30.10.2009

Flaschennachtautomat


Sie gehen daher wie ein Schatten

Und machen sich viel vergebliche Unruhe;

Sie sammeln und wissen nicht

Wer es einbringen wird.

Psalm 39 Vers 7



Vorletzte Nacht hätte ich fast einen von diesen Flaschensammlern überfahren, zumindest dachte ich anfangs, dass es einer wäre. Durch die Zeitumstellung wird es ja nicht nur früher dunkler, sondern der Himmel ist schon seit Tagen auch nachts nur noch bedeckt und der Mond, der angeblich langsam wieder zunimmt, ist überhaupt gar nicht zu sehen. Es war auch schon ziemlich spät, ich war abgegessen von der Schicht und eigentlich auf dem Weg nach hause. Plötzlich tauchte er zwischen zwei Autos, für mich aus dem Nichts heraus, vor meinem Wagen auf. Da half nur noch voll in die Eisen gehen und beten, denn es regnete schon einige Zeit und die Fahrbahn war nass.

„Punktlandung“, sagte der Typ etwa in meinem Alter zur Begrüßung, um dann sogleich „Kurzstrecke“ hinzuzufügen. Ich war stinksauer auf meinen plötzlichen Fahrgast, der es sich mit seinen zwei Plastiktüten voll mit leeren Flaschen bereits in der Zweiten Reihe bequem gemacht hatte. „Sag mal, findest du das in Ordnung mir so einen Schrecken einzujagen so kurz vor Feierabend, und alles nur wegen einer Kurzstrecke?“, schiss ich ihn gleich erstmal zusammen, um ohne ihn zu Wort kommen zu lassen hinzuzufügen: „Was haste denn da drin in deinen Plastiktüten? Doch nicht etwa leere Flaschen, mit denen du mir meine goldenen Fußmatten voll kleckerst? Siehst doch gar nicht aus wie ein Flaschensammler!? Und wo soll es überhaupt hingehen?“

Eigentlich sei er ja Journalist, also jetzt nicht Wallraff oder so was. Das fülle ihn aber nicht aus. Deswegen zockt er auch gerne mal an der Börse. Angeblich hat er da auch schon seine Schäfchen ins Trockene gebracht, und jetzt wollte er noch mal was anderes machen. Da sei er eben auf’s Flaschen sammeln gekommen. Wäre schließlich eine ehrliche Arbeit, allerdings nicht ganz sauber. Wegen meiner Fußmatten müsste ich mir keine Sorgen machen. Seine Plastiktüten sind absolut wasserdicht, atmungsaktiv und komplett recycelbar, wären nämlich aus einem speziellen Ausrüstungsladen in der Schlossstraße. Zum Schluss entschuldigte er sich noch für den Schrecken, den er mir eingejagt hatte. Er konnte ja nicht wissen, dass meine Schicht sich dem Ende zuneigt, seine hätte nämlich gerade erst begonnen. Unter der Woche läuft es für ihn immer besser, das müsse aber unter uns bleiben, da wäre er so gut wie alleine unterwegs. Und jetzt soll ich ihn bitte auf dem kürzesten Weg zum Flaschennachtautomaten fahren, alles per Kurzstrecke wie gesagt, denn auf das Gedränge am Tage vor den normalen Flaschenautomaten habe er nun wirklich keinen Bock. Er gibt mir auch einen Euro Trinkgeld, Schmerzensgeld wegen dem Schreck und so.

Jetzt war ich erstmal sprachlos. Ist der Typ durchgeknallt? Journalist? Zocker? Flaschensammler? Schäfchen im Trockenen? Flaschensammlerausrüstungsladen? Flaschennachtautomat? Na gut, Paketautomaten gibt es ja auch schon, wo man zu jeder Tages- und Nachtzeit Pakete aufgeben oder abholen kann. Aber die ganze Story von dem Typen machte doch irgendwie keinen Sinn. Trotzdem entschied ich mich ihn Ernst zu nehmen, was selbst bei wirklich Durchgeknallten die bessere Wahl ist. So fragte ich ihn nach seiner Konkurrenz aus. „Ja, die ist schon übel. Alles so kleine Stinker, arbeiten ohne Taschenlampe und haben auch sonst kein wirklich gutes Material. Es ist schließlich wie in jedem anderen Business, man muss erstmal investieren. Das ist wie an der Börse!“, versuchte er mich bereits zu agitieren.

Apropos: Börse! Sei das nicht effektiver als das Flaschensammeln, wollte ich noch von ihm wissen. An sich schon, aber nachts arbeitet die eben nicht. Da ist so ein Job an der frischen Luft schon ein schöner Ausgleich, komme er auch mal raus aus seiner Hütte. Außerdem hängen bei dem ganzen Gezocke an der Börse auch immer Jobs und damit Schicksale dran, das dürfe man nicht vergessen. Aber ist das Flaschen sammeln nicht genau so, gab ich zu bedenken. „Wie meinst du denn das jetzt?“, fragte er mich ernsthaft interessiert. Ob er noch nicht wüsste, dass es Menschen gibt, die auf’s Flaschensammeln angewiesen sind, im Gegensatz zu ihm. Jetzt war er offensichtlich überrascht. „Stimmt das wirklich?“, will er von mir wissen. Ja, leider, er sei wohl wirklich eine längere Zeit nicht mehr rausgekommen. An der Börse herrschte seit Monate Goldgräberstimmung und da wollte er eben nichts verpassen.

Eine Antwort darauf musste ich ihm schuldig bleiben, oder hatte er sie nicht bereits selbst gegeben, denn am Ende der Straße tauchte plötzlich ein hell angestrahlter gelber Container auf, der von weitem wie Gold aussah. Es gibt ihn also wirklich, diesen Nachtflaschenautomaten! Auf dem befindet sich ein kleines rotes Licht, das mich bereits von weitem anblinkt. Entweder ist der Automat voll oder er wurde ausgeraubt, denke ich noch bei mir. Aber warum wird das Licht immer heller? Wieso blendet es mich so stark? Ist es dieses kleine rote Licht, der hell erleuchtete Automat oder etwa richtiges Gold, was mich da anstrahlt? Vielleicht sollte ich einfach mal die Augen aufmachen.

Plötzlich steht ein Kollege neben meiner Fahrertür und leuchtet mir mit seiner Taschenlampe ins Gesicht. Er wolle mich nicht mit Klopfen erschrecken, aber es wäre schön, wenn ich endlich mal aufrücken würde. Oje, da bin ich doch glatt eingepennt. Jetzt wird es echt Zeit, dass ich Feierabend mache, bin wirklich ganz schön müde. Kurz entschlossen starte ich den Wagen, rücke aber nicht wie vom Kollege gewünscht auf, sondern schalte das Taxilicht aus und fahre nach hause.

Text by TaxiBerlin

17.10.2009

Das Taxi zum Radio

Morgen um 11 Uhr habe ich bereits ’ne Vorbestellung. Eigentlich wäre mir das zu früh. Aber für meinen Freund und Künstlerkollegen, den Schriftsteller DIETRICH WERNEBURG DIETRICH (DWD), mache ich eine Ausnahme. Der muss nämlich zum Radio, um genau zu sein zu RADIO VOODOO, der Sendung von und mit dem wunderbaren ROBERT WEBER und Ex-Surfpoeten beim HERBSTRADIO.

Bei der Sendung geht es von 12 bis 14 Uhr, passend zur Buchmesse, um Lieblingsbücher und geborgte, verborgte und gestohlene Bücher. Zu empfangen ist RADIO VOODOO in Berlin unter der Frequenz 99.1 und weltweit über Livestream.

Um die Männerquote einzuhalten (muss ja alles seine Ordnung haben - heutzutage!), neben Dietrich hat sich Robert noch zwei weibliche Studiogäste und eine Nachrichtensprecherin eingeladen, werde ich als Überraschungsgast in der Sendung auftreten. Das muss aber unter uns bleiben, noch nicht mal Robert weiß etwas davon.

Ich werde aber nicht nur für eine ausgewogene Männerquote sorgen, soviel möchte ich noch verraten, sondern auch prüfen, ob genug politisch Unkorrektes über den Äther geht. Also nicht verpassen: Morgen von 12 bis 14 Uhr RADIO VOODOO Livestream (oben rechts).

