31.07.2018

VORWÄRTS IN DIE VERGANGENHEIT


Der neueste Trend: Ziegen

Vorwärts in die Vergangenheit, was auf englisch Back to the Future heißt, ist nur ein anderer Begriff für meine bevorstehende Auszeit. Traditionell begebe ich mich in meiner Auszeit in Meinen kleinen Gulag, der neuerdings Gulag-Ressort nennt, dessen CEO ich bin. Früher nannte ich mich Gulag-Manager, aber auch ich muss mit der Zeit gehen. Letztes Jahr waren Bienen angesagt. Viele Zeitgenossen zumindest in Berlin sind auch noch in Imker-Klamotten unterwegs. Dabei sind Bienen, wenn du so willst, schon Schnee von gestern. Dieses Jahr wird definitiv ein Ziegen-Jahr. Ich muss es wissen, denn ich habe mich mal wieder als Trendsetter in Szene gesetzt, und das bereits im letzten Jahr. Da ist auch obiges Foto in Meinem kleinen Gulag entstanden, der heute Gulag-Ressort heißt. Der Ziegen-Trend ist, wie das mit wirklich guten Trends immer ist, by excident, also zufällig entstanden. Eigentlich wollten wir eine Ziege mieten, aber rent a goat ist am Rande Europas leider völlig unbekannt. Mangels Vertrauen wird dort ausschließlich verkauft und nicht vermietet. So kam es, dass wir plötzlich stolze Ziegenbesitzer waren. Für mich war das nichts besonderes, ich nannte auch schon mal einen Esel mein Eigen. Mit dem hatte ich damals den Esel-Trend gesettet - der ein oder andere erinnert sich. Vertraue einem alten Trendschnüffler, dass es mit der Ziege genauso kommt, und halte zur Sicherheit schon mal nach einer Ziege Ausschau. Ziegen werden bald knapp werden.

Foto&Text TaxiBerlin

30.07.2018

ÜBER DIE VERROHUNG DER SPRACHE IM TAXI


Sie: Ich war gerade in Südamerika, in der größten Favela.

Er: Und, wie war's?

Sie: Einfach nur geil!

Dialog eines jungen Paares auf der Fahrt zur nächsten Party.

Text TaxiBerlin

WEIRD


Dass man bei mir im Taxi nicht telefonieren darf, fand sie weird (was so viel wie seltsam oder schäg heißt), wie sie ihrem Partner sagte. Den interessierte das Null. Immerhin mit mir hatte sie Glück. Sie wollte nicht von mir wissen, wie ich die meisten Telefonate finde.

Text TaxiBerlin

29.07.2018

CSD AUCH GESCHAFFT


Nach der Mondfinsternis vorgestern, die nicht zu sehen war, haben wir gestern in Berlin auch noch den CSD gehabt. Du weißt nicht, was der CSD ist? Mach dir nichts draus, das wissen die meisten auch nicht, die daran teilnehmen. Der CSD ist, wenn du so willst, eine Art Love Parade für Arme und Behinderte. Auf jeden Fall für Leute, die einem gewaltig auf die Nerven, den Sack und gerne auch sonstwohin gehen, und das nicht nur im Taxi. Auch auf der Straße, auf dem Radweg und selbst auf dem Bürgersteig nerven sie nur rum. In den Öffentlichen dürfte es kaum anders aussehen, aber da treibe ich mich nicht rum. Ich bin auf der Straße, versuche dort voran zu kommen, was mit jedem CSD schwieriger wird und gestern nahezu unmöglich war. Und als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, sind die Leute auf der Straße und eben auch im Taxi meist immer nur eins - bescheuert.

Text TaxiBerlin

28.07.2018

ICH HASSE MENSCHEN - I HATE PEOPLE


Balkanski-Berlinski (eigentlich!) - Der Menschenhasser

Mehr als zwanzig Jahre im Taxi machen nicht nur radikal, sondern auch ehrlich. Ja, ich gebe es zu: Ich hasse Menschen! Aber welcher Mensch tut das nicht?!? Eine solche Erkenntnis ist natürlich nicht angenehm - auch mir nicht. Möglicherweise liefert der Mensch, meine Person eingeschlossen, aber immer mehr Gründe, ihn nicht zu mögen. Ich halte das durchaus für denkbar, denn Menschen verursachen neuerdings immer mehr Gesprächsmüll, stehen einem immer öfter im Weg rum und sind auch sonst zu immer weniger zu gebrauchen, sieht man mal vom Konsumieren ab. Wie ich darauf gekommen bin, dass ich Menschen hasse? Ganz einfach: Ich habe mich gefragt, warum ich ausgerechnet Taxi fahre und keinen anderen Job mache. Ich könnte ja beispielsweise Bus fahren. Dort gibt es aber schon wieder zu viele Menschen für mich, die man im dümmsten Fall auch nicht so schnell los wird wie im Taxi, wo die Uhr läuft. Im Taxi, das haben langjährige Studien meinerseits ergeben, sitzen einem pro Fahrt im Schnitt 2,21 Menschen im Auto. Die meiste Zeit, 37,89 Minuten pro volle Stunde, ist man mit sich alleine, muss also nur sich selbst aushalten, was sich einfacher anhört, als es ist. Deswegen soll nach Möglichkeit auch alles so bleiben, wie es ist. Ich brauche nicht mehr Fahrgäste und auch nicht mehr Fahrten, das würde mein Krankheitsbild nur noch verschlimmern. Symptome des Menschenhasses, falls der ein oder andere sich jetzt fragt, ob er evtl. auch davon befallen ist, sind Wut und Ärger über seine Mitmenschen, fekale Flüche und geballte Fäuste, die auch gerne mal ausgesprochen bzw. ausgefahren werden, inclusive. Grund für den Menschenhass, du ahnst es sicherlich schon, ist immer der Selbsthass, der uns allen, warum auch immer (das ist noch mal ein anderes Thema), mitgegeben wurde - so auch dir.

