27.07.2019

ALSO SPRACH DER KOLLEGE NIETZSCHE


Kollege Nietzsche auf den Punkt Buchrücken gebracht

Kollege Nietzsche, der heute wahrscheinlich Flaschensammler wäre, ist seinerzeit auch Taxi gefahren, was die wenigsten wissen. Es war die Zeit der Pferdedroschken, Kollege Nietzsche hatte es mit Pferden - das ist bekannt. Völlig unbekannt ist, dass er sogar zwei Bücher übers Taxifahren geschrieben hat. Das eine heißt "Der Mensch mit sich alleine", das Alleinsein gehört neben dem Warten zu unseren Kernkompetenzen, das andere ist "Der Mensch im Verkehr", wo wir Taxifahrer die meiste Zeit verbringen. Zumindest war es bisher so, das ändert sich gerade. Vor allem Nachts greifen immer mehr Party People zum Feind aller ehrlichen Taxifahrer aus Amerika. Mir war das Party Volk schon zuvor ein Dorn im Auge, weil es für unnötige Unruhe sorgt, vor der bereits die Heilige Schrift in ihren Psalmen warnte:

Sie gehen daher wie ein Schatten und machen sich viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht, wer es bekommt. (39/6)

Doch zurück zu Kollege Nietzsche, zu dessen Zeit es noch kein Party Volk gab, weswegen er sich über die (US)-Amerikaner beklagte, deren Unruhe uns in die nächste Barbarei treiben wird. Hier "Die moderne Unruhe" aus "Menschliches, Allzumenschliches", in dem sich Kollege Nietzsche auch zu den nicht mehr vorhandenen Jahreszeiten äußert, was Party People etwas Barock erscheinen mag, aber Party People lesen hier nicht, einfach weil sie gar nicht die Ruhe dafür haben:

Nach dem Westen zu wird die moderne Bewegtheit immer größer, so dass den Amerikanern die Bewohner Europas insgesamt sich als ruheliebende und genießende Wesen darstellen, während diese doch selbst wie Bienen und Wespen durcheinanderfliegen. Diese Bewegtheit wird so groß, dass die höhere Kultur ihre Früchte nicht mehr zeitigen kann; es ist, als ob die Jahreszeiten zu rasch aufeinanderfolgen. Aus Mangel an Ruhe läuft unsere Zivilisation in eine neue Barbarei aus.                            ("Die moderne Unruhe")

Foto&Text TaxiBerlin

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