02.09.2020

TaxiBerlins BalkanTesla



In der Krise rücken die Menschen nicht nur enger zusammen, sondern haben darüber hinaus auch immer jede Menge verrückte Ideen. Da das enge Zusammenrücken nicht mit dem Mindestabstand vereinbar ist, stellt die aktuelle Krise eine besondere Herausforderung dar, nicht nur für’s Zusammenrücken, sondern auch für verrückte Ideen. Früher hast du einfach eine alte Berliner Kneipe übernommen und aus ihr eine Russendisko gemacht. Das geht heute alleine wegen den Abstandsregeln nicht mehr. Die Idee mit der Russendisko ist übrigens keine neue Idee aus dem Berlin der Neunziger. Die Idee der Russendisko stammt ursprünglich aus Bulgarien. Dort öffneten bereits 1878, nachdem der russische „Zar Befreier“, von dem bis heute ein großes Denkmal in der Hauptstadt Sofia steht, die Türken aus dem kleinen Land am Rande unseres schönen Kontinents gekickt hat, russische Kneipen mit russischer Musik aus einer eigens dafür installierten Orgel ihre Pforten, an denen verkleidete Kosaken im Wladimir-Kaminer-Stil Musik machten. Ich bin mir auch gar nicht sicher, ob der Kaminer wirklich Russe ist und Wladimir und nicht Wladimich heißt, weil der Berliner mir und mich doch immer ..., naja, du weißt schon. Bei meiner aktuellen verrückte Idee geht es aber nicht um Musik, sondern um Mobilität. Die wird wohl demnächst weiter eingeschränkt werden, wie es aussieht, auch weil das viele Reise gar nicht gesund für den Biorhythmus ist und so. Deswegen wird in Zukunft nur noch reisen, bei dem schon alles zu spät und sowieso nichts mehr zu machen ist, also nur die richtig Reichen. Der Rest läuft zu Fuß oder fährt mit dem Fahrrad oder eben mit meinem alternativen BalkanTesla (Foto). Mein BalkanTesla verfügt zwar nur über eine Eselstärke (ES), dafür über zwei Sitzplätze und braucht weder Kraftstoff noch Strom. Einen richtigen Tesla kann ich mir nicht leisten, genauso wie ich mit meinem Taxi keine Fahrgäste in Schönefeld laden kann und aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht am neuen Flughafen Berlin-Brandenburg-International, sollte der denn irgendwann einmal seine Pforten öffnen, auch wenn das Strombetriebene Automobil dort um die Ecke hergestellt wird. Neulich in Amerika bin ich aus Spaß mal einen Tesla Probegefahren, und ich muss sagen: Das Teil ist nicht für mich! Erst einmal hat es gar keinen Motor und macht dementsprechend auch keine Motorgeräusche, und überhaupt ist das Fahrgefühl eher wie beim Auto-Scooter auf’m Rummelplatz und nicht wie in einem richtigen Auto. Für Heranwachsende und junge Erwachsene mag das angehen, aber nicht für mich. Ich bin einfach zu alt für diesen Kinderkram. Und ich kann mir einen Tesla aus Brandenburg wie gesagt auch gar nicht leisten, genauso wie ich mir bald auch kein herkömmliches Automobil mit richtigem Motor, Motorgeräuschen und Abgasen leisten kann. Beides ist nur richtig Reichen vorbehalten. Unsereiner muss sehen, wo er bleibt. Auch hier ist die aktuelle Lage wie auf einem untergehenden Schiff und das Motto lautet: Rette sich, wer kann! Je früher man sich selbst in Sicherheit bringt, umso größer der Vorsprung zu den Vielen, die noch nicht gemerkt haben, dass sie mit der Titanic unterwegs sind. Der Vorsprung ist auch wichtig, weil man mit meinem BalkanTesla nicht unbedingt besonders schnell vorankommt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit meines Zweisitzers mit einer Eselstärke (ES), der keinen Strom und kein Benzin braucht und auch keine Abgase produziert, liegt bei zwei Kilometer die Stunde, die Höchstgeschwindigkeit immerhin bei drei. Ich sage immer: Lieber langsam und angenehm befördert als schnell aber gestresst angekommen. Und überhaupt: Was machen die meisten mit der „eingesparten“ Zeit? Lesen sie ein Buch oder spielen sie nur auf ihrem Smartphone herum? Ich jedenfalls kann das Tempo schon lange nicht mehr vertragen, und ein Smartphone habe ich auch nicht. Mein BalkanTesla mit einer Eselstärke (ES) ist nicht nur besser mit meinem Biorhythmus kompatibel, sondern ich kann in ihm auch prima lesen. Und wegen den Abstandsregeln muss ich mir auch keine Gedanken machen. Mein BalkanTesla gilt als ein gemeinsamer Haushalt.

Foto&Text TaxiBerlin

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