13.07.2018

"5 TOTE IN 5 MONATEN" NACHGEHAKT


In dem Online-Beitrag "5 Tote in 5 Monaten" der Bild-Zeitung vom 18.6.2018 (16:12 Uhr) erklärt etwas weiter unten Thomas Grätz, Geschäftsführer des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands, auf Nachfrage von Bild: "In Deutschland ist die Situation komplett anders. Uber und Lyft sind in Deutschland verboten." Auf Nachfrage von TaxiBerlin sagte mir Thomas Grätz gestern am Telefon, dass seine Antwort sich auf die Beförderung durch Privatpersonen bezog. Diese ist in der Tat hierzulande verboten. Offensichtlich erlaubt ist die Durchführung einer Taxidienstleistung durch den so genannten Mietwagenservice, besser bekannt als Limousinenservice. Wie praktisch, dass Thomas Grätz auch dort der Geschäftsführer ist.

Noch einmal skurriler wird es weiter unten im selben Artikel der Bild-Zeitung, und zwar als der aktuelle Uber-CEO Dara Khosrowshahi allen Ernstes einen Fond vorschlägt, "um Taxifahrern in Not zu helfen." - Ich vermute beim Graben ihres eigenen Grabs.

Text TaxiBerlin

12.07.2018

"5 TOTE IN 5 MONATEN"


Der Wetterbericht kann stimmen, auch wenn er in der Bild-Zeitung steht. So verhält es sich wohl auch mit "5 Toten in 5 Monaten", im Untertitel "Die Verzweiflung der Taxifahrer in New York City", über die die Bild-Zeitung weiter schreibt: "Fahren Sie manchmal Taxi? Dann wird Ihnen diese Geschichte ans Herz gehen. Fünf Taxifahrer in New York City haben sich dieses Jahr das Leben genommen, weil ihr Job sie fertiggemacht hat." Hier muss ich korrigieren: Es war nicht der Job, der sie fertiggemacht hat, sondern die Konkurrenz aus dem Silicon Valley. Die Bild-Zeitung fährt richtig über die Kollegen aus New York fort: "Ihr Einkommen reichte kaum zum Leben. Sie haben keine Perspektive auf bessere Zeiten. Ein Taxifahrer hinterließ vor seinem Selbstmord eine Facebook-Eintrag über den Druck in seinem Beruf - dabei ging es auch um den Wettbewerb mit Uber. Ein anderer erwähnte in seinem Abschiedsbrief den 'desaströsen' Zustand des Gewerbes." Gemeint ist wie gesagt das Taxigewerbe in New York. Man kann das aber durchaus auf die gesamten Vereinigten Staaten übertragen, wo niemand mehr ein Taxi nimmt oder ruft, sondern ausschließlich ein Uber. Und was heute in Amerika ist, wird bereits morgen in Berlin sein. Da helfen auch keine neuen Schranken am Flughafen Tegel, die angeblich Uber fernhalten sollen, sondern ganz im Gegenteil. Diese Schranken werden das bestehende permanente Verkehrs-Chaos dort nur verstärken, und Schuld daran werden wieder einmal wir Taxifahrer sein. Wir sind schließlich verantwortlich für die Schranken, und deswegen können sie auch weg, also wir Taxifahrer. So, oder so ähnlich, wird es in der Bild-Zeitung stehen, wenn nicht auch in Berlin ein paar tote Taxifahrer (5 sollten es schon sein, unter dem tut es Bild nicht) dazwischen kommen, die man dem hiesigen Leser gut verpackt in etwas Betroffenheits-Prosa verkaufen kann.

Text TaxiBerlin

11.07.2018

KEINE POLITIK, KEINE RELIGION UND AUCH KEINE FOTOGRAFIE!


Fotografie ist Diebstahl

Über Politik und Religion rede ich nicht in meinem Taxi. Das habe ich von einem alten erfahrenen Kollegen gelernt. Manchmal höre ich auf ältere erwachsene Menschen. Das kann ich auch nur jedem von euch empfehlen. Politik und Religion sind, wenn du so willst, in meinem Taxi tabu. Von Fotografie sprach der alte erfahrene Kollege nicht. Vielleicht ist es an der Zeit, dass du zur Abwechslung mal auf mich hörst. Sprich in deinem Taxi auch nie über Fotografie. Insbesondere solltest du es unterlassen, wenn dein Fahrgast Fotograf oder gar Herausgeber von Fotobüchern ist, du aber der Meinung bist, so wie ich, dass Fotografie Diebstahl ist. Dass Fotografie Diebstahl ist, ist übrigens nicht von mir. Es ist, so denke ich, auch nicht von Thomas Bernhard, obwohl er das genauso in "Auslöschung" meinte, sondern von Susan Sontag, die ein ganzes Buch "Über Fotografie" schrieb.

Foto&Text TaxiBerlin

10.07.2018

TAXIBERLIN ALS ZEUGE DER ZEUGEN JEHOVAS


Der Spiegel warnt vor den Zeugen Jehovas. Ja, du hast richtig gehört. Er warnt nicht vor Salafisten, Terroristen und auch nicht vor doofen Touristen, sondern vor den Zeugen Jehovas. Ausgerechnet die Zeugen Jehovas, die keinem Menschen je etwas getan haben, sondern nur immer irgendwo rumstehen, weswegen man schon fast wieder Mitleid mit ihnen haben könnte, dabei einem aber niemals im Weg stehen. Im Weg stehen einem immer nur die Touristen, weswegen sie wohl auch keine Sympathisanten haben wie die Terroristen. Trotzdem warnt der Spiegel ausgerechnet vor den Zeugen Jehovas, weil die sich angeblich nicht an den Datenschutz halten. Ich bin der Zeuge der Zeugen Jehovas. Ich hatte noch nie auch nur einen Hausbesuch von den Zeugen Jehovas. - Und dabei bekomme ich sehr gerne Besuch!

Text TaxiBerlin

09.07.2018

"ICH BIN WIEDER DA!"


Die Fahrt ging vom Ostbahnhof nach Neukölln und die beiden jungen Türkinnen entsprachen von ihrem Äußeren her ziemlich genau dem, was der Otto-Normalverbraucher als Schlampen bezeichnet, inclusive ihrer Wortwahl. Am Kottbusser Tor ging's mal wieder nicht weiter, was nichts Neues war, weil dort immer der Verkehr stockt. Auch dass es nicht weiterging, weil ein dicker Benz vor uns trotz grüner Ampel einfach nicht weiter fuhr, war keine Überraschung. An der nächsten Ampel an der Kottbusser Brücke stand unser Taxi neben dem Benz, und alle drei guckten wir rüber, weil wir natürlich wissen wollten, wer da im Wagen sitzt. Was wir sahen, kommentierten die beiden Türkinnen mit den Worten: "Aha, Ali zeigt seiner Importbraut seinen Kiez." Danach regte frau sich über "Kanaken" und "Kopftuchfrauen" im "Allgemeinen" auf (eine von ihnen war wohl einige Zeit aus Berlin weg gewesen), um danach das Fenster runterzufahren und der Welt laut daraus heraus schreiend wissen zu lassen: "Ich bin wieder da!"

Text TaxiBerlin 

07.07.2018

BAUARBEITER STATT PARTYPEOPLE


Hier werden sie gebraucht: BAB 100

Vorgestern haben in Berlin die Ferien begonnen. Seitdem gibt es diese Baustelle auf der Stadtautobahn Richtung Osten. Höhe Innsbrucker Platz steht nur noch eine Fahrspur zur Verfügung. Weitere Baustellen werden folgen, auf der Stadtautobahn beispielsweise an der Rudolf-Wissell-Brücke, dort sogar beidseitig. Urlaubszeit ist immer auch Baustellenzeit. Das ist nichts Neues. Nicht Neu ist auch, dass dort, genauso wie auf allen anderen Baustellen, nicht gearbeitet wird, insbesondere nicht am Wochenende und schon gar nicht Nachts. Und das verstehe ich nicht. Früher wurde auch in Berlin Nachts auf Straßenbaustellen gearbeitet, beispielsweise vor vielen Jahren an der Prenzlauer Promenade. Hinzu kommt, dass auch ich und viele andere Menschen in unserer Stadt regelmäßig Nachts arbeiten. Nicht zu vergessen, die ganzen Party People, die ausschließlich Nachts und am Wochenende arbeiten. Obwohl, ich bin mir gar nicht sicher, ob das Arbeit ist, dieses ewige Party machen.

Foto&Text TaxiBerlin

06.07.2018

DER ANTIMOSLEM



Vorsicht, Karikaturen!

Da ich mangels Kundschaft mit jedem Tag mehr freie Zeit habe im Taxi, komme ich immer öfter zum Lesen, Schreiben und auch zum Denken. Insbesondere das Denken wird weitgehend unterschätzt. Ist es unter diesen Umständen wirklich eine so gute Idee, das Denken immer mehr von Menschen geschaffene künstlichen Intelligenzen zu überlassen? Machen wir uns nichts vor: Künstliche Intelligenz kann niemals klüger sein als der Mensch, der sie geschaffen hat. Deshalb hätte der Mensch schon viel früher künstliche Intelligenzen schaffen sollen, und zwar als er noch klug war. Jetzt ist es definitiv zu spät.

Dies ist keine Vorrede, sondern der Grund, warum ich mich etwas schwer tue mit dem eigentlichen Thema. Meiner Erfahrung nach sind immer mehr Menschen heutzutage kaum noch in der Lage, einfache Sachverhalte zu erfassen, alleine weil ihnen die Fähigkeit fehlt, sich länger als ein, zwei Minuten auf ein Thema zu konzentrieren. Vom Verständnis komplexer Zusammenhänge ganz zu schweigen. Und doch wage ich mich genau an einen solchen komplexen Zusammenhang heran. Dazu muss man wissen, dass ich das aber für mich tue, denn wer den Leser kennt, tut bekanntlich nichts mehr für den Leser.

