31.08.2018

DER STALIN KOMPLEX



Den Stalin-Komplex gibt es wirklich, im Gegensatz zum Bader-Meinhof-Komplex, den es nur als Buch gibt. Herr Stalin, von Genosse will er nichts mehr wissen, und ich sind Nachbarn, weswegen ich auch Kollege Stalin zu ihm sagen darf. Stalin und ich sind aber nicht einfach nur Nachbarn, sondern ich habe auch viel vom Kollegen Stalin gelernt. Einerseits aus Respekt vor dem Alter im Allgemeinen, andererseits weil der Kollege Stalin schon etwas länger seinen eigenen Gulag hier in der Gegend betreibt. Den hat er bereits vor einiger Zeit in Komplex Stalin umbenannt, denn selbst ein Stalin muss mit der Zeit gehen. Und so auch ich.

Wie ich bereits erwähnte, habe auch ich meinen kleinen Gulag, für den man in meinem Berliner Taxi jederzeit (außer in meiner Auszeit, dann gibt es sie vor Ort) Gutscheine erwerben kann, umbenannt, und zwar in Gulag-Ressort. Im Gegensatz zum Kollegen Stalin gibt es bei mir aber keine Fische, weswegen man bei mir auch nicht angeln kann, und baden kann man bei mir auch nicht.

Dafür habe ich eine mit reinstem und superweichem Quellwasser gespeiste und wirklich nachhaltig, weil mit Sonnenenergie betriebene Sommerdusche unter freiem Himmel, die besser ist als jede zentralbeheizte Dusche bei dir zu hause, was auch immer du für ein Bad haben magst – mit oder ohne Fenster. Gegessen wird in meinem kleinen Gulag, der jetzt Gulag-Ressort heißt, ebenfalls mit Messer und Gabel, ganz genauso wie bei meinem Nachbarn, dem Kollegen Stalin. Geschlafen wird natürlich auch bei mir, und zwar nach getaner Arbeit, aber nicht etwa in irgendeinem langweiligen Bett wie bei meinem Nachbarn, dem Herrn Stalin, sondern auf  typisch balkanischen Strohsäcken und auf der Erde. So viel Gulag-Feeling muss sein.
Foto&Text TaxiBerlin

26.08.2018

EINLADUNG ZUM WORKSHOP


Vor wenigen Tagen erreichte mich eine Einladung zu einem Workshop. Hier meine Antwort von heute als "offener Brief":

Liebe Kollegen und Kolleginnen, sehr geehrter Herr Waldner,

vielen Dank für Ihre Einladung zum Workshop am 29. August.

Gerne hätte ich ihrer "Einladung zur Strategieberatung" Folge geleistet, leider weile ich gerade in Bulgarien bei bescheidener Internetverbindung. Trotzdem möchte ich Ihnen meine Gedanken zum Thema mitteilen, auch weil so ein Blick von außen mitunter hilfreich ist.

Sie suchen nach Lösungen, wie sie mit dem Phänomen Uber umgehen sollen, wenn ich es mit meinen eigenen Worten formulieren darf.

Ich denke, und das ist auch meine Empfehlung, dass es diesbezüglich nur eine Forderung an die Politik geben kann: Uber verbieten, und zwar so lange, wie Uber sich nicht an die Spielregeln (Mindestlohn, Fiskaltaxameter, Tarifpflicht etc.) des hiesigen Taxigewerbes hält, da es im Kern eine Taxidienstleistung ist, welche da von der Konkurrenz aus Amerika angeboten wird.

Begründung:

Die aktuellen Einkünfte von Uber-Fahrern in den USA belaufen sich meiner Information zur Folge auf ca. 3,50 Dollar die Stunde.

Deswegen fahren auch viele Fahrer nicht lange für die Plattform, wie sich das "Technologieunternehmen" aus dem Silicon Valley auch nennt.

Taxi, unser aller Markenzeichen, ist in den USA bereits aus dem Sprachgebrauch verschwunden und bald wird möglicherweise auch hierzulande niemand mehr etwas mit TaxiBerlin u.ä. anzufangen wissen.
In den USA ist auch der so genannte "Uber-Stau" infolge der Subventionierung und der damit verbunden die Zerstörung des gesamten öffentlichen Nahverkehrs ein großes Problem.

