18.12.2018

KRIEGSERKLÄRUNG


So sieht sie aus

Uber plant die feindliche Übernahme des Taxigewerbes an den Feiertagen. Seit Neuestem ist dafür die Stadt vollgepflastert mit Kriegerklärungen, auf denen Uber seine "professionellen FahrerInnen" anpreist. Feindliche Übernahmen finden immer an Tagen statt, an denen niemand mit einem Krieg rechnet. Die Berliner Mauer wurde beispielsweise an einem schönen Sommertag im August '61 gebaut. Was an Uber-Fahrern, für die man doch im letzten Jahr extra die Ortskundeprüfung wegfallen lassen hat, um jetzt ganz sicher zu sein, dass auch wirklich jeder Idiot für Uber fahren kann, "professionell" sein soll, ist eines von Ubers vielen Betriebsgeheimnissen. Die Hauptsache ist, dass die Leute an irgendwas glauben, egal ob an Gott oder an Werbung, denn der Glaube kann bekanntlich Berge versetzen und selig macht er sowieso, sonst würde er nicht geglaubt werden. Und so ist es auch mit den Uber-FahrerInnen. Man muss nur ordentlich dran glauben, dass sie "professionell" sind, dann klappt es auch mit der Personenbeförderung ganz ohne Ortskenntnisse.

Foto&Text TaxiBerlin

16.12.2018

ZEIT FÜR ETWAS STATISTIK


Potsdamer Platz
früher Tiergarten / heute Neue Mitte

Eine knappe Stunde stand ich heute Nachmittag vorm Ritz Carlton am Potsdamer Platz, bevor ich eine Fuhre bekam. In dieser Zeit luden 6 Uber-Fahrzeuge am Ritz Carlton aus und genauso viele luden ein, also insgesamt 12 Fahrer waren in derselben Zeit mit der Beförderung von Fahrgästen im Auftrag von Uber beschäftigt. Ich schreibe das auch, weil Uber nicht sagen kann, wie viele Fahrzeuge für sie in Berlin Taxidienstleistungen ausführen. Was ihre Fahrer verdienen, ist Uber auch nicht bekannt. (Dann kann es wohl nicht soo doll sein, oder?) Immerhin weiß man bei Uber, dass ihre Fahrer "Profis" sind. Die sind sogar so gut, dass sie keine Ortskunde nachweisen müssen, obwohl deren Fahrzeuge zum großen Teil gar nicht aus Berlin stammen. Das ist wiederum der Grund, warum die zuständige Berliner Behörde, das Landeseinwohneramt in der Putkamer Straße in Kreuzberg, nichts gegen die große Uber-Verarsche tun kann, besser will. Wir in Berlin sind so reich, bei uns muss keiner, der von außerhalb kommt, Steuern zahlen. Doch zurück zur Statistik. In der knappen Stunden kamen genau 8 Flaschensammler vorbei, um in die an der Taxihalte sich befindende Mülltonne nach leeren Flaschen zu suchen. Als ich an der Halte ankam, standen bereits 3 Kollegen da, und ich war Taxi Nummer 4. Fassen wir nun die Statistik zusammen: 12 Uber-Fahrer, 8 Flaschensammler, 4 Taxifahrer, 1 Stunde. Zum Glück gibt es Uber, das muss man mal ganz klar sagen. Denn gäbe es Uber nicht, würde sich die Anzahl der Flaschensammler automatisch auf 20 erhören.

Foto&Text TaxiBerlin

ÜBER MATERIELLE UND GEISTIGE VERARMUNG


Wenn die Realität nichts mehr mit ihrer Abbildung zu tun hat

Eine materielle Verarmung muss nicht automatisch eine geistige nach sich ziehen, aber in der Regel tut sie dies. Warum dies so ist, ist eine wichtige Frage in meinem Leben, und ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass der Prozess der Verarmung oder auch Pauperisierung (dem Fachbegriff für Verarmung), in dem wir uns seit geraumer Zeit befinden, immer mit einer allgemeinen Verdummung verbunden ist, die vermutlich eine wichtige Ursache ist, wenn nicht sogar DIE, für die mit der materiellen einhergehenden geistigen Verarmung oder auch, wie ein älterer Kollege es neulich nannte, Seelenlosigkeit.