Foto&Text TaxiBerlin

27.07.2018

KEINE MONDFINSTERNIS


sondern Sonnenuntergang

Es ist gerade wie verhext in Berlin. Erst die Hitze, die einen nicht klar denken lässt. Dazu die urlaubsbedingt vielen Baustellen. Und dann auch noch Wolken, wenn es am Himmel endlich mal was zu sehen gibt. Dass einige auch noch in die verkehrte Richtung schauten, also Sonne und Mond verwechselten, macht die Sache auch nicht besser.

Foto&Text TaxiBerlin

MONSTER-MONDFINSTERNIS HEUTE oder MANCHES VON 2015 WIEDERHOLT SICH DOCH



Hingewiesen auf die heute bevorstehende Monster-Mondfinsternis hat mich meine liebe Kollegin Ilona. Ilona ist nicht einfach nur eine liebe Kollegin, Ilona ist darüber hinaus die erste Frau im Taxi. Deswegen wird Ilona auch die "Valentina Tereschkowa des Taxis" genannt, nach Valentina Tereschkowa, der ersten Frau im Weltall. Es ist also keine Überraschung, dass sich Ilona nicht nur mit den Straßen und Plätzen, sondern auch mit den Sternen und Planeten auskennt. Ilona hat sich weiter entwickelt (die meisten Taxifahrer nehmen ja nur an Gewicht zu) und aus ihrem Hobby einen Beruf im Sinne von Berufung gemacht. Ilona ist jetzt staatlich anerkannte Astrologin, die auch dich berät. Das ganze nennt sich "Horoscope Reading" und bedeutet, dass Ilona dir deine Sterne deutet. Da die 27 meine Glückszahl ist, war ich heute zum "Horoscope Reading" bei Ilona. Ein solches "Horoscope Reading" kann ich jedem nur ans Herz legen, ich empfehle es auch immer meinen Fahrgästen, die meinen, dass sie für alles offen seien, auch wenn das erfahrungsgemäß oft die geschlossensten sind. Doch zurück zur heutigen Mondfinsternis, die eine von der Art ist, die es nur alle hundert Jahre gibt, insbesondere was ihre Länge angeht. Fast zwei Stunden wird sich der Mond im Schatten der Erde befinden und sich dabei rot verfärben, weswegen man ihn auch Blut-Mond nennt. In diesem Ereignis steckt so viel Energie, so Ilonas Worte, dass es/sie ein ganzes Leben ändern kann. Wer also will (dieser Hinweis ist von mir), dass alles so bleibt in seinem Leben wie es ist, und das sind die meisten, sollte heute zu hause bleiben und trotz Hitze die Vorhänge schließen. Die Aufnahmen in obigem Video sind übrigens von der nicht ganz so gewaltigen Mondfinsternis im Jahre 2015. Wir erinnern uns: Das Jahr, das sich, geht es nach unserer geliebten Führerin, die leider keine Astrologin ist, nicht wiederholen soll, darf, wird?

Video YouTube
Text TaxiBerlin

25.07.2018

"DUPKA DO DUPKA"


Schilder-Kunst

Auf dem Balkan, genauer in Bulgarien, gibt es seit vielen Jahren den Hit "Dupka do Dupka", was so viel heißt wie "Loch bei Loch", womit die Löcher in den Straßen gemeint sind - wo sonst. Auch in Berlin gibt es Löcher in den Straßen, noch mehr gibt es aber Baustellen an diesen Löchern, insbesondere jetzt zur Ferienzeit. Ich will mich jetzt nicht darüber auslassen, dass man an diesen Baustellen nie jemanden arbeiten sieht. Das habe ich in der Vergangenheit ausreichend getan. Diesmal soll es um den mit den Baustellen verbundenen Schilderwald gehen. Denn obwohl auf den Baustellen nie jemand arbeitet, klappte das mit dem Absperren und Schilder aufstellen bisher immer noch ganz gut. Auch da scheint aber die gute alte Zeit, in der nicht alles besser aber vieles anders war, vorbei zu sein. Zumindest verstehe ich so obige Schildersammlung. Aber vielleicht will uns der Schilder-Künstler auch etwas anderes sagen. Beispielsweise, dass selbst der, der bisher den goldenen Mittelweg nahm, nunmehr gezwungen wird, rechts abzubiegen. In dem Zusammenhang sei mir die Frage erlaubt, ob man nicht auch hierzulande Löcher einfach Löcher sein lassen soll, damit man auch in Zukunft einfach weiter geradeaus fahren kann.

Foto&Text TaxiBerlin

24.07.2018

TAXIBERLIN ALS TOURIST


Ansprechpartner: Herr Tourist *

Bevor ich mich gleich in "Meinen Kleinen Gulag" begebe, der jetzt "Gulag-Ressort" heißt (dazu demnächst mehr), habe ich Urlaub gemacht, um erholt den Gulag-Manager spielen zu können. Auch ich bin dazu geflogen, obwohl ich kein Fan vom Fliegen bin, ich das Fliegen maßlos überbewertet finde. Das liegt vor allem daran, dass heute jeder (wirklich jeder!) fliegen kann, ich aber das Fliegen noch aus einer Zeit kenne, wo es exklusiv war, was heißt, dass zum Glück nicht jeder fliegen konnte, und wo es vor allem noch nicht diesen irren Sicherheitswahn gab - ich komme später darauf zurück.

