24.01.2010

Asoziales Arschloch

Hatte nun wirklich noch keiner zu mir gesagt. Erschwerend hinzu kam, daß er mir ohne zu bezahlen ausgestiegen war. Er, mein Fahrgast aus Bayern, den ich in seiner Straße, der Nürnberger – wo sonst, aufgelesen hatte. Nach Berlin sei er gekommen, weil er unsere Stadt missionieren wolle. Allzu weit sei er damit aber nicht gekommen, bestätigte er mir auf meine Nachfrage. (Man nennt dies auch die Bayern- bzw. Schwabenmission! Anmerkung des Autors)

Das sei aber auch kein Wunder, fuhr mein Fahrgast mit Migrationshintergund mit seinen Ausführungen fort. Schließlich sei ja allgemein bekannt, daß in Berlin die Dümmsten Menschen der Republik wohnen. Also an Menschenmaterial hätte unsere Stadt rein gar nichts zu bieten. Deswegen sei ja auch der Sarrazin weggegangen, weil der das auch erkannt hätte. Er sei auch nur hier, weil er hier nicht nur gut, sondern sogar besser als in seiner Heimat verdienen würde, der Gastarbeiter aus Bayern.

Mit ehrlicher Arbeit wird man nicht reich. Das ist eine einfache Wahrheit, die jedes Kind weiß. Und trotzdem gehen die meisten Menschen einer solchen nach. Zum einen sicherlich, weil ihnen aufgrund ihrer Ausbildung gar nichts anderes übrig bleibt. Andere wollen aber auch gar nichts anderes als eine einfache Arbeit haben, schließlich ist eine ehrliche Arbeit auch eine Frage der Ehre.

Mein Fahrgast, ein früh ergrauter Mitfünfziger, der Hochdeutsch nur mit bayrischen Einsprengseln zu sprechen vermochte, wollte übrigens in die Spielbank. Ich fragte mich, ober er mit seinen Klamotten dort überhaupt reinkommen würden, aber Gott sei Dank sind wir ja nicht in Bayern sondern in Berlin. Ich musste mir also keine wirklichen Sorgen um unseren Migranten aus Bayern machen.

Eine Frage hatte ich allerdings doch noch an ihn. Wenn er die Berliner alle so dumm findet und er selbst seine Mission als gescheitert ansieht, warum ist er dann überhaupt noch hier? Gibt es auf der ganzen Welt überhaupt soviel Geld, das ihn dies ertragen lässt? Und selbst wenn, ist der Preis, den er selbst dafür bezahlt, nicht doch zu hoch? Also mir kam die Situation, in der sich unser Bayrischer Gastarbeiter befand, irgendwie – Verzeihung – schizophren vor.

Und außerdem: Wieso macht er alles Geld fest? Was ist überhaupt Geld? Und gibt es nicht einiges, was man sich selbst mit viel Geld nicht kaufen kann? Wie wär’s mit Ehre, Glück, Gesundheit …? Übrigens: Gesundheit ist nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation WHO nicht nur körperliches, sondern auch geistiges und soziales Wohlbefinde! Er machte auf mich jedenfalls einen sehr unglücklichen Eindruck. Und dafür bedauerte ich ihn – aufrichtig, und empfahl was ich in solchen Situationen immer empfehle: Geh doch einfach dahin (zurück), wo es dir besser gefällt. Geld macht eben doch nicht glücklich!

Hatte er mich verstanden? Keine Ahnung, er war mit einem Mal sehr ruhig geworden. Zum Glück war es nicht mehr weit bis zur Spielhölle und bis ich ihn los bin, unseren Bayernimport. Plötzlich, an der nächsten roten Ampel, reist er die Beifahrertür auf und macht sich mit den eingangs erwähnten Worten aus dem Staub.

Ich natürlich sofort hinterher. Für die versuchte Erschleichung der Beförderung bekam er gleich was auf die Pfoten von mir. In denen befand sich komischerweise bereits seine Geldbörse. Die ließ er vor Schreck fallen, so daß ich mich erstmal selbst bedienen konnte. Ich rundete den Fahrpreis großzügig auf, schließlich hatte ich ja auch noch eine Lebensberatung gegeben.

Das schien dem Berliner Bayern irgendwie nicht zu gefallen. Zumindest vernahm ich ein merkwürdiges Grunzen ganz in meiner Nähe. Daraufhin ließ ich nun seine Geldbörse fallen und bevor er sich nach ihr bücken konnte, bekam er von mir gleich noch einen Satz heiße Ohren mit der Bemerkung: „Für das asoziale Arschloch, du Spinner!“

Und die Moral von der Geschichte: Man kann auch ohne nett zu sein zu seinem Trinkgeld kommen.

PS: Außerdem ist Geld, auch Trinkgeld, wie wir gesehen haben nicht alles im Leben!

Text TaxiBerlin

14.01.2010

Hundefreie Zone

Seit erstem Januar dürfen keine Hunde mehr auf den Kollwitzplatz im Prenzlauer Berg, erfahre ich aus der BERLINER. Eine Leserin ist schockiert, „daß eine Lobby aus Bio-Eltern, Yuppies und Spießern das kaputt macht, was den Prenzlauer Berg früher auszeichnete: ein kreatives Neben- und Durcheinander sowie die Haltung LEBEN UND LEBEN LASSEN“.