Tarifflicht ist heute, morgen wird nach "Algorithmus" abgerechnet, wobei keiner wirklich weiß, was "Algorithmus" überhaupt bedeutet in diesem Zusammenhang, außer das eine, dass die, die heute noch Geld verlieren mit Uber, morgen damit Geld, um genau zu sein: viel Geld verdienen wollen

So weit ich mich erinnere, gab es in den letzten sieben Monate sieben Suizide von New Yorker Taxifahrern.

In den letzten Monaten gab es bereits zum Teil landesweite Proteste in Spanien, Griechenland und Frankreich

In Bulgarien, wo ich mich gerade aufhalte, haben die Interessenvertreter, es sind dort ihrer nicht so viele wie in Deutschland, wenn ich es richtig verstanden habe, von der Politik gefordert, Uber zu verbieten - und Uber ist verboten. Zugegeben, es ist in Bulgarien auch nicht so viel Geld mit dem Taxi zu machen, vielleicht ist das morgen aber schon ganz anders.

Die berechtigte Forderung, Uber zu verbieten, richtet sich an die Politiker unseres Landes, an die von den uns gewählten Volksvertreter. Sie wurden schließlich nicht im Silicon Valley gewählt, auch wenn dies manchmal so aussieht

Es ist, wie ich denke, eine einfache Forderung, die auch einfach umzusetzen ist (Beispiel Bulgarien), wenn es politisch gewollt wäre.

Oder sollte doch das bulgarische Sprichwort gelten: Wenn du ein Problem hast, das du nicht mit Geld lösen kannst, dann kannst es nur mit viel Geld lösen.

Auch wenn ich wenig Hoffnung habe, wünsche ich dem Workshop alles erdenklich Gute!

