07.08.2018

KULTURKIOSK OHNE KULTUR


Zehlendorf-Mitte

Was für mich mein kleiner BauchLaden ist, das ist dem Zehlendorfer sein KulturKiosk, genauer: war! Den Kiosk gibt es noch, und zwar direkt neben der TaxiHalte in Zehlendorf-Mitte, das ist Potsdamer Straße Ecke Teltower Damm, aber die Kultur darin ist futsch. Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich mir im Zehlendorfer KulturKiosk ein Buch und eine CD gekauft, gebraucht versteht sich und zum kleinen Preis. Die CD war von Keith Jarrett und nicht wirklich gut. Ich habe sie dem Kollegen Tobias geschenkt, der sie gerne haben wollte, sie dann aber auch nicht gut fand. Das Buch heißt "Unterwegs" und ist von Fritz J. Raddatz. Fritz J. Raddatz ist ein gebürtiger Berliner, der leider bereits verstorben ist. So weit man weiß, hat er sich in der Schweiz "einschläfern" lassen. "Unterwegs" von Fritz J. Raddatz (nicht von Kerouac, das heißt "On The Road"!) sind "Literarische Reiseessays". Ich hatte sie schon mal - jetzt habe ich sie doppelt. Es ist nicht so einfach, jemanden zu finden, der sich für Fritz J. Raddatz begeistert, an den ich "Unterwegs" abtreten könnte. Für den Einstieg würde ich auch eher die "Tagebücher" von Fritz J. Raddatz empfehlen. Die sind echt der Hammer - finde ich zumindest. Man erfährt zum Beispiel, dass Günter Grass seinem alten Freund Fritz J. Raddatz eine eigene Etage auf sein Haus in Portugal setzen wollte. Früher, meine ich. Also vor dem Erscheinen der "Tagebücher" vom Fritz. Danach kannte Grass den Raddatz nicht mehr. Witzig war auch, wie der Fritz in Berlin, wie gesagt seine Geburtsstadt, drei Kids mit seiner LuxusKarre zum Weihnachtsmarkt fährt, die mit ausgestrecktem Daumen an der Straße gestanden hatten. Fritz J. Raddatz war also auch Taxifahrer. Den einen von den Gören fragte er nach seinem Alter. Die Antwort: "Icke? Fünfe!" Einfach herrlich, aber leider nicht mehr im Zehlendorfer KulturKiosk erhältlich, denn der hat ja leider zu. Man könnte deswegen jetzt ins KulturKaufhaus nach Mitte fahren, muss man aber nicht, denn ich habe die "Tagebücher" von Fritz J. Raddatz neuerdings in meinem kleinen BauchLaden. Gerne lese ich auch daraus vor. Was die Kosten angeht, da verhält es sich wie mit der mobilen Lebensberatung, die ich ebenfalls in meinem Taxi anbiete. Der Preis ist flexibel und richtet sich nach der finanziellen Situation des Fahrgasts.

PS: Fritz J. Raddatz hatte, glaubt man seinen "Tagebüchern", in Zehlendorf auch eine heiße Liebesnacht mit Klaus Mann, dem ältesten Sohn von Thomas Mann, falls das jemand interessiert.

Foto&Text TaxiBerlin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen