingetreten, was erwartet wurde, oder zumindest fast. Der OSSI hat sich mal wieder VERWÄHLT, einmal mehr. Das wievielte Mal bereits????? Weiß das jemand??? Was fest zu stehen scheint, ist, das keiner mehr in den Osten fahren will - HYSTERISCH halt! Aber warte mal, wenn es so ist, dann würde man sich so ein Wahlergebnis auch für Berlin ..., oder?

Der Begriff OSSI, das wissen vielen nicht, ist ein Schimpfwort. Das war von Anfang an so, denn mit dem OSSI ist nichts und war auch noch nie etwas Positives verbunden. Demzufolge kann es nur ein Schimpfwort sein. Ausser, ein OSSI sagt zu einem anderen OSSI: Du OSSI! - Das geht. Das ist wie mit dem KANAKEN oder auch mit dem NEGER. Wenn einer das zu dem anderen sagt, dann ist das erlaubt.

(Übrigens: Alle Umschreibungen, beispielsweise DIE OSTDEUTSCHEN oder DER AUS'M OSTEN sind gut gemeinte Versuche, den Begriff OSSI zu vermeiden. Aber gut gemeint ist auch hier nicht gut gemacht, denn letztendlich wissen alle, wer gemeint ist: Der OSSI.)

Im Zusammenhang mit dem OSSI gibt es einen anderen Begriff, der zwar kein Schimpfwort ist, aber permanent falsch verwendet wird, und auch das von Anfang an. Ich meine die WIEDERVEREINIGUNG. Der richtige Begriff ist BEITRITT. Die arme Sau aus dem Osten, der OSSI, legt sich ins gemacht Bett des WESSIs. So das passende Bild dazu.

(Kurzer Einschub: WESSI ist kein Schimpfwort, weil WESSI nicht ausschließlich negativ konnotiert ist, weswegen selbst der OSSI zum WESSI ungestraft WESSI sagen darf, im Gegensatz zum WESSI, der wie gesagt und v.a. politisch korrekt den OSSI nicht OSSI nennen sollte.)

Der BEITRITT des OSSIs zum WESSI, der fälschlicherweise WIEDERVEREINIGUNG genannt wird und vor knapp 30 Jahren nach einer kleinen Revolution im Osten stattfand, war eine DEMÜTIGUNG für den OSSI. Das wird, so denke ich, niemand bestreiten, noch nicht mal ein WESSI. (Und wenn doch, dann soll er sich vorher bei mir melden, damit ich ihn von seiner verkehrten Meinung abbringe.)

Wenn die WIEDERVEREINIGUNG, die eigentlich ein BEITRITT des OSSI zum WESSI aber vor allem eine DEMÜTIGUNG war, dann kann man das wiederholte VERWÄHLEN vom OSSI als REVANCHE betrachten und auch bezeichnen. Und diese ist dem OSSI diesmal wirklich geglückt, denn der WESSI wird HYSTERISCH, und wer HYSTERISCH wird, der hat unrecht, denn heute muss man COOL sein und vor allem bleiben.

Das Wahlverhalten des OSSI nun ausschließlich als REVANCHE zu interpretieren, greift aber zu kurz. Das ist das einfache aber eben falsche Denken, das leider immer mehr um sich gegriffen hat in den letzten Jahren: OSSI gleich NAZI. Ich weiß, Denken ist nicht für jedermann, und nur allzu oft ist es auch nicht einfach, aber wer hat denn bitte sehr jemals gesagt, dass Denken einfach sei?

Möglicherweise ist es nämlich so, dass der OSSI sich zwar einerseits VERWÄHLT, andererseits trotzdem die richtigen FRAGEN gestellt hat. Ich weiß, das ist ein WIDERSPRUCH, den man früher DIALEKTIK genannt hat, was auch viel besser klingt als WIDERSPRUCH. Dass es die richtigen FRAGEN waren, merkt man daran, dass sie von niemandem beantwortet werden konnten, ausser von den VERKEHRTEN, weswegen VERWÄHLT auch irgendwie richtig ist.