Text TaxiBerlin

17.08.2018

ZEIT FÜR EINEN BLICK ZURÜCK


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Bevor es weitergeht mit einem weiteren Report aus der Auszeit, ein Blick zurück in den Berliner Taxialltag. Unmittelbar vor meiner Abreise musste ich mitansehen, wie zwei meiner Kollegen in Berlin das Handtuch warfen. Beide erfahrene Taxifahrer, seit vielen Jahren auf den Berliner Straßen und Plätzen unterwegs. Der Eine begibt sich in psychotherapeutische Behandlung, der Andere hat einfach "nur" keinen Bock mehr. Beide gaben an, dass ihnen die Kundschaft immer mehr auf die Nerven gegangen sei. Offensichtlich geht es nicht nur mir so, aber nicht jeder schreibt darüber. Und obgleich mich das Schreiben bisher vor dem Schlimmsten bewahrt hat, sind die Gespräche mit den Kollegen mir eine Warnung. Denn es stimmt wirklich, die Fahrgäste sind anstrengender geworden. Sie wollen was sehen für ihr Geld. Taxifahrer, zumindest die, die ich kenne, sind aber Verweigerer. Deswegen fahren sie Taxi. Sonst könnte sie ja auch in einem blöden Büro, in einer dummen Agentur oder in einer verfickten Fabrik arbeiten wie alle anderen, denen ihre Arbeit keinen Spaß macht, weswegen man streng genommen auch nicht von Gehalt sprechen kann, das sie für ihre Arbeit bekommen, sondern von Schmerzensgeld. Die Schmerzen, die Arbeit verursacht, müssen in letzter Zeit zugenommen haben. Nur so ist die Zunahme der Süchte zu erklären, insbesondere der Ablenkungssucht, aber nicht nur der. Ein guter Taxifahrer muss sich nicht ablenken, genauso wenig wie er Alkohol trinken oder andere Sachen zu sich nehmen muss. Taxifahren ist einer der ganz wenigen Jobs, wo Drogen auf das Härteste sanktioniert werden. Auf Station, auf dem Bau und auch in der Kreativbutze kannst du saufen ohne Ende, musst es meistens auch, um den ganzen Stumpfsinn Tag für Tag ertragen zu können, und nichts passiert. Im Taxi wirst du umgehend aus dem Verkehr gezogen, und das völlig zu Recht. In letzter Zeit ist es nun so, dass du dir als Taxifahrer immer öfter das ganze Gesülze von diesen armen Schweinen insbesondere in Form von Handygesprächen anhören musst. Gut, streng genommen musst du es nicht, aber die meisten Menschen sind davon überzeugt, dass du es müsstest, schließlich bist du Dienstleister. Dabei wäre ihnen viel mehr geholfen, wenn sie ausnahmsweise nicht quatschen sondern einfach mal zuhören würden. Denn du als Taxifahrer könntest ihnen viel erzählen. Aber die Leute heute hören nicht mehr zu, weil sie sich nicht länger als zwei Sekunden auf eine Sache konzentrieren können, geschweige denn, dass sie wissen würden, was sie sich mit einem Taxifahrer unterhalten sollten. Genau genommen gibt es für viele nichts schlimmeres, als sich mit einem Menschen (in ihren Augen Unter-Menschen, weil sozial am Rand) wie einen Taxifahrer unterhalten zu müssen. Deswegen labern sie lieber dummes Zeug in ihr Handy oder gehen einem mit blöden Kommentaren oder dummem Geseiere auf die Eier. Wenn du dann noch einen Fehler machst beim Fahren, dann Gnade dir Gott. Früher hatte Taxifahren noch einen Unterhaltungswert, und zwar für beide, für den Fahrer und für den Fahrgast. Mein Gott, was hatten wir früher für Spaß im Taxi. Das kann sich einer, der nicht dabei gewesen ist, gar nicht mehr vorstellen. Heute geht es dagegen dort weitgehend steril zu. Obwohl es in Berliner Taxen immer noch mehr ins Persönliche gehen soll als in anderen Städten hierzulande, wie mir Fahrgäste immer wieder bestätigen. Manche Kurzstrecke brachte einen weiter als eine ganze Sitzung beim Therapeuten - damals. Das fehlt heute ganz. Als Taxifahrer, der kaum konsumiert, bist du praktisch ein Nichts, eine Persona non grata, in den Augen der meisten Menschen. (Auch deswegen meine Auszeit, in der ich praktisch nicht konsumiere – wovon auch?!) Das Schlimmste ist aber, dass der Spaßfaktor beim Taxifahren komplett abhanden gekommen ist. Genau darum geht es im Leben, um den Spaß, das behaupten doch die Leute immer, oder? (Hauptsache du hast Spaß! – Ist das nicht sogar ein Werbeslogan?) Wenn ich schon kein Geld verdiene mit dem Taxi, dann möchte ich dort wenigstens meinen Spaß haben. Das ist ja wohl das Mindeste! Spaß haben gehört zum Taxifahren wie der Bär zu Berlin. Nur deswegen begnüge ich mich mit der wenigen Kohle, die im Taxi zu machen ist. Kommt der Spaß abhanden, gebe ich auf (wie der eine Kollege), begebe ich mich in Therapie (wie der andere), werde schwul, manch einer muslimisch oder setze "nur" unkontrolliert Kinder in die Welt (soll alles schon vorgekommen sein), oder radikalisiere mich (so wie ich), beispielsweise indem ich mein Taxi zu Handyfreien Zone erkläre (was nur bei ganz wenigen Fahrgästen gut ankommt – warum wohl?) oder eben mit Texten wie diesen, obwohl dieser gar nicht radikal ist sondern einfach nur wahr.


Text TaxiBerlin

16.08.2018

TAXIBERLINS AUSZEIT REPORT (ERSTER TEIL)


