31.12.2019

DAS ENDE


So sieht es aus

Jedes Ende, und somit auch das Jahresende, ist immer auch ein Neubeginn, wozu man sich oft viel (meist zu viel) vornimmt und so einiges wünscht, was manchmal sogar in Erfüllung geht. Auch ich wünsche meinen Lesern etwas für das Neue Jahr, ausgehend vom Schicksal Gregor Samsas, aber nicht dem Gregor Samsa aus "Die Verwandlung" von Franz Kafka, sondern dem Gregor Samsa in der weiter gesponnenen "Selbstverfickung" von Oskar Roehler:

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, stellte er fest, dass er nicht mehr linksliberal war. Und das war in dieser Gesellschaft schlimmer, als sich in ein ungeheures Ungeziefer verwandelt zu haben.

Mein Wunsch nun ist folgender: Sollte dir demnächst dasselbe passieren wie Oskar Roehlers Gregor Samsa, dann sei unbesorgt, denn Linksliberal hat heutzutage und hierzulande mit Links, wie wir es von früher kannten, nichts mehr zu tun. Linksliberal heute meint immer Neoliberal, und dagegen darfst auch du etwas haben.

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DER CLAAS RELOTIUS PREIS 2019


Spät, aber nicht zu spät

Fast wäre diese Bewerbung für den wichtigsten Journalistenpreis an mir vorbei gegangen. Das liegt daran, dass ich mich mal wieder Tage- und auch Nächtelang mit meinem Taxi auf den Berliner Straßen und Plätzen herumgetrieben habe, wo außer leeren Flaschen nichts zu holen war. Deswegen muss auch ich alte Nazisau Umweltsau wohl oder übel auf Kotelett aus'm Discounter zurückgreifen, aber das nur nebenbei. Jedenfalls ist kurz vor Jahresende ganz aktuell noch eine Bewerbung für den Claas Relotius Preis 2019 reingekommen, und zwar von Danny Hollek. Danny Holleks Karriere ist gerade dabei steil nach oben zu gehen. Das dumme ist, dass sich sein Arbeitgeber, der WDR, von ihm als freien Mitarbeiter distanziert hat. Das macht aber gar nichts, denn Danny Hollek hat sich auch schon von sich selber distanziert. Trotzdem haben sich seine Chancen auf den Claas Relotius Preis 2019 dadurch nicht verschlechtert - ganz im Gegenteil. Denn Danny Hollek erhält jede Menge Zuspruch von Kolleginnen und Kollegen von Öffentlich/Rechtlich, und auch ich unterstütze seine Bewerbung. Ich denke, er wäre ein würdiger Preisträger, obwohl ich persönlich finde, dass sich Umweltsau irgendwie nach Neunziger anhört. Heute heißt das, so weit ich informiert bin, Umweltschädling.

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29.12.2019

STAATLICH ORGANISIERTE KRIMINALITÄT NOCHMAL


Die neue schöne Uber-Zeit begann 2017. Über Nacht brauchten Miet- und Krankenwagenfahrer keine Ortskundeprüfung mehr ablegen. Der Grund für diese Gesetzesänderung ist bis heute unklar. Gab es einen Beförderungsnotstand? Nicht, dass ich wüsste! Was es auf jeden Fall gab, war eine Niveauabsenkung. Brauchte man bisher als Taxifahrer keine Sprachkenntnisse, so braucht man seitdem darüber hinaus als Miet- und Krankenwagenfahrer auch keine Ortskenntnisse mehr. Schon damals gab es einen angeblichen Fachkräftemangel im Land. Um diesen zu beseitigen, bildet man aber keine Leute aus, sondern senkt einfach das Niveau. Es werden keine Fachkräfte gebraucht, sondern billige Arbeitskräfte für eine Firma aus Amerika, die in der Lage ist, hierzulande, also im Ausland, Gesetze ändern zu lassen. Einen Beförderungsnotstand gab und gibt es nicht. Was es gibt, ist ein Kontrolldefizit oder besser: einen Kontrollverlust. Es wird etwas erlaubt, was nicht kontrolliert werden kann oder besser: darf. Der Staat als Pate. Deswegen Staatlich Organisierte Kriminalität.

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28.12.2019

SCHWARZTAXIS FRÜHER UND HEUTE oder STAATLICH ORGANISIERTE KRIMINALITÄT


Zwischen den Schwarztaxis in der DDR und Uber heute gibt es viele Parallelen, aber auch einige Unterschiede. Schwarztaxis traten in der DDR etwa ab Mitte der Achtziger Jahre auf, allerdings nur in größeren Städten, genauso wie Uber heute nur in einigen Großstädten agiert. Die Schwarztaxis in der DDR waren Privatautos von Privatpersonen gelenkt, die sich nach Feierabend etwas dazu verdienen wollten. Der Fahrpreis war verhandelbar. Im Normalfall fragte man als Fahrgast am Ende der Fahrt, was der Fahrer dafür, dass er ihn mitgenommen hat, nun bekäme. Die Antwort des Fahrers war dann meist, dass der Fahrgast doch geben solle, was er denke. Im dümmsten Fall hat er nichts gegeben. Bei Uber ist der Fahrpreis in gewisser Weise auch Verhandlungssache, allerdings nicht so wie in einem Schwarztaxi in der DDR. Angeblich wird, im Gegensatz zum Schwarztaxi der DDR, alles bargeldlos beglichen. Seit meiner letzten Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin", in der ich einen ehemaligen Uber-Fahrer im Interview hatte, wissen wir aus erster Hand, dass die Fahrer bei Uber versuchen an Bargeld oder genauer Schwarzgeld heranzukommen, weil sie von den vier Euro die Stunde, die sie mit Uber-Fahrten verdienen, nicht überleben können. Von Leben war nicht die Rede. Auf keinen Fall wird ein Fahrgast bei Uber, wie es beim Schwarztaxi in der DDR häufiger vorkam, ohne etwas für den Fahrer im Wagen hinterlassen zu haben, aussteigen. Fahrer von Schwarztaxis in der DDR wussten, dass sie illegal sind. Das wissen Uber-Fahrer heute nicht mehr, oder wollen es nicht wissen, obwohl auch sie, ganz genauso wie die Schwarztaxis in der DDR, sich zum Beispiel an keinen Taxistand stellen dürfen. Dank einer permanenten Gehirnwäsche glauben Uber-Fahrer heute wirklich, dass sie die "lokalen Profis" sind, auch wenn sie keinen Plan haben. Den "Brüdern und Schwestern" von Uber dürfte aber nicht entgehen, dass man sie verarscht (ähnlich den Fahrern von Schwarztaxis in der DDR, wenn die Fahrgäste einfach ohne etwas gegeben zu haben ausgestiegen sind), nur eben ganz anders, und dass das Geschäftsmodell von Uber, so weit man von einem solchen sprechen kann, nur bei permanentem Rechtsbruch funktioniert. Uber ist Staatlich Organisierte Kriminalität. Das waren Schwarztaxis in der DDR nicht. Schwarztaxis in der DDR waren zwar toleriert, aber sie waren nicht staatlich legitimiert. Dafür läuteten sie bzw. ihr Auftreten das Ende der DDR ein. Bis zur Wende waren es dann noch ca. fünf Jahre. Heute mit Uber dürfte es schneller gehen.

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27.12.2019

KLEINER HUND MIT HUND


ist junge Frau

In Berlin, das bestätigen mir immer wieder Fahrgäste von auswärts, ist es mitunter schwer, ein Taxi zu finden, das auch Hunde befördert. Das liegt, das ist kein Geheimnis, an den vielen TaxiKollegen mit muslimischem Glauben. Der Hintergrund ist, dass der Hund im Islam als unrein gilt. Das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Fahrgäste, die keinen Taxifahrer mit muslimischen Glauben wünschen, immer einen Hund angeben, den sie gar nicht haben. Unter diesem Hintergrund erschien gestern Abend obiger Auftrag für mich auf dem Display. Offensichtlich will ein kleiner Hund Taxi fahren. So weit - so gut. Dass aber ein kleiner Hund MIT HUND Taxi fahren möchte, das war noch nie da. Alleine, um herauszufinden, was sich dahinter verbirgt, bin ich hingefahren. Mein Fahrgast war eine junge Frau, die keinen Hund dabei hatte, und die auch nichts gegen Fahrer mit muslimischem Glauben hat. Einen Hund hat sie allerdings schon, aber der war zu hause. Sie hatte einfach nur vergessen das Häkchen, das in ihrer App bei Hund steht, zu entfernen, bevor sie das Taxi bestellte. MIT HUND ist ein Zusatz von der gleichnamigen TaxiZentrale von TaxiBerlin, der automatisch auf dem Display erscheint, wenn ein Fahrgast mit Hund Taxi fahren möchte.

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26.12.2019

ZEIT FÜR DIE MAMA


und für einen Gutschein

Meine Fahrgäste, ich hatte hier darüber geschrieben, zahlen neuerdings mit Kunst und nicht mit Kohle, weil man Kohle nicht anlegen kann - im Gegensatz zu Kunst. Gestern nun, pünktlich zur Weihnachtszeit, beglich ein Fahrgast seine Fahrt mit dem Jesuskind, wie es eine Brust seiner Mutter Maria, die selbstverständlich mit auf dem Bild ist, in der Hand hält. Die Brust, das wissen viele nicht, ist eine paarig angelegte Drüse, in dem Fall für Milch, die auf lateinisch Mama heißt und der ganzen Person ihren Namen gibt. Bilder vom kleinen Jesus mit der Milchdrüse von Mama in der Hand sind sehr selten. Da die Fahrt nicht weit war, und ich nicht rausgeben konnte, habe ich dem Fahrgast einen Gutschein ausgestellt. Das geht auch.

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25.12.2019

WAS MACHT DER ESEL IM TAXI ?


Mit Esel-Kunst kommst du am weitesten

Noch vor dem Essen (und auch vorm Trinken) sind die Geschenke das wichtigste an Weihnachten, denn auf den ganzen Small Talk und das ewige WIR HABEN UNS JETZT ALLE GANZ DOLL LIEB kann ein jeder sehr gerne verzichten. Mit dem Essen ist es so, das ist man morgen schon wieder los. Nicht so mit den Geschenken. Wenn man Pech hat, verfolgen die einen bis ins neue Jahr. Deswegen ist es wichtig, dass man die richtigen Geschenke bekommt. Manche lassen sich Hoch-Prozentiges schenken, andere Schlüpfer oder Socken, und wieder andere Kreuzfahrten. Das ist alles ganz schön, aber mal wieder zu kurz gedacht. Heutzutage lässt man sich Sachen schenken, die man anlegen kann - also auf keinen Fall Kohle. Besser sind Edelmetalle, Gold zum Beispiel, oder eben Kunst. Bei Kunst empfehle ich die vom Esel, denn der Esel ist das Kommende. Deswegen sind die Chinesen schon hinter ihm her, wenngleich nicht als Kunstwerk sondern wegen der Potenz. Mit der ist bei mir (noch) alles in Ordnung, weswegen ich mich ganz auf die Kunst konzentrieren kann. Jetzt zu Weihnachten ist mein Taxi voll mit Kunst, denn bei mir bezahlen die Kunden mit Kunst. Und da, wie gesagt, die Esel-Kunst im Kommen ist, sind die Fahrten dann auch am weitesten. Wenn du verstehst, was ich meine.

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24.12.2019

MEIN KAMPF GEGEN RECHTS


E-Roller Fahrer mit drei E-Rollern aber ohne Plan

Pünktlich zum Fest der Liebe und der Verständigung möchte auch TaxiBerlin seinen bescheidenen Beitrag beim Kampf gegen Rechts leisten und Haltung zeigen, wie man heute wieder sagt. Bei der Haltung, das weiß TaxiBerlin noch von früher, kommt es vor allem darauf an, dass es die richtige ist. Obwohl, manchmal frage ich mich, ob es sich mit der Haltung nicht ganz genauso verhält, wie mit dem Journalismus, von dem Orwell meinte: "Journalismus heißt, etwas zu drucken, von dem jemand will, dass es nicht gedruckt wird. Alles andere ist Public Relations." Denn so kommt mir auch das Haltung zeigen vor, oder zumindest das, was heute (einmal mehr) darunter verstanden wird. Doch zurück zum Kampf gegen Rechts, und hier zu meinem bescheidenen Beitrag. Der besteht darin, dass ich neuerdings nur noch links abbiege, was den Fahrgast selbstverständlich immer erst einmal verwirrt. Bis ich es ihm erkläre. Dann versteht er es.

Fahrgäste sind oft ein bisschen blöd, aber wenn man ihnen die Welt richtig erklärt, mit der richtigen Haltung - versteht sich, dann sind sie schon nicht mehr ganz so blöd. Das muss man aber erstmal üben, also mit der richtigen Haltung die Welt erklären, während man links abbiegt, obwohl der Fahrgast nach rechts wollte. Denn links abbiegen birgt viel mehr Gefahren in sich als rechts abzubiegen. Beim rechts abbiegen muss man nur auf die Fußgänger und die Radfahrer aufpassen, die oft auch ziemlich blöd sind, was aber ein anderes Kapitel ist. Beim links abbiegen muss man zusätzlich noch auf den Gegenverkehr achten und dann erst auf Fußgänger und Radfahrer.

Danach kommt das schwierigste: die Wende, beim Amerikaner auch als U-Turn bekannt. Die Wende oder auch der U-Turn ist notwendig, um wieder in die richtige Richtung zu gelangen. Vielleicht das wichtigste und zugleich das schwierigste im Leben: die richtige Richtung beibehalten. Seine Richtung zu verlieren geht schneller als man denkt. Dann muss man anhalten und steigt am besten immer erstmal aus, um ein bisschen Abstand zu bekommen. Meist bringt einen das aber nicht wirklich weiter, vor allem wenn man selbst vor Ort nur eine "Base" hat oder ganz und gar nur auf der Durchreise ist. Oft hilft dann nur noch "Locals" also Eingeborene nach dem Weg zu fragen. Vergesst GoogleMaps, redet mit- und nicht übereinander.

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22.12.2019

ORWELLSCHES NEU- VERSUS GENDERSPRECH


Wo ist die Grenze?

Neben dem Owellschen Neusprech gibt es auch das Gendersprech. Zwischen dem Orwellschen Neusprech und dem Gendersprech gibt es viele Überschneidungen und auch einige Grauzonen. Eine Grenze ist also zwischen dem Orwellschen Neusprech und dem Gendersprech nicht in jedem Fall klar zu ziehen, zumindest im mündlichen. Zum Glück gibt es neben der mündlichen Rede noch die Schriftsprache, obwohl auch die gesprochene Sprache in Veränderung begriffen ist. Und da kann es einem passieren, dass man plötzlich gar nicht mehr mitreden kann, einfach so. Aber vielleicht ist das auch das Endziel der allgegenwärtigen menschengemachten Sprachverwirrung.

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21.12.2019

"SVETLANA" NOCHMAL


Wie auf dem Balkan: eigentlich verboten, aber fährt trotzdem

Heutzutage ist es so, dass höchstrichterlich festgestellt werden kann, dass das, was du tust, Unrecht ist, und du trotzdem weitermachen darfst. So aktuell geschehen mit Uber. Und das ist auch gut so. Sonst hätte das Theaterstück "Svetlana" gestern im Club der polnischen Versager gar nicht starten können. Denn der Hauptdarsteller reiste mit einem Uber-Fahrzeug an, das er selbst steuerte, und das während der Vorstellung mit eingeschalteter Warnblinkanlage vorm Club auf ihn wartete. In den Club kam er überhaupt nur, weil ihm sein letzter Fahrgast dort hinein abgehauen war. Der schuldete ihm noch 20 Euro für die Fahrt. Und weißt du, wie lange ein Uber-Fahrer für 20 Euro arbeiten muss? Das weißt du natürlich nicht. Aber lass dir deswegen keine grauen Haare wachsen. Der Fahrer ist nur Pole. Und überhaupt: die meisten Zuschauer gestern im Club der polnischen Versager, die der Fahrer der 20 Euro wegen allesamt gleich mal in Sippenhaft nahm und mit einem Beil bedrohte, hatten selber die Uber-App auf ihrem Smartphone. Was tut man nicht alles, um fünf Euro zu sparen. Der Eintritt für "Svetlana", das heute um 20 Uhr ein zweites Mal im Club der polnischen Versager aufgeführt wird, ist frei wählbar. Ab sechs Euro geht es los bis zehn Euro. Du musst also nur einen Euro auf die fünf bei deiner Uber-Fahrt gesparten drauflegen, und auch du kannst Teil eines Stücks sein, von denen es in Zukunft mehr geben wird, allerdings im richtigen Leben. "Svetlana" ist, wenn du so willst, eine Vorbereitung darauf. Du tust gut daran, es nicht zu verpassen.

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20.12.2019

"SVETLANA"


Schau nach und lass es raus

Mit den vier Euro die Stunde als Uber-Fahrer konnte er nicht überleben. (Wer kann das schon?) Er brauchte Fahrgäste, die Cash bezahlen. So kam Przemyszlaw Wosciesczek auf Svetlana - erst in Person und dann als gleichnamiges Theaterstück.

Svetlana ist eine Edelprostituierte und zahlt in Bar. Przemyszlaw Wosciesczek, oder auch einfach nur "Przemek", ist der polnische Theatermann, der mir in meiner letzten Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin" über seine drei Monate als Uber-Fahrer in unserer Stadt Rede und Antwort stand.

Uber, im Stück Über, ist das Endziel, auf das der Kapitalismus hinausläuft, so "Przemek". Der Kapitalismus, genauer der Neoliberalismus, hierzulande als Linksliberalismus bekannt, ist dabei die Demokratie zu verschlingen. Und wenn das Mahl vorbei ist, rülpst er den Faschismus hervor, da ist sich "Przemek" sicher.

Endlich wird mal wieder gekotzt auf der Bühne, da hat Frank Castorf eine große Lücke hinterlassen. Du kannst dabei sein beim Kotzen. Heute und morgen um jeweils 20 Uhr wird das Theaterspektakel "Svetlana" von Przemyszlaw Wosciesczek im Club der Polnischen Versager in der Ackerstraße 168 uraufgeführt.

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19.12.2019

"ICH FINDE, DASS ANDY SCHEUER EINE SEHR GUTE ARBEIT MACHT." - ANGELA MERKEL




Spätestens nach dieser Aussage über Verkehrsminister Andreas Scheuer von der AfD CSU müsste auch dem letzten klar geworden sein, dass Angela Merkel nicht alle Latten am Zaun hat. Nein, nicht nur Donald Trump hat einen Sockenschuss, sondern auch unsere Bundeskanzlerin. Auch etwas anderes ist ganz genauso. Auch Angela Merkel wird trotz Grummeln in der GroKo, die eigentlich nur eine Notlösung sein sollte, zumindest war das früher so, weiter regieren - ganz genauso wie Donald Trump trotz Amtsenthebungsverfahren.