11.10.2009

WIR WOLLEN NICHT EIN STÜCK VOM KUCHEN

An den Yorck Brücken
WIR WOLLEN DIE GANZE BÄCKEREI
Aber haben die jungen Anarchisten auch daran gedacht, dass man die Kuh nicht nur nicht essen darf, sondern sie jeden Tag füttern, ausmisten und melken muss, damit sie täglich Milch gibt?
Text & Foto by TaxiBerlin

07.10.2009

"REGIERE DICH SELBST"

Unter den Linden
... müssen ausgerechnet die sagen, die sich selbst gerade an Dr. Oetker verkauft haben!
Text & Foto by TaxiBerlin

25.09.2009

Am Schweizer Garten


Es reicht! Ich habe die Schnauze voll! Voll von diesen aufgeblasenen Wichtigtuern, beispielsweise Am Schweizer Garten! Kennt den jemand von euch? Ein kleines YuppieGhetto mit eigener Privatstraße, abgehend von Am Friedrichshain, im Prenzlauer Berg! Machen auf „neutral“, aber bestimmen doch die Regeln. Das ist doch echt asozial: Nur Schritttempo ist erlaubt, Parken und Wenden sogar verboten! Haben die jetzt Angst vor ’ner Wende, die sie vielleicht um ihr schönes Eigentum bringen könnte? Dann macht euch doch ’ne Schranke vorne dran und stellt ’nen Pförtner ein. Aber bitte einen von hier! So hättet ihr wenigstens einen Arbeitsplatz geschaffen. Oder noch besser: Errichtet gleich ’nen Schutzwall und verteilt Passierscheine! Dann wären auch mehrere Arbeitsplätze drin und man könnte sogar von sozialer Verantwortung in schweren Zeiten reden. Aber bitte auf Dauer, oder eben „nachhaltig“, wie das heute heißt! Mit Mauern bauen und Grenzen sichern kennt sich der Berliner schließlich aus. Die beste Lösung ist und bleibt aber: Geht einfach dahin zurück wo ihr hergekommen seid! Denn, jetzt mal im Ernst: Die Zeit für Verhandlungen ist vorbei! Da wird mir jeder Sozialarbeiter und Therapeut Recht geben, neue Regeln sind Verhandlungssache, und solche Verhandlungen fanden bekanntlich nie statt!

Ein Glück, dass ich kein Autor bin, der darauf angewiesen ist, dass dieses Gesockse seine Bücher kauft. Ich habe ja noch einen richtigen Beruf erlernt, und damit meine ich jetzt nicht Taxi fahren. In der Knaackstraße stehe ich auch schon lange nicht mehr mit meiner Taxe, und bei Fahrten in den Prenzlauer Berg schlage ich schon mal Zwei Fünfzig DünnSinnZuschlag drauf, wenn mir die NeuBerlinUrlauber mit ihrem Geseiere zu sehr auf die Eier gehen.
Bei manchem Autor wünscht man sich förmlich, dass er auch einen richtigen Beruf erlernt hätte. Einige sollen das sogar haben und nerven trotzdem mit ihrem Geschriebsel. Vor Kurzem soll es sogar schon vorgekommen sein, dass sich jemand ein ganzes Buch lang über Bulgarien ausgelassen, das ganze dann ausschließlich an das heimische schwäbische Publikum verkauft, und dafür sogar den Buchpreis der Heldenstadt Leipzig bekommen hat. Übrigens: Die Frau kam aus irgendeinem Stuttgarter DegerLoch nach Berlin, studierte an der FU Religionswissenschaften, um danach als Buchhalterin in der Berliner Werbeagentur ihres Bruders zu arbeiten. Ich finde ja sowieso, dass wenn jemand nur lange genug ein Buch gehalten hat, dies eine gute Voraussetzung ist, um später selbst auch mal ein Buch zu schreiben. Allerdings nur die zweitbeste Variante! Die Beste ist und bleibt Taxi fahren, weil man nur auf der Straße genau die Geschichten erlebt, womit man ein Buch auch füllen kann. Ansonsten gilt, was ich schon immer gesagt habe: Der Schwabe kommt her, macht eine Agentur auf und stellt dann nur Schwaben oder eben Familie ein.

