21.03.2020

TAXIBERLIN UND DAS AUSGEHVERBOT


Rehe kommen aus den Wäldern Kaliforniens 

In Kalifornien gibt es bereits eine Ausgangssperre, allerdings nur als Empfehlung des Gouverneurs und nicht als Gesetz, zumindest habe ich es so verstanden. Jedenfalls bin ich gestern rausgegangen, aber nicht Downtown, sondern in the Wood, wie der Amerikaner sagt, wo gerade die Rehe rauskommen. Da ich mir um den Sicherheitsabstand zwischen mir und den Rehen, es war nicht nur das Eine unterwegs, keine Sorgen machen musste, konnte ich mir ungestört Gedanken machen. In "Subterranean Homesick Blues" singt Bob Dylan: "I'm on the pavement thinking about the gouvernment". Mir ging es gestern ganz genauso: "I'm in the wood thinking about the gouvernment", und da kam ich auf folgende Idee. Das mit der "Corona-Krise" ist ja "gut und schön", aber wenn wir ehrlich sind, fehlt im Moment noch etwas wichtiges. Ich meine: Von den "gut" 70 Toten (Stand 20.3.) war die jüngste eine Frau im Alter von 49 Jahren. Bisher sind weder junge Menschen noch Kinder dem Killer-Virus zum Opfer gefallen. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt bei 82,1 Jahren. Der älteste Verstorbene war ganz und gar 99 Jahre alt und lebte in einem Pflegeheim. Mindestens zwölf weitere Verstorbene lebten in Pflegeheimen. Mindestens 28 Patienten waren vorerkrankt, mindestens einer ernsthaft. Für mindestens 26 Menschen soll es keine Angaben über eventuelle Vorerkrankungen geben. Dieser Punkt macht mich besonders stutzig, ist sozusagen der Ausgangspunkt meiner Überlegungen im Wald. In Deutschland, wo alles und jeder erfasst ist, soll es über etwas wichtiges und vor allem aktuelles keine Angaben geben? Immerhin gibt es ganz genaue Zahlen über Verkehrstote in Deutschland. Und obwohl es da im letzten Jahr 216 weniger gab, waren es immer noch 3059 Tote auf unseren Straßen, also 255 Verkehrstote im Monat in 2019. Zu den 70 Toten durch den Corona-Virus bisher werden weitere hinzukommen, und jeder einzelne ist einer zu viel. Bisher ist es aber so, dass durch das Runterfahren eines ganzen Landes mehr Verkehrstote verhindert wurden, als dass es Opfer der Erkrankung gab, die zum Lockdown geführt hat. Mit anderen Worten: Uns fehlen, zumindest im Moment, einfach die Toten. So meine Überlegungen in den Wäldern Kaliforniens.

PS: Friedrich Merz, immerhin auch schon 64 Jahre alt, berichtet am sechs seiner Corona-Erkrankung: "Grippe-Symptome gehen in einen normalen Schnupfen über."

Foto&Text TaxiBerlin

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