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18.12.2019

ORWELLSCHES NEUSPRECH - HEUTE: FACHKRÄFTEMANGEL



Bulgarien: Das weltweit am schnellsten schrumpfende Land

Die Wirtschaft beklagt sich gerade mal wieder über den Mangel an Fachkräften. Nicht in Bulgarien, sondern hier. Auf Bulgarien komme ich, weil der Sohn meines Taxikollegen Ivo aus Bulgarien neuerdings in Deutschland arbeitet. Der Sohn von Ivo, er heißt Georgi, ist Mitte 30, verheiratet und hat zwei Kinder. Ein Kind geht schon zur Schule, das andere wird demnächst eingeschult. Gelernt hat der Sohn von Ivo irgendwann einmal Koch, die letzten knapp 20 Jahre hat er als Busfahrer in der bulgarischen Hauptstadt Sofia gearbeitet. Seit letztem Jahr verlegt er irgendwo in Westdeutschland irgendwelche Kabel für 1.000 Euro im Monat. Ich habe keine Ahnung, ob für diesen Job hierzulande keine Fachkräfte zu kriegen sind und ob es dafür überhaupt einer Fachkraft bedarf. Was ich mir dafür sehr gut vorstellen kann, ist, dass der aktuelle Ruf nach Fachkräften in Wahrheit nur ein Ruf nach billigen Arbeitskräften ist. Wie es derweil beim Kollegen Ivo in Bulgarien aussieht, des derzeit weltweit am schnellsten schrumpfenden Landes, erfährst du in obigem Video.

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17.12.2019

UND WARUM? (EINE SERIE)


Im Taxi sitzend erfahre ich gerade aus dem Radio, dass sich die Zahl der Flugreisenden in den nächsten 20 Jahren mehr als verdoppeln wird, was aber nicht bedeutet, dass dann auch jeder fliegen kann. Das nicht. Es bedeutet lediglich, dass die, die bisher schon fliegen, dann noch mehr fliegen werden. Warum sie dies tun und vor allem, wozu es gut sein soll, ausser für den Kommerz, bleibt im Unklaren.

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14.12.2019

FREIHEIT FÜR GRETA THUNBERG


Immer wenn ich mich über die vielen Baustellen in unserer Stadt beklage, und da insbesondere über die, an denen man nie jemanden arbeiten sieht, also praktisch alle, bekomme ich von einem Freund die Antwort, dass schon Buddha gesagt hat, dass Leben Veränderung sei. Wenn sich Greta über den Klimawandel beklagt, habe ich diese Antwort von diesem Freund noch nie gehört, und dabei ist Greta im kühlen Schweden selbst gar nicht von dieser Veränderung betroffen, im Gegensatz zu mir. Ich werde jeden Tag auf's Neue von den sich sekündlich vermehrenden Baustellen bei meiner Arbeit behindert. Von Arbeit im eigentlichen Sinne, also von der Personenbeförderung von A nach B, kann keine Rede mehr sein. Es ist eine einzige Quälerei von einer Baustelle zur nächsten, an denen nie jemand arbeitet.

Trotz der täglichen Quälerei habe ich neulich bei mir im Taxi aus dem Radio erfahren, dass Greta erst am 3. Januar 16 Jahre alt wird. Im Moment ist sie also noch 15. Das wichtigere an dieser Nachricht ist aber, dass Greta im Sternzeichen des Steinbocks geboren ist. Damit, das wissen wir spätestens seit dem Jesus-Kind, hat sie durchaus das Potential eine neue Religion zu stiften. Was nun sechzehnjährige Mädchen angeht, bin ich extrem vorsichtig. Eine Sechzehnjährige, der ein oder andere erinnert sich, hat vor nicht allzu langer Zeit sogar schon mal einen Krieg ausgelöst, weil sie Dinge in einem Krankenhaus wahrgenommen haben will, in dem sie nicht nur niemals war, sondern die sich auch nie zugetragen haben. Die ganze Geschichte, hinter der damals eine PR-Agentur stand, ist auch als Brutkastenlüge bekannt.

Doch zurück zu Greta, die gerade den Kinderfriedenspreis bekam, mit der Betonung auf Kinder. Ich weiß nicht wie es heute ist, aber wir haben uns damals mit 15, 16 Jahren in vielen Sachen ausprobiert, beispielsweise im Protest gegen unsere Eltern, sicherlich auch mit Alkohol, insbesondere aber beim anderen Geschlecht. Was machen nun Gretas Eltern? Sie verweigern ihrer Tochter diese wichtigen Erfahrungen, sie lassen sie lieber von einer PR-Agentur verheizen. Dabei sind weder das Proletariat, wie Marx meinte, noch die Frauen, wie weibliche Feministinnen und selbst männliche Feministen glauben, sondern Kinder die am meisten Unterdrückten, und das schon immer. Deshalb meine Forderung: Freiheit für Greta Thunberg!

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12.12.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN #40 ZUM NACHHÖREN




Mein heutiger Studiogast Przemyzlaw Woscieszek, "Przemek" genannt, berichtet über seine dreimonatigen Erfahrungen als Uber-Fahrer in Berlin, die er gerade in seinem Theaterstück "Svetlana" verarbeitet, und das am 20. und 21. Dezember jeweils um 20 Uhr im Club der Polnischen Versager in der Ackerstraße 168 Premiere hat. Karten gibt es an der Abendkasse. Leszek Nadolski, 1. Vorsitzender der Berliner TaxiInnung, war so freundlich für uns ins Deutsche zu übersetzen.

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VERKLEIDETE LOBBYISTEN


Es gibt nichts, was es nicht gibt.
(Weisheit der Straße)

Von meinem heutigen Studiogast, dem polnischen Theaterregisseur Przemyszlaw Woscieszek, habe ich, das soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, aus der BZ erfahren. Nun ist es so, dass die BZ zum Springer-Konzern gehört, und auch Springer mit Uber Geld verdien will. Warum sollte Springer dort sonst sein Geld anlegen? Ein Journalist, der von Springer bezahlt wird und über Uber schreibt, hat, was man klassischerweise einen Interessenkonflikt nennt. Über diesen Interessenkonflikt findet sich leider nichts in dem Artikel der BZ, wie man es von gutem Journalismus erwarten darf. Es gibt da also eine Lücke, weswegen manch einer auch von Lückenpresse spricht.

Drei Beispiele

1. In dem Artikel kommt der Pressesprecher von Uber-Deutschland wie folgt zu Wort: "Wir sind günstiger, weil unsere Autos mehr als 50 Prozent der Zeit auf der Straße mit Kunden unterwegs sind, im Taxi nur zu 25 bis 30 Prozent." Die Gegenfrage des Journalisten, die leider in den Artikel fehlt, hätte lauten müssen: "Wie kann es sein, dass ihre Fahrzeuge mehr als 50 Prozent ausgelastet sein sollen, wenn diese doch die Rückkehrpflicht haben, sie sich also nach jedem Auftrag zum Betriebssitz zurückbegeben müssen, wie es der Gesetzgeber vorsieht, und erst von dort aus den nächsten Auftrag ausführen dürfen?"

2. In dem Artikel wird behauptet: "Uber ist in jedem Fall billiger." - Was zu beweisen wäre! Selbst bei der Berliner Zeitung vom 20.Januar war man da schon weiter. Dort steht "Uber ist in der Regel billiger." "Uber ist in jedem Fall billiger" ist, so denke ich, an erster Stelle eine schöne Schleichwerbung bzw. ein gelungenes Product Placement.

3. Was völlig fehlt in dem Artikel, ist, wie die Mietwagenfirmen abrechnen. Es dürfte sich dabei wohl "in jedem Fall" um eine Abrechnungsform handeln, die in der Taxibranche als "gewürfelte Abrechnung" bezeichnet wird. Würde man die Mietwagenfirmen, die für Uber fahren, genauso gläsern machen wie es das Taxigewerbe bereits heute ist, könnten die Läden allesamt dicht machen.

Ich erwähne das auch, weil es Journalisten gibt, die ihren Beruf bereits an den Nagel gehängt haben und lieber Taxi fahren. Beispielsweise Miroljubova Benatova in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Miroljubova Benatova war 26 Jahre lang eine angesehene und bekannte Reporterin in Bulgarien. Ich habe von ihr, die seit einem knappen Jahr Taxi fährt, in diesem Sommer erfahren, etwa zur selben Zeit als der Artikel über meinen heutigen Studiogast in der BZ erschien. Miroljubova Benatova äußert sich in diesem Beitrag über ihre Entscheidung lieber Taxi zu fahren folgendermaßen:

„Weiter unten geht nicht“, würden manche sagen. Nein, Taxifahrer zu sein hat nichts mit unten sein zu tun. Manchmal erkenne ich das gesellschaftliche schlechte Gewissen in Form eines üppigen Trinkgelds. Ich sage dann, dass das keine Indulgenz für das Schweigen der Bürger ist. Und gebe heraus.

Ich war eine Journalistin mit gutem Festgehalt. Nicht unter der Hand. Jetzt verdiene ich ein Praktikantengehalt und es befriedigt mich, wenn die Leute nachdenklich, inspiriert, aufgeheitert aufbrechen. Und zufrieden, dass sie pünktlich angekommen sind, oder sogar schneller als erwartet. Das ist meine Arbeit.

Und ja, es gibt Arbeit zum Schämen. Doch das ist nicht, den Kofferraum zu öffnen und Leute angenehm von Punkt A nach B zu befördern. Es ist nicht zum Schämen, zuzuhören, höflich zu reden und zu antworten, wenn man dich fragt, warum du dort sitzt. 