Das meinte zumindest Kollege Nietzsche in seinem "Zarathustra". Den Zarathustra gab es wirklich, er lebte einige Jahre vor Christus und war seinerseits auch ein Religionsstifter. Der "Antichrist" ist ebenfalls keine Erfindung von Freund Nietzsche, er kommt immerhin schon im Neuen Testament vor, sozusagen als Gegenspieler von Jesus Christus. Auch den "Antimachiavell" gibt es wirklich, Friedrich der Große hat ihn verfasst und Voltaire hat ihn herausgegeben. "Der Antimachiavell" ist der "Versuch einer Kritik" an Machiavellis "Der Fürst". Sucht man nun aber nach einem "Antimoslem", so sucht man vergeblich. Das Internet, und nicht nur das, kennt keinen "Antimoslem". Es kennt, warum auch immer, nur "Islamfeindlichkeit" und "Islamophobie".

Was wohl eine künstliche Intelligenz dazu sagen würde, dass es zwar den "Antichrist" und auch den "Antimachiavell" gibt, aber keinen "Antimoslem", und warum man, wenn man den "Antimoslem" sucht, sogleich bei "Islamfeindlichkeit" und "Islamophobie" landet. Und auch dazu, warum keiner auf die Idee kommt, den "Antichristen" als "Christenfeindlich" und "Christophob" zu bezeichnen, oder den "Antimachiavell" als "Machiavellifeindlich" und "Machiavellophob"?

Was dem Christen das Christentum und dem Juden sein Judentum ist dem Moslem sein Islam, die "Unterwerfung unter Gott". Dazu muss man wissen, dass es DEN Islam nicht gibt. Nur, wenn es DEN Islam nicht gibt, wie kann man dann sicher sein, dass DER Islam zu diesem oder jenem Land gehört oder eben nicht? Was man mit Sicherheit weiß, ist, dass im Islam zwischen Gläubigen und Ungläubigen unterschieden wird. Christen und Juden gehören im Islam auch zu den Ungläubigen (oder genauer "Leugnern"), sind aber gleichzeitig auch so genannte "Schutzbefohlene", die eine "Kopfsteuer" zu zahlen haben. Alle anderen sind einfach nur Ungläubige ("Kuffär" genannt), also im Prinzip das, was früher die Untermenschen waren.

Das hört sich jetzt alles nicht wirklich toll an, aber was hat das nun mit dir zu tun, fragst du dich nicht ganz zu Unrecht. Im Prinzip Nichts. Du kannst auch weiterhin deinen "Life of Brian" gucken, Monty Pythons geniale Persiflage auf das Leben von Jesus Christus. Was du nicht machen solltest, ist, auf die Idee kommen, einen solchen Film über Mohamed zu drehen. Das könnte nicht nur, nein das wird ins Auge gehen, das garantiere ich dir. Da versteht der Moslem keinen Spaß, sondern wird seine "Umma" anrufen, die Gemeinschaft aller Moslems. Vielleicht kommst du mit ein paar Peitschenhieben davon, im dümmsten Fall droht Steinigung - man kennt das aus Filmen.

Als Frau wirst du dich über kurz oder lang an das Kopftuch gewöhnen müssen. Auch wenn dir das heute noch unvorstellbar erscheint, so sind Kopftücher doch auch nur modische Accessoires, ganz so wie Zwangsjacken, Maulkörbe und Handschellen. Übrigens: Für deinen Mann darfst du auch weiterhin deine erotische Unterwäsche tragen. Unter Umständen darfst du das nicht nicht nur, sondern musst es sogar. Aber du wirst ja sehen. Lass dich einfach mal überraschen.

Für viele ist nicht das Verbot von Schweinefleisch das schlimmste, sondern die erwähnte Humorlosigkeit. Wir wollen aber bei aller berechtigter Kritik die positiven Seiten des Islam nicht verschweigen, allen voran die Vielweiberei. Bis zu vier Frauen darf ein Moslem haben. Mohamed hatte mehr, was auch daran lag, dass er es sich leisten konnte. Mann muss es sich aber nicht nur leisten können, sondern Mann soll alle seine Frauen darüber hinaus auch gleich behandeln - vielleicht das allerschwerste an dieser Religion.

Ach so, bevor ich es vergesse, ganz wichtig: Auch Karikaturen vom Propheten kommen, wie manch ein Karikaturist leidvoll am eigenen Leib und auch Leben erfahren musste, nicht gut an beim Moslem.

Du fragst dich, wie du mich nennen sollst, und dir fällt nichts besseres als Rassist ein? Aber ist Religion denn eine Rasse? Du überlegst jetzt Nazi oder Faschist, weil Rechter zu harmlos klingt, aber alle Rechten bei dir mittlerweile Faschisten und Nazis sind.

Ich will dir sagen, wie du mich nennen kannst. Nenn mich doch Der Antimoslem! Wobei, wenn ich's mir Recht überlege, stimmt das gar nicht. Denn alle Ideologien und Religionen neigen zur Orthodoxie und zum Dogma, und damit verbunden ist immer eine Humorlosigkeit. Vielleicht das schlimmste überhaupt, wenn man nicht mehr über sich selbst lachen kann. Deswegen sag besser Der Antidogmatiker zu mir, oder einfach nur Der Antidog, die Kurzform vom Antidogmatiker.

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05.07.2018

IM TAXI MIT TUVIA



Selbstfahrer Tuvia

Nein, Tuvia saß mir nicht im Taxi. Tuvia fährt selber, und zwar einen Opel. Ich hatte nur die Zeit und das Vergnügen (es war ein eher zweifelhaftes, obwohl ich mir vieles bereits genauso gedacht hatte, wie Tuvia es nun beschrieben hat), sein letztes Buch zu lesen. Es heißt "Allein unter Flüchtlingen" (Tuvia mag so provokante Titel) und ist ein Roadmovie durch unser schönes Schland. Tuvia ist ein jüdischer Journalist aus den USA (eigentlich aus Israel), der auch arabisch spricht (ein wenig deutsch versteht er auch.) Was mir an dem Buch am besten gefällt, ist, dass Tuvia genau dorthin geht, wo sich sonst niemand traut hinzugehen (oder warst du schon mal in einer Flüchtlingsunterkunft?) und vor allem mit Menschen spricht, mit denen sonst niemand spricht, und zwar aus Prinzip. Besonders Leute, die immer wieder betonen müssen, wie offen sie sind, sind in der Regel die geschlossensten, aus besagtem Prinzip. Tuvia hat keine Berührungsängste, und ich habe sie in meinem Taxi auch nicht. Bei mir im Taxi darf jeder alles sagen, und so hält es auch Tuvia als Journalist. Zugegeben, man muss die Menschen lieben, aber bist nicht auch du einer, der Menschen mag, oder willst es zumindest sein. Dieses Interview mit Tuvia kann dir dabei behilflich, und natürlich auch Tuvias Buch "Allein unter Flüchtlingen". Ich möchte nicht zu viel über das Buch zu verraten, sondern nur einen Absatz aus Tuvias Buch zitieren, wobei ich dazu sagen muss, dass auch ich nicht weiß, wie sehr König Ludwig II. Tuvia am Herzen liegt:

Wegen der Flüchtlinge bekämpfen sich die Deutschen untereinander, doch offen gestanden kann ich keinen Unterschied zwischen den rechten und den linken Deutschen erkennen, zwischen denen, die gegen Flüchtlinge demonstrieren, und denen, die die größten "Flüchtlinge willkommen!"-Plakate in die höchsten Bäume hängen. Beiden liegen die Flüchtlinge ungefähr so sehr am Herzen wie mir König Ludwig II.

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04.07.2018

NEYMAR SCHTIRBT



So schön kann sterben sein

Die Fussball-WM geht mir so was von am Arsch vorbei, das kannst du dir nicht vorstellen. Obwohl, manch ein Spiel höre ich mir in meinem Taxi im Radio an. Aber nicht wegen dem Spiel oder gar wegen den Spielern, sondern wegen den Moderatoren. Die sind echt toll und rhetorisch eine Klasse für sich. Wie sie neulich im Spiel gegen Mexico über Neymars Schwalbe und den von Neymar danach aufgeführten sterbenden Schwan berichteten, das hat mich dann wirklich neugierig gemacht, so dass ich es im Internet "nach gesehen" habe. Gestern habe ich den sterbenden Schwan nachgemacht, direkt neben meinem Taxi, und ich kann dir sagen, das hilft. Danach fühlte ich mich gleich viel besser. Nur die Fahrgäste, die in dem Moment bei mir einsteigen wollten, als ich den kleinen "Tanz" von Neymar auf dem Bürgersteig neben dem Taxi aufführte, machten einen großen Bogen um mich, gingen zum Kollegen. Man kann im Leben nicht alles haben, vor allem nicht gleichzeitig. Geld oder Spaß, du musst dich entscheiden!

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03.07.2018

"FIKTION DER NICHTEINREISE"


Als jemand, der FAKTISCH NOCH DA ist, muss auch ich mich mit Wortungetümen wie "Fiktion der Nichteinreise" herumschlagen. Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung, was das sein soll, diese "Fiktion der Nichteinreise". Ich hatte so was neulich schon mal, und zwar mit dem "Algorithmus". Natürlich weiß ich, was ein Algorithmus ist, genauso wie ich weiß, was eine Fiktion ist (steckt ja schließlich in dieser Domain Autofiktion - meiner Seite im Netz drin), und auch was eine Nichteinreise ist. Es ist der neue, ich möchte schon fast sagen einzigartige Kontext, der mir zu schaffen macht. Aktuell wie gesagt bei "Fiktion der Nichteinreise" und zuvor bei "Algorithmus". Was ist das für ein "Algorithmus" und wer legt fest, dass mir beispielsweise diese Internetseiten angezeigt werden und dir jene, also ganz andere. Kennst du diesen "Algorithmus"? Dann weißt du bestimmt auch, was die "Fiktion der Nichteinreise" ist, oder? Was ich weiß, ist, dass George Orwell, Autor von "1984" und Erfinder des Neusprech, seine helle Freude an diesen Wortschöpfungen und vor allen an den Ideen (oder besser: den Nicht-Ideen!) dahinter hätte.