Das war auch der Grund, warum unser Flugzeug (Flug-Zeug - ein schönes Wort) drei Stunden Verspätung hatte. Im Pilotendeutsch heißt das "aufgrund urlaubsbedingt hohem Flugaufkommens im europäischen Luftraum" (deutsche Sprache - schöne Sprache). Fliegt man drei Stunden später los, kommt man drei Stunden später an. Das war schon immer so. Daran hat sich bis heute nichts geändert und wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern - aber wer weiß.

Als eine Stunde nachdem wir das Flughafengebäude betreten hatten und mehr als Stunde nach der Landung sich immer noch nichts auf dem Gepäckband tat, dieses sich noch nicht einmal rührte, wurden die Fluggäste unruhig - insbesondere wir Männer. (Es waren auch Frauen unter den Fluggästen, auch jede Menge Kinder und Kleinkinder.) Ein Gefühl von Aufruhr lag in der Luft, was auch daran lag, dass kein einziger Flughafenmitarbeiter um diese Uhrzeit im Flughafen auffindbar war (die Uhr zeigte bereits eine Stunde nach Mitternacht), den man hätte fragen können.

Plötzlich, völlig aus dem Nichts heraus, kamen wir Männer zusammen (die Frauen kümmerten sich um die Kinder), entriegelten eine Sicherheitstür und stürmten das Flugfeld Richtung Flugzeug, das in Sichtweite stand, und wo wir unser Gepäck vermuteten. Es dauerte nicht lange, da tauchten Mitarbeiter der Sicherheit auf, die uns ins Flughafengebäude zurückdrängen wollten. Da hatten sie aber schlechte Karten. Versuch du mal zu zweit eine Gruppe von hundert erwachsenen Männern irgendwohin zurück zu drängen.

Wie schon gesagt: Wir waren auf der Suche nach unserem Gepäck. Die Landung unseres Fliegers lag bereits mehr als eine Stunde zurück. Wir standen immer noch auf dem Flugfeld und wären wahrscheinlich bereits beim Flugzeug und an unserem Gepäck gewesen, wenn nicht die Sicherheit in Form von zwei Mitarbeitern dazwischen gekommen wäre. Die wussten zwar nichts über den Verbleib unseres Gepäcks, dafür aber die Nummer der Polizei.

Das eintreffende Polizei-Kommando wusste auch nichts von unserem Gepäck, obwohl wir die Sicherheits-Leute, die es gerufen hatte, gebeten hatten, dass die Polizei unser Gepäck doch bitte sehr gleich mitbringen soll. Immerhin versprach man beim Flughafen nachzuhaken, auf dessen Gelände wir uns zwar befanden, von dem aber immer noch jeder Mitarbeiter fehlte. Die Sicherheitstür zum Flugfeld, die wir bei unserer Fluggast-Meuterei gestürmt hatten, blieb nunmehr offen.

Das war schon mal ein gutes Zeichen und darüber hinaus ein Beweis, dass man auch heutzutage mit Meuterei weiter kommt, auch wenn nur zum Rauchen auf das Flugfeld. Was das Meutern angeht, so hatte die ganze Situation etwas von Rebellion, wie man es von '89 kennt. Die Männer gehen auf die Straße, in dem Fall das Flugfeld, und die Frauen sitzen zu hause bei den Kindern, hier am Gepäckband.

Nach eineinhalb Stunden, von unserem Gepäck immer noch keine Spur, tauchte der erste Flughafen-Mitarbeiter auf, der aber auch nichts wusste, weswegen er sich erstmal bei der Sicherheit und der Polizei erkundigen musste, was denn los sei, die aber wie gesagt auch nichts wussten. Mittlerweile wussten wir mehr als Mitarbeiter, Sicherheit und Polizei zusammen, aber mit uns sprach mal wieder keiner, ganz genauso wie '89 und auch jetzt. Die Sicherheit war wichtiger als die Fluggäste, selbst wenn diese Kinder und Kleinkinder dabei hatten.

Zum großen Show-Down kam es, als eine auswärtige Mitreisende, die mit zwei kleinen Kindern unterwegs war, den Flughafen-Mitarbeiter auf englisch fragte: "Is this normal in Germany?" Ja, es stimmt, wir waren nicht in Athen oder Ankara, auch nicht in Budapest oder Bukarest, und ebenfalls nicht im Mailand oder Madrid, sondern auf einem Berliner Flughafen. Auf welchem genau spielt dabei keine Rolle.

Wer sich etwas mit Berliner Flughäfen auskennt, weiß von welchem von den verbliebenen zwei die Rede ist. Ob Tegel oder Schönefeld, das ist an dieser Stelle ganz und gar unwichtig. Wichtiger ist: Das höchste Gut hierzulande ist nicht Gott und auch nicht Geld sondern immer nur die Sicherheit. Ist diese in Gefahr, ist dein Wohlergehen völlig sekundär. Und wenn du dabei drauf gehst, beim Bewahren der Sicherheit - das ist total egal, denn es geht schließlich um Höheres.

* Auf seinem Grabstein wird stehen: Gestorben für die Sicherheit.