Ich will ein Beispiel machen, damit es klarer wird: Die (alte) Bundesrepublik, also der WESSI, wie ihn der OSSI von früher kannte und weswegen er ihr/ihm BEIGETRETEN (nicht VEREINIGT und schon gar nicht WIEDERVEREINIGT!) ist, hat mit der Bundesrepublik heute, also mit dem WESSI von heute, rein gar nichts mehr zu tun. Das ist leider auch die Wahrheit. Die alte Bundesrepublik, der ein oder andere wird sich erinnern, das war soziale Marktwirtschaft und kein als Globalisierung getarnter neoliberaler Turbo-Kapitalismus.

Dieser WIDERSPRUCH, der möglicherweise auch DIALEKTISCH ist, wäre seinerzeit thematisiert worden. Heutige Journalisten sind nahezu allesamt nur noch Besitzstandswahrer und Nachplapperer. Natürlich nur zu unserem Besten und ausschließlich wegen der Gefahr aus dem Osten, wegen dem bösen OSSI, denn OSSI gleich NAZI.

(Einschub: Deswegen, und das ist der einzige Grund, ist das Reisen so wichtig, gerade auch heute - um sich selbst ein Bild zu machen. Ein ganz aktuelles Beispiel ist ein Projekt in Rumänien, das ich letztes Jahr auf meinem Rückweg vom Balkan besucht habe. Die geradezu hysterische "Berichterstattung" darüber, hat mit dem, was ich dort gesehen und in Gesprächen erfahren habe, rein gar nichts zu tun.)

Auf dem Pulverfass Balkan, auf dem ich gerade sitze, wäre es übrigens, so denke ich zumindest, völlig abwegig, dass der Einheimische nur wegen einer Wahl nicht mehr in einen bestimmten Landesteil reisen würde. Auch auf die Gefahr hin, dort unbequeme Fragen gestellt zu bekommen. Vielmehr erscheint es mir so, dass der Hiesige allgemein gerade das Unbequeme regelrecht lieben würde.

Foto&Text TaxiBerlin

30.08.2019

PHILOSOPHISCHER STAMMTISCH


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Vor einiger Zeit, wenn ich mich recht erinnere war es Anfang dieses Jahres, erhielt ich eine Einladung zu einem STAMMTISCH. Jetzt nicht irgendein STAMMTISCH, zu dem man sich hin und wieder an einem großen Tisch mit dem Schild HIER SITZEN DIE, DIE IMMER HIER SITZEN in einer verräucherten Kneipe trifft, sondern einem regelmäßig stattfindenden PHILOSOPHISCHEN STAMMTISCH vor Publikum mit Eintritt und Gage. Ich habe selbst schon einmal einen STAMMTISCH ins Leben gerufen. Das war die Zeit, als der STAMMTISCH noch DAS BÖSE AN SICH war. Dass man heute einen STAMMTISCH vor zahlendem Publikum veranstalten will, ist auf jeden Fall ein gutes Zeichen. Ich bin sowieso der Meinung, dass es wieder Zeit für RUNDE TISCHE ist, und ein STAMMTISCH ist da, so denke ich, ein Schritt in die richtige Richtung.

Zu dem von mir ins Leben gerufenen STAMMTISCH, zu dem ich etwa zwei Jahre lang einmal im Monat in eine Kneipe im Friedrichshain einlud, kamen zum Schluss nur noch Frauen. Der geplante PHILOSOPHISCHE STAMMTISCH heute hat genau das gegenteilige Problem. Es wollen sich partout keine Frauen finden lassen, die daran teilnehmen möchten, so dass der PHILOSOPHISCHE STAMMTISCH, sollte er denn stattfinden, ein Treffen ALTER WEISSER MÄNNER zu werden droht, womit ich kein Problem hätte. Sein ALTER kann man sich nicht aussuchen, ebenso nicht seine HAUTFARBE und auch nicht sein GESCHLECHT. Im Übrigen bin ich gerne MANN, so wie die meisten Frauen, die ich kenne, gerne FRAU sind. Ich fühle mich auch weder in irgendeiner Art und Weise schuldig noch für irgendetwas verantwortlich, nur weil ich WEISS bin. Verantworten, was von REDE UND ANTWORT STEHEN kommt, kann man immer nur das, wofür man selbst, also persönlich, verantwortlich ist, alles andere ist Sippenhaft. Nur mit dem ALTER, da hadere ich zugegeben manchmal etwas.

