29.06.2020

Sex in Zeiten von Corona


Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte ich Einwilligungserklärungen bei mir im Taxi an Bord. Genau genommen waren sie fester Bestandteil des Basisprogramms meines kleinen Bauchladens für meine Fahrgäste. Die Einwilligungserklärung betraf den einvernehmlichen Sex, den meine Fahrgäste noch haben wollten. Die Erklärung war wichtig, damit später keiner von beiden sagen konnte, der andere hätte ihn vergewaltigt, wobei, um ganz genau zu sein, eigentlich immer nur die Frau behaupten kann, sie wäre vergewaltigt worden und nicht umgedreht. Dass der Mann vergewaltigt wird, das mag der Gesetzgeber so sehen, die Natur sieht diesen Fall nicht vor, aber das nur nebenbei. Wenn ich heute noch Taxifahren würde, so hätte ich mir „aufgrund der aktuellen Situation“ schon wieder was Neues einfallen lassen, und zwar die „Selbstanzeige“, denn heute wird nicht mehr geraucht nach dem Sex, sondern sich selbst angezeigt. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: „Erst  ficken – dann melden!“ Ob ich von diesen vorgefertigten Selbstanzeigen viele losgeworden wäre, das kann ich mir nicht vorstellen, jetzt, wo ich darüber schreibe. Ich meine, die meisten Menschen in unserem schönen Land hatten bereits vor Corona keinen Sex mehr. Für die ist das also nichts wirklich Neues, keinen Sex mehr zu haben. Mit dem Sex ist es wie mit der Arbeit: Viele haben keine und einige wenige zu viel. In der Sex-Branche nennt man die, die zu viel Sex haben, auch Sex-Arbeiterinnen. So weit ich mich erinnere, hat Angela Merkel auch ihnen ihre Arbeit höchstpersönlich verboten. An die genaue Formulierung kann ich mich nicht mehr erinnern, aber unsere Große Führerin hat das Wort „Bordelle“ in einer offiziellen Erklärung wirklich in den Mund genommen, und zwar deswegen, weil diese zu schließen seien. Das muss irgendwann Mitte März gewesen sein. Und offiziell geschlossen sind sie bis heute, zumindest so weit ich informiert bin. Dabei wären die Sex-Arbeiterinnen die ersten gewesen, denen man für ihren Job einen Orden als Systemrelevante Tätigkeit an die ihre blanke Brust hätte heften müssen. Das ist leider nicht passiert, wie überhaupt die Ehrung systemrelevanter Berufe, der rbb hatte ihnen seinerzeit im "Viren-Talk" eine eigene Serie gewidmet, komplett eingeschlafen ist. Dabei verrichteten die Sex-Arbeiten nicht einfach nur EINE systemrelevante Tätigkeit, sondern ihr Job war und ist möglicherweise der systemrelevanteste überhaupt. Das ist jetzt keine Übertreibung, ganz im Gegenteil. Die Menschen sind seit Monaten eingeschlossen, dürfe ihre Liebsten nicht mehr sehen und darüber hinaus keinen Sex mehr mit anderen haben. Was soll ihnen noch schlimmeres passieren? Gut, die meisten Menschen hatten vor Corona auch schon keinen Sex mehr. Das ist leider auch die Wahrheit. Aber in Krisenzeiten rücken die Menschen üblicherweise zusammen, und genau das dürfen sie jetzt nicht mehr. Und das macht mir große Sorge, weswegen ich seit einiger Zeit überlege, ob es kontaktlosen Sex gibt, und falls ja, wie dieser aussehen könnte. Als erstes kam mir die Idee, Sex nur noch von hinten zu gestatten. Früher, also als Kinder, sagten wir immer, dass es von hinten kein Kindergeld gäbe, aber was wussten wir denn?! Das mit dem Sex von hinten scheint mir erst einmal der richtige Weg, oder besser: die richtige Richtung zu sein. Irgendwo hatte ich gelesen, dass bei einem Naturvolk alte, hässliche Frauen mit ganz jungen Männern Sex haben, weil sie es so anstellen würden, dass die Männer ihr Gesicht nicht sehen. Dabei hilft auch die Maske. Mit Maske sehen Menschen irgendwie alle gleich aus. Eine hässliche Frau mit Maske habe ich noch nicht gesehen und ist mir demzufolge auch noch nicht unter gekommen. Fassen wir zusammen: Von hinten und mit Maske ist Sex, wer ihn haben möchte, möglich und auch sicher. Klar, hundertprozentig sicher ist von hinten und mit Maske nicht. Ich sage jetzt aber nicht, dass im Leben nichts sicher sei, sondern denke weiter ernsthaft darüber nach, wie Sex in Zeiten von Corona sicherer gemacht werden kann. Und da komme ich auf das so genannte Ganzkörperkondom. Ein jeder und auch eine jede hat schon von ihm, dem Ganzkörperkondom gehört, aber noch niemand hat ein solches gehen, oder? Jetzt ist die Zeit gekommen, eines zu entwickeln, um den Sex nicht komplett der Pornoindustrie zu überlassen. Das ist meine Meinung, oder wenn du so willst, meine Haltung! Ob die jetzt richtig oder falsch ist, das kann ich dir nicht sagen. Das herauszufinden, überlasse ich anderen. Ich bin mit der Entwicklung und dem Ausprobieren des Ganzkörperkondoms voll und ganz beschäftigt. Denn ich plane ein fulminantes Come-Back ins Taxi mit dem ersten Ganzkörperkondom überhaupt als Angebot in meinem Bauchladen. Bestellungen werden bereits entgegen genommen. Die ersten hundert Besteller bekommen einen Rabatt von Sex Prozent!

Text TaxiBerlin

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