Text TaxiBerlin

DIE LINKE IST TOT


Karl-Liebknecht-Haus, Kleine Alexanderstraße 28
früher Mitte, heute Neue Mitte

Che Guevara ist am 14. Juni 1928 geboren, das schreibt zumindest DIE LINKE, wobei man dazu sagen muss, dass es auch Quellen gibt, die behaupten, dass Ernesto Rafael Guevara de la Serna, wie Che Guevara eigentlich heißt, bereits am 14. Mai geboren wurde. Das Zitat ist auf jeden Fall richtig. Das Foto ist übrigens von Alberto Korda. Es wurde 1960 aufgenommen und ist mittlerweile zu einem Verkaufsschlager verkommen. Dass DIE LINKE ausgerechnet auf diese Ikone der linken Speichellecker des Kapitals zurückgreift, zeigt, so denke ich, vor allem eines, und zwar die absolute Hilflosigkeit der Linken, nicht nur hierzulande. "Der Autor der totalen Schlaffheit", wie sich der Franzose Michel Houellebecq selbst nennt, hat es in einem Interview mit dem SPIEGEL kürzlich so formuliert: "Die Linke liegt jedenfalls im Sterben, ihre Ideen sind tot." Tot ist auch Ernesto Rafael Guevara de la Serna, besser bekannt als Che Guevara * 14. Juni 1928. Der aus Argentinien stammende Arzt, Autor, Revolutionär und Kampfgefährte des kürzlich verstorbenen Kubaners Fidel Castro wurde am † 7. Oktober 1967 im bolivianischen Urwald exekutiert.

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02.07.2018

SCHLAND UNTER


In Hakenfelde

Hakenfelde, Haselhorst, Heiligensee ... trotz der vielen Jahre, die ich nun auf den Berliner Straßen und Plätzen unterwegs bin, habe ich oft meine Schwierigkeiten, diese Ortsteile auseinanderzuhalten. Dabei ist das gar nicht soo schwer. Hakenfelde, Haselhorst und Heiligensee sind alle sehr am Rand. Heiligensee gehört dabei zu Reinickendorf, und Hakenfelde und Haselhorst zu Spandau. Die Fahrt startete an der neuen "Upper West Side", eine "Schöne Neue Welt" mitten in Berlin im Schatten der Gedächtniskirche, und ging nach Hakenfelde. Um nach Hakenfelde zu gelangen, muss man durch Haselhorst, beides wie gesagt in Spandau. Man kann dabei über Daumstraße oder über die sogenannte Biberstraße fahren, um durch Haselhorst zu kommen. Meine Fahrgäste bestanden auf die Biberstraße, die deswegen Biberstraße heißt, weil sie ab 22 Uhr gesperrt ist (vorher darf man nur 30 fahren), danach ausschließlich den ansässigen Bibern gehört. Da sie noch geöffnet war, kamen wir auch an der Fahne auf Halbmast vorbei. Sonst hätten wir gar nicht mitbekommen, dass irgendwas im Argen liegt in unserem schönen Schland, und das bereits am Freitag.

Foto&Text TaxiBerlin

01.07.2018

"GLEICH NACH DEM SCHLAFE ..."


Gleich nach dem Schlafe, den sie meistens in den Tag hinein ausdehnen, baden sie: öfter in warmem Wasser, da ja bei ihnen die meiste Zeit der Winter in Anspruch nimmt. Nach dem Bade nehmen sie Speise zu sich: jeder hat seinen gesonderten Sitz, jeder seinen eigenen Tisch. Dann schreiten sie an die Geschäfte ... ("Germania", Tacitus) Und so auch ich, nachdem die Nacht kurz war für mich, aber das war sie wohl für viele. Vor dem Taxigeschäft kommt heute das Buchgeschäft, auch ein Bestandteil meiner Buchsucht-Therapie. Ich hatte bereits mehrfach über sie geschrieben. Du kannst dabei sein bei meiner Genesung und diese sogar unterstützen, indem du Bücher von mir kaufst. Du findest mich ab 10 Uhr auf dem Flohmarkt Boxhagener Platz, um genau zu sein an der Krossener Straße. Vorausgesetzt du kommst rechtzeitig aus dem Bade, du alter Warmduscher.

Text TaxiBerlin

GESTERN WAR ES SO WEIT


Gestern war es so weit, genau genommen schon vorgestern, da war der erste fliegende Händler auf dem großen Parkplatz nur für Taxis und ihre Fahrer am Flughafen Tegel unterwegs. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, war es gar nicht der erste fliegende Händler. Fliegende Händler, die Geldbörsen und Stadtpläne für Taxifahrer anbieten, gab es schon immer, nur dass sich das mit den Stadtplänen jetzt erledigt hat, weil alle, bis auf wenige Ausnahmen, nur noch mit Navi fahren. Der fliegende Händler vom Freitag hatte auch keine Stadtpläne im Angebot, sondern fliegende Teppiche, verschiedene Rosenwässerchen und Gebetsketten. Die fliegende Teppiche, von denen manche in einem schönen Hellblau gehalten waren, sind zum Beten, ebenso die Ketten, deren Namen mir gerade nicht einfallen will (bei den Katholiken heißen sie Rosenkranz), und einige von den Rosenwässerchen waren ganz und gar heilig, wenn ich den fliegenden Händler richtig verstanden habe. Ich habe nämlich die Wartezeit für eine ausgiebige Beratung genutzt, die ich auch nur jedem empfehlen kann, bevor er mit seinem Großeinkauf startet. Auf dem großen Parkplatz am Flughafen Tegel geht das mit der Beratung sehr gut, weil nicht nur der fliegende Händler Auskunft geben kann, sondern fast jeder Taxifahrer. Den Koran hatte der fliegende Händler übrigens nicht im Angebot, aber ich als nunmehr offiziell anerkannter erster Büchersüchtiger (ganz genau: "Patient Nummer Null" !) habe den natürlich zu hause und, jetzt wo ich darüber schreibe, später auch in meinem Flohmarkt-Angebot. Moment, ich bin mir gerade nicht sicher, ob man den Koran überhaupt verkaufen darf. Da ich ihn selber aber auch nur geschenkt bekommen habe, und das wiederum mehrfach, gebe ich ihn aber an wirklich Interessierte auch gerne umsonst ab.

Text TaxiBerlin

30.06.2018

FOTOGRAFIEREN IST DIEBSTAHL


Morgen im Angebot

Pro Taxischicht lese ich ein Buch, und so soll es auch bleiben. Gestern habe ich obige zwei geschafft, was daran lag, dass auch meine Schichten seit einiger Zeit immer länger werden. Der Grund dafür ist bekannt, er heißt UBER, aber darum geht es nicht. Es geht um die beiden Bücher, die ich gestern gelesen habe, weswegen sie beide zum Verkauf stehen, und zwar morgen ab 10 Uhr auf dem Boxhagener Platz, wo ich auf dem dortigen Flohmarkt an der Krossener Straße immer die Bücher anbiete, die ich zuvor im Taxi gelesen habe. Verkaufstechnisch ist es sicherlich kontraproduktiv, wenn ich das wichtigste aus beiden Büchern verrate. Das ist so, als würde man das Ende von einem Film erzählen. Aber das ist mir egal. Die Essenz sowohl von Susan Sontag, als auch von Thomas Bernhard ist, dass Fotografieren Diebstahl ist. Wie sie darauf kommen, fragst du dich? Dazu musst du morgen nur zum Boxi, wie der Boxhagener Platz im Friedrichshain auch genannt wird, kommen und zwar pünktlich, denn die besten Bücher gehen immer sehr schnell weg.

Foto&Text TaxiBerlin

29.06.2018

EIN LEBEN OHNE GRAMMATIK


Am Schwarzen Brett

Gestern hat es mich nach der Sendung zum Flughafen verschlagen, und zwar zu dem einzig verbliebenen Berliner in Tegel. Da ich jemanden abholen sollte und nicht genau wusste: wo, musste ich am Monitor mit den Ankünften an der Pilotenbude, wie der kleine Imbiss nur für Taxifahrer liebevoll genannt wird, vorbeischauen. Gleich neben dem Monitor befindet sich das Schwarze Brett von uns Taxifahrern, wo ich auf obige Anzeige mit Foto des Tat-Fahrzeuges (abgeschnitten) stieß. Der Inhalt der Anzeige ist nicht schön, an dieser Stelle geht es aber mehr um die Form, genauer gesagt um die Grammatik. Nachdem vor nicht allzu langer Zeit von Regierungsseite (so weit ich mich erinnere, war es die Integrationsbeauftragte - ist sie es noch?) festgestellt wurde, dass die gemeinsame Sprache das einzige ist, was uns an Kultur verblieben ist, ist nun auch diese in Auflösung begriffen. Eine Leben ohne Grammatik - keine Frage, es ist sicherlich möglich - aber ist ein solches Leben auch lebenswert?

