31.08.2010

AUF DEM FRIEDHOF (I)

Manch einer hat mir AUF DEM FRIEDHOF wohl nicht abgenommen. Mir ist das egal. Einen Bulgarischen Friedhof muss man gesehen habe, um auch diesbezüglich zu dem bekannten Schluss zu kommen: "Alles ist möglich!"

Apropos Schluss: Der Urlaub ist zu Ende, morgen geht mein Flieger. Von Sofia nach Berlin braucht er genau zwei Stunden. Nur, falls jemand auf den Geschmack gekommen ist.

Die Sache mit dem Künstler, dem Esel und seinem Penis ist heute ausgefallen. Angeblich wegen dem plötzlich einsetzenden Regen. Ich glaube aber, daß der/die Erektionsschwierigkeiten hatte/n.

ALEXIS SORBAS hat das letzte Wort: "Auch die Frau ist ein Mensch, genau wie wir - und noch schlimmer! Sie sieht deinen Geldbeutel und verliert den Kopf. Sie hängt sich an dich und verliert ihre Freiheit und freut sich auch noch darüber, weil sie nach dem Geldbeutel hinter dir schielt. Doch ... zum Teufel mit dem Quatsch!"

Foto&Text TaxiBerlin

Nach Hause (II)


Manch einer will sein Auto nicht stehen lassen, geschweige denn auf den Bus warten. Meist geht die Geschichte dann so (Foto oben) aus. Auf den Bulgarischen Straßen sterben täglich mehr Menschen als in Afghanistan und im Irak zusammen, sagen Hiesige, welche die entsprechenden Statistiken kennen. Das liegt am Alkohol, an den schlechten Straßen, natürlich an den schnellen Autos, aber auch an der Tatsache, daß es in Bulgarien allgemein und auf den Straßen im besonderen keine wirkliche Ordnung gibt. Ein Beispiel: Den Begriff des Geisterfahrers gibt es nicht in Bulgarien, weil jeder mehr oder weniger einer ist.

Meine Statistik ist etwas globaler und berücksichtigt das "Tagesgeschäft des Todes" (Foto unten) nicht. Bis zur Wende, die in Bulgarien "Demokratisierung" heißt, hatte Bulgarien neun (9!) Millionen Einwohner, wovon heute sieben (7!) Millionen verblieben sind. Geht man davon aus, daß über den Daumen gepeilt eine Million Bulgaren seither ins Ausland gegangen sind, bleiben eine Million "Opfer der Straße" übrig.

Foto&Text TaxiBerlin

Nach Hause (I)

Nachdem ich bei STALINS GRILL (СКАРА СТАЛИН) zwei Forellen gegessen und einen Kasten FASCHISTENBIER ausgetrunken hatte, musste ich nur noch irgendwie nach Hause kommen. Zum Glück gibt es genau gegenüber vom Genossen Stalin eine Haltestelle, wo auch gelegentlich sowas wie ein Bus vorbeifährt. Damit man den nicht verpennt ..., äh verpasst, hat Stalin dort ein Familienmitglied postiert, daß immer guckt ob der Bus kommt - die meiste Zeit kommt er nicht. Aber dafür kann ja der Genosse Stalin nichts. Seine Diktatur beschränkt sich, wie beschrieben, ausschließlich auf die Familie. In diesem Sinne muss man sagen, ist Genosse Stalin ein echter Servicetyp, der für seine Gäste alles in seiner Macht stehende tut.

Foto&Text TaxiBerlin

FASCHISTENBIER


Es soll ja Leute geben, die dieses Bier FASCHISTENBIER nennen. Warum? Genau weiß ich das auch nicht. Ich glaube, die haben im Kino alle den verkehrten Film gesehen.

Wenn sie einfach mal ihren Kietz verlassen hätten und nur einmal bei STALINS GRILL (СКАРА СТАЛИН) eingekehrt wären, hätte ihnen klar sein müssen, daß die These mit dem FASCHISTENBIER unhaltbar ist. Der Genosse Stalin würde doch niemals Bier vom Klassenfeind verkaufen!

Außerdem ist dies hier in Bulgarien gebraut, auch wenn's vorne auf Deutsch draufsteht. Und es ist doch allgemein bekannt, daß Bulgarien von jeher der engste Verbündete von Väterchen Stalin war.

(OK, die Bulgaren waren auch zweimal mit den Deutschen verbündet - aber das ist lange her und somit verjährt!)

Fotos&Text TaxiBerlin

STALINS GRILL (СКАРА СТАЛИН)


Ich hatte bereits über die Bulgarische Misere in Sachen GRILL (СКАРА) berichtet. Vor zwanzig Jahren gab es sie hier nicht nur an jeder Ecke, sondern die gegrillte Würstchen (Кебабче) und Bouletten (Кюфте) aus Hackfleisch haben allesamt ausgezeichnet geschmeckt. In den Neunzigern ging es erst mit der Qualität des angebotenen Hackfleischs bergab - vermutlich wurde zuviel Rattenfleisch beigemischt - und seit der Jahrtausendwende sind nun auch die Grills in Bulgarien am aussterben.

Einer, den es bereits im Kommunismus gab, konnte sich, zumindest in Bulgarien, allerdings bis in die neue Zeit retten. Die Rede ist vom Genossen STALIN (СТАЛИН). Der ist nämlich gar nicht tot. Ganz im Gegenteil, der ist quicklebending und betreibt hier ganz in der Nähe vor den Toren des Klosters KLISURA einen GRILL (СКАРА). Und weil bei ihm übern Kopf nicht nur die Stromleitungen des einzigen Bulgarischen Atomkraftwerkes verlaufen, an denen er sich dumm und dämlich verdienen soll, sondern auch noch ein kleines Flüsschen vorbeiplätschert, konnte er mittels "Investionsprojekt" (oder wie das hier heißt) ausbauen und bietet nun eine besondere Spezialität an: Forellen.

Eigentlich wollte ich auch noch den Genossen Stalin selbst ablichten. Aber das ist natürlich nicht so einfach. Der Diktator macht sich, so wie man ihn von früher kennt, sehr rar. Außerdem muss er natürlich den Laden mittels Anweisungen und Dekreten am Laufen halten. Schließlich ist das Ganze ein Familienbetrieb. Manch ein Böswilliger sagt auch Gulag, aber soweit würde ich niemals gehen. Ich meine gut, beim Genossen Stalin wird immer irgendwas gebaut. Erst waren es die Becken für die Fische. Dann kamen die Becken für die Menschen - einmal Baden übrigens Zwei (2,-!) Euro - und nun baut er etwas, wo noch gar keiner weiß, was es überhaupt werden soll.

Aber das stört den Bulgaren, Pardon: Stalins Gäste, natürlich genauso wenig wie die dicken Stromleitungen über Stalins Grill. Die sind eben für alles offen und lassen sich auch gerne mal überraschen. Doch zurück zu den Forellen. Die waren wie immer erstklassig. Natürlich gibt es bei Stalin auch Würstchen und Bouletten aus Hackfleisch vom Grill, und die sind fast so gut wie früher. Ich meine die Zeiten, wo Großväterchen Stalin noch ein ganzes Weltreich regierte.

Das mit Bulgarien hat er übrigens saugut eingefädelt. Ein paar Jährchen bevor der Genosse Stalin von der Bühne namens Leben verschwand, hat er den Genossen Dimitroff, den Bulgarischen Oberkommunisten, der ihn einfach nur mal besuchen wollte, gleich ausstopfen lassen und so nach Bulgarien zurückgeschickt. Damit war später der Weg frei für den Genossen Stalin. Ursprünglich wollte er das ganze Land übernehmen. Da er aber gehört hatte, daß bereits die Türken sich an den Bulgarien die Zähne ausgebissen hatten und außerdem gerade auch mal wieder seine Georgischen Landsleute hinter ihm her waren, ist er erstmal als Mönch verkleidet im naheliegenden Kloster untergekrochen.

Natürlich versuchte er rasch auch dort das Kommando zu übernehmen. Es drohte ein kleiner Vaterländischer Krieg im Kloster. Zu seinem Glück hatte er aber vorher eine Bulgarin geehelicht und ist dadurch in Sachen Diktatur etwas gemäßigter geworden. Seither terrorisiert er nur noch Familienangehörige. Als dann die Wende kam, die in Bulgarien Demokratisierung heißt, sah er seine Chance als Selbständiger gekommen. Von einem alten Tschekisten bekam er den Tipp mit den Stromkabeln, und daß da bald was in Sachen Entschädigung zu machen wäre. So ist es dann auch gekommen. Der Rest der Geschichte ist bekannt. Zum Schluss noch eine Kleinigkeit: Stalin bietet sogar Deutsches Bier an! Doch dazu mehr im nächsten Beitrag.

