24.11.2019

DER GELDAUTOMAT ALS NEUER BLOCKWART


Ohne Geld abzuheben kommt keiner vorbei

Ein neuer Feind ist ausgemacht, was gut ist, denn wenn der Feind bekannt ist, hat der Tag Struktur. Mir gibt das Taxifahren Struktur, aber das nur nebenbei. Der neueste Feind heißt Sparer, weil er spart. Warum er überhaupt noch spart, versteht kein Mensch, denn Zinsen gibt es auf Gespartes schon lange nicht mehr. Trotzdem spart der gemeine Sparer immer noch. Bevor man rohe Gewalt anwendet, versucht man ihn mit Negativ-Zinsen "sanft" zum Geld ausgeben zu bewegen. Damit der gemeine Sparer auch immer und überall an sein Gespartes herankommt, werden jetzt immer mehr Geldautomaten direkt an Toreinfahrten zu den in Berlin üblichen Mietskasernen aufgestellt. So kommt der gemeine Sparer immer gleich dort vorbei, wo sein Geld ist. Er muss also nicht mehr zur Bank gehen. In seinen Hinterhof kommt er zwar nicht mehr rein, das ist sozusagen der Preis oder besser die Strafe. Wenn's dem gemeinen Sparer dreckig geht in seinem Hinterhof, dann soll er dort doch gleich verrecken und Platz schaffen für die, die mehr Geld ausgeben. Der Notarztwagen kommt jedenfalls nicht mehr auf den Hof, das Taxi auch nicht, denn an der Einfahrt steh der Geldautomat (Foto), der ihn nicht vorbei lässt. Der Geldautomat ist der Blockwart von heute, der darüber wacht, dass der gemeine Sparer genug Geld ausgibt. Denn Geld ausgeben ist wichtig - nicht das Klima retten! Wenn beim Geld ausgeben nebenbei das Klima, oder was man dafür hält, gerettet wird, dann ist das OK. Aber das Klima retten und sich dabei beim Geld ausgeben einschränken, wie der gemeine Sparer es tut, das geht nicht! Deswegen wird uns auch permanent erzählt, dass es möglich wäre, einfach so weiter zu konsumieren und trotzdem das Klima zu retten. Klima und Konsum sollen versöhnt werden, fangen schließlich beide mit K an. Was uns nicht erzählt wird, ist, dass Erspartes auch immer Investitionen sind. Dazu müsste man das Ersparte allerdings aktiv investieren, was bekannte Ökonomen, allen voran John Maynard Keynes, in Krisenzeiten, und in einer solchen befinden wir uns, dem Staat anempfehlen. Da der Markt aber alles richten soll, das Mantra der Neoliberalen, investiert der Staat nicht mehr. Wie soll er auch, wenn er selbst pleite ist, und pleite soll jetzt auch der gemeine Sparer gehen, dann kann man ihn auch noch besser kontrollieren. Deswegen stellt man Geldautomaten als neuen Blockwart auf. Wenn das nicht ausreicht, wird der gemeine Sparer demnächst enteignet werden - vorheriger Internet-Pranger inklusive -, vorausgesetzt es findet sich kein neuer Feind, der durch's globale Dorf getrieben werden kann.

Foto&Text TaxiBerlin

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