Foto&Text TaxiBerlin

28.06.2018

KÖRPERSPRACHE


Berliner Körpersprache
(leicht unscharf, weil im Keller aufgenommen)

Körpersprache ist im Moment angesagt, oder sollte ich besser sagen: war? Auf jeden Fall war sie es bei uns im Radio bereits vor dieser Fussball-WM. Dazu muss man wissen, dass wir aus einem Keller senden, den zu betreten es einer sicheren Körpersprache bedarf, erst um unzählige Stufen hinunter zu steigen, und danach um den Kopf leicht einziehend das Studio betreten zu können. Im Studio selbst kann man dann wieder aufrecht stehen (man kann aber auch sitzen), die wenigen vorhandenen Mikrofone sind da flexibel. Die eigentliche Herausforderung ist das nicht vorhandene Licht. Wir sind also, das kann man ohne zu übertreiben sagen, eher Maulwürfe als Moderatoren. Das soll sich heute ändern, da tragen wir so kleine Lampen an unseren Köpfen, sie dort mittels Stirnband befestigt sind. Das ist noch mal eine ganz eigene Körpersprache. Das weiß ich, weil ich sie gestern, während das Spiel gegen Korea lief, ausprobiert habe. Vielleicht sollte man ähnliche Lampen auch beim Fussball einführen, jetzt nicht, damit die Spieler den Ball besser sehen, sondern einfach, damit sich ihre Körpersprache verbessert. Doch zurück zu unserer Sendung, zu der es nur kommt, wenn wir auch den Schlüssel vom Keller auftreiben können, und das möglichst pünktlich zu 19 Uhr. Meine Partnerin und Kollegin Layne, besser bekannt als TaxiGourmet, wird wieder an den Reglern sitzen, nachdem sie das letzte Mal wegen ihrer Pariser Taxiabenteuer verhindert war, von denen sie uns heute erzählen kann. Ausserdem werde ich versuchen den Professor für Psychologie und Psychiatrie der Universität Basel, der mir vor nicht allzu langer Zeit im Taxi saß, ans Telefon zu bekommen. Jetzt nicht wegen seiner Körpersprache, sondern wegen seinen Erlebnissen in Berliner Taxen. Die sind, das kann man ohne Übertreibung und auch ganz ohne Körpersprache sagen: wirklich spektakulär. Don't miss it!

Foto&Text TaxiBerlin

27.06.2018

HIER SPRICHT TAXIBERLIN # 27


Das Stillleben zur morgigen Sendung

Morgen um 19 Uhr ist es wieder so weit, da gibt es die nächste Sendung von "Hier spricht TaxiBerlin", das ganze auf dem legendären "Pi-Radio". "Pi" steht dabei nicht für "Pirat", wie öfters von mir fälschlicherweise angegeben, und auch nicht für "politisch inkorrekt", sondern für den griechischen Buchstaben "pi", der auch die "Kreiszahl" genannt wird, weil sie das Verhältnis des Umfang eines Kreises zu seinem Durchmesser definiert, in Zahlen ausgedrückt 3,14159265359 und so weiter bedeutet, also eine unendliche Zahl ist. Apropos "unendlich": Die Tage von "Pi-Radio" waren eigentlich gezählt. Warum es trotzdem weiter geht, worüber ich mich sehr freue, entzieht sich im Moment noch meiner Kenntnis. Die Sendung ist auch nicht die 26., wie es im Internet steht (warum auch immer), sondern die 27. (meine Glückszahl!). Nicht alles, was im Internet steht, stimmt auch. Dass wir, meine Partnerin und Kollegin Layne Mosler (besser bekannt als TaxiGourmet) und ich, am Donnerstag wieder auf Sendung sind, haben wir gestern oder vorgestern erfahren. Wir hatten also praktisch null Zeit, uns auf sie vorzubereiten. Ein zusätzlicher Ansporn, unser bestes zu geben, das beste aus der Situation zu machen. Worum es genau gehen wird, kann ich noch nicht sagen. So viel kann ich aber verraten: Es wird nicht nur ein Thema geben, sondern mehrere, u.a. "Handy & Smartphone im Taxi" und "Michel Houellebecq" und "Robert Zimmermann". Am besten trifft es vielleicht der Begriff "Nachlese" früherer Sendungen, wobei man diese nicht zwangsläufig gehört haben muss, um die morgige Sendung zu verstehen. Sie beginnt am morgigen Donnerstag den 28. Juni um 19 Uhr; in Berlin sind wir auf UKW 88.4 zu hören, in Potsdam unter UKW 90.7 und weltweit im Internet als Live-Stream unter www.piradio.de. Don't miss it!

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26.06.2018

"TASSO"? - NO!


"Schwarz-Rot-Mostrich" Fitness-Club Beleuchtung

Ich bin, das erwähnte ich mehrfach, Bücher-Affin. Oder mit anderen Worten: Ich hab's mit Büchern. Genau genommen bin ich Bücher-Süchtig. Ich lege mein gesamtes Trinkgeld in Bücher an, manchmal auch mehr. Dass ich bisher nicht in dieser Klarheit über meine Sucht geschrieben habe, hängt damit zusammen, dass sie bis dato nicht anerkannt war. Das wird sich in den nächsten Tagen ändern, was nicht unwesentlich auch an mir liegt. Um ganz ehrlich zu sein: Ich bin Patient Nummer Null. Und ab 1.Juli werde ich der erste anerkennte Bücher-Süchtige zumindest hierzulande sein. Es gibt sonst ständig neue Krankheiten, die es gar nicht gibt, warum sollte es da nicht auch die Bücher-Sucht geben? Wie sieht nun die Therapie der Bücher-Sucht aus, fragst du dich jetzt sicherlich. Am Anfang gilt es sämtliche Bücherläden, Antiquariate und auch Flohmärkte zu meiden. In dieser Phase befinde ich mich gerade. Deswegen darf ich im Moment auch nicht ins Café "Tasso" gehen, nicht nur der häufigste Tat-Ort meiner Büchersucht, sondern auch der Ort, an dem sie ausgebrochen ist.
Ist jetzt auch schon wieder einige Jahre her. Zuvor hatte man mich mehrfach darauf hingewiesen, dass ich unbedingt in den Keller unter dem Café "Tasso" gehen soll, weil sich dort die wahren Schätze befinden. Es hat fast ein Jahr gedauert, bis ich mich das getraut habe. Lange Zeit dachte ich nämlich, dass der Keller zur Küche gehört, sozusagen das Küchen-Lager ist. Dem ist aber nicht so.
Heute kann ich als trockener Bücher-Abhängiger jedem nur den Keller ans Herz legen. Auch ich werde mich demnächst wieder dorthin begeben, und zwar in der zweiten Phase der Therapie meiner Büchersucht. Die wird wohl demnächst beginnen, denn ich bin, was Bücher angeht, jetzt schon ziemlich stabil. Im Moment gehe ich anstelle ins Café "Tasso" ins Fitness-Center. Dort tummelt sich ein ganz anderes Publikum als im Café "Tasso", insbesondere in der Sauna, und vielleicht schreibe ich demnächst mal darüber.

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25.06.2018

GEDANKEN ZUM "KIPPA-PROZESS"




Heute geht der sogenannte "Kippa-Prozess" weiter. Der richtige Zeitpunkt, so denke ich, sich ein paar weitergehende Gedanken zum Thema zu machen. Der Vorfall ereignete sich bereits im April im Prenzlauer Berg, wo ich mich regelmäßig mit dem Taxi rumtreibe. Bekanntlich versucht der Deutsche seit Jahren an den Moslems wieder gut zu machen, was er an den Juden verbrochen hat. Böse Zungen bezeichnen den Moslem auch als das neue Mündel der Linken. Dass viele Moslems keine Juden leiden können, ist kein Geheimnis, wird dabei aber billigend in Kauf genommen. Das Ganze ist, wenn du so willst, eine Ironie des Schicksals oder zumindest der Geschichte. In der Statistik taucht er erst gar nicht auf, der antisemitische Moslem. Das bestätigt auch Michael Wolffsohn, seines Zeichens Historiker und früherer Professor an der Bundeswehrhochschule in München, in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung. Dort sagt er: "Der gewalttätige Antisemit kommt heute nicht von rechts, auch wenn die irreführenden Statistiken etwas anderes sagen." Interessant in dem Zusammenhang ist vielleicht noch, was der Cousin des angeklagten Syrers heute vor Gericht ausgesagt haben soll: "Es gibt gewisse Personen, die so einen Vorfall im Fernsehen austragen wollen, um weitere Sympathien für sich zu gewinnen." Ist das jetzt schon eine Drohung oder nur ein nett gemeinter Vorschlag? Was meinst du?
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"RECEP ERDOGAN, UNSER FÜHRER" IN BERLIN




Am Kurfürstendamm war irgendwann kein Durchkommen mehr und der Verkehr musste gestern Abend umgeleitet werden - alles wegen ihm: "Recep Erdogan, unser Führer" in Berlin. Genau genommen wegen türkischen Mitbürgern, die dort ein Autokorso plus Demo für seinen Wahlsieg veranstalteten. Rund zwei Drittel der in Deutschland lebenden Türken sollen für Erdogan und seine AKP gestimmt haben. Aber keine Sorge, für heute ist bereits eine Gegendemonstration unter dem Motto "Ganz Berlin hasst die AKP" geplant.
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DAS TAXI - EIN ÖFFENTLICHES VERKEHRSMITTEL MIT BEFÖRDERUNGSPFLICHT UND BILDUNGSAUFTRAG




Immer wieder werde ich bei mir im Taxi gefragt, was mit unseren Rundfunkgebühren geschieht und was aus dem Bildungsauftrag von Öffentlich-Rechtlich geworden ist. Lange Zeit konnte ich keine rechte Antwort darauf geben. Das war auch der Grund, warum ich sowohl in meinem Taxi, als auch in meiner Radio-Show "Hier spricht TaxiBerlin" immer öfter selbst dem Bildungsauftrag nachkam. Immerhin sind wir als Taxi nicht nur ein öffentliches Verkehrsmittel, wo jeder mitfahren darf, sondern wir haben darüber hinaus auch die Beförderungspflicht, also den Bildungsauftrag, und zwar den mobilen, auch wenn der nur wenig bekannt ist, selbst unter den meisten Taxi-Kollegen nicht.