Foto&Text TaxiBerlin

23.07.2018

DER ABGANG VON MESUT ÖZIL IN DEN WORTEN VON DENIZ YÜCEL


Es ist ruhig geworden um Deniz Yücel, was möglicherweise daran liegt, dass er ("Ein Deutscher Patriot" - Sigmar Gabriel) nach seiner Freilassung aus dem Gefängnis in seiner zweiten Heimat Türkei mit seinem Latein ein wenig am Ende war. Seine Vorhersage, dass sich besseres als unser aller Schland allemal findet, hat sich für ihn selbst nicht bewahrheitet - ganz im Gegenteil. Nun bringt sich Deniz Yücel in Sachen Mesut Özil wieder ins Gespräch. Er tut dies in gewohnt provokanter Weise und mit seinen eigenen Worten: "Der Abgang von Mesut Özil ist Nationalspielersterben von seiner schönsten Seite."

Text TaxiBerlin

13.07.2018

"5 TOTE IN 5 MONATEN" NACHGEHAKT


In dem Online-Beitrag "5 Tote in 5 Monaten" der Bild-Zeitung vom 18.6.2018 (16:12 Uhr) erklärt etwas weiter unten Thomas Grätz, Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands, auf Nachfrage von Bild: "In Deutschland ist die Situation komplett anders. Uber und Lyft sind in Deutschland verboten." Auf Nachfrage von TaxiBerlin sagte mir Thomas Grätz gestern am Telefon, dass seine Antwort sich auf die Beförderung durch Privatpersonen bezog. Diese ist in der Tat hierzulande verboten. Offensichtlich erlaubt ist die Durchführung einer Taxidienstleistung durch den so genannten Mietwagenservice, besser bekannt als Limousinenservice. Wie praktisch, dass Thomas Grätz auch dort der Geschäftsführer ist.

Noch einmal skurriler wird es weiter unten im selben Artikel der Bild-Zeitung, und zwar als der aktuelle Uber-CEO Dara Khosrowshahi allen Ernstes einen Fond vorschlägt, "um Taxifahrern in Not zu helfen." - Ich vermute beim Graben ihres eigenen Grabs.

Text TaxiBerlin

12.07.2018

"5 TOTE IN 5 MONATEN"


Der Wetterbericht kann stimmen, auch wenn er in der Bild-Zeitung steht. So verhält es sich wohl auch mit "5 Toten in 5 Monaten", im Untertitel "Die Verzweiflung der Taxifahrer in New York City", über die die Bild-Zeitung weiter schreibt: "Fahren Sie manchmal Taxi? Dann wird Ihnen diese Geschichte ans Herz gehen. Fünf Taxifahrer in New York City haben sich dieses Jahr das Leben genommen, weil ihr Job sie fertiggemacht hat." Hier muss ich korrigieren: Es war nicht der Job, der sie fertiggemacht hat, sondern die Konkurrenz aus dem Silicon Valley. Die Bild-Zeitung fährt richtig über die Kollegen aus New York fort: "Ihr Einkommen reichte kaum zum Leben. Sie haben keine Perspektive auf bessere Zeiten. Ein Taxifahrer hinterließ vor seinem Selbstmord eine Facebook-Eintrag über den Druck in seinem Beruf - dabei ging es auch um den Wettbewerb mit Uber. Ein anderer erwähnte in seinem Abschiedsbrief den 'desaströsen' Zustand des Gewerbes." Gemeint ist wie gesagt das Taxigewerbe in New York. Man kann das aber durchaus auf die gesamten Vereinigten Staaten übertragen, wo niemand mehr ein Taxi nimmt oder ruft, sondern ausschließlich ein Uber. Und was heute in Amerika ist, wird bereits morgen in Berlin sein. Da helfen auch keine neuen Schranken am Flughafen Tegel, die angeblich Uber fernhalten sollen, sondern ganz im Gegenteil. Diese Schranken werden das bestehende permanente Verkehrs-Chaos dort nur verstärken, und Schuld daran werden wieder einmal wir Taxifahrer sein. Wir sind schließlich verantwortlich für die Schranken, und deswegen können sie auch weg, also wir Taxifahrer. So, oder so ähnlich, wird es in der Bild-Zeitung stehen, wenn nicht auch in Berlin ein paar tote Taxifahrer (5 sollten es schon sein, unter dem tut es Bild nicht) dazwischen kommen, die man dem hiesigen Leser gut verpackt in etwas Betroffenheits-Prosa verkaufen kann.

Text TaxiBerlin

11.07.2018

KEINE POLITIK, KEINE RELIGION UND AUCH KEINE FOTOGRAFIE!


Fotografie ist Diebstahl

Über Politik und Religion rede ich nicht in meinem Taxi. Das habe ich von einem alten erfahrenen Kollegen gelernt. Manchmal höre ich auf ältere erwachsene Menschen. Das kann ich auch nur jedem von euch empfehlen. Politik und Religion sind, wenn du so willst, in meinem Taxi tabu. Von Fotografie sprach der alte erfahrene Kollege nicht. Vielleicht ist es an der Zeit, dass du zur Abwechslung mal auf mich hörst. Sprich in deinem Taxi auch nie über Fotografie. Insbesondere solltest du es unterlassen, wenn dein Fahrgast Fotograf oder gar Herausgeber von Fotobüchern ist, du aber der Meinung bist, so wie ich, dass Fotografie Diebstahl ist. Dass Fotografie Diebstahl ist, ist übrigens nicht von mir. Es ist, so denke ich, auch nicht von Thomas Bernhard, obwohl er das genauso in "Auslöschung" meinte, sondern von Susan Sontag, die ein ganzes Buch "Über Fotografie" schrieb.

