30.07.2010

Anfang & Ende


Ende

Berlin, 31.01.2013, 00:45 Uhr
Aus aktuellem Anlass weise ich darauf hin, daß obiges Foto "Ende", sowie auch jedes andere Foto(soweit nicht anders gekennzeichnet) auf www.autofiktion.com, urheberrechtlich geschützt ist. Die alleinigen Rechte befinden sich bei TaxiBerlin! Mehr darüber erfährst du hier.

Das ist das Ende. Was viele nicht wissen: Jedes Ende ist immer auch ein Neubeginn. Das ist selbst am Ostbahnhof so. Was dort auf der dritten Nachrücke als Ende ausgeschildert ist, ist nämlich eigentlich ihr Anfang.


Anfang und Ende vom dritten Nachrückplatz am Ostbahnhof / Friedrichshain

Fotos&Text TaxiBerlin

Flucht

Berliner Bär (im Vorbeifahren)

Wenn man will, kommt man aus der U-Haft schneller raus als man denkt. Allerdings fällt die Verabschiedung vom verbleibenden Personal nicht so herzlich aus wie bei Jörg K. Und selbst der Berliner Bär, der jedem Ankömmling freundlich zuwinkt, hält demjenigen, der ihm den Rücken kehrt, nur seinen Allerwertesten entgegen. Die Zeiten sind hart, wenn man will ...

Foto&Text TaxiBerlin

29.07.2010

U-Haft

Moabit / Tiergarten

Es soll immer noch Leute geben, ich zähle selbstverständlich nicht dazu, die nicht wissen, daß Moabit ein Teil von Tiergarten ist. Komischerweise kennen die meisten aber das Gefängnis Moabit, allerdings auch nur von außen (siehe Foto), von wo aus das Innere als Black Box oder Black Whole (wie der Amerikaner sagen würde) erscheint. Die Wahrheit ist, daß es hier viel mehr Licht gibt als vermutet (vielleicht sogar mehr als draußen!?) und was das wichtigste ist: sogar Internet! Ich melde mich wieder, sobald ich mehr weiß oder zumindest die Anklage gegen mich kenne.

Foto&Text TaxiBerlin

Polnischer P-Schein

Potsdamer Platz / Tiergarten

Natürlich ist es kein Zufall, daß ich den Ordnungshütern ausgerechnet heute in die Fänge gegangen bin. Ist schließlich gerade ein Platz frei geworden in Untersuchungshaft. Irgendwie hatte ich es mit meiner Taxe, die ich kurz, vollgepropft mit leeren Flaschen, vorm Ritz Carlton geparkt hatte, aber auch drauf angelegt. Erschwerend hinzu kam, zumindest für die Cops, daß mein P-Schein aus Polen war. Ich muss da wirklich schon in der Vergangenheit reden, denn den haben sie prompt einkassiert. Und das, wo doch jeder weiß, daß ich schon seit einer Ewigkeit überhaupt kein Taxi mehr fahre, sondern mich ausschließlich von leeren Flaschen ernähre.

Foto&Text TaxiBerlin

28.07.2010

Frauen fahren besser

mit Bus und Bahn!

Das ist natürlich nicht nur politisch unkorrekt sondern auch absoluter Quatsch, denn Frauen fahren am Besten mit dem Taxi! Aber jetzt mal im ernst: Wer regt sich ernsthaft auf, wenn behauptet wird, daß Männer nicht zwei Dinge gleichzeitig tun könnten?! (Also ich kann es: Mit der rechten Hand veröffentliche ich diesen Beitrag, während die linke das Glas Whiskey zum Mund führt. Pass auf - es funktioniert!)

Foto&Text TaxiBerlin

Stresstest

Jessnerstraße / Friedrichshain

Ich hatte ja schon neulich über sie berichtet - Meine neuen Nachbarn. Jetzt hat sich Der Metablogger dem definitiven "Stresstest" unterzogen und sie besucht. Das Ganze hat er auch bereits als Blogeintrag getarnten Geheimtipp dem Internet anvertraut. In einem Punkt muss ich ihm allerdings widersprechen: Die Rückfahrkarte sollte man doch besser vor dem Event lösen. Meine neuen Nachbarn interessieren sich nicht für Fahrscheine der BVG sondern ausschließlich für Bares und nur gelegentlich für Flüssiges oder Rauchwaren. In diesem Sinne viel Spaß in der "Großen Grabbelkiste" im Friedrichshain!

Foto&Text TaxiBerlin

26.07.2010

Interessant

Weltlingerbrücke / Charlottenburg

... mit wem Wilmersdorf alles in einer Liga spielt.

Foto&Text TaxiBerlin

24.07.2010

Das Ziel von PC (Political Correctness)

Nachdem ich mich umfassend mit Ursprung und Werdegang von PC beschäftigt hatte, blieb immer noch eine Frage unbeantwortet: Was ist das Ziel? Oder, um es mit anderen Worten auszudrücken: Cui bono - Wem zum Vorteil?

Ausgerechnet ein Gruß aus der Biotonne hat mir nun die Antwort beschert. Dort stellt der Metablogger fest, daß einzig und allein männerfeindliche Sprüche nicht als „politisch unkorrekt“ empfunden werden, dem niemand ernsthaft widersprechen wird.

Im Umkehrschluss, die umfangreiche Beweisführung erspare ich mir an dieser Stelle aus Zeitgründen, kann das nur heißen, daß das Ziel von PC die Abschaffung des Mannes als solchem ist, getreu dem Motto: „Echte Emanzipation kann nur durch die Abschaffung des Mannes erreicht werden!“

Ich sehe schon, wie alle diejenigen, für die PC zur Ersatzreligion geworden ist, empört die Fäuste in die Luft schnellen lassen und dabei politisch unkorrekte Laute von sich geben. Und Recht haben sie! Denn der Weise vom Berg rät: Bekämpfe keinen Irrglauben.

Text TaxiBerlin

22.07.2010

Leseprobe


Nachdem ich selbst vor einiger Zeit einen Beitrag mit dem Titel "Ich bin dann mal Flaschen sammeln" verfasst hatte, interessierte mich im aktuellen Spiegel vor allem das Titelthema "Ich bin dann mal off". Um es kurz zu machen: Der Artikel ist eine Enttäuschung, weil ich nichts wirklich Neues erfahre. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, daß ich selbst nicht ein solcher Online-Junky bin.