Dass sich für den geplanten PHILOSOPISCHEN STAMMTISCH partout keine Frauen finden lassen wollen, ist aber nicht das einzige Problem. Das aktuelle und weitaus größere Problem ist, dass fast alle der ALTEN WEISSEN MÄNNER, die ihr Kommen zugesagt hatten, aktuell abgesagt haben. Offizielle Begründung ist entweder Zeitmangel und/oder Überforderung. Möglicherweise stimmt das sogar – auch. Ich kenne die anderen Teilnehmer nicht wirklich, ich habe sie nur einmal zum Vorbereitungstreffen vor etwa drei Monaten getroffen. Was ich von ihnen weiß, ist, dass sie alle mehr oder weniger vom Schreiben leben können, und dies wahrscheinlich auch morgen noch möchten. Ich finde das mehr als verständlich, denn auch ich würde gerne, so wie früher, noch vom Taxifahren leben können. Leider kann ich das schon heute nicht mehr. Der Prozess der PAUPERISIERUNG (Fachbegriff für Verarmung) betrifft nicht nur Taxifahrer, sondern viele Menschen in unserem Land, weswegen ich RUNDE TISCHE, an denen - ganz genauso wie im Taxi - alle Schichten der Bevölkerung Platz nehmen, für das Gebot der Stunde halte.

Seit gut 20 Jahren bin ich nun schon auf den Straßen und Plätzen Berlins unterwegs. Davon waren mehr als die Hälfte Lehrjahre, sowohl fachlich als auch menschlich. Richtig professionell bin ich erst in den letzten sechs, sieben Jahren geworden. Seither versuche ich das Taxifahren immer mehr als Kunst zu betreiben. Dazu gehören nicht nur Orts- sondern auch und vor allem Menschenkenntnisse. Ich habe mich durch das Taxifahren zu einem extrem guten Zuhörer entwickelt, was nicht geplant war, sondern sich einfach so ergeben hat. Ich höre Dinge, von denen der Fahrgast manchmal gar nicht weiß, dass er sie gesagt hat. Dabei lasse ich mich von dem Grundsatz eines alten Freundes leiten: WER ZU FRÜH URTEILT, DER VERLIERT DIE WELT.

Ich maaße mir nicht an, irgendwas zu wissen, abgesehen von ein paar Berliner Straßen und Plätzen. Das wenige, was ich weiß, weiß ich aus Büchern und aus Gesprächen mit Fahrgästen, Freunden und Kollegen. Es stimmt wirklich, selbst aus dem dümmsten Buch als auch von dem größten Idioten kann man noch etwas lernen. Man darf es nur nicht verpassen, genauer: überlesen, übersehen oder überhören. Das passiert öfters als man denkt, ganz einfach deswegen, weil das Buch oder die Person in eine Schublade getan wurde, was bequem ist, keine Frage, aber auch ein klein wenig faul. Das tun insbesondere Menschen, die sich selbst als besonders offen bezeichnen, was sie – wohl nicht ohne Grund – nicht müde werden zu betonen. Ungefähr so, wie andere immer wieder betonen müssen, dass man dies oder jenes wohl noch sagen dürfe, bloß umgedreht.