Foto&Text TaxiBerlin

10.07.2018

TAXIBERLIN ALS ZEUGE DER ZEUGEN JEHOVAS


Der Spiegel warnt vor den Zeugen Jehovas. Ja, du hast richtig gehört. Er warnt nicht vor Salafisten, Terroristen und auch nicht vor doofen Touristen, sondern vor den Zeugen Jehovas. Ausgerechnet die Zeugen Jehovas, die keinem Menschen je etwas getan haben, sondern nur immer irgendwo rumstehen, weswegen man schon fast wieder Mitleid mit ihnen haben könnte, dabei einem aber niemals im Weg stehen. Im Weg stehen einem immer nur die Touristen, weswegen sie wohl auch keine Sympathisanten haben wie die Terroristen. Trotzdem warnt der Spiegel ausgerechnet vor den Zeugen Jehovas, weil die sich angeblich nicht an den Datenschutz halten. Ich bin der Zeuge der Zeugen Jehovas. Ich hatte noch nie auch nur einen Hausbesuch von den Zeugen Jehovas. - Und dabei bekomme ich sehr gerne Besuch!

Text TaxiBerlin

09.07.2018

"ICH BIN WIEDER DA!"


Die Fahrt ging vom Ostbahnhof nach Neukölln und die beiden jungen Türkinnen entsprachen von ihrem Äußeren her ziemlich genau dem, was der Otto-Normalverbraucher als Schlampen bezeichnet, inclusive ihrer Wortwahl. Am Kottbusser Tor ging's mal wieder nicht weiter, was nichts Neues war, weil dort immer der Verkehr stockt. Auch dass es nicht weiterging, weil ein dicker Benz vor uns trotz grüner Ampel einfach nicht weiter fuhr, war keine Überraschung. An der nächsten Ampel an der Kottbusser Brücke stand unser Taxi neben dem Benz, und alle drei guckten wir rüber, weil wir natürlich wissen wollten, wer da im Wagen sitzt. Was wir sahen, kommentierten die beiden Türkinnen mit den Worten: "Aha, Ali zeigt seiner Importbraut seinen Kiez." Danach regte frau sich über "Kanaken" und "Kopftuchfrauen" im "Allgemeinen" auf (eine von ihnen war wohl einige Zeit aus Berlin weg gewesen), um danach das Fenster runterzufahren und der Welt laut daraus heraus schreiend wissen zu lassen: "Ich bin wieder da!"

Text TaxiBerlin 

07.07.2018

BAUARBEITER STATT PARTYPEOPLE


Hier werden sie gebraucht: BAB 100

Vorgestern haben in Berlin die Ferien begonnen. Seitdem gibt es diese Baustelle auf der Stadtautobahn Richtung Osten. Höhe Innsbrucker Platz steht nur noch eine Fahrspur zur Verfügung. Weitere Baustellen werden folgen, auf der Stadtautobahn beispielsweise an der Rudolf-Wissell-Brücke, dort sogar beidseitig. Urlaubszeit ist immer auch Baustellenzeit. Das ist nichts Neues. Nicht Neu ist auch, dass dort, genauso wie auf allen anderen Baustellen, nicht gearbeitet wird, insbesondere nicht am Wochenende und schon gar nicht Nachts. Und das verstehe ich nicht. Früher wurde auch in Berlin Nachts auf Straßenbaustellen gearbeitet, beispielsweise vor vielen Jahren an der Prenzlauer Promenade. Hinzu kommt, dass auch ich und viele andere Menschen in unserer Stadt regelmäßig Nachts arbeiten. Nicht zu vergessen, die ganzen Party People, die ausschließlich Nachts und am Wochenende arbeiten. Obwohl, ich bin mir gar nicht sicher, ob das Arbeit ist, dieses ewige Party machen.

Foto&Text TaxiBerlin

06.07.2018

DER ANTIMOSLEM



Vorsicht, Karikaturen!

Da ich mangels Kundschaft mit jedem Tag mehr freie Zeit habe im Taxi, komme ich immer öfter zum Lesen, Schreiben und auch zum Denken. Insbesondere das Denken wird weitgehend unterschätzt. Ist es unter diesen Umständen wirklich eine so gute Idee, das Denken immer mehr von Menschen geschaffene künstlichen Intelligenzen zu überlassen? Machen wir uns nichts vor: Künstliche Intelligenz kann niemals klüger sein als der Mensch, der sie geschaffen hat. Deshalb hätte der Mensch schon viel früher künstliche Intelligenzen schaffen sollen, und zwar als er noch klug war. Jetzt ist es definitiv zu spät.

Dies ist keine Vorrede, sondern der Grund, warum ich mich etwas schwer tue mit dem eigentlichen Thema. Meiner Erfahrung nach sind immer mehr Menschen heutzutage kaum noch in der Lage, einfache Sachverhalte zu erfassen, alleine weil ihnen die Fähigkeit fehlt, sich länger als ein, zwei Minuten auf ein Thema zu konzentrieren. Vom Verständnis komplexer Zusammenhänge ganz zu schweigen. Und doch wage ich mich genau an einen solchen komplexen Zusammenhang heran. Dazu muss man wissen, dass ich das aber für mich tue, denn wer den Leser kennt, tut bekanntlich nichts mehr für den Leser.

