03.02.2019

ÄRGERE DICH NICHT - SCHALT EINFACH AB


Auch wenn ich bei mir im Taxi mangels Fahrgästen jetzt immer mehr Zeit zum Radio hören habe, höre ich viele Sender gar nicht mehr, und dazu gehört auch Radio Eins. Mit einer Ausnahme, und das ist "Die Blaue Stunde" mit meinem Freund Serdar, der auch schon mal Taxifahrer war, oder zumindest so getan hat, als wäre er einer. Serdars Sendung höre ich aus Mitleid (Mitleid wird weitgehend unterschätzt, aber das nur nebenbei), aber auch weil man von Serdars Sendung viel lernen kann, und zwar wie man's besser nicht macht. Ich bin so ein Typ, der möchte immer was dazu lernen, um immer noch besser zu werden. Das ist auch meine eigentliche Motivation beim Taxifahren. Ich weiß, viele Menschen möchten immer dazu lernen genauso wie sie offen sein wollen, und vielleicht gehörst auch du zu ihnen. Leider ist es dann im richtigen Leben oft so, dass das Gegenteil der Fall ist, und dass die Leute nicht mal richtig zuhören können. Solcher Natur waren auch die Anrufer in Serdars letzter Sendung mit dem schönen Thema "Politische Korrektheit" am vergangen Sonntag zwischen 16 und 18 Uhr. Eine weitere Gemeinsamkeit der Anrufer aber nicht nur untereinander, sondern auch mit Serdar war, dass alle schon wussten, was Gut und Richtig ist, und die anderen es nur noch zu lernen brauchten, am Besten von ihnen selbst. (Im Prinzip das, worunter die meisten Gesprächsangebote der Art "Lass uns da mal drüber reden" oder auch nur "Wie müssen reden" heutzutage leiden.) Eine Anruferin in Serdars Sendung schlug ganz und gar vor, "reflektierter mit seinen Gedanken umzugehen" (keine Ahnung, wie man das macht), womit sie meinte, böse Gedanken (die jeder Mensch hat) bei anderen zu verurteilen, aber bei sich nicht wahrhaben zu wollen. (Also "Der Splitter im Auge des anderen und das Brett vor dem eigenen", allerdings nicht als biblisches Gleichnis sondern einfach nur als Rechthaberei.) Ich warte noch auf den Ratgeber "Der politisch korrekte Umgang mit seinen Gedanken", zumindest habe ich das Serdar geschrieben. Der Höhepunkt in der Sendung war aber nicht die Anruferin, sondern Serdars Hinweis auf eine andere Sendung von ihm, zu der er jemanden aus dem Dschungelcamp eingeladen hat, über das er kurz zuvor (völlig zu Recht) auf das Übelste abgelästert hatte. Nur, warum lädt er dann jemand aus dem Dschungelcamp in seine Sendung ein, wenn es doch so schlimm ist? Gibt es keine interessanteren Gäste als Leute aus dem Dschungelcamp? Auch das habe ich Serdar in meiner Kurzkritik gefragt, der ja vielleicht auch mit jeder Sendung besser werden möchte. Wie gesagt, ich höre seine Sendung um selber besser zu werden, aber auch, weil es wirklich sehr schwer ist, von alten Gewohnheiten zu lassen, zu denen auch Radio Eins hören gehört. Auch ich habe, wie du vielleicht auch, lange über Radio Eins geschimpft, obwohl man es doch einfach nur abschalten braucht. Und das ist glaube ich das, wovor die meisten Menschen Angst haben im Leben, weswegen sie alles immer am Liebste so lassen würden, wie es ist. Die Rede ist von Veränderungen (sowohl im Kleinen zum Beispiel beim Radio hören aber auch im Großen) die vor uns stehen.

Text TaxiBerlin

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