Weiterhin fragt sich die Leserin: „Wer wird als nächstes ausgegrenzt, weil er nicht ins Szenebild der Erfolgreichen und Gutbetuchten passt?“, um abschließend zu resümieren: „Kein Wunder, daß immer mehr Künstler und Intellektuelle den Bezirk verlassen, weil die Atmosphäre für ein künstlerisches Schaffen nicht mehr stimmt. Der Bezirk droht zu einem schicken, sterilen und intoleranten Viertel zu verkommen“.

Eine Zukunftsvision, wie ich sie nicht besser hätte formulieren können, die aber bereits Realität geworden ist – LEIDER! Der Leserbrief enthält ein Stichwort, das mich auf ganz neue Gedanken bringt: KREATIVITÄT! Ich überlege jetzt ernsthaft, mir nun doch einen Hund zuzulegen und mich mindestens dreimal die Woche auf den Weg in den Prenzlauer Berg zu machen. Vielleicht mach ich sogar noch ein kleines Business draus: Dog-Sharing!

Wer hat Lust auf die verbleibenden vier Tage in der Woche?

Text TaxiBerlin

Keine Sterne für Söldner

Daß mein Fahrgast ein Sternekoch ist, stellt sich erst am Ende der Fahrt heraus. Nicht jeder, der zum Gendarmenmarkt will, ist schließlich gleich automatisch ein Starkoch, auch wenn er einem am Kuh’damm einsteigt.

Auch er ist genervt von den ganzen Leuten, die im Schneckentempo vor sich hin schleichend die linke Spur blockieren. Von fahren kann da nun wirklich keine Rede sein! Für die Frage, ob es an den Winterreifen liegt, welche die Schleicher sich eventuell gespart haben, bleibt keine Zeit. Mein Fahrgast ist bereits zum nächsten Thema übergegangen.

Eigentlich ist es aber noch dasselbe Thema: Leute, die einem immer nur im Weg rumstehen und einfach nur nerven. Die Rede ist von den Zugezogenen! Auch wenn die ansonsten zu nix taugen, Material für Gespräche bieten sie mehr als einem lieb ist. Er sei zwar auch nicht in Berlin geboren, aber so ein Gewese wie diese Neuberliner habe er damals in Westberlin nicht gemacht, was ich ihm ungeprüft abnehme. Ein Berliner, wie man sich ihn wünscht, denke ich bei mir. Ein klarer Fall von gelungener Integration!

Zum Schluss kommen wir dann auf seinen Job zu sprechen. Der mache ihm immer noch Spaß, schließlich sei die Ausbildung zum Koch in Berlin gut und produziere ausreichend sowohl qualifizierter als auch motivierter Köche. Auf jeden Fall arbeite er lieber mit Leuten von hier zusammen, als mit den um die Welt tingelnden "Kollegen", die Berlin nur als Eintrag in ihrem Lebenslauf missbrauchen.

„Die ganzen Söldner, die taugen doch alle nix!“, schloss er seinen ganz persönlichen Erfahrungsbericht ab.

Text TaxiBerlin

10.01.2010

Erst gar nicht ignorieren

Sagt man in Wien, wenn man etwas nicht ernst nimmt. Das ganze natürlich im breiten Wiener Dialekt. Das habe ich heute von meinem Fahrgast ab Tegel erfahren. Aber woher wusste der, also mein Fahrgast, dass das genau mein Thema ist. Ich rede vom angeblichen Transponderzwang am Flughafen. Ich meine, wer so ein Ding hat, und deswegen vom Fahrgast ab Flughafen fünfzig Cent für die Flughafengesellschaft eintreiben muss, der ist doch irgendwie selbst dran schuld. Oder etwa nicht?! Zumindest fand mein Fahrgast das! Auf jeden Fall freute der sich über die Tatsache, dass ich ihm mit der fünfzig Cent Abzocke nicht auf dem Sack gehen würde.

Wenn man abzocken will, dann aber richtig, fand er – mein Fahrgast aus Wien. Da fängt man nicht bei fünfzig Cent an, klärte er mich auf. Aber auch nicht bei vier Euro nicht eingegebener Kurzstrecke, erlaubte ich mir anzumerken. „Auf keinen Fall!“, stimmte er mir zu. Zum Abschied riet er mir: „Erst gar nicht ignorieren“, nachdem er den Fahrpreis (ohne TXL-Abzocke!) um den Preis einer Kurzstrecke mit der Bemerkung: „für den Tee“, aufgerundet hatte.

Nun sitze ich beim Bier, schreibe diesen Text und vergesse für einen Moment, dass der Wiener den Berliner, wenn der ihm nicht passt, auch schon mal „Piefke“ nennt. So hat nun jeder seine eigene Sichtweise und Wortwahl, und wie sagt der Berliner so schön und richtig: „Erst jarnich ignorieren!“.

Text TaxiBerlin

"Seien Sie richtig gemein,

dann sind Sie wahr ..."

Ist (leider) nicht von mir, auch nicht von einem Fahrgast, sondern von einem bekannten zeitgenössischen Autoren. Aber von welchem?

Sachdienliche Hinweise bitte an die bekannte e-mail Adresse oder einfach Kommentar hinterlassen. Der erste richtige Einsender, respektive Einsenderin, gewinnt eine Kurzstrecke!
Quiz TaxiBerlin