08.05.2020

Warum ich kein RadioEins mehr höre



Aktueller geht nicht!

Seit Jahren höre ich kein RadioEins mehr, "Das nur für Erwachsene", möglicherweise bin ich zu erwachsen geworden, aber wer weiß. Manchmal, aus Langeweile oder auch purer Verzweiflung, schalte ich RadioEins ein und dann dauert es nicht lange, dass ich am Verstand der Moderatoren zweifle. Der Punkt ist spätestens dann erreicht, wenn von mir als Hörer eine bestimmte Haltung erwartet wird. Haltung zu zeigen kannte ich bisher nur aus dem Sportunterricht, wo es eine gute und eine schlechte Haltung des Körpers gibt. Was richtig und was verkehrt ist, ist bei der Körperhaltung also bekannt, und ganz genauso scheint es mir mit dem Haltung zeigen nicht nur bei RadioEins, sondern bei Öffentlich/Rechtlich allgemein zu sein.

Von Zeit zu Zeit wird uns dieses Haltung zeigen auch als Zivilcourage verkauft. Dann meint es allerdings nur, dass der Staat sich seiner Aufgabe, seine Bürger zu schützen, wovor auch immer, entledigt hat, und der Bürger sich um seinen Dreck bitte sehr selber kümmern soll. Etwas anderes meint die in den höchsten Tönen gepriesene Zivilcourage oftmals nicht, das ist zumindest meine Beobachtung.

Zurück zum Haltung zeigen bei Öffentlich/Rechtlich und da im Speziellen bei RadioEins. Da ich vor vielen Jahren einmal Robert S., der jetzt der Chef von RadioEins ist, persönlich kennengelernt habe, und ich von diesem ständigen Haltung zeigen so erschöpft war, erlaubte ich mir Robert S. einen Brief, also richtig mit Briefumschlag und Briefmarke, zu schreiben. In dem wies ich Robert S. darauf hin, dass Haltung zeigen immer auch bedeutet, dass man, in dem Fall RadioEins, genau weiß, was die richtige Haltung sei, und dass das genau das wäre, was die meisten Hörer so sehr stören würde, weswegen viele, genauso wie ich, kein RadioEins mehr hören würden. Und zwar weil sie es leid seien, dass sie, wenn sie eine andere Haltung oder wegen mir auch nur Meinung hätten, diese eben verkehrt sei. In dem Fall hätten sie es nur noch nicht begriffen, seien einfach ein bisschen blöd und müssten nur mehr RadioEins hören, um es, mit etwas Glück, irgendwann vielleicht doch noch zu begreifen.

Ob du es glaubst oder nicht, Robert S. hat mir sogar geantwortet. Als erstes wies er mich darauf hin, dass ich mit meiner Meinung absolut nicht im Trend liegen würde, da immer noch viele Leute RadioEins hören würden. Darüber hinaus meinte Robert S., dass ich es ja wäre, der auf seiner Meinung bestehen würde und die Entscheidung der Vielen, also die, die immer noch RadioEins hören, nicht wahrhaben wolle. Robert S. drehte also einfach den Spieß um, was eine beliebte Methode ist, ich benutze sie auch gelegentlich, muss allerdings dazu sagen, dass sie in den allermeisten Fällen zu nichts führt, ausser den anderen Mundtot zu machen, aber keinesfalls dazu, sich mit dem anderen und dessen Meinung wirklich auseinanderzusetzen.

In meiner Antwort, diesmal per e-mail, teilte ich Robert S. mit, dass seine Zahlen stimmen mögen, sie mich dabei aber nur am Rande interessieren, einfach weil meine persönliche Erfahrung sowohl in meinem Freundes- und Bekanntenkreis als auch bei mir im Taxi eine andere sei. Was die Mehrheit macht bzw. für gut und richtig befindet, war noch nie mein Maßstab. Beispielsweise der Umstand, dass die Mehrheit hierzulande meint, sie dürfe ungefragt fremde Menschen immer und überall mit ihren Telefongesprächen belästigen. In Japan übrigens ein NO GO! Aber auch Minderheiten haben nicht immer Recht, auch wenn sie nicht müde wurden, dies immer wieder zu behaupten, beispielsweise mit: "Die Partei hat immer Recht!"

Auf diese e-mail erhielt ich keine Antwort mehr von Robert S., dem Chef von RadioEins. Deswegen erlaubte ich mir im März ihm einen konkreten Vorschlag zu machen, auch damit unsere Korrespondenz nicht völlig ins Leere und ohne etwas Konkretes ausläuft. Ich schlug Robert S. vor, doch einmal Hans-Joachim Maaz, den bekannten Psychotherapeuten und Bestseller-Autor aus Halle an der Saale, in seinen Sender einzuladen. Denn Hans-Joachim Maaz hat im März sein neuestes Buch bei C.H.Beck mit dem Titel "Das gespaltene Land" veröffentlicht. Aktueller geht es nun wirklich nicht mehr, oder?

Ich selbst habe Hans-Joachim Maaz, der mir auch schon mal hier in Berlin im Taxi saß, in meiner Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" bereits zweimal interviewt, einmal zu seinem Buch "Das falsche Leben" und das andere Mal zu seinem im letzten Jahr erschienenen Buch "Keine Mutter ist perfekt". Da ich kein RadioEins mehr höre und Robert S. sich auch nicht mehr bei mir gemeldet hat, gehe ich davon aus, dass mein Vorschlag keine Berücksichtigung fand. Aber vielleicht liege ich da auch verkehrt. Deswegen dieser Beitrag. Falls es unter meinen Lesern noch RadioEins-Hörer geben sollte, und einer bzw. eine von ihnen mitbekommen haben sollte, dass Hans-Joachim Maaz zu seinem aktuellen Buch "Das gespaltene Land", was ich, ginge es nach mir, als Pflichtlektüre empfehlen würde, da befragt wurde, dann teilt mir das bitte mit, und zwar am besten per e-mail an taxi.berlin(ät)gmx.de

Vielen Dank im Voraus!
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Text TaxiBerlin

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