Fotos&Text TaxiBerlin

29.08.2010

GOTTESBRÜCKE BEI TSCHIREN





Sonntags soll man ja nicht arbeiten, schon gar nicht im Urlaub, aber einen Ausflug darf man machen. Der führte mich heute zu einem Naturschauspiel, von denen es jede Menge gibt in Bulgarien. Die eigentliche Überraschung war, selbst für mich als ausgewiesenen Bulgarienkenner, daß man gemeinhin so etwas wie die GOTTESBRÜCKE bei TSCHIREN ausschließlich in Südbulgarien vermuten würde.

Aber ich möchte als urbaner Mensch meine Leser weder mit der Natur und schon gar nicht mit meinen auswärtigen, also außerhalb der Berliner Landesgrenzen, Ortskenntnissen langweilen. Für mich war an dem heutigen Ausflug in die Natur sowieso der Mann mit der BILLA-Tüte das absolute Highlight. (Soviel "Neudeutsch" sei mir erlaubt!)

In einem Beitrag hatte ich ja schon über den Supermarkt aus Ösiland bei mir an der Ecke berichtet, der sich insbesondere mit den Auslandsbulgaren auf Besuch eine goldene Nase verdient. Der junge Mann mit der BILLA-Tüte passt aber nun gar nicht in dieses Raster, und so habe ich mich die ganze Zeit gefragt, was der Typ hier mit seiner Plastiktüte sucht.

Ich war so fixiert auf die Antwort auf diese Frage, daß ich den Mann regelrecht verfolgt habe. Klar, ich hätte ihn auch einfach fragen können. Aber das kann ja jeder. Na gut - fast jeder. Also eigentlich nur der, der über ausreichende Sprachkenntnisse verfügt. Aber meine Devise ist sowieso: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?!

Ich also die ganze Zeit hinter dem Typen her. Erst rauf, dann wieder runter. In die Höhle rein und gleich wieder raus. Über die provisorische Brücke geangelt, immer in der Gefahr, nicht etwa die Orientierung, die hatte ich sowieso nicht mehr, sondern auch noch den jungen Mann aus den Augen zu verlieren.

Drei Stunden war ich so hinter ihm, ohne, daß ich, was meine Frage anging, auch nur einen Schritt weiter gekommen wäre. Endlich, an der fünften Brücke, Höhle ... oder wie auch immer, ließ er sich plötzlich nieder. Ehe ich mich ihm nähern konnte, hatte er aus ein paar rasch zusammengesuchten Zweigen bereits ein Feuer gemacht.

Aus der Plastiktüte holte er ein paar Würstchen und zwei Bier, von denen er mir eines anbot. Er hatte den weiten Weg von BILLA in die Natur nicht gemacht, um jetzt alleine am Feuer zu sitzen. Ich konnte natürlich nicht ablehnen, das wäre unhöflich gewesen. Zumal ich selbst schon den ganzen Tag auf der Suche nach etwas Gegrilltem war.

Früher war das kein Problem, da gab es an jeder Ecke "Grill & Bier" (Скара & Бира). Aber heute sind die alle, warum auch immer, regelrecht ausgestorben. Und die wenigen, die es noch gibt, sind oft ganz schlecht. Das kann ich von dem Inhalt der Plastiktüte des jungen Mannes ganz und gar nicht behaupten ...

Lange Rede, kurzer Sinn: Das mag ich an den Bulgaren. Ihre praktische Veranlagung, gepaart mit einer gehörigen Portion Gastfreundschaft.

Foto&Text TaxiBerlin

ERWISCHT

Heute morgen haben sie uns erwischt, meinen Cousin und mich. Jetzt nicht wegen dem Strychnin gegen die Siebenschläfer. Und auch nicht wegen der Geschichte mit dem Esel. Damit haben wir nicht nur nichts zu tun - davon wissen wir gar nichts! Das ist Sache des Künstlers.

Nein, die Polizei hat uns erwischt beim Mofa fahren. Gleich mit zwei Fahrzeugen haben sie uns gestoppt. Eins kam von vorne und das andere von hinten. Die haben uns regelrecht eingekreist, und zur Seite kamen wir auch nicht mehr weg. Um ehrlich zu sein: Ich wäre da noch vorbei gekommen ...

Aber ich will meinem Cousin keinen Vorwurf machen. Ein bisschen war es auch meine Schuld. Hinten auf dem Mofa stehend hatte ich schon den besseren Überblick. Irgendwie muss ich einen Moment gepennt haben. Lag es an der Kleinen, die da vorm Cafe stand? Ich weiß es nicht mehr genau. Jedenfalls, wie das im Leben manchmal so ist, vorbei war's mit der vorausschauenden Fahrweise.

Wer konnte denn auch ahnen, daß die Polizei in Bulgarien ausgerechnet Sonntag morgen solchen Alarm macht und sich gleich mit zwei Fahrzeugen auf zwei kleine Mofafahrer stürzt. Gut, die Polizeiautos waren echt - richtige Opel Astras! Das hätte ich als Berufskraftfahrer vorausschauend nicht nur sehen, sondern förmlich riechen müssen.

Auf jeden Fall haben die uns beide sofort in Arrest genommen. Getrennt natürlich. Das Polizeipräsidium war dummerweise gleich um die Ecke. Ich wusste nun allerdings nicht, wie mein Cousin den Fall schildern würde. Also musste ich mir irgendetwas einfallen lassen:

Erst wollte ich ihnen die Geschichte mit dem Esel erzählen, was mir aber dann doch zu abwegig erschien. Deswegen entschied ich mich für die Friedhofsgeschichte. Sowas kommt doch normalerweise immer an, hoffte ich. Ich tat also so, als wären wir gerade vom Friedhof gekommen, wo wir nächtliche Grabpflege betrieben hätten. Das mit der Motorsense ließ ich weg. Die hatten wir auch gar nicht dabei. Auf dem Mofa war ja nicht mal Platz für uns zwei.

Die Polizisten waren sogleich interessiert, was mich etwas irritierte. Als sie dann auch noch ihren Chef informierten, war ich mir nicht mehr sicher, ob ich die Sache nicht vermasselt hatte. Kurz darauf kam der Chef dann auch noch persönlich. Jetzt wurde ich echt unruhig. Was hatte ich getan? Würde ich die Bulgarische Sonne je wiedersehen? An die Berliner wagte ich schon gar nicht mehr zu denken.

Der Chef hörte sich die Geschichte mit dem Friedhof nochmal komplett an - von A bis Z. Ich konnte nun nichts mehr verändern, die beiden anderen Bullen hatten sie ja bereits schon mal gehört. Nachdem ich fertig war, gab es eine kleine Pause. Der Chef machte ein merkwürdiges Gesicht. Was würde als nächstes passieren? Seine linke Hand griff nach Handschellen an seinem Gürtel, die rechte suchte die Pistole ...

Beides war noch da: die Handschellen und die Pistole. Offensichtlich auch am rechten Fleck. Nun ging sein Blick in meine Richtung. Auch ich saß immer noch auf dem selben Fleck direkt vor ihm. Er sah mir scharf in die Augen, als er mich ansprach. Von welchem Friedhof in welchem Dorf ich denn überhaupt reden würde, wollte er von mir wissen. Ich sagte ihm den Namen. Ob ich denn auch, nun nannte er mir den den Namen eines Nachbardorfes, kennen würde. Na klar, das ist doch gleich das nächste Dorf nach dem, wo wir auf dem Friedhof waren.

Richtig, stellte der Chef fest, um mir sogleich zu gratulieren. Aber wozu? Daß ich das andere Dorf richtig erraten hatte. Nein, natürlich nicht. Glückwünsche deswegen, weil wir uns Sonntagnacht auf dem Weg zur Grabpflege gemacht hätten. Das sei nicht selbstverständlich in Bulgarien, wo sich jeder mehr und mehr nur noch um seinen eigen Kram kümmern würde.

Der eine Bulle hatte den Raum verlassen und kam mit einer halbvollen Plastikflasche wieder. Dem Farbton nach, konnte das kein Wasser sein. Ich hatte recht. Ein Gläschen RAKIJA stand bereits vor mir auf dem Tisch. Man sei stolz auf meinen Cousin und mich. Vor allem aber auf mich, weil ich doch diesen weiten Weg von Deutschland gekommen sei! Darauf: PROST und НА ЗДРАВЕ!

Und wegen dem Mofa solle ich mir keine Sorgen machen. Das stehe bereits zusammen mit meinem Cousin vor der Tür vom Polizeipräsidium und warte auf mich. Fahren dürften wir jetzt allerdings nicht mehr, belehrten sie mich noch. Ich hatte ja getrunken ...

Foto&Text TaxiBerlin

28.08.2010

BERLINER FLASCHENSAMMLER NACH HAUSE


Lautet heute die Wortkombination, die zum Auffinden meiner Seite geführt hat. Werd ich die Geister, die ich einst rief, nicht mehr los? In einem Punkt treffen die Worte aber des Pudels Kern! Ich bin bald wieder zu Hause - also in Berlin - wo denn sonst?! Vorausgesetzt der Esel tritt nicht aus!

