06.01.2019

DAS IST DOCH MAL EINE GUTE NACHRICHT


Europa-Center, Tauentzienstraße
früher Charlottenburg / heute Charlottenburg-Wilmersdorf

Es gibt einen neuen Rekord in meinem Taxi. Jetzt nicht, was den Umsatz angeht, der geht gegen Null, sondern der gelesenen Bücher. Gestern waren es ganze zwei (2!), die ich in einer Schicht geschafft habe. Und zwar "Michel Houellebecq, Ökonom" (morgen kommt der neue Roman "Serotonin" von Houellebecq heraus) von Bernard Maris (getötet am 7. Januar 2015 bei dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo") und "Keine Mutter ist perfekt" von Hans-Joachim Maaz, der mir schon mal im Taxi saß und im Interview Rede und Antwort stand. Darüber hinaus kam ich neben dem Lesen auch zum Nachdenken. Ich überlegte, wie ich mich auf den bevorstehenden Finanzcrash vorbereiten kann, der, da sind sich die Experten einig, schlimmer werden wird als der von 2008. Vor allem wird es mehr Arbeitslose geben, aber das ist nicht mein Problem. Arbeitslos bin ich ja praktisch jetzt schon. Heinrich Böll hat einmal gesagt, dass man dann einen gültigen Pass und 1.000 Mark (heute Euro) in bar braucht. Woher ich letzteres herkriegen könnte, ohne es jemandem anderen wegzunehmen, fragte ich mich gerade, als genau gegenüber von meinem Taxi eine hübsche Dralle mit schönen Kurven im kurzen Schwarzen und in rote Schuhe auftauchte und den Mittelstreifen des Tauentzien zu ihrem ganz privaten Laufsteg machte. Da fiel mir plötzlich "Red Shoes" von Tom Waits ein. Dazu muss man wissen, dass ich rote Schuhe sehr sehr mag. Ich hatte sogar selber schon mal welche. Zum Schluss dachte ich noch, wie schön es ist, dass ich seit einiger Zeit so viel Zeit habe. Daran wird sich trotz Crash und allem anderen nichts ändern. Und das ist doch mal eine gute Nachricht.

Foto&Text TaxiBerlin

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