Das meinte zumindest Kollege Nietzsche in seinem "Zarathustra". Den Zarathustra gab es wirklich, er lebte einige Jahre vor Christus und war seinerseits auch ein Religionsstifter. Der "Antichrist" ist ebenfalls keine Erfindung von Freund Nietzsche, er kommt immerhin schon im Neuen Testament vor, sozusagen als Gegenspieler von Jesus Christus. Auch den "Antimachiavell" gibt es wirklich, Friedrich der Große hat ihn verfasst und Voltaire hat ihn herausgegeben. "Der Antimachiavell" ist der "Versuch einer Kritik" an Machiavellis "Der Fürst". Sucht man nun aber nach einem "Antimoslem", so sucht man vergeblich. Das Internet, und nicht nur das, kennt keinen "Antimoslem". Es kennt, warum auch immer, nur "Islamfeindlichkeit" und "Islamophobie".

Was wohl eine künstliche Intelligenz dazu sagen würde, dass es zwar den "Antichrist" und auch den "Antimachiavell" gibt, aber keinen "Antimoslem", und warum man, wenn man den "Antimoslem" sucht, sogleich bei "Islamfeindlichkeit" und "Islamophobie" landet. Und auch dazu, warum keiner auf die Idee kommt, den "Antichristen" als "Christenfeindlich" und "Christophob" zu bezeichnen, oder den "Antimachiavell" als "Machiavellifeindlich" und "Machiavellophob"?

Was dem Christen das Christentum und dem Juden sein Judentum ist dem Moslem sein Islam, die "Unterwerfung unter Gott". Dazu muss man wissen, dass es DEN Islam nicht gibt. Nur, wenn es DEN Islam nicht gibt, wie kann man dann sicher sein, dass DER Islam zu diesem oder jenem Land gehört oder eben nicht? Was man mit Sicherheit weiß, ist, dass im Islam zwischen Gläubigen und Ungläubigen unterschieden wird. Christen und Juden gehören im Islam auch zu den Ungläubigen (oder genauer "Leugnern"), sind aber gleichzeitig auch so genannte "Schutzbefohlene", die eine "Kopfsteuer" zu zahlen haben. Alle anderen sind einfach nur Ungläubige ("Kuffär" genannt), also im Prinzip das, was früher die Untermenschen waren.

Das hört sich jetzt alles nicht wirklich toll an, aber was hat das nun mit dir zu tun, fragst du dich nicht ganz zu Unrecht. Im Prinzip Nichts. Du kannst auch weiterhin deinen "Life of Brian" gucken, Monty Pythons geniale Persiflage auf das Leben von Jesus Christus. Was du nicht machen solltest, ist, auf die Idee kommen, einen solchen Film über Mohamed zu drehen. Das könnte nicht nur, nein das wird ins Auge gehen, das garantiere ich dir. Da versteht der Moslem keinen Spaß, sondern wird seine "Umma" anrufen, die Gemeinschaft aller Moslems. Vielleicht kommst du mit ein paar Peitschenhieben davon, im dümmsten Fall droht Steinigung - man kennt das aus Filmen.

Als Frau wirst du dich über kurz oder lang an das Kopftuch gewöhnen müssen. Auch wenn dir das heute noch unvorstellbar erscheint, so sind Kopftücher doch auch nur modische Accessoires, ganz so wie Zwangsjacken, Maulkörbe und Handschellen. Übrigens: Für deinen Mann darfst du auch weiterhin deine erotische Unterwäsche tragen. Unter Umständen darfst du das nicht nicht nur, sondern musst es sogar. Aber du wirst ja sehen. Lass dich einfach mal überraschen.

Für viele ist nicht das Verbot von Schweinefleisch das schlimmste, sondern die erwähnte Humorlosigkeit. Wir wollen aber bei aller berechtigter Kritik die positiven Seiten des Islam nicht verschweigen, allen voran die Vielweiberei. Bis zu vier Frauen darf ein Moslem haben. Mohamed hatte mehr, was auch daran lag, dass er es sich leisten konnte. Mann muss es sich aber nicht nur leisten können, sondern Mann soll alle seine Frauen darüber hinaus auch gleich behandeln - vielleicht das allerschwerste an dieser Religion.

Ach so, bevor ich es vergesse, ganz wichtig: Auch Karikaturen vom Propheten kommen, wie manch ein Karikaturist leidvoll am eigenen Leib und auch Leben erfahren musste, nicht gut an beim Moslem.

Du fragst dich, wie du mich nennen sollst, und dir fällt nichts besseres als Rassist ein? Aber ist Religion denn eine Rasse? Du überlegst jetzt Nazi oder Faschist, weil Rechter zu harmlos klingt, aber alle Rechten bei dir mittlerweile Faschisten und Nazis sind.

Ich will dir sagen, wie du mich nennen kannst. Nenn mich doch Der Antimoslem! Wobei, wenn ich's mir Recht überlege, stimmt das gar nicht. Denn alle Ideologien und Religionen neigen zur Orthodoxie und zum Dogma, und damit verbunden ist immer eine Humorlosigkeit. Vielleicht das schlimmste überhaupt, wenn man nicht mehr über sich selbst lachen kann. Deswegen sag besser Der Antidogmatiker zu mir, oder einfach nur Der Antidog, die Kurzform vom Antidogmatiker.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

