26.09.2019

ANWOHNERPARKAUSWEISORGANISIERUNG


Ab Dienstag Vergangenheit

Gestern, ich ritt gerade vom Balkan kommend in Bayern ein, erfuhr ich aus dem Radio, dass es in unserem schönen Land so etwas wie Clan-Kriminalität geben soll. Das muss man sich mal vorstellen! Das gab es doch früher nicht. Aber es wird noch besser. Es soll sie geben, obwohl man den Begriff Clan-Kriminalität noch gar nicht richtig definiert hat. Also wenn du mich fragst: Ein unerhörter Vorgang! Ich frage mich sogleich, ob ich anfällig für Clan-Kriminalität bin und komme zu keinem rechten Schluss. Was mir aber einfällt, ist, das mein Bewohnerparkausweis während meines Balkanaufenthaltes abgelaufen ist. Sogleich rufe ich, wie gesagt noch von Bayern aus, das Bürgertelefon 115 in Berlin an. Ich habe Glück, nach nur einer Stunde habe ich jemanden in der Leitung. Freie Termine gäbe es erst im November wieder, erfahre ich von der netten Frau vom Bürgertelefon. Ob sie Verständnis dafür hat, dass das die Bürger verärgert? Ja, hat sie. Und auch dafür, dass sich manch einer radikalisieren würde. (Clan-Kriminalität bringe ich nicht ins Spiel. Die ist, wie gesagt, auch noch nicht definiert.) Die Frau rät mir, heute früh um acht mein Glück beim Bürgeramt direkt zu versuchen. Ich muss also gar nicht ins Bett, sondern kann gleich zum Bürgeramt fahren. Viertel vor acht bin ich der dritte Bürger in der Schlange. Um acht, als das Amt offiziell seine Pforten öffnete, sind weitere zwanzig hinzu gekommen. "Bitte helfen sie mir!", flehe ich die Beamtin am Empfang an, die (noch) freie Termine vergibt. Ich will nicht zu nassforsch auftreten, aber auch nicht zu hilflos erscheinen. Ich scheine den Mittelweg gefunden zu haben, denn daraufhin sie: "Nö, wieso?" In dem Moment druckt der kleine Drucker bereits obigen Termin für selbigen Tag, also gestern, um 8:24 Uhr für mich aus. Dann eine Etage höher in den Warteraum. Der Wartefahrplan oder wie das Ding heißt bimmelt permanent. Man muss höllisch aufpassen, dass man seinen Termin nicht verpasst. Trotzdem bekomme ich es irgendwie hin, mir einen Flyer von FreeNow, dem neuen FakeTaxi, vom Ständer zu nehmen. Dann bin ich auch schon dran, also erstmal nur meine Wartenummer, und zwar am Wartefahrplan. Leider wird kein Behördenplan mitgeliefert, und so dauerte es einige Zeit, bis ich das richtige Zimmer noch mal eine Etage höher finde. Hier wäre ein Behörden-Navi hilfreich gewesen. Die Frau auch hier sehr nett. Mit den Flyern, das sei nicht in Ordnung, bestätigt sie mir. Man sei schließlich nicht das Job-Center. Auch die Bewohnerparkausweise geht das Bürgeramt eigentlich nichts an. Sie sei Pass- und Meldewesen. Bewohnerparkausweise sei Sache des Ordnungsamtes, aber die haben noch weniger Leute. Angeblich hat der Bürgermeister einhundert Leute bei den Bürgerämtern zusätzlich eingestellt. Wo die allerdings abgeblieben seien, das weiß auch sie nicht. Hier im Bürgeramt gäbe es seither drei Mitarbeiter weniger. Gestern wurde sie von einem Bürger mit dem Messer bedroht. (Auch hier unklar, ob das schon Clan-Kriminalität ist.) Ab 1.Oktober, also ab nächsten Dienstag, läuft das hier im Bürgeramt anders, erfahre ich. Da gibt es früh's keine zusätzlichen Termine mehr. Wer da ohne Termin kommt, so wie ich heute, also gestern, dem wird dann nicht mehr geholfen. Der geht besser gleich dahin, wo der Pfeffer wächst. Dann müsse man aber mehr Sicherheitspersonal einstellen, um den zu erwartenden aggressiven Bürgern Herr zu werden. (Vermutlich eher Wut-Bürger und keine Clan-Kriminalität.) Zum Schluss noch ein Tip von der Frau vom Amt in eigener Sache: Die Plakette so anbringen, am Besten mit einem breiten Klebestreifen, damit man sie beim Verkauf des Autos abmachen kann, sonst kriegt man keine Plakette für's neue Auto. Das erscheint mir dann doch zu kompliziert. Ich mache vorsorglich gleich einen Termin für September 2021. Man weiß nicht, was kommt, und was der Termin mal Wert ist. Möglicherweise brauche ich dann aber einen eigenen Clan um ins Termingeschäft einzusteigen, wer weiß ...

Foto&Text TaxiBerlin

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