Taxifahren ist ein Lotteriespiel: Der Fahrgast weiß nicht, auf welchen Taxifahrer er trifft, und umgekehrt der Taxifahrer nicht, welcher Fahrgast ihm als nächstes einsteigt. Nur eines ist, zumindest in Berlin, gewiss: Die Wahrscheinlichkeit, dass man sich ein zweites Mal über den Weg läuft, gleicht einem Jackpot. Diese Gewissheit lässt beide, sowohl den Taxifahrer, aber vor allem den Fahrgast, allzu oft ein klein wenig ehrlicher sein, als er es vielleicht gegenüber Kollegen, Freunden und auch Partnern wäre. Man bekommt einiges zu hören als Taxifahrer und wohl auch als Fahrgast, bei dem, im Gegensatz zum Taxifahrer, zugegeben hin und wieder der Alkohol oder anderes nachgeholfen haben die Zunge zu lösen. Nach jedem Fahrgast gibt es eine Pause. Die ist wichtig, um das gehörte zu verdauen oder ggf. auch zu notieren. Diese Pausen zwischen den Fahrten werden seit einiger Zeit immer größer, was nicht gut für den Verdienst ist (von irgendwas muss auch ein Taxifahrer leben), einem aber immerhin noch mehr Zeit als sonst schon zum Lesen und auch zum Nachdenken beschert. Nachdenken wird reichlich unterschätzt heutzutage. Es wird einem aber auch nicht gerade leicht gemacht, das Nachdenken, denn Ablenkung von der allgegenwärtigen Langeweile lauert an jeder Straßenecke.

Der Grundsatz: Ich weiß, dass ich nichts weiß, gilt auch für mich. Immerhin kann ich lesen und zuhören. Hinzu kommt das selbständige Denken, das traue ich mir auch zu. Das ist nicht selbstverständlich in einer Zeit, die sich eher durch BETREUTES DENKEN auszeichnet. Ein im Osten sozialisierter Fahrgast, ein einfacher Arbeiter im Blaumann und von der aktuellen Verarmung Betroffener, brachte es neulich bei mir im Taxi so auf den Punkt: FRÜHER, DA KONNTEST DU WENIGSTENS NOCH UMSCHALTEN! Es ist, so denke ich, nur eine Frage der Zeit, bis die PAUPERISIERUNG auch an deine Tür klopft, bis auch du zu den GLOBALISIERUNGSVERLIERERN gehörst. Die Anzahl der Menschen, die hierzulande nicht mehr von ihrer Hände Arbeit leben können, steigt mit jedem Tag, ebenso die Zahl derjenigen, die Flaschen sammeln müssen, wollen sie ihren Lebensabend nicht in Armut verbringen. Das Nachdenken über die Ursachen der Verarmung ist auch PHILOSOPHIE. Und auch, was PHILOSOPHEN zu allen Zeiten getan haben, die richtigen Fragen zu stellen. Zum Beispiel: Wem nutzt die GLOBALISIERUNG? Und: Wer soll da gespalten werden und warum? Das sind zumindest die Fragen, die ich mir in meinem Taxi stelle, und die ich gerne auch beim PHILOSOPHISCHEN STAMMTISCH in die RUNDE (nächster Schritt wie gesagt RUNDE TISCHE und ein mögliches Thema SIND WIR NOCH EIN GEMEINWESEN UND WENN JA: WIE WOLLEN WIR IN ZUKUNFT ZUSAMMEN LEBEN?) werfen würde, der wie gesagt Ende September starten sollte, und dem gerade die Teilnehmer abhanden gekommen sind.

Wer jetzt Lust bekommen hat (Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Haarfarbe usw. – egal!), an dem geplanten PHILOSOPHISCHEN STAMMTISCH teilzunehmen, der schreibe eine e-mail und schickt diese an mich. (Adresse steht oben rechts unter KONTAKT)

Text TaxiBerlin

17.08.2019

DAS LETZTE FOTO


So sieht es aus

Ein Baum, ein Esel, drei Müllsäcke, keine Menschen! - so könnte es aussehen, das letzte Foto. Jetzt nicht von mir, sondern überhaupt.

Foto&Text TaxiBerlin

16.08.2019

TAXIBERLIN RETTET DIE WELT (FORTSETZUNG)


Und wie!