Foto&Text TaxiBerlin

15.12.2018

VERARSCHUNG SCHLIMMER ALS VERARMUNG


Mehringdamm Ecke Blücherstraße
früher Kreuzberg / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Erst lässt man die Ortskundeprüfung wegfallen, damit auch wirklich jeder Idiot für Uber fahren kann, und nun verkauft man uns diese Idioten als "professionelle Fahrer". Als wenn die damit verbundene Verarmung weiterer Teile der Gesellschaft nicht schlimm genug wäre, nein, man versucht darüber hinaus auch noch aktiv die Leute dumm zu machen. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich empfinde diese Verarschung nicht nur schlimmer als die Verarmung, sondern darüber hinaus auch als persönliche Beleidigung meines Denkapparates. Und glaubt man wirklich allen Ernstes, dass die Leute das nicht merken, nur weil die feinen Herren diesmal aus dem Silicon Valley kommen?

PS: Der Wegfall der Ortskundeprüfung für Uber-Fahrer wird u.a. damit begründet, dass bei ihnen der Fahrpreis fix ist und nicht von der gefahrenen Strecke abhängt, was im Umkehrschluss bedeutet, dass der Taxifahrer die Ortskundeprüfung nur abgelegt hat, um später dem Fahrgast eine Fahrpreisauskunft geben zu können. Die Ortskunde wird also gar nicht der Ortskunde wegen gelernt, sondern wegen dem Fahrpreis. Ein weiteres Beispiel für die Verdummung der Leute, aber auch für die komplette Durchkommerzialisierung unseres Lebens.

Foto&Text TaxiBerlin

14.12.2018

BÜCHER STATT SMARTPHONE


Mein erstes kostenloses Angebot

Ein junger Kollege namens Muayad Quassim aus dem Irak hat meine Idee mit dem Bauchladen geklaut. Der Unterschied ist, dass er seine Bücher verschenkt und ich meine verkaufe. Jetzt bediene ich mich einfach bei dem Kollegen und halte ab sofort in meinem Taxi auch Bücher zum Verschenken bereit, damit auch meine Fahrgäste weniger auf ihr Smartphone glotzen und wieder mehr in Bücher schauen.

Foto&Text TaxiBerlin

13.12.2018

HEUTE 19 UHR: HIER SPRICHT TAXIBERLIN # 29




Heute um 19 Uhr sind wir wieder auf Sendung und zwar auf Pi-Radio. Pi-Radio ist in Berlin unter 88.4 zu empfangen, in Potsdam ist es bereits die 90.7, aber auch weltweit sind wir zu hören und zwar als Live-Stream im Internet. In meiner letzten Sendung in diesem Jahr sorge ich mich nicht nur um die Frauenquote, sondern schaue auch zurück, allerdings nicht auf das zu Ende gehende Jahr, sondern auf bereits verflossene. In einem davon habe ich nämlich meine heutige Studiogästin, die Autorin Claudia Schattach (oben), kennengelernt, und das genau in dem Studio, aus dem wir senden. Claudia gehört zu dem Personenkreis, der nie Taxifahrer werden wollte - auch so etwas gibt es. So bleibt genug Zeit, etwas über die Arbeitsweise einer Autorin zu erfahren. Geplant ist auch eine Gedicht-Battle, denn Claudia ist bekannt für ihre gerappten Gedichte, und ich habe für heute Abend ein Taxi-Gedicht vorbereitet. Auch du kannst dich an unserem Wettstreit beteiligen, du musst nur ein kleines Gedicht schreiben und es uns vortragen, entweder am Telefon oder du kommst einfach zu uns ins Keller-Studio in die Lottumstraße im Prenzlauer Berg. Zu gewinnen gibt es, das ist noch wichtig zu erwähnen, die gefragten Gutscheine für meinen kleinen Gulag in den Schluchten des Balkans. Aufgrund der extrem hohen Nachfrage sind nur noch wenige Rest-Gutscheine vorhanden. Sie passen nicht nur unter jeden Weihnachtsbaum, sondern auch in jedes Buch, zum Beispiel als Lesezeichen. Es lohnt sich also wirklich! Den Verkehr im Studio wird wie gehabt wieder meine geschätzte Partnerin und Kollegin Layne Mosler aus Kalifornien, aber eigentlich von Sizilien, regeln, die heute hoffentlich in die richtige Bahn steigt, um pünktlich die Technik von unseren Vorgängern übernehmen zu können. Da auch diese live senden, geht es am Anfang manchmal etwas drunter und drüber im Studio, aber am besten du hörst es dir selber an.