Interessant waren noch die Information zu neuesten Forschungen auf dem Gebiet der Online-Abhängigkeit. Bemerkenswert war in diesem Zusammenhang, daß es beispielsweise sehr viel länger dauern würde, sich nach einer Ablenkung durch Handy oder PC wieder auf etwas zu konzentrieren als die Unterbrechung selbst. Angeblich sollen dadurch 28% der täglichen Arbeitszeit draufgehen.

Spannender war da zweifellos die Leseprobe des Buches "Das Ende der Geduld" der kürzlich verstorbenen Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig.

Text TaxiBerlin

Beschränkter Service

Tegel / Reinickendorf

Neulich berichtete ich über eine fiktive Fluggesellschaft. Nicht verwechseln mit der, die nur einen ziemlich beschränkten Service anbietet.

Foto&Text TaxiBerlin

21.07.2010

Der König der Flaschensammler

Mancher weiß nicht, wie reich er ist, bis er erfährt, was für reiche Menschen an ihm noch zu Dieben werden.

Friedrich Nietzsche

Viel hatte ich schon von ihm gehört und so manches auch schon über ihn geschrieben. Trotzdem war die Überraschung groß, als er plötzlich vor mir stand: Der selbsternannte König der Flaschensammler.

Ich traf ihn am Mülleimer. Natürlich war er, wie es sich für den König der Flaschensammler gehört, vor mir da und hatte bereits alle Flaschen und Dosen in seine dafür vorgesehene atmungsaktive Tasche verstaut. Selbst wenn wir gleichzeitig dagewesen wären, hätte ich den kürzeren gezogen. Sein spezieller Flaschengreifer in der rechten, den er zur Not mit der teuren McLight in der linken verteidigt, hätte bereits alle in der Mülltonne vorhandenden Flaschen am Haken gehabt, bevor ich überhaupt meine Hand nach ihnen ausgestreckt hätte.

Seine Schicht war so gut wie zu Ende. Sein Sack war bereits gut gefüllt und er suchte offensichtlich jemandem zum reden. Ich musste kurz an Nietzsches Zarathustra denken, der hinausging in die Einsamkeit und irgendwann zurückkam weil er voll war von Weisheiten, die unter anderen Umständen eine eigene Religion begründet hätten. Aber mit dem selbsternannten König der Flaschensammler hatte mal gerade ein paar Tage niemand gesprochen, so daß ich nicht unbedingt das Selbe von seinen Auslassungen erwartete. Er hätte es auch nicht leicht. Neulich hätte er hunderttausend beim Zocken an der Börse verloren. Das alles nur, weil sich die Zusagen für Finanzspritzen der Bundesregierung an ein Unternehmen plötzlich als fiktiv herausgestellt hätten und daraufhin der Kurs einbrach.

[Fast hätte ich ihn bereits an dieser Stelle unterbrochen. Hatte ich doch gerade erst kürzlich meine eigenen Erfahrungen mit einer fiktiven Fluggesellschaft gemacht. Ich habe aber nur hundert Euro verloren, und so ließ ich ihn fortfahren.]

Grundsätzlich sei er ja links, was man an seiner politisch korrekten Flaschensammlerausrüstung erkennen würde. Aber wenn der Staat nunmal etwas zu verschenken hat, warum sollte er da nicht zugreifen. Das empfehle er übrigens jedem, wohl wissend, daß nicht jeder kurz mal hunderttausend flüssig machen kann, um am nächsten Tag hunderttausend plus hundert Euro Gewinn abzukassieren. Wenn es jeder könnte, wäre das Schneeballsystem auch schon viel früher zusammengebrochen. So war aber selbst er vom Zusammenbruch und vom plötzlichen Verlust seiner gesamten Ersparnisse überrascht.

[Ich fragte mich: Dachte er wirklich, er könne Gold machen? Weiß er denn nicht, daß am Ende immer irgendjemand bezahlen muss?]

Er verdiene eigentlich ganz gut als Sachbearbeiter im Hartz Vier Amt. Nun geht sein ganzer Lohn aber für seine laufenden Verbindlichkeiten drauf. Mit dem Flaschengeld leistet er sich ein klein wenig Luxus wie Senf oder Ketchup. Dabei hatte er seit drei Jahren gar kein Urlaub mehr gemacht und sogar eine Einladung zur Fußball WM sausen lassen. Er wollte eben nichts an der Börse verpassen. Zockte er früher jeden Tag vor und nach der Arbeit im Internet, so sammelt er heute zur selben Zeit Flaschen. Wenn es schlecht läuft auch schon mal die ganze Nacht durch.

Eigentlich seien die Ossis an der ganzen Misere schuld. Als alter Westberliner hatte er den Ostdeutschen den Fall der Mauer, aber vor allem den Solidaritätszuschlag, immer noch nicht verziehen. Er wähle zwar die Linke, aber in den Ostteil der Stadt verirre er sich nur selten. Und wenn, dann schließe er sein Fahrrad immer mit zwei Schlössern ab. (Selbst in seiner Wohnung sichert er es mit einem Schloss.) Nur in Neukölln nehme er drei Schlösser, was aber unter uns bleiben müsse, weil es politisch nicht korrekt wäre.

[Mich überraschte weniger der Gebrauch von drei Schlössern, sondern der des Wortes Ossis. Weiß er denn nicht, daß Ossi (im Gegensatz zu Wessi) ausschließlich negativ besetzt ist und demzufolge, wenn überhaupt, nur von Ossis zur Bezeichnung Ihresgleichen benutzt werden darf?]

Aber die Zahlen, auch in seiner Behörde, sprechen nun einmal dafür, daß bildungsferne Migrationshintergründler mehr Schaden anrichten als bildungsferne Ostbrote. Das läge aber nicht an den Migrationshintergründlern, sondern an den Zahlen. Von den bildungsfernen Migrationshintergründlern gibt es einfach mehr, wofür aber der Migrationshintergründler an sich gar nichts kann. Schuld sind die Zahlen! Denn wovon es mehr gibt, da ist eben auch der Schaden größer. Das wäre wie mit den Heuschrecken. (Allerdings stellen sich die Kollegen auf’m Amt hinter vorgehaltener Hand auch schon mal die Frage, ob es noch zeitgemäß ist, alles mit der Bildungsferne zu entschuldigen.)