Zwei Müllsäcke sind rasch gefüllt am Rande unseres schönen Kontinents, insbesondere in der noch schöneren Natur, wo sich der meiste Müll befindet. Wegen dem bin hier und segele nicht um die halbe Welt, wie unser aller Greta, die scheinbar Unvermeidbare. Am Rande Europas kennt sie übrigens keiner, was aber nicht daran liegt, dass man hier keine Mädchen mit Zöpfen mögen würde. Dass keiner Greta kennt, liegt ganz einfach daran, dass man sie noch nie tanzen gesehen hat. Und das ist doch gerade das wichtigste in einer Krise, dass man auch dann noch tanzt (wegen mir auch auf dem Müll), wenn einem alles um die Ohren fliegt. Zumindest sieht man das hier so.

Foto&Text TaxiBerlin

WIE TAXIBERLIN DIE WELT RETTET


Alles klar?

Während Greta um die Welt segelt, um die Welt zu retten, ziehe ich mit zwei Esel los und sammle Müll ein. Müll ist so mit das einzige, was es am Rande Europas reichlich gibt. Nicht nur für die hiesige Bevölkerung, die, wenn sie nicht auswandert, einen gewissen Hang zur Selbstzerstörung hat. Woran das genau liegt, das habe auch ich noch nicht herausgefunden. Das Müll sammeln hilft auf jeden Fall ungemein dabei, die Gedanken zu sortieren. Und wenn jemand Klarheit in eigener Sache sucht, so kann er gerne vorbei kommen. Müll gibt es wie gesagt genug. Nur mit den Eseln wird es langsam eng.

Foto&Text TaxiBerlin

13.08.2019

TAXIBERLIN ALS TIERARZT IM EINSATZ


Zwei für die Arche

Nachdem ich viele Jahre als rollender Therapeut auf den Straßen und Plätzen unterwegs war, muss ich mir nunmehr eingestehen, dass mein Einsatz ganz umsonst war. Der Mensch, allen voran das Party-Volk, ist ein verlorener Fall, und das mit dem Klima ist nur vorgeschoben. Was man noch tun kann und auch sollte, ist ein paar Tiere retten. Meine Empfehlung: Mach es wie Noah und nimm von jedem ein Paar!

Foto&Text TaxiBerlin

09.08.2019

WIE HERR STALIN UND ICH DAS KLIMA RETTEN


"Komplex Stalin" mit Mauer und eigener Stromerzeugung

Vor einiger Zeit hat mein Nachbar seinen Gulag von "Grill Stalin" in "Komplex Stalin" umbenannt. Mir empfahl Herr Stalin "Meinen kleinen Gulag" besser "Gulag-Ressort" zu nennen. Das habe ich getan, und seitdem kann ich mich vor Anfragen nicht retten. Die halbe Welt will plötzlich in mein "Gulag-Ressort" einziehen, was wohl auch daran liegt, dass mein Nachbar aktuell eine Mauer um seinen Komplex hat bauen lassen. Mit anderen Worten: Herr Stalin kann sich seine Gäste aussuchen, die bei ihm einziehen. Aber es wird noch besser! Seine Gäste produzieren in dem eigens zu diesem Zweck vom Herrn Stalin entworfenem "Human Hamsterrad" nicht nur genug Strom für seinen Komplex. Herr Stalin hat soviel Strom, dass er die ganze Region damit versorgen kann, die zugegeben ziemlich ausgestorben ist. Im Prinzip gibt es dort neben dem Herrn Stalin mit seinem Komplex nur noch mich und mein Ressort. Aber das ist jetzt nicht das Thema. Meinem Nachbarn Herrn Stalin geht es um Größeres, und so auch mir. Denn ich bin gerade dabei, mir auch so ein "Human Hamsterrad" für meine Gäste zuzulegen. Das Klima zu retten kann richtig Spaß machen.