Foto&Text TaxiBerlin

12.12.2018

IM TAXI MIT HAMED ABDEL-SAMAD




Alle sieben Jahre, so sagt man, soll man sein Leben ändern. Krankenwagen bin ich schon einmal gefahren und Blut kann ich mittlerweile auch sehen. Jetzt überlege ich, der Fahrer von Hamed Abdel-Samad zu werden. Obiger Film dient mir als Vorbereitung auf mein neues Arbeitsfeld. Hamed Abdel-Samad ist ständig "on the road", hat also kein zu hause mehr. Das wäre natürlich eine ganz große Herausforderung. Aber eigentlich ist es genau das, was ich will. Ich meine, die richtig Reichen, haben schließlich auch kein zu hause mehr. Die sind heute hier und morgen da, aber die meiste Zeit auf ihrer Jacht, so sagt man zumindest. Hamed hat keine Jacht. Dafür eine kugelsichere Weste. Ich stehe also vor der Entscheidung: Kugelsichere Weste oder Jacht. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

11.12.2018

DAS RECHT AUF WIDERSTAND




Aus aktuellen Anlass veröffentliche an dieser Stelle noch einmal das Interview, das ich Anfang April mit Steven Hill in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" auf Pi-Radio geführt habe. Steven Hill ist Autor des Buches "Die Start-up Illusion - wie die Internet-Ökonomie unseren Sozialstaat ruiniert" und darüber hinaus ein weltweit renommierter Wirtschaftsjournalist, dessen Artikel in der "New York Times", im "Guardian", in "Le Monde" und auch im "Handelsblatt" erscheinen. Der geneigte Hörer erfährt, was das Ziel von Uber&Co ist und warum uns unsere Verfassung Widerstand dagegen anempfiehlt.

Interview Pi-Radio
Text TaxiBerlin

GRATULATION DEN GELBEN WESTE


Frankfurter Allee
früher Friedrichshain / heute Friedrichshain-Kreuzberg

Seit vier Wochen trage auch ich eine Gelbe Weste. Ich verlasse das Haus nur noch mit Gelber Weste und auch im Taxi trage ich sie. Das Tragen der Gelben Weste kommt extrem gut an. Es fängt damit an, dass du praktisch nicht zu übersehen bist. Darüber hinaus ist das Tragen einer Gelben Westen sehr kommunikativ. Ich habe schon lange nicht mehr mit so vielen mir bisher völlig unbekannten Menschen gesprochen. Meistens waren es Bekundungen der Sypmathie, die mir entgegengebracht wurden, aber eigentlich nicht mir, sondern den Gelben Westen in Frankreich. Heute nun wurde mir stellvertretend für sie sogar gratuliert. Diese Gratulation reiche ich hiermit an die Gelben Westen in Frankreich weiter. Das war erst der Anfang!

Foto&Text TaxiBerlin

IN DER REALITÄT ANGEKOMMEN


Ich sitze mal wieder in meinem Taxi und höre Radio. Dass ich Radio höre, liegt daran, dass der CD-Player kaputt ist, und das schon seit Jahren. Genug Zeit also um herauszufinden, dass auch Radio-Sender existieren, die man hören kann. Da gibt es zum Beispiel Radio Kultur und Kulturradio. Man muss also nicht ins Kultur-Kaufhaus, um sich Kultur zu kaufen. Man muss nur die richtigen Sender im Radio hören. Es war aber nicht dort, sondern woanders, wo ich las, dass die CDU nach der Wahl von AKK (hört sich fast an wie AKW, oder?) in der Realität angekommen sei. Das mag wohl sein, aber es scheint mir eher die Realität von 1995 oder wegen mir 1997 zu sein. Denn mit den Realitäten ist das so eine Sache, wie ich immer mehr feststellen muss. Aber vielleicht ist das bereits eine Verschwörungstheorie ...