Ein großer, wenn nicht gar der größte Nachteil des Taxifahrens ist, dass man selten raus kommt aus seiner Stadt, geschweige denn aus seinem Land. Dabei ist gerade der Blick von außen und aus der Ferne aufschluss- und hilfreich. Auch deswegen verließ ich letzte Woche einmal mehr mein geliebtes Berlin, und zwar, wie es sich für einen richtigen Taxifahrer gehört, auf dem Landweg und nicht per Flugzeug, wobei es auf diese Unterscheidung nicht mehr ankommt. Beides, sowohl die Straßen und Autobahnen als auch der Luftraum sind verstopft von den viel zu Vielen, von denen Kollege Nietzsche seinerzeit meinte, dass es ein Fehler sei, dass ein jedermann lesen lernen darf. Ein noch größerer Fehler scheint mir zu sein, dass heutzutage ein jeder reisen darf, denn manch einer weiß gar nicht mehr, wohin seine Reise geht. Egal ob Mailand oder Madrid – Hauptsache Spanien! ist heute kein Witz mehr sondern bittere Realität. Mein Ziel war weder Mailand in Italien noch das spanische Madrid, sondern Montana in Bulgarien. Das gibt es wirklich, und wer daran zweifelt und des Lesens kundig ist, der kann nicht nur, nein, der sollte das zu seiner eigenen Sicherheit überprüfen. Meine Reise geht derweil schon mal weiter, aber keine Sorge, dank zahlreicher Dauer-Baustellen geht es nur im Schritttempo Richtung Dresden voran. Es gibt sie also nicht nur in Berlin so zahlreich, sondern auch auf unseren Autobahnen außerhalb der Bundeshauptstadt, ganz genauso wie mir das meine Fahrgäste in meinem Taxi immer hinterbracht haben. Offensichtlich ist mit Baustellen, auf denen nicht gearbeitet wird, genauso wie mit Flughäfen, die nicht eröffnen, jede Menge Geld zu verdienen. Alleine der Flughafen BER kostet den braven Bürgern (Nicht den Wutbürgern, denn die würden sich das zu Recht nicht gefallen lassen!) pro Monat, die er geschlossen bleibt, 40 (in Worten: vierzig) Millionen Euro. Gespart wird dafür an Parkmöglichkeiten für LKWs. Diese stehen an den wenigen vorhandenen bereits regelmäßig bis zur Autobahn und darüber hinaus auch an Nothaltebuchten. Auch die Abfahrt nach Prag ist eine einzige Baustelle, in deren Bereich die rechte Fahrspur von den beiden anderen durch einen Mittelstreifen getrennt wird. Praktischerweise erfährt man erst im Baustellenbereich, dass nur der auf der rechten Fahrspur nach Prag abbiegen kann. Ein Stück Balkan Mitten in Sachsen, von Europäischen Patrioten gegen die Balkanisierung des Abendlandes keine Spur. Beim Tschechen dafür jede Menge Fahnen. Die tschechischen Autobahnen sind praktisch vollgepflastert mit Nationalflaggen. Immerhin keine Werbung, obwohl die Tafeln, auf denen die tschechische Fahne klebt, so aussehen, als wären sie genau dafür gedacht gewesen. Das mit den Fahnen würde manch einer wohl eher beim Ungarn vermuten. Doch so weit sind wir noch nicht. Erst einmal brauche ich eine weitere Vignette für die Slowakei, auch wenn die so klein ist, dass ich kaum eingestiegen schon durch bin. Immerhin spare ich den Umweg durch Bayern und Österreich. Gut, die Autobahnen beim Tschechen, beim Slowaken und auch beim Ungarn sind meist nur Zweispurig. Dafür hält sich der Privatverkehr dort in Grenzen. Möglicherweise darf  dortzulande noch nicht jeder reisen. Dafür auch hier jede Menge LKWs, der Rubel mit den Waren, die keine Mensch braucht, muss wenigstens rollen, und auch hier dasselbe Problem mit den nicht vorhandenen Parkplätzen für die Trucks, die regelmäßig die Einfahrten zu den wenigen vorhandenen Parkplätzen blockieren.

Kurzer Einschub LKWs: Manch einer verbindet mit dem Beruf des Truckers immer noch irgendeine Form von Freiheit. Der LKW-Fahrer von heute ist aber aufgrund von Liefer-, Pausen- und anderen Zeiten mindestens so reglementiert wie jeder andere Job, wenn nicht sogar mehr. Freiheit sieht anders aus. Ein Taxifahrer hat bis heute dagegen immer noch wesentlich mehr Freiheiten, obwohl auch bei ihm Dank GPS die Zentrale und auch der Chef jederzeit weiß, wo er sich gerade aufhält.