01.08.2019

AUTOFIKTION BEIM AUTODOKTOR


Im klimatisierten Warteraum vom Autodoktor

Der Autoarzt im fernen Bulgarien kennt mich schon, ich bin sozusagen ein Stammkunde. Um genau zu sein nicht ich, sondern das Auto. Mit dem Taxi ist so weit alles OK, nur hatte ich in Berlin vergessen den Ölwechsel machen zu lassen. Das wird gerade nachgeholt, während ich im klimatisierten Warteraum mit Internet von meinem Autoarzt darüber bei einer Tasse Kaffee und einem Glas Soda berichten kann.

Foto&Text TaxiBerlin

29.07.2019

VOM "FORENSIKER DER GESELLSCHAFT"


Meine Reise in "Meinen kleinen Gulag", den ich neulich in "Gulag-Ressort" umbenannt habe, begann alles andere als vielversprechend. In ganz Bayern war, warum auch immer, keine einzige Weißwurst aufzutreiben, nicht einmal eine vergammelte. Nicht nur mit Berlin, nein, auch mit Bayern geht es bergab! Am Abend dann das Highlight in Österreich, wo sonst?! Der Österreicher hat seinen Staatspreis für Europäische Literatur, an dem immerhin 25.000 Ocken dranhängen, vergeben. Aber nicht an irgendjemand, sondern an den "Forensiker der Gesellschaft". So nannte Kulturminister Alexander Schallenberg am Samstag den französischen Autor Michel Houellebecq. Der frisch gebackene "Forensiker der Gesellschaft" zitierte in seiner Dankesrede den österreichischen Autor Thomas Bernhard, der in einem Text seinen Freund Paul, den Neffen des österreichischen Philosophen Ludwig Wittgenstein sagen lässt: "Einen Preis anzunehmen ist schon eine Perversität, einen Staatspreis anzunehmen aber die größte."

Es stimmt wirklich: Von Österreich lernen, heißt siegen lernen!

Text TaxiBerlin

27.07.2019

ALSO SPRACH DER KOLLEGE NIETZSCHE


Kollege Nietzsche auf den Punkt Buchrücken gebracht

Kollege Nietzsche, der heute wahrscheinlich Flaschensammler wäre, ist seinerzeit auch Taxi gefahren, was die wenigsten wissen. Es war die Zeit der Pferdedroschken, Kollege Nietzsche hatte es mit Pferden - das ist bekannt. Völlig unbekannt ist, dass er sogar zwei Bücher übers Taxifahren geschrieben hat. Das eine heißt "Der Mensch mit sich alleine", das Alleinsein gehört neben dem Warten zu unseren Kernkompetenzen, das andere ist "Der Mensch im Verkehr", wo wir Taxifahrer die meiste Zeit verbringen. Zumindest war es bisher so, das ändert sich gerade. Vor allem Nachts greifen immer mehr Party People zum Feind aller ehrlichen Taxifahrer aus Amerika. Mir war das Party Volk schon zuvor ein Dorn im Auge, weil es für unnötige Unruhe sorgt, vor der bereits die Heilige Schrift in ihren Psalmen warnte:

Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es bekommt. (39/6)

Doch zurück zu Kollege Nietzsche, zu dessen Zeit es noch kein Party Volk gab, weswegen er sich über die (US)-Amerikaner beklagte, deren Unruhe uns in die nächste Barbarei treiben wird. Hier "Die moderne Unruhe" aus "Menschliches, Allzumenschliches", in dem sich Kollege Nietzsche auch zu den nicht mehr vorhandenen Jahreszeiten äußert, was Party People etwas Barock erscheinen mag, aber Party People lesen hier nicht, einfach weil sie gar nicht die Ruhe dafür haben:

Nach dem Westen zu wird die moderne Bewegtheit immer größer, so dass den Amerikanern die Bewohner Europas insgesamt sich als ruheliebende und genießende Wesen darstellen, während diese doch selbst wie Bienen und Wespen durcheinanderfliegen. Diese Bewegtheit wird so groß, dass die höhere Kultur ihre Früchte nicht mehr zeitigen kann; es ist, als ob die Jahreszeiten zu rasch aufeinanderfolgen. Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus.                            ("Die moderne Unruhe")

Foto&Text TaxiBerlin