OK, die schwäbische Buchhalterin fasst sich mit ihren knapp zweihundertfünfzig Seiten immerhin kurz & bündig und ist bereits deswegen schon unterhaltsamer als dieser KunstWollende WendeSchleimdrüsenRoman von diesem WachTürmler und sächsischen Panzerfahrer. Der hat ja neulich ganz und gar den Deutschen Buchpreis abgefasst, was aber nicht weiter verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass seine Kritiker und Leser Am Schweizer Garten wohnen, die sich gerne daran berauschen, dass es anscheinend irgendwann irgendwo in diesem Land genauso einen Opportunisten gab. Und da die dort Am Schweizer Garten fälschlicherweise sogar noch denken, der Autor wäre ein noch größerer Opportunist wie sie selbst, kann der nicht nur, sondern muss sogar den Deutschen Buchpreis bekommen. Der Hut tragende Panzerkommandant aus dem Tal der Ahnungslosen, der bereits auf Seite dreihundertdreißig von über eintausend klarstellt: „Er begann ehrlich zu lügen.“, bestätigt zumindest etwas, auch wenn er es nicht so formuliert: Es gab im Osten keine Nischen! Die Nischen sind eine Erfindung des Westens! Ich behaupte sogar: Die Nischen des Ostens sind die Eigentumswohnungen von heute, einer kleinen Schicht, die es sich leisten kann, vorbehalten, allerdings mit dem Unterschied, dass die heute in den Eigentumswohnungen ihre kleine Spießerwelt für die richtige halten.

Die Autorin des Bulgarienbuches, Buchhalterin und Halbbulgarin, allerdings nur vom Namen her und auch ohne Sprachkenntnisse, ist selbstverständlich keine Netzbeschmutzerin, wie manch Kritiker behauptet, denn die Schwaben kommen in dem Buch entweder gar nicht vor oder eben gut bei weg. Es wird also höchste Zeit, dass sich mal jemand über die Schwaben hermacht, insbesondere wenn man soviel vor der Nase hat, dass es bereits für einen Gesellschaftsroman mit Fortsetzungen reichen würde. Aber was machen die Berliner Autoren? Sie unterhalten sich weiter mit Gott über die Banalitäten des Alltags! Na gut, warum nicht!? Wenn’s „jebraucht“ wird?! Apropos Banalitäten: Unterhält der sich mit Gott auch mal über die Schwaben in Berlin? Und wenn ja, was sagt eigentlich Gott dazu? Er, also der Autor, muss ja deswegen, ebenso wie die Buchhalterin, nicht zum Nestbeschmutzer werden, denn die NeuBerlinUrlauber sind ja gar keine Berliner. Um auf Nummer sicher zu gehen, könnte er aber auch Gott zu uns sprechen lassen! Zu bedenken ist in jedem Fall, wer dann noch seine Bücher kaufen soll!

Also, wenn ich Geld brauchen würde, ich würde da einfach reinmarschieren bei denen Am Schweizer Garten und mir nehmen was ich brauche. Das größte Hindernis ist meiner Meinung nach die verkehrsberuhigte Privatstraße, sowie das Park- und Wendverbot. Da darf man sich eben nicht aufhalten lassen, wenn man mit den „janzen“ Klunkern und der „janzen“ Kohle aus den Schweizer Schließfächern abzuhauen „jedenkt“. Wenn bisher galt: Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott was Gott gehört, so gilt ab heute fürderhin: Und nimm den Schweizern was dir gehört! Und noch eines: Niemand sollte in Zukunft mehr behaupten, Gott würde im Prenzlauer Berg wohnen! Wer dies tut, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass er bereits die Fronten gewechselt hat. Nur dass es ein für alle mal klar ist: Gott hat vielleicht irgendwann mal im Prenzlauer Berg gewohnt, aber das ist lange her. Für die meisten Bewohner des Prenzlauer Berges heute viel zu lange! Gott wohnt nicht mehr im Prenzlauer Berg, denn Gott ist da wo die Bedürftigen und Notleidenden sind!
Gott war nie bei den Reichen und Schönen! Wahre Schönheit kommt von Innen! Aber wo Nichts ist, kann auch keine Schönheit sein, und Nichts kann auch nichts Schönes hervorbringen. Die meisten Bewohner des Prenzlauer Berges sind im Sinne Nietzsches nicht nur „überflüssig“, sondern auch Gottloses Pack!
Dahergelaufene BionadeBourgeoisie mit eingepflanztem EgoGen, die sich nur für sich selbst interessieren. Bedauernswerte Gestalten, deren Eltern nur das Beste wollten und ihnen gerade dies vorenthielten. Nun sind wir geplagt mit ihnen, diesen narzisstischen Klugscheißern mit Mundgeruch trotz Mundspray. Nur wen wollen sie hier beeindrucken? Wir Berliner können nicht mehr für sie tun als sie bedauern. Und der Klügere gibt auch nur so lange nach, bis er der Dümmere ist. Aber damit ist jetzt Schluss! Lange genug konnten sich die Provinzkacker hier ausscheißen. Damit es mal klar ausgesprochen ist: Wir wollen euch hier nicht! Vor nicht allzu langer Zeit hättet ihr einfach ein paar auf’s Maul bekommen und ihr wärt von ganz alleine in eure Dreckskäffer zurückgekehrt.