Denn bereits Alexis Sorbas, übrigens die Person, die der Autor Nikos Kazantzakis die Dinge über die Frau aussprechen ließ, sagte sinngemäß auch noch folgendes: Hüte dich vor dem Hinterteil des Esels und vor dem Vorderteil eines Mönchs vom Kloster Athos.

TaxiBerlin gibt sich alle Mühe trotz Schnittwunde und den Mäusen des Cousins, die plötzlich Siebenschläfer sind, wohlbehalten in die Stadt seines Vertrauen zurückzukehren. Eigentlich kann jetzt nur noch der Penis eines bulgarischen Esels dazwischenkommen. Aber in Bulgarien ist bekanntlich alles möglich ...

Text TaxiBerlin

EIN BULGARISCHER KÜNSTLER


Ich hatte bereits über ihn geschrieben: Der bekannte bulgarische Künstler, der für nächsten Dienstag eine Kunstaktion mit dem erigierten Penis eines in die Jahre gekommenen bulgarischen Esels plant. Möglicherweise habe ich den ein oder anderen Leser neugierig gemacht. Vielleicht zweifeln sogar einige an meiner Glaubwürdigkeit. Oder manch einer kann es sich schlichtweg nicht vorstellen, worum es bei der Performance gehen soll.

Ehrlich gesagt: Ich weiß es auch nicht! Auch ich lasse mich überraschen. Eine gewisse Vorstellung, worum es bei seiner Kunst geht, konnte ich von den im Internet veröffentlichten Video-Clips des bekannten bulgarischen Künstlers gewinnen. Als Freund der bulgarischen Folklore möchte ich zwei der Videos meinen Lesern empfehlen. Soweit ich den Künstler verstanden habe, soll bei der für Dienstag geplanten Kunstaktion der Penis des Esels die Rolle der Beine der Tänzer in den Clips übernehmen - oder so ähnlich. Aber seht am Besten selbst:



Falls es mit dem Empfang in Deutschland Probleme geben sollte, kann es daran liegen, daß der bekannte bulgarische Künstler etwas zu freizügig mit den Rechten an der unterlegten Musik umgegangen ist. In jedem Fall gilt: TaxiBerlin übernimmt keine Verantwortung!

Text TaxiBerlin

TAXIBERLIN MEETS BULGARIAN ART


Auf dem Weg zum Supermarkt um die Ecke lief mir dieser bekannte Bulgarische Künstler über den Weg. Genau genommen lief ich ihm über den den Weg. Er saß vorm Restaurant an der Ecke wie an einem Checkpoint und quatschte jeden an den er kannte oder auch nicht. In meinen Fall kannten wir uns sogar. Ich hatte ihn vor einiger Zeit schon einmal in seinem Atelier besucht. Leider komme ich jetzt nicht auf seinen Namen. Es ist auf jeden Fall der, der zehn Jahre in Amerika war und jetzt immer noch zehn Worte auf englisch kennt. Wie dem auch sei, er hat mich auf eine Open Air Ausstellung aufmerksam gemacht, die ich umgehend aufgesucht habe:

Spannender als die Open Air Gallery fand ich die Ankündigung des bekannten Bulgarischen Künstlers, am kommenden Dienstag ein weltweit einzigartiges Kunstprojekt zu starten. Ich darf nicht zuviel verraten, aber es geht um einen Esel. Genau genommen natürlich um einen bulgarischen Esel - ganz genau geht es allerdings nur um den Penis, manch einer sagt auch Schwanz, des Esels im biblischen Alter. Das Tier hat er nach eigenen Angaben für zehn Euro gekauft. Der Esel ist allerdings kastriert. Und genau das könnte noch zum Problem werden. Für das Kunstprojekt braucht der Künstler einen erigierten Penis, was bei einem kastrierten Esel in seinem Alter schon schwierig genug ist. Aber unser Bulgarischer Künstler hat bereits weiter gedacht. Da es im Ort genug weibliche Eselinnen gibt, falls der Esel nur auf Blondinen stehen sollte, sieht er kein Problem in der Gliedversteifung. Der eigentliche Trick, Kunst ist bekanntlich Trickbetrug, liegt seiner Meinung nach in der dauerhaften Erektion, um mit des Esels Schwanz überhaupt Kunst machen zu können. Wie der bekannte Bulgarische Künstler das hinbekommt, das musste ich allerdings versprechen, nicht zu verraten. Zumindest bis zur Kunstaktion am Dienstag, zu der ich selbstverständlich eingeladen bin.

PS: Der Esel muss unter Umständen nach dem Kunstprojekt getötet werden. Natürlich nur, damit niemand anders die Kunstidee am selben Objekt wiederholen kann. Ich sage das jetzt deswegen, damit es später keinen Ärger mit eventuellen vegetarischen Freunden Bulgarischer Kunst gibt.

Fotos&Text TaxiBerlin

KLEINE BULGARISCHE SCHILDERKUNDE

Platz zum Rauchen

1 Platz für Behinderte

Beginn der großen Schilderkunde
Fotos&Text TaxiBerlin

TAXIBERLIN NOW AND LATER

TaxiBerlin jetzt und später
Foto TaxiBerlin

POOL PARTY MIT DEM DEUTSCHEN GERMANEN

Vorhin war der Nachbar kurz da. Es sollen heute knapp 40° werden und er möchte den Deutschen Germanen, wie er mich nennt, zu seiner Pool Party einladen. Da ich mir nicht vorstellen konnte, wie er das meint, schließlich wohnt er doch im Plattenbau, bin ich gleich mit der Kamera zu ihm rüber und habe mir die Sache mal angeschaut.

Ich hatte wohl die Größe seines Balkons unterschätzt. Auf jeden Fall fand ich bei ihm Alles in bester Ordnung. Er war gerade dabei Wasser in den Pool zu lassen. Das mit dem Deutschen Germanen sei natürlich nur ein Scherz von ihm, der allerdings im Deutschen nicht richtig funktioniert. Im Bulgarischen schon, weil sowohl Deutscher (Немец) als auch Germane (Германец) gebräuchlich sind.

Offensichtlich hatte er noch irgendwo eine Deutschlandflagge zu liegen, der Teufel weiß warum. Eins muss man dem Nachbarn lassen, er hat ein Auge für Farben. Optisch passt sie, zumindest meiner Meinung nach, hervorragend zu seinem Pool. Das mit der Fahne sei ein Witz, betonte er, den er extra für mich, seinem Deutschen Germanen, arrangiert hätte. Die Farben Schwarz Rot Gold findet er aber gut - jedenfalls besser als das schwule Rosa von seinem Pool.

Mir ist das egal - ist ja nur ein Pool, und zumal einer für Kinder. Ich finde die Idee mit der Pool Party prima, denn bereits jetzt ist es saumäßig heiß. Auf jeden Fall werde ich später mal beim Nachbarn vorbeischauen in der Hoffnung, daß er nicht nur genug Wasser im Pool sondern auch ausreichend Bier im Eisschrank hat. Vielleicht gehe ich aber sicherheitshalber vorher mal zum Supermarkt um die Ecke.

PS: Gestern wurde ich durch die Eingabe von "Asoziale Arschlöcher" im Netz gefunden! Was hat das jetzt wieder zu bedeuten?

Foto&Text TaxiBerlin

27.08.2010

IN BULGARIEN IST ALLES MÖGLICH


In Bulgarien ist alles möglich! Diesem dem Fall kann dieses kleine Land am Rande Europas gar nichts dafür. Schuld ist mein Cousin, der behauptete, er hätte Mäuse. Dabei sind das gar keine Mäuse sondern Siebenschläfer! Die sehen sich schon verdammt ähnlich. Nur den buschigen Schwanz, den haben Mäuse nicht.

Meinem Cousin ist das egal. Dann gehen ihm eben Siebenschläfer auf den Sack und keine Mäuse. Das ändert ja an der Lärmbelästigung nichts. Bei ihm haben sich die Siebenschläfer in die Mineralwolle, die eigentlich nur das Dach dämmen soll, einquartiert. Dazu haben sie ihm von außen schöne Löcher in den Putz neben den Dachbalken gegraben.

Damit aber nicht genug. Von innen haben sie auch schon angefangen die Holzbalken anzunagen. Wie kleine Biber. Die Hälfte vom Jahr pennen die Siebenschläfer. Allerdings im Winter, wie das auch manch Zweibeiner zu tun pflegt. Jetzt haben sie offensichtlich ausgepennt und führen meinem Cousin regelmäßig einen nächtlichen Tanz auf dem Dachboden auf.

Die sind halt nachtaktiv, versuche ich meinem Cousin die Situation zu erklären. Er nehme ja schon Rücksicht, sagt er. Und das stimmt wirklich. Ich berichtete auch schon darüber, daß es bei ihm erst immer nach Mitternacht Abendessen gibt. Aber irgendwann müsse er dann auch mal ins Bett. Schließlich gehöre zu den Bulgaren, die einer mehr oder weniger geregelten Arbeit nachgehen.