[Der Migrationshintergründler von heute in allen Ehren. Aber sind die aus dem Osten Deutschlands nicht die mit dem einzig wahren Migrationshintergrund? Warum? Na weil doch ihr ganzes Land heute gar nicht mehr existiert, um im Notfall dorthin zurückzugehen!]

Jetzt, wo er selbst um jede Flasche kämpfen muss, und ihm auffällt, daß er noch keinen Konkurrenten mit Migrationshintergrund ausgemacht hat, fragt er sich schon: Wie kann das sein? Schützt Bildungsferne vielleicht vorm Flaschensammeln? Und er gehe sogar noch einen Schritt weiter: Wenn bei dem Einen Bildungsferne die Ausnahme und beim Anderen aber die Regel ist, ist dann Bildungsferne überhaupt noch als Erklärung zulässig? Das müsse aber unter uns bleiben. So etwas dürfte er in seiner Position nicht einmal denken.

[Früher war das anders. Da durfte man zwar alles denken, aber nicht alles sagen. Heute ist das umgedreht. Irgendwie hängt das mit dieser politischen Korrektheit zusammen. Aber wie?]

Früher träumte er von einer Immobilie im Grunewald. Heute wäre er froh, wenn er selbst Hartz Vier beantragen könnte und nicht mehr Flaschen sammeln müsste. Früher hat er bei der Partnerwahl immer darauf geachtet, daß seine Rente bei einer möglichen Ehe nicht in Gefahr gerät. Heute wäre er froh, mal eine Frau kennenzulernen, die ihn einfach liebt und nicht gleich an ihre Rente denkt.

[Jetzt konnte er einem fast leidtun. War das wirklich der selbsternannte König der Flaschensammler? Oder einfach nur eine Flaschensammlerlusche?]

Das schlimmste wäre aber, daß die Konkurrenz das mit dem Flaschen sammeln nicht so sportlich sieht wie er. Die bekämen ja ihr Hartz Vier und sammeln einfach so drauflos, um damit aufzustocken. Eigentlich sei er ja für ein bedingungsloses Grundeinkommen, aber in dem Fall, wo es das nicht gibt und er selbst kein Hartz Vier bekommt sondern sein Gehalt, was aber gleich wieder für seine Verbindlichkeiten draufgeht, sei die ganze Konkurrenz unfair. Da ist er zu sehr Sportsmann, und das Flaschensammeln für ihn ein Wettbewerb!

[Ich verstand ihn nicht. Worauf wollte er hinaus?]

Ich zeig die alle an, wenn sie das Flaschensammeln nicht als Nebenverdienst angeben. Ich sitze doch im Amt, also an der Quelle. Manchmal geht es zwar vor Gericht, aber in der Regel haben sie keine Chance. Entweder lassen sie dann das Flaschen sammeln sein, oder ich streiche ihnen Hartz Vier – so einfach ist das!

[Und damit kommt er durch? Hat noch keiner versucht ihm ein paar …, also außergerichtlich?]

Außergerichtlich? Wie soll das aussehen?

Pass auf, ich zeig’s dir: KLATSCH

Text TaxiBerlin

20.07.2010

Kunst als Trickbetrug

Irgendwo in Mitte

Zufällig verschlug es mich gestern in die alte Mitte, die ich normalerweise genauso meide wie die Pest und den Prenzlauer Berg, weil es dort nur noch Galerien, Boutiquen, Designerläden ... und überhaupt keine normalen Menschen mehr gibt.

Da wir gestern beim Thema Kunst ist Trickbetrug waren, möchte ich euch heute anhand eines Beispiels (Foto) den Unterschied zu Kunst als Trickbetrug verdeutlichen. Zugegeben, die Titel differieren nur in einem Wort, welches aber in diesem Fall entscheidend ist.

Der hier nicht genannte Verursacher oben gezeigter Schaufensterdekoration hält sich wirklich für einen Künstler und seine Absonderungen demzufolge für Kunst, die er unter diesem Namen versucht gegen Geld an den Mann oder auch an die Frau zu bringen.

Das ist weiter nichts besonderes und eigentlich nicht der Rede wert. Der Unterschied zum ehrlichen Künstler vom Boxhagener Platz ist der, daß sich der Typ aus Mitte als Künstler und nicht als Trickbetrüger versteht und dies auch seiner Kundschaft weißmacht.

Hat er denn wirklich noch nicht gehört, daß Kunst Trickbetrug ist?

Foto&Text TaxiBerlin

19.07.2010

Kunst ist Trickbetrug

Scheibendesign by Kunstkaufhaus-Ost / Beifahrerseite

Ich hatte bereits über ihn berichtet, den ehrlichen Künstler vom Boxhagener Platz. Aus aktuellem Anlass tue ich es wieder. Jan M. Petersen und sein Kunstkaufhaus-Ost machen Urlaub. (Der Online-Verkauf geht allerdings weiter!)

Wenn das Wetter mitspielt, werde ich kommenden Sonntag den ehrlichen Künstler vom Boxhagener Platz vertreten. Da ich aber die hohe Kunst des Trickbetrugs nicht beherrsche, muss ich meine in Jahren ehrlich gesammelten "Flöhe" (keine Flaschen!) verkaufen (kein Witz), bevor ich mich, wie es der wunderbare Robert Weber richtig formuliert hat, in mein Exil (garantiert ohne Backpfeifen!) begebe.

Also kommt zahlreich und bringt Geld mit! (Im Exil gibt es nicht nur keine Backpfeifen sondern auch kein Dosenfand!)

Foto&Text TaxiBerlin

17.07.2010

Vortäuschung einer Straftat

Foto nachgestellt

Vor einiger Zeit hatte ich darüber geschrieben, daß ein Fahrgast erst nicht bezahlen wollte und mich dann auch noch mit Worten beleidigte, die ich nicht wiederholen möchte. In meiner leicht veränderten Geschichte für den Blog hatte ich dem Typen „ein Satz warme Ohren“ verpasst, was von dem einen oder anderen Leser für bare Münze genommen worden war.

