10.08.2020

Wie TaxiBerlin die Krise als Chance nimmt



Seit Kindesbeinen an habe ich eine Abneigung gegens Aufräumen und Putzen. Wieso sollte ich auch ausgerechnet da Ordnung schaffen, wo ansonsten nichts in Ordnung ist? In Krisenzeiten kommt bei mir nun dieses alte Traumata wieder ans Tageslicht, weswegen Krisen wichtig sind, denn sie sind immer auch eine Chance. Bei mir sieht es so aus, dass sich meine Aversion gegens Aufräumen und Putzen in eine regelrechte Zwangsneurose gewandelt, praktisch um 180° gedreht hat, ich also vom Putzen und Aufräumen nicht mehr lassen kann. Bereits in Berlin habe ich immer mal wieder mit der Berliner Stadtreinigung (BSR) geliebäugelt. Die Heimat der Männer von der BSR, die Frauenquote dort entspricht ziemlich genau der bei den Taxifahrern, sind auch die Straßen und Plätze unserer Stadt, also da wo ich als Taxifahrer zu hause war, und ihre Farbe in Berlin ist Orange, was nicht weit vom Gelb des Taxis entfernt ist. Wie gesagt, in der Krise wurde nun mein altes Putz- und Ordnungstrauma geweckt. Wieso, Weshalb, Warum? – Das würde jetzt zu weit führen zu erklären. Aber möglicherweise geht es dir genauso, dass auch bei dir plötzlich alte Dramen auf der Tagesordnung stehen, auch weil ein Zusammenrücken, wie in Krisenzeiten sonst üblich, in dieser Krise angeblich nicht möglich ist. Die aktuelle Krise ist so gesehen eine besondere Herausforderung, aber trotzdem auch immer noch eine Chance, zumindest sehe ich es so, wohl auch weil ich endlich eine Reinigungsmaschine in meinen Farben, also in Gelb/Schwarz der allermeisten Taxen weltweit, gefunden habe, nachdem sich das „Warten auf Godot Gäste“ im Taxi immer mehr als ein Warten auf etwas herausgestellt hat, was nicht kommt. Seitdem ich nun meine Gelb/Schwarze Putzmaschine vor einer Woche gekauft habe, ist sie praktisch im Dauereinsatz, was ganz schön ins Geld geht, denn das Teil hat eine Leistung von 2.000 PS Watt. Da mir das, manisch wie ich bin, gerade total egal ist, obwohl ich gar keine Kohle für den Strom habe, kann man wohl ohne Übertreibung von einer Zwangsneurose sprechen. Das klingt erst einmal nicht schön, wenn nicht gar abschreckend, dabei soll es das gar nicht sein, ganz im Gegenteil. Sicherlich, sich alte Dramen und Verletzungen, aber auch eigenes Fehlverhalten anzusehen, ist nicht gerade ein Vergnügen und erst recht kein Genuss. Das ist leider auch wahr. Aber nach der Reinigung, in dem Fall Retraumatisierung, fühlt man sich gleich viel besser. Und wenn man es gründlich macht, kann Ordnung schaffen ein kompletter Neuanfang sein, im besten Fall sogar eine Wiedergeburt. Mir sind nach dem großen Reinemachen nur noch ein Tisch, an dem ich gerade arbeite, und ein Stuhl, auf dem ich dabei sitze, verblieben. Alles andere habe ich verschenkt an Leute im Dorf und Zigeuner im Machala. Die haben sich gefreut, und ich habe mich gleich viel besser gefühlt. Ein Gutmensch bin ich deswegen nicht geworden. Ich habe beim Verschenken vor allem an mich gedacht. Auch weil ich gerade in „Aufzucht und Pflege eines Romans“ des Amerikaners Sol Stein, der u.a, mehrere Bücher von Elia Kazan lektoriert hat, die daraufhin Bestseller wurden, las: „Der Gute ist immer der Dumme.“ (S. 89, 2. Auflage 2005, Verlag Zweitausendeins) Wie ich den Strom bezahle, weiß ich immer noch nicht. Ich kann nur hoffen, dass die in Rumänien zusammengebaute Gelb/Schwarze Putzmaschine aus Deutscheland (Foto) spätestens nach einem Monat Dauereinsatz ihren Geist aufgibt. Ich finde es nicht zu viel verlangt, sich zumindest in dieser Hinsicht auf die Rumänen verlassen zu dürfen. Ansonsten wird mir der Stromversorger aus Tschechien die Kabel kappen, das geht auch. Wie immer es auch kommt: Schon jetzt steht fest, dass ich auch was diesen Internetauftritt angeht, komplett neu anfangen werde. Wer da jetzt eine Idee hat, sowohl inhaltlich als auch formell oder auch nur technisch bzw. technologisch, kann sich gerne bei mir melden. Es soll dein Schaden und auch nicht umsonst sein. Einen Tisch und einen Stuhl habe ich schließlich noch. Ruf mich aber bitte nicht an, sondern schreib mir eine a-mail. Danke!
Foto&Text TaxiBerlin

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