Und deswegen versucht er es nun mit Stychnin. Allerdings bisher ohne Erfolg. Die Tierchen sind einfach nicht tot zu kriegen. Vielleicht liegt es ja auch daran, daß sie geschützt sind. Man darf die eigentlich gar nicht töten. Zumindest bei uns nicht. Aber davon will mein Cousin nichts wissen. Schließlich sind wir hier in Bulgarien, und da sei eben alles möglich!

Text TaxiBerlin

HOCHZEIT AS USUAL


Neulich war ich zu einer Hochzeit eingeladen. Ich meine eine richtige Hochzeit. Mit zweihundert Gästen, Livemusik und einer Feier über das ganze Wochenende. Anfangs machte ich mir Sorgen, für wie viele Jahre sich das Brautpaar und deren Eltern sich dafür verschulden müssen.

Bis mir irgendwann mal jemand vorrechnete, wie das mit den Finanzen hier läuft. Das Brautpaar vereinbart mit dem veranstaltenden Restaurant einen Pauschalpreis pro Person, wo alles drin enthalten ist. Dazu muss man wissen, daß es hier durchaus üblich ist, bei Hochzeiten seinen Selbstgebrannten auf den Tisch zu stellen.

Nehmen wir an, der ausgehandelte Preis pro Person liebt bei zwanzig Euro. Das macht bei zweihundert Personen viertausend Euro. Der Trick bei der Sache ist nun, daß ausschließlich Geld geschenkt wird. Im Schnitt vierzig Euro pro Nase, was bei zweihundert Gästen achttausend Euro sind.

Zieht man nun die Ausgaben für Brautkleid, Anzug und Schuhe von eintausend Euro ab, bleibt immerhin noch ein Gewinn von dreitausend Euro. Heiraten ist somit keine Sache mehr, wobei man in Bulgarien arm wird, sondern ganz im Gegenteil: Ein lohnendes Geschäft!

Das Problem ist allerdings, daß man sich genauso wie bei uns, vor der nächsten Hochzeit wieder scheiden lassen muss. Ob sich das dann das allerdings noch rechnet mit dem Heiraten, da fehlen mir im Moment die genauen Zahlen.

Text TaxiBerlin

ÜBER DIE FRAU

Bin gerade beim Lesen eines meiner Lieblingsbücher auf ein weiteres Zitat des Hauptprotagonisten gestoßen, wo er sich einmal ganz anders zum Thema Frau äußert. Aber ließ am Besten selbst:

"Über die Frau. Wie soll ich dir das sagen? Die Frau ist eine Geschichte ohne Ende. Du bist wie einer von den kleinen Hähnen, die blitzschnell auf die Hennen springen, dann den Hals aufblähen, auf den Misthaufen steigen und, stolz über ihre Leistung, krähen. Die Henne gilt ihnen nichts, ihr roter Kamm ist ihnen die Hauptsache. Was für einen Begriff können die von der Liebe haben? Der Teufel hole sie!"

"Glaub mir: Die Frau ist was ganz anderes, sie ist gar kein Mensch.Warum sollte ich ihr böse sein? Die Frau ist ein unbegreifliches Ding, und alle Gesetze des Staates und der Religion befinden sich auf dem Holzweg. Die müssten den Frauen gegenüber ganz anders gehandhabt werden, nicht so streng und ungerecht. Wenn es nach mir ginge, würde ich für den Mann und für die Frau verschiedene Gesetze aufstellen. Zehn, hundert, tausend Gebote für den Mann, der Mann verträgt das. Aber keins für die Frau. Wie oft soll ich dir das sagen, Chef! Die Frau ist ein schwaches Geschöpf."

Na, hat schon jemand 'ne Ahnung, von wem das sein könnte? Also von mir nicht! Leider ...

Textauswahl TaxiBerlin

DAY OF DESASTER

TaxiBerlins linker Zeigefinger, fachgerecht verbunden und genauso noch dran, wie das Stromkabel!

Dieser Urlaub ist insgesamt schon nicht der Hit. Aber gestern war echt der DAY OF DESASTER. Der Tag fing harmlos an. Wir tranken früh nur einen Kaffee und fuhren dann in die Stadt zum Einkaufen. Bei der Gelegenheit aßen wir gleich Mittag, was allerdings ungenießbar war. Im Nachhinein muss man sagen, daß damit das Unglück seinen Ausgang nahm.

Motorsense mit Strychninkörner

Zurück im Dorf wollte ich nach einem Mittagsschlaf das Heu von der Wiese verbrennen, die keiner für mich mähen wollte und deren Heu auch niemand haben will. Die Flammen schlugen plötzlich so hoch, daß sie beinahe die darüber verlaufenden Stromleitungen zum zerreisen brachten. Das beherzte Ausgießen eines bereitstehenden Wassereimers verhinderte das Schlimmste. An einer Stelle hatten die einzelnen Drähte der Stromleitung allerdings schon begonnen sich aufzudröseln. Sollte es doch noch irgendwann zum Äußersten kommen, so habe ich bereits die landestypischen Abwehrstrategie verinnerlicht: "Ich weiß von nichts!"

Das Zweitbeste Bier Bulgariens in der 600ml Plastikflasche mit original Wegwerfverschluss

Auf den Schreck gönnte ich mir erstmal ein Bier. Genau genommen war es LEDENIKA (nur Echt mit der Fledermaus!), das Bier meines Cousins, und ich kann ohne Übertreibung sagen: Das Zweitbeste Bier Bulgariens - nach ZAGORKA. Plötzlich bekam ich Hunger zum Bier. Frühstück hatten wir ja ausfallen lassen und das Mittagessen war wie oben beschrieben.

Was mich allerdings dazu getrieben hat, eine Wurstverpackung sozusagen frei Hand mit dem Messer öffnen zu wollen, kann ich auch im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen. Allerdings wusste ich auch nicht, daß mein Cousin das Messer gerade vorher geschärft hatte. Und so nahm das weitere Leiden seinen Lauf. Das Messer landete einen Zentimeter tief in meinem linken Zeigefinger. Die Wunde hätte eigentlich genäht werden müssen. Wir waren aber auf'm Dorf und kein Arzt weit und breit.

Nachdem es gestern nur einen Notverband aus Damenbinde und Tesa gab, bekam ich heute einen ordentlichen Verband. Zuvor, wir wollten gerade losfahren, kam dann auch noch die Maus raus. Die war wohl neugierig, was da draußen abgeht. Offensichtlich ist aber auch sie gegen Strychnin resistent. Obwohl sie schon 'ne Menge von den vergifteten Körnern gefressen hatte, machte sie insgesamt noch einen sehr lebendigen Eindruck. Nur etwas langsam war sie, das muss man sagen. Oder anders herum: Ich war mit dem Knüppel einfach schneller, was allerdings auch mein Zeigefinger im Notverband zu spüren bekam.

Apropos Finger abschneiden: Ich lese gerade mal wieder eines meiner Lieblingsbücher, wo der Hauptprotagonist sich die Hälfte seines Zeigefingers der linken Hand abhackt, weil der ihn beim Töpfern stört. Falls jetzt jemand denkt, das Buch wäre aus der Esoterikecke, hier gleich mal ein Zitat vom besagten Hauptprotagonisten:

"Das Weib ist nun einmal ein krankes, ein schwaches, immer nörgelndes Geschöpf. Wenn du ihr nicht sagst, daß du sie liebst und sie besitzen willst, jammert und heult sie. Vielleicht mag sie dich gar nicht, vielleicht ekelt sie sich sogar vor dir, vielleicht sagt sie dir nein. Das hat damit nichts zu tun. Wer sie anschaut, sollte sich von ihren Reizen wie von einem Magneten angezogen fühlen. Das will die Arme, tu ihr also den Gefallen!"

Wer ist der Autor und wer der Hauptprotagonist? Zu gewinnen gibt es weitere exklusive und ausschließlich wahre Geschichten aus dem LAND OF DESASTER.

Fotos&Text TaxiBerlin

26.08.2010

STRYCHNINRESISTENZ


Zweitausend Kilometer von der Heimat entfernt, fällt es mir schwer, mich an Dinge zu erinnern, die mehr als zwei Tage zurückliegen. Ehrlich gesagt bin ich froh, daß ich noch weiß, was gestern war. Meinem Cousin geht es übrigens wieder besser. Entweder ist er gegen STRYCHNIN resistent oder er hat sich nur eingebildet, daß es ihm nicht gut geht. Die Mäuse sind allerdings noch da. Die ließen sich auch von den Plastikbierflaschen nicht beeindrucken. So blieb uns am Ende nichts weiter übrig, nach dem RAKIJA noch das BIER auszusaufen. Das führte allerdings wiederum dazu, daß ich mich an vorgestern schon gar nicht mehr erinnern kann ...