Nun gut, das war zu Zeiten des „Alten Testaments“, heute gilt ja wohl immer noch „Liebe deinen Nächste“, auch wenn der ein EgoKrüppel ist, der aus dem Mund riecht.
Trotzdem, oder besser: genau deswegen, gehen wir mit den besten Absichten zum HASIR in die Adalbertstraße, dem türkischen Lokal in Kreuzberg, dessen Betreiber vor knapp dreißig Jahren den Berliner Döner erfunden hat, dessen Gourmetgeschichtliche Bedeutung der Entdeckung der Berliner Currywurst gleichkommt. Dort gibt es Ärger mit einer NeuBerlinerUrlauberin im Haus, die gegen das Lokal gerichtlich vorgeht. Um eine gütliche Einigung zu erzielen, laden wir die Frau einfach mal zum Türkischen Buffet ein. 

Wahrscheinlich wartet sie nur darauf, weil sie ja auch schon gehört hat, dass die Türken so gastfreundlich sein sollen. Ich denke, mit der Frau kann man reden, und spätestens nach dem dritten Raki zieht sie ihre kindische Klage zurück. Ich meine, es ist doch wirklich infantil in ein Haus mit einem Restaurant zu ziehen, um sich dann über das Restaurant im Haus zu beklagen. Das wäre ja so, wie wenn mich jemand, der mir in die Taxe steigt, vor Gericht zerrt, nur weil ich ihn befördere!
Nach dem Buffet und dem Happy End im HASIR gehen wir noch um die Ecke ins SO36 in der Oranienstraße zu dem jungen Mann, der sich durch das Kreuzberger ClubUrgestein gestört fühlt und besuchen ihn in seiner Küche, dem Ort der gefühlten Ruhestörung. Wozu man ihn einladen sollte, ist mir nicht ganz klar. Angesichts des Umstandes, dass es ja gar nicht mehr nur darum geht, dass Minderheiten mittels Rechtstaat Mehrheiten terrorisieren, sondern es offensichtlich sogar schon möglich ist, dass sich Einzelne mittels selbigen zu Diktatoren über den Rest der Menschheit aufschwingen können. Immerhin verlangt der Mann nicht mehr und nicht weniger, und zwar genau hier in Berlin, als den Bau einer Mauer – wenngleich nur einer Lärmschutzmauer oder eben die Schließung des SO36, das mit Sicherheit älter ist als er selbst. Angesichts dieser Tatsachen überlege ich, ob es nicht an der Zeit ist, zum Motto des alten Testamentes „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ zumindest in der light Version zurückzukehren. So wie auch früher manche Dinge rasch und unbürokratisch in einer dunkler Ecke im Treppenhaus oder auf’m Hinterhof geregelt wurden. Wer spricht denn von Gewalt? Ein Klaps auf den Popo des unartigen Kindes, mit Erwachsenen haben wir es ja offensichtlich nicht zu tun, hat noch niemanden geschadet. Es soll ja nicht ernsthaft jemand verprügelt, sondern, wie der Berliner so schön sagt, nur ’n bisschen „jehauen“ werden. Wir sind nämlich gar nicht so barbarisch, wie uns immer nachgesagt wird. Und die haben ja sowieso die besseren Krankenversicherungen! Wir wollen auch nur, dass die sich einfach wieder verpissen! Geht doch in die Schweiz, von eurem Am Schweizer Garten! Oder könnt ihr euch das nicht leisten? Dann hättet ihr zumindest schon mal eine Vorstellung von dem, wie es uns hier in Berlin bereits seit einiger Zeit geht, bekommen - auch ohne Eigentumswohnung!