Jetzt hat sich herausgestellt, daß sogar mein damaliger Fahrgast meinen Blog gelesen haben muss. Alleine wäre er doch niemals auf die Idee gekommen, ich hätte ihm auf die Hand geschlagen. Da er aber erst meinen Beitrag abwarten musste, konnte er den Polizisten vor Ort natürlich noch nichts darüber erzählen – ist ja klar! (Genau das könnte ihm aber nun auf die Füße fallen.)

Da er bei mir „einen Satz heiße Ohren“ bekam, konnte ich ihm natürlich nicht empfehlen, daß er mit seiner Hand zum Arzt gehen muss. Deswegen ist er wohl auch nur zum Fotografen gegangen, der ein Bild gemacht hat, welches eine Hand, die angeblich „geschwollen“ ist, und ein Drittel Gesicht zeigt. Da die Ohren gar nicht mit auf dem Bild sind, ist davon auszugehen, daß sie in Ordnung sind. (Nur zur Beruhigung an die Leser, die diesbezüglich im Zweifel waren!)

Für alle die (aber nicht nur!), die damals dachten, das mit dem „Satz heiße Ohren“ wäre ernst gemeint gewesen, schreibe ich diesen Beitrag. Ihnen rufe ich hiermit zu: „Vielen Dank für euer Vertrauen in meine politische Korrektheit!“ (Naja, was wissen die schon von TaxiBerlin!?)

Aber vor allem schreibe ich natürlich für meinen damaligen Fahrgast, der offensichtlich auch zu meinen Lesern gehört und sich sogar von meinem Blog inspirieren lässt. Höre diesmal auf mich:

„Lügen haben kurze Beine!“ (Und manchmal auch „geschwollenen“ Hände!)

Foto & Text TaxiBerlin

16.07.2010

Balkanisierung

Eine meiner Grundthesen ist, daß Westeuropa nicht den Rest der Welt europäisiert, sondern daß Europa vom Rest der Welt balkanisiert wird. Das kann man gut finden oder eben nicht, an der Tatsache ändert es nichts. Demjenigen, der immer noch Zweifel hat, gebe ich folgende Punkte zu bedenken: nicht eingebauter Stahl in U-Bahnen, gefälschte Prüfberichte für Bremsen, fiktive Fluggesellschaften … (diese Aufzählung ließe sich endlos fortsetzen), bis hin zu falschem Jägermeister!

Nun bin auch ich persönlich von der Balkanisierung betroffen, und ich meine jetzt nicht durch den falschen Jägermeister. Vor ein paar Wochen bereits kaufte ich mir Flugtickets bei einer Fluggesellschaft, die, wie sich jetzt herausgestellt hat, gar keine eigenen Flugzeuge besitzt. Angeblich sollten diese, also die nichtvorhandenen Flugzeuge, ab Schönefeld starten, stattdessen wurden in der Vergangenheit sämtliche Fluggäste der fiktiven Fluggesellschaft regelmäßig auf andere, wirklich existierende, Fluggesellschaften umgebucht und starteten ab Tegel.

So ein alter Ganoventrick geht eine Zeitlang gut. Spätestens jetzt zur Urlaubszeit ist den anderen Fluggesellschaften aber wohl aufgefallen, daß die fiktive Fluggesellschaft, also die ohne eigene Flotte, für die umgebuchten Fluggäste nicht bezahlt hat, was dazu führt, daß die anderen Fluggesellschaften es nunmehr vorziehen, ausschließlich ihre eigenen Fluggäste zu befördern, was man mehr als verstehen kann.

Rein zufällig habe ich gestern den Eigentümer der fiktiven Fluggesellschaft aus einem Fünf Sterne Hotel am Brandenburger Tor kommen sehen. Ich wusste ja, daß er in Neukölln wohnt, umso überraschter war ich ihn am Adlon anzutreffen. Mit freiem Oberkörper und Sporttasche in der Hand, vermutlich war er zum Fitness dort, trat er auf den Wagenmeister zu. Autoschlüssel und etwas Kleingeld wechselten den Besitzer, und eh ich mich versah, stand ich in der Qualmwolke seines davonfahrenden Mercedes-Cabrios.

Was ich noch wahrnahm, waren die vielen Tätowierungen auf Businessmanns Body. Die waren, so schlecht wie sie waren, eindeutig im Knast gestochen. Dazu brauchte es keines Kennerblicks. Sogleich fiel mir ein Fernsehbericht über ehemalige Mafiagrößen ein, die heute als seriöse und teilweise sogar generöse Geschäftsleute unter uns leben, was nicht heißt, daß es heute gar keine Mafia mehr gibt in unserem Land.

Man kann die positiven Fälle auch als erfolgreiche Resozialisierung betrachten. Beispielsweise wenn einer in der Vergangenheit Schutzgeld erpresst hat, und dir heute eine korrekte Versicherung für deinen Laden verkauft. Oder ein anderer, der an sämtliche Aktien eines ehemalig Volkseigenen Betriebes gekommen ist, indem er auch vor Mord nicht zurückgeschreckt hat, dir aber heute ordentliche Produkte dieser/seiner Aktiengesellschaft verkauft.

In diesen Fällen könnte man wirklich von einer Europäisierung reden. Ich meine, mich interessiert doch nicht wirklich wie der zu seiner Kohle oder zu seinen Tätowierungen gekommen ist. Das würde mich doch bei einem deutschen Geschäftsmann beispielsweise auch nicht interessieren.

Ich beklage auch nur, wenn der Businessmann in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wieder in alte Muster zurückfällt und damit auch Vorbildwirkung für andere, bisher ehrliche, Geschäftsleute hat. Dieser Prozess der Umkehrung, oder mit einem Wort: Balkanisierung, ist aber in vollem Gange.

Text TaxiBerlin

Das ist nicht mehr Berlin

Karl-Marx-Straße / Neukölln

Vor gut zwanzig Jahren, als der Prenzlauer Berg noch interessant war, hatte ich dort drei Lieblingskneipen. Das ÜBERECK an der Prenzlauer Allee, das es sogar heute noch gibt, weil es nahezu rund um die Uhr geöffnet hatte. Die TITANIC in der Winsstraße, wo es die leckersten Aufläufe gab. Und, last but not least, die KOMMANDANTUR direkt am Wasserturm, wo der halbe Liter frisch gezapftes Pils drei Mark kostete.