Text TaxiBerlin

24.08.2010

VON MENSCHEN UND MÄUSEN


Nach der Aktion von letzter Nacht wollten mein Cousin und ich uns heute erstmal etwas ausruhen. Daraus wird jetzt nichts, denn mein Cousin hat Mäuse in seiner Hütte. Plötzlich waren sie da. Müssen über Nacht gekommen sein. Gestern war jedenfalls noch alles in Ordnung.

Ich bin gleich los und wollte eine Katze von der Straße wegfangen. Hunde gibt es dort genug. Aber keinen einzigen Stubentiger weit und breit. Nicht mal ein ex-Stubentiger. Nicht irgendetwas, was irgendwie auch nur annähernd wie eine Katze aussah.

Als ich zurückkam, stellte mein Cousin irgendeinen Ausschlag bei sich fest. Keine Ahnung, wo der nun schon wieder herkam. Vom Friedhof? Oder von den Mäusen in seiner Bude? Ob er noch andere Haustiere hat, wollte ich ihn schon fragen, als er mir von sich aus erzählte, was er während meine Abwesenheit gemacht hat.

Er hatte mir von vornherein wenig Hoffnung gemacht, daß ich auf der Straße außer herrenlosen Hunden irgendetwas finden würde, und schon gar nichts gegen seine Mäuse. Und da hat er einfach angefangen, einen tödlichen Cocktail für die Mäuse zu mixen. Das erste Opfer ist allerdings keine Maus sondern mein Cousin selbst.

Und um den muss ich jetzt kümmern. Als erstes habe ich uns ein paar Bier kalt gestellt. Bei der Gelegenheit hab ich uns beiden einen großen gekühlten RAKIJA eingegossen. Auf den Schreck sozusagen. Wenn sich jetzt eine von den Mäusen zeigen sollte, kann ich sie immer noch mit einer Bierflasche erschlagen.

Die sind nämlich aus Plastik, so daß zumindest für das Bier keine Gefahr besteht.

Text TaxiBerlin

AUF DEM FRIEDHOF


Eigentlich wollte ich letzte Nacht Schrott sammeln gehen. Ich bin dann aber doch nur bis zum Friedhof vom Nachbardorf gekommen. Dort liegt einer meiner Väter begraben und die Grabstätte musste mal wieder sauber gemacht werden. Der ganze Friedhof gleicht einem Dschungel. Wege gibt es nicht, und wenn man noch nie dort war, hat man kaum eine Chance, irgendeine bestimmte Grabstätte zu finden.

Das Ableben meines Erzeugers jährt sich erst zum neunzehnten Mal die Tage. Er ist auch nur sechzig geworden. Die Hälfte davon war er von irgendwas abhängig, geraucht hat er bereits vorher wie ein Bitterfelder Chemieschlot. Sein frühes Ende kam somit nicht völlig unerwartet damals. Unerwartet waren nur die Umstände seines Ablebens. Ausgerechnet von seinem kleinen Heimatdorf aus, das er viele Jahre nicht aufgesucht hatte, ging er auf seine letzte Reise.

"Zum Glück", muss man heute sagen, ist er nicht in Deutschland gestorben. Vielleicht wäre ich oder einer meiner Brüder dann noch auf die Idee gekommen, die Beisetzung nicht selbst bezahlen zu wollen. Gründe dafür hätten wir alle genug gehabt. Und selbst wenn! Hätte es dann einer von uns an die große Glocke gehängt? Ich weiß es nicht ...

Neulich hab ich noch mit meinem Cousin über diese Möglichkeit in Deutschland gesprochen. Der hat erst gar nicht verstanden, wovon ich überhaupt rede. Dann hat er mit dem Kopf genickt, was dasselbe wie Kopfschütteln bei uns ist, das Gesicht verzogen, als hätte er gerade in was Saures gebissen, und irgendwelche zwar passenden aber unverständlichen Laute von sich gegeben.

Wie gesagt, ich hatte damals auch noch ein paar Rechnungen offen mit meinem alten Herrn. Aber manche Rechnungen können eben nicht auf Heller und Pfennig beglichen werden, zumindest nicht im Diesseits. Einige Rechnungen nimmt man wohl mit ins Grab ...

Mir hat es letzte Nacht jedenfalls höllischen Spaß gemacht, mit einer Motorsense die Grabstätte meines Vaters zu bearbeiten und dabei etwas die Totenruhe zu stören. Für die Beleuchtung hat übrigens mein Cousin gesorgt.

Text TaxiBerlin

23.08.2010

TAXIBERLIN IST UNSCHULDIG


Der Metablogger ist mein Zeuge. Ich bin es nicht gewesen, der halb Sylt angezündet hat. Obwohl die Beschreibung des Täters TaxiBerlin nicht völlig ausgeschlossen hat: 46Jahre, klein, dick, Eigenbrötler ...

Zum Glück bin ich gerade in Bulgarien. Sylt könnte ich mir gar nicht leisten. Den Hindenburgdamm kenne ich auch nur aus Steglitz. Und was Sylt selbst angeht: Ist das nicht dieser Schuppen am Kuhdamm, wo die ganzen Silikonpüpchen mit ihren "Ersatzteilspendern" zum Muscheln schlürfen hingehen?

Ist mir auch egal. Berlin ist weit weg von Bulgarien. Und Sylt noch weiter. Hier ist es bereits dunkel und ich muss langsam los. Nee, heute mal nicht zu meinem Cousin. Der muss auch mal ohne mich klar kommen. Diese Nacht geht's zum Schrott sammeln ...

Text TaxiBerlin

DREI BULGARISCHE SCHROTTHÄNDLER


sollen letzte Woche versehentlich ein Glasfaserkabel gekappt und damit eine zentrale Internetverbindung zwischen Deutschland und Asien für zehn Stunden unterbrochen haben. Mit dem Kabel sollen sogar Bankdaten übermittelt worden sein. Das muss man sich mal vorstellen! Zehn Stunden keine Deutschen Bankgeschäfte in Fernost und möglicherweise auch umgedreht nicht. Zum Glück waren die Bulgaren Nachts auf der Suche nach Altmetall, wo blöderweise gar keine Geschäfte möglich sind. Trotzdem soll sich der Schaden auf knapp eine Million Euro beziffern. Da müssen die wohl in Zukunft noch 'ne Menge Schrott sammeln müssen, oder wie der Bulgare sagt: "Wird schon werden!"

Text TaxiBerlin

DIE PREUSSEN DES BALKANS

Hier sitzen wir immer, mein Cousin und ich. Auf der Bank vor seinem Block. Wir sind beide keine Freunde von vielen Worten. Oft schweigen wir beide einfach nur vor uns hin. Gelegentlich studieren wir die Todesanzeigen (links), und manchmal sogar das Klingelbrett (rechts).

Mein Cousin wohnt in einem ordentlichen Block. Da hat er sozusagen Glück gehabt. Das ist nicht immer der Fall. Es hätte auch ganz anders kommen können. Man weiß vorher nie, wer da noch alles was kauft. Ich verrate nicht zuviel, aber bei manchem Block möchte man lieber nicht vor der Tür sitzen.

Nachdem wir lange genug geschwiegen haben, gehen wir rein zu meinem Cousin. Dort steht der Salat meist schon auf dem Tisch und mein Cousin muss nur noch den RAKIJA aus dem Kühlschrank holen. Später, zum Hauptgericht, gibt es dann auch noch Bier.

Alles hätte eigentlich meine von Berlin gewohnte Ordnung haben können, wenn mein Cousin nicht immer erst um halb zehn Feierabend machen würde und wir uns kaum vor 22Uhr auf der Bank vor seinem Block treffen. Salat und RAKIJA gibt es somit erst um 23Uhr, und Hauptgericht plus Bier erst nach Mitternacht.

Aber ich will mich nicht beklagen. Andere Länder, andere Sitten. Letztendlich hat ja doch alles eine Ordnung, eben nur um ein paar Stunden zeitversetzt, was auch der Hitze am Nachmittag und frühen Abend geschuldet ist, die kaum Appetit aufkommen lässt. Man nennt die Bulgaren schließlich nicht völlig grundlos DIE PREUSSEN DEN BALKANS.

Foto&Text TaxiBerlin

POLICE POLIZEI POLIZIST


Mein Cousin hat kein Auto. Dafür aber ein Mofa (Foto oben), womit er mich manchmal mitnimmt. Das ist nicht besonders bequem, aber immer noch besser als völlig immobil zu sein. Wichtig ist auch hier die vorausschauende Fahrweise. Die richtige Polizei im Land fährt nämlich ausschließlich echte OPEL ASTRA (Foto unten). An allen anderen, die einen anzuhalten versuchen, kann man getrost vorbeifahren. Die sind zu einhundert Prozent MENTE, wie der Bulgare es nennt; oder eben GETÜRKT, wie der Berliner zu sagen pflegt.