05.07.2018

IM TAXI MIT TUVIA



Selbstfahrer Tuvia

Nein, Tuvia saß mir nicht im Taxi. Tuvia fährt selber, und zwar einen Opel. Ich hatte nur die Zeit und das Vergnügen (es war ein eher zweifelhaftes, obwohl ich mir vieles bereits genauso gedacht hatte, wie Tuvia es nun beschrieben hat), sein letztes Buch zu lesen. Es heißt "Allein unter Flüchtlingen" (Tuvia mag so provokante Titel) und ist ein Roadmovie durch unser schönes Schland. Tuvia ist ein jüdischer Journalist aus den USA (eigentlich aus Israel), der auch arabisch spricht (ein wenig deutsch versteht er auch.) Was mir an dem Buch am besten gefällt, ist, dass Tuvia genau dorthin geht, wo sich sonst niemand traut hinzugehen (oder warst du schon mal in einer Flüchtlingsunterkunft?) und vor allem mit Menschen spricht, mit denen sonst niemand spricht, und zwar aus Prinzip. Besonders Leute, die immer wieder betonen müssen, wie offen sie sind, sind in der Regel die geschlossensten, aus besagtem Prinzip. Tuvia hat keine Berührungsängste, und ich habe sie in meinem Taxi auch nicht. Bei mir im Taxi darf jeder alles sagen, und so hält es auch Tuvia als Journalist. Zugegeben, man muss die Menschen lieben, aber bist nicht auch du einer, der Menschen mag, oder willst es zumindest sein. Dieses Interview mit Tuvia kann dir dabei behilflich, und natürlich auch Tuvias Buch "Allein unter Flüchtlingen". Ich möchte nicht zu viel über das Buch zu verraten, sondern nur einen Absatz aus Tuvias Buch zitieren, wobei ich dazu sagen muss, dass auch ich nicht weiß, wie sehr König Ludwig II. Tuvia am Herzen liegt:

Wegen der Flüchtlinge bekämpfen sich die Deutschen untereinander, doch offen gestanden kann ich keinen Unterschied zwischen den rechten und den linken Deutschen erkennen, zwischen denen, die gegen Flüchtlinge demonstrieren, und denen, die die größten "Flüchtlinge willkommen!"-Plakate in die höchsten Bäume hängen. Beiden liegen die Flüchtlinge ungefähr so sehr am Herzen wie mir König Ludwig II.

Video YouTube
Text TaxiBerlin

04.07.2018

NEYMAR SCHTIRBT



So schön kann sterben sein

Die Fussball-WM geht mir so was von am Arsch vorbei, das kannst du dir nicht vorstellen. Obwohl, manch ein Spiel höre ich mir in meinem Taxi im Radio an. Aber nicht wegen dem Spiel oder gar wegen den Spielern, sondern wegen den Moderatoren. Die sind echt toll und rhetorisch eine Klasse für sich. Wie sie neulich im Spiel gegen Mexico über Neymars Schwalbe und den von Neymar danach aufgeführten sterbenden Schwan berichteten, das hat mich dann wirklich neugierig gemacht, so dass ich es im Internet "nach gesehen" habe. Gestern habe ich den sterbenden Schwan nachgemacht, direkt neben meinem Taxi, und ich kann dir sagen, das hilft. Danach fühlte ich mich gleich viel besser. Nur die Fahrgäste, die in dem Moment bei mir einsteigen wollten, als ich den kleinen "Tanz" von Neymar auf dem Bürgersteig neben dem Taxi aufführte, machten einen großen Bogen um mich, gingen zum Kollegen. Man kann im Leben nicht alles haben, vor allem nicht gleichzeitig. Geld oder Spaß, du musst dich entscheiden!

Video YouTube
Text TaxiBerlin

03.07.2018

"FIKTION DER NICHTEINREISE"


Als jemand, der FAKTISCH NOCH DA ist, muss auch ich mich mit Wortungetümen wie "Fiktion der Nichteinreise" herumschlagen. Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung, was das sein soll, diese "Fiktion der Nichteinreise". Ich hatte so was neulich schon mal, und zwar mit dem "Algorithmus". Natürlich weiß ich, was ein Algorithmus ist, genauso wie ich weiß, was eine Fiktion ist (steckt ja schließlich in dieser Domain Autofiktion - meiner Seite im Netz drin), und auch was eine Nichteinreise ist. Es ist der neue, ich möchte schon fast sagen einzigartige Kontext, der mir zu schaffen macht. Aktuell wie gesagt bei "Fiktion der Nichteinreise" und zuvor bei "Algorithmus". Was ist das für ein "Algorithmus" und wer legt fest, dass mir beispielsweise diese Internetseiten angezeigt werden und dir jene, also ganz andere. Kennst du diesen "Algorithmus"? Dann weißt du bestimmt auch, was die "Fiktion der Nichteinreise" ist, oder? Was ich weiß, ist, dass George Orwell, Autor von "1984" und Erfinder des Neusprech, seine helle Freude an diesen Wortschöpfungen und vor allen an den Ideen (oder besser: den Nicht-Ideen!) dahinter hätte.

Text TaxiBerlin

DIE LINKE IST TOT


Karl-Liebknecht-Haus, Kleine Alexanderstraße 28
früher Mitte, heute Neue Mitte

Che Guevara ist am 14. Juni 1928 geboren, das schreibt zumindest DIE LINKE, wobei man dazu sagen muss, dass es auch Quellen gibt, die behaupten, dass Ernesto Rafael Guevara de la Serna, wie Che Guevara eigentlich heißt, bereits am 14. Mai geboren wurde. Das Zitat ist auf jeden Fall richtig. Das Foto ist übrigens von Alberto Korda. Es wurde 1960 aufgenommen und ist mittlerweile zu einem Verkaufsschlager verkommen. Dass DIE LINKE ausgerechnet auf diese Ikone der linken Speichellecker des Kapitals zurückgreift, zeigt, so denke ich, vor allem eines, und zwar die absolute Hilflosigkeit der Linken, nicht nur hierzulande. "Der Autor der totalen Schlaffheit", wie sich der Franzose Michel Houellebecq selbst nennt, hat es in einem Interview mit dem SPIEGEL kürzlich so formuliert: "Die Linke liegt jedenfalls im Sterben, ihre Ideen sind tot." Tot ist auch Ernesto Rafael Guevara de la Serna, besser bekannt als Che Guevara * 14. Juni 1928. Der aus Argentinien stammende Arzt, Autor, Revolutionär und Kampfgefährte des kürzlich verstorbenen Kubaners Fidel Castro wurde am † 7. Oktober 1967 im bolivianischen Urwald exekutiert.