Ziel meiner ersten Etappe: Das 1.100 (in Worten: eintausendeinhundert) Kilometer von Berlin entfernte Makó im Südosten Ungarns kurz vor der Grenze zu Rumänien. Ich hatte hier schon mal vor genau sieben Jahren Halt gemacht und die kleine Stadt am Eingang zum Balkan alles andere als in guter Erinnerung. Der Ort hat sich gemausert, wie man so schön sagt. Richtig nett ist er geworden, und selbst an dem am ersten Haus am Platze servierten Gulasch hängt heute kein Fell mehr so wie damals. Also wenn das kein Fortschritt ist, dann weiß ich auch nicht. Bevor ich es vergesse: Im September, es ist also noch nicht zu spät, wird in Makó der Zwiebel-König gekrönt. Das liegt daran, dass Makó die Zwiebel-Hauptstadt Ungarns, ach was sage ich, ganz Europas ist. (Wer’s nicht glaubt, sollte dies unbedingt überprüfen!) Party People aller Herren Länder sollten sich dieses weltweit einmalige Event auf keinen Fall entgehen lassen, ganz nach dem Motto: Nicht Mailand und auch nicht Madrid – Nur Makó! Ich selbst kann leider nicht mit von der Partie sein, denn ich stehe mehr auf Knoblauch. (Knoblauch ist Antibiotikum und Desinfektionsmittel in Einem. Wer lesen kann, auch das bitte prüfen!) Und da ich Knoblauch esse, wie andere Brot bzw. Kartoffeln, habe ich ernsthafte Chancen zum diesjährigen Knoblauch-Prinzen gekürt zu werden. Natürlich auf dem Balkan – wo sonst?!

Wird leider fortgesetzt.

Text TaxiBerlin
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13.08.2018

KINDER IM NETZ UND IM TAXI


Holzauge sei wachsam!

Kinder insbesondere wenn sie klein sind, das ist bekannt, bedürfen der besonderen Fürsorge, vor allem seitens ihrer Erzeuger, aber nicht nur. Im Taxi beispielsweise braucht der Taxifahrer für sie eine Babyschale. Ohne Babyschale keine Beförderung! Daran sollte sich jeder Taxifahrer halten. Aber was machen Eltern? Alles fängt damit an, dass Eltern heutzutage der Meinung sind, sie hätten mit dem Kinderkriegen bereits etwas Besonderes geleistet. Dabei hatten sie nur ein bisschen Beischlaf. Ist doch so, oder? Die besondere Leistung liegt aber nicht beim Beischlaf sondern beim Großziehen des daraus entstandenen Nachwuchs, und dabei an erster Stelle um BE-ziehung und nicht ER-ziehung. Diese BE-ziehung ist aber von Anfang in Gefahr, denn Eltern heute beschäftigen sich nicht mit ihren Kindern, sondern ausschließlich damit, der Welt via Internet wissen zu lassen, dass sie etwas Besonderes mittels Beischlaf geleistet hätten. Dass es dabei ausschließlich um sie und nicht um ihr Kind geht, beweist der Umstand, dass sie permanent und ohne es überhaupt fragen zu können, denn dafür ist das Kind noch zu klein, Bilder von ihrem Nachwuchs ins Netz stellen. Von sich selbst veröffentlichen sie meist nur Fotos von hinten oder von der Seite, so dass man die Übeltäter (es sind übrigens dieselben, die sich sonst gerne und hochoffiziell für die Rechte von Minderheiten und Schwachen einsetzen) nicht identifizieren kann, die ihren eigenen Kindern diesen Missbrauch antun. Denn nichts anderes ist das ungefragte Veröffentlichen von Bildern von kleinen Kindern – Kindesmissbrauch! Dabei ist es so einfach, diesen Missbrauch zu verhindern. Dazu bedarf es nur eines obligatorischen Elternführerscheins, so wie jeder Taxifahrer zum Taxifahren einen Personenbeförderungsschein benötigt. Der Elternführerschein ist, so denke ich, heute wichtiger denn je, weil viele Eltern nicht mehr wissen, dass der Beischlaf (incl. seiner Folgen) noch keine besondere Leistung darstellt, vielmehr sollte er der körperlichen und geistigen Gesundheit wegen regelmäßig und mehrmals die Woche ganz normal stattfinden. Genauso wie es für jeden richtigen Taxifahrer ganz normal ist zu wissen, wie er Kinder und insbesondere Kleinkinder zu befördern hat.