Einmal saß ich mit Kollegen Z in der KOMMANDANTUR und wir machten uns über das gegenüberliegende ПАСТЕРНАК und die dortigen Besucher lustig. Kollege Z meinte, er würde sich nur mit drei Bänden Dostojewski unterm Arm ins ПАСТЕРНАК trauen, was damals durchaus noch seine Berechtigung gehabt haben mag. Heute weiß glaube ich kaum noch jemand der Gäste mit dem Namen ПАСТЕРНАК etwas anzufangen. Dazu müsste man ihn ja erstmal lesen können.

Die KOMMANDANTUR ist heute eine Pizzeria, wo der halbe Liter wahrscheinlich drei Euro kostet. Ehrlich gesagt weiß ich es nicht genau. Der Prenzlauer Berg ist uninteressant geworden und ich verirre mich nicht mehr dorthin.

Das Schlimmste ist aber dieser Anachronismus: Etwas, was einmal GUT war, ist heute SCHEISSE, aber doppelt so teuer!

DAS IST NICHT MEHR BERLIN!

Foto & Text TaxiBerlin

15.07.2010

Grillen mit dem Weber

Weber / Weber
Weber

Gestern war es mal wieder soweit. Ich habe bei mir im Hinterhof gegrillt. Dazu habe ich mir extra einen Grill geborgt. Aber nicht einfach einen Grill, sondern einen Supergrill. Das Teil heißt Weber und ist ein amerikanisches Fabrikat. Eins muss man den Amis lassen: Grillen können sie!

Was nützt aber der beste Grill ohne Grillzeug? Gar nichts! Zum Glück hatte ich mir zum Grillen den wunderbaren Robert Weber eingeladen. Der hat sich um das gekümmert, was auf den Grill vom Weber gehört – und soweit hatte alles seine allerbeste Ordnung. (Vielen Dank nochmal an Robert für die vielen leckeren Sachen!)

Das Problem fing an, als Robert noch Zigaretten brauchte und vom Spätkauf mit einer, wenn auch nur kleinen, Flasche Jägermeister wiederkam. Kurz darauf suchte mich einer von diesen Hirschen, also die aus der Jägermeisterwerbung, heim, oder besser: fuhr in mich.

Auf jeden Fall gab ich nur noch irgendwelche unkontrollierten Laute von mir. Zum Glück nur in Zimmerlautstärke, sonst hätte mich vielleicht noch jemand wegen Lärmbelästigung angezeigt, was jetzt aber auch nicht so dramatisch gewesen wäre, weil mein Vermieter ja bei mir Untermieter ist.

Das Ende vom Lied war, daß mir irgendjemand das ganze Gegrillte, also all die leckeren Sachen, die Robert Weber mitgebracht hatte, inclusive Senf & Ketchup, eingesackt und nur das Brot übriggelassen hat. Allerdings konnte man das, trotz gegenteiliger Behauptungen, heute noch gut zum Frühstück verzehren.

Später bin ich dann noch losgezogen und habe Ursachenforschung betrieben. Und, was soll ich euch sagen, ich bin offensichtlich fündig geworden. Der Grund für diese unerwartete Wendung beim Grillen ist ein falscher Jägermeister, vermutlich in China hergestellt.

Deswegen hüte dich vorm: Jegermeister!

PS: Man erkennt den falschen Jägermeister übrigens auch daran, daß er nicht nur zum Kotzen schmeckt ...


falsche Jägermeister / verschiedene Jegermeister

Fotos & Text TaxiBerlin

14.07.2010

Welches Velotaxi zum Harakiri?

Das Velotaxi ist aus Berlin und nicht aus Bombay – leider. Leider deswegen, weil die Velotaxis immer und überall im Weg rumstehen, selbst beim Flaschensammeln. Aber nun gibt es eine gute neue Nachricht. Die Berliner Veoltaxis sollen in alle Welt, beispielsweise nach Saudi Arabien, Tokio, Paris und sogar nach Bombay exportiert werden. Wer noch Zweifel haben sollte, dem sei gesagt, daß der Gründer sowieso lieber Yoga macht als Velotaxi zu fahren.

Soweit so gut, und irgendwie schließt sich mit dem Yoga ja auch ein Kreis.

Irritierend ist allerdings, daß die Chinesen das Velotaxi „raubkopiert“ haben sollen. Nach Angaben der Hersteller aus Lichtenberg wäre das aber kein Problem, weil die chinesischen Velotaxis „horrende Qualitätsmängel“ aufweisen würden.

Dieser Umstand gibt mir zu denken. Sollte China nicht die Wirtschaftsweltmacht der nächsten Jahre werden? Und dann können die nicht mal ein Velotaxi nachbauen? Und was ist mit dem Samuraischwert? Hat das neuerdings auch diese „horrenden Qualitätsmängel“?

Dann würde ich fürs Harakiri doch besser ein Berliner Velotaxi nehmen!

Text TaxiBerlin

13.07.2010

Ins Freibad geh ich nicht

Und das jetzt nicht etwa deswegen, weil neulich alle siebentausend Besucher eines Freibades in Neukölln dieses verlassen mussten – ob sie wollten oder nicht. Der Grund war übrigens eine kleine Schlägerei unter Freunden. Aber was macht man nicht alles – seinen Gästen zuliebe.

Mir kann das nicht passieren. Ich bin eher der Typ, der an den See fährt. Gerade habe ich eine Bademöglichkeit in einer Bucht ganz in meiner Nähe entdeckt. OK, duschen sollte man auf jedem Fall nach dem Bad, und am besten zu Hause.

Dafür kann es mir aber nicht passieren, daß ich wegen eventueller Meinungsverschiedenheiten „konkurrierender Familienclans mit Migrationshintergrund“, die eine „Massenschlägerei am Beckenrand“ lostreten, den Ort verlassen muss.

Der Grund ist ganz einfach: Es gibt keinen Beckenrand. Und selbst das ganze Areal bietet kaum Platz für mehr als fünfzig Personen – also keine Chance für Großfamilien.

Nicht erst seit gestern sondern bereits seit langer Zeit meide ich Großveranstaltungen mit mehr als fünfzig Personen. Das hat weniger mit meiner latent vorhandenen Klaustrophobie zu tun als vielmehr mit der Einführung des T€uro.