Besser als die Schwäbische Buchhalterin kann auch ich es nicht formulieren, und wenn ich frei zitieren darf: „Nicht die Liebe vermag die Schwaben in Schach zu halten, sondern nur ein gutmütig gepflegter Haß.“ (S.248)

Und wenn ihr endlich geht: Bitte nicht zur Mittagszeit, und auch nicht nach 21Uhr! Denn wir sind neuerdings sehr lärmempfindlich!
Fotos&Text TaxiBerlin

23.07.2009

Kamminer Straße

Normalerweise werden in Berlin, was ich Dr. Motte aber besser nicht erzählt hatte, Straßennamen erst vergeben, wenn die betreffende Person bereits einige Zeit tot ist. Das ist bedauerlich für die betreffende Person, aber leider nicht zu ändern, so sind nun mal die Spielregeln, oder eben auch nicht. Ich meine, einen Fall in Berlin ausgemacht zu haben, wo eine betreffende Person, nach der bereits zu dessen Lebzeiten eine Straße benannt wurde, nicht nur noch am Leben ist, sondern sich sogar bester Gesundheit erfreut. Die Rede ist von Wladimir Kaminer, der nicht nur als Autor der „Russendisco“, sondern auch als DJ für russische Musik über die Stadtgrenze hinaus bekannt ist, und worüber unkundige Journalisten auch schon mal schreiben, dass Wladimir die „Balkanisierung“ der hiesigen Dancefloors vorantreibt, was natürlich völliger Quatsch ist, weil sich Russland nun mal nicht auf dem Balkan befindet, woran weder der Fall der Mauer noch das Ende des Kalten Krieges etwas ändern konnten, auch nicht Wodka -Jelzin und sogar KGB-Putin nicht. Hier sollen die ja nicht mal mehr den Verkehr regeln dürfen, die Ex-Stasisten, und dort muss der sogar ein ganzes Land regieren. Russen gibt es anderseits aber nicht nur in Moskau und auf den Datschen davor, sondern bekanntermaßen auch auf Gran Canaria, in Marseille und Venedig, aber auch in Thessaloniki und in Varna, was sich ausnahmsweise wirklich mal auf dem Balkan befindet, und sogar in Antalya waren sie bisher bei Tee und Wasserpfeife anzutreffen. Selbst in Berlin gibt es jede Menge Russen, und nicht nur irgendwelche arme Russlanddeutsche in Marzahn. Aber das sind ja sowieso keine richtigen Russen, wofür aber weder Wladimir noch ich etwas kann. Die richtigen und wirklich reichen Russen wohnen nämlich vorzugsweise in Charlottenburg, was deswegen gerne auch schon mal „Charlottengrad“ genannt wird. Und genau dort hat sich Wladimir nicht etwa nur eine Wohnung und auch kein Haus gekauft, sondern gleich eine ganze Straße. Und wenn er sie gekauft hat, dann gehört sie ihm auch. So ist das hierzulande! Aber darf er die dann auch nennen wie er will? Seitdem heißt die nämlich Kamminer Straße! Mancher Krümelkacker wird jetzt sagen, aber Kaminer schreibt sich doch nur mit einem M! Und was ist mit Wladimir? Steckt da etwa kein M drin, das zweite vielleicht?! Wie es sich gehört, wohnt der Straßenbesitzer in der Hausnummer Eins. Damit Wladimir seine Kredite zurückzahlen kann, muss er viel arbeiten, und das sogar nachts. Aber dank Energiesparlampen ist das kein Problem, und geschlafen wird schließlich auch bei Kaminers im Dunkeln. Warum ausgerechnet ich, und keiner von der Paparotzi Journallie, das enthülle, dass kann ich nur vermuten. Wahrscheinlich sind die alle noch mit dem russischen Erdgas beschäftigt. Seit der Sache mit der „Balkanisierung“ sind die für mich sowieso gestorben, die Herren Journalisten. Bei denen, die heutzutage das Schreiben studieren, soll es ja schon so sein, dass sie bereits nicht nur die Abschlussarbeiten ihrer Vorgänger von gestern, sondern sogar ihr heute geschriebenes, morgen gar nicht mehr verstehen. Der wahre Grund, warum ausgerechnet ich die Sache aufdecke, ist, das muss aber unter uns bleiben, dass ich mir selbst keine eigene Straße, sondern nur eine Wohnung in der Stadt und ein Haus auf dem Land leisten kann. Offiziell mache ich mir allerdings ernsthafte Sorgen, ob die offensichtlich unter juvenilem Alzheimer leidenden Journalisten nicht insoweit Recht behalten sollten, dass, wenn schon nicht auf den Berliner Dancefloors, so zumindest auf dem Berliner Straßennamenmarkt von einer „Balkanisierung“ die Rede sein dürfte. Immerhin versuchte Wladimir, was den Namen seines aktuellen Programms „Es gab keinen Sex im Sozialismus“ angeht, bereits schon einmal mit einer dreisten Lüge durchzukommen, was aber außer mir auch niemandem aufgefallen ist. Und dass, obwohl doch alle wissen, dass wir im Osten nicht nur Weltmeister im Dopen, sondern auch beim FKK und insbesondere im Bett waren. Oder hat Wladimir das etwa ernst gemeint, dass er, ich meine, dass es in der Sowjetunion keinen Sex gab, und er deswegen nach Berlin gekommen war, weil Berlin damals noch die geilste Stadt der Welt war. Vorstellbar ist das schon, wo doch manche dort, also da wo der Wladimir herkommt, bis heute immer noch keinen Sex haben dürfen, was aber genauso OK ist, wie KGB-Putin ein lupenreiner Demokrat ist. Vielleicht schreibt Wladimir zur Abwechslung als nächstes ja mal ein Aufklärungsbuch mit dem Titel „Es gibt Schwulen und Lesben in Russland“