Dem Bildungsauftrag kam ich bisher ich nach, indem ich entweder in meiner Sendung oder eben in meinem Taxi den Stadtplan, genauer ein Straßenverzeichnis, ganz genau den Kauperts, das Alte Testament der Straßen- und Wegelehre, vorlas. Damit könnte bald Schluss sein, wie mit vielem Gewohnten bald Schluss sein könnte, was daran liegt, dass man ausgerechnet beim SWR, also im Südwesten unseres schönen Landes, sich seines Bildungsauftrags besonnen und unser schönes Geld in eine kurzweilige Informationssendung über das in letzter Zeit sehr zu Unrecht gescholtene BAMF gesteckt hat.

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Text TaxiBerlin

23.06.2018

DAS QUIZ BEI TAXIBERLIN


Bücherkiste # 13

Es ist Samstag und damit Zeit für ein neues Quiz. Zu gewinnen gibt es wie gehabt eine legendäre Berliner Kurzstrecke. Das Zitat, dessen Autor es zu erraten gilt, ist einem Buch aus obiger Bücherkiste entnommen, die morgen pünktlich ab zehn Uhr auf dem Flohmarkt Boxhagener Platz, genauer gesagt an der Krossener Straße, zum Verkauf steht. Auch zum "Boxi", wie der Platz im Friedrichshain von Insidern liebevoll genannt wird, kannst du dich per Kurzstrecke chauffieren lassen, aber das nur nebenbei. Hier nun das Zitat, von dem der Urheber zu erraten ist. Viel Spaß beim Googeln!

"Ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne selbst an sie zu glauben."

Foto&Quiz TaxiBerlin

2:1 und DAS ENDE DER RAUTE


Mein letzter Fahrgast, ein junger Mann, der sehr erwachsen wirkte, obwohl er sich noch in der Ausbildung befindet, lag vorgestern bei Kroatien gegen Argentinien absolut richtig (das Spiel endete 3:0 für Kroatien) und hat aus zwanzig Euro schlappe fünfhundert gemacht. Sein Tip für heute ist 2:1 für Schweden, und wenn es nicht 2:1 ausgeht, dann 1:0, auf jeden Fall wird Schweden knapp gewinnen, da war er sich sicher. Ob das WM-Aus für unsere Jungs, wovon ich ebenfalls ausgehe, auch das Ende der Raute bedeutet, das konnte er mir nicht beantworten, was vor allem daran lag, dass man in dem Wettbüro, in das er geht, nicht auf das Ende der Raute wetten kann.

Text TaxiBerlin

22.06.2018

VON DER SELBSTVERFICKUNG ZUR SELBSTBEFRIEDIGUNG


Buch vor Poster

Obwohl ich es gar nicht wissen wollte, habe nun auch ich erfahren, warum manch einer vorm Spiel unsere Hymne nicht mitsingt. Einige Fahrgäste sind eben sehr mitteilungsbedürftig. Ich dachte immer, weil das nicht deren Hymne ist, aber das stimmt nicht. Es ist mir auch egal, denn ich weiß, dass es nicht mehr viele Möglichkeiten geben wird, sowohl zum nicht Mitsingen als auch zum Mitsingen.

Später kam mir zu Ohren, diesmal aus dem Radio, dass der Horst der Angela gedroht hätte, obwohl die die Richtlinienkompetenz hat. Das brachte mich auf die Frage, wer diese wohl im Taxi hat, wobei Richtlinienkompetenz nicht das richtige Wort ist. Ich würde es eher als Richtungskompetenz bezeichnen, und die sollte beim Fahrer liegen. Die größte Sauerei beim Taxifahren ist und bleibt aber, dass der Fahrer immer da hin fahren muss, wo der Fahrgast hin will.

Zum Schluss ging es noch um Bücher. Ein Fahrgast, um genau zu sein eine süße junge Frau, wollte von mir wissen, welches Buch ich zuletzt gelesen und mir besonders gut gefallen habe. Fast hätte sie mich da auf dem falschen Fuss erwischt, denn mir wollte absolut kein Buch einfallen, und das, obwohl ich mich seit Wochen nur noch mit Büchern beschäftige. Vielleicht lag es aber auch am Titel des Buches. Es heißt "Selbstverfickung" (gibt es wirklich!), woraus die süße junge Frau, warum auch immer, sogleich "Selbstbefriedigung" machte.

Foto&Text TaxiBerlin

21.06.2018

"WIR KOMMEN"


"Wir kommen" überall - auch auf dem Kuhfell

"Wir kommen" ist nicht der neue Slogan des Berliner Taxigewerbes, sondern der Titel des ersten Romans von Ronja von Räubertochter. Ich habe es neulich auf der Straße gefunden, wo sonst, und werde es am Sonntag auf dem Flohmarkt verkaufen, wo ich vorläufig das letzte Mal einige meiner Bücher anbiete. Um es gleich am Anfang zu sagen: Wegen dem Roman von Ronja von Räubertochter lohnt es nicht zum Boxhagener Platz zu kommen. Ich habe es selbstverständlich gelesen, so wie ich alle Bücher gelesen habe, die ich verkaufe- naja, fast.

In "Wir kommen" schreibt Ronja von Räubertochter jede Menge Sätze wie diese: "Je detaillierter ich all das aufschreibe, desto größer scheint die Möglichkeit, dieses Leben doch noch irgendwie zu einem spannenden zu machen, jeder Satz eröffnet die Möglichkeit, dass ich mit dem Kassenmädchen durchbrenne, zurück zu Jonas fahre, nach Australien verschwinde. All diese Möglichkeiten gäbe es, wäre dieses Leben nicht meines. Denn eigene Leben sind störrisch, sie sind langweilig, die Tage vergehen, und nur ab und zu stößt man sich den Zeh an oder wird zum Studium zugelassen, oder der Hund stirbt ..."

Keine Ahnung, wer das Kassenmädchen ist, und auch den Jonas kenne ich nicht persönlich. Ronjas Psychologe kennt sie mit Sicherheit alle. Einen Therapeuten hat Ronja von Räubertochter aber nicht nur im Roman, sondern auch im richtigen Leben. Den braucht sie auch, denn immerhin ist sie als Tigerin gegen den Kropf Namens Feminismus gestartet, vor einiger Zeit aber als Bettvorleger vor dem Bett von Friede Springer gelandet. Neulich soll Ronja von Räubertochter auch noch in Mitte beim gemeinsamen Kaffeetrinken mit der bekannten Superfeministin Margarete von Stockhausen gesehen worden sein.

Im Roman, das sei bei aller Kritik nicht verschwiegen, wird auch einige Male wild durcheinander gevögelt, denn man ist natürlich ganz im Zeitgeist polyamorös, und frau natürlich auch, sonst geht es nicht. Allerdings haben alle danach immer ein schlechtes Gewissen, was die Sache nicht gerade angenehm macht, zum Lesen meine ich. In dem Zusammenhang fällt mir ein: Ist der nette ältere grauhaarige Herr, der Ronja von Räubertochter damals beim Klagenfurter Wettlauf der Schreiberlinge so "eindringlich" unterstützt hat, auch "gekommen"? - Ich frage mich das, weil er schließlich nicht mehr der jüngste war.

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20.06.2018

"DRÜCKEN FAHRDIENSTANBIETER WIE UBER UND LYFT DIE PREISE SO STARK, DASS TAXIFAHRER KEIN AUSKOMMEN MEHR HABEN?"




"Drücken Fahrdienstanbieter wie Uber und Lyft die Preise so stark, dass Taxifahrer kein Auskommen mehr haben?", das fragt der Spiegel allen Ernstes ganz aktuell in seiner Online Ausgabe. TaxiBerlin kann sowohl den Spiegel, als auch alle interessierte Leser beruhigen: Nein, die sechs (6!) New Yorker Kollegen, die in den letzten acht (8!) Monate Suizid begingen, haben dies schlicht aus Langweile getan.

Video&Text TaxiBerlin

"WIR KRIEGEN JETZT PLÖTZLICH MENSCHEN GESCHENKT" - JEDER EINEN


"Wir kriegen jetzt plötzlich Menschen geschenkt", so Katrin Göring-Eckard von den Grünen vor nicht einmal drei Jahren. Dass Menschen verkauft wurden, beispielsweise als Sklaven, das gab es wohl, und sicherlich wurde da der ein oder andere Sklave aber vor allem Sklavin auch schon mal verschenkt. Dass man Menschen im großen Stil geschenkt bekam, das gab es zumindest meines Wissens noch nie. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich möchte weder verschenkt werden, noch möchte ich einen Menschen geschenkt bekommen. Wer sich darüber freut, dass er Menschen geschenkt bekommt, kann nur eines sein: Ein Unmensch. Bisher haben die geschenkten Menschen nicht für alle gereicht, das wird sich demnächst ändern, und es gibt auch schon viele, die sich darüber freuen, vermutlich auch Katrin Göring-Eckard. Glaubt man der Statistik, so sind derzeit 68.5 Millionen Menschen auf der Flucht, also praktisch für jeden von uns einen. Und darüber freue ich mich nun auch, denn dann hat das endlich mal ein Ende, dass Leute über Menschen reden, die nie einen von ihnen von weitem gesehen haben. Ich denke, man will da auch aus den Erfahrungen der DDR lernen, und das finde ich besonders gut, wo die Deutsch-Sowjetische-Freundschaft hoch gehalten wurde wie heute die Willkommenskultur, aber bei Freundschafts-Treffen die DDR-Leute und die Bürger der Sowjetunion immer getrennt saßen.

