07.05.2020

Wie Onkel Donald aus Amerika TaxiBerlin hilft, Seinen Kleinen Gulag in Bulgarien auszubauen


Vom Onkel aus Amerika

Im März war ich in den USA, ich hatte auch hier auf meiner Seite darüber geschrieben. Damals war der Grund meiner Reise noch geheim. Nachdem ich heute nun den Scheck für meine Mission im Briefkasten habe, kann ich auch darüber schreiben. Onkel Donald hatte mich seinerzeit eingeladen, ihn auf seiner XL-großen Ranch zu besuchen, weil er mehr über Meinen Kleinen Gulag in Bulgarien erfahren wollte. Das mit dem Gulag war aber nur vorschoben, denn eigentlich hatte ich mich schriftlich als Berater bei ihm beworben.

Ich hatte dem Onkel Donald meine Dienste als Berater angeboten, um Schlimmeres zu verhindern. Diese Formulierung: "um Schlimmeres zu verhindern" muss man sich merken, so denke ich. Denn wir leben in einer Zeit, wo viele Menschen denken, Schlimmeres verhindern zu müssen, und dann aber die Sache nur noch schlimmer machen. Man spricht dann von einer Verschlimmbesserung, also im besten Fall.

Viele haben heute auch einfach nur Angst und machen deswegen gar nichts ausser zu hause zu sitzen. Ich bin da anders, zumindest war ich es damals noch, deswegen auch mein Brief an Onkel Donald. Heute kann ich darüber schreiben, was in dem Brief stand, denn meine Mission ist beendet, um genau zu sein fehlgeschlagen, was aber nicht an mir lag, sondern an einem/r Mitbewerber*in Namens Corona.

In meinem ausführlichen Brief hatte ich Onkel Donald schon im letzten Jahr mitgeteilt, dass ich als jemand aus dem Osten Erfahrungen mit Mauern habe, und dass ich ihn gerne beim Bau der Mauer im Süden seines schönen Landes beraten möchte. Mein Ziel war dabei aber nicht, die Mauer möglichst undurchlässig oder gar gefährlich zu machen, sondern effizient, und zwar Energieeffizient.

Ich bin nämlich auch so ein Fridays-for-Future Kind, auch wenn man mir das nicht unbedingt ansieht. Die Mauer von Onkel Donald soll ja komplett Richtung Süden zeigen, was vor mir noch nie jemandem aufgefallen war. Deswegen lag es nahe, dem Onkel Donald einfach eine Photovoltaik-Mauer vorzuschlagen, mit der er ganz nebenbei sein ganzes großes Land hätte mit Strom versorgen können.

Dazu ist es aber leider nicht gekommen, denn dann kam, und zwar just in dem Moment als ich in Amerika ankam, Corona dazwischen. Onkel Donald hatte plötzlich keine Zeit mehr, den Mann aus dem Osten zu empfangen. Auch in den USA ist man als ehemaliger Bürger der DDR nur ein Mensch zweiter Klasse. Das ist leider auch wahr.

Andererseits verstand ich den Onkel Donald auch, dass er sich erstmal um seine Leute kümmern musste. Und mit Corona regiert es sich auch leichter, das ist selbst dem ein oder anderen hierzulande aufgefallen. Natürlich trifft das nur auf's Ausland zu, auf Bösewichter wie eben Onkel Donald oder den Genossen Wladimir, das ist klar.

"Das ist bei uns unmöglich!" - So heißt übrigens auch ein Buch von Sinclair Lewis, immerhin Nobelpreisträger. Der amerikanische Originaltitel ist "It can't happen here" und erzählt vom Niedergang der Demokratie, in den USA selbstverständlich nur, inspiriert allerdings von dem, was vorher in unserem schönen Land geschah.

Dorthin bin ich Ende März unverrichteter Dinge zurückgekehrt, und trotzdem habe ich heute einen Scheck von dem Onkel aus Amerika im Kasten. Eintausendzweihundert Dollar hört sich erstmal nicht viel an, sind aber immerhin gut Tausend Euro, und die für eine Beratung, die gar nicht stattfand. Gut, andere Berater kriegen weitaus mehr Geld, und die beraten nicht einmal gut, weswegen da eine Nicht-Beratung noch viel angezeigter wäre als bei mir. Das Leben ist nicht gerecht.

In Bulgarien, wo ich das Geld vom Onkel Donald aus Amerika anlegen möchte, sind Tausend Euro auf jeden Fall noch etwas wert, oder waren es zumindest bis gestern. Es soll bereits Banken in Bulgarien geben, die keine Euros in bulgarische Lewa eintauschen, weil sie der Gemeinschaftswährung nicht mehr vertrauen, was hoffentlich nur Einzelfälle sind. Sicher kann man sich in Bulgarien aber nie sein.

Meine Idee ist aber jetzt nicht, die Kohle aus Amerika in eine Mauer in Bulgarien anzulegen. Das nicht, denn eine Mauer hat in Bulgarien gar keinen Zweck. Und in Meinem Kleinen Gulag, den ich kürzlich in Gulag Ressort umbenannt habe, brauche ich auch keine Mauern. Ich würde von dem Geld viel lieber eine Toilette machen, auch damit meine Besucher nicht länger in den Wald gehen müssen zum Schei... .

Nachdem Onkel Donald nun das Geld dafür hat rüberwachsen lassen, habe ich nur noch das Problem, dass ich gerade nicht nach Bulgarien komme, um dort endlich eine Toilette in mein schönes Gulag-Ressort einzubauen. Dass ich noch nie eine Toilette gebaut habe, das irritiert mich dabei absolut gar nicht. Das ist in Bulgarien völlig normal.

Ich bin allerdings auch offen für Gastarbeiter aus dem Ausland. Also wenn du gerne mal was Sinnvolles machen und dabei das Geld von Donald Trump ausgeben möchtest, dann melde dich einfach bei mir. Spezielle Vorkenntnisse sind auch deinerseits nicht erforderlich. Das Wichtigste ist, man macht was zusammen und ist nicht länger alleine.

Foto&Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar posten