08.10.2018

IM TAXI MIT EINER MEDIENHURE


Invalidenstraße / früher Mitte / heute Neue Mitte

Es konnte nichts werden mit ihm, das war von Anfang an klar, denn er erlaubte sich, über mein japanisches Auto abzulästern, bevor er überhaupt drin saß. Er kam gerade mit dem Flieger aus Malle, wo er ausnahmsweise mal Privatfernsehen gesehen habe, was gar nicht geht. Normalerweise schaut er nur Öffentlich/Rechtlich, für die er als Freiberufler arbeite. Er sei, das gebe er zu, eine richtige Medienhure. Für Geld mache er jeden beschissenen Job, aber eben nur für Öffentlich/Rechtlich, denn die zahlen gut und bei denen ist die Welt noch in Ordnung. Da ist die Welt einfach, denn es gibt die Guten und die Bösen. Was die Bösen zu sagen haben, muss man sich nicht anhören, denn dass die böse sind, ist klar, das haben schließlich die Guten gesagt. Die Guten, das sind in seinem Fall wie gesagt Öffentlich/Rechtlich, und das solle ich, ginge es nach ihm, auch als Fahrziel auf die Quittung schreiben. Da die Fahrt vom Malle-Flieger aber zu ihm nach hause und nicht in den Sender ging, ging das natürlich nicht. Deswegen gehöre ich bei ihm, der bekennenden Medienhure, auch zu den Bösen, aber damit kann ich leben.

Text TaxiBerlin

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