Die ganze Geschichte ist zu lang für diesen Blog. Vielleicht schreibe ich ja mal ein Buch drüber. Auf jeden Fall erklärt dieser Umstand sowohl, warum ich nicht ins Freibad sondern lieber an den See fahre, als auch, warum ich früher als einsamer Wolf Taxi gefahren bin und heute als alter Wolf, der langsam grau wird, Flaschen sammle.

Ich mag einfach keine Massen um mich herum und brauche sie auch nicht, wie manch anderer.

Ich habe nichts gegen Großfamilien. Ganz im Gegenteil. Ich bedaure ihre Zerstörung durch die Moderne zutiefst. Aber deswegen würde ich trotzdem nicht mit meinem ganzen Familienclan ins Freibad gehen, selbst wenn ich ihn hätte. Und das hat jetzt nichts damit zu tun, daß ich sowieso lieber an den See und nicht ins Freibad gehe.

Text TaxiBerlin

12.07.2010

Von Schläfer will ich nicht reden

bekannt / bekannt

Als Spanien die Deutschen aus der WM kickte, trauten sich bereits eine Handvoll Spanier in der Kantstraße für kurze Zeit den Verkehr zu blockieren, das aber nur in Richtung Osten. Nachdem sie nun gestern in der Verlängerung durch einen Glückstreffer die ganze Weltmeisterschaft für sich entschieden haben, trauen sich auch weniger Mutige aus der Deckung (siehe Foto). Von Schläfer will ich (noch) nicht reden.

Foto & Text TaxiBerlin

Meine neuen Nachbarn

In meiner Straße wohnen seit Neuestem Leute parterre, die den ganzen Tag vor ihrer Wohnung rumsitzen. Dabei trinken sie Unmengen an Bier, labern jede Menge dummes Zeug und, was das Schlimmste ist, beschallen alles mit den Liedern meiner Jugend. Bei dem Wetter ist es absolut verständlich, wenn Leute ihr Wohnzimmer auf den Gehweg verlagern. Das war im Berlin der Neunziger völlig normal. Nur haben die Leute damals schnell begriffen, daß sie nicht mehr auf ihrem Dorf sind, wo nur dreimal am Tag jemand vorbeikommt. Der Dauerslalom um die neuen Nachbarn nervt jedenfalls gewaltig.

Normalerweise sind die Zugezogenen, die mit ihren Strandstühlen und ihren Designerkinderwagen den Gehweg blockieren, Zielgruppe meiner Hasstexte. Meine neuen Nachbarn haben zwar keine Strandstühle und auch keine Designerkinderwagen, sind aber auch nur Zugezogene, die vor allem eines tun: Rumnverven. Offensichtlich ist das die Eigenschaft, die alle Zugezogenen gleichermaßen auszeichnet, egal ob selbsternannte Autonome oder letzte Spießer.

Meine neuen Nachbarn verbringen viel Zeit auf allen möglichen Ämtern, wo sie die nötigen Finanzen für Bier, Miete und Musik abgrabbeln. Das Ganze hat den Vorteil, daß sie in dem Moment nicht den Bürgersteig vor ihrer Parterrewohnung beschallen und blockieren können. Das ist der Unterschied zu den zugezogenen Spießern, die blockieren nämlich permanent mit Mac in Strandstühlen sitzend und den Designerkinderwagen vor sich her wippend den Gehweg.

Dieser Punkt der Permanenz, der eindeutig für die selbsternannten Autonomem spricht, wird allerdings dadurch mehr als wettgemacht, daß mir die letzten Spießer nicht vorschreiben, welche Fahne ich raushängen darf und welche nicht. Schließlich schreibe ich auch niemandem vor, wer Ton Steine Scherben hören darf und wer nicht, obwohl ein solches Musikverbot meiner Meinung nach viel mehr Berechtigung hat als ein Schlandverbot.

Später, wenn nicht nur die letzten Spießer sondern auch die selbsternannten Autonomen schon im Bett liegen, ziehe ich nochmal los um die letzten leeren Flaschen einzusammeln. Bei den Spießern ist meist nichts zu holen. Entweder sind sie einfach zu ordentlich oder es sind alles Schwaben. Oder beides. Keine Ahnung, ist mir auch egal. Für mich ist das purer Geiz.

Bei den Autonomen stehen dagegen immer jede Menge leerer Bierflaschen rum, was eigentlich in der finalen Punktewertung für sie sprechen müsste. Wenn, ja wenn das Leergut nicht von uns allen bezahlt wäre, aber eben nur von den selbsternannten Autonomen abgegrabbelt wurde. In dem Fall wird aus missverstandener Großzügigkeit billige Arroganz, die mich regelrecht zum Spießer werden lässt.

Text TaxiBerlin

11.07.2010

Schloch Verbot


Wie ich soeben gehört habe, wird aktuell über die Einführung eines "Schloch Verbotes" nachgedacht. Was genau sich dahinter verbirgt, und ob es nur für Neukölln oder für ganz Berlin gelten soll, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen. Im Moment sieht es allerdings so aus, daß eine endgültige Entscheidung sowieso erst nach der Sommerpause gefällt wird und das Thema bis dahin eventuell hinfällig ist.

Text TaxiBerlin

10.07.2010

Schland Verbot


in Neukölln. Wissen sie denn nicht, daß die Grenze nicht zwischen Links und Rechts sondern zwischen Oben und Unten verläuft?

Text TaxiBerlin

Thematische Anämie

Bei den Autovermietern am Flughafen Tegel gibt es nicht nur eine kostenneutrale Toilette, manchmal liegt bei ihnen im Vorraum sogar die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) umsonst zum mitnehmen bereit. Da der Politisch Korrekte (PK), von denen es mehr gibt als man gemeinhin so denkt, die FAZ meidet wie der Teufel das Weihwasser, ist es kein Problem ein Exemplar abzubekommen, solange man nur einmal am Tag dort auf Toilette geht.

Es bleiben die erwartbaren üblichen Kommentare der Politisch Korrekten (PK), wenn sie dich mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) unterm Arm von den Autovermietern zurückkommen sehen. Mache dir keine Sorgen. Das ist purer Neid auf die kostenfreie Toilette. Mit der FAZ kann der PK doch sowieso nichts anfangen.

