11.06.2020

Hippies von heute


Es muss Kuhscheiße aus der Schweiz sein!
Berliner Hundescheiße (Foto) bringt's nicht!

Seit ich kein Taxi mehr fahre, also seit ziemlich genau drei Monaten, bin ich viel mit dem Fahrrad in unserer schönen Stadt unterwegs und habe auch schon den ein oder anderen Bericht darüber verfasst. Wenn ich kein Fahrrad fahre, und ich auch nicht vorm Computer sitze, so wie jetzt gerade, hänge ich viel am Fenster rum. Im Prinzip fehlt mir nur noch das entsprechende Kissen, um es mir am Fenster so richtig bequem zu machen, wie alte Leute das früher gemacht haben. Da auch ich mich irgendwie von den Menschen von früher unterscheiden will, habe ich das Fenster-Kissen zumindest bisher weggelassen, was das stundenlange Sitzen am Fenster nicht gerade bequem macht. Jetzt, wo gegenüber von mir Hippies eingezogen sind, wäre eigentlich der richtige Zeitpunkt, sich ein solches Fenster-Kissen zuzulegen. Dass ich es noch nicht habe, liegt an den Hippies. Ich meine: Was sollen die Hippies von mir denken? Trotzdem ich noch kein Fenster-Kissen habe, habe ich die Hippies von gegenüber schon regelrecht studiert. Was ich nach nur einer Woche Hippie-Studium sagen kann, ist, dass die Hippies von heute gar nicht so viel denken, wie ich Anfangs befürchtet habe. Was sie dagegen gut können, ist, einen zu überraschen. Erst einmal mit ihrem Rhythmus, denn der ist wie folgt: Hippies stehen gegen 21 Uhr auf, um sich zwischen 22 und 23 Uhr ihr Frühstück zuzubereiten. Wie es dann weiter geht, weiß ich leider nicht genau, weil ich dann schlafe. Wenn ich dann so gegen 8 Uhr am nächsten Tag aufstehe, schlafen wiederum die Hippies. So weit, so easy. Vor ein paar Tagen haben die Hippies nun angefangen ihre Hütte zu renovieren. Dazu waren sie auch schon mal vor dem eigentlichen Aufstehen um 21 Uhr auf den Beinen, so dass ich sie fragen konnte, was das mit dem offenen Feuer in ihrer Hütte auf sich hat. Das offene Feuer in der Hippie-Hütte hat, das war zu erwarten, einen spirituellen Charakter. Um genau zu sein, verbrennen die Hippies Kuhscheiße, die extra aus der Schweiz importiert wurde, also die Kuhscheiße, nicht die Kuh. Kuhscheiße abzufackeln ist praktisch gut gegen alles. Das einzige, was man dabei beachten muss, ist die richtige Uhrzeit, und zwar sowohl die vom Sonnenaufgang, als auch die vom Sonnenuntergang. Da sind die Hippies ganz genau und haben deswegen die Kuhfladen-App auf ihrem Handy. Denn die Sonne geht in Friedrichshain zu einem anderen Zeitpunkt auf und auch unter als im Wedding. (Die Zeitdifferenz soll immerhin zwölf Sekunden betragen, wie mir glaubhaft versichert wurde.) Das ist ganz wichtig für die Kuhfladen-Therapie. Das leuchtete auch mir ein, obwohl ich gar kein Handy habe, auf das ich irgendeine App laden könnte. Jedenfalls bin ich, was das offene Feuer in der Hippie-Hütte gegenüber angeht, jetzt etwas beruhigter. Ob die Kuhfladen-Therapie wirklich hilft, davon bin ich allerdings (noch) nicht überzeugt, denn die Hippies sehen alles andere als frisch oder gar gesund aus, was aber auch daran liegen kann, dass sie Vegetarier oder gar Veganer sind. Einer von ihnen ist sogar so verlangsamt, dass ich mir regelrecht Sorgen mache. Vielleicht sind seine Slow-Motion aber auch einfach eine normale Nebenwirkung. (Wovon genau, ob vom Inhalieren brennender Kuhscheiße oder von der vegetarischen bzw. veganen Kost, wäre noch zu klären.) Schön anzusehen sind die Hippies von heute jedenfalls nicht, ganz zu schweigen, dass sie schöne Menschen wären. Und das ist wohl auch der Grund, warum ich mir bisher kein Fenster-Kissen zugelegt habe. Nach der Kuhscheiße zum Abfackeln solle ich übrigens mal googeln. Das wurde mir von der Mutter aller Hippies empfohlen. Bisher habe ich aber auch davon die Finger gelassen. Das wird ja heute alles gespeichert, wonach man googelt, und im dümmsten Fall wird es irgendwann gegen einen verwendet. Dann liest du vielleicht im Internet: Verdächtiger Mann in Friedrichshain verhaftet, weil er Kuhscheiße abfackeln wollte. Wer will das schon über sich selbst im Internet lesen? Also ich nicht!

Foto&Text TaxiBerlin

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