Text TaxiBerlin

10.12.2018

"HANDANLEGEN"


Seit einiger Zeit bin ich wieder dazu übergegangen, im Stehen zu pinkeln. Nun wollte ich wissen, was die Statistik dazu sagt, also wie viele Männer überhaupt noch im Sitzen pinkeln. Vielleicht bin ich ja gerade dabei, einen neuen Trend zu setzen, genauer gesagt einen Retro-Trend, und das beim Pinkeln. Eine Statistik über das im Sitzen pinkeln von Männern habe ich zwar nicht gefunden, dafür aber das:

... Tatsache ist, dass der Urin nicht nur bei Frauen, sondern auch bei Männern in der Regel die Beine und Füße trifft, wenn sie die Blase in senkrechter Haltung ohne Zuhilfenahme der Hände entleeren. Beide können jedoch den Strahl mit dem richtigen Handgriff vom Körper weglenken. Entscheidend ist also nicht die Anatomie, sondern die Kultur, die bei uns nur dem Mann das "Handanlegen" erlaubt.

Wenn ich es richtig verstehe, könnte auch die Frau im Stehen pinkeln, wenn sie nur richtig "Handanlegen" würde. Ich finde das eine sehr gute Nachricht, und gerne leiste ich Hilfestellung beim korrekten "Handanlegen". Dazu bräuchte ich aber selbst zuvor eine Anleitung, deswegen dieser Beitrag. Ich suche Frauen, auch bei mir im Taxi, die mir das richtige "Handanlegen" zeigen, damit ich es anderen Frauen zeigen kann, und wir bald gemeinsam im Stehen pinkeln können.

Text TaxiBerlin

IM KINO MIT TAXIBERLIN



"Aggregat" - leider nur in einem Berliner Kino

Seit einiger Zeit habe ich viel Zeit. Es ist eigentlich egal, ob ich mich ins Taxi setze oder nicht, denn Geld ist mit dem Taxi nicht mehr zu verdienen. Der einzige Grund, warum ich mich immer noch ins Taxi setze, ist neben der Gewohnheit, dass ich im Taxi kein Geld ausgebe. Obwohl, neulich, da bin ich auch mal ausgestiegen und habe mir einen schlechten Döner geholt, der zusammen mit dem Ayran fünf Euro gekostet hat. Da habe ich mir gesagt, dass ich dafür eigentlich auch ins Kino gehen kann. Und das habe ich heute gemacht.

Der Film "Aggregat" von Marie Wilke läuft, obwohl er erst vor zehn Tagen in die Kinos gekommen ist, in nur einem Berliner Kino, und zwar in den Tilsiter Lichtspielen. Die Tilsiter Lichtspiele befinden sich in der Richard Sorge Straße bei mir im Friedrichshainer Kiez, so dass ich eigentlich hätte hinlaufen können. Da das Taxi aber immer noch bei mir vor der Tür stand, bin ich dann doch hingefahren, auch weil man Sonntags kein Geld fürs Parken bezahlen muss. Normalerweise muss ich wegen den Gebühren das Taxi immer im Nachbarbezirk Lichtenberg parken, aber das nur nebenbei.

Das Besondere an dem Film "Aggregat" ist, dass er völlig ohne Wertung und Kommentare auskommt. Hört sich einfach an - ist aber nicht leicht zu machen. Es ist das sprichwörtliche Einfache, was sooo schwer zu machen ist. Ich kannte die Herangehensweise bisher nur von dem Film "Stadt als Beute" von Andreas Wilcke und aus dem Buch "Im Taxi" von Jochen Rausch, mit dem ich darüber in meiner Radio-Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" im Interview sprach.

Der Film "Aggregat" von Marie Wilke lässt ganz unterschiedliche Menschen, Parteien und Medien aus dem hier und heute unseres Landes zu Wort kommen. Von einem Politiker, Partei habe ich jetzt vergessen, spielt aber auch keine Rolle, erfahren wir beispielsweise, dass es uns nie besser ging als heute. Mit meiner Lebensrealität deckt sich das zwar nicht, aber ich bin da auch nicht alleine. Zwei Bürgern, um genau zu sein ein Bürger und eine Bürgerin aus dem Erzgebirge, geht es ganz genauso. Was sie dazu zu sagen haben, ist zweifellos der Höhepunkt der Dokumentation. Absolut sehenswert.