Zum Schämen ist, wenn sie dich mit bestellten Reportagen beauftragen. Wenn sie dir die Fragen schreiben und die Antworten diktieren. Zum Schämen ist, für Geld zu töten. Hinter der Maske des Journalismus wirtschaftliche und persönliche Interessen zu bedienen. Ein PR zu sein oder ein Lakai des Staates als Reporter, Produzent und Direktor von Nachrichten, das ist zum Schämen. Dass sie dich an den Eiern packen und du daraufhin Worte streichst, ist der Tod.


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11.12.2019

AM DONNERSTAG 19 UHR SPRICHT TAXIBERLIN LIVE AUS DER LOTTUM AUF PI-RADIO 88.4 ÜBER "PROFESSIONELLE LOKALE" UBER-SKLAVEN


Wirklich?

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Aber auf die neueste Ausgabe von "Hier spricht TaxiBerlin" hast du dich nun lange genug gefreut. Deswegen sind wir morgen ab 19 Uhr endlich wieder auf Sendung. Das Ganze auf Pi-Radio und Live aus der Lottum. Im Radio sind wir hier in Berlin unter 88.4 zu hören, in Potsdam ist es bereits die 90.7, und gerne auch weltweit als Live-Stream im Internet.

Unser Gast im Studio wird Przemyszlaw Woscieszek sein, den wir der Einfachheit halber nur Przemek nennen. Przemek (45) ist ein Theaterregisseur aus Polen, der eine Zeitlang als Uber-Fahrer auf unseren Straßen und Plätzen unterwegs war. Was an ihm genau "professionell" und was "lokal" ist, das wird er uns neben Details aus dem Leben eines Uber-Sklaven in unserer morgigen Sendung verraten.

Obwohl Przemek gerade mit den Proben zu seinem Stück "Svetlana" beschäftigt ist, nimmt er sich die Zeit zu uns ins Studio zu kommen. In "Svetlana" geht es auch um Przemeks Erfahrungen als Uber-Fahrer in Berlin. "Svetlana" hat am 20.12. Premiere im "Club der Polnischen Versager", und es gibt im Moment noch Karten an der Abendkasse.

Da der total "lokale" und auch "professionelle" Uber-Sklave Przemek aus Polen kein Deutsch spricht, mussten wir für unsere Sendung auch noch einen Übersetzer anheuern. Der Übersetzer, der kurzfristig zugesagt hat, worüber wir uns sehr sehr freuen, ist sozusagen der Überraschungsgast in unserer morgigen Sendung. In Fachkreisen ist er auch als "Großer Vorsitzender" bekannt - so viel kann ich verraten.

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09.12.2019

DAS ENDE DES NEOLIBERALEN EXPERIMENTS


Die so genannte Demokratie: die marktkonforme Demokratie

Nachdem die sozialistischen Experimente allesamt gescheitert sind, erleben wir gerade das Scheitern des neoliberalen Experiments, auch als Merkelsche "marktkonforme Demokratie" bekannt, besser wohl "eine durch den Markt deformierte Demokratie". "Der Markt richtet alles", und das "alternativlos", das Mantra des Neoliberalismus, ist das, was früher "die Partei hat immer recht" war. "Es war nicht alles schlecht" wird man eines Tages über das neoliberale Experiment in den Geschichtsbüchern lesen, aber, und das sagte bereits Goethe: "Alles was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht." Ich erlaube mir aus Erfahrung hinzuzufügen: "Und der letzte macht das Licht aus!"

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07.12.2019

DER NEUESTE SCHEIß


Natürlich im Prenzlauer Berg

Wer in letzter Zeit mal beim Arzt, auf einem Amt oder auch nur auf der Post war, der wird festgestellt haben, dass die DDR und ihre sozialistischen Wartekollektive zurück sind. Einen Unterschied zu früher gibt es allerdings, und zwar folgender: früher teilte man etwas mit den anderen Wartenden in der Schlange, und wenn es nur die Vorfreude auf das war, was einem am Ende erwartete, von dem man oft nicht wusste, was es eigentlich ist. Heute teilen die Wartenden nichts mehr miteinander. Und deswegen ist die Idee, im Ärztehaus einen Friseur einzurichten, nur folgerichtig. Alleine deswegen, weil man meist nur jemandem braucht, mit dem man reden kann. Und da der Arzt dafür heute keine Zeit mehr hat, bleibt dafür nur noch der Friseur oder eben der Taxifahrer. Dass die Idee eines Ärztehauses mit Friseur erstmals ausgerechnet im Prenzlauer Berg realisiert wurde, ist keine Überraschung. So ein Friseur kostet ja auch etwas. Ich zum Beispiel kann ihn mir gar nicht leisten. Das letzte Mal habe ich vor 25 Jahren einen Friseur von innen gesehen. Wer hinter der Idee steckt, in einem Ärztehaus einen Friseur zu eröffnen, dürfte klar sein: eins von den zahlreichen Start-ups, die gemeinsam mit den anderen viel zu Vielen seit geraumer Zeit permanent die Hauptstadt heimsuchen.

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05.12.2019

DIE HAUPTSTADT UND DER SEX


Sexstillleben: "Ruf mich an!"

Seitdem wieder Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz ist, stehe ich immer öfter an der Taxihalte am Europacenter. Die Tauentzienstraße ist dort zwar gesperrt, aber für Taxen ist die Zufahrt erlaubt, was viele Kollegen nicht zu wissen scheinen. Zum wiederholten Male stiegen mir nun an der Halte Europacenter Frauen ein, die zum Artemis wollten, weil sie dort arbeiten. Das Artemis, wer es nicht kennt, ist ein Großraumbordell am Ende des Ku'damms. Manche bezeichnen das Artemis auch als Fitness- oder gar als FKK-Club. FKK steht für FreiKörperKultur. Frei im Sinne von entblößt mögen im Artemis die Körper sein, frei im Sinne von umsonst ist im Artemis aber nichts. Die Fahrstrecke der Frauen, die mir am Europacenter einsteigen und zum Artemis wollen, weil sie dort ihren Körper verkaufen, ist immer dieselbe. Einmal den Ku'damm rauf, was durchaus Spaß macht. Der Ku'damm ist zwar immer ganz voll von Autos, denn er ist gerade sehr schön aber total klimaschädlich ausgeleuchtet. Dafür gibt es eine Busspur, die ich mit den Damen an Bord benutzen darf, sie müssen schließlich zur Arbeit. Am Ende vom Ku'damm, bevor es rechts die Halenseestraße runter geht, wo sich das Artemis befindet, muss ich immer links auf die Aral-Tanke, wo die Frauen immer noch mal einkaufen müssen, obwohl sie gerade vom Einkaufen in der Tauentzienstraße kommen. Aber auch dafür habe ich Verständnis. Manche Sachen bekommt man eben nur an der Tanke, genauso wie man manches nur im Taxi erfährt. Die Damen früher haben den Taxifahrer gerne schon mal wie einen dummen männlichen Affen behandelt, insbesondere bei Frauen aus Osteuropa war dies die Regel. Da hat sich viel verändert in den letzten Jahre, was auch beweist, dass früher eben doch nicht alles besser war, und Menschen sich auch weiterentwickeln können, was man damals Dialektik nannte. Ich kam also mit all den Frauen, die mir am Europacenter einstiegen, zum Artemis wollten und allesamt aus Osteuropa stammten, was ihr starker Akzent verriet, immer in ein nettes Gespräch. Doch bevor ich darüber schreibe, möchte ich noch folgendes erwähnen. Ich denke in letzter Zeit immer öfter an Sex, um ganz ehrlich zu sein eigentlich ständig. Es kann sein, dass das mit der Werbung zusammenhängt, die seit einiger Zeit praktisch ohne weibliche Brüste nicht mehr auskommt. Vielleicht spielt auch die Vielweiberei eine Rolle, dass ich ständig an Sex denken muss, denn die Vielweiberei ist das Ding von morgen, wenn du so willst, der neueste Trend, den noch keiner kennt. Bei den Fahrten mit den jungen Frauen, die vom Europacenter zum Artemis wollten, hatte ich nun komischerweise überhaupt keinen Sex im Kopf. Das liegt vor allem daran, dass wir sozusagen Kollegen sind. Die Frauen sind im Prinzip Flaschensammler, so wie ich. Auch ihnen haben es die leeren Flaschen angetan, denn die bringen Geld. Der einzige Unterschied scheint mir zu sein, dass ich die Pflicht zur Beförderung habe und sie nicht. Ansonsten müssen aber auch sie, genauso wie ich, jeden an sich ran lassen. Nun zu dem, was mir die Frauen unisono erzählten. München, und das hat mich dann doch überrascht, sei in Sachen Sex TOT. TOT wurde mehrfach wiederholt und mit sehr sehr starkem osteuropäischen Akzent ausgesprochen. Das musste ich mir förmlich merken. Was mir noch wichtiger erschien, war, dass 98% der Männer im Artemis Ausländer seien. 98% Ausländer und 2% Deutsche! - das musst du dir mal vorstellen! Ich gehe mal davon aus, dass die Zahlen stimmen. Wichtiger ist sowieso, wie man die Statistik interpretiert. Also ich sehe da genau zwei Möglichkeiten: Entweder kann sich der von hier keinen Sex mehr leisten, oder er hat einfach keinen mehr. Egal, was nun stimmt, es läuft beides immer auf das selbe hinaus.