Foto&Text TaxiBerlin

08.08.2018

"FÜR MEINEN PRÄSIDENTEN" KOMMT IM SEPTEMBER NACH BERLIN


Jetzt ist es amtlich: "Für meinen Präsidenten" kommt nach Berlin, und zwar im September. Leider wird aus der gemeinsamen Fahrt in meinem Taxi nichts, ich werde ihm auch nichts aus meinem kleinen BauchLaden schenken können. Dafür werde ich ihm entgegen reisen, denn ich habe etwas gegen ihn. Allen Zurückbleibenden wünsche ich viel Spaß mit "Für meinen Präsidenten" im September in Berlin!

Text TaxiBerlin

07.08.2018

KULTURKIOSK OHNE KULTUR


Zehlendorf-Mitte

Was für mich mein kleiner BauchLaden ist, das ist dem Zehlendorfer sein KulturKiosk, genauer: war! Den Kiosk gibt es noch, und zwar direkt neben der TaxiHalte in Zehlendorf-Mitte, das ist Potsdamer Straße Ecke Teltower Damm, aber die Kultur darin ist futsch. Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich mir im Zehlendorfer KulturKiosk ein Buch und eine CD gekauft, gebraucht versteht sich und zum kleinen Preis. Die CD war von Keith Jarrett und nicht wirklich gut. Ich habe sie dem Kollegen Tobias geschenkt, der sie gerne haben wollte, sie dann aber auch nicht gut fand. Das Buch heißt "Unterwegs" und ist von Fritz J. Raddatz. Fritz J. Raddatz ist ein gebürtiger Berliner, der leider bereits verstorben ist. So weit man weiß, hat er sich in der Schweiz "einschläfern" lassen. "Unterwegs" von Fritz J. Raddatz (nicht von Kerouac, das heißt "On The Road"!) sind "Literarische Reiseessays". Ich hatte sie schon mal - jetzt habe ich sie doppelt. Es ist nicht so einfach, jemanden zu finden, der sich für Fritz J. Raddatz begeistert, an den ich "Unterwegs" abtreten könnte. Für den Einstieg würde ich auch eher die "Tagebücher" von Fritz J. Raddatz empfehlen. Die sind echt der Hammer - finde ich zumindest. Man erfährt zum Beispiel, dass Günter Grass seinem alten Freund Fritz J. Raddatz eine eigene Etage auf sein Haus in Portugal setzen wollte. Früher, meine ich. Also vor dem Erscheinen der "Tagebücher" vom Fritz. Danach kannte Grass den Raddatz nicht mehr. Witzig war auch, wie der Fritz in Berlin, wie gesagt seine Geburtsstadt, drei Kids mit seiner LuxusKarre zum Weihnachtsmarkt fährt, die mit ausgestrecktem Daumen an der Straße gestanden hatten. Fritz J. Raddatz war also auch Taxifahrer. Den einen von den Gören fragte er nach seinem Alter. Die Antwort: "Icke? Fünfe!" Einfach herrlich, aber leider nicht mehr im Zehlendorfer KulturKiosk erhältlich, denn der hat ja leider zu. Man könnte deswegen jetzt ins KulturKaufhaus nach Mitte fahren, muss man aber nicht, denn ich habe die "Tagebücher" von Fritz J. Raddatz neuerdings in meinem kleinen BauchLaden. Gerne lese ich auch daraus vor. Was die Kosten angeht, da verhält es sich wie mit der mobilen Lebensberatung, die ich ebenfalls in meinem Taxi anbiete. Der Preis ist flexibel und richtet sich nach der finanziellen Situation des Fahrgasts.

PS: Fritz J. Raddatz hatte, glaubt man seinen "Tagebüchern", in Zehlendorf auch eine heiße Liebesnacht mit Klaus Mann, dem ältesten Sohn von Thomas Mann, falls das jemand interessiert.