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19.06.2018

"SICHER FEIERN IN BERLIN"


Unruhe verbreitendes Partyvolk im öffentlichen Verkehrsmittel

"Sicher feiern in Berlin" - so der Name einer gerade stattfindenden Aktionswoche, in der das Partyvolk auf die Gefahren des Nachtlebens aufmerksam gemacht werden soll, und zwar von der Berliner Polizei. Also mir persönlich geht dieses Partyvolk seit geraumer Zeit gewaltig auf die Nerven. Nichts gegen junge Leute, wir waren schließlich alle mal jung. Jetzt aber sind wir alt und würden vieles anders machen im Leben, weswegen ich persönlich die am schlimmsten finde, die alles immer wieder genauso machen würden. Diese Null-Entwicklung, die typisch ist für das Partyvolk, ist doch grausam, oder?! Vielleicht ein Beispiel, damit es klarer wird, was ich meine. Obwohl ich mit den Jahren immer lärmempfindlicher geworden bin, ist es nicht der Lärm, den das Partyvolk regelmäßig verbreitet, der mir am meisten auf die Eier geht, sondern seine Unruhe. Was man gegen diese Unruhe tun kann, darüber scheint die Berliner Polizei, die ja sonst nichts zu tun hat, das Partyvolk nicht aufzuklären. Das ist sehr bedauerlich, denn diese Unruhe scheint mir doch eine, wenn nicht gar die Quelle allen Übels zu sein, vor der bereits unsere Vorfahren gewarnt haben: "Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es einbringen wird."

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18.06.2018

FUSSBALL BEIM FRISÖR UND IM TAXI


Frankfurter Allee
früher Friedrichshain / jetzt Friedrichshain-Kreuzberg

Weil gestern Fussball war, haben wir den Stand auf dem Flohmarkt Boxhagener Platz ("Boxi") bereits um vier abgebaut, obwohl wir bis fünf hätten unsere Bücher verkaufen können. Das lag aber nicht daran, dass wir Fussball schauen wollten, also ich zumindest nicht. Ich habe "mitgemacht", also beim vorzeitigen Abbauen, weil ich wusste, dass spätestens ab halb fünf nichts mehr geht. Obwohl ich keine großen Hoffnungen hatte, dass nach fünf etwas im Taxi gehen würde, habe ich mein Glück auf der Straße versucht und ein paar leere Flaschen Fahrgäste eingesammelt. Die meiste Zeit habe ich aber Radio gehört. Die beiden Moderatoren haben es unseren Spielern so richtig gegeben und selbst vor Özil und Gündogan kein Halt gemacht. Das fand ich gut. Dass unsere Mannschaft so gespielt hat, wie sie gespielt hat, war für mich keine Überraschung. Bei dem Kontostand wäre mir auch alles egal. Und überhaupt hat mir mein Arzt das Fussballspielen verboten. Doch zurück zu den beiden Radio-Moderatoren. Keine Ahnung, wie die hießen. Was ich weiß, ist, dass man viel von ihnen lernen konnte, ich meine rhetorisch. (Nicht theoretisch, das ist was anderes!) Ich für mich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass man von ihnen mehr lernen konnte (und mit Sicherheit auch in Zukunft noch kann) als von unseren Spielern.

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TOILETTE MAX UND MORITZ


Im guten alten Charlottenburg

Toiletten sind ein wichtiges Thema für uns Taxifahrer, denn die wenigsten haben eine eigene Toilette an Bord. Auch deswegen hatte ich dem Thema Toilette schon einmal eine ganze Sendung meiner alle vier Wochen stattfindenden Radio-Show "Hier spricht TaxiBerlin" gewidmet, wo ich unter anderem verraten habe, wo sich die schönste Toilette Berlins befindet. Mit der kann die öffentliche Toilette "Max und Moritz" in der Krumme Straße zwischen Wilmersdorfer und Kant mit Sicherheit nicht mithalten. Obwohl, wenn ich ehrlich sein soll, ich weiß es nicht genau. Das liegt daran, dass ich hier (Foto) noch gar nicht drin war. Ich konnte mich bisher nämlich nicht entscheiden, ob ich links bei Max oder doch eher rechts bei Moritz reingehen soll.

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MEINE WOCHE - ENDE


Rot kommt ganz groß in Mode

Gestern ging meine Woche zu Ende. Erst auf dem Flohmarkt - meinem KaDeWe, und danach auch "on the road". Doch beginnen wir mit dem Flohmarkt. Dort waren gestern ganz besonders rote Bücher gefragt, also mit rotem Cover, wie auf dem Foto. Flohmarkt ist so gesehen ein klein wenig wie Taxifahren. Beides steckt voller Überraschungen. Gut, dass der Marx wieder kommt, das war keine Überraschung, und nicht nur, weil er neulich Geburtstag hatte. Vielmehr ist es ja so, dass alles wieder kommt, nur eben anders. Selbst das Taxifahren, das derzeit etwas in der Krise steckt, wird wieder kommen, da bin ich mir ganz sicher. Allerdings, das muss der Wahrheit wegen kritisch angemerkt werden: Wer lange genug mit Werbung für Uber durch die Gegend fährt, der darf sich nicht wundern, wenn die irgendwann den Laden dann auch wirklich übernehmen. Jede Krise ist aber auch eine Chance. Worin diese jetzt nun genau für uns Taxifahrer besteht, das muss schon jeder selber herausfinden. Als erfahrener Taxifahrer mit Bildungsauftrag empfehle ich Bücher. Und wie gesagt: Im Moment sind die roten total angesagt.

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17.06.2018

MEINE WOCHE



Bloomsday war gestern

Meine Woche beginnt am Donnerstag, der seit einiger Zeit schlimmer ist als der Freitag, also verkehrstechnisch. Die erste Fahrt an diesem Donnerstag führte mich zum Flughafen Tegel, wo gar nichts mehr ging, wie gesagt verkehrstechnisch. Um vom Haupteingang zum Parkplatz zu kommen (etwa 500 Meter), brauchte man knapp eine Stunde. Das war gegen 16 Uhr, später ging es dann auch schneller. Dass der Donnerstag schlimmer ist als der Freitag ist, hängt damit zusammen, dass am Freitag viele "Home Office" machen. Ich nicht, auch Freitags bin ich mit meinem kleinen Taxi "on the road". Diesen Freitag konnte man nicht viel verkehrt machen, denn diesen Freitag ging der Ramadan zu Ende und viele Kollegen waren nicht draußen (auch viele "Kollegen" nicht, die für Uber&Co fahren). Das Ende vom Ramadan ist heute wie früher Weihnachten war. Als Taxifahrer ist es deswegen durchaus sinnvoll, sich einen muslimischen Kalender zuzulegen, damit man weiß, wann sich das Taxifahren lohnt. Am Samstag, also gestern, läuft der Flughafen nicht. Das macht die Sache schwieriger. Trotzdem muss man versuchen, den Sack möglichst bis Mitternacht zuzumachen, bevor das nervige Partyvolk aus seinen Löchern gekrabbelt kommt, um sich in anderen Löchern mit anderem Partyvolk zu vermischen. Das war gestern nicht soo schwer, was, so vermute ich, auch daran lag, dass gestern gleichzeitig Bloomsday war. Heute am Sonntag ist wieder Flughafen. Mit etwas Glück verlässt da zumindest ein Teil vom Partyvolk die Stadt. Aber auch erst später, weil es erst mal zurück muss von dem einen Loch ins andere. Manches Partyvolk schaut dabei auf seinem Weg auch noch auf dem Flohmarkt vorbei. Das ist nicht immer schön, obwohl einige Exemplare von dem Partyweibsvolk immer noch recht ansehnlich sind zu dem Zeitpunkt (das muss man der Ehrlichkeit halber schon sagen), auch wenn sie dort ausser der frischen Luft nichts konsumieren (und die ist bekanntlich kostenlos). Das mit dem Flohmarkt weiß ich, weil ich in der letzten Zeit öfters selbst Flohmarkt gemacht habe. Heute findest du mich auch wieder gleich ab 10 Uhr auf dem Boxhagener Platz, genauer gesagt an der Krossener Straße, wo ich diesmal meine besten Bücher an den Mann aber vor allem an die Frau bringen werde. Insbesondere unter den Frauen habe ich mir in kürzester Zeit eine große Stammkundschaft erarbeitet, so dass es eigentlich nur stören würde, wenn du auch noch vorbei kommen würdest. Ich kann dich natürlich nicht daran hindern, ist schließlich ein freies Land - noch.

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16.06.2018

"WELCHES KIND HÄTTE NICHT GRUND, ÜBER SEINE ELTERN ZU WEINEN?"


Mutti und Vati zum Weinen

"Welches Kind hätte nicht Grund, über seine Eltern zu weinen?", an diese Frage vom Kollegen Nietzsche muss ich angesichts des Streits zwischen Horst (Vati) und Angela (Mutti) denken. Zugegeben, der Horst ist genau genommen der böse Stiefvater aus Bayern. Dass das automatisch bedeutet, dass Mutti Recht und Vati Unrecht hat, daran glaube ich nicht. Aktuell geht es um die Frage, wer Europa gespalten hat: Mutti oder Vati? Auch deswegen kurz zur Chronologie der Ereignisse: Es war Mutti (und nicht Vati!), die vor knapp drei Jahren von einer "Nationalen Kraftanstrengung" sprach. Sie sprach nicht von einer "Europäischen Kraftanstrengung"! So gesehen ist es logisch, dass Mutti jetzt sagt, dass sie erstmal mit ihren Europäischen Partnern sprechen muss, bevor sie auf Vatis Ultimatum antwortet. Es sei die Frage erlaubt, was Mutti die letzten drei Jahre gemacht hat?

Foto&Text TaxiBerlin

ULTIMATUM AM RAMADAN


Auch am Dienstag noch zusammen

War früher Weihnachten das beste Geschäft, ist es heute das Ende vom Ramadan. Das alte Schlachtschiff BZ titelt "Ramadan-Ende führt zu Taxi-Engpässen in Berlin" und geht auf Nachfrage beim Berliner CityFunk davon aus, dass "wir heute geschätzt nur 40 bis 50 Prozent der Taxen auf den Straßen haben." Ob das stimmt, weiß ich nicht, ich habe sie nicht gezählt. Das Geschäft war jedenfalls ganz gut. Was zu stimmen scheint, ist, dass der Horst heute der Angela die Pistole auf die Brust gesetzt hat. Manch einer sagt auch Ultimatum dazu. Bis Montag hat jetzt die Angela Zeit sich zu entscheiden, ob sie noch mit dem Horst zusammen sein will oder nicht. Ob es irgendwas bedeutet, dass der Horst ausgerechnet zum Ende des Ramadans der Angela mit dem finalen Aus droht, entzieht sich meiner Kenntnis. Wovon mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszugehen ist, ist, dass die Angela und der Horst auch am Dienstag noch ein Paar sein werden.

