18.09.2018

ÜBER DEN ZUSAMMENHANG ZWISCHEN MATERIAL, ARBEIT UND PARTY MACHEN



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Auch am Rande Europas wird gearbeitet, und wie! Manchmal habe ich den Eindruck, ach was sage ich, ich bin mir nahezu sicher, dass hier mehr gearbeitet wird als zum Beispiel in Berlin. Das liegt jetzt nicht daran, dass Berlin die Stadt ist, die nie arbeitet, so wie New York niemals schläft. Dass das Party-Volk in Berlin nicht arbeiten würde, kann ich nun wirklich nicht behaupten. Es arbeitet eben nur anders, und vor allem zu einer anderen Zeit. Im Gegensatz zu Berlin ist es hier nachts meistens dunkel. Wenn du mir nicht glaubst, dann schau dir im Internet mal ein paar Sattelitenbilder an. Hier schlafen die Leute nachts meistens. Ich weiß, total langweilig. Aber nicht zu ändern. Dass sie nachts meistens schlafen, liegt daran, dass sie am Tage viel arbeiten müssen. Wie ich eingangs erwähnte, halte ich es für äußerst wahrscheinlich, dass die Leute hier mehr arbeiten als in der Heimat. Auch die Taxifahrer. Ja, gerade die Taxifahrer. Lass mich es anhand der Taxifahrer erklären, damit es klarer wird, was ich meine. Die Taxifahrer hier sitzen nicht den lieben langen Tag in ihrem Taxi rum, wie die Taxifahrer bei uns. Nein, der Taxifahrer hier ist nur am Fahren. Und wenn er nicht am Fahren ist, so viel fährt er nun auch wieder nicht, ist er am Reparieren. Manchmal bleibt das Taxi auch einfach nur stehen, weil der Kollege vergessen hat zu tanken. Aus unerfindlichen Gründen fahren alle Taxen hier chronisch auf Reserve, so dass das mit dem Stehenbleiben schon mal vorkommen kann. Noch häufiger liegt der Taxifahrer aber unter seinem Taxi, weil er dort irgendwas reparieren muss, so dass selbst eine Kurzstrecke immer auch das Potenzial zu einem Happening hat. Dann, beim Hervorkrabbeln von unter dem Taxi passiert es sehr oft, dass der Taxifahrer mit seinem Hintern was anderes kaputt macht. Nicht umsonst sagt man hier, dass das Wenden das gefährlichste im Leben überhaupt ist, weil man beim Umdrehen mit dem Arsch meist das einreißt, was man beim letzten Mal mühsam repariert hatte. Das führt wiederum dazu, dass du dich erneut umdrehst, um nachzusehen, was du jetzt wieder eingerissen hast mit deinem dummen Arsch, und dabei auch noch das kaputt machst, was du gerade eben repariert hast. Ein Teufelskreis, aus dem man nur sehr schwer herauskommt, im Gegensatz zum Taxi, aus dem man hier sehr schnell rauskommt und auch sehr schnell rauskommen muss, weil gerade wieder was repariert werden muss, wenn es nicht die Reserve war, auf die man nicht geachtet hatte. Dass kein Benzin im Tank ist, ist aber in der Regel nicht der Grund, warum man liegen bleibt, auch das erwähnte ich bereits, sondern das Material. Ja, es liegt eigentlich immer am Material, das hier komplett anders ist als bei uns. Und das irre ist, es sieht genauso aus wie bei uns, die Verpackung, die Marke usw. ... alles so wie bei uns, und trotzdem hat es mit dem bei uns nichts am Hut – ÜBERHAUPT NICHTS! Du verstehst? Musst du mal drauf achten, wenn du wieder auf Reisen bist. Der Deutsche ist auch hier für seine Reiselust bekannt. Es betrifft nicht nur Ersatzteile, sondern auch Spülmittel, Duschgel, Schokolade und ähnlichen Schnickschnack. Ach, das nimmst du immer von zu hause mit?! Dann kann man natürlich nichts machen.

Zusammengefasst in einem leicht verständlichen Deutsch: Am Rande eines Europas, in dem alle Menschen Brüder werden, ist dasselbe Material gerade mal das gleiche und die Freude darüber nur von kurzer Dauer, denn es muss permanent irgendwas repariert oder gar erneuert werden von Menschen, die Nachts schlafen und deswegen keine Party machen können
Foto&Text TaxiBerlin

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