Dabei ist die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) manchmal durchaus die Lektüre Wert. Als Beispiel zitiere ich aus ihrer Bestandsaufnahme der gegenwärtigen deutschen Literatur anlässlich der Wiederauflage des Romans „Ahasver“ von Stefan Heym aus den Achtzigern:

„Was für ein Stoff, verglichen mit der thematischen Anämie so vieler Gegenwartsromane.“

PS: Der Metabloger über den "Durchschnittsgegenwartsroman".

Text TaxiBerlin

Ist es bereits eine Berufskrankheit?

Allen macht die Hitze zu schaffen, egal ob Mensch oder Tier. Sogar Verkehrsteilnehmer sind betroffen. Bei manch einem fragt man sich, was er überhaupt auf der Straße zu suchen hat. Ist es Langeweile? Oder einfach nur Blödheit?

Und wo kommen plötzlich die ganzen Cabrios her? Wenn ich ein Cabrio hätte, ich würde damit nicht durch Berlin fahren sondern ins Umland. Leider würde mich und mein Cabrio dort aber keiner sehen. Ist schon besser, daß ich kein Cabrio habe.

Fahrradfahrer suchen Abkühlung und schwärmen wie Mückenschwärme aus. Du denkst, du hättest sie abgeschüttelt, aber spätestens an der nächsten Ampel hast du sie wieder am Sack. Wenn sie nicht gerade Fußgänger vom Bürgersteig fegen, fahren sie zu fünft nebeneinander auf der Straße.

Hupen darf man aber nicht, dann fallen sie direkt vom Rad. Wenn du Glück hast, zeigen sie dir nur den Stinkefinger. Ärgere dich nicht. Bei der Hitze können sie nicht anders.

Allein für uns Flaschensammler ist die Hitze ein Segen. Überall liegt Leergut rum: Bierflaschen, Wasserflaschen, Saftflaschen … und selbst politisch unkorrekte Bionadeflaschen. Ich schaffe gerade die leichten, aber voluminösen Plastikflaschen, einzusammeln. Die bringen immerhin fünfundzwanzig Cent. Die kleineren, dafür schwereren Glasflaschen, muss ich liegenlassen. Aber für die gibt es auch nur acht Cent das Stück.

Ein weiterer Vorteil der Hitze ist, daß die Supermärkte nur mäßig besucht sind und der Flaschenautomat meist gar völlig verwaist ist. Wenn dann auch noch Deutschland gerade mal wieder gegen Spanien verliert, sind die Tanten, die in meinem Supermarkt für die Plastikflaschen zuständig sind, regelrecht froh, wenn überhaupt jemand bei ihnen vorbeikommt.

Neulich habe ich doch in meinem Supermarkt einen Pfandbon über einen Euro gefunden. Ich wollte ihn der Tante geben, sie wollte ihn nicht haben. Was sollte ich tun? Sie wusste es auch nicht. Pfundbüro? Eigentlich ja! Aber wer bringt einen gefundenen Euro ins Fundbüro?

Ich entschied mich, den Pfandbon als geringwertig anzusehen und einzulösen. Zum Glück arbeite ich nicht im Supermarkt, sonst hätten sie mir gleich eine Weiterbildung verdonnert. Als Flaschensammler kann ich es einfach auf die Hitze schieben. Macht ja schließlich jeder. Oder ist es bereits eine Berufskrankheit …?

Text TaxiBerlin

Taxiseiten

Es gibt im Internet schon lustige Taxiseiten. Einer fotografiert beispielsweise, wie er am Taxihalteplatz seine Füße aus dem geöffneten Fenster hängt. Bei dem Wetter verständlich. Aber möchte ich bei ihm einsteigen?

Auf einer anderen Seite wird ein von der politisch korrekten Meinung des Autors abweichender Kommentar durch ihn mit den Worten „Jetzt sag bloß, du bist noch auf dem Level …“ kommentiert. Seit wann haben Meinungen Level? Und weiß er denn nicht, daß Meinungen schlimmer sind als Lügen?!

Eine Dritte gibt ihre Taxiseite ganz auf, was ich sehr gut verstehe. Mir ging es vor nicht allzu langer Zeit genauso. Ich hatte einfach kein Bock mehr auf Geschichten, die alle mit „Stieg mir neulich einer ein …“ anfangen!

Wenn ich heute sehe, bei welchem Level Niveau manch Taxiseite angekommen ist, war meine Entscheidung richtig. Wobei das keine Meinung ist, sondern eine Erkenntnis – oder besser: die Wahrheit.

Text TaxiBerlin

08.07.2010

Der schlimmste Irrglaube

Es gab und gibt in unserer Stadt immer wieder Leute, die behaupten, jeder könne nach seiner Facon selig werden. Das ist natürlich Quatsch. Wie soll ein Gemeinwesen sinnvoll funktionieren, wenn jeder an etwas anderes glaubt?

Der Spruch mit dem Facon, der auf den Alten Fritz zurückgeht, ist nichts weiter als eine frühe Reklame für das (Bundes)Land Preußen, vergleichbar mit der heutigen Werbung für Baden/Württemberg: „Wir können alles außer Hochdeutsch“. Niemand kommt auf die Idee, daß die Schwaben wirklich alles können.

(„Immer Coca Cola“ nimmt auch keiner wörtlich und McDonald „liebt“ schließlich auch niemand - oder?)

„ … wenn nur die Leute, …, ehrliche Leute sind, auch wenn es Türken und Heiden sind …“,

lautet ein weniger bekannt gewordene Satz des Alten, den ich aber für wichtiger halte. Daß viele aus handfesten materiellen Gründen nach Berlin kommen und nicht wegen dem schönen Wetter, ist eine unausgesprochene Wahrheit.

Aber sag mir, warum müssen ausgerechnet die größten Spießer der Republik einen ganzen (Ex) In-Bezirk besetzen? Wissen sie denn nicht, daß Ihresgleichen in Steglitz und Zehlendorf wohnen?

Mich stört nicht, daß die Leute Geld haben (wenn es denn ehrlich verdient ist). Was mich nervt, ist ihre falsche Selbstwahrnehmung, oder, wie es der Alten Fritz formuliert hat, daß es keine "ehrlichen Leute" sind.

Einen Irrglauben zu bekämpfen, davon rät der Weise vom Berg ab. Eine falsche Selbstwahrnehmung ist aber der schlimmste Irrglaube.