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04.12.2019

VOM TEE TRINKEN ÜBER UNTERWERFUNG UND VIELWEIBEREI ZUR BESCHNEIDUNG


Geht auch beim Fahren

Am Montag habe ich "Unterwerfung" von Michel Houellebecq bei mir im Taxi verkauft. Ich hatte es als Taschenbuch in meinem kleinen Bauchladen. Mein Bauchladen läuft gerade jetzt vor Weihnachten fantastisch, aber das nur nebenbei. Der Dame, die das Buch gekauft hat, habe ich vorher kurz das Buch erklärt, deswegen habe ich es im Kopf. Dort überlegt der Hauptprotagonist, ein gewisser Francois, ob er zum Islam übertreten soll oder nicht. Das wiederum brachte mich darauf, mich einmal selbst etwas genauer anzuschauen. Immerhin habe ich bereits vor einiger Zeit mit dem Alkohol aufgehört, und zwar komplett. Hinzu kommt, dass ich mir immer öfter die Füße wasche. Nahezu täglich nehme ich ein heißes Fußbad. Meine Fußbäder sind allerdings keine rituellen Waschungen, wie sie Kollegen von mir am kleinen Handwaschbecken der kostenpflichtigen Toilette auf dem Parkplatz nur für Taxifahrer am Flughafen Tegel (TXL) vornehmen, sondern sind ausschließlich dem nasskalten Wetter in der Hauptstadt geschuldet. Dass ich öfters auf diesen Ort muss, liegt daran, weil ich angefangen habe prophylaktisch mehr zu trinken, denn als Taxifahrer neigt man mangels Toilette eher zur Austrocknung. Ich trinke aber nicht mehr Kaffee wie viele Kollegen, Kaffee trinke ich nur noch morgens, sondern vor allem Mineralwasser und auch Tee. Den gibt es hier neuerdings auch zum Gehen, man kann aber auch mit ihm Fahren. Wenn ich mir meine Ernährung ansehe, so besteht auch da Handlungsbedarf. Abgepackte Wurst aus dem Fleisch toter Schweine ist nicht gerade das Gelbe vom Ei. Ob ich mir deswegen gleich Halal hole, das kann ich nicht sagen. Mehr beschäftigt mich die Frage, wie auch Francois, dem Hauptprotagonisten von Michel Houellebecqs "Unterwerfung", nach der Vielweiberei, denn die ist und bleibt problematisch. Die Vielweiberei ist sozusagen die Achillesferse der ganzen Geschichte. Und das, wo heute so viel von der Gleichheit der Geschlechter die Rede ist. Offensichtlich geht es da dem anderen Geschlecht ganz anders als mir. Hilft da vielleicht Beschneidung?

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02.12.2019

UND WARUM?


Warum?

"Und warum?" ist die Frage, die ich seit einiger Zeit meinen Fahrgästen stelle. Beispielsweise, warum sie nur EINMAL und nicht ZWEIMAL wohin wollen. Ich meine, heute wird doch immer ROUND TRIP gebucht, nur eben im Taxi nicht, und das verstehe ich nicht. Oder warum sie ausgerechnet in diese Straße, dieses Restaurant oder dieses Hotel wollen. Letzteres interessiert mich, weil ich selbst meistens zu Hause und nicht im Hotel schlafe. Was Restaurants angeht, da wurde mir neulich das "Layla" in der Halleschen Straße empfohlen, was allerdings nicht meine Preisklasse zu sein scheint. Zumindest würde ich "Stilvolles Restaurant für gehobene israelische und mediterrane Küche mit eleganter Bar" aus ihrer Eigenwerbung so interpretieren. Vor allem interessiert mich aber, wo die Leute zu hause sind. Viele Fahrgäste wohnen zwar in Berlin, sind aber hier gar nicht zu hause. Das sind die, die demnächst, also ZU und nicht AN Weihnachten, wieder nach hause fahren. Für andere, und sie werden immer mehr, ist Berlin nur ihre BASE - was für ein schreckliches Wort! Offensichtlich sind sie niemals hier angekommen und werden dies wohl auch nie. Auch da frage ich gerne mal nach: "Und warum?"

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01.12.2019

DIE AFTERPARTY


Altes Testament mit Lesezeichen

Gestern wurde ich zu einer Afterparty eingeladen, und das kam so: Es war früher Nachmittag, als ich eine D-Jane vom Club abholte. Es war nicht irgendeine D-Jane, sondern D-Jane Jasmin aus Lichtenberg, wer kennt sie nicht. D-Jane Jasmin ist es gewohnt, den Ton anzugeben, wie es sich für eine richtige D-Jane gehört. Ich war selber mal D-Jay, ich weiß wovon ich rede. Auch wenn ich nicht mehr als D-Jay aktiv bin, so gebe in meinem Taxi immer noch ich den Ton an, und manchmal spiele ich dort sogar den D-Jay. Dass jemand anders den Ton angibt, war D-Jane Jasmin verständlicherweise nicht gewöhnt, was leicht hätte ins Auge gehen können. Zum Glück habe ich als Lenker eines Öffentlichen Verkehrsmittels mit dem Namen Taxi nicht nur eine Beförderungspflicht, sondern auch den Bildungsauftrag. Der Bildungsauftrag war ursprünglich bei Öffentlich/Rechtlich, der ein oder andere erinnert sich, wo er aber spätestens seit Einführung der Zwangsabgabe nicht mehr ist. Öffentlich/Rechtlich hat da eine große Lücke hinterlassen, manch einer spricht auch von Vakuum, das gefüllt werden muss, denn so ein Vakuum ist nicht ganz ungefährlich. Insbesondere ein Machtvakuum, beispielsweise auch im Taxi. Dort verhindere ich schlimmeres immer dadurch, indem ich aus einem Straßenverzeichnis vorlese, und das wollte ich auch gestern. Meine Fahrgast, D-Jane Jasmin aus Lichtenberg, war so fasziniert von der Idee, dass sie mich kurzerhand zu sich nach hause zu einer spontanen Afterparty einlud, wo ich ihr vorlesen sollte. D-Jane Jasmin aus Lichtenberg war aber nicht alleine, was für mich kein Problem gewesen wäre. Gerne hätte ich auch ihrem Freund vorgelesen, während er ihre Hand hält. Wahrscheinlich wäre es genauso gekommen, wenn D-Jane Jasmin nicht vorher zum Geldautomaten in Lichtenberg gemusst hätte. Diesen Moment nutzte ihr Freund, um mir klarzumachen, dass das keine gute Idee mit der Afterparty ist, weil D-Jane Jasmin jetzt müde sei und ins Bett müsse. Dafür hatte ich als mobiler Lebensberater größtes Verständnis. Hinzu kommt, dass ich nicht aus den Brüdern Grimm vorlese, sondern, wie geschrieben, aus einem Straßenverzeichnis, genauer gesagt aus dem Kauperts (oben), dem Alten Testament der Straßen- und Wegelehre. Die Lesung musste also gestern ausfallen, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und nach der Party ist vor der Afterparty - meistens zumindest.

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30.11.2019

EUER KAPITALISMUS KOTZT MICH AN


Zeit zum Kotzen

Der größte anzunehmende Unfall oder auch GAU im Taxi war einst, wenn der Fahrgast, der bekanntlich König ist, einem in den Wagen kotzt. Da ich als Taxifahrer aber der Kaiser bin in meinem Taxi, der seinen Fahrgästen sogar das Telefonieren verbieten darf, kann es auch hier noch schlimmer kommen. Die Rede ist vom SUPER-GAU, und zwar dann, wenn ich als Taxifahrer kotzen muss. Das kommt seit einiger Zeit immer häufiger vor; und neuerdings zeigt mir sogar das Taxamater an, wann ich kotzen soll (Foto). Kotzen ist gar nicht so schwer, es will allerdings gelernt sein. Das wichtigste beim Kotzen ist, dass man nicht einfach so kotzt, denn das kann jeder. Man muss lernen zielgerichtet zu kotzen, was einem bei all der Ablenkung zugegeben nicht gerade leicht gemacht wird. Hinzu kommt die organisierte Verantwortungslosigkeit. Das ist leider auch wahr. Trotzdem, und das sage ich aus eigener Erfahrung, kann man das Kotzen lernen. Wie man sich an alles gewöhnt, so kann man auch alles lernen. Versuch es einfach mal, wenn du das nächste Mal kotzen musst, aber bitte nicht im Taxi. Aber wenn du gerade drin sitzt, dann frag am besten den Taxifahrer, wie es funktioniert, das zielgerichtete Kotzen. Danach, also wenn du es kannst, geht es nicht nur leichter, sondern man fühlt sich danach auch gleich viel besser. - Garantiert!

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29.11.2019

AUF DIE RICHTIGE HALTUNG KOMMT ES AN


Nicht nur bei den Öffis!

Heute soll ein jeder Haltung zeigen und so auch TaxiBerlin. Ich bin schließlich auch nur ein Mensch, der irgendwo dazugehören möchte. Bei der Haltung kommt es darauf an, dass es die richtige ist, wie die von der jungen Frau auf dem U-Bahnhof Schlesisches Tor. Aber auch im Taxi ist die richtige Haltung wichtig, und zwar wegen dem Rücken. Deswegen hätte ich nichts dagegen, wenn ab und an ein paar junge Frauen vorbeikämen, und wir gemeinsam in meinem Taxi die richtige Haltung üben würden. Oder ich schaue erstmal nur zu. Auch das kann ich mir vorstellen. Jedenfalls stehe ich jetzt wieder öfters an der Taxihalte Schlesisches Tor. Man weiß ja nie, wer oder was kommt.