Ansonsten ist der Film "Aggregat" voll von Negativ-Beispielen. Die Spitze des Eisberges bilden zwei Journalistinnen von der taz - Der Tageszeitung. Die beiden planen eine Reportage, wobei planen nicht das richtige Wort ist. Es ist ein komplettes Drehbuch, was sie entwerfen. Eigentlich bräuchten sie nirgendswo mehr hinfahren wegen der Reportage, sondern nur ein paar Laiendarsteller engagieren, die ihre Texte sprechen. Mit einem Wort: Gruselig.

Vieles wusste und manches ahnte man schon. Dass es allerdings sooo schlimm ist, hat mich dann doch überrascht. Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich den Film um 20:15 Uhr auf Öffentlich/Rechtlich ausstrahlen und zur Pflicht für alle machen. Leider geht es nicht nach mir, und so wird "Aggregat" von Marie Wilke, wenn überhaupt, irgendwann einmal nach Mitternacht im Dritten laufen.

Deswegen mein Tip: Komm in die Richard Sorge Straße in die Tilsiter Lichtspiele, dort läuft "Aggregat" diese Woche täglich um 16 Uhr.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

09.12.2018

MACRON DEMISSION


Gerade lese ich im Internet, dass die Gelben Westen "unkalkulierbar" seien. Wahrscheinlich ist der Bericht von einem BWL-er geschrieben, der zwar keinen Plan, aber immerhin ein bestimmtes Ziel hat. Im Gegensatz dazu ist Monsieur Macron, der vor einiger Zeit streikende Schlachthofarbeiter in der Bretagne "Analphabeten" unserer Zeit genannt und Obdachlose in Bahnhöfen im vergangenen Jahr als "Nichts" bezeichnet hat, berechenbarer, was viel praktischer ist.

Text TaxiBerlin

VOM TAXI ZUM ALGO



TaxiBerlin erklärt das TaxaMeter

Das Taxi ist ein öffentliches Verkehrsmittel mit Beförderungspflicht und als solches hat es auch den Bildungsauftrag. Öffentlich/Rechtlich hat da ja eine große Lücke hinterlassen, die es zu füllen gilt. TaxiBerlin erklärt anhand des Taxameters die Herkunft des Begriffes Taxi und auch warum das Taxi der Zukunft Algo heißen wird.

VideoPodcast&Text TaxiBerlin

08.12.2018

PHASE VIER


Ich hab' ja auch ein paar Unis von innen gesehen - und nicht nur die Mensa. Es gab nur sehr wenige Dinge, die ich dort, also an der Uni, fürs Leben gelernt habe. Die beste Universität ist und bleibt die Straße. Eine Sache, die ich an der Uni fürs Leben gelernt habe, sind die vier Phasen der Planung. Übrigens  Systemübergreifend - aber das versteht sich von selbst. Ganz kluge Köpfe werden jetzt sagen, dass es nur in der Planwirtschaft einen Plan gibt. Denen erwidere ich: Ersetzt einfach "Plan" durch "Ziel" und ihr seid ganz nah dran es zu verstehen. Doch nun wie versprochen die vier Phasen der Planung:

Phase Eins: Euphorie (über den Plan oder das Ziel)
Phase Zwei: Ernüchterung (weil Plan ist nicht zu erfüllen bzw. Ziel nicht zu erreichen)
Phase Drei: Suche nach den Schuldigen
Phase Vier: Bestrafung der Unschuldigen

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber wenn ich mich so umschaue, und das tue ich (und nicht nur im Taxi!), so ist meine Beobachtung, dass wir uns seit geraumer Zeit permanent in Phase Vier befinden.

PS: Was offiziell "Reform"-Politik genannt wird, heißt für viele einfach nur VERARMUNG oder auch PAUPERISIERUNG wie bei Marx.

