05.07.2018

IM TAXI MIT TUVIA



Selbstfahrer Tuvia

Nein, Tuvia saß mir nicht im Taxi. Tuvia fährt selber, und zwar einen Opel. Ich hatte nur die Zeit und das Vergnügen (es war ein eher zweifelhaftes, obwohl ich mir vieles bereits genauso gedacht hatte, wie Tuvia es nun beschrieben hat), sein letztes Buch zu lesen. Es heißt "Allein unter Flüchtlingen" (Tuvia mag so provokante Titel) und ist ein Roadmovie durch unser schönes Schland. Tuvia ist ein jüdischer Journalist aus den USA (eigentlich aus Israel), der auch arabisch spricht (ein wenig deutsch versteht er auch.) Was mir an dem Buch am besten gefällt, ist, dass Tuvia genau dorthin geht, wo sich sonst niemand traut hinzugehen (oder warst du schon mal in einer Flüchtlingsunterkunft?) und vor allem mit Menschen spricht, mit denen sonst niemand spricht, und zwar aus Prinzip. Besonders Leute, die immer wieder betonen müssen, wie offen sie sind, sind in der Regel die geschlossensten, aus besagtem Prinzip. Tuvia hat keine Berührungsängste, und ich habe sie in meinem Taxi auch nicht. Bei mir im Taxi darf jeder alles sagen, und so hält es auch Tuvia als Journalist. Zugegeben, man muss die Menschen lieben, aber bist nicht auch du einer, der Menschen mag, oder willst es zumindest sein. Dieses Interview mit Tuvia kann dir dabei behilflich, und natürlich auch Tuvias Buch "Allein unter Flüchtlingen". Ich möchte nicht zu viel über das Buch zu verraten, sondern nur einen Absatz aus Tuvias Buch zitieren, wobei ich dazu sagen muss, dass auch ich nicht weiß, wie sehr König Ludwig II. Tuvia am Herzen liegt:

Wegen der Flüchtlinge bekämpfen sich die Deutschen untereinander, doch offen gestanden kann ich keinen Unterschied zwischen den rechten und den linken Deutschen erkennen, zwischen denen, die gegen Flüchtlinge demonstrieren, und denen, die die größten "Flüchtlinge willkommen!"-Plakate in die höchsten Bäume hängen. Beiden liegen die Flüchtlinge ungefähr so sehr am Herzen wie mir König Ludwig II.

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Text TaxiBerlin

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