ПОЛИЦИЯ (Police) ist die Polizei (Foto unten). Aber Polizei (ПОЛИЦАЙ) im Bulgarischen ist der Polizist. Das hört sich kompliziert an, ist es aber gar nicht. Rufst du Polizei, so rufst du nur nach einem Polizisten. Brauchst du dagegen die Polizei, musst du du die ПОЛИЦИЯ (POLIZIJA) bestellen. Wie du es machst, ein bisschen Glück gehört dazu, damit überhaupt jemand kommt. Und wenn, dann immer auf den echten OPEL ASTRA achten!

Fotos&Text TaxiBerlin

SOZIALISTISCHER REALISMUS IM POSTKOMMUNISMUS

Das Wandbild vom Kindergarten gegenüber. Aber auch der Plattenbau im Hintergrund. Im Vordergrund: "Der neue Mensch"! Ganz in Schwarz im Marken-Einheits-Outfit.

Foto&Text TaxiBerlin

БИЗНЕС ЦЕНТЪР - BUSINESS CENTER

Im vierten Stock des örtlichen BUSINESS CENTER sind neun von fünfzehn Büros Anwältskanzleien. Außerdem gibt es eine Zahnarztpraxis namens SMILE. In der dritten Etage sitzen unter anderem die Redaktion der Zeitung KOSTENLOSER NAVIGATOR und eine Immobilienfirma mit dem Namen TANGRA. Im zweiten Stock ist die Bulgarische Sozialistische Partei. Das Erdgeschoss und der Keller scheinen noch komplett frei zu sein!

Foto&Text TaxiBerlin

CRO MAGNON BULGARICUS

Den LACTOBACILLUS BULGARICUS gibt es wirklich. Damit stellt der Bulgare seinen Joghurt her. Einer der besten überhaubt, was, aber das nur nebenbei, vor allem an der unbelasteten Milch liegen dürfte. Industrie ist spätestens seit der Wende in Bulgarien unbekannt.

Nun habe ich hier im Ort den CRO MAGNON BULGARICUS ausgemacht. Der steht auf einem Fensterbrett mit einer bulgarischen Flagge geschmückt genau gegenüber dem Souvenirladen, wo man die T-Shirts BULGARIEN AN DREI MEEREN verkauft.

Gibt es einen Zusammenhang? Ich bleibe dran!

Foto&Text TaxiBerlin

22.08.2010

LEICHTE NACHT


Wünscht man hier anstelle von GUTE NACHT. Da interessiert es den Bulgaren wenig, wieviel Absacker du vorher getrunken hast, oder ob du gar die nötige BETT-SCHWERE hast. Ich weiß selbst, daß das alles keinen Sinn ergibt, aber nach dem elften RAKIJA ist mir das auch egal. LEICHTE NACHT rufe auch ich meinen Lesern zu! Und vergesst nicht: Ich bin euch eine Stunde voraus.

Foto&Text TaxiBerlin

ТАКСИ = TAKSI = TAXI

Und nach dem Bier sich unbedingt mit dem Taxi nach hause fahren lassen. Nicht verwechseln mit dem "nach hause" fahren der Zugezogenen in Berlin. Die fahren ja bekanntlich nicht mit dem Taxi "nach hause".

In Bulgarien gilt, was Taxi bzw. Taxis angeht, weiterhin folgendes:

ein Taxi = TAKSI
das Taxi = TAKSITO
mehrere Taxis = TAKSITA
die Taxis = TAKSITATA

TAKSITATA, oder auch TAXITATA, nicht verwechseln mit TATÜTATA, also Taxis in der Mehrzahl mit bestimmten Artikel, ist mein absoluter Liebling. Das liegt aber nicht etwa daran, daß ich zuviel ZAGORKA getrunken hätte, sondern vielmehr an der Tatsache, daß in Bulgarien der bestimmte Artikel ans Wort drangehängt wird. Im Falle von TAKSITATA, oder auch TAXITATA, nicht verwechseln mit TATÜTATA, kommt der Umstand hinzu, daß die Endung für die Mehrzahl identisch ist mit der Endung für den bestimmten Artikel.

Foto&Text TaxiBerlin

ZAGORKA - DAS BESTE BIER BULGARIENS

Eines der besten Biere in Bulgarien ist zweifellos ZAGORKA aus STARA ZAGORA. Aus dem Fass (siehe Foto) bekommt man es relativ selten, meist muss man sich mit der Flasche begnügen. Der Preis im Restaurant liegt, egal ob Fass oder Flasche, bei knapp einem Euro für den halben Liter.

Foto&Text TaxiBerlin

DIE BULGARISCHEN TWIN PEAKS

Was war das gleich nochmal, TWIN PEAKS? Eine Serie? Ein Film? Oder beides? Keine Ahnung! Auf jeden Fall eine der nervigsten Geschichten aus Amerika, die je auf Zelluloid gebannt worden sind.

In Bulgarien gibt es sie auch, die TWIN PEAKS! Immerhin knapp zweitausend Meter hoch. Man kann sie sich jederzeit ansehen. Auch Nachts. Oder man geht einfach rauf. Ist besser als Fernsehen und Kino zusammen.

Alles garantiert ohne blödes rumgenerve!

Foto&Text TaxiBerlin

GEFÄHRLICHE BULGARISCHE TAXISPINNE


Gewarnt wird vor der gefährlichen bulgarischen Taxispinne (Foto oben). Diesen Namen gab man dieser Spezies hier nicht nur wegen der sonst vor allen von Taxen verwendeten Farbkombination Schwarz/Gelb, sondern auch wegen ihrer Möglichkeit, (fette) Beute zu machen, die teilweise größer ist als die Taxispinne selbst (Foto unten).

Fotos&Text TaxiBerlin

ERSTER BULGARISCHER BLITZER


So sieht er aus, der erste bulgarische Blitzer. Ob er auch funktioniert? Keine Ahnung! Ich musste schnell weiter ...

Fotos&Text TaxiBerlin

BERLIN IS IN GERMANY

und MONTANA IS IN BULGARIA!

Foto&Text TaxiBerlin

FLEISCH IST TEUER


Natürlich essen die Menschen in Bulgarien auch Fleisch. Nur nicht so häufig wie bei uns. Denn Fleisch ist teuer. Es kostet nahezu genauso viel wie in Deutschland. Wer Glück hat, dessen Eltern oder Großeltern wohnen noch, oder wieder, auf dem Dorf und versorgen die Kinder und Enkelkinder nicht nur mit Obst und Gemüse sondern auch mit Eiern und Fleisch.

Kostenpunkt: Etwa Fünf Euro für zwei Personen; oder eben umsonst, wenn von den Eltern oder Großeltern vom Dorf.

Mindestens genauso wichtig wie das Essen sind die Getränke. Zum Salat trink der Bulgare seinen RAKIJA (links im Bild). Zum Hauptgericht gibt es BIER (nicht abgebildet), und ab einem bestimmten Alter trinkt man zu jeder Zeit MASTIKA (rechts im Bild), den bulgarischen Anisschnaps.

Fotos&Text TaxiBerlin

PREISWERT ESSEN


Normalerweise muss nicht extra erwähnt werden, daß hier nicht nur die Tomate noch nach Tomate, sondern auch die Kartoffel nach Kartoffel und die Gurke nach Gurke, schmeckt. Da ich aber laut meines Analytikers insbesondere in großen Städten gelesen werde, bin ich mir nicht sicher, ob ich soviel gesunden Menschenverstand voraussetzen darf.

Auf jeden Fall lässt sich aus dem genannten Gemüse nicht nur ein herrlich preiswertes Essen zaubern, welches das Herz eines jeden Sarrazin schneller schlagen lässt. Nein, sogar eingefleischte Fleischfresser unter den Zweibeinern kommen geschmacklich garantiert auf ihre Kosten.

Apropos: Ein Euro für zwei Personen.

Und zum Nachtisch Melone - umsonst vom Nachbarn.

Foto&Text TaxiBerlin

DIE ROSA TOMATE

Selbst in Bulgarien ist Tomate nicht gleich Tomate. Zu den schmackhaftesten Tomaten im Land zählen zweifellos die Rosa Tomaten. Nicht verwechseln mit der Rosaroten Brille! Die Bulgarische Rosa Tomate ist allerdings fast so selten wie die Blaue Mauritius. Sie gedeiht nämlich nur auf dem Balkon von Plattenbauten aus den Sozialistischen Siebzigern mit Südlage. Warum das so ist, bleibt vorerst ein weiteres Geheimnis dieses kleinen Landes mit dem Namen Bulgarien.

Foto&Text TaxiBerlin

20.08.2010

AUS NICHTS ETWAS MACHEN


Für die meisten Bulgaren besteht der Unterschied zwischen Deutschen und Bulgaren darin, daß die einen aus NICHTS ETWAS machen und die anderen aus ETWAS NICHTS. Im Bulgarischen klingt das witzig, weil NICHTS (Nishto) und ETWAS (Neshto) nahezu identisch klingen.