Text TaxiBerlin

06.12.2018

GELBE WESTEN DEMNÄCHST VERBOTEN oder DANN FRESST DOCH KUCHEN




Was genau die 42 Forderungen der Gelben Westen in Frankreich sind, das habe ich nicht herausfinden können, dafür aber, dass bald das Tragen von Gelbe Westen bald verboten wird. Meine Hamsterkäufe neulich waren also völlig umsonst. Obwohl, warte mal, wenn ich den Kapitalismus richtig verstanden habe, steigt von einem raren Gut doch der Preis, oder? Aber steigt er auch von einem verbotenen Gut? Wahrscheinlich wird der Verkauf meiner gehamsterten Gelben Westen gar nicht am Verbot sondern am Geld scheitern. Das letzte Gerücht besagt, dass es auch bald kein Brot mehr geben wird. Wir werden komplett auf Kuchen umstellen, das ist ökologischer.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

05.12.2018

DIE GELBEN WESTEN SIND EINE FRAU




Manchmal ist ein Blick von außen hilfreich, in dem Fall der von der Deutschen Welle auf die Gelben Westen im Nachbarland Frankreich. Die Gelben Westen wurden, das wissen viele nicht, von einer Frau ins Leben gerufen. Weshalb, das erklärt sie in obigem Video selbst, und auch, warum die Gelben Westen weder Links noch Rechts sind.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

42 FORDERUNGEN


Nachdem ich gestern (endlich) von Öffentlich/Rechtlich erfahren habe, dass die Gelben Westen in Frankreich 42 Forderungen haben, versuche ich nun herauszufinden, was genau diese 42 Forderungen sind, und das gestaltet sich schwierig. Ich erfahre, dass die Gelben Westen die neuen "Wutbürger" sind oder es zumindest sein sollen. Es wurde auch Zeit, dass diese Schublade mal wieder aufgemacht wird, denn die drohte schon zu verstauben. Darüber hinaus erfahre ich, dass sich die Linke gerade wegen den Gelben Westen selbst zerlegt. Das ist keine Überraschung, denn die Linke ist zum größten Teil PDS, was wiederum, um ganz genau zu sein handelt es um PDS II, ein "sich selbst auflösendes Nahtmaterial" in der Chirurgie ist. Was nun genau die 42 Forderungen sind? Hm, da muss ich wohl weiter suchen ...

Text TaxiBerlin

DER QUITTUNGSMENSCH


Früher gab es ganze Wochenenden, ohne dass ich eine Quittung geschrieben habe. Heute geht kaum eine Fahrt ohne dem ab. Sie lassen sich von der Weihnachtsfeier nach hause fahren und im Anschluss lassen sie sich eine Quittung darüber ausstellen. Leute von heute machen so was. Es sind wirklich andere Fahrgäste als früher. Der neue Mensch! Der Quittungsmensch. Er macht nichts mehr im Leben, ohne es sich quittieren zu lassen. Normalerweise übernehmen andere diese Buchführung/Kontrolle über ihn. In dem Fall spiele ich Big Brother. Hiermit bestätige ich, dass du dann und dann mit einem Taxi gefahren bist. Dein Leben war nicht ganz und gar umsonst.

Text TaxiBerlin

04.12.2018

... UND DANN GEWINNST DU !


"Erst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du." - So lautet  das komplette Zitat. Ob es wirklich von Mahatma Ghandi ist, oder ob dieser sich von Nicholas Klein hat inspirieren lassen, der das bereits am 15. Mai 1918, also vor ziemlich genau einhundert Jahren, auf dem Gewerkschaftstag der vereinigten Textilarbeiter in Baltimore gesagt hat, soll uns an dieser Stelle nicht interessieren. Fakt ist, dass während hierzulande die Presse noch damit beschäftigt ist, sich über die Gelben Westen im Nachbarland Frankreich entweder lustig zu machen oder sie gar zu kriminalisieren, diese einen ersten Sieg davon getragen haben. Denn Macron wird die für den 1. Januar geplante Erhöhung der Ökosteuer verschieben. Das soll allerdings erst morgen bekannt gegeben werden, und zwar durch den Premierminister Philippe. Der will außerdem "weitere Maßnahmen" zur Entspannung mit den Gelben Westen verkünden. Vorsicht ist also auch weiterhin geboten.