Text TaxiBerlin

07.07.2010

Grenzen der Integration

Berlin hat immer von Zuwanderung gelebt. Weder Slawen noch Hugenotten konnten Berlin etwas anhaben. Aus slawischen Ortsbezeichnungen wie Spandow machte der Berliner Spandau – und fertig war der Lack. Aus der französischen Boulette wurde eine preußische Gourmetgrausamkeit – leider.

Berlin assimilierte Böhmen, Holländer, Ostdeutsche Ostpreußen und Schlesier. Aber Berlin ist bisher immer Berlin geblieben. Berlin war bis jetzt robust. Sogar vier Besatzungsmächte sind gegangen, ohne daß ein Berliner wirklich Englisch spricht (siehe Taxifahrer in Tegel).

Nur die SBZ blieb. Aber nicht als Sowjetisch Besetzte Zone, sondern als Abkürzung für Schwäbisch Besetzte Zone. Der einzige mir bekannte Sowjetrusse, der dort noch lebt, heißt Wladimir Kaminer. Deswegen ist ZZZ, für ZugeZogenenZone, offensichtlich viel zeitgemäßer und grenzt niemanden mehr aus, wie die SBZ. Nicht nur fleißige Schwaben schlürfen dort politisch unkorrekte Bionade. Nein, auch nicht schwäbische Muttertiere parken mit ihrem Designerkinderwagen (mit oder ohne Designerkind) die Fuß-, Fahr- und Fahrradwege zu. Und selbst Zugezogene aus Käffern auf der ganzen (G8) Welt kaufen dort Ökostrampler oder lungern langweilig mit ihrem Mac im Cafe rum. Nun können sie sich alle, egal ob Ami, schwuler Bayer oder cooler Kölner dazugehörig zugezogen fühlen. Der Kollwitzplatz wird in Bionadeplatz umbenannt, weil dort jeder Käthe Kollwitz mit Tante Käthe verwechselt.

Berlin integrierte alles, was Not und Vertreibung in die Stadt spülte. Sogar in Neukölln hängen heute meterlange Deutschlandfahnen aus den Fenstern. Am Bionadeplatz, wo die Deutschlandfahnen aus Jute sind, fallen Menschen nicht aus guten Gründen sondern aus Jux und Dollerei ein, und sind somit schwerer intergirierbar als serbische Kriegsverbrecher oder Guantanamohäftlinge. Dieser ungebremste und unkontrollierte Zuzug bringt Berlin an die Grenzen seiner Integrationskraft.

Mein Alptraum: Berlin wird so langweilig wie Hamburg, Köln, Frankfurt, Stuttgart und München zusammen.

Text TaxiBerlin

Flagge zeigen

... kann manchmal helfen.

(Wenn es die richtige ist!)

Foto & Text TaxiBerlin

06.07.2010

Vorsicht Sparbüchse

Am Hauptbahnhof / Moabit

Daß Bankautomaten manipuliert werden, ist bekannt. Neuerdings sind aber auch ganz normale Mülltonen der Berliner Stadtreinigung (BSR) davon betroffen.

Die sollen angeblich jetzt Sparbüchsen sein (siehe Foto), wo manch einer schon sein ganzes Vermögen reingesteckt hat, und wofür sich nun sogar die Polizei interessiert (ebenfalls siehe Foto).

Mich betrifft sie ganze Geschichte insoweit, als daß ich nun ins Visier der Beamten geraten bin. Ich kann deswegen immer nur wieder beteuern:

Ich war’s nicht! Das waren die „Kollegen“ mit den teuren „McLight“ Taschenlampen!

Foto & Text TaxiBerlin

05.07.2010

Volksbegehren "Unser Wasser"


Worum es geht, erfährst du hier!

Unbedingt unterschreiben!

Bis spätestens Oktober!

TaxiBerlin

02.07.2010

Michel Houellebecqs Laden

Frauenlobstraße / Baumschulenweg

Ich hatte bereits darüber geschrieben, daß der von mir geschätzte Michel Houellebecq in Berlin einen Laden, benannt übrigens nach einem seiner Bestseller, hat. Der musste kurzfristig umziehen, und zwar von der Dubliner Straße im Wedding in die Frauenlobstraße in Baumschulenweg.

Irgendwie muss Michel im Wedding Probleme bekommen haben. Es geht das Gerücht, daß ihn jemand wegen „Menschenhandels“ angezeigt hat. Das muss man sich mal vorstellen! Dabei versucht der Autor doch nur in „Elementarteilchen“ seine abgelegten Frauen irgendwie an den Mann zu bringen.

Genau das muss aber jemandem dort im Wedding gestört haben, wo Michel ausgerechnet die Dubliner Straße ausgewählt hatte, weil er doch den Whisky von dort so gerne trinkt. Bezüglich der Person, die ihn angezeigt hat, dürfte mein Lieblingszitat des Autors gelten:

„Seien Sie richtig gemein, dann sind Sie wahr …“

Einige Zeit war Michel von der Berliner Bildfläche verschwunden, und manch einer dachte schon, er hätte unserer Stadt den Rücken gekehrt. Mein Metablogger hat mich ganz aktuell darauf aufmerksam gemacht, daß der auch von ihm, wenngleich etwas weniger, geschätzte Autor, seinen Laden in der Frauenlobstraße in Baumschulenweg wiedereröffnet hat.

Das Ganze muss erst ein paar Tage zurückliegen. Michel hatte noch nicht einmal die Zeit gefunden, die Werbung des vorherigen Installationsgeschäfts zu entfernen. Ob der Autor den Laden wegen dem Straßennamen (Frauenlob) in den Baumschulenweg verlagert ist, ist nicht bekannt.

Michel soll bereits bei der Eröffnung viele seiner Second Hand Frauen losgeworden sein. Es ist also durchaus wahrscheinlich, daß der von mir geschätzte Autor diesen neuen Laden in Berlin bald von sich aus aufgeben wird.

Und nun komme ich ins Spiel. Ich bin nämlich auf der Suche nach einem Laden. Meine genaue Geschäftsidee möchte ich noch nicht verraten. Es ist aber durchaus möglich, daß ich Michels Laden ohne größere Veränderungen übernehmen kann.

Foto & Text TaxiBerlin