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15.06.2018

START-UP NEXT: TAXIBERLINS ROLLENDES CHEMIELABOR


Ich bin in keiner terroristischen Vereinigung und plane auch keinen Anschlag. So gesehen kann mir nichts passieren. Selbst wenn ich das realisiere, was der George W. Bush dem Saddam Hussein angedichtet hatte, und weswegen der George W. Bush damals sogar einen Krieg vom Zaun gebrochen hat. Gut, bei mir ist alles eine Nummer kleiner als es beim Saddam Hussein niemals war. Mir geht es auch nur um einen kleinen Zuverdienst. Ich bin ein Aufstocker, um genau zu sein ein Rizin-Aufstocker. Viel lieber würde ich Fahrgäste befördern, aber das haben jetzt die Amerikaner übernommen. Genau genommen Migranten von hier, und dahinter steckt auch nicht George W. Bush, sondern das reichste Start-up der Geschichte. Die sind so reich, die können sogar Millionenverluste machen, das juckt die gar nicht. Eine Verbindung gibt es zwischen diesem so genannten "Technologie"-Unternehmen aus dem Silicon Valley und mir. Es ist jetzt nicht das "jucken", sondern die Tatsache, dass auch ich ein Start-up bin

Text TaxiBerlin

DAS QUIZ BEI TAXIBERLIN


Bücherkiste # 13

Lange gab es kein Quiz bei TaxiBerlin, dabei gibt es einen tollen Preis dabei zu gewinnen, und zwar eine legendäre Berlin Kurzstrecke. Wer als erster, erste oder auch erstes errät, von wem folgendes Zitat ist, gewinnt sie. Wer lieber ein tolles Buch sein Eigen nennen will, muss nur am Sonntag zum Flohmarkt Boxhagener Platz kommen (meine Empfehlung: per Kurzstrecke!), wo obige Kiste mit den abgebildeten Büchern zu finden ist. Einem von ihnen entstammt folgendes Zitat:

Wer unter Deutschen zu leben hat, leidet sehr an der berüchtigten Grauheit ihres Lebens und ihrer Sinne, an der Formlosigkeit, dem Stumpf- und Dumpfsinne, an der Plumpheit im zarteren Verkehre, noch mehr an der Scheelsucht und einer gewissen Verstecktheit und Unreinlichkeit des Charakters; es schmerzt und beleidigt ihn die eingewurzelte Lust am Falschen und Unechten, am übel Nachgemachten, an der Übersetzung des guten Ausländischen in ein schlechtes Einheimisches.

Quiz&Text TaxiBerlin

14.06.2018

BÜCHERSUCHT VERSUS FAHRGASTPHOBIE


Bücherkiste # 9

Komme gerade vom Arzt. Jetzt ist es amtlich. Ich bin Büchersüchtig. Die Büchersucht gibt es wirklich. Bei der Büchersucht ist es aber nicht so, dass man keine Bücher mehr lesen darf. Ganz genauso übrigens wie bei der der Sexsucht, bei der man auch weiterhin Sex haben darf, und im Unterschied zur Alkoholsucht, wo man das Alkoholtrinken besser unterlassen sollte. Das habe ich gerade vom Arzt erfahren. Bei dem war ich, um mir eine Fahrgastphobie attestieren zu lassen, und zwar in der Hoffnung, dass es dann vorbei wäre mit dem Taxifahren. Natürlich nur, weil es medizinisch indiziert ist. Alles zum Schutz der Fahrgäste, und natürlich auch zum Eigenschutz. Das ist klar. Eine Fahrgastphobie gibt es leider nicht. Auch das musste ich heute erfahren. Daraufhin ersuchte ich den Mediziner meine zahlreichen Symptome globaler zu verstehen. Der zentrale Satz dabei war: "Ich hasse doch alles Menschen." - Kannste vergessen! Naja, immerhin ist meine Büchersucht jetzt amtlich. Nun muss ich aber auch zum Flohmarkt geben, um sie los zu werden. Und auch meine Bücher. Nächsten Sonntag ist es wieder so weit. Auf dem "Boxi", wie der Boxhagener Platz im Friedrichshain auch genannt wird. Du findest mich an der Krossener Straße zwischen 10 und 17 Uhr und zwischen Tobias und Steffen, meinen beiden amtlichen Bücher-Betreuern.

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13.06.2018

DIE DIKTATUR DER IRRATIONALITÄT




Was ich neulich noch als Diktatur der Gutmeinenden bezeichnete, wird nun von Dr. Hans-Joachim Maaz, dem Therapeuten meines Vertrauens, der mir auch schon mal im Taxi saß, die Diktatur der Irrationalität genannt. Das weiß zumindest das Internet zu berichten. Nicht alles, was im Internet steht, stimmt auch, selbst wenn viele das glauben möchten. In dem Fall scheint es aber wirklich wahr zu sein.

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12.06.2018

MENSCHEN, DIE KEIN TAXI FAHREN


werden gerne übersehen

Als Taxifahrer kommt man rum in der Stadt und sieht so einiges. Insbesondere bei den sommerlichen Temperaturen treibt sich alles und jeder draußen herum. Nicht alle fahren Taxi. Der eine aus Kostengründen, der andere ist Selbstfahrer und wieder anderen ist es auch einfach nur zu heiß. Auf jeden Fall ist es die Zeit, wo man sie alle mal gesehen hat. Vorausgesetzt natürlich, dass man mit offenen Augen durch unsere Stadt fährt. Und wer jetzt genau hinsieht, dem entgehen auch nicht die offenen Beine des Mannes (oben), die jetzt auch mal etwas Sonne, ihre wohl einzige Medizin, abbekommen. Insbesondere die, also die offenen Beine, werden gerne übersehen.

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11.06.2018

GESTERN AUF DEM FLOHMARKT


Gestern auf dem Flohmarkt lief es einmal mehr sehr gut für mich. Das lag zum einen daran, dass ich mir bereits beim zweiten Mal eine gewisse Stammkundschaft aufgebaut habe, zum anderen aber auch an meinen Büchern, die ich nun auch an allen weiteren Sonntagen im Juni auf dem Boxhagener Platz anbieten werde. Die Taxischicht danach war dagegen eher zum Abgewöhnen. Ich startete sie am nahegelegenen Wismarplatz, wo ich drei Stunden später immer noch mit meinem Taxi stand. Gut, ich hatte zwischendurch zwei Fahrten, so ist es nicht. Die erste für 5,90€ zu einem Club (Name vergessen) am nahegelegenen Ostkreuz, und die zweite immerhin dann schon für 9,70€ zum "Sisyphos" (auch ein Club) gleich hinterm Ostkreuz. Das witzige war, dass es der DJ höchstpersönlich war, den ich da zum "Sisyphos" fuhr, der aber gar nicht wusste, was der Name bedeutet. Da wir als öffentliches Verkehrsmittel mit Beförderungspflicht auch einen Bildungsauftrag haben, weiß er es jetzt. Außerdem konnte ich noch ein Buch an den Mann, also den Herrn DJ bringen, und zwar "Die Macht der Dummheit" von André Glucksmann. Das korrespondiert wiederum mit Rolf Peter Sieferles "Finis Germania" (kurze Zeit auf der "Spiegel" Bestseller-Liste), was aber bereits ausverkauft war.

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IM TAXI MIT SAHRA WAGENKNECHT




Sahra Wagenknecht saß mir zugegeben noch nicht im Taxi. Da Sahra Wagenkecht aber nicht wirklich mein Fall ist (obwohl ich sie auch nicht von der Bettkannte stoßen würde wie beispielsweise Katja Kipping), ist mein Blick auf ihre gestrige Rede ganz ungetrübt von Testosteron. Sahra Wagenknecht erwähnt zwar nicht explizit Uber, den Feind aller rechtschaffenen Taxifahrer nicht nur hierzulande. Dafür zitiert sie Bernie Sanders, der schon seinerzeit erkannt hat, dass eine Politik der offenen Grenzen vor allem den Rechten nutzt, weil dann immer mehr Leute für zwei oder drei Dollar die Stunde arbeiten - ganz genauso wie bei Uber. Wer ernsthaft sich ein Urteil darüber erlauben will über das, was Sahra Wagenknecht noch alles gestern in Leipzig gesagt hat, sollte sich nicht auf Kommentare oder Meinungen verlassen, sondern muss sich selbst ihre Rede anhören.

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10.06.2018

DER AUSVERKAUF GEHT WEITER



Dank der Schönen und vor allem Neuen "Sharing Economy" muss ich nun auch meine Bibliothek mit anderen Menschen teilen. Eigentlich ein toller Erfolg, könnte man sagen, wenn, ja wenn ich nicht lieber Menschen von A nach B befördern würde. Das erledigen heute andere Menschen, und morgen schon Maschinen. So wie es aussieht, werde ich mit meinen Büchern wohl über den Sommer kommen. Ich weiß, sie haben Regen angesagt, aber das ist nur ein Gerücht. Wer weiß, woher der Wind weht, der braucht keine Wettervorhersage. Lass dich nicht von deinem Weg abbringen, auf dem Flohmarkt Boxhagener Platz warten unglaubliche Angebote auch dich. Außerdem tust du auch etwas Gutes. Was, du ließt nicht mehr und überhaupt:

Du tust lieber Gutes am anderen Ende der Welt?

Dann geh doch an's andere Ende der Welt!