Foto&Text TaxiBerlin

02.07.2018

SCHLAND UNTER


In Hakenfelde

Hakenfelde, Haselhorst, Heiligensee ... trotz der vielen Jahre, die ich nun auf den Berliner Straßen und Plätzen unterwegs bin, habe ich oft meine Schwierigkeiten, diese Ortsteile auseinanderzuhalten. Dabei ist das gar nicht soo schwer. Hakenfelde, Haselhorst und Heiligensee sind alle sehr am Rand. Heiligensee gehört dabei zu Reinickendorf, und Hakenfelde und Haselhorst zu Spandau. Die Fahrt startete an der neuen "Upper West Side", eine "Schöne Neue Welt" mitten in Berlin im Schatten der Gedächtniskirche, und ging nach Hakenfelde. Um nach Hakenfelde zu gelangen, muss man durch Haselhorst, beides wie gesagt in Spandau. Man kann dabei über Daumstraße oder über die sogenannte Biberstraße fahren, um durch Haselhorst zu kommen. Meine Fahrgäste bestanden auf die Biberstraße, die deswegen Biberstraße heißt, weil sie ab 22 Uhr gesperrt ist (vorher darf man nur 30 fahren), danach ausschließlich den ansässigen Bibern gehört. Da sie noch geöffnet war, kamen wir auch an der Fahne auf Halbmast vorbei. Sonst hätten wir gar nicht mitbekommen, dass irgendwas im Argen liegt in unserem schönen Schland, und das bereits am Freitag.

Foto&Text TaxiBerlin

01.07.2018

"GLEICH NACH DEM SCHLAFE ..."


Gleich nach dem Schlafe, den sie meistens in den Tag hinein ausdehnen, baden sie: öfter in warmem Wasser, da ja bei ihnen die meiste Zeit der Winter in Anspruch nimmt. Nach dem Bade nehmen sie Speise zu sich: jeder hat seinen gesonderten Sitz, jeder seinen eigenen Tisch. Dann schreiten sie an die Geschäfte ... ("Germania", Tacitus) Und so auch ich, nachdem die Nacht kurz war für mich, aber das war sie wohl für viele. Vor dem Taxigeschäft kommt heute das Buchgeschäft, auch ein Bestandteil meiner Buchsucht-Therapie. Ich hatte bereits mehrfach über sie geschrieben. Du kannst dabei sein bei meiner Genesung und diese sogar unterstützen, indem du Bücher von mir kaufst. Du findest mich ab 10 Uhr auf dem Flohmarkt Boxhagener Platz, um genau zu sein an der Krossener Straße. Vorausgesetzt du kommst rechtzeitig aus dem Bade, du alter Warmduscher.

Text TaxiBerlin

GESTERN WAR ES SO WEIT


Gestern war es so weit, genau genommen schon vorgestern, da war der erste fliegende Händler auf dem großen Parkplatz nur für Taxis und ihre Fahrer am Flughafen Tegel unterwegs. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, war es gar nicht der erste fliegende Händler. Fliegende Händler, die Geldbörsen und Stadtpläne für Taxifahrer anbieten, gab es schon immer, nur dass sich das mit den Stadtplänen jetzt erledigt hat, weil alle, bis auf wenige Ausnahmen, nur noch mit Navi fahren. Der fliegende Händler vom Freitag hatte auch keine Stadtpläne im Angebot, sondern fliegende Teppiche, verschiedene Rosenwässerchen und Gebetsketten. Die fliegende Teppiche, von denen manche in einem schönen Hellblau gehalten waren, sind zum Beten, ebenso die Ketten, deren Namen mir gerade nicht einfallen will (bei den Katholiken heißen sie Rosenkranz), und einige von den Rosenwässerchen waren ganz und gar heilig, wenn ich den fliegenden Händler richtig verstanden habe. Ich habe nämlich die Wartezeit für eine ausgiebige Beratung genutzt, die ich auch nur jedem empfehlen kann, bevor er mit seinem Großeinkauf startet. Auf dem großen Parkplatz am Flughafen Tegel geht das mit der Beratung sehr gut, weil nicht nur der fliegende Händler Auskunft geben kann, sondern fast jeder Taxifahrer. Den Koran hatte der fliegende Händler übrigens nicht im Angebot, aber ich als nunmehr offiziell anerkannter erster Büchersüchtiger (ganz genau: "Patient Nummer Null" !) habe den natürlich zu hause und, jetzt wo ich darüber schreibe, später auch in meinem Flohmarkt-Angebot. Moment, ich bin mir gerade nicht sicher, ob man den Koran überhaupt verkaufen darf. Da ich ihn selber aber auch nur geschenkt bekommen habe, und das wiederum mehrfach, gebe ich ihn aber an wirklich Interessierte auch gerne umsonst ab.

Text TaxiBerlin