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28.11.2019

MEIN LEBEN AUF DER STRAßE


Die Straße - mein zu hause

Um von der Straße wegzukommen, ist Taxifahren defintiv der verkehrte Job. Das ist so und wird wohl auch immer so bleiben. Ich persönlich finde das gar nicht schlimm. Ganz im Gegenteil! Nachdem ich einige Universitäten (und nicht nur die Mensa!) von innen gesehen habe, kann ich sagen: Meine Universität ist die Straße. Bis vor kurzem konnte ich noch neben meinem Taxi auf genau dieser nächtigen, aber das geht nicht mehr. Wie alle Jahre wieder ist die Zeit gekommen, wo ich immer öfter gar nicht mehr aus dem Taxi rauskomme. Auch das ist nicht schlimm. Man muss sich nur begrenzen können. Mit der Bibliothek ist es erstmal vorbei. In meinem Taxi gibt es ab sofort nur noch ein Buch, und zwar das, das ich gerade lese. Meine Klassik-CDs habe ich auf die Straße gelegt, genauer auf den Bürgersteig, wo sie wahrscheinlich jetzt noch liegen. Das Notizbuch habe ich behalten und auch den Kugelschreiber. Den brauche ich auch für die vielen Quittungen. Heute fährt kaum noch jemand Taxi, ohne sich eine Quittung ausstellen zu lassen. Alles muss dokumentiert werden. Der Mensch von heute ist ein Quittungsmensch. Ohne Quittung macht er absolut gar nichts mehr. Deswegen ist mein Taxi auch voll von leeren Quittungen. Früher haben sie mich genervt, die vielen Quittungen. Heute bin ich dankbar, dass es Quittungen gibt. Da ich auch meinen Schlafsack auf der Straße lassen musste, decke ich mich im Taxi mit Quittungen zu. Man glaubt gar nicht, wie warm Quittungen halten.

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27.11.2019

TAXIBERLIN ÜBER E-ROLLER


Taxi war gestern

Mir ist aufgefallen, dass ich noch gar nichts über die E-Roller geschrieben habe, die uns seit dem Sommer in großer Stückzahl in Berlin heimsuchen. Das liegt daran, weil die E-Roller nur eine weitere Schmeißfliege neben Bloody Tourist, Party People und vielen anderen sind, um die man am besten einen großen Bogen macht, da sie vor allem dadurch auffallen, dass sie einem immer und überall nur im Weg rumstehen und manchmal sogar den Parkplatz wegnehmen (siehe Foto). Beim E-Roller kommt hinzu, dass er richtig gefährlich werden kann. Neulich zum Beispiel stieg mir ein junger Mann mit Krücken ein, der nur mal kurz vor die Tür wollte und dabei von einem E-Roller angefahren wurde. Da die Fahrerin eine hübsche Dänin war, auf die der junge Mann nicht böse sein konnte (und wohl auch nicht wollte), muss er postoperativ ohne Schmerzensgeld klarkommen. So kann es gehen. Etwas Positives kann und will ich über die E-Roller aber dann doch noch sagen. Sie haben alle Licht (im Gegensatz zu vielen Fahrrädern) und ihre Geschwindigkeit lässt sich auch viel besser einschätzen (erneut im Gegensatz zu vielen Fahrrädern).

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25.11.2019

TAXI = KOKS-TAXI. NATÜRLICH MIT KOKS.


Werbung in Berlin

Worum geht es in dieser Werbung? Weißt du es? Ich habe es auch schon wieder vergessen. Das Foto habe ich bereits vor einer Woche gemacht. Es ist auch egal, was da beworben wird. Was im Kopf bleibt, ist die Verbindung von Koks und Taxi. Wenn du in Zukunft Taxi hörst oder auch nur an Taxi denkst, wirst du sogleich das Koks-Taxi im Kopf haben. Also Taxi = Koks-Taxi. Selbstverständlich mit Koks.

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24.11.2019

DER GELDAUTOMAT ALS NEUER BLOCKWART


Ohne Geld abzuheben kommt keiner vorbei

Ein neuer Feind ist ausgemacht, was gut ist, denn wenn der Feind bekannt ist, hat der Tag Struktur. Mir gibt das Taxifahren Struktur, aber das nur nebenbei. Der neueste Feind heißt Sparer, weil er spart. Warum er überhaupt noch spart, versteht kein Mensch, denn Zinsen gibt es auf Gespartes schon lange nicht mehr. Trotzdem spart der gemeine Sparer immer noch. Bevor man rohe Gewalt anwendet, versucht man ihn mit Negativ-Zinsen "sanft" zum Geld ausgeben zu bewegen. Damit der gemeine Sparer auch immer und überall an sein Gespartes herankommt, werden jetzt immer mehr Geldautomaten direkt an Toreinfahrten zu den in Berlin üblichen Mietskasernen aufgestellt. So kommt der gemeine Sparer immer gleich dort vorbei, wo sein Geld ist. Er muss also nicht mehr zur Bank gehen. In seinen Hinterhof kommt er zwar nicht mehr rein, das ist sozusagen der Preis oder besser die Strafe. Wenn's dem gemeinen Sparer dreckig geht in seinem Hinterhof, dann soll er dort doch gleich verrecken und Platz schaffen für die, die mehr Geld ausgeben. Der Notarztwagen kommt jedenfalls nicht mehr auf den Hof, das Taxi auch nicht, denn an der Einfahrt steh der Geldautomat (Foto), der ihn nicht vorbei lässt. Der Geldautomat ist der Blockwart von heute, der darüber wacht, dass der gemeine Sparer genug Geld ausgibt. Denn Geld ausgeben ist wichtig - nicht das Klima retten! Wenn beim Geld ausgeben nebenbei das Klima, oder was man dafür hält, gerettet wird, dann ist das OK. Aber das Klima retten und sich dabei beim Geld ausgeben einschränken, wie der gemeine Sparer es tut, das geht nicht! Deswegen wird uns auch permanent erzählt, dass es möglich wäre, einfach so weiter zu konsumieren und trotzdem das Klima zu retten. Klima und Konsum sollen versöhnt werden, fangen schließlich beide mit K an. Was uns nicht erzählt wird, ist, dass Erspartes auch immer Investitionen sind. Dazu müsste man das Ersparte allerdings aktiv investieren, was bekannte Ökonomen, allen voran John Maynard Keynes, in Krisenzeiten, und in einer solchen befinden wir uns, dem Staat anempfehlen. Da der Markt aber alles richten soll, das Mantra der Neoliberalen, investiert der Staat nicht mehr. Wie soll er auch, wenn er selbst pleite ist, und pleite soll jetzt auch der gemeine Sparer gehen, dann kann man ihn auch noch besser kontrollieren. Deswegen stellt man Geldautomaten als neuen Blockwart auf. Wenn das nicht ausreicht, wird der gemeine Sparer demnächst enteignet werden - vorheriger Internet-Pranger inklusive -, vorausgesetzt es findet sich kein neuer Feind, der durch's globale Dorf getrieben werden kann.

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19.11.2019

DAS UNS PERMANENT HEIMSUCHENDE EWIG PARTY MACHENDE HIRNLOSE ARSCHLOCH


Auf dem Kurfürstendamm Ecke Meinekestraße

Ich musste nicht lange überlegen, an wen mich das Berlin permanent heimsuchende und ewig Party machende hirnlose Arschloch erinnert. Es ist das Bild unten von dem mexikanischen Maler Siqueiros mit dem Titel "Unser gegenwärtiges Antlitz". Das findet man heutzutage nicht unbedingt an jeder Strassenecke. Dort gibt es nur das ewig Party machende Arschloch, das man sogar kaufen und mit sich rumtragen kann. Ob als T-Shirt oder in Form eines "Jute"-Beutels habe ich gerade vergessen. Ist aber auch egal, Hauptsache der Rubel rollt.

"Unser gegenwärtiges Antlitz"

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18.11.2019

ÜBER GOTT GELD, TEUFEL KLIMA UND DEN ERZENGEL GRETA


Gott ist heute keine Person mehr, sondern ein Ding, um genau zu sein ein Unding, nämlich Geld. Die heilige Dreifaltigkeit muss heute dementsprechend auch eine andere sein, und zwar Gott (Geld), Ablenkung und (durch) Konsum. Fehlt nur noch der Teufel. Der Teufel heißt heute Klima und sein Erzengel Greta. Was früher schon nicht bei Gott funktioniert hat, soll heute nun beim Teufel klappen, und zwar der Ablasshandel. Wer keine "Kohle" hat, muss aber trotzdem nichts befürchten, denn: "Klimaschutz darf nicht dazu führen, dass die Wohnung im Winter kalt bleibt." - so ein uns Regierender.

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17.11.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN VOM WACHTURM




Du kannst zwar dein Leben nicht nachleben, aber immerhin unsere letzte Sendung nachhören. Die war am Donnerstag, und wir sendeten live von einem Wachturm (dem letzten seiner Art - so wie wir) am Potsdamer Platz. Ich berichte darüber, wie die Willkommenskultur vor 30 Jahren aussah, und was ich mit dem ersten Schuss (der erste ist immer umsonst) bei Karstadt gekauft habe. Natürlich komme ich auch wieder dem Bildungsauftrag nach, den neuerdings das Taxi als öffentliches Verkehrsmittel mit Beförderungspflicht inne hat. Layne, mein Partnerin und Kollegin aus New York, erzählt, wie die Kunde vom Mauerfall bis zu ihr ins fernen Amerika gedrungen ist. Danke noch einmal an Jero, der die Technik nicht nur zum Wachturm geschleppt, sondern diese in luftiger Höhe auch beherrscht hat.

Podcast HearThis
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16.11.2019

WETTEN, DU MAGST NICHT ?


