31.08.2018

DER STALIN KOMPLEX



Den Stalin-Komplex gibt es wirklich, im Gegensatz zum Bader-Meinhof-Komplex, den es nur als Buch gibt. Herr Stalin, von Genosse will er nichts mehr wissen, und ich sind Nachbarn, weswegen ich auch Kollege Stalin zu ihm sagen darf. Stalin und ich sind aber nicht einfach nur Nachbarn, sondern ich habe auch viel vom Kollegen Stalin gelernt. Einerseits aus Respekt vor dem Alter im Allgemeinen, andererseits weil der Kollege Stalin schon etwas länger seinen eigenen Gulag hier in der Gegend betreibt. Den hat er bereits vor einiger Zeit in Komplex Stalin umbenannt, denn selbst ein Stalin muss mit der Zeit gehen. Und so auch ich.

Wie ich bereits erwähnte, habe auch ich meinen kleinen Gulag, für den man in meinem Berliner Taxi jederzeit (außer in meiner Auszeit, dann gibt es sie vor Ort) Gutscheine erwerben kann, umbenannt, und zwar in Gulag-Ressort. Im Gegensatz zum Kollegen Stalin gibt es bei mir aber keine Fische, weswegen man bei mir auch nicht angeln kann, und baden kann man bei mir auch nicht.

Dafür habe ich eine mit reinstem und superweichem Quellwasser gespeiste und wirklich nachhaltig, weil mit Sonnenenergie betriebene Sommerdusche unter freiem Himmel, die besser ist als jede zentralbeheizte Dusche bei dir zu hause, was auch immer du für ein Bad haben magst – mit oder ohne Fenster. Gegessen wird in meinem kleinen Gulag, der jetzt Gulag-Ressort heißt, ebenfalls mit Messer und Gabel, ganz genauso wie bei meinem Nachbarn, dem Kollegen Stalin. Geschlafen wird natürlich auch bei mir, und zwar nach getaner Arbeit, aber nicht etwa in irgendeinem langweiligen Bett wie bei meinem Nachbarn, dem Herrn Stalin, sondern auf  typisch balkanischen Strohsäcken und auf der Erde. So viel Gulag-Feeling muss sein.
Foto&Text TaxiBerlin

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