Text TaxiBerlin

03.12.2018

HIER SPRICHT TAXIBERLIN ÜBER TOILETTEN




Es beginnt für uns in Berlin nicht nur die Zeit, in der uns noch mehr Besucher als sonst schon heimsuchen, sondern es hat auch die Jahreszeit begonnen, in der wir in Berlin traditionell keine Sonne sehen, was nicht unwesentlich zu unserer chronisch schlechten Laune beiträgt. Damit wir, aber auch unsere vielen Besucher, da nicht den Überblick verlieren, wiederhole ich sozusagen aus aktuellem Anlass meine Radiosendung über Toiletten vom 8. März dieses Jahres. Fahrgäste wiesen mich seinerzeit darauf hin, dass aufgrund des demographischen Wandels hierzulande die beide großen K immer wichtiger werden, und zwar die Kirche und das Klo. Die Kirche ist, zumindest bisher noch, in der Regel von weitem sichtbar, mit dem Klo verhält es sich meist etwas anders. Hinzu kommt, dass auch die meisten Taxis kein Klo an Bord haben. Als Lenker eines öffentlichen Verkehrsmittels haben wir nicht nur die Beförderungspflicht sondern auch einen Bildungsauftrag - deswegen die Sendung über Toiletten. Dem Bildungsauftrag komme ich auch in meiner nächsten von Hier spricht TaxiBerlin am 13. Dezember um 19 Uhr auf Pi-Radio (in Berlin ist das die 88.4, in Potsdam bereits die 90.7 und auch weltweit im Internet als Live-Stream) nach. Darüber hinaus habe ich mir die Autorin aber v.a. Lyrikerin Claudia Schattach eigeladen, die nie Taxifahrerin werden wollte - auch so etwas soll es geben. Mit ihr werde ich mir eine Gedicht-Rap-Battle liefern, an der auch du dich beteiligen und einen von meinen begehrten Gulag-Gutscheinen fürs neue Jahr gewinnen kannst. Schreib einfach ein Gedicht, ruf uns an und rappe es unseren zahlreichen Zuhörern in der Sendung vor.

Podcast&Text TaxiBerlin

02.12.2018

VORSICHT DIALOG


Nachdem man die Gelben Westen erst ignoriert, dann sich über sie lustig gemacht und sie parallel bis jetzt versucht zu kriminalisieren, sind nun andere Töne aus Frankreich zu hören. Macron verstehe, wie er sagt, die "legitime Wut" der Gelben Westen, denen es eben nicht nur, wie von den meisten Medien berichtet, um die steigenden Spritpreise geht, sondern vor allem um umfassende Steuersenkungen und Anhebung von Renten und Mindestlohn. Wegen letzterem sind übrigens Uber&Co so praktisch, weil bei denen keinen Mindestlohn gezahlt werden muss, denn die Fahrer sind allesamt Freiberufler, die sich zumindest hierzulande über ihr Einkommen ausschweigen. In den USA waren es neulich noch 3,37 Dollar, was ein Uber-Fahrer im Schnitt pro Stunde verdient. In Deutschland dürfte es kaum mehr sein, was dazu führt, dass die Fahrer "aufstocken" (auch ein schönes Wort) müssen. Letztendlich wird das größte und tollste Start-Up der Welt aus dem Silicon Valley von uns allen mitfinanziert, auch damit dies wiederum ihre Preise subventionieren und damit uns Taxifahrer, denen der Mindestlohn gezahlt wird, vom Markt drängen kann. Willkommen in der Schönen Neuen Welt. In Frankreich soll es sie sogar schon geben: "Die Welt von Morgen". Dort hat Macron, das war gerade die letzte Information aus dem Radio, die Gelben Westen eingeladen. Von einem Runden Tisch war zwar nicht explizit die Rede, aber so ist es doch nichts anderes wie '89. Dort gingen die Leute erst auf die Straße und später saßen sie am Runden Tisch. Geschichte wiederholt sich, wenn auch nicht 1:1. Vorsicht ist auf jeden Fall geboten, denn es ist schon wieder von Dialog die Rede.