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09.06.2018

DAS ERSTE MAL


"Schwarzes Brett" neben der "Pilotenbude"
(Kennzeichen-Anfänge von Uber-Fahrzeugen)

Gestern war es nun so weit, da habe auch ich mir meine Füße am Handwaschbecken gewaschen. Das erste Mal! Das ganze übrigens am Flughafen Tegel, auf der Toilette nur für Taxifahrer am Parkplatz nur für Taxis und direkt neben der "Pilotenbude", wie der kleine Imbiss nur für Taxifahrer von uns Taxifahrern liebevoll genannt wird. Gut, es gab deswegen einen kleinen Stau hinter mit am Handwaschbecken, aber man war auch sehr verständnisvoll mit mir. Zu dem Stau kam es auch, weil neuerdings immer die Seitentür zur Toilette offen steht, und man nicht für sie bezahlen muss. Die Toilette ist jedenfalls kostenlos und das Handwaschbecken auch, und wird deswegen auch stärker frequentiert, wie das immer ist, wenn Dinge kostenlos sind.

Ich habe, das sei noch erwähnt, meine dreißig Cent Gebühr auf das Fensterbrett vom Häuschen des Toilettenmannes gelegt, der allerdings nicht da war. Dass ich mir die Füße am Handwaschbecken gewaschen habe, liegt übrigens nicht daran, dass ich plötzlich zum Islam konvertiert bin. Das nicht! Das muss man auch nicht, wenn man nur polygam veranlagt ist. Dass ich mir dort die Füße gewaschen habe, liegt einfach daran, dass es immer noch sehr heiß ist in Berlin und meine Schichten Dank Uber&Co immer länger werden, um auf das selbe Geld zu kommen. Es ist jetzt nicht so, dass ich deswegen die Körperpflege vernachlässigen würde. Aber wenn man sehr lange arbeitet, und das bei großer Hitze, dann kann es passieren, dass man als Mann an bestimmen Stellen anfängt zu ... , naja, du weißt schon.

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06.06.2018

EXIT TAXI


Gibt's nicht mehr und gibt's doch noch

Das Taxi ist eine aussterbende Spezies, ganz genauso wie einst die Dinosaurier es waren. Bei den Dinosauriern weiß man bis heute nicht ganz genau, warum sie ausgestorben sind, und so ist es auch beim Taxi. Alle sind sich einig, dass die Tage des Taxis gezählt sind, aber niemand kann oder will so recht sagen warum eigentlich. Und selbst wenn ich die Antwort wüsste: Würde sie mich weiter bringen? Klar, man kann Ursachen benennen, beispielsweise Uber aus Amerika, der Feind aller rechtschaffenen Taxifahrer nicht nur hierzulande. Und sicherlich, man wird demnächst das ein oder andere Fahrzeug, das für Uber fährt, anzünden oder anderweitig aus dem Verkehr ziehen. Wir sind schließlich in Berlin. Möglicherweise werden auch ein paar Fahrer, die für Uber fahren, eins auf's Maul bekommen. Auch das ist mehr als wahrscheinlich. Ist wie gesagt Berlin. Wer weiß, wem die Dinosaurier alles die Fresse poliert haben, bevor sie dann den Löffel abgaben. Untergeher werden am Ende immer aggressiv. Das ist nichts Neues und sollte eigentlich bekannt sein. Unklar ist bisher, was nach dem Taxifahren kommt. Oder genauer gefragt: Was ist meine Taxi-Exit-Strategie? Buchverkäufer will ich nicht werden, ich erwähnte das an dieser Stelle, obwohl ich mit Sicherheit das Zeug dazu hätte. Auch hier gibt uns der Kollege Nietzsche einmal mehr eine Antwort, und zwar als er sagte: "Werde, wer du bist!" Gut, unter Umständen hat Nietzsche das auch nur irgendwo abgeschrieben. Ja, ich halte das sogar für sehr wahrscheinlich. Man kann davon ausgehen, dass das bereits ein Philosoph aus dem heute verarmten Griechenland viele Jahre vor Nietzsche gesagt hat. Sozusagen ein Dinosaurier unter den Philosophen, was mich auf die Idee bringt, einfach ein Dinosaurier unter den Taxifahrern zu werden, falls ich es nicht schon sein sollte.

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TAXIBERLIN ALS BUCHVERKÄUFER



Nachdem es am Sonntag auf dem Flohmarkt Boxhagener Platz im schönen Friedrichshain sehr gut lief, was auch daran lag, dass so einige vorbei schauten, die meine letzte Sendung über Bücher gehört hatten, in der ich erwähnt habe, dass ich dort einen Teil meiner Bibliothek anbieten werde, geht der Verkauf diesen Sonntag weiter. Aber keine Sorge, ich beabsichtige nicht ins Buchgeschäft, was auch ein ganz hartes Business ist, "abzudriften". Das liegt auch daran, weil auch hier gilt, dass zwar ein jeder den Preis kennt, was zum Teil auch an der Buchpreisbindung liegt (aber nicht nur!), aber kaum einer den Wert eines Buches. Das wiederum führt dazu (das ist aber in jedem anderen Geschäft genauso), dass man dazu neigt, Dinge anzubieten, die man vorher eingekauft hat, von denen man sicher ist, dass sie sich verkaufen lassen, aber vor allem, von denen man sich den höchsten Verkaufspreis verspricht, was in der Regel nichts über den Inhalt, also über den Wert des Buches aussagt. Dadurch verändert sich der Blick (natürlich ganz unbewusst!) auf Bücher, man beginnt unwillkürlich, alles durch diese monetäre Brille zu sehen. Und deswegen werde ich auch nicht ins Buchgeschäft einsteigen. Ich überlege gerade, ob es eine ähnliche Gefahr auch beim Taxifahren gibt, mir will allerdings partout nichts vergleichbares einfallen. Taxifahren ist ja eher wie Flaschensammeln, wobei man dazu sagen muss, dass es sich beim Taxifahren meist auch um leere Flaschen handelt, die man da einsammelt. Mit den Büchern, die ich am kommenden Sonntag auf dem Boxhagener Platz anbiete, verhält es sich anders, und deswegen solltest auch du überlegen, ob du nicht besser mal vorbeischaust, um dir dein eigenes Bild zu machen.

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05.06.2018

MIT DEM TAXI DURCH PARIS


Echtes Pariser Taxi mit richtigem Pariser Taxifahrer

Seit gut einem Jahr ist Macron französischer Präsident und trotzdem weiß hierzulande keiner so richtig, wofür er eigentlich steht. Ich denke, eines kann man mit Sicherheit sagen: Für nichts Gutes, zumindest für die Pariser Taxifahrer. Das erfuhr ich von meiner Partnerin und Kollegin Layne Mosler, auch bekannt als TaxiGourmet, die für knapp eine Woche zu Taxi-Abenteuern, wie sie es nennt, in Paris weilte. Die Pariser Taxen haben keine einheitliche Farbe wie die Berliner, man erkennt sie an ihrem Schild (Foto) auf dem Dach. Auf den Pariser Straße sind sie durchaus zu finden, sucht man eines im Internet, da wird es schwierig, denn Google leitet einen immer direkt und ausschließlich zu Uber oder einem Limousinen-Service. Layne brauchte über eine Stunde, um die Telefon-Nummer einer Pariser Taxi-Firma zu finden, und zwar im einem Forum über Reisen. Dort empfahl jemand dieses Unternehmen, alle anderen Foristen fuhren Uber. Der im Forum gefundene Taxifahrer erzählte Layne, dass es seit etwa einem Jahr besonders schlimm geworden sei mit Uber. Um auf das selbe Geld zu kommen, muss er nun doppelt so viel Arbeiten, oft sieben Tage die Woche. Er mache alles richtig, zahle Steuern und brauche, genauso wie in Berlin, ein polizeiliches Führungszeugnis, um Taxi fahren zu können. Für Uber, so sagt der Kollege aus Paris, fahren viele, die gerade aus dem Gefängnis kommen (in Berlin sind es in der Regel Migranten), die nur schwer überhaupt einen Job finden würden, denn es gibt einfach keine - für niemanden. Uber-Ubernehmen wirtschaften, wie sie wollen, ihre Fahrer arbeiten meist für einen Hungerlohn: Eben ein kleines Bangladesch mitten in Europa. Der Kollege in Paris fuhr, das sei noch erwähnt, genauso wie ich ohne Navi. Ein richtiger Taxifahrer in Paris hat seine Ehre, denn Navis machen bekanntlich Orientierungsblöd, wie der Blick in ein Uber immer wieder aufs Neue bestätigt.

04.06.2018

NETANJAHU NERVT


Votze Verkehrsstau

"Netanjahu nervt" - so lässt sich der heutige Tag in Berlin kurz zusammenfassen, und das nicht nur "taxi-technisch", sondern auch was allgemein den öffentlichen Verkehr und die Bewegungsfreiheit insbesondere in der Berliner Mitte angeht. Man kann nur hoffen, dass der gute alte Benjamin nicht allzubald wieder Berlin heimsucht.

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DIE DIKTATUR DER GUTMEINENDEN


Als jemand, der schon einmal in einer Diktatur gelebt hat, sie nannte sich seinerzeit die des Proletariats, kann ich sie nicht wirklich empfehlen. Gut, damals gab es ab und zu keinen Ketchup, was den ein oder anderen sehr erregte. Auch das Reisen hatte seine Grenzen. Das schlimmste war und ist aber zweifellos die ständige intellektuelle Unterforderung der "Diktierten", die allen Diktaturen immanent ist:

Die Regierenden sind immer die Guten und die anderen immer die Bösen, oder wahlweise auch der Klassenfeind. Der darf niemals Recht haben, denn dann hätte das Gute zwangsläufig Unrecht, und das kann oder besser: Das darf nicht sein! Andererseits, alles Böse hat auch sein Gutes: Es ist eine Zeit, in der man schnell zum Helden werden kann. Man muss nur sagen, dass der Kaiser keine Kleider trägt, oder wahlweise auch alle Gutmeinenden samt ihrer geliebten Führerin.

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