Der ein oder andere wird sich jetzt fragen, was denn das ETWAS sein soll, über das Bulgarien verfügt. Hier die Aufklärung: Die Gebirge, die Mineralquellen, der Joghurt, der Schafkäse, die Tomaten ...

Apropos Tomaten. Bei einem Seminar an dem ich vor vielen Jahren an der FU (Freie Universität) teilnahm, ging es um den Vergleich Deutschland Bulgarien in Sachen Landwirtschaft. Völlig wertfrei wurde anhand der Hektarerträge festgestellt, daß Bulgarien einen Entwicklungsrückstand hat.

Die Zahlen mögen gestimmt haben, aber wie geht denn bitte sehr Entwicklungsrückstand mit Wertfreiheit zusammen? Die hatten offensichtlich alle noch keine bulgarische Tomate gegessen und konnten deswegen natürlich nicht wissen, wovon sie da reden.

Damals sagte ich nichts, denn ich übte mich bereits darin, den Rat des Weisen vom Berge zu verinnerlichen: Bekämpfe keinen Irrglauben. Heute kann ich es sagen: Nur die Bulgarische Tomate schmeckt noch nach Tomate!

Was bei uns Bio-Tomate heißt, hat mit einer Bulgarischen Tomate nichts gemein. Bio sagt doch nur, daß das Teil nicht nach Chemie schmeckt. Aber deswegen schmeckt es noch lange nicht nach Tomate, und schon gar nicht wie eine Bulgarische!

Gelegentlich werde ich angesprochen, auch von Wildfremden, wo es denn nun besser wäre, in Deutschland oder hier. Dann erzähle ich immer die Geschichte mit den Tomaten. Die versteht zwar keiner wirklich, aber damit ist das Gespräch rasch beendet und ich muss nicht lügen.

So behalte ich einen weiteren Vergleich in der Regel für mich. Dabei geht es um den Umstand, wo Antworten auf Fragen allgemein mehr der Wahrheit entsprechen. Dazu muss man wissen, daß es manchen Menschen schwer fällt zuzugeben, wenn sie etwas nicht wissen, und aus diesem Grund einfach aus NICHTS ETWAS machen.

Text TaxiBerlin

19.08.2010

"FLASCHENSAMMLER LEISTET SICH URLAUB"


Lauten die absurdesten Suchbegriffe des heutigen Tages, die zum Auffinden meines Blogs führen. Ich bin selbst dran schuld, daß es soweit kommen konnte. Wochen-, was sage ich, Monatelang habe ich dem Internet was vorgemacht und behauptet, ich wäre kein Taxifahrer mehr sondern ein ehrlicher Flaschensammler. Das war nicht nett! Vor allem entsprach es nicht der Wahrheit.

Richtig ist, daß ich mir gerade Urlaub leiste. Falsch ist allerdings, daß ich Flaschensammler wäre. Deswegen hier nun die öffentliche Richtigstellung: Ich bin kein Flaschensammler und ich war niemals Flaschensammler. Ob ich eventuell in Zukunft irgendwann einmal Flaschensammler sein werde, darüber wage ich keine Prognose. Man soll bekanntlich im Leben niemals NIE sagen.

Es gibt in der Tat ehrliche Flaschensammler. Die meisten von ihnen sind es sogar. Aber es gibt eben auch diese kleine Zahl von Flaschensammlern, die sich selbst als Vorhut sehen, die aber den mit vielen ehrlichen Flaschensammlern rein gar nicht gemein haben. Diese unehrlichen Flaschensammler behaupten beispielsweise, daß es sich beim Flaschensammeln um eine SAUBERE Arbeit handeln würde.

Dem ist natürlich nicht so. Und jeder ehrliche Flaschensammler kann dies bestätigen. Meine Entscheidung, euch und dem Netz sozusagen einen virtuellen Flaschensammler vorzuspielen, diente einzig und allein dazu, auf das Problem der unehrlichen Flaschensammler aufmerksam zu machen, damit diese nicht weiterhin Unwahrheiten übers Flaschensammeln verbreiten können.

Meiner Meinung nach liegt die Lösung des Problems darin, einen Tag des EHRLICHEN Flaschensammlers ins Leben zu rufen, an dem alljährlich und hochoffiziell darauf aufmerksam gemacht wird, daß es sich beim Flaschensammeln um keine SAUBERE Arbeit handelt.

Text TaxiBerlin

AUSPUFF & AUSPUSSY


War gerade mit einem hiesigen Kollegen in der Werkstatt. Eigentlich sollte es eine ganz normale Taxifahrt von A nach B werden. Plötzlich ist ihm der Auspuff von seiner Karre abhanden gekommen. Er wollte schon einen Kollegen rufen, damit ich weiter komme.

Ich lehnte dankend ab. Ich habe es nicht eilig. Außerdem ist so ein Besuch in einer bulgarischen Werkstatt immer sehr aufschlussreich. Trotz Mittagszeit war das Teil gut besucht. Sämtliche Karren, die auf dem Hof standen, hätte der TÜV bei uns schon vor Jahren aus dem Verkehr gezogen.

Die Taxe des bulgarischen Kollegen übrigens auch, aber das nur nebenbei. Die beiden hinteren Töpfe müssten erneuert werden. Da das Modell alt ist, gibt es keine Gebrauchtteile. Dafür würden sie es aber sofort machen. Kostenpunkt: sechzig Euro.

Der Taxifahrer verdreht leicht die Augen. Ich finde den Preis OK. Immerhin kriegt er Neuteile. Allerdings, und das wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht, keine Originalteile. Um den Kollegen die Entscheidung zu erleichtern, lade ich ihn in eine naheliegende Kantine zum Essen ein.

Auf dem Weg dahin klagt er mir sein Leid. Sechzig Euro! Die Karre sei gerade einmal Hundert wert. Eine Woche müsse er nun für diesen Quatsch arbeiten. Was wohl seine Frau dazu sagt. Wahrscheinlich müssten sie den Urlaub am Meer dieses Jahr ausfallen lassen.

Als wir die Kantine erreichen, hat sich der bulgarische Kollege schon wieder etwas beruhigt. Früher, also vor der Demokratisierung, wie die Wende in Bulgarien heißt, sei auch er gerne hierher zum Essen gekommen. Nun wolle aber auch er mal was anderes essen als immer nur Bulgarisch. Von seinen Kindern ganz zu schweigen, die wollen immer nur Pizza und Pommes.

Wir nehmen jeder eine Suppe, Salat und einen Hauptgang. Natürlich auch Brot. Es ist Selbstbedienung. Das Essen ist fertig, aber trotzdem warm. Wir sind zur richtigen Zeit gekommen. Das hatte ich bereits beim Eintreten bemerkt. Auf der Tafel war noch kein Gericht durchgestrichen, es gab noch das komplette Mittagsangebot. Kostenpunkt hier für zwei Personen: fünf Euro.

Nach einer knappen Stunde sind wir zurück in der Werkstatt. Sein Taxi ist bereits fertig. Über der Grube steht jetzt ein anderes Fahrzeug. Der Kollege stürzt sich sogleich unter seinen Wagen. Der Auspuff hängt zu tief. Das geht nicht. Er hat auch Kunden in Dörfern mit unbefestigten Straßen. Die reißen ihm diesen Auspuff gleich wieder ab.

So wäre das aber bei diesem Model. Was er wolle? Der neue Auspuff wäre schließlich mehr wert wie seine ganze Karre! Außerdem ist ein etwas tiefer hängender Auspuff sogar besser. Wofür genau, vermochte der Meister allerdings auch nicht zu sagen.

Der Kollege insistiert. Die Arbeiter müssen nachbessern. Zurück über die Grube. Kurz was abgeflext und gleich wieder neu angeschweißt. Dann noch etwas Farbe drauf und fertig ist der Lack. Der Kollege bleibt kritisch, aber was bleibt ihm weiter übrig. Er hat schon genug Zeit verloren, und nun wird er auch noch die Kohle für die ganze Woche los.

Ob man bei uns auch so arbeitet, fragt er mich bei unserer Weiterfahrt. Schwer zu sagen. Alleine so ein Sofortservice ist schwer zu finden und kostet vielleicht alleine schon sechzig Euro?! Aber ich weiß ehrlich gesagt nicht genau.

Eins weiß ich aber mit Sicherheit: Die Mehrzahl von AUSPUFF heißt bei uns nicht AUSPUSSY!

Text TaxiBerlin

"ICH MÖCHTE DICH FÖGELN"


Mit diesen Stichworten hat mich gestern jemand im Netz gefunden. Das musst du dir mal vorstellen! Und das, wo ich doch gar nicht zu hause sondern im Ausland bin!

Mein Metablogger hat offensichtlich dasselbe Problem, allerdings mit umgekehrten Vorzeichen. Der möchte nach Möglichkeit gar nicht gefunden werden. Allerdings hat er wohl das Netz unterschätzt. Das fand ihn sogar da, wo er gar nicht mehr war.

