28.11.2019

MEIN LEBEN AUF DER STRAßE


Die Straße - mein zu hause

Um von der Straße wegzukommen, ist Taxifahren defintiv der verkehrte Job. Das ist so und wird wohl auch immer so bleiben. Ich persönlich finde das gar nicht schlimm. Ganz im Gegenteil! Nachdem ich einige Universitäten (und nicht nur die Mensa!) von innen gesehen habe, kann ich sagen: Meine Universität ist die Straße. Bis vor kurzem konnte ich noch neben meinem Taxi auf genau dieser nächtigen, aber das geht nicht mehr. Wie alle Jahre wieder ist die Zeit gekommen, wo ich immer öfter gar nicht mehr aus dem Taxi rauskomme. Auch das ist nicht schlimm. Man muss sich nur begrenzen können. Mit der Bibliothek ist es erstmal vorbei. In meinem Taxi gibt es ab sofort nur noch ein Buch, und zwar das, das ich gerade lese. Meine Klassik-CDs habe ich auf die Straße gelegt, genauer auf den Bürgersteig, wo sie wahrscheinlich jetzt noch liegen. Das Notizbuch habe ich behalten und auch den Kugelschreiber. Den brauche ich auch für die vielen Quittungen. Heute fährt kaum noch jemand Taxi, ohne sich eine Quittung ausstellen zu lassen. Alles muss dokumentiert werden. Der Mensch von heute ist ein Quittungsmensch. Ohne Quittung macht er absolut gar nichts mehr. Deswegen ist mein Taxi auch voll von leeren Quittungen. Früher haben sie mich genervt, die vielen Quittungen. Heute bin ich dankbar, dass es Quittungen gibt. Da ich auch meinen Schlafsack auf der Straße lassen musste, decke ich mich im Taxi mit Quittungen zu. Man glaubt gar nicht, wie warm Quittungen halten.

Foto&Text TaxiBerlin

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