Text TaxiBerlin

01.12.2018

GELBE WESTEN BESSER ALS PARSHIP


Man mag von den Gelben Westen halten, was man will, aber eines muss man ihnen lassen: Mit einer Gelben Weste lernt man jede Menge neue Leute kennen. Ich bin gestern nur ein paar mal aus meinem Taxi ausgestiegen und wurde jedesmal direkt angesprochen. Gut, die meisten Menschen haben mich nur nach dem Weg gefragt. Aber selbst da ist man bei mir an der richtigen Adresse. Es gab darüber hinaus aber auch schon erste Sympathiebekundungen. Da fällt mir ein: Was ist der Unterschied zwischen Touristen und Terroristen? Richtig - Touristen haben keine Sympathiesanten! Aber jetzt fange ich selbst schon an, die Gelben Westen in die Nähe von Terroristen zu rücken. So schnell kann es gehen. Deswegen zurück zur Kontaktfreudigkeit von Gelben Westen. In einer Zeit, in der ein jeder völlig atomisiert sich nur noch um sich und seine Probleme kümmert, ist das für viele eine ganz neue Erfahrung. Gut, für den aus dem Osten ist das nicht neu. Das kennt der von früher. Für den ist das, was da gerade geschieht, nur ein Déjà-vu. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass viele heute gar nicht mehr wissen, dass sie nicht alleine auf der Welt sind, sondern dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Jetzt haben sie - den Gelben Westen sei Dank - die Möglichkeit es zu erfahren. Spar die Kohle für die teure Kontaktbörse. Zieh dir eine Gelbe Weste an, und du wirst sehen, wie viele dich in nur 11 Minuten ansprechen.

PS: Eine Gelbe Weste bekommst du für nur einen Euro noch in jedem "Ein-Euro-Shop" - aber nur solange der Vorrat reicht!

Text TaxiBerlin


"GELB IST DAS NEUE BRAUN"


Kleine Farbenlehre (Teil I)

Populisten sind immer die anderen, aber vor allem sind Populisten die großen Vereinfacher, wie zum Beispiel Antje Hildebrandt vom CICERO, einem Magazin für politische Kultur, mit ihrem Artikel "Gelb ist das neue Braun". Wenn denn wie Welt so einfach wäre ... Ich halte es da mehr mit Sahra Wagenknecht: Ich finde es jedenfalls richtig, wenn Menschen sich wehren und protestieren, wenn die Politik ihr Leben verschlechtert. (Stichwort Uber&Co und "Jedem sein kleines Bangladesch") Und weiter: Wir lassen uns viel zu viel von schlechten Regierungen gefallen. Die Menschen sind nicht so dumm, wie man sie gerne hätte oder gar versucht aktiv zu machen. Es geht nicht um die Benzinpreise. Die sind nur der Anlass. Das sollte ein guter Journalist respektive eine gute Journalistin schon wissen. (So viel Gender muss sein!) Und der Protest der Gelben Westen ist auch weder Links noch Rechts, sondern ein Aufbegehren gegen eine Regierung der Reichen.

Kleine Farbenlehre (Teil II)
Fotos&Text TaxiBerlin

JE SUIS GILETS JAUNES


Gelbe Weste mit Charlie Hebdo Shirt Preis

Knapp vier Jahre ist es jetzt her, da wollte alle Welt Charlie Hebdo sein. Das war korrekt, aber vor allem hatte es keine Konsequenz und ist heute schon vergessen. Mit den Gilets Jaunes, wie die Gelben Westen auf französisch heißen, ist das anders. Auf jeden Fall sind sie schwerer an den Mann und auch an die Frau zu bringen als seinerzeit ein Charlie Hebdo Shirt. So viel lässt sich nach nur einer Schicht mit drei Verkaufsexemplaren an Bord mit Sicherheit sagen. Damals haben bestimmt so einige 66,60 Euro oder mehr für ein Charlie Hebdo Shirt bezahlt, beispielsweise in Hollywood. In Hollywood trug damals fast jeder ein Charlie Hebdo Shirt. Zugegeben, das waren dann aber auch Designer Teile für den Preis. Das ist auch wieder wahr. Eine Gelbe Weste passt dafür viel besser zur hiesigen Jahreszeit und gibt darüber hinaus ein Gefühl der Sicherheit ganz ohne Betonpfeiler. Gut, du gibst dich dafür mit so einer Weste als Sympathisant von etwas zu erkennen, was bis vor kurzem ignoriert, danach belächelt und gerade kriminalisiert wird. Da muss man auch vorsichtig sein heutzutage. Dafür könntest du morgen, wenn wieder alle Gelben Westen sein wollen, aber auch sagen, dass du es schon immer gewusst hättest.

Foto&Text TaxiBerlin