Bei mir ist das umgedreht. Ich habe das Netz nie unter- sondern immer überschätzt. Und nun das! Da gibt irgend so ein Idiot, ich möchte die Wörter weder wiederholen noch die Orthographie kommentieren, ein, und prompt landet er bei mir.

Ich meine, gut, die meisten meiner Leser befinden sich sowieso im Ausland. Aber trotzdem, oder besser: gerade deswegen!, kann ich doch zumindest minimale Grundkenntnisse der deutschen Rechtschreibung voraussetzen.

Im Moment weiß ich echt nicht mehr weiter! Soll ich komplett untertauchen im Datennirvana? Oder einfach nur eine Rechtschreibprüfung für meine Seite einführen? Fürs erste lasse ich mich unkenntlich machen - beim Street View!

Danach sehe ich weiter, wenn auch nicht unbedingt klarer. Auf jeden Fall werde ich veranlassen, auch mein Taxi unkenntlich machen zu lassen. Das kann ich auch insbesondere nur denen raten, die mich seinerzeit blöd angemacht haben, als ich einmal zwei Sätze übers Trinkgeld geschrieben hatte.

Vielleicht sind das aber auch dieselben, die mich jetzt FÖGELN wollen?! Das erscheint mir, wenn ich's mir recht überlege, sogar mehr als wahrscheinlich. Machten sie doch von Anfang an einen sehr bemitleidenswerten Eindruck auf mich ...


Text TaxiBerlin

18.08.2010

DER SUPERMARKT UM DIE ECKE


Komme gerade vom Supermarkt um die Ecke. Dorthin gehe ich immer, meist irgendwann im Laufe des Nachmittags, wenn es draußen wegen der Hitze nicht mehr auszuhalten ist. Im hiesigen Supermarkt, dessen Namen ich wegen Schleichwerbung und so nicht verraten möchte, gibt es nämlich eine saugut funktionierende Klimaanlage, oder eben KLIMATIK, wie der Eingeborene das Teil nennt.

In Sachen Supermarkt ist der Ort hier zweifellos eher über- als unterversorgt. Alle auch in Berlin gängigen Ketten sind vertreten, und noch mehr. Selbst der Österreicher hat es sich nicht nehmen lassen, mitten im Zentrum so eine Einkaufshölle hinzubauen. Hauptzielgruppe sind übrigens die Bulgaren, die im Ausland ihr Geld verdienen. Der gemeine HIERGEBLIEBENE bringt seine Kröten eher in hiesigen Cafes durch.

Genau zu dem Ösi im Zentrum gehe ich, wenn ich es draußen bei Temperaturen von knapp vierzig Grad nicht mehr aushalte. Wenn ich ehrlich sein soll, empfinde ich die natürlich nur von mir so genannte Hölle immer eher als kühle Tropfsteinhöhle, von der es hinterm Ort in den Bergen sogar eine richtige gibt, was mir aber gerade bei der Hitze immer zu weit ist.

Wenn ich einmal im Supermarkt bin, muss ich natürlich auch immer etwas einkaufen. Das gebietet einfach der gute Geschmack. Meist ist es Bier, das in riesigen Eisschränken für mich bereitsteht. Der Einheimische trinkt seinen RAKIJA und im Normalfall was alkoholfreies dazu. Obwohl man insgesamt aber sagen kann, daß der Bulgare an sich schon ein Allestrinker ist.

Das wird auch durch die Tatsache unterstrichen, daß es nicht nur in diesen riesigen Eisschränken von dem Supermarkt mit der sauguten Klimaanlage, sondern auch außerhalb, sozusagen im Rest des kleinen Landes, eine große Auswahl an trinkbaren Biersorten gibt. Die meisten von ihnen stehe als große Plastikflasche im XL oder sogar XXL Format zum Kauf bereit.

Ich finde diese großen Flaschen prinzipiell toll. Bereits vor Jahren im Amiland bin ich nicht an ihnen vorbeigekommen. Obwohl man dort immer aufpassen musste, wo und wann man die Plärre trinkt, vom anschließenden Wasserlassen ganz zu schweigen. Diese Probleme sind hier allesamt unbekannt. Hinzu kommt, daß die meisten Biersorten sogar trinkbar sind. Woran das liegt?

Erst einmal am Wasser. Das ist viel weicher als beispielsweise in Deutschland. Probleme mit Kalk an Haushaltsgeräten sind hier komplett unbekannt. Hinzu kommen von Natur aus ökologische Inhaltsstoffe. In Bulgarien gibt es kaum Industrie. Und dann sollen nach dem Mauerfall viele hiesige Brauereien alte, aber bewährte, Technik aus Deutschland geholt haben.

Sekunde, muss schnell zum Kühlschrank, mein Bier holen ... PROST! НА ЗДРАВЕ! ... Hmmm, nicht schlecht ...

Zum Bier habe ich mir Erdnüsse gekauft. Der Bulgare bevorzugt ja eher Sonnenblumenkerne, aber Erdnüsse lässt er glaube ich zum Bier durchgehen. Heute habe ich mir zum ersten mal überhaupt nicht geschälte Erdnüsse gekauft. In den meisten Fällen werden ausschließlich geschälte gesalzene Erdnüsse angeboten. Und nun merke ich gerade, daß deren äußere Schale ebenfalls gesalzen ist.

Auch nicht schlecht ...

Ein kleines Detail hatte ich bisher gar nicht erwähnt. Mein Supermarkt um die Ecke verfügt nicht nur über eine gutgehende Klimaanlage, sondern geht einem auch nicht mit irgendwelchen nervigen Werbedurchsagen auf die Eier wie die gesamte Konkurrenz im Ort.

Jetzt, nach dem dritten Bier und einer halben Tüte ungeschälter gesalzener Erdnüsse kann ich ja den Namen meines Supermarktes nennen. Ist doch keine Schleichwerbung, wenn ich meinen Lesern verrate, wohin ich jeden Nachmittag vor der Hitze fliehe. Und wenn schon, ist sowieso nur ein privater Blog, den wie all die anderen privaten Blogs ja sowieso kein Schwein ließt: BILLA

Text TaxiBerlin

WIR SIND MEISTER


Bulgarien ist ein schönes Land. Jeder ist ein Meister. Die Toilettenfrau "meistert" das WC. Der Monteur "mummt" das Auto. Und die Verkäuferin verkauft "meistbietend".

(Früher, als es in Bulgarien noch richtige Meister gab, waren das die Bash-Meister. Heute, wo es keine richtigen Meister mehr gibt, sind alle Bash-Meister. Die Bedeutung des Wortes, welches türkischen Ursprung ist, hat sich somit komplett ins Gegenteil verkehrt.)

Wie es sich für "richtige" Meister gehört, sind sie natürlich niemals pünktlich. Das würde gegen alle Regeln des schlechten Geschmacks verstoßen. Der Kunde hat gefälligst zu warten. Das war schon immer so. Und es war ja schließlich nicht alles schlecht - früher!

Ein Meister geht nie zweimal zu einem Kunden, wenn der nicht ein Mindestmaß an Geduld und Ausdauer mitbringt. Sollte es dem Kunden beispielsweise einfallen, sich über das planmäßige zu spät Kommen des Meister, was keine böse Absicht ist, sondern womit der Meister einzig und alleine seine Wichtigkeit unterstreicht, zu beschweren, wird er den Meister kein zweites Mal zu Gesicht bekommen.

Für den Kunden ist auch noch wichtig, daß er folgendes begreift: Der Meister bietet keine Dienstleistung an, sondern er tut dem Kunden einen Gefallen! Und was machst du, wenn dir jemand einen Gefallen tut? Du lädst ihn ein - ist doch klar!

In Bulgarien gibt es allerdings die Besonderheit, daß du außerdem für den Gefallen noch bezahlen musst. Du bezahlst also immer zweimal, worüber sich aber noch nie jemand ernsthaft beklagt hat.

Wichtig ist einzig und allein der Zeitpunkt von Einladung und Bezahlung. Zahlst du zu früh, sitzt der Meister bereits vor der Arbeit mit deinem Geld in der Kneipe. Klüger ist es, wenn du ihn zuerst einlädst. So hast du ihn besser unter Kontrolle.

Falls mir irgendjemand nicht glauben sollte: Ich habe schon Kunden in der Kneipe neben dem Tisch, an dem der Meister saß, stehen sehen, die mit Tränen in den Augen auf diesen einredeten, er möge doch vorm Saufen bitte erst seine Arbeit zu Ende bringen.

Meistens war es dann schon zu spät. Der Meister hatte schon zuviel RAKIJA "gemeistert". Und wenn der Kunde Pech hatte, wurde er zu allem Überdruss wegen seiner Bettelei vom besoffenen Meister ausgelacht und vom Wirt rausgeschmissen.

Foto&Text TaxiBerlin