Foto&Text TaxiBerlin

06.08.2018

DIE KUNST DES TAXIFAHRENS




Einen guten Galeristen erkennt man an dem Bananen-Graffito neben seiner Galerie - einen guten Taxifahrer an der Banane in seinem Taxi. Ich bekomme öfters Bananen geschenkt. Lange war ich mir nicht sicher, was es damit auf sich hat. Erst dachte ich, das würde mit meinem erlittenen Bananen-Trauma zusammenhängen. Dass das nicht stimmt, habe ich neulich herausgefunden. Seitdem habe ich eine spezielle Bananen-Halterung (Foto) bei mir im Taxi. Da schenkte mir ein Fahrgast mal wieder eine Banane und meinte, weil ich aus dem Taxifahren eine Kunst machen würde. Seitdem versuche ich nun herauszufinden, worin genau die Kunst des Taxifahrens besteht.

PS: Dank Klimaanlage ist die Banane irgendwann auch richtig schön kalt und schmeckt dann umso besser.

Foto&Text TaxiBerlin

05.08.2018

HÄNDEWASCHEN WAR GESTERN


Habe heute feststellen müssen, dass ich am Flughafen Tegel der letzte Verbliebene bin, der sich in dem kleinen Handwaschbecken der Herrentoilette nur für Taxifahrer gleich neben der Pilotenbude noch die Hände wäscht. Alle anderen waschen sich dort ausschließlich ihre Füße. Ich find das jetzt nicht soo schlimm. Mein Problem ist auch eher, dass ich, selbst wenn ich wollte, aufgrund meines Alters die Füße nicht mehr so hoch bekomme, um es den Kollegen gleich zu tun. Beim Beten ist mein Problem umgedreht, da komme ich nicht mehr so weit runter, obwohl auch ich für's Gebet seit einiger Zeit immer einen kleinen fliegenden Teppich bei mir im Taxi habe. Das mit dem Arsch rausstecken klappt dagegen noch noch ganz gut. Auch bei den Weibern komme ich immer noch extrem gut an. Neulich zum Beispiel wollte mir meine Zweitfrau ein Empfehlungsschreiben für die Dritte ausstellen. Obwohl, Moment mal, jetzt wo ich darüber schreibe, bin mir gar nicht mehr so sicher, ob das jetzt gut ist oder doch eher schlecht. Aber was soll's: Leisten könnte ich mir die sowieso nicht.

Text TaxiBerlin

04.08.2018

FUCK UBER


Ein gewesenes Uber-Fahrzeug? - Schwer zu sagen riechen!

Nachdem Ganz Berlin hasst ... aktuell für eine Partei vergeben ist, musste ich auf's simple Fuck Uber zurückgreifen. Dabei bin ich gar kein Fan von dem Wort Fuck - ganz im Gegenteil. Ich hasse es, so wie ich alle Menschen hasse. Ich bin ein sehr guter Hasser, wenn auch eher gemäßigt, so wie manche Rebellen gemäßigt sind. Dabei ist für mich als Autor nichts wichtiger wie ein guter Hasser. Das kann ich auch nur jedem empfehlen, der irgendwelche Schreibambitionen hat, und wenn es nur ein Blog im Internet ist. Nichts ist dafür so wichtig wie ein guter Hasser. Hier gilt ausnahmsweise, dass viel auch viel hilft, wenn sie denn gut sind. Doch zurück zu Uber. Ich erkenne jedes Fahrzeug auf den Berliner Straßen, Plätzen und auch Flughäfen, das für Uber fährt. Um genau zu sein, rieche ich sie förmlich, und dass schon von Weitem. Im Vorbeifahren schaue ich den Fahrern immer nett ins Gesicht und lächle sie an, die Kollegenschweine. Wobei, Kollegenschweine trifft es nicht ganz. Im Prinzip sind es genauso arme Schweine wie wir, nur ärmer. Eigentlich muss man Mitleid mit ihnen haben, deswegen lächle ich auch. Mein Lächeln wurde bisher nie erwidert. Das ist leider auch die Wahrheit. Obwohl, einmal hat einer von denen ganz gemein zurück gelächelt. Möglicherweise ein guter Hasser, dachte ich beim Weiterfahren so bei mir, weil sein Lächeln so gemäßigt aussah. Aber das weiß man immer erst später. Auch in Sachen Uber gilt: Wer zuletzt lächelt, lächelt am Besten.

Foto&Text TaxiBerlin