15.05.2009

Die Jerusalemer

Also das ist jetzt nicht das aktuelle Plattencover von den Beatles, und auch nicht von Oasis. Ihr wisst schon, wo die alle so komisch hintereinander über einen Zebrastreifen laufen, und was die letzteren sich wohl ganz offensichtlich bei den Beatles abgeguckt hatten.
Nein, das ist die Leipziger Straße in Mitte Höhe der Jerusalemer Straße. Und die Jerusalemer Straße muss ich fahren, wenn ich beispielsweise vom Alex nach Tempelhof will, weil es die kürzeste Strecke ist. Ob die beiden auf dem Foto das eventuell auch wissen und sich deswegen ausgerechnet hier unsere Wege kreuzen, entzieht ich allerdings meiner Kenntnis.

12.05.2009

Flughafengebühr? Nein Danke!

Die Flughafengebühr für den Flughafen Tegel, die bisher von den Taxiunternehmern gezahlt werden, soll ab Juli durch den Taxifahrer bei den Flug- bzw. Fahrgästen eingetrieben werden. Was hier den Taxifahrern als Serviceoffensive verkauft wird, dient in erster Linie der Gewinnmaximierung der privaten Flughafenbetreiber.
Eigentlich waren die Pläne, wohl auch angesichts der Finanzkrise, vorerst auf Eis gelegt. Seit Mitte letzter Woche wird allerdings wieder Druck gemacht, die geplante Abzocke sogar noch zum 1.Juli einzuführen. Für die Flughafenbetreiber bedeutet diese Änderung erhebliche Mehreinnahmen. Die Taxiunternehmer werden zwar entlastet, alles aber auf Kosten der Taxifahrer, die die Kohle beim Fahrgast eintreiben sollen.
Das lehnen die Berliner Taxifahrer ab.

29.01.2009

Nach Russendisco


Samstagmorgen! Zwei junge Frauen steigen mir am Cafe Burger in der Torstraße in die Taxe. Es waren Russinnen, das sah ich sofort! Eine von ihnen trug nicht nur einen Pullover mit der Reklame für die Russendisco, sondern sah sogar aus wie Frau Kaminer.

(Es soll ja Leute geben die denken, dass Frau Kaminer nur zu hause bei den Kindern sitzt, weil Herr Kaminer so viel arbeitet. Ich denke das nicht. Osteuropäische Frauen können alle feiern, das weiß ich aus Erfahrung. Im Übrigen ist mir egal, wer mir ins Taxi steigt, ob sie nun Kaminer oder Merkel heißen! Hauptsache sie wissen wo sie hinwollen, kotzen mir nicht in den Wagen und zahlen Fahrpreis plus Tip – Taxifahren ist nun mal ein Trinkgeldberuf!)

Leider musste ich meine Überlegungen abrupt unterbrechen, denn es stellte sich heraus, dass die Frau, die wie Frau Kaminer aussah, „stinkbesoffen“ war und ihre Freundin zumindest „normalbesoffen“. Das machte die Bestimmung der Route nicht gerade leicht, zumal wir es offensichtlich auch noch mit zwei unterschiedlichen Fahrzielen zu tun hatten.

(Ich habe nichts persönlich gegen „Besoffene“. Nur „Besoffene ohne Orientierung“ erschweren die Arbeit eines Taxifahrers. Auch mit Kotzen kann ich umgehen. Ist ja letztendlich auch nur eine ganz normale Körperreaktion. „Hilfestellung beim Erbrechen“ ist zwar nicht Bestandteil der Taxiprüfung, trotzdem traue ich sie mir zu. Allerdings reiße ich mich nicht gerade um den Job, besonders wenn ich eigentlich mit Fahren beschäftigt bin. Im Normalfall pennen die einem aber einfach nur ein und kotzen nicht gleich den Wagen voll. Die musst du dann nur irgendwie wieder wach kriegen oder du lässt sie gar nicht erst einschlafen, am Besten indem du sie vollquatschst!)

Doch zurück zu meinen beiden Russinnen! Irgendwann hatten wir dann die Fahrstrecke irgendwie fertig bebastelt. Zuerst wollte die „Normalbesoffene“ in der Nähe des Wasserturms aussteigen. Danach sollte ich die „Stinkbesoffene“, die so aussah wie Frau Kaminer, zum Mauerpark bringen. Der Taxifahrer in mir wollte sein Veto einlegen, denn angesichts des „Geisteszustandes“ der Frau, die wie Frau Kaminer aussah, erschien mir die umgekehrte Reihenfolge sinnvoller. Andererseits wollte ich nicht als Waschlappen oder Geldschneider dastehen, der nicht den Mumm hat, zwei besoffene Russenweiber nach hause zu bringen.

(Osteuropäische Frauen denken sowieso schon, dass deutsche Männer keine Eier hätten, was auf mich allerdings nicht zutrifft, da nicht „reinrassig“!)

Als die „Normalbesoffene“ das Taxi verließ, nannte sie mir nochmals Straße und Hausnummer der „Stinkbesoffenen“, die wie Frau Kaminer aussah. Zügig fuhr ich durch die kleinen Straßen im Prenzlauer Berg, kürzeste Strecke – ist ja klar! In der angegebenen Straße angekommen musste ich feststellen, dass es die Hausnummer 45 gar nicht gab. Die Frau, die wie Frau Kaminer aussah, machte trotzdem Anstalten zu bezahlen und auszusteigen. Im letzten Moment bemerkte aber auch sie den Fehler und ließ sich in den Sitz zurückfallen. Ich hatte mich wohl zu früh gefreut.

Ich versucht der Frau, die wie Frau Kaminer aussah, das Problem zu erklären, was allerdings nicht so einfach war. Erklär mal einer besoffenen Russin den Stadtplan! Die Frau, die wie Frau Kaminer aussah, bevorzugte in ihrer Situation auch eher die nonverbale Kommunikation. Sie verdrehte die Augen und zeigte mit allen Fingern der linken Hand nach hinten. Ich übersetzte das für mich in Wenden und der Straße folgen, was natürlich vollkommen richtig war.

Die Frau, die wie Frau Kaminer aussah, wohnte nämlich nicht in Hausnummer 45 sondern in der 54. Die Quersumme Neun (für Nichtmathematiker) hat zumindest gestimmt! Dort angekommen, schält sie die Frau, die wie Frau Kaminer aussah, irgendwie aus dem Wagen und verschwindet im Dunkeln der Straße.

Hatte ich es doch gewusst, Osteuropäerinnen können nicht nur feiern, sondern behalten auch danach noch den Überblick und kotzen vor allem nicht in Taxen!

Text TaxiBerlin