04.02.2020

WAS PASSIERT, WENN MAN ERLAUBT, WAS MAN NICHT KONTROLLIEREN KANN ODER BESSER: NICHT KONTROLLIEREN WILL (EIN GASTBEITRAG)


Regeln, Regeln über Alles - so kennt man den Deutschen

Heute wieder ein Gastbeitrag von Kollegin Sonja, die letztens Studio-Gast in unser Sendung "Hier spricht TaxiBerlin" war, welche man hier nachhören kann. In dem Text von Sonja geht es um die Kontrolle von Uber. Uber ist eigentlich verboten, vermittelt aber trotzdem munter weiter Aufträge an Mietwagen, die ihre Rückkehrpflicht, zu der sie gesetzlich verpflichtet sind, nicht einhalten. Würden diese sich an Recht und Gesetz halten, hätte sich Ubers "Geschäftsmodell" von jetzt auf sofort erledigt. Normalerweise könnte man hierzulande davon ausgehen, dass Dinge auch kontrolliert werden. Dass ist dabei sich zu ändern. Ich bin mir nicht sicher, ob das jetzt gut oder doch eher schlecht ist, und zwar deswegen, weil ich den Deutschen bisher als zwanghaften Charakter eingeschätzt hatte, der alles und jeden zu kontrollieren sucht. Da aber niemand, noch nicht mal der Deutsche, niemals alles und jeden kontrollieren kann, neigt er zu Depressionen, weswegen ich auch immer sage: "Depression Is The German Way". Dass Depressionen ein speziell deutsches Phänomen ist, darüber sind sich die Experten einig. Nur, wie sie entstehen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Meine Erklärung ist wie gesagt, dass der Deutsche von Natur aus zwanghaft ist, weswegen er alles und jeden zu kontrollieren sucht, was nicht möglich ist, und er deswegen depressiv wird. Ob der Deutsche, wenn er das Kontrollieren sein lässt, und genau darum geht es in dem heutigen Gastbeitrag von Kollegin Sonja, weniger depressiv ist oder vor lauter Lebensfreude gar permanent Luftsprünge vollführt, daran habe ich meine Zweifel. Ich befürchte ehrlich gesagt eher das Gegenteil, und zwar die weitere Zunahme von Depressionen, wenn man dem Deutschen jetzt auch noch seinen Zwang zur Kontrolle nehmen will. Trotzdem, oder besser vielleicht: gerade deswegen!, hier nun der Text von Kollegin Sonja, von der auch das obiges Foto ist. Vielen Dank, Sonja!

Als ich das Schild vor ein paar Tagen im U-Bahnhof Schloßstraße entdeckte, kam ich aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. In Deutschland ist offenbar alles geregelt, aber nichts wird kontrolliert. An der behördlich verordneten Stelle stand kein einziger Straßenmusiker, dafür stehen öfter mal welche in den Fußgängerzonen mit so lauten Verstärkern, dass man noch im Abstand von hundert Metern Kopfschmerzen bekommt. Noch mehr Kopfschmerzen bereitet mir allerdings Uber. Die sind ja bekanntlich seit dem 19. Dezember deutschlandweit verboten, trotzdem habe ich den Eindruck dass es täglich mehr werden. Neulich stand ich in meinem Taxi um kurz vor 22 Uhr gemeinsam mit ca. 10 Kollegen um die Ecke vom Friedrichstadtpalast in der Ziegelstaße, weil dort pünktlich um 22 Uhr ca. 1700 Besucher herauskommen, von denen viele ein Taxi brauchen. Die Polizei hatte, wie so oft, nichts anderes zu tun als die Taxis zu verscheuchen. Als ich um die Ecke fuhr, stand in der kleinen Einsteigezone vor dem Theater kackfrech ein Uber-Fahrzeug. Dieser hatte ganz offenbar nichts zu tun und hatte auch keinen Auftrag, denn nach ein paar Minuten, als er merkte dass ich ihn beobachtete, fuhr er ohne Fahrgast weg. Er hätte also gar nicht dort stehen dürfen. Das hat aber die Polizei nicht interessiert, denn Polizei und Ordnungsamt fühlen sich nach eigener Aussage nicht in der Lage, Uber zu kontrollieren. Die sind nur in der Lage, Taxis zu verscheuchen, die eigentlich ab 20 Uhr überall stehen dürfen, wo sie niemanden behindern.

Foto&Text KolleginSonja

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