Bei mir im Taxi gilt, dass man dort nicht telefonieren, dafür aber alles sagen darf - sogar die Wahrheit. Bei 99,9 Prozent der Fahrgäste kommt das extrem gut an. Es kommt sogar vor, dass Fahrgäste mein Angebot verbessern wollen. Die junge Frau beispielsweise, die mir gestern Abend am Hotel Adlon einstieg, meinte, ich könne mein Telefonierverbot noch besser verpacken. Sie hat recht. Ich könnte, wenn ich wollte, es durchaus besser verpacken. Als Taxifahrer muss man da aber höllisch aufpassen, und zwar deswegen, weil man was das Fahrziel angeht, bereits völlig willenlos ist. Die vielleicht größte Ungerechtigkeit beim Taxifahren: Immer bestimmt der Fahrgast das Fahrziel. Hinzu kommt, dass die meisten Menschen heute nicht mehr mit Begrenzungen sprich Verboten umgehen können. Man merkt das schon an der beliebten Fragestellung, die mit "Magst du" beginnt, und in dem Fall mit "hier bitte nicht telefonieren?" enden würde. Solche Fragen bedeuten immer, dass der Gefragte das von ihm gewünschte alles andere als mag, meistens hasst er es regelrecht. Dann lieber eine klare Ansage. Auch damit die Leute nicht vergessen, dass es so etwas klare Ansagen sprich Verbote gibt. Und überhaupt, du darfst nicht immer alles tun, was du gerne tun möchtest - nirgendwo.

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15.11.2019

ISLAMISTISCHE KÄMPFER WILLKOMMEN


Wer A sagt, muss auch B sagen, bedeutet aktuell, dass, wenn wir die Opfer des Islamischen Staates willkommen heißen, wir jetzt auch die islamistischen Kämpfer willkommen heißen müssen, insbesondere dann, wenn es sich ums Landsleute handelt, auch wenn es nur dem Pass nach ist. Weihnachten ist zum willkommen heißen, so denke ich, ein guter Zeitpunkt. Der Heiland selbst wurde da schließlich auch im Ausland geboren sprich willkommen geheißen. Darüber hinaus hat der Heiland anempfohlen, dass, wenn dich einer auf die linke Wange schlägt, du ihm auch die rechte hinhalten sollst. So weit, so klar. Unklar bleibt, wieso Menschen aus unserem schönen Land, in dem wir gut und gerne leben, in den Krieg gezogen sind. Kann es sein, dass da etwas grundsätzliches nicht in Ordnung oder ganz und gar unsere Art zu Leben schon Geschichte ist, wir es bloß noch nicht bemerkt haben?

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13.11.2019

ALL DAY LONG FROM THE WATCHTOWER




Auch wenn wir nicht den ganzen Tag sondern "nur" von 18 bis 1 Uhr live von einem Wachturm senden, heißt Pi-Radio am morgigen Donnerstag "Wachturm FM". Ich bin ab 19 Uhr auf Sendung und werde dabei über erste Besuche im Berliner Westen berichten, wo ich mir von der kostenfreien Einstiegsdroge in die kapitalistische Warenwelt namens Begrüßungsgeld eine Platte gekauft habe, auf der es den Titel "Material World" gibt. Wie die Platte heißt und von wem sie ist, sage ich in meiner morgigen Sendung "Hier spricht TaxiBerlin #39". Den Refrain von dem Song möchte ich aber jetzt und hier schon verraten, und der geht so: "Nennt es Aufstiegsmöglichkeiten, aber ihr seid flußabwärts verkauft worden, nur eine andere Art Sklaverei."

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11.11.2019

HIER SPRICHT TAXIBERLIN VOM WACHTURM




Diesen Donnerstag um 19 Uhr gibt es Sendung Nr. 39 von "Hier spricht TaxiBerlin" auf Pi-Radio, 88.4 MHz in Berlin, 90.7 MHz in Potsdam und weltweit als Live-Stream im Internet. Diesmal senden wir nicht aus dem Kellerstudio im Prenzlauer Berg, sondern vom Wachturm. Aber nicht irgendein Wachturm, sondern dem Wachturm der ehemaligen DDR-Grenztruppen in der Erna-Berger-Straße nahe Potsdamer Platz. Ich freue mich schon sehr auf die Sendung und bin auch schon etwas aufgeregt. Wann sendet man mal von einem Wachturm, und noch dazu live!?! Gestern war es 30 Jahre her, dass ich das erste Mal in West-Berlin war, weswegen ich gestern auch noch einmal genau die Strecke vom S-Bahnhof Baumschulenweg, die Sonnenallee hoch bis zum Hermannplatz gelaufen bin. Darüber werde ich am Donnerstag sprechen und auch darüber, wie sich insbesondere Berlin aber auch die Bundesrepublik allgemein entwickelt hat. Beides kann man mit einem Satz zusammenfassen: "Euer Kapitalismus kotzt mich an!"

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10.11.2019

BERLINER BEDENKEN


Man Gedenkt gerade viel in Berlin, so dass das Bedenken etwas kurz kommt - vom Denken nicht zu reden. Bedenken hatte man in Berlin ein Denkmal für Ronald Reagan aufzustellen. Deswegen musste die über zwei Meter große Statue des ehemaligen Präsidenten und Kriegstreibers auf dem Dach der Amerikanischen Botschaft direkt am Brandenburger Tor eingeweiht werden. Da dafür extra der amtierende Aussenminister angereist ist, war einmal mehr die halbe Stadt gesperrt. Ein Gutes hat sein Besuch, denn manch einer dachte (kommt von denken), dass der uns mal wieder einen Krieg verkaufen wolle. (Die Iraner wären eigentlich dran gewesen.) Die Amerikaner haben es bekanntlich mit dem Verkaufen. Offensichtlich hat er aber nichts verkauft, sondern nur eingeweiht - zumindest offiziell.

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09.11.2019

THE BIG SCHABOWSKI




Neulich saß mir der Sohn von Günter Schabowski im Taxi. Günter Schabowski war des, der die Mauer zum Einsturz bracht, und nicht David Hasselhoff, wie viele denken. Günter Schabowski, der, wie ich von seinem Sohn erfuhr, bereits in die Ewigen Jagdgründe eingezogen ist, war auch kein Sänger wie David Hasselhoff, sondern ein Sprecher, um genau zu sein ein Versprecher. Mit seinem nöglichweise besten Versprecher hat Günter Schabowski die Mauer einstürzen lassen, weswegen ich ihn THE BIG SCHABOWSKI nenne. Heute ist es auf den Tag genau 30 Jahre her, dass sich Günter Schabowski so doll versprochen hat, dass die Mauer einstürzte. Ein guter Zeitpunkt, um zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. Und da gibt es, wenn ich die Zeichen richtig deute, eine neue Entwicklung. Zum ersten Mal sind die aus dem Osten nicht alle Jammer-Ossis. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung zu der Erkenntnis: Der Ossi ist schlau und stellt sich dumm - beim Wessi ist es andersrum. - Kein Versprecher!

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DIE FOSSILE BRENNSTOFFZELLE


Grill-Experten sind klar im Vorteil

Es ist beschlossene Sache. Die Zukunft ist elektrisch, oder soll es zumindest sein. Koste es, was es wolle. Wer sich kein Elektro-Auto leisten kann, muss sich, will er nicht laufen, was einfallen lassen, beispielsweise die fossile Brennstoffzelle. Jetzt wird auch dem letzten klar, warum die Autos, ob mit oder ohne Mega-Batterie, immer schwerer werden. Grill-Experten, das ist abzusehen, werden beim Betreiben der fossilen Brennstoffzelle klar im Vorteil sein.

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08.11.2019

ICH EMPFEHLE DEN FLUGHAFEN


Einfahrt zum Flughafen Tegel (TXL)

Du liest richtig: HERZLICH WEGKOMMEN - so heißt es neuerdings am Flughafen Tegel. Und nicht: HERZLICH WILLKOMMEN - wie es sich gehört, wenn man liebe Gäste empfängt. In Berlin geht es jetzt nur noch darum, die allzu vielen, die uns viel zu lange schon ungefragt heimsuchen, möglichst rasch loszuwerden. Wir Taxifahrer leisten dazu einen nicht unwichtigen Beitrag. Ich zum Beispiel antworte auf die Frage nach dem angesagtesten Ort in Berlin immer mit Airport. Den Leute gefällt das, wenn jemand das Herz auf dem rechten Fleck hat. Dafür sind wir Berliner auch zu Recht bekannt. Und einer muss unseren lieben Besuchern schließlich sagen, dass die Party vorbei ist.

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07.11.2019

TAXIBERLIN: ARBEITSFÄHIG UND ARBEITSWILLIG


Ich hatte gerade eine Fahrt, auch das kommt hin und wieder vor, als das Radio vermeldete, dass unsere Regierung sowohl arbeitsfähig als auch arbeitswillig sei. Meine Fahrgast, eine Frau in den besten Jahren, und ich mussten sogleich laut losprusten, denn wir hatten beide dieselbe, weitaus bekanntere Formulierung für "arbeitsfähig" im Kopf, die gerne für Arbeitszeugnisse verwendet wird, und zwar "war steht's bemüht", was so viel heißt wie, dass die Person eigentlich keinen Bock zum Arbeiten hatte. Immerhin ist unsere Regierung "arbeitswillig", also es gibt dort offiziell keine Saboteure oder Boykotteure. Eine beachtliche Zwischenbilanz, wie ich finde. Sollte ich mich jemals noch mal um irgendeinen Job bewerben, werde ich mich genauso anpreisen, und zwar als arbeitsfähig und arbeitswillig.

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06.11.2019

DER WEG, DIE WAHRHEIT UND DAS LEBEN


Ick gloobe, ick bin jemeint

Wie oft ich alleine von mir völlig Fremden nach dem WEG gefragt werde. Bei jeder Fahrt muss ich ihn auf's Neue wissen, egal wo der Fahrgast hin will, und das möglichst sofort, also: Zacki, zacki! (Die vielleicht größte Ungerechtigkeit beim Taxifahren: Ich muss immer da hin fahren, wo der Fahrgast hin will, obwohl ich oft viel besser weiß, wo der hingehört.) Hinzu kommt, dass man in meinem Taxi zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen darf - sogar die WAHRHEIT. Und trotz alledem bin ich immer noch am LEBEN. (Viele sind bereits tot, obwohl sie uns noch lebendig erscheinen.) Also irgendwie fühle ich mich mit der WEG, die WAHRHEIT und das LEBEN angesprochen.

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05.11.2019

DIE BESITZSTANDSWAHRER


In meinem Taxi, in dem man zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen darf - sogar die Wahrheit, ist der einfache Umstand, dass uns Besitzstandswahrer nicht nur täglich die Welt erklären, sondern dass wir darüber hinaus auch von Besitzstandswahrern regiert werden, ein alter Hut. Jetzt ist diese simple Wahrheit offensichtlich auch bei den Besitzstandswahrern selbst angekommen, und das hört sich dann so an: Wir beschäftigen uns immer nur mit unseren Fragen, statt mit den Fragen der Menschen. Oder auch so: So geht es nicht weiter, dass die Große Koalition im Grunde sich immer nur die Frage stellt: 'Wie können wir im Amt bleiben?', anstatt sich an den Problemen zu messen, die die Menschen beunruhigen. - Hört sich an wie 1989, ist aber 2019, und kommt deswegen in der aktuellen Festivalwoche noch nicht vor, aller Voraussicht nach aber in der Festivalwoche 2059.

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04.11.2019

BEGINN DER FESTIVALWOCHE IN BERLIN


Es gibt so Wochen, da bleibt einem nichts erspart 

Heute vor 30 Jahren war die große Demonstration auf dem Alexanderplatz, der Ältere erkennt sie auf obigem Foto. Mit diesem Jubiläum wird nun heute in Berlin eine so genannte Festivalwoche eingeleitet. Ich war schon mal auf einem Festival, genau genommen auf mehreren. Das ist mehr als 30 Jahre her und hieß "Festival des politischen Liedes". Dort habe ich Mercedes Sosa, die große Stimme Lateinamerikas, und Mikis Theodorakis, er hat u.a. den Soundtrack zu "Alexis Sorbas" komponiert, singen gehört. Damals waren selbst Festivals noch politisch. Heute ist angeblich nichts mehr politisch, und selbst das Private ist nicht mehr privat. Und die heute beginnende so genannte Festivalwoche ist vermutlich, ich habe es nicht überprüft, für Kontrolle fehlt mir schlicht die Zeit, auch nur eine weitere Eventisierung eines historischen Ereignisses, wobei es vor allem ums Amüsieren und Konsumieren geht. Konsumenten aller Länder, wenn ihr euch schon amüsieren müsst (das Vereinigen kommt da erfahrungsgemäß regelmäßig zu kurz, was mit dem Konsumieren zusammenhängt), warum denn bitte sehr schon wieder in Berlin?!?

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BEACHTLICHE BÜCHER UND BILDUNGS BILANZ


am Lenkrad vom mobilsten Gewerbe der Welt
(und wenn er nicht lenkt, dann liest er)

Nach 7 Stunden und 5 Fahrten 75 Euro auf der Uhr, was auf einen Stundenlohn von 3,50 Euro oder so hinauslaufen würde, wenn die Standzeiten nicht automatisch Mindestlohnbedingt auch Pausenzeiten wären; dafür aber 2 Bücher gelesen, weswegen man die Sache auch ganz anders rechnen muss, und zwar so: 24,5 Euro mit 3 Stunden lesen verdient, den Rest der Zeit für Trinkgeld durch Berlin gefahren. Es hätte schlechter laufen können, wie der vom Balkan sagen würde.

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03.11.2019

IM TAXI MIT EINEM AFD-WÄHLER


Der Gutmensch ist wie der Igel:
Er weiß es immer besser (selbst wenn er nichts weiß)

Man darf hierzulande alles sagen, nur nicht, dass man AfD gewählt hat, ist ein wahrer Witz, der immer und überall geht, nicht nur im Taxi. Gestern war es nun so weit, da hat sich ein Fahrgast als AfD-Wähler geoutet. Einfach so, ich hatte ihn nicht gefragt, wie ich überhaupt niemanden nach seinen politischen Präferenzen frage. Politik und Religion sind bei mir im Taxi tabu. Vielleicht lag es an den Hinweisschildern, dass man in meinem Taxi zwar nicht telefonieren, dafür aber alles sagen darf - sogar die Wahrheit, was - Afd-Wähler oder nicht - allgemein sehr gut ankommt, dass mein Fahrgast mir erzählte, wen er gewählt hat. Möglicherweise lag es auch daran, dass auch er wusste, dass man Taxifahrer selten ein zweites Mal sieht, auch wenn man sich bekanntermaßen im Leben immer zweimal sieht.

Was man in einem solchen Fall von spontaner Wahrheit auf keinen Fall tun darf, dass habe ich neulich noch von einem Gutmenschen bei mir im Taxi vielleicht nicht gleich gelernt, aber immerhin bestätigt bekommen. Der wusste es natürlich immer besser, und zwar alles. Schuld waren für ihn immer die anderen, die blöd sind und dumm, die es nicht begriffen haben und es auch nie begreifen werden. Was bei dieser Selbsterhöhung ungemein hilft, es ist um genau zu sein unbedingte Voraussetzung, ohne die nichts läuft, ist das Etikettieren und in Schubladen stecken, um sich mit dem Thema an sich gar nicht erst beschäftigen zu müssen. Beim Zuschieben der Schublade braucht man dann nur noch "Das ist doch AfD-Scheiß" zu sagen und fertig ist der Lack. Oder mit anderen Worten: Klappe zu - Affe tot.

So habe ich es nicht gemacht, ich bin aber auch kein Gutmensch. Wer mehr über die Unmöglichkeit ein Gutmensch zu sein erfahren möchte, dem empfehle ich Brechts "Der gute Mensch von Sezuan", aber das nur nebenbei. Ich möchte so viel verraten: Gut zu sein, ist auf die Dauer wahnsinnig anstrengend. Deswegen braucht der Gutmensch wohl auch die vielen Schubladen, für die ich einfach keinen Platz habe. Und so kann ich auch nicht sagen, dass der Afd-Wähler gestern bei mir im Taxi ein Nazi wäre, nur weil er die AfD gewählt hat. Das liegt auch daran, dass der Begriff "Nazi" hierzulande keine Beleidigung mehr ist, wie ich bisher dachte, sondern durch die Meinungsfreiheit gedeckt sei. Jeder kann jeden also ungestraft einen Nazi nennen - und das ist mir einfach zu beliebig, zu undifferenziert. Es ist, um genau zu sein, eine Beleidigung meines Denkapparates.

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02.11.2019

UBER-FAHRER ZUM TODE VERURTEILT


Auf das Kleingedruckte kommt es an!
(Flughafen Tegel / TXL)

Das Wort TAXI wird aktuell immer öfter in einen negativen Kontext gesetzt, beispielsweise durch die häufige Verwendung des Wortes Drogen-TAXI. Auch UBER-Fahrer, insbesondere wenn sie Mist gebaut haben, und das tun sie öfter als man denkt, werden plötzlich zu TAXI-Fahrern gemacht. Dabei war es doch gerade der ehemalige UBER-Chef selbst, der von einem ARSCHLOCH namens TAXI sprach. UBER-Fahrer wollen ganz bewusst keine TAXI-Fahrer sein und können es auch nicht, denn sonst müssten sie genauso wie TAXI-Fahrer eine Ortskundeprüfung ablegen, womit sie aber überfordert sind, weswegen sie nur UBER- und eben keine TAXI-Fahrer sind.

Mancherorts müssen sie nicht einmal ein Führungszeugnis vorlegen, was regelmäßig zu Kriminellen hinterm UBER-Lenkrad führt. Gestern nun wurde ein UBER-Fahrer, der eine dreißigjährige Frau erst vergewaltigt und dann ermordet hat, zum Tode verurteilt. Da die junge Frau Mitarbeiterin der Britischen Botschaft im Libanon war, berichtet aktuell der Guardian darüber. (Die Vergewaltigung und der Mord liegen knapp zwei Jahre zurück.) Bereits im fünften Satz macht der Guardian aus dem vergewaltigenden und mordenden UBER-Fahrer einen TAXI-Fahrer, obwohl er UBER-Fahrer war, der eine kriminelle Vergangenheit hatte, weswegen er gar kein TAXI-Fahrer sein konnte.

Auch deswegen fühlt UBER sich hierzulande wohl dazu befleißigt im Kleingedruckten auf der sonst großflächigen Werbung (Foto) darauf hinzuweisen, dass man die Fahrt nur vermittle, mit ihr selbst aber nichts zu tun habe, trotzdem aber garantiere, dass UBER-Fahrer allesamt Profis seien. Wie ein UBER-Fahrer in den USA lebt, besser überlebt, beschreibt Friedemann Diedrichs, der seit 35 Jahren Journalist ist und gut ein Jahr selbst als UBER-Fahrer gearbeitet hat, in den Neuen Osnabrücker Nachrichten. Seinen Erfahrungsbericht "Von Handgreiflichkeiten und Hungerlohn" kann so zusammengefasst werden: Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.

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