16.08.2018

TAXIBERLINS AUSZEIT REPORT (ERSTER TEIL)


Ein großer, wenn nicht gar der größte Nachteil des Taxifahrens ist, dass man selten raus kommt aus seiner Stadt, geschweige denn aus seinem Land. Dabei ist gerade der Blick von außen und aus der Ferne aufschluss- und hilfreich. Auch deswegen verließ ich letzte Woche einmal mehr mein geliebtes Berlin, und zwar, wie es sich für einen richtigen Taxifahrer gehört, auf dem Landweg und nicht per Flugzeug, wobei es auf diese Unterscheidung nicht mehr ankommt. Beides, sowohl die Straßen und Autobahnen als auch der Luftraum sind verstopft von den viel zu Vielen, von denen Kollege Nietzsche seinerzeit meinte, dass es ein Fehler sei, dass ein jedermann lesen lernen darf. Ein noch größerer Fehler scheint mir zu sein, dass heutzutage ein jeder reisen darf, denn manch einer weiß gar nicht mehr, wohin seine Reise geht. Egal ob Mailand oder Madrid – Hauptsache Spanien! ist heute kein Witz mehr sondern bittere Realität. Mein Ziel war weder Mailand in Italien noch das spanische Madrid, sondern Montana in Bulgarien. Das gibt es wirklich, und wer daran zweifelt und des Lesens kundig ist, der kann nicht nur, nein, der sollte das zu seiner eigenen Sicherheit überprüfen. Meine Reise geht derweil schon mal weiter, aber keine Sorge, dank zahlreicher Dauer-Baustellen geht es nur im Schritttempo Richtung Dresden voran. Es gibt sie also nicht nur in Berlin so zahlreich, sondern auch auf unseren Autobahnen außerhalb der Bundeshauptstadt, ganz genauso wie mir das meine Fahrgäste in meinem Taxi immer hinterbracht haben. Offensichtlich ist mit Baustellen, auf denen nicht gearbeitet wird, genauso wie mit Flughäfen, die nicht eröffnen, jede Menge Geld zu verdienen. Alleine der Flughafen BER kostet den braven Bürgern (Nicht den Wutbürgern, denn die würden sich das zu Recht nicht gefallen lassen!) pro Monat, die er geschlossen bleibt, 40 (in Worten: vierzig) Millionen Euro. Gespart wird dafür an Parkmöglichkeiten für LKWs. Diese stehen an den wenigen vorhandenen bereits regelmäßig bis zur Autobahn und darüber hinaus auch an Nothaltebuchten. Auch die Abfahrt nach Prag ist eine einzige Baustelle, in deren Bereich die rechte Fahrspur von den beiden anderen durch einen Mittelstreifen getrennt wird. Praktischerweise erfährt man erst im Baustellenbereich, dass nur der auf der rechten Fahrspur nach Prag abbiegen kann. Ein Stück Balkan Mitten in Sachsen, von Europäischen Patrioten gegen die Balkanisierung des Abendlandes keine Spur. Beim Tschechen dafür jede Menge Fahnen. Die tschechischen Autobahnen sind praktisch vollgepflastert mit Nationalflaggen. Immerhin keine Werbung, obwohl die Tafeln, auf denen die tschechische Fahne klebt, so aussehen, als wären sie genau dafür gedacht gewesen. Das mit den Fahnen würde manch einer wohl eher beim Ungarn vermuten. Doch so weit sind wir noch nicht. Erst einmal brauche ich eine weitere Vignette für die Slowakei, auch wenn die so klein ist, dass ich kaum eingestiegen schon durch bin. Immerhin spare ich den Umweg durch Bayern und Österreich. Gut, die Autobahnen beim Tschechen, beim Slowaken und auch beim Ungarn sind meist nur Zweispurig. Dafür hält sich der Privatverkehr dort in Grenzen. Möglicherweise darf  dortzulande noch nicht jeder reisen. Dafür auch hier jede Menge LKWs, der Rubel mit den Waren, die keine Mensch braucht, muss wenigstens rollen, und auch hier dasselbe Problem mit den nicht vorhandenen Parkplätzen für die Trucks, die regelmäßig die Einfahrten zu den wenigen vorhandenen Parkplätzen blockieren.

Kurzer Einschub LKWs: Manch einer verbindet mit dem Beruf des Truckers immer noch irgendeine Form von Freiheit. Der LKW-Fahrer von heute ist aber aufgrund von Liefer-, Pausen- und anderen Zeiten mindestens so reglementiert wie jeder andere Job, wenn nicht sogar mehr. Freiheit sieht anders aus. Ein Taxifahrer hat bis heute dagegen immer noch wesentlich mehr Freiheiten, obwohl auch bei ihm Dank GPS die Zentrale und auch der Chef jederzeit weiß, wo er sich gerade aufhält.

Ziel meiner ersten Etappe: Das 1.100 (in Worten: eintausendeinhundert) Kilometer von Berlin entfernte Makó im Südosten Ungarns kurz vor der Grenze zu Rumänien. Ich hatte hier schon mal vor genau sieben Jahren Halt gemacht und die kleine Stadt am Eingang zum Balkan alles andere als in guter Erinnerung. Der Ort hat sich gemausert, wie man so schön sagt. Richtig nett ist er geworden, und selbst an dem am ersten Haus am Platze servierten Gulasch hängt heute kein Fell mehr so wie damals. Also wenn das kein Fortschritt ist, dann weiß ich auch nicht. Bevor ich es vergesse: Im September, es ist also noch nicht zu spät, wird in Makó der Zwiebel-König gekrönt. Das liegt daran, dass Makó die Zwiebel-Hauptstadt Ungarns, ach was sage ich, ganz Europas ist. (Wer’s nicht glaubt, sollte dies unbedingt überprüfen!) Party People aller Herren Länder sollten sich dieses weltweit einmalige Event auf keinen Fall entgehen lassen, ganz nach dem Motto: Nicht Mailand und auch nicht Madrid – Nur Makó! Ich selbst kann leider nicht mit von der Partie sein, denn ich stehe mehr auf Knoblauch. (Knoblauch ist Antibiotikum und Desinfektionsmittel in Einem. Wer lesen kann, auch das bitte prüfen!) Und da ich Knoblauch esse, wie andere Brot bzw. Kartoffeln, habe ich ernsthafte Chancen zum diesjährigen Knoblauch-Prinzen gekürt zu werden. Natürlich auf dem Balkan – wo sonst?!

Wird leider fortgesetzt.

Text TaxiBerlin
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