09.09.2020

„People Are Crazy And Times Are Strange“



Im Taxi mit Bob Dylan

Der Titel ist nicht von mir, sondern von Bob Dylan. Ganz genau ist es eine Zeile aus seinem Song „Things Have Changed“, den er für den Film „WonderBoys“ mit Michael Douglas geschrieben und für den er sogar einen Oscar bekommen hat. „People Are Crazy And Times Are Strange“ ist jetzt keine neue Erkenntnis, und der Song ist auch nicht neu, sondern 20 Jahre alt. „People Are Crazy And Times Are Strange“ ist aber etwas, was ich seither in meinem Taxi beobachten musste, wenn ich mit ihm auf den Straßen und Plätzen Berlins unterwegs war. Warum ich jetzt auf „People Are Crazy And Times Are Strange“ zurückkomme, liegt daran, dass „People Are Crazy And Times Are Strange“ in jüngster Zeit eine neue Eskalationsstufe erreicht hat. Genau genommen ist es so, dass viele Dinge eingetreten sind, von denen ich gehofft habe, sie nie wieder erleben zu müssen. Und das ist es, was mich so beunruhigt und mir so große Sorge macht. Angefangen vom ewigen „Haltung zeigen“ (Natürlich die „richtige“! – Aber wer weiß schon, was die „richtige“ Haltung ist? Du vielleicht?), übers „Nazi sein“ (Wer Nazi ist, bestimmt der mit der „richtigen“ Haltung.), bis hin zum Aushalten einer „anderen Meinung“ – Wir hatten das alles schon (mindestens) einmal! Manche scheinen gar nicht mehr zu wissen, dass es zu allem und jedem immer (mindestens) zwei Meinungen gibt. (Dazu müsste man allerdings bis drei zählen können, und dann würde man sich auch nicht mit „ein paar tausend“ abspeisen lassen, wenn es um die Anzahl von Demonstranten geht, die offensichtlich eine andere Meinung haben. Wie viel genau sind denn nun „ein paar tausend“ – 20.000? 50.000? oder doch 100.000? Was denkst du?) Geschichte wiederholt sich, wenngleich unter anderen Vorzeichen. Dass viele das heute nicht mehr wissen, liegt daran, dass ihnen der Unterschied zwischen „das Selbe“ und „das Gleiche“ nicht klar ist. Geschichte wiederholt sich nicht 1:1, was „das Selbe“ wäre. Dass sie das nicht kann, hängt mit der Zeit zusammen, die vergeht. Im Sinne von „das Gleiche“ wiederholt sich Geschichte aber sehr wohl, sie hat dies immer getan, und zwar als „Wiederkehr des immer Gleichen“, wie Nietzsche meinte. Deswegen lesen Menschen heute noch die Bibel, Shakespeare und auch Nietzsche. Gut, nicht jeder liest sie – wahrscheinlich wieder nur „ein paar tausend“. Nur, wer weder Hamlet, Jesus noch Zarathustra kennt, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen. Er ist nur einer mehr von den „Viel zu Vielen“ (Nietzsche) aus dem Song „Things Have Changed“ von Bob Dylan, wo sie „People Are Crazy“ heißen.

Video WonderBoys
Text TaxiBerlin

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