21.12.2019

"SVETLANA" NOCHMAL


Wie auf dem Balkan: eigentlich verboten, aber fährt trotzdem

Heutzutage ist es so, dass höchstrichterlich festgestellt werden kann, dass das, was du tust, Unrecht ist, und du trotzdem weitermachen darfst. So aktuell geschehen mit Uber. Und das ist auch gut so. Sonst hätte das Theaterstück "Svetlana" gestern im Club der polnischen Versager gar nicht starten können. Denn der Hauptdarsteller reiste mit einem Uber-Fahrzeug an, das er selbst steuerte, und das während der Vorstellung mit eingeschalteter Warnblinkanlage vorm Club auf ihn wartete. In den Club kam er überhaupt nur, weil ihm sein letzter Fahrgast dort hinein abgehauen war. Der schuldete ihm noch 20 Euro für die Fahrt. Und weißt du, wie lange ein Uber-Fahrer für 20 Euro arbeiten muss? Das weißt du natürlich nicht. Aber lass dir deswegen keine grauen Haare wachsen. Der Fahrer ist nur Pole. Und überhaupt: die meisten Zuschauer gestern im Club der polnischen Versager, die der Fahrer der 20 Euro wegen allesamt gleich mal in Sippenhaft nahm und mit einem Beil bedrohte, hatten selber die Uber-App auf ihrem Smartphone. Was tut man nicht alles, um fünf Euro zu sparen. Der Eintritt für "Svetlana", das heute um 20 Uhr ein zweites Mal im Club der polnischen Versager aufgeführt wird, ist frei wählbar. Ab sechs Euro geht es los bis zehn Euro. Du musst also nur einen Euro auf die fünf bei deiner Uber-Fahrt gesparten drauflegen, und auch du kannst Teil eines Stücks sein, von denen es in Zukunft mehr geben wird, allerdings im richtigen Leben. "Svetlana" ist, wenn du so willst, eine Vorbereitung darauf. Du tust gut daran, es nicht zu